Ausgabe 
13.11.1906 Erstes Blatt
 
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einzelnen ffalle anzuwendenden Steuersätze übersteigen, werden sie als Zuschläge zu der nach den reicbsgesetzlichen Bestimmungen ver­anlagten Steuer für Landesrechnunq weiter erhoben.

Eine Sitzung des Provinzial-AuSschuss eS findet SamStag, 17. d. MtS., vormittags 9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Beigeordnetenwahl zu Lich; 2. Gesuch des Heinrich Kröck V. zu Heuchelheim um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft; 3. die Gemeinderatssitzungen in Büdingen.

* * Sein 25j ahrig eS Dienstjubiläum beging am Montag, 12. d. MtS. der Zahlmeister Welsch vom hiesigen Infanterie-Regiment.

Die Mitteldeutsche Kreditbank errichtet, wie wir hören, anschließend an ihre Gießener Filiale, unter Ueber- nahme der Kundschaft deS Bankhauses Hermann Wertheim, in Marburg eine Depositenkasse und Wechselstube. Der der­zeitige Inhaber roitS sich inS Privatleben zurückziehen.

- Die Pflasterung der Hamm st raße nähert sich ihrem Ende. Die Stadt hat in diesem Fall ganze Arbeit geleistet, denn die Fahrbahn wird in der denkbar besten und solidesten Weise befestigt. Indem man nämlich die bisher dort vorhandene Chausierung der Fahrbahn als festen Unter­grund hat bestehen lasten, pflasterte man eine Decke von Kleinpflastersteinen mosaikartig darüber, eine Methode der Straßenbefestigung, die man in anderen Städten schon langer mit bestem Erfolg anwendet und die auch auf dem Land- graf-PhilippS-Platz Anwendung finden soll.

Eine Bersammlung der Seifenfabrikanten von Hesten, Hesten-Nastau und der Rheingegend fand am Sonntag, 11. er. im Hotel Schütz statt. 39 Fabriken waren vertreten, und eS wurde einstimmig beschlosten, in Anbetracht dessen, daß auS den bereits früher angeführten Gründen, zu denen jetzt noch die Einstellung der Schiffahrt auf dem Rhein und damit eine weitere Verteuerung der Rohmaterialien kommt, die Preise für Kernseife um 4 Mark per 100 Kgr. zu erhöhen. In Kürze steht eine weitere Preissteigerung bevor.

Brand. In einem Neubau der Ebelstraße brannten in verflossener Nacht ein Haufen dort lagernder Dielen. Durch rechtzeitiges Einschreiten deS Eigentümers wurde ein Umsichgreifen deS Feuers verhindert. Jedenfalls dürste Brandstiftung vorliegen.

* * Diebstahl. Einem Unternehmer auf dem Braun- steinberqwerk wurden in der Nacht von SamStag auf Sonntag sechs Enten auS dem verschlossenen Stalle mittelst Er­brechens der TÜr gestohlen. Der Täter hatte den Enten die Köpfe gleich abgeschnitten und am Tatorte zurückgelassen. Die Spur des Diebes führte nach der Stadt zu, bis zur Heyligenstaedt'schen Fabrik fanden sich Federn und Bluts­tropfen, auch hatte der Dieb eine Ente unterwegs verloren. Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung des Täters bei.

Ein Unfall, der leicht zur Verletzung von Per­sonen hätte führen können, passierte heute vormittag gegen 11 Uhr einer Droschke in der Neustadt zunächst der Bahnhofstraße. Sie stürzte beim Drehen um, wohl infolge deS dortigen sehr abschüssigen Bodens, und wurde vollständig zertrümmert. Glücklicherweise waren die Insassen kurz vorher auSgestiegen und der Kutscher und die Pferde blieben un­verletzt.

