drei Eisenstäbe rühren von einem Treppengeländer her, dos außerhalb des Raumes auf dem Hofe stand. Man sah auf den ersten Blick, daß mit den Stäben die Herstellung des Loches vorgenommen worden war. Noch am Brandtage nahm das Gericht an Ort und Stelle Erhebungen vor. Zeuge Zink führte den Auftrag aus, Carl« zur Brandstelle zu holen und besorgte dies auch. Er traf ihn am Bahnhofe, wo er gerade in den Zug nach Frankfurt zu steigen wollte. Carle schien sehr ruhig zu sein. Als sie auf der Brandstelle anlangten und besonders als ihm Assessor Keller mitteilte, daß gegen ihn Verdacht vorliege, wurde der Angeklagte verlegen und schien sehr aufgeregt zu sein.
Kriminalwachtmeister Pfeffer bekundet, wie 1904, als JKarTe die Wirtschaft im Löwen noch selbst betrieb, in einem Stallgebäude, in dem altes Abbruchmaterial lagerte, Feuer ansbrach, wodurch das Gebäude und dessen Inhalt zum «roßten Teil vernichtet wurden. Es lagen keine AihaltS- punkte und kein Verdacht vor, daß eine Brandstiftung bc- aanaen worden sei, wenigstens war die Untersuchung ohne Ergebnis. Mch dieser Zeuge schildert, daß alle mutmaß-
pflaster auf die verletzte Stelle legen. Ain Samstag vormittag will der Zeuge gesehen haben, daß die Wunde mit Grind besetzt und im Heilen begriffen gewesen ist. Jedenfalls hat er nicht wahrgenommcn, daß die Wunde noch geblutet hat. Schutzmann Schmidt war sofort zur Stelle, als der Feuerlärm ertönte, er hat die Brandstelle sogleich in Augenschein genommen. Er habe nach dem Befund die Gewißheit gehabt, daß Brandstiftung vorliege und diese nur von der Werkstätte neben dem Lumpenmagazin aus verursacht sein konnte. Die Tür fand der Beamte bei der sofortigen Untersuchung fest verschlossen. Man stieg daher durchs Fenster ein und fand das Loch, das mit einem alten Märtelstück verdeckt war. Nach der Entfernung des Mörtels zog man ein Stäbchen, das an der nach Rothenbergers zugekehrten Spitze verkohlt war, aus der Oeffnung. Der Schutzmann S. hatte vorher im Rothenbecgerschen Lagerhaus die verkohlte Spitze des Stäbchens, die aus der Brandmauer hinausstand, sestgestellt und es war für ihn sofort offensichtlich, in welcher Art der Brand angelegt worden war. Auch Kriminalschutzmann Zink war bald zur Brandstelle gekommen, beide Beamte haben sorgfältig alle Beweisstücke gesammelt, die zur Ermittelung des Taters führen konnten. Bei dieser Tätigkeit kam auch der Angeklagte auf die Brandstelle und als man ihm sagte, es brenne, erwiderte er nur „so" und entfernte sich. Dem Kriminalschutzmann Zink gegenüber, der Carle auf dem Löwenhof vorher traf, hat der Angeklagte erklärt: „Das sind mir schöne Geschichten, wir sind hier alle gut versichert." Kriminalschutzmann Zink gibt an, was er und seine Kollegen als mutmaßliche Ueberführungsstücke auf der Brandstelle und in der Werkstätte erhoben. Die in der letzteren erhobenen
an Carlo umadressiert ist.
Zweiter Verhandlungstatz.
