Wetter
sichert Kommissärs^.
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2,6« C.
1,7° C.
für
Dr. sich der Ge-
13.—14. März ==
13.-14. , =
Höchste Temperatur am
Niedrigste w „
Schnee
Heller Himmel
Schnee
Daraus wird der Ausschußantrag angenommen und die Sitzung um V22 Uhr vertagt.
Nächste Sjkmra: Mittwoch.
schon seit Monden sich verzehrt vor Sehnsucht nach dem Raubmörder Hennig. Dieser Kommissär ist gerade schlau genug, zugunsten der Bequemlichkeit die Pflicht mit Füßen zu treten und jeden Widerspruch abzuschrecken. Er beleidigt und verdächtigt die Störenfriede, die den Schutz ihrer Sicherheit bei ihm suchen, oder, wie der redliche Finder einer Uhr, ihre Pflicht gegen die Oeffentlicheit erfüllen, und tyrannisiert die Untergebenen, die ihm lästiges Arbeitsmaterial zutragen. In einem Falle wird da? Genie der Dummdreistigkcit gründlich ad absurdum geführt. DaL ist die Pointe des pikanten kleinen dramatischen Leckerbissens. Eben hat der Koinmissär eine Dame, die um Schutz vor ihrem wahnsinnigen Galten bat, mit hochmütig ironischen Redensarten zur Tür hinausgedrängt, da tritt durch diese Tür besagter Gatte ein, um wegen irgend einer Straßcndemonstration Rede zu stehen. Der absolute Narr ist noch mächtiger als der absolutistische Kommissär; er sperrt die Obrigkeit ein und versetzt den Beamten mit Revolver und Stockdegen in alle Höllenqualen der Todesangst. Auf der Demütigung des Hochmütigen ruht die Hauptwirkung deS Stückchens.
Mit Hauptmanns .Biberpelz" verglichen — soweit man eine Kleinigkeit mit einer Meisterkomödie vergleichen darf — zeigt das zrrm Schlüsse leider allzu burleske Schwänklein so recht den nationalen Wesensunterschied der Komik. Der deutsche Dichter läßt, sehr lebenswahr, seinen blöden AmtS- vorsteher triumphieren. Denr französischen Satiriker beliebt eine Art von Vergeltung, die natürlich ebenso wenig eine Befriedung aufkommen läßt, als wenn der Kommissär etwa unversehens die Treppe hinuntergestürzt wäre. Zudem würde der Wahnsinnige, wie den Kommissär, auch eine schuldlose Seele gepeinigt haben, wenn diese ihn: gerade in die Quere gekomrnen tväre. EouttelmeS poetische Gerechtigkeit ist also sehr zweifelhafter Natur. — Auch ein Vergleich mit dem Humor deö Russen Tschechow liegt für uns nahe. Der Russe
es nach seinem Auftreten den Anschein hatte. Schramm, ein noch junger Mann, der erst einige Jahre hier weilt, hatte entschieden Talent, denn durch seine staunenswerten Unternehmungen, seinen Kuustsalon, durch die Herausgabe einer Hessenzeitschrift usw. wußte er sich einen Rainen und unbeschränkten Kredit zu verschaffen. Um so größer war die Enttäuschung, als das Verhängnis hereinbrach.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 14. März 1906.
** Gießener Pferde markt-Lotterie. Die Lose Les am 28. März d. I. stattfindenden Frühjahrs-Pferdemarktes finden guten Absatz. Als Haupttreffer sind vorgesehen: ein viersitziger Viktoriawagen, ein- und zweispännig fahrbar, nebst Pferd und silberplattiertem Geschirr, ein viersitziger Iagdwagen nebst Pferd und vernickeltem Brustblattgeschirr, ein Lauterbacher Wagen mit Kutschierbock nebst Pferd und
parlametttarifcbes»
Berlin, 13. März. Tie Reichstagskommission für die neue Maß - und Gewichtsordnung nahm eine Anzahl Paragraphen, darunter den $ 5, enthaltend die Bezeichnungen fiir die Teile und Vielfache des Kilogramms xnt, jedoch mit einem Amendement Merten, nach welchem ein Zwischengewicht zwischen Gramm und Kilogramm, nämlich 100 Gramm, unter der Bezeichnung „H e k t o g r a m m" geschaffen werden soll. Tie Beratung^ wurde mit Rücksicht auf die Trauerfeier für Eugen Richter abgebrochen.