Ein Besitzwechsel, der im Interesse der weiteren Entwicklung unsere? nördlichen Stadtteils zu begrüßen ist, hat stattgefunden. Andreas Euler hat seine Besitzung an der Steinstraße bis auf einen kleinen Teil an einen Bau­unternehmer für den Preis von 80 000 Mk. verkauft. E§ ist geplant, von der Ecke der Turnhalle aus schräg über das Eulersche Grundstück eine Straße anzulegen, die entlang dem Eisenbahndamm ihre Fortsetzung findet, da hier schon länger eine Straße von der Stadt projektiert ist. Die Ver­breiterung der Wolkengasse ist wieder um einen er­heblichen Schritt weiter gerückt. Die Stadt hat nämlich die Hofraite des Wagners Faber, Wolkengasse 11, die das zweite HauS von der Ecke des Seltersweges bildete, für 29 000 Mk. erworben.

** Der Radklub Germania Gießen hielt am SamStag abend in der Turnhalle des Turnvereins unter sehr zahlreicher Beteiligung von hiesigen und auswärtigen Sports­freunden das Fest seiner Bannerweihe ab. Ein sehr reich­haltiges Programm unterhielt die Anwesenden in bester Weise. Im Verlauf des Abends begrüßte der Vorsitzende, Herr Rud. Rödiger, die Anwesenden und gab einen Ueber- blick über die sportliche Tätigkeit des Vereins, der in den sieben Jahren seines Bestehens 18 Preise, darunter 15 erste, errungen hat. Den Akt der Bannerweihe eröffnete der Bäuerische Gesangverein mit dem vollendeten VortragDie Weihe deS Gesangs", woraus Fräulein Helfer einen Prolog sprach. Hierauf hielt daS Bezirksvorstandsmitglied Braun von LaaSphe die Weiherede, der sich die Ueberreichung des sehr geschmackvollen Banners durch Fräulein Rödiger an­schloß. Die Herren Leo nhäuser von Kirchhain und Braun von Wetzlar überreichten dann mit herzlichen Worten im Namen der beiden Patenvereine (N. V. »Blitzt Kirchhain und R. V. Wetzlar) Bannerschleifen, während der Bezirks­vorstand, der Radfahrer-Verein Wieseck und der Maschinen­bauer-Gesangverein Bannernägel stifteten. Die Glückwünsche des Gauvorstandes übermittelte der zweite Gauvorsitzende, Bauunternehmer SameS van Darmstadt. Herr Rödiger dankte für alle Geschenke und Glückwünsche, sowie den beiden Damen, die die Sammlung für die Stiftung des Banners geleitet hatten, Frau Kronenberg und Frau Marx, und den Stifterinnen. Ein weiterer Gesangsvortrag des Bauerschen Gesangvereins gab Gelegenheit, ihm durch Ueberreichung eines Liedes, und seinem Dirigenten, Lehrer Görlach, durch Ueberreichung eines Taktstockes zu danken. Zwei von Vereins­angehörigen flott gespielte komische Theaterstücke und humoristische Vorträge deS Herrn Schneider füllten außer Konzertmusik den übrigen Teil des Programms aus, während am Schluß desselben der Radfahrer-Verein Wetzlar seine Fertigkeit im Reigen- und Kunstfahren zeigte und dafür stürmischen Beifall fand. Ein flotter Ball schloß sich an und am Sonntag schloß ein Ausflug nach TextorZ Terrasse das in allen Teilen schön verlaufene Fest würdig ab.

** Experimentalvortrag. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft redete gestern abend in der Turnhalle Dr. S ch a p i r e aus Berlin. Der Vortragende, der leider stimm­lich etwas disponiert war, schien in einer Universitäts­stadt reges Verständnis für die Ncrturwissenschaft voraus--

