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13.11.1906 Erstes Blatt
 
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fyiitl. Angebote unter 6749 &?Btner feiger erbeten. bildeterherr aus Gießen, iber preukilcheu W» »6, W . ..

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Nr. 207

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außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechte! mit dem Kesfischeu Landwirt die Gießener ZamiUen' blätter viermal in der

Woche betgelegt.

Rotationsdruck n. Ver­lag der Brü h l'fchen I!nivert.-Buch-u. Tteiw» bmderet. 9t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul ft raße 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exved.^dbL Adresse für Depelchenr

Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt ISO. Jahrgang Dienstag 13. November 1900

VezngdpretS, monallich7bPi., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen moiiatlich 65 Pf.. durch diePost Tlf.2. viertel- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummei bis vormittags 10 Uhr. ZeilenoretS: lokal 12'Bf^ auswärts 20 Wg.

Derantwörtlich tflt den poltL und allgem.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen M?Z

" zeiaenteil: bans Beck.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger 67

Iie heutige Kummer umfaßt 8 Setten.

Aer Rücktritt des Ministers von KodöielsLi

Wir erhielten am Montag nachmittag 4 Uhr folgendes Telegramm:

Berlin, 12. Nov. Dem Vernehmen «lach wurde daS Ab­schiedsgesuch deS LandwirtschaftSministerS PodbielSki unter Ver­leihung der Brillanten zum Großkreuz des Roten AdlerordenS gestern genehmigt. Mit der einst­weiligen Wahrnehmung der Geschäfte des Land- wirtschattSministerS ist der Minister des Innern von Bethmann- H o l l w e g deruitragt worden.

Der heutige preußische Staats-Anzeiger meldet dasselbe auch amtlich.

Die Verabschiedung iift also unmittelbar vor dem Reichstagsbeginn erfolgt. Fürst Bülow braucht nun nicht Arm in Arm mit dem Landwirtschaftsminister das Jahr­hundert in die Schranken zu fordern. Herr v. Podbielski ging zu gelegener Zeit; wäre er bei der heutigen Reichs­tagseröffnung noch im Amt, so hätte der Kanzler gegen­über der gesamten Linken einen noch viel schwereren Stand. Die bündlerischeTagesztg." will nicht gellen lassen, daß Herrn v. Podbielskis Ausscbeiden mit der vielerörterten indirekten" Beteiligung an der Firma Tippelskirch u. Cie. etwas zu tun habe. Ihr zufolge war das von Podbielski Ende voriger Woche eingereichte erneute dringende Ab­schiedsgesuch mll seiner schweren, voraussichtlich langwie­rigen Erkrankung begründet. Der Kaiser habe das er­neute Abschiedsgesuch mitüberaus gnädigen Wor­ten des Dankes fürdiehervorragendenBerdienste Podbielskis um die Landwirtschaft" genehmigt. Auf der anderen Seite schreibt dieVoss. Ztg.", der Minister habe tatsächlich wegen der Beteiligung an der Firma Tippelskirch aus dem Amte scheiden, entlassen werden müssen im Interesse der polllischen Moral. Mag die letztere Annahme vielleicht zu weitgehend sein daß die Beteiligungsgeschichte den Stein ins Rollen gebracht hat, daß sre den Anlaß gab zu der sehr erheblichen MeinungsverfchiedenheitzwischenBülow und Podbielski, die nachträglick versöhnungshalber auf eineformelle Differenz" von den agrarischen Verehrern der beiden verringert wurde, daß Fürst; Bülow ein Ent- lasfungsgesuch des Landwirtschaftsministers geradezu herbei- führte: das alles kann nicht. bestritten werden. Den Schwarzen Adlerorden hat Herr v. Podbielski nicht erhalten. Kultusminister Dr. Studt ist noch im Amt dieser Auszeich­nung teilhaftig geworden. Man kann auch hierin wohl den Einfluß des Fürsten Bülow erblicken.