^kirchliche Nachrichtens
Evangelische Gemeinde.
Freitag, den 16. März, nachmittags 51/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Kon- firmandcnsaal, Liebigstraße 56. Pfarrer Euler.
(in seinem .Bären" und mehr noch in seinen novellistischen Skizzen), der Franzose und der Deutsche sagen mit grimmem Hohn böse Wahrheiten als Pesfimisten, dec Russe mit Tränen in den Augen, der Deutsche mit objektiver Wahrheitsliebe, der Franzose mit durch und durch unheiligem Lachen und in der Absicht, sich an unausrottbaren Verkehrtheiten spöttisch zu belustigen. Bei Conrteline kichert der Schalk hervor: dem Verstandesschwachen, der die Macht hat, kommt mir der Narr bei, der nichts, am wenigsten Verstand zu verlieren hat. Der Nachgeschmack aber ist bei allen dreien gleich bitter.
Dem augenblicklichen Ergötzen an dem diabolischen Spaß diente die Darstellung in sehr geschickter Weise. Herr Reimer brachte die beiden Kontrastfarben: die selbstherrliche Niedrigkeit und die Selbstpreisgebuug der Feigheit, mit unwiderstehlich ausgelassener Komik, in der Maske, im ganzen Habitus, im Mienenspiel von wunderlichster Drolligkeit. Das engbrüstige, krumme Kanzleimenschlein von lächerlicher nervöser Aufgeregtheit, das Herr R. hier schuf, war von köstlicher LebenS- echtheit — bis an die letzten Szenen, wo der Autor den festen Boden unter den Füßen aufgiebt und über das Ziel rasend weit hinausschießt nach der Zirkusmanöge hin. Auch Herr Goll war als der Verrückte sehr lustig, und großartig in der vollendeten Souveränetät der Narrheit, und seine Schuld fft es noch weniger, wenn mon eS schließlich peinlich empfand, daß Courteline, wie die bekannten Hyänen, „mit Entsetzen Scherz treibt'. In einer ganz kleinen Episode wirkte Herr Herrscher mit seiner stets individuell charakterisierenden Komik wie eine aus dem .Kladderadatsch' entsprungene Figur. Herr Mendel und Frl. Ruf vermehrten mit Eifer die Verwirrung in dem kleinen Gehirn des „gcmüt-
Meteorologisckre Beobachtungen
_________der Station Gießen.
— Das zweite Hest der „Skizze" einer neuen illustrierten Zeitschrift für „literarische Kleinkunst'.. (Verlag von Dr. Paul
DLv l kereischu le-rr, hat der Ausschuß beschlossen, den Betrag von 11000 Mk. für die Molkcreischule au Lauterbach zu stretchen und die Vorstellungen der Molkereigenossenschaften Eichen-- lvd, Schlitz und Wallenroo für erledigt zu erklären.
Abg. Stöplcr beantragt die Wiedercinstellung des Betrages und verteidigt den seither für die Molkereischule bewilligten Staats- beitrag in eingehender Deffe.
Äbg. H aas tritt diesen Ausführungen entgegen.
Abg. Hirschcl motiviert den Ansschußantrag.
Abg. Dr. Heidenreich ist dafür.
Abg. Dr. Gutfleisch betont, cs sei bei dem besonderen Interesse, das inan hier tnt Hanse allen landwirtschaftlichen Dingen entgegenbringc, doch eigentümlich, daß die Vertreter der Landwirtschaft entgegengesetzter Ansicht seien. Run sollten wir anderen, die wir doch für landwirtschaftliche Fragen „nicht zuständig" sind, hier entscheiden. Aehnliches erlebe man auch in den Kreis- und ProvinzialanLschüfsen, wo auch tlber dak Simmen- tLalcr und anderes Zugvieh herum gestritten werde. Hier romtte man auch versucht sein, die Rollo der Tertius gaudenz zu übernehmen: wir könnten, wenn wir wirklich keinen Sinn für die Landwirtschaft hätten, uns darüber freuen, wenn zwei sich zanken. Er freue sich aber nicht darüber, weil das der Landwirtschaft nur schaden würde, sondern er Wunsche, daß sich die Vertreter der Landwirtschaft über ihre wahren Interessen verständigen möchte. Er sei der Meinung, daß man nicht plötzlich abbrechen, sondern einen Nebergang schaffen müsse, damit die Molkcreischule nicht plötzlich vor dem Nichts steht. Er beantrage daher, statt der geforderten Summe von 11000 Mk. den Betrag von 6000Mk. zu bewilligen, wobei man auch dem Umstand Rechmmg trage, daß die Ansichten über die Nützlichkeit der Molkerei- schule für Hessen noch nicht geklärt seien. Den Vertretern der Landwirtschaft empfehle er aber, in solchen Fragen vorher unter sich eine Verständigung zu suchen und birnn einiger mit ihren Wünschen aufzutretcn, als bislrer.
Ministerialvräsident Braun unterstützt den Antrag Gutfleisch aufs wärmste; er würde es für bedenklich halten, durch die Streichung der ganzen Summe dem Institut plötzlich das Lebenslicht auszublasen.
Abg. Molthan erklärt, daß er mit seinen Freunden für den Antrag Gutfleisch stimmen werde.
Abg. Hirschel erllärt schließlich, die 6000 Mk. auf ein Jahr bewilligen zu wollen, zieht den Ansschnßantrag zurück und setzt an dessen Stelle den Antrag Gutfleisch, der darauf einstimmig angenommen wird.
23ct_ Kap.. Landwirtschaftliches Vereins- und Gen v ssen scha fts w essen wird beschlossen, den im Vor- anschlag gestrichenen Betrag von 5000 Mr. für Förderung des Molkereiwesens wieder einzuftcllen mb ihn auf Antrag Haas „zur Unterstützung der milchwirtschaftl. Versucl>sstatwn" zu verwenden. Bei Kap. 74, Bodenmeliorations-- und Wasser- dersorgungswesen, macht
Abg. Dr. Weber längere Ausführungen über die Aufforstung von Gcmeindcwüstungen und Meliorationen im VogelÄcrg, auf die auch
y Büdingen, 11. März. Eine bemerkenswerte Entscheidung fällte gestern der Kreisausschuß in der hiesigen Schulhausplahfragc. Der Bürgermeister hatte sich geweigert, die Schulhausplatzfrage nochmals auf die Tagesordnung zu setzen, wie cs die Mehrheit des Gcmcindcrats ver- langt hatte, da über diese Frage bereits im Vorjahre endgiltig abgestimmt worden sei und die Angelegenheit dem Kreisaus- schliß nach Artikel 48 III der Krcisordnung (Meinungsverschiedenheit zwischen Ortsvorstand und Gemeinderatsntitglieder) vorgelegt wurde. Die Verhandlung dauerte über 4 Stunden. Von beiden Parteien wurde die Schulhausfrage von allen Seiten nochmals gründlich beleuchtet. Die Majorität des Gemcinde- rats führte insbesondere an, daß die erdrückende Mehrheit der Büdinger Bevölkerung das Schulhaus ins Zentrum der Stadt haben wolle, wie ja die Petition von 411 Bürgern und die letzte Versammlung von 300 Bürgern bewiesen habe. Der Kreisausschuß entschied nach Inständiger Beratung, daß die Platzfrage nochmals auf die Tagesordnung zu setzen sei.
§ Marburg, 13. März. Ter Schrammsche Millionenkonkurs bildet heute noch innner das Tagesgespräch, denn seit dem Verschwinden des Univcrsitätsbuchhändlers Schramm kommen immer neue Ueberraschungen zum Vorschein. Wohin er sich eigentlich gewendet hat, weiß man nicht; e§ wird behauptet, daß er kurz vor dem drohenden Zusammenbruch noch schnell durch den Verkauf einiger Villen in Wiesbaden ich in den Besitz von hinreichenden Geldmitteln setzte und mit einer Dame von dort die Reise übers Meer antrat. In Marburg ist ein solcher Millionenkonkurs noch nicht dagewesen; das traurige bei der Sache ist, daß auch eine Anzahl kleine Geschäftsleute und Handwerker geschädigt sind. Außer dem mit etwa 400 000 Mk. belasteten Riesenpalast und den ver- chiedenen Villen und Häusern hier am Orte soll er durch allerhand Manipulationen auch noch in anderen Städten Villen und Häuser, man spricht von 30—40, erworben haben, obgleich er garnicht so wohlhabend gewesen sein soll, wie
Ministerialpräsidcnt Braun unter Hinweis auf die beabsichtigte Vorlage eines' neuen Külturplanes für den oberen Vogelsberg näher eingeht.
Bei Abs. 4, Beiträge an bedürftige Gemeinden zu den Kvsten für Wasserleitungen usw., beantragt
Abg. Breimer, die gestrichenen 50 000 Mk. dafür wieder einzustellen, während der Ausschuß beantragt, 20000 Mk. diesen Zweck einznftellcn. Hiettici bringen
die Abgg. Diehl, B e st - Osthofen, Braun und Heidcnrcich verschiedene Klagen vor, deren wesentlichste darum dreht, daß das K'rcisantt Mainz bei der Anlage Selztalwasserleitung vorgcgangen sei, ohne die beteiligten mcindcn um ihre Wünsche zu befragen.
Ministerialpräsidcnt Braun erwidert, er könne sich das nicht denken, die Gemeinden würden wahrscheinlich schon früher befragt wvrdcn sein; er werde aber nähere Informationen ein» ziehen.
Kummetgeschirr sowie 7 Pferde und Fohlen, landw. Maschinen, Fahrräder, Nähmaschinen, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenstände. Die Wagen sind von A. Kilbinger-Gicßen und K. Stephan-Großen-Buseck, das silberplattierte Geschirr von Sattlermeister Spies, das Brustblattgeschirr von Sattler- meister Groß, der Lauterbacher Wagen von Wagncr- meister Mühlig, das Kltmmetgcschirr von der Firma Müller & Diebel zu Gießen geliefert. Die Pferde werden auf dem Markt gekauft. Mit dem Ankauf der übrigen Gewinne wird in diesen Tagen begonnen. Die Zahl der Gewinne ist um 100 vermehrt und die Gewinnchancen sind damit erheblich verbessert worden. Der Preis des Loses beträgt 1 Mark. Die Ziehung findet am 29. März nachm. 2 Ühr in der Turnhalle der Ctadtknabenschule statt. Der Vertrieb der Lose ist dem Katifmann Richard Buchacker zu Gießen übertragen. Lose können von diesem direkt oder von den von dem Genannten eingerichteten Verkaufsstellen bezogen werden.
X Arnsburg, 13. März. In der vergangenen Nacht wurde durch den Sturmwind die mehrere hundert Jahre alte Buche am Eingang in das GotteSackertal (von Arnsburg aus) entwurzelt.
. 0 Butzbach, 13. März. Nach den vorläufigen Feststellungen dursten Heinzerlings Unterschlagungen die Summe von etwa 180 0 0 0 Mark nicht übersteigen. Ihnen steht ein Vcremsvermögen (einschließlich der Stammanteilc von 20 000 Mk.) von etwa 90000Mk. gegenüber. Leider sind aber in dieser Summe eine ganze Anzahl minderwertiger Hypotheken enthalten, die bei einer ev. „ Auflösung der Kaffe kaum anderweitig untergebracht werden können. An Privatvernwgen gab Heinzerling an, nur noch ein Bergwerk in der Nähe von Eransbcrg int Kreise Usingen zu besitzen. Nach genauerer Orientierung von Interessenten stellt sich bo5' sogen. Bergwerk als wertloses Vcrsuchs- obsekt zur Schürfung von Bleierzen heraus, für das die Gläubiger wohl kaum einen nennenswerten Kaufpreis erzielen dürften. Die Zeitungsnotiz, wonach nur ein Verlust von 10 Proz. durch die Unterschlagungen entstehen könnte, ist Wohl wünschenswert, aber unwahrscheinlich. Unter vielen anderen hat der „Gemeinnützige Bauvercin", der erst vor etwa iy3 Jahren gegründet wurde, den Betrag von 16 000 Mk. bei der Kvsse angelegt. Der Gehilfenunterstützungsvercin ist ebenfalls Gläubiger mit einigen pausend Mark. Heinzerling genoß so unumschränktes Vertrauen, datz eine ganze Anzahl alleinstehender Personen ihm blindlings ihre Wertpapiere und sonstige Depositen zur Verwaltung überließen. Zwei Witwen verlieren jede etwa 18 000 Mk., welche von dem Defraudanten noch außer den Kässengeldern veräußert sind. — Heute (Dienstag) abend e n t g l e i st e gegen 9 Uhr kurz vor der hiesigen Station ein Güterzug mit einem der letzten Wagen. Durch die Sperrung der beiden Geleise erlitt der Personenzug von Gießen 1/2 Stunde Verspätung.
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* Sturm und Sturmflut. In der Gegend von Gloggnitz (Kgr. Sachsen) sowie im Rax- und Schneeberg-Gebiet richtete ein orkanartiger Sturm großen Schaden an. Ferner hat ein orkanartiger Sturm enormen Schaden in allen Teilen Englands angerichtet. Längs der ganzen Küste von Groß-Britannien und Irland haben ftch zahlreiche Schiffsunfälle ereignet. Der Verlust an Menschenleben ist groß Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt und zerstört. Auch in der Nordsee ereigneten sich zahlreiche Schiffsunfälle. In der Nähe von Kopenhagen wurde ein Eisenbahnzug durch den Sturm aus dem Geleise gehoben und umgeworfen Aus B r e m e r h a v e n , 13. März, wird gemeldet: Tie heute emgetretene Sturniflut erreichte die Pegelhöhe von 6.85 Meter, wie sie seit Jahren nicht zu verzeichnen gewesen ist. Von den stark gefährdeten Deichen wurde der Geeste- d e r ch in der Nähe der Hafenstraße in Lehe beschädigt, sodaß das Wasser mehrere Straßen überschwemmte und F-euerwehr und Hilfsmannschaften von der 3. Matrosen-Artillerie-Abteilung zum Auspumpen re- gurrrert werden mußten. Auf der Secheckschen Werft wurde ein im Dock stehender Dampfer durch Eindringen des Wassers tu das Dock erheblich beschädigt. In Wulsdorf und Geestdorf ist der So mm er de ich weqqerissen worden. Viel Vieh ist umgekommen. Auch in Geestemünde steht das Wasser in den Straßen und richtet m den Kellern großen Schaden an. — Aus Hamburg, 13. März, liegen folgende Meldungen vor: Infolge einer Sturmflut ist das Wasser der Elbe und in den Fleets am Hafen so hoch gestiegen, daß die Zufahrten zu den Ladestellen, sowie viele Kellerlokale noch unter Wasser stehen. Die Feuerwehr ist mit Dampfspritzen an den Auspumpungsarbeiten beteiligt. Unter den Brücken über den Fleets können Ewer, Schuten und selbst Jollen nicht durchfahren. Die Batterie am Stintfang gibt fortdauernd Warnungsschüsse ab. Der Schiffsverkehr im Hafen und seewärts t,t sehr behindert. — Die Werft in Einswarden (Olden- hat durch die Sturmflut großen Schaden genommen, -^ie Werftgebäude sind größtenteils weggerissen. — Auch bet und tu Antwerpen hat eine Flutwelle großen Schaden angertchtet, der auf mehrere Millionen geschätzt wtrd. In den Häusern in der Nähe deS Hafens steht das Wasser 60 Ztm. hoch. Alle auf dem Quai lagernden Ge- trctdcvorräte wurden weggeschwemmt. Biele Waren sind verdorben. Die Flutwelle erstreckt sich bis Willebrok, wo ste glctchfalls bedeutenden Schaden anrichtete. In Boom stnd alle Zuckerfabriken überschivemmt. Die Arbeiter hatten kaum noch Zeit, sich selber tu Sicherheit zu bringen. Me metsten Fabriken mußten den Bettieb einstellen.
Langenscheidt in Groß-Lichterselde) ist als „L i c b e s n n m m e r", erschienen. Unter den Beiträgen findet sich von Anton Tschechow, dein Verfasser des „Bären", eine boshaft ironische kurze Skizze, betitelt „Ein psychologisches Rätsel". Jedes Heft kostet 50 Pfg.
— Jnr literarischen Nachlaß Theodor Fontanes hat sich ein noch nngcdruckter kleiner Roman, „M a - tHilde Möbring" gefunden, den der Dichter um baS Jahr 1891, ungefähr gleichzeitig mit den „PoggenpnhlS", niederae- schriebcn, auch noch mehrfach durchgearbeitet hat, 511 dessen Schlußredaktion ihn jedoch nachher seine anderen Arbeiten nicht mehr haben Eommeit lassen. Der Roman, der, wie das „Lik Echo" mitteilt, Ende der achtziger Jahre teils in Berlin, teils in einer kleinen Kreisstadt des Ostens spielt und die einfache Geschichte der Verlobung, Ehe und Witwenwirtschaft eines prah tisch-klug veranlagten Bcnliner Mädchens kleinbürgerlicher Herkunft behandelt, dürste in revidietter Gestalt voraussichtlich zunächst in einer Zeitschrift. und pater in einem Nachlaßbande der Gesamtausgabe von Fontanes Werken erscheinen.
— Die Kun st und das Leb en. Es ist leider Tatsache, daß nicht nur auf dem Gebiete der Literatur, sondern auch ans dem der bildenden Künste Schundware emittiert, die infolge ihres billigen Preises und ihres äußeren, den Nicht-Künstverständigen leicht blendenden Gewandes grvßetr Absatz findet und so die guten Erzeugnisse, die in vielen Fällen nicht einmal teurer sind, verdrängt. Der Leipziger Universftätsvrofeffor Dr. Georg Witkowscki hat kürzlich über dieses Thema in Leipzig einen Vortrag gehalten, d-cr in Max Hesses Verlag in Leipzig unter dem Titel „Die Kunst und dav Leben" im Druck erschienet: und zum Preise tum 40 Pfg. zu beziehen ist. Des Verfassers Ausführungen sind interessant imd belehrend; insbesondere muß seinen Ansichten über die allend halben verbreiteten „rohen Ocldrucke, die durch ihren falschen, grellen Glanz das ungeübte 9luge bestechen", beigcpflichtet werden. Pros. Witkoirski weist nachdrücklich auf die Fülle von guten Nachbildungen alter oder moderner Meister hin, die jetzt — weit billiger als Ocldrucke — in reicher Auswahl zu haben sind, und gibt ein Verzeichnis von billigen Nepwdnktiotien, deren Anschaffung er — auf Grund eigener Beurteilung — empfehlen kann. Möge bie kleine Schrift im Interesse des Publikums weiteste Ver- brettung finden.
März
1906
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