zusetzen. Im ersten Teile behandelte er die flüssige Luft. Nachdem er die Bedingungen für die Verflüssigung der Luft dargelegt hatte, machte er uns mit den bezüg­lichen geschichtlichen Tatsachen bekannt. An der Hand von Lichtbildern erklärte er dtze Apparate und Versuche von CaUetet. Nietet, Olszewski und Linde. Das größte Interesse, namentlich der Damen, erregten die Experimente mit flüssiger Luft. Weintrauben, Quecksilber. Blumen, Kaut­schuk, Bälle wurden zum Erstarren gebracht. Selbst Speise­eis wurde hergestellt. Der Redner sprach dann noch über den Transport der flüssigen Luft nrib ging nach einer Pause zum zweiten Teil seines Vortrags, der das Ra­dium behandelte, üBcr. Vorher schon hatte er eine Radio­graphie herstellen lassen. Hervorzuheben sind hier vor allem die Geschichte, das Mesen und die Herstellung dieses seltsamen VtetaNs. Beide Teile des Vortrags wurden durch starken Beifall belohnt. Dem Kaufmännischen Verein gebührt für die Veranstaltung der Dank oller Zuhörer, die sicher gestern abend befriedigt den Vortrag verlassen haben.

** Zwei ob erhessis ch e Bürgermeister, Herr Joh. Kaspar Müller in Bingenheim und Herr Böckn er in Nieder-Ofleiden sind am aestriaen Montag gestorben.

** Stadttheater. Nochmals sei in letzter Stunde auf daS heutige GastspielSappho" deS Rosa Poppe- EnsembleS hingewiesen, daS bei unserem Theaterpublikum außerordentlicher Teilnahme begegnet.

** Humoristisches Konzert. Die von früheren Gast­spielen her bekannte Truppe Bergbaus aus Elberfeld gibt am Dienstag und Mittwoch abend in den Ncstaurationsräumen des Hotel Einhorn ie eines ihrer beliebten humoristischen Kon­zerte. (Näheres siehe Inseratenteil.^

* Kostprobe rheinhessischer Weine im Reichs­tage. Eine Anregung aus seinen Mitglieder- und auch aus Abgeordnetenkreisen folgend, hat der Weinbauverein der Pro­vinz Rheinhessen sich eingehend mit der Abhaltung einer Kost­probe rheinhessischer Weine im Reichstage befaßt. Nach den vom Sekretariat deS Vereins eingezogenen Erkundigungen belaufen sich die Kosten einer derartigen Veranstaltung auf ca. 8000 Mk., während ihr praktischer Nutzen aber in einem umgekehrten Verhältnis zu diesen bedeutenden Aufwendungen steht. Der Ausschuß deS Weinbauvereins hat daher in seiner letzten Sitzung wie dieN. Hess. VolkSbl." mitteilen, sich dahin schlüssig gemacht, eine Kostprobe rheinhessischer Weine im Reichstage nur veranstalten zu können, wenn seitens der Re­gierung ein namhafter Betrag zu den Kosten gewährt wird.

t. Großen-Buseck, 11. Nov. Letzte Woche wurde im hiesigen Pfarrhaus eingebrochen und außer einigem Bargeld Wein und andere LebenSmiftel entwendet. Die be­hördliche Untersuchung ist bereits im Gang.

t. Reiskirchen, 11. Nov. Heute stürzte daS Söhn­chen eines hiesigen Bahnbeamten so unglücklich von der Bank und verletzte sich derart am Kopf, daß der hinzugezogene Arzt die Stirne vernähen mußte.

t. Grünb erq, 12. Nov. Heute geriet der Arbeiter- Marg olf von hier in die Dreschmaschine. Das linke Vein wurde ihm vollständig abgerissen. Man brachte den Unglücklichen sofort nach Gießen. DaS Mitleid mit der schwer getroffenen Familie ist allgemein, umsomehr als schon ein erwachsener Sohn sich totgefallen hat.

X Aus dem Lumdatal, 10. Nov. Die Passagiere des gestern abend gegen 6 Uhr von Lollar aus ins Lumdatal ab­gebenden Zuges hatten auf der Station Treis ein wenig erquick­liches Schauspiel. Dort entstand infolge des Aussetzens eines Viehwagens ein etwas längerer Aufenthalt, den einige von der Kvntrollversammlunq kommende Leute Allen d arf, Klimbach und Treis daru benutzten, sich gegenseitig zu schimpfen, woraus in wenigen Sekunden eine grö ßere Keile­rei entstand, bei der es zerbrochene Motenstöcke und blutige Köpfe gab. Erst der Abgang des Zuges trennte die Streitenden. Da die Bahnpolizei von dem Vorfall sofort Anzeige erstattet bat, ist die Untersuchung bereits im Gange. Sie wird für die Be­teiligten, da sie als Besucher der Kantrollversammlung an diesem Tage unter den Militärgesetzen stehen, gerade nicht die an­genehmsten Folgen haben. Natürlich liegt die Ursache zu diesen Ausschreitungen wieder im zu vielen Trinken?