Ueberraschung ruft hervor, daß noch kein neuer Land Wirtschaftsmini ft er gesunden ist. Doch ist es> möglich, daß der gegenwärtige Minister des Innern, der einstweilen die Geschäfte führt, mit seinen hervorragen­den Rednereigenschasten der Regierung zur Hülfe kommen soll. Und zwar auch gegen die Agrarier, wenn eS sich bestätigt, daß die Reichsregierung nun doch der Fleischnot durch entsprechende Maßregeln Rechnung tragen will. Noch schreibt dieTagesztg." spöttisch vomFleischnotrummel", Herrn v. Podbielskis Standhaftigkeit preisend. Hoffentlich kommt's anders, so­lange Herr v. Bethmann-Hollweg noch nicht einem ausge- sprochenen Agrarier Platz gemacht hat. DerBerl. Lok.- Anz." schreibt nämlich anscheinend wieder einmal offiziös: Tas Ergebnis der vom Reichskanzler angeordneten Erhe­bungen über die Ursachen der Fleis chteuerung liegt fett etwa 14 Tagen vollständig v o r. Wenn auch die statisl. Zufaintuenstelluugen für die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft ein verhältnismäßig g ü n st t g e s R e s u l t a t lieferten, fo glaubt doch die Reichsregierung, dem augenblicklichen Notstände so­fort Rechnung tragen z u sollen. Man darf envarten, daß die Regierung, nachdem sie sich mit dem Landwirtschafls- nnnisterium geeinigt hat, Maßnahmen treffen wird. Ob diese in der Herabsetzung der Tarife oder in anderweitigen Erleichterungen der Einfuhr bestehen sollen, muß abgewartet werden.

Das ist wenigstens ein wertvolles offiziöses Zu­geständnis des ^augenblicklichen Notstandes^. Warten wir also vorläufig noch geduldig ab!

DieDeutsche Tagesztg." widmet Herrn v. Podbielski eilten Leitartikel, in welcher sie sagt: Der Minister hat sich bis zu seinem Abschiede des vollen Vertrauens seines Mon­archen erfreut. Es hat auch zwischen dem Ministerpräsi­denten und ihm keine sachliche Meinungsverschie­denheit vorgewaltet, abgesehen von jenen formellenDiffe- renzen, die längst vollkommen beseitigt waren. Wir sind überzeugt, das; der Reichskanzler das Ausscheiden des Ministers, der ihnr in seinen Anschauungen sehr nahe stand, lebhaft bedauert. Wer sein Nachfolger sein wird, steht noch nicht fest. Neuerdings werden die Namen der Herren v. B u ch und v. Heydebrand genannt. Daß der Nachfolger eine an­dere Politik treiben werde, -als Herr v. Podbielski im Ein­verständnis mit dem Reichskanzler getan hat, halten wir für ausgeschlossen.

DieVon. Ztg." schreibt: Es ist bezeichnend, daß dem Minister bei seinem Scheiden nicht einmal der schwarze Adler­orden, ja nicht einmal der ihm zunächst zustehende Verdienst­orden der preußischen Ktone, sondern nur ein Brillantschmuck zu einem Großkreuz, das_ er schon besaß, verliehen worden ist. Das ist ein Beweis, daß sein Verhalten auch von der Krone nicht als einwands frei,betrachtet wird. Er hat die geringste Au s z e i ch n u n g ' erhalten, die verliehen werden konnte. Das Blatt hält eine weitere Umgestaltung des Staatsministeriums, insbesondere den Rücktritt des Kultusministers von Studt für bevor st ehend.

Die kons.Kreuz ztg.": Die konservative Partei und mit ihr die gesamte Landwirtschaft sieht den Minister mit Bedau­ern aus seiner Stellung scheiden und wird seine großen Ver­dienste in dauernder ehrenvoller Erinnerung behalten. Nun er aus dem Amte geschieden, wird vielfach eine gerechtere Be- urteilm-.g Platz greisen.

Diefßoft": Der See, der so lange gerast, hat nun also sein Opfer. Die Stellung des Fürsten Bülow vor dem Reichs­tage wird dadurch erleichtert.

DieB erl. N. Nach r.: Jeder Minister muß zugleich Staatsmann, Mann des ganzen Staates sein. Dessen ist Podbielski nicht fähig gewesen.