Die Zeugenvernehmung wird fortgesetzt. Tie bei Carlo beschäftigte Aufwärterin Luise Schlauderaff hat fast täglich die Kleider Carlos gereinigt, aber in ihnen niemals abgebrannte Streichhölzer gefunden. Sie habe früher öfter Streichhölzer in Carles Taschen gefunden, ob darunter abgebrannte gewesen seien, könne sie nicht sagen, sie habe dies wegen ihres schlechten Sehvermögens nicht unterscheiden können. Als man der Zeugin vorhielt, daß sie in der Voruntersuchung von ihrem schlechten Sehvermögen kein Wort gesagt habe, erklärt sie, man habe sie danach nicht gefragt. Sie sehe tatsächlich nicht gut. Es wird aus den Men festgestclli, daß die Zeugin früher von ihren schlechter! Augen nichts gesagt hat. Auf Befragen des Verteidigers erklärt Fräulein Schlauderaff, sie habe beim Kleider- reurigen in Carlos Taschen alles mögliche gefunden, ob Zigarrenstummel dabei waren, kann sic nicht sagen. — Die Schwägerin des ^Angeklagten, Margarete Hell, die unvereidet vernommen wird, sagt aus, daß sie sehr oft in den Taschen ihres Schwagers abgebrannte Streichhölzer, Zahnstocher, Zigarrenreste, Nägel usw. gefunden habe. — Kommerzienrat Heyligenstaedt, vom Verteidiger geladen, erklärt, im Laufe des letzten Winters sei Carlo zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, daß er am Neuenweg außer dem Löwenhof noch zwei .Hofreiten erworben habe, sodaß et annehme, die Stadt tvcrdc ihm ent- gegenkoimnen, daß hier eine neue Verbindungsstraße angelegt werde. Er will Carlo vorgestellt haben, daß die Straße noch kein Bedürfnis und auch sehr kostspielig sei. Die Baudeputation hat später so entschieden. Die Strrdt würde gern ein Opfer bringen, um das Lumpenlager von jener Stelle zu entfernen. Die Möglichkeit, den Mißstand zu beseitigen, besteht nur darin, daß man der Frau Rothenberger, wie cs geschehen ist, keine Bauerlaubnis gibt.
(Schluß folgt.)
Bei den Heugras
sich durchgeschnitten hat.
□ Ortender g, 44. Juni. — — v-v — Versteigerungen wurden gestern und heute sehr hohe Preise erzielt, die im Ganzen ys höher waren als im verflossenen Jahre, und überdies ist der Graswuchs durchweg, besonders in feuchten Wiesen, dieses Jahr geringer. Der Normalinorgen kam für die Steigerer bis zu 45 Mk. zu stehen. Auf Entfernungen von vier Stunden waren Steigerer
erschienen. .
fc. Frankfurt a. M., 16. Juni. Auf Ersuchen des Wiesbadener Staatsanwalts verhaftete die Kriminalpolizei in Breslau einen Mann, der dringend verdächtig ist, mit dem seit einem Jahr gesuchten Wiesbadener Raubmörder identisch zu sein. Der Verhaftete nennt sich Max Heinz, er benutzt aber jedenfalls gefälschte Papiere.
Koblenz, 15. Juni. Oberhalb des GüterbahnhofeS Obcrlahnstein stießen Herste nachmittag 6 Uhr drei beim Rangieren entgleiste Güterwagen die Tragepfeiler der Straßen- iberführung Oberlahnstein-Braubach um. Die Brücke kürzte ein, wodurch beide Gleise gesperrt sind. Die rechtsrheinischen Schnellzüge werden linksrheinisch geleitet, Personenzugspassagiere steigen um. Die Aufräumungsarbeiten werden erschwert, da die ganze zusammengestürzte Brücke demontiert werden muß. Menschen sind nicht verunglückt. Vor morgen nachmittag wird kein Geleise frei.