t Treis a. d. Lumda, 12. Nov. Bei der^ henti-gen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Bei­geordnete Gastwirt Georg Kehr IV. mit 74 Stimmen ein­stimmig Wied er gewählt.

X Laubach, 11. Nov. Gestern abend hielt im Gasthaus zum Schützen Hof der Vertrauensmann der Ansiedlungskom­mission Herr Schaumburg aus Kassel einen Vortrag über die Tätigkeit der Ansiedlungskommission in Vosen. Diese Vorträge, deren Genannter an verschiedenen Orten Oberhessens insbes. des Voaelsbergs hrc Mtenhain, Ruddingsbain, Eschenrod u. a. m. seither abgehalten hat, be­zwecken, den Strom der Auswanderer statt nach Amerika und sonstigen Gebieten nach Posen zu lenken und so die Answan- dernden dem Deutschtum zu erhalten. In zweiter Linie sollen zweit- und drittgeborene Sobne von Landwirten, die durch die herkömmliche Ueberlassung des väterlichen Grundbesitzes an den ältesten Sohn in ein Abhängigkeitsverhältnis zu diesem herab­gedrückt werden, darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie mit ihren Abfindungssummen sich leicht im Osten durch Ver­mittelung der Ansiedlunaskommission in Posen selbständig machen können durch Ankauf eines sog. Rentengutes; der Käufer hat dabei lediglich eine jährliche Rente zu zahlen. Die Ansiedlnngs- kommission gewährt außer beim Ankauf auch noch durch finan­zielle Beihülse, durch Gewährung sog. Freijahre u. a. m. Unter­stützung. Für kauflustige und sonstige Interessenten der Ansied­lungstätigkeit finden jährlich Besichttaunasfahrten Bei bedeuten­der Fahr Preisermäßigung und freier Verköstigung durch die Kom­mission statt. Die Vortrage erfreuten sich namentlich in den Dörfern des hohen Vogelsbergs regen Besuchs.

X Aulendiebach, 12. Nov. Dieser Tage wurde Herr Philipp Fahr, der ein Alter von 92 Jahren er­reichte und seit seinem 14. Lebensjahre auf den beiden Hofgütern Aulendiebach und Rohrbach als Knecht tätig war, unter zahlreicher Beteiligung von Leidtragenden zur letzten Ruhe bestattet.

Büdingen, 12. Nov. Am Samstag waren Ministe­rialrat v. Biegeleben, Denkmalspfleger Professor Dr. Walbe und Baurat Wagner hier, um Marktplatz und Stadt­mauern anzusehen. Es wurde vorgeschlagen, dem Markt­platz sein früheres charakteristisches Bild nach Möglichkeit zu erhalten und den Marktbrunnen einer gründlichen Re­paratur zu unterziehen. Ter Staat wird zu der erforder­lichen Gesamtherstellung des Marktplatzes voraussichtlich einen erheblichen Beitrag leisten. Die Stadtmauer nebst Türmen weist zahlreiche bedenkliche Mängel auf, deren Be­seitigung jetzt noch günstig und billig ist. Die Stadt ist dazu nach dem Denkmalschutzgesetz verpflichtet. Der Denk­malpfleger schlägt vor, für einige Jahre etwa 900 Mk. jährlich vorzusehen: die Regierung müßte davon 2/3 gleich 600 Mk. auf die Staatskasse übernehmen. Nachdem die Kommission noch zahlreiche interessante Bauwerke besich­tigt hatte, verhandelte man mit dem Gemeinderat. Der Stadtvorstand war damit einverffanb^i:, daß ein Voranschlag für die Herstellungen am Marktplatz ausgestellt, mit der