DieN a t. - Z t g.": Er ist keiner von den Ministern gewesen, wovon 12 auf ein Dutzend gehen. Die g r ö ß t e n V e r d i e n st e, die sich Podbielski erworben hat, sind freilich ungewollter Natur. Wohl hat er dem monarchischen Gefühl in Deutsch­land schwere Wunden geschlagen, aber er hat auch, ohne etwas dafür zu können, den neudeutschen Absolutis­mus des romantischen Go t t e s g n a d e n t u m s so gründlich ad absurdum geführt, wie es feit der Re­aktion in den 50 er Jahren nicht mehr erlebt worden ist.

DerB ö r s e n - C o u r.": Es ist eigentlich s ch a b e um Herrn v. Podbielski, der bei einer anderen Auffassung seiner Stellung, bei anderen Grundsätzen eine erninentnützlicheKra't hätte sein können.

DasBerl. Tagebl.": Das deutsche Volk, nicht nur das preußische, ist einen Minister los, dessen Tätigkeit wie ein Alp­druck auf unserem öffentl. Leben lastete.

DerVorwärts": Ob Podbie.süs Rücktritt auch mit der Fleischnot in Verbindung steht, muß noch abgewartet werden. Daß ein Bruch mit der agrarischen Politik nicht zu erwarten ist, ist ganz zweifellos.

Deutsche» Reich.

Berlin, 12. Nvo. Ferdinand Bonn war gestern mittag zum Kaiser nach Potsdam geladen. Er weilte bis gegen 5 Uhr im Schloß. Man geht wohl nicht fehl, so schreibt dieT. R.", wenn man diese Tatsache mit ben zuerst gemeldeten und dann allerdings wieder in Abrede gestellten Nachrichten über einen Wechsel in der fünft- lerischen Leitung des königlichen Schauspiel­hauses in Zusammenhang bringt. (Bonn wird von der gesamten ernsthaften Berliner Krllik als ein Ausbund der theatralischen Geschmacklosigkeit ange­sehen. D. Red.)

Zum Herrenmeister des Johanniterordens wurde der Sohn des verewigten Prinzen Albrecht von Preußen, Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, gewählt.

Das bisherige Ergebnis der neuen Reichs­steuern ist vielfach als eine große Enttäuschung der Reichsregierung hingestellt worden, sodaß zur Ergänzung der Fehlbeträge neue Steuerquclleu erschlossen werden müßten. Demgegenüber erfährt dieTägl. Rundschau" von gutunterrichteter Seite, daß das Ergebnis in ihrer Gesamt­heit jedenfalls den Erwartungen vollkommen ent­sprechen wird. Von einem neuen Steuerbedarf kann daher glücklicherweise keine Rede fein. Es kann sich daher höchstens wohl darum handeln, ob die Differenz von 20 Millionen, welche der Reichstag gegen die Vor­lage der Reichsregierung weniger bewilligte, noch nach­träglich auf Grund einer der Anregungen des Reichstages von neuem beantragen wird.

Die Sozialdemokraten beabsichtigen gleich im Reichstag eine Fleischnot-Jnterpellation ein­zubringen. In derselben soll die Regierung gefragt wer­den, ob sie geneigt sei, Maßregeln gegen die Nahrungs­mittel-Teuerung zu ergreifen und bereu fei, zeitweilig die Grenzen zu öffnen. Es verlautet, daß der Reichs­kanzler selbst eine gleiche Interpellation beantworten will. Der Kanzler beabsichtigt auch in der ersten Lesung des Etats das Wort zu ergreifen, um eine Darstellung der inneren und äußeren politischen Lage Deutschlands zu geben und sich betreffs der kolo­nialen Mißstände auszusprechen.

Posen, 12. Nov. Die Polen der ganzen Provinz beschlossen, eine Eingabe a n den Kaiser wegen des Religionsunterrichtes zH richten. Viele hundert Geistliche agitieren für diese Bittschrift.

Bückeburg, 12. Nov. Die Prinzessin Her­mine von Reuß ä. L. hat sich heute hier mit dem Prinzen Johann Georg von Schönaich-Carölath verlobt. (Die Braut ist eine Schwägerin des Grvtz- herzogs von Weimar. D. Red.)

Köln, 12. Nov. Im Verfolg der Gerichtsverhandlung gegen l>:en Zentrumsstadto. Zilkens hat die liberale Fraktion einen Antrag eingereicht, wonach die Stadtver­ordnetenversammlung beschließen wolle, alsbald eine Kom­mission zu wählen, zwecks Untersuchung und Feststellung, ob und welche Stadtverordneten im Laufe der letzten Jahre ihr Amt zur Förderung privater Jnter- essen mißbraucht haben. (Vgt. Gerichtssaal".^

Der Bureneiufall in die jrapkolonie.

Jrn Londoner Unterhause verlas am Montag Staatssekretär Winswn Churchill Telegramme des Gouverneurs der Kapwlonie, in welchen dieser die gestrigen Meldungen bestätigt. Ällißerdem teilt er mit, daß er den Gouverneur oonDeutsch-Süd- westasrika von dem Vorgefallenen telegraphisch verständigt und ihn ersucht habe, Maßnahmen zu treffen, um die Frei­beuter einzufangen, wenn fie sich wach Teutsch-Südwest- afrika zurückziehen sollten und sie dann auf Grund der Beschuldig­ung von Diebstahl und Mordversuch auszuliejern. Auf die Anfrage des Liberalen Dalziel, oo das Kolonialamt Nachrichten besäße, nach welchen sich die Annahme rechtfertige, daß der Ein­fall von Jvhannisburg aus in Szene gesetzt fei, erfolgte keine Antwort der Regierung.

Der deutsche Kon, ul in Kapstadt äußerte, er glaube nicht, daß alle Buren Ferreira's naturalisiert seien. Einige aber, die naturalisiert wären, würden wegen Desertion und Diebstahls verfolgt werden. Er glaube aber nicht, daß Deutschland des­halb sofort nach ihrer Ergreifung ihre Auslieferung verlangen iverde, wahrscheinlich laber nach ihrer Bestrasung durch die britischen Behörden. Die deutsche Kvwnialbehörde beabsichtige in dieser Sache int besten Einvernehmen mit England zu handeln.

Die Truppe des Jnspekwrs White war am Abend des 11. bis auf eine Sntfösnuug von 5 Meilen an die Schar Ferreiras

berangekommen und setzt die Bersolgung jetzt energisch fort. In­folge des Wassermangels gestaltet sich die Verfolgung in dem sandigen Gebiet sehr schwierig. Ferreira hat die Richtung nach Osten eingeschlagen und es gelang ihm, mehrere Rekruten zu gewinnen. Oberft Lukin wird den Oberbefehl über die Bewegungen übernehmen.

Nach anderen Meldungen aus Kapstadt marschieren die auf- ständigen Buren gegen Kuruman iwrdwestlich von Kimberley. Die Zahl der Aussiändigen läßt sich noch nicht feslstellen. AuS Deutich-Südwestafntä sind zwei Banden von berittenen Buren auf englisches Gebiet eingedrungen, um den Aus stand zu unter­stützen. Die Buren sollen von einer großen Schar Einge­borener begleitet sein. Die Ausständigen sind mit Ge­wehren neuester uvn.truttion bewaffnet und bcfitzen mei Munition.

DerCape Argus" meldet: Ferreira habe.sich der Helio­graphenstation der stuppvlizei bemächtigt. Ein gewisser Jensen lungiere als Ferreiras Stellvertreter. Mehrere holländische Geist­liche, die sich in Kapstadt aushalten, haben vorzügliche Dienste dadurch geleistet, daß sie ihre Landsleute telegraphisch über die Absichten Ferreiras aufgeklärt haben.

Daß es sich um einen bloßen Wenteurerzug handelt, um das kühne Husarenstücklein eines genialen Führers, ist kaum anzu- nehmen, denn dann wäre ein Mißerfolg in wenigen Tagen un- ausoleiblich. England verfügt über genug Truppen in Transvaal, um ein paar Mann binnen wenigen Tagen unschädlich zu machen. Aber Reifende, welche aus Transvaal und dem Gebiete des ehe­maligen Oranje-Freistaates nach Kapstadt kommen, wissen, wie man aus Londoner Zeitungen beutlitt) ersehen kann, zu erzählen, daß eine d umpfe Gärung inder ganzen Burenbevöl­kerung herrscht. Es ist also nicht unmöglich, daß Ferreira, der mit dem Befehlshaber des Ladysmith-Kommandos identisch sein soll, bindende Abniachu.tgen in Händen hat, nach welchen sein Einbruch sein Signal zu einem allgemeinen Bu- renauf stände geben soll. Wir wissen ja so wenig von den Zuständen in den beiden Burenrepubliien, seitdem sie englischer Besitz geworden sind, daß man schon angesichts der Schweigsam­keit der englischen Presse aus die Vermutung kommt, daß etwas faul ist im Staate Transvaal.

Hieue in Uußlano.

Ueber einen gegen den Moskauer Stadthauptmann General Rein bot verübten Anschlag wird berichtet: Als gegen mittag der Stadthauptmann in Begleitung seines Ad­jutanten auf dem Wege zur Wassilikirche an dem Hospital für Augenkranke vorbeikam, warf ein Riann eine Bombe, die vor den Füßen des StadthauptmannS niederfiel und dann auf den Straßendamm rollte, wo sie explodierte. Der Mann, der die Bombe geworfen hatte, floh, wurde aber von Polizei­beamten festgenommen. Es gelang ihm trotzdem, einen Revolver zu ziehen und ihn auf den Stadthauptmann abzu- feuern. Der Stadthauptmann blieb unverletzt, zog hierauf ebenfalls den Revolver und traf den Verbrecher in den Kopf. Der Verbrecher wurde ins nächste Polizeibureau gebracht, wo er auf Befragen nur angab, daß fein Vater in Moskau wohne. Durch die Splitter der Bombe wurden zwei Po­lizisten leicht verletzt. Der Stadthauptmann setzte den Weg nach der Wassilikirche fort.

In Rios kau wurden ferner bei der Oeffnung eines Kleiderladens hinter Kleidern versteckt zwei Personen entdeckt, die durch eine Oeffnung in der Diele in das darunter gelegene Bankkontor von Gawrilow gedrungen waren, und dort 100000 Rubel an Geld und Wertpapieren geraubt hatten.

Ferner wurde in Irkutsk ein Bombenattentat auf den General Rennenkamp verübt; als der General in Begleitung eines Hauptmannes und eines Leutnants durch die Straßen ging, warf ein Manu eine in weißes Papier gewickelte Bombe. Der General und feine Begleiter biteben unverletzt. Der Täter wurde ergriffen.

In der letzten Nacht überfielen auf der Asow-Linie der Südwest-Bahn Bewaffnete einen Güterzug, be­schossen den Zugführer und das Lokomotiopersonal und er­brachen mehrere Waggons. In die Hände gefallen sind ihnen aber nur wertlose Gegenstände, da sie äugen» scheinlich nicht wußten, auf welchen Wagen sich die wertvollen Frachten befanden. Bei Ankunft des ZugeS auf der Station fehlte ein Wagenschmierer. Sein Schicksal ist unbekannt. tmischen den Stationen TeriS und Saraigoi stießen zwei üterzüge zusammen, wobei infolge von Entzündung von Naphta 16 Wagen verbrannten. Auch die Lokomotiven wurden stark vom Feuer beschädigt. Vom Zugpersonal er­litten fünf Mann Verletzungen.

Aus s.uot uno tano«

Sprechstunden b.'; btebru on 111 Uhr norm., h»7Vr8 Uhr abdS. Gießen, den 18. November 1906.

Norwegischer Konsul. Der zum Königlich Nor- ivegischen Stonful mit dem Amtssitz in Frankfurt a. M. er­nannte Ingenieur Carl Johan An dresen ist zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogtum zugelafsen worden.

Le hrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Jos. Hillenbrand zu Nieder-Mörlen die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ilbenstadt; dem Lehrer Wilh. Hoffart h zu Ilbenstadt die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Mörlen.

Die Erhebung von Zuschlägen zur ReichS- erbschaftssteuer bezweckt em Gesetzentwurf, der der hessischen Kammer von der Großh. Regierung zugegangen ist. Der grundlegende Artikel 1 besagt nach der Darmsi. Ztg.:

Jnfoweil die in dem Gejeh, die Erbfchafls- und Schenkungs- fteuer betr., ooni 22. Tezeiuber 1900 festgesetzten Steuerfätze die nach § 10 des Reichserbfchastssieuergejetzes vom 3. Juni 1906 im