lichen Ueberführungsgegenstände auf der Brandstelle sorg- j ältig gesammelt und verwahrt worden seien. Er hatte i entdeckt, daß zwischen der Werkstätte und dem Rothcnberger- chen Logierhaus, zwischen beiden Brandmauern ein 1 - < Finger breiter Zwischenraum war. Er ließ durch einen Maurer den Zwischenraum sorgfältig erweitern und fand ; eine an gebrannte Papierhülse. Die Hülse erwies sich als ein Briefumschlag, der die Reste einer an Carlo gerichteten ■ Adresse trug. Außerdem fand man in diesem Zwischenraum auch angebrannte Streichhölzer. Bei der Untersuchung des Mauerspaltes habe er beobachtet, daß es darin stark zog. Es sei ihm beim 'Anzünden von schwedischen Streichhölzern ausgefallen, daß sie durch den Zug verhindert wurden, anzubrennen. Es brannte bei den mehrfach vorgenommenen Versuchen von den Hölzern nur die Zündmasse oder der Kopf ab. Als bei einer zweiten Augenscheinnahme Carls an das Loch geführt und vom Staatsanwalt gefragt wurde, was er hierzu sage, habe man dem Manu angesehen, daß er verlegen und betreten war, während er bis dahin gewissermaßen unbefangen gewesen war. Der Untersuchungsrichter fragte den 'Angeklagten bei diesem Augenschein nach einer etwa vorhandenen Wunde, weil man an einem der Stäbchen, die in der Werkstätte gefunden worden waren, eine Blutspur gefunden hatte. Carlo zeigte eine Wunde an der Hand, die Grind hatte, wie es schien, war sie nicht alt. — Bauunternehmer K e ßler aus Annerod erklärt, er habe ein Kontor in Gießen und erhalte, wenn er bei der Reichsbank eine Zahlung zu leisten habe, tags vorher von dieser Nachricht, die in einem Briefumschlag stecke. Er habe die Gewohnheit, alte, an ihn adressierte Briefkuverts noch einmal in der Weise zu benutzen, daß er seinen Namen ausstreiche und die Kuverts neu adressiere. Der Zeuge benutzt die alten Briefumschläge in dieser Weise, wenn es sich darum handelt, daß er persönlich Schriftstücke einem Geschäftsfreund aushändige. Auch an den Llngcklagten Carlo hat der Zeuge öfter derart be- i.atzte Umschläge übergeben. Er hat aus seinen Büchern festgestellt, daß er am 14. Februar d. I. von der Neichsbank eine schriftliche Mitteilung erhalten hat. Ob er am 14. Febr. 1905 ebenfalls eine Mitteilung von der Bank erhalten, habe er nicht feststellen können. Der Zeuge kann sich iiicht erinnern, daß er in den Tagen vom 14. bis 24. Februar ein derartiges Kuvert übergeben hat, möglich könne es sein, aber er habe es nicht feststcllen können. Es wird dem Zeugen darauf das von dem Kriminalwachtmeister Pfeffer in der Spalte gefundene Kuvert vorgelegt. Es ist zum Teil verbrannt und es sind nur noch'die von der Hand Keßlers geschriebenen zwei Buchstaben H. C. zu erkennen. Vom Stempel ist nur noch das Datum' 14./. erhalten, während die Jahreszahl vernichtet ist. Keßler erklärt, daß das H. C. von seiner Hand herrührt. 'An dem teilweise noch vorhandenen durchstrichen.en eigenen Namen erkenne er den Briefumschlag als von ihm benutzt. — Dr. Bernhardt, Vorstand der Neichsbanknebenstelle, bekundet, er habe fest- gestellt, daß Keßler am 14. Febr. 1905 sowohl wie am 14. Febr. 1906 eine Mitteilung von der Bank erhalten halten habe. Nack) Bocklage des durch Pfeffer gefundenen Kuverts erklärt Dr. Bernhardt, es rühre dies von der Neichsbank her. Es sei an Bauunternehmer Keßler adressiert gewesen, und zwar vom Kassenboten der Bank, dessen Handschrift der Zeuge auf dem Beweisstück erkennt. Ob dieser Umschlag von dem Brief von 1905 oder 1906 herrührt, kann der Zeuge nicht angeben. Den Geschworenen wird das Beweisstück vorgelegt und als Vergleich ein Briefumschlag der Neichsbank, der au Keßler adressiert und von diesem
wesen sei. —
Rosa Rothenberger kam nach Hau,e, als der Brand halb gelöscht war. Sie sah nur noch rauchende Säcke und hat gesehen, wie die Arbeiter die Papierhülsen re. beim Räumen gefunden haben. Carlo habe am Tage vor dem Brande gefragt, ob an diesem Tage noch Lumpen verladen würden. Der Angeklagte erklärt die Frage damit, daß er an dem Tage noch altes Material wegschaffen wollte und hierbei waren ihm die Rollwagen hinderlich gewesen. Die Zeugin schildert dann den vom Dienstmädchen bekundeten Vorgang, wonach Carls gekommen ist, um ihre Mutter zu sprechen. Er habe sich Geld holen wollen für altes Material; sie habe ihm gesagt, er möge im Hausflur warten, sie werde ihre Mutter rufen, aber der Angeklagte habe sich trotzdem in den Hof begeben, wo er eigentlich gar nichts zu tun gehabt hätte. Barbier Wießner, der unweit der Brandstelle sein Geschäft hat, deponiert, er habe Carlö fast täglich rasiert. Am Donnerstag vor dem Brande sei C. mit einer Wunde iam Daumen zu ihm gekommen, die ihm eine von einem Nagel herrührende Rißwunde zu sein schien, der Nagel soll nach Angabe Carlos rostig gewesen sein. Der Zeuge hat die Wunde ausgewaschen und verbunden. Am andern Morgen kam Carls wieder, ließ den Verband abnehmen und Heft-
aefragt hätte, lob die Lumpen weggefahren würden. Als Carls einmal, und zwar einige Tage vor dem )yeuer kam, um Frau Rothenberger zu sprechen, traf er am Hans- cingang deren Tochter. Diese sagte ihm, er brauche nicht in den Hof zu gehen, sie wolle ihre Mutter rufen, Carls solle solange in das neben dem Hausgang befindliche Zimmer treten oder im Flur warten. Carls fei aber doch in den Hof gegangen. — Ferd. Hillgärtncr, Mb eiter bei Rothenbergers, wurde am Tage des Brandes gerufen und war um 5 Uhr auf der Brandstelle. Beim Wegräumen der in Säcke gestopften Lumpen im Magazin fand er an einem der angebrannten Säcke ein Händchen voll Stroh hängen, das er sofort der Polizei brachte. Am Montag hat er an der Brandstelle zwischen Säcken, in, der Nähe der Brandmauer, eine angebranutc Papierhülse aufgefunden, sowie eine mit Zwirn umwickelte fingerlange, patronenartige Papierrolle, die er dem hinzugekommeucn Kriminalbeamten Pfeffer übergeben hat. Ferner fand sich auf dem Boden unter dem durch die Maner geschlagenen Loch ein Backsteinbrocken, der feiner Beschaffenheit nach aus diesem Loche herrührte. Der Zeuge schildert, daß der Angeklagte 2—3 Tage vor dem Brande von ihm beobachtet worden sei, wie er die Lumpenvorräte im Magazin auffällig gemustert hat. Frau Rothenberger hatte Carls allein gelassen, um Geld zu holen, das er für altes Zinn zu bekonirneu hatte. Der Verteidiger Dr. Jung fragt den Zeugen, wieso er tagen könne, ^daß Carlö das Lumpenlager interessiert gemustert habe. Der Zeuge erklärt, es habe auf ihn den Eindruck gemacht, als ob Carls besonders aufmerksam bic Lumpenvorräte in Augenschein nehme, er habe dabei seinen Hals gereckt und sich in einer Weise auffällig bewegt, daß es ihm merkwürdig vorgekommen sei. — Semmy Rothenberger bestätigt die Depositzionen des Vorzeugen betreffs des Auffindens der Papicrhülsen und der anderen Ueberführungsstücke durch £illgärtner. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt der Zeuge, daß in feinem elterlichen Hause am Samstag strenge Sabbathruhe herrsche, also im Lager nicht gearbeitet würde und auch kein Arbeiter zugegen fei. Wenn zwischen Freitag abend und Montag früh die Brandmauer des Speichers durchschlagen worden sei, würde dies niemand gehört haben. Der Angeklagte erklärt, er habe gewußt, daß bei Rothenbergers der Sabbath streng gehalten wird. Semmy Rothenberger deponiert weiter, seine Mutter habe, als sie zu bauen beabsichtigt hätten, mit Carls wegen Ueberlaffung von Gelände der ehemals Luhscken Hofreite verhandeln lassen. Er habe aber seine Mutter davon abzubringen gewußt, weil die Preisforderung — 300 Mk. pro Quadratmeter — zu hoch ge-
VersnLschtes.
* Heber beit Unter gang des Dampfers „La Meuse" wird aus Nieuwediep (Holland) gemeldet, das; das nieder!. Panzerschiff „Piet Heyn" in der Nordes in der Nähe des Leuchtfeuers von Haaks den belgischen Dampfer „La Meuse" angerannt hat. Der Dampfer sank innerhalb von drei Minuten. Der Kommandant des Panzerschiffes ließ sofort drei Boote machen, welche echs Personen retteten, darunter den Kapitän, der in- zwischen gestorben ist. 10 Personen ertranken. Der „Piet Heyn" hat den Hafen von Nieuwediep ange- aufeii. Er ist unbeschädigt.
* Die Explosion auf dem Dampfer Haver- ord im Liverpoler Hafen (vgl. unsere gestrige Nummer) soll durch Dämpfe erzeugt worden sein, die sich aus Naphtaseife, die sich in der Schiffsladung befand, entwickelt hatten. Ein Arbeiter habe ein Streichholz in Brand gesetzt und auf diese Weise die Dämpfe entzündet. Die Tatsache, daß die Gewalt der Explosion sich nach unten richtete, und das Aussinden einer fußlangen Holzkiste im Frachtraum gab zu der Vermutung Anlaß, daß die Explosion durch eine Höllenmaschine veranlaßt sei. Das blutbespritzte Verdeck, auf dem Leichenteile, Tote, und Verwundete wirr durcheinander lagen, machte emen entsetzlichen Eindruck. Mehrere Leichen waren unkenntlich, an einer fehlten Kopf und $(rme. Ein Arbeiter war vollständig in Atome zerrissen. Die Vermutung, daß es sich um ein Attentat handelt, mürbe von den Verfechtern dieser Ansicht darauf gestützt, daß sie sagten, der Atten- tätcr habe sich in der Zeit geirrt. Er habe das Schiff auf offener See in die Luft sprengen wollen. Das Schiff sei aber 12 Stunden zu früh in Liverpool eingetroffen. Die Polizei hat die verdächtige Kiste mit Beschlag belegt.
* ft11 e i n e £ n g e § r o n 11 In einer Laube in Alst e r« b o r i bet Hamburg wurden der Buchbinder Schneider und die Frau Lenune erschossen aufgcsuudeu. Schneider hatte erst die Frau und daun sich selbst durch Nevgiverschüsse getötet. Unglücklich e Li e be bildet die Veranlassung zu der Tat.
für Volkskunde und der Konzertvereui seinen verständnisvollen und musikbegeisterten zweiten Vorsitzenden.
Von der Landes-Universität. Der öfterr. Kaiser ernannte dem offiziösen W. T-B. zufolge den außerordentlichen Professor an der Universität Gießen, Dr. Franz Wagner Ritter von Kremstal zum außerordentlichen Professor der Zoologie an der Universität Graz. .
Erledigt ist die Stelle eines Verwalters bei der Gerneindschäftsverwaltung der chirurgischen und ophtal- mologischen Klinik der Großh. Landes-Universität Gießen. Bewerber müssen das Finanzexamen I. Kategorie bestanden haben.
** Eine ehrenvolle Anerkennung ist dem Gießener Metzgergewerbe zuteil geworden. Metzgermeister Friedrich Schreiner, der schon seit einigen Jahren Wurstwaren für den Kaiserlichen Hof in Berlin schickt, bekam den telegraphischen Auftrag, 40 Paar Frankfurter- Würstchen für die Kronprinzliche Mundküche zu liefern.
** Auf das Konzert derruffischenNation al- Vokal-Kapelle Nadina Slavianski, das heute Abend im Neuen Saalbau stattfindet, sei nochmals hingewiesen.
*» Der Bahnverkehr nach Butzbach wird voraussichtlich morgen sehr stark werden. Es wird deshalb am hiesigen Bahnhof ein besonderer Schalter für Fahrkarten nach Butzbach den ganzen Tag über geöffnet sein. Karten können für die Nachmittagszüge schon am Vormittag gelöst werden.
*• Der wegen Wechselfälschung und Betrugs seit einigen Jahren flüchtige Kaufmann Bender von hier ist in Brüssel verhaftet worden. Seine Auslieferung wird beantragt werden. B. hatte seinerzeit bei seinem Verschwinden Briefe an seine Angehörigen hierher gesandt, daß er sich das Leben nehmen werde'.
** Tätlicher Unfall. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni stürzte auf dem Braunsteinbergwerk der Bergmann Wilhelm Am end von Münchholzhausen bei einer Reparaturarbeit etwa 15 Meter tief in einen Schacht. Die Verletzungen schienen zuerst nicht sehr schwer, am Abend des 15. ist der Verunglückte aber doch an den Folgen des Sturzes gestorben. Mit Hilfe zweier Kameraden hatte er sich an einem etwa 7 Zentimeter im Umfang messenden fast neuen Seife zirka 8 Nieter in den Schacht hinabgelassen, als das Seit, das nach Angabe der Kameraden des Verunglückten vollständig unversehrt war, wie mit einem Messer geschnitten durchbrach. Jedenfalls ist wohl da? Unglück dadurch entstanden, daß das Seil an einer scharfen Kante im Schacht
Gerrchtstzacr!.
R. B. Dar mstadt. 15. Juni. Vor dem Sch würg er ich t kam heute eine recht harmlose Anklage wegen Totschlags- Versuchs zur Verhandlung. Der Taglöhner Joh. Tobias
Aus Stadt und
Gießen, den 16. Juni 1906.
•• Prof. A. E. Strack -f. Heute, am 16. Juni, ist nach längerem schwerem Leiden dec a.-o. Universitäts- und Realgymnasialprofessor A. E. Strack im besten Mannesalter gestorben. Adolf Eduard Strack wurde am 1. Mai 1860 zu Darmstadt geboren. 1878—1884 studierte er in Leipzig, Berlin und Gießen klassische und germanische Philologie und Geschichte und promovierte am 15. August 1883 bei der philosophischen Fakultät in Berlin. Vom Herbst 1884 bis Ostern 1886 war er Lehramtsakzessist am Gymnasium zu Gießen und Mitglied des pädagogischen Seminars, Ostern 1886 bis Ostern 1887 provisorischer Gymnasiallehrer in Gießen, Ostern 1887 bis Herbst 1890 Gymnasial- und Real- lehrer zu Worms und von Herbst 1890 ab Realgymuasiallehrer in Gießen. Am 10. Juli 1893 erfolgte seine Habilitation für neuere deutsche Literatur an der Landesuniversität, und am 1. April 1903 wurde erzürn außerordentlichen Professor ernannt. Strack hat sich in weiteren Gelehrtenkreisen bekannt gemacht durch die Herausgabe der .Hessischen Blätter für Volkskunde", die heilte zu den besten deutschen folkloristischen Zeitschriften gehören. Die Gießener GeschichtSfrermde verlieren m ihm den sehr tätigen und rührigen Vorsitzenden der Hess. 23ereinigimg