Regierung wegen eines Staatszuschusses und zwischen Stadt und Hausbesitzern wegen eines event. Zuschusses verhandelt werde. Wegen der Stadtmauer soll eine Entschließung wegen staatlicher Beihilfe eingeholt, alsdcmn ein genügender Betrag im Voranschlag für 1907 vorgesehen und die Aus­führung der Hersteflung durch den Kreisbauinspektor nach Instruktion des Denkmalspflegers bewirkt werden. Auch sollen die Rechtsverhältnisse wegen Nutzungen an der Stadtmauer und den Türmen festgestellt werden. Auf An­trag des Kreisamts fand auch eine Besichtigung des unteren! Rathausraumes statt, da nach demBüd. An.z." geprüft werden soll, ob nicht ein großer Festsaal mit Nebenräumen hergestellt werden kann, wodurch beim Schulhausbau das Geld für Ausführung der Turnhalle als Festsaal gespart werden kann.

Deckenbach, 11. Nov. Hier wurde heute das neu* erbaute S chulhauS eingeweiht. Am alten SchnlhauS fand eine Abschiedsfeier statt. Die Weiherede hielt der Geist­liche, außer ihm sprach auch Kreisschukinspektor Eck.

(to.) Wetzlar, 11. Nov. Unter lebhafter Beteiligung sand' heute nachmittag hier die Hauptversammlung des Kreis­vereins Wetzlar des Verbandes der Gemeindebeamten der Rheinvrovinz statt. Den größten Teil der an 100 Köpfe zählenden Versammluna bildete jedoch nicht, wie man doch hätte erwarten sollen, die Beamten des hiesigen Kieises, sondern die des benachbarten Kreises Gießen. Eröffnet wurde die Versamm­lung durch den Vorsitzenden des Vereins, 1. Stadtsekretär Lehr- Wetzlar. Den ersten Punkt: Erstattung des Geschäftsberichts für das abgelaufene Vereinsiahr erledigte der 2. Stadtsekretär Alt den, hier, indem er das in der im Juni auf Burg Gleiberg gefaßte, Protokoll vorlas. Ueber den zweiten Punkt:Bericht über die stattgefundenen Provinzial-Hauvt- und Bezirksversamm-- lungen in Godesberg-K'reuznach und Simmern" referierten dis Sekretäre von Bülow-Krofdorf, Lehr-Wetzlar und Polizei- Wachtmeister Bl a d h-Wetzlar. Ms dritter Punkt der Tages­ordnung folgte:Gründung einer Kleiderkasse für Polizeibeamte"^ Polizeiwachtmeister B1 adh erörterte den Zweck resp. dir Vor­teile der Kasse an einigen Beispielen, Zum 4. Punkt:Bildung eines Familien-Beirats für den Kreis Wetzlar" verlas Herr Mthen die Satzungen über die Obliegenheiten des Vereins und der Ver­sammlung. Sie fanden Genehmigung. Sodann sprach Herr Mthen in klarer Weise über das Thema:Die deutschen Reichs- inib Staatsbehörden". Den Schluß der Tagesordnung bildete bet! Bericht über die mit h'esigen Geschäftsleuten abgeschlossenen Ein­kaufsvergünstigungen. Ms nächster Versammlungsort wurde hier­auf Ehringshausen voraesck'lagen und einstimmig angenommen.

[1 Marburg, 12. Nov. Gestern nachmittag wurde das aus Mitteln deS UeberschusseS der Schillerfeier errichtete Schillerdenkmal im Stadtpark ein mächtiger Granit- hlock mit dem Marmorbildnis des Dichters eingeweiht. Die Festrede hielt Oberreal'chuldirektor Dr. Knabe.

fis Marburg, 11. Nov. Einen traurigen Abschluß fand eine Hochzeit, welche vorgestern in Niederklein stattfand. Als die Festgäste, darunter mehrere Unteroffiziere vom hiesigen Bezirkskommando, von der in Schweinsberg erfolgten Trauung zurückfuhren, scheuten unterwegs die Pferde und sämtliche Insassen wurden herauSgeschleudert. Sie trugen sämtlich mehr oder weniger Verletzungen baoon; der Unteroffizier ^pieß, ein FörsterSsohn au9 Homrighausen bei Berleburg, wurde jedoch so schwer verletzt, daß man ihn nach hier in die Klinik bringen mußte, wo er in der folgenden Nacht fein junges Leben auShaucht e. In Goß­felden stürzte vorgestern abend der 16j5hrige Bauernsohn Wagner vom Scheunenboden und brach das Genick.

