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14.2.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 38

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 14. ' .-Ärrmr 1606

ErschttM «glich mtt Ausnahme deS Sonntags.

Die©tefcener Kamilienblätter" werden dem »Anzeiger otermal wöchentlich beigelegt. Der E^rkstsch« Laudwtrt*' erfchernl monatlich emmaL

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'leben UniDerfitälSbrutferet R. Lange, ©leiten.

Redaktion. Expedition u. Druckerei' SchulKr T.

Tel. Nr. 6L Telegr.-2Wr. r Anzeiger Gieß««,

Eeneral-Anzeiger, Amts- «nd Anzeigeblatt für den Kreis Eießen.

Bckaimlmalhung.

Betreffend: Rauschbrand fiu Wallenborn.

Die über das Oiehöft deS Job. Karl Pbilipp zu Watzen­born verhängte Sperre wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 12. Februar 1906.

Großhcrroqlichcs Kreisamt Gießen.

I.' V.: Dr. Merck. '

Marokko.

Die ^Rordd. Alla. Ztq." schreibt:

»DerT e m v §" soll einen neuen provokatorischen Artikel gegen De utschands Haltung in der marokkanischen Polszeisragc veröffentlicht haben. Schimpfereien sind keine Argumente. Je uielir sich der Leitartikler deSDemos" in eine durch nichts gerechtfertigte Atüregung hineinschreibt, desto k ü hier wird man in Deutschland diese An würfe registrieren und e§ höchstens bedauern, wenn dadurch die Verständigung auf d e r 5i o n s e r e n; erschwert werden sollte. Die Ver­treter Deutschlands und Frankreichs in Algeciras haben die Aufgabe, eine solche Verständigung zu suchen, und waren tatsächlich in v e r t r a u l i ch e E r ö r t e r u n g c n über die Polizei- lind die Banksrage eingetretelr. Wer dazu die erste Initiative ergriffen hat, uno wer den einen oder den anderen Wunsch über die Reibenlolae geänffert hat. in der diese Fragen behandelt werden sollen, ist' wirklich von untergeordneter Be- deutung. Wir glauben, daff es auch in Frankreich nur wenige geben wird, bie an den Invektiven eines übereifrigen Publizisten Geschmack finden. Von Friedensliebe und v e r s ö h n l i ch c m G c i ft e sind diele Auslassungen jedenfalls nicht einqegeben, und neues steht nicht darin. Getretener Q u a r k wird breit, nicht stark."

Seit langem ist an dieser Stelle nicht so scharf ge­schrieben worden. Vielleicht ist dieser Ton gegenüber dem Organ der französischen Negierung auch um etliche Nuancen zu stark. Der Kaltblütige ist stets der Ueberlegene, und eine satirische Abfertigung wäre wirksamer gewesen. Nach der sehr wünschenswerten Verständigung sieht die Polemik nicht aus.

Aus Algeciras wird heute offiziös folgendes gemeldet:

Algeciras, 13. Febr. Nach Beendigung der gestrigen Kommissionssitzungen wurde von französischer Seite an­geregt, die Verhandlungen über die Organisation der Staats­bank heute wieder amzunehmen, womit die deutschen Dele­gierten sich einverstanden erklärten, öcute vormittag haben Zusammenkünfte zivischen dem deutschen Botschafter v. Radowih und dem französischen Delegierten Nevoil und ferner zivischen dem Grafen v. Ta tt en back und dem französi­schen Delegierten Regnaul t stattgefunden. Die Vorbesprechungen und slonunissionSsitzungen sind in befriedigender Weise fort­geschritten. Nach der Ansicht mehrerer Delegierten, die befragt wurden, kann von einer Krisis zur Zeit nicht mehr gesprochen werden. Tie Erregung, die durch die an­scheinend inkorrekt übermittelten deutschen Preß- äufferungen hervorgernsen wurde, beginnt sich zu legen zum Bedauern derjenigen in Frankreich und auch in Spanien stark ver­tretenen Elemente, welche das Scheitern der Konferenz herbei­wünschen. Die heutige Sitzung dauerte von drei bis fünf Uhr. Das Verlangen des Sultans, daff auf Grund der neuen Be- stimmungcii über den Waksenschmuggel die beschlagnahmten Waffen dem Maghzen ausgelieiert werden sollen, wurde gut- geheißen. Sodann trat die Kouscrenz m die Emzelberatung des von der Redaklionskommiinon ausgearbeitelen Zollregle- ments ein, das bis zur Säb'te durchbergten wurde.

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Febr. Gestern abend fand bei dem Kaiser ein Tiner statt, zu welchem die Botschafter und Botschafterinnen und die fremdherrlichen Offiziere geladen waren.

Essen, 13. Febr. Bergmeister Engel, geschäfts- -fübrendes Vorstandsmitglied des Bergbauvcreins, wurde auf Mehrheitsbeschluß des Vorstandes vorläufig vom Amt suspendiert. Hierzu erfährt dieRh-Westf. Ztg.", daß im Vorstande Meinungsverschiedenheiten darüber bestanden, ob der mit der Geschäftsführung betraute Beamte dem Vorstande angehören solle oder nicht. Die Mehrheit des Vorstandes habe nun Engel zum Verzicht auf die Vorstands- Mitgliedschaft aufgcfordert und beschlossen, ihn im Falle der Ablehnung vom Amte zu suspendieren. Die Aufforder­ung sei abgelehnt worden und die Suspendierung erfolgt. Mit diesem Vorgänge im Zusammenhänge stehe der Aus­tritt des Geheimrats Kirtorf aus dem Vor- stande und Ausschuß des Bergbauvereins.

Dresden, 13. Febr. Minister v. Metzsch erklärte heute in der ersten Kammer, die Regierung habe gegen die Zu­lassung des Frauenstudiums an der Kunstaka- oemic in Dresden keine Bedenken.

Die bayer. Kammer über auswärtige Politik.

München, 13. Febr.

Bei der Beratung des Etats des Aeußern hielt in der Abgeordnetenkammer der Führer des Zentrums, Abg. Geiger, eine staatsrechtlich bedeutende Rede, in der er die Erklärung des Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils zurückwies, wonach die einzelnen Landtage nicht das Recht hätten, Angelegenheiten der auswärtigen Reichspolitik zu besprechen. Redner erklärt, seine Partei werde sich dieses Recht nicht nehmen lassen insbe­sondere, wenn das Volk die Kosten der Reichspolitik be­fahlen müsse. Ter liberale Führer Dr. Casselmann schloß sich diesen Ausführungen an, warnte aber davor, won dem Recht der Besprechung der auswärtigen Reichsange­legenheiten zu häufig Gebrauch zu rnachen und dadurch die Bedeutung oes Reichstages heraüzumindern. Wir haben, fjo erklärt er, bei unseren Besprechungen die Pflicht, Maß -u halten und jede gehässige Kritik zu vermeiden, umsomehr, »als das Ausland diese für seine Zwecke ausnützen würde. Wir besprechen die Reichsaugelegenheiten und zumal in ainer Zeit, wo jeder Tag Ueberraschungen bringen Mann, und wir tun es, ohne auch nur den Schein zu er­wecken, daß eine Uneinigkeit zwischen dem Nor- Ü>en und dem Süden des deutschen Vaterlandes besteht, welche die gemeinsame Hingabe an die große Sache ver­hindern könnten.

Die konservative Reichstagsfraktion wird in Lezug auf die Reichserbschaftssteuer an den Grund- s itzen der Regierungsvorlage festhalten und die ganze Vor­

lage einstimmig ablehnen, wenn die Steuerkommission eine Ehegatten- oder Deszendentensteuer beschließen würde.

Zwischen Regierimg und Vertretern der maßgeben­den Reichstagsparteien haben Verhandlungen siattgefunden, die mit der Gestaltung der Reichsfinanzreform in enger Verbindung stehen. Die Regierung will die von der Steuerkommission getroffenen Dcnderungen akzep­tieren, wenn die Kommission Mittel und 'Wege weist, durch Einführung anderer Steuern dem Reiche die unent­behrlichen Mittel zu geben, auf die das Reich nun einmal nicht verzichten kann.

Tie Parlamente werden am 24. d. M., dem Ein- holungstage der Braut des Prinzen Eitel Friedrich, sowie am 26. und 27. wegen der silbernen Hochzeit des Kaiser- paarcs und der Hochzeit des Prinzen keine Sitzungen ab- halten.

Ausland.

Kopenhagen, 13. Februar. Der deutsche Kaiser bat einen Kranz an der Bahre König Christians IX. nieder­legen lassen, der auf weißem Band die Inschrift trägt: »Wil­helm II. Deutscher Kaiser, in Dankbarkeit und Verehrung dem väterlichen Freunde."

Madrid, 13. Febr. Der General und Flügeladsntant des König?, MarguiS Mendegorria, der während des russisch-japanischen Krieges dem russischen Hauptquartier zu- geteilt war, verübte heute Selbstmord.

Pietermaritzburg, 13. Februar. Die Freiwilligen- Truppen nahmen einige Eingeborene gefangen, welche an dem Angriff auf die Polizeistation im Richmond-Distrikt beteiligt waren. Ein Gefangener wurde bei dem Versuch zu entfliehen, erschossen. Der Sekretär für die Angelegenheiten der Ein­geborenen wird morgen Unterredungen mit einigen Häupt­lingen haben.

Russische Greueln.

Nach Meldungen aus Petersburg befürchtete man für den 12. d. M. einen großen Angriff der Revolutionäre gegen die Hauptstadt. Beunruhigende Gerüchte waren in Umlauf. Es hieß, Revolutionäre wollten den SB in ter» Palast und sämtliche Ministerien dem Erdboden gleich machen. Infolgedessen traf die Ilegierung Maß­regeln, um einen Angriff der Revolutionäre abzuschlagen. Truppen wurden überall bereit gehalten und schwere Ar­tillerie an günstigen Stellen postiert. Die Artilleristen waren stundenlang in Bereitschaft. Es ereignete sich jedoch nichts.

Tie Petersburger erste Realschule mußte ge­schlossen werden, da die Schüler der ersten Klassen durch Aus­schütten von Schwefelwasserstoffgas den Aufent­halt in den Schulzimmern unmöglich gemacht hakten. Die Schüler verlangen die Wiedereinstellung der wegen poli­tischer Delikte entlassenen Lehrer.

Rach einer Meldung aus Moskau wurde im Hofe des Hauses der KleinbürgergeseUschaft im Schnee ein weißes Päckchen gefunden mit der Aufschrift: Für Dubassow, sehr eilig' Tas Päckchen wurde zur Polizei gebracht und geöffnet. Es enthielt eine Bombe, die dem Artillerie­laboratorium übergeben wurde. Die ganze Polizei ist auf den Beinen, um den Absender zu entdecken.

Gegen die lettischen M äßi g keits(!)-Vereine in R i g a, in welchen derunversöhnlicheHaß gegen alles Russische und Deutsche gepredigt wird und deren Mitglieder Mordtaten und Brand st iftungen begehen und sie auf die Soldaten und Deutschen abzu­schieben suchen, wird mit rücksichtsloser Strenge vorge­gangen. Viele Verhaftungen sind vorgenommen worden. Sämtliche in Riga erscheinenden lettischen und sozialistischen Blätter mußten ihr Erscheinen einstellen. Ter Rigaer Gene­ralgouverneur Sollchub erteilte dem Führer der Truppen- Expedition eine scharfe Rüge, weil dieser bei den Exekutionen unter dem Volke sehr viele Unschuldige er­schossen habe. 5 Offiziere, die unter den einfluß­reichsten Gutsbesitzern geivissenlos Todesurteile fällten und vollstreckten, wurden verhaftet. Ein Ba­ron Kor ff, der einen Lehrer, der sich in keiner Weise an den revolutionären Vorgängen beteiligt hatte, grau­sam auspeitschen und dann hinrichten ließ, er­schoß sich aus Furcht vor Strafe.

In Wilna explodierte auf einer Straße int Mittel­punkt der Stadt eine Bombe, wobei acht Personen schwer verletzt wurden.

Jugendliche Araud Zister.

(th.) Gießett, 13. Febr.

Die Brandstiftungen in V i l b e l, die im vergangenen Jahre den Schrecken der dortigen Bewohner bildeten, unterlagen heute der Aburteilung der Gießener Strafkammer. An- geklagt des Verbrechens der Brandstiftung in je einem Falle find der am 29. D^ember 1887 geb. Küfer PH. Fr. Jak. Schmidt und dessen Bruder, der am 10. Juli 1889 geb. Elektro­monteur Adam Schmidt, beide von Vilbel und unbestraft. Seit dem April v. I. brachen unmittelbar hintereinander in der Loh­gasse 4 Brände aus. Zuerst brannte eine ältere Scheuer in der Hofraite des Küfers Schmidt, des Vaters der Angeklagten, nieder, und nach dem letzten Brand wütete wieder ein Brand in der Schmidt'schen Hofraite und zwar in dem kaum fertig geworbenen, an stelle der niedergebrannten Scheuer errichteten Neubau, der noch nicht wieder in der Landesbrandkasse versichert war. In Vilbel war man allgemein der Ansicht, daß alle diese Brände von derselben Hand angelegt feien. Wie bei jedem Verbrechen einer Brandstiftung war cs aber sehr schwierig, den Täter zu er­mitteln. Als die Schmidt'sche Hofraite das zweite Mal vom Brande hcimgesucl't worden war, lenkte sich der Verdacht der Täterschaft auf Philipp Schmidt und verdichtete sich so, daß die Staatsanwaltschaft ihn in Haft nehmen ließ. Es vergingen zwei Wochen, wahrend die Voruntersuchung gegen den Verhafteten cingeleitet worden war. Da brach am Sonntag abend gegen 8 Uhr in der Hofraite des Schwcinehändlcrs fttoner Feuer aus und wegen dieses Verbrechens richtete sich die Anklage gegen Adam Schmidt, welcher bereits am Tage-mach der Tat verhaftet wurde. Beide Angeklagte bestritten heute vor der Strafkammer mit aller Entschiedenheit, die Brände angelegt zu haben. Adam Schmidt gesteht jedoch zu, Kameraden gegenüber geäußert zu haben, daff sein Bruder unschuldig in Haft genommen sei. In der Beweis­aufnahme wird festgestellt, daß die Schmidt'sche F-amilie sich des

ALLS und Land.

Gießen, den 14. Februar 1906.

* Die Fleischpreise. Ein Leser vom Lande teilt uns mit, daß in Hungen vorn gestrigen Dienstag ab baS Pfund Schweinefleisch eine Mark und das Vsimd Leber- oder Blutwurst 90 Pfennige kostet. Das sind Preise/ die die höchsten Verkaufspreise des vergangenen Herbstes er*j lwblich überschreiten, und es wäre interessant, zu erfahren, wodurch dieser ungeheure Preis veranlaßt wurde.

Brand. In einem Hause der Neuen Bäue entstand» gestern abend ein Zimmerbrand, wobei außer den 23orV

besten Rufes erfreut und der Vatcr der Angeklagten sich m ge­ordnete Vcrmogensrerhältniffen befindet und früher hat nie­mand dem älteren Angeklagten zugetraut, daß er dem eigenen Vater die Hottaitc awzünden würde, umsomehr, als cs an jcdcm Motiv dazu fehlt. .

Als am 29. Okt. 1905 in der Schmidt idien scheuer der zweite Brand ausbrach, war Ph. Schm, bis kurz nach 7 Uhr in der Geloschen Wirtschaft gewesen. Er will sich von dort arf 2025 Minuten nach Haufe begeben haben, um eine Kleinigkeit zu essen, und dann wieder in das Gch'sche Lokal zurückgekehrt sein, wo er Karten spielte. Hierbei fiel seinen .Kameraden auf, daß sein Anzug voller Grummet und Heu war, während er beim Verlassen der Geloschen Wirtschaft sauber getrefen war. Der Hut zeigte Spuren von Kalk, Svinngen-ebcn und Heu. Schmidt gab auf Bemerkungen seiner Kameraden hin an, er wäre inzwischen in der Traube gewesen und sei auf der Straße zwischen zwei Heu­wagen hindurch gegangen und habe dabei feinen Anzug beschmutzt. Dabei steht fest, daß an jenem Abend nicht ein einziger Heuwogen vor der Twube gestanden hat. Das Spiel war kaum im Gange wie eine Reihe. von Zeugen übereinstimmend aussagen, hat das­selbe etwa 1520 Minuten gedauert als eine Frau in der Giststube erschien und rief, es brenne im Ort. Alles stand auf, Philipp Schmidt trat mit mehreren Kameraden an Fenster der Wirtschaft. Roch ehe er das Fenster geöffnet hatte, sagte er, wie mehrere Zeugen betonieren:cs brennt bei uns", obgleich niemand von dem Fenster der Gch'schcn Wirtschaft auS das brennende Gebäude sehen konnte. Die Zeugen erklären, daß man zwar Brandgeruch, aber keinen,F>enerschein habe wahrnehmen können. Erst als man der Lohgasse näher ging, sah man vov dort her Qualm herziehen.

Der als Zeuge vernommene Schureinehandler Fr. fronet- dessen Scheuer am 13. November abends Mischen 7 und 8 Ulyr1. ein Raub der Flammen wurde, bekundet, daß er kurz Vor 9 Uhv daS Fenster seiner Wohnstube geöffnet und zufällig auf biei Straße gesehen hat. Er hörte daS §>oftor gehen und bemerkte einen Menschen, der sich an seinem Hause vorbei schleichen wollte.- Bei genauerem Hinsehen erkannte er Adam Schmidt. Der Zeuge' fragte, was Schmidt so spät wolle-, dieser antwortete, er hobei mit dem Sohn des Kroncr wegen eines Fahrrades sprechen wollens Der Zeuge schildert weiter, wie er in demselben Moment eht! Knacken vernommen habe, da habe er Schmidt gefragt:Siham,; was hast Du in meiner Hofraite getan?" Dieser erwiderte nur; Ach, ach", und ging eilig fort Durch Vernehmung der Krönet fchen Familie wird festgeftellt, daß niemand nach 7 Uhr in den Scheuer und den Stallungen war. Adam Schm, erklärt er habe die Kroner'sche Hofraite an jenem Abend nicht betreten. Er habe den Sohn Karl treffen wollen und ihm zuerst von der Straße- aus gepfiffen; bann habe er die Hosvforte geöffnet Er habe' noch einmal vergeblich gepfiffen, und kurz darauf habe bet; alte Kroner das Fenster geöffnet Der Angeklagte will nichtz gesehen haben, daß in der Scheuer die Flammen schon wüteten^ Adam Schmidt bemerkt rod), ba6 her Handel mit dem Fahrrads dem alten Kvoner gegenüber nur eine Ausrede war, er habe bemj jungen Kroncr etwas von feinem Mädchen ausrichten wollen.

In der weiteren Beweisaufnahme verdichteten sich die In­dizien gegen Adam Schmidt immer mehr. Die letzte Vernommenei Zeugin, Frau Schaan aus Frankfurt a. M. erklärte mit allerj Bestimmtheit, sie fei am Abend, an dem eS bei Kiwner gebrannt hat, um 9 Uhr an dessen Hofraite vorüber gekommen und habes wahrgerwmmcu, daß die Tür von innen geöffnet wurde mtb ein Mann durch die geöffnete Tür die Straße betreten hat Mit diesem Mann habe der alte Kroner gesprochen. Kurze Zeit danach, at^ sie gerade das Rathaus passierte, hat es Feuerlarm gegeben^

Staatsanwalt H o o s hält es für bewiesen, daß in den beides zur Anklage stehenden Fällen die Angeklagten die Täter finbJ Zwar wolle er zug.-stehen, daß cs bctteffs des Phllipp Schmidt unmöglich ist, mit zweifelloser Sicherheit nachzuweisen, warum dieser dem eigenen Vater die Scheuer angezündet habe. ES liege nahe, anzunehrnen, daß die Tat der Ausfluß eines schlechten^ eines frechen Charakters ist, auch sei es möglich, daß man eS mit einem sogenannten Lausbubenstreich zu tun habe. Es sei auch denkbar, daß der Sohn dem Vater durch den Brand einen Vermögensvorteil verschaffen wollte. Daß der Zlngeklagte aus krankhafter Sucht gehandelt hat. ist von Medizinalrat Dr. Ha­be r k o r n verneint worden. Der Staatsanwalt ging bann alle Momente durch, die die Anklage gegen Philipp Schmidt stützen. Adam Schmidt wollte den Beweis liefern, baß es, trotzdem! man den vermeintlichen Tater dingfest gemacht hatte, in Vllbel luftig weiter brenne, um damit die Untersuchnngsbchörde glauberv, zu machen, daß ein anderer die Brände verursacht habe. Dieser,- Plan wäre vielleicht geglückt, wenn Adam Schmidt selbst nichp sozusagen in flagranti ertappt worden wäre. Der Staatsanwalt bemerkt, daß beide Angeklagte bei Begehung der Tat noch keines 18 Jahre alt waren, daher könne man gegen beide Bruder Milde! walten lassen, umsomehr, als sie noch unbestraft seien. Doch^ müsse der altere Bruder höher bestraft werden, weil er das Ver­brechen ohne ersichtlichen Grund verübt und weil man auchj ruhig der Ueberzeugung sein könne, daß dieser die in her Loh-i gaffe vorgekommenen drei Brände ebenfalls auf dem Gewissen, habe. EZegen Philipp Schmidt beantrage er 1 Jahr 9 Monat« Gefängnis. Adam Sckimidt hat ein anständiger Grand bei bet) Tat geleitet, er hat seinem Bruder heranshclfen wollen, deshalbi beantrage er, gegen A. Sch. auf 9 Monate Gefängnis zu erkennen^

Der Verteidiger, Justizrat Windecker -Friedberg gibt suj daß gegen den alteren der erbrachte Indizienbeweis erdrückend! fei, es gäbe aber auch in diesem Falle Momente, welche einen; Zweifel an dessen Schuld zuließen. Er überlasse es dem Ei> messen des Gerichts, gegen diesen Angeklagten das Richtige zu! treffen, jedoch sei die beantragte Strafe viel zu hoch. Da daSs Gesetz als geringste Strafe 1 Tag Gefängnis vvrsehe, glaube cr^ daß der G-erichtshof zu einer geringeren Strafausmessung kommen müsse. Bezüglich des Adam Schmidt beantragt her Verteidigen Freisprechung, da nicht das Mindeste erwiesen sei, was diesem zum Urheber des Brandes in der Kroner'schen Hofraite stcmp-cln fömte. Eventuell beantrage er eine Vertagung des Urteils, um? an Ort und Stelle die Aussage bet Zeugin Scharm nachprufenj zu köimen. Nach s/4 stündiger Beratung verkündete Landgerickits» Direktor Prätorius das Urteil dahin, daß der Gerichtshof den; Philivp Sckmidt, unter Versagung mildernder Umstände^ wegen Brandstiftung nach § 308 des Str.-G., aber unter Zu> Billigung der Milderung oes 8 57, Dbs. 3 des Str.-G, zuj 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis nnb den Adamj Smrnidt, dem mildernde Umstände zugebilligt wurden, zip 9 Monaten Gefängnis verurteilt habe.