Frankfurt, 12. Nov. In einem hiesigen PrioathauS soll ein Bild von Lionard0 da Vinci entdeckt worden fein, das seit 150 Jahren verschollen ist. DaS Ge­mälde, dessen Echtheit allerdings noch nicht feststeht und von hiesigen Sachkennern vorläufig stark angezweifelt wird, stellt eine Madonna mit zwei sich herzenden Kindern dar. Etz ist in Temperafarben gemalt und 55 zu 46 Zentimeter groß. Der Besitzer ist von der Echtheit des Bildes überzeugt und hat es bereits für 80 000 Mk. versichert.

fc. Hanau, 12. Nov. DaS hier bedienstete 20 jährige Dienstmädchen Marie Och auS Hinban bei Hünfeld gestand ein, im August d. I. in der Waschküche seiner Dienstherrschaft ein Kind weiblichen Geschlechts geboren und da§ Kind so­fort nach derGeburt in daSHerdfeuer deSWasch- kessels geworfen zu haben, wo e§ verbrannte. Die Och hatte damals ruhig weiter gearbeitet. Erst nach und nach kam die Sache heraus. Die Kindesmörderin wurde verhaftet.

Vermischte-.

lieber einen räuberischen Ueberfall auf dem Kölner Hauptbahnhof berichtet daSKölner Tage­blatt", daß ein von Trier kommender Reisender mit einem Handköfferchen und einem Packet einen Abortraum betrat, wohin ihm ein Mann auf dem Fuße folgte und ihm blitz­schnell ein betäubendes Pulver ins Gesicht schleuderte, unter dessen Einwirkung der Reisende alsbald einschlief. Als er um 2 Uhr nachts völlig entkräftet erwachte, waren seine Gepäckstücke, sein Geld, sowie der sonstige Inhalt seiner Taschen verschwunden. Der Ueberfallene fand bei einem befreundeten Arzt Hilfe und ärztlichen Beistand. Von dem Täter hat man bisher trotz eifrigster Recherchen keine Spur.

* DieHauptleute von Köpenick" vermehren sich. In der vergangenen Nacht drang ein falscher Offizier in die Kantine des 14. Regimentes in Bromberg ein und stahl 80 Mark und Eßwaren.

Der ermordete Altonaer Zahnarzt CI außen scheint das Opfer einer Verwechselung geworden zu sein. Der Mörder verwechselte ihn vermutlich mit dem Angestellten einer Bankfirma, der regelmäßig SamStagS Geld für die Angestellten nach Blankenese überbringt. Der Polizei wurde das leere Portemonnaie des Ermordeten abgeliefert, daS vier Stunden nach dem Morde in St. Pauli in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt gefunden worden war. Der Kaiser hat fortlaufende Berichte über die Untersuchung eingefordert. Der Eisenbahnminister übertrug die gesamte Untersuchungs­tätigkeit der Altonaer Polizeibehörde. 50 bisher vor­genommene Sistierungen erwiesen sich als unrichtig. Nach anderer Meidling kommt als Urheber des Raubmordes ein etwa 20jähriger Mensch in Frage, der sich vor etwa acht Tagen von dem Zahnarzt Claußen hat behandeln lassen. Auch der Regierungspräsident in Schleswig setzt eine Be - lohnung von 1000 Mark auf die Ergreifung des Raubmörders au5.

* Silber- und Brillantendieb st ähle. Ein großer Einbruchdiebstahl, bei dem den Dieben bedeutende Mengen wertvoller Silberlachen in die Hände fielen, würbe: