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13.10.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Samstag 13. Oktober 1906

L

In-

156. Jahrgang

Der Heilige Synod hat angeordnet, daß am 30. Oktober in allen Kirchen deS Reiches ein Gottesdienst zur Erinnerung an die Rettung der kaiserlichen Familie aus Todesgefahr bei dem Eisenbahnunfall von Borki und ein Dankgottesdienst anläßlich deS kaiserlichen Manifestes stattfinden soll.

Wie aus Lodz telegraphiert wird, hat der BezirkSches einen Befehl deZ Gouverneurs veröffentlicht, demzufolge alle Industriellen, die ihren Arbeitern während des jetzigen Streiks Lohn zahlen, 3000 Rubel Straf e zahlen müssen oder nut drei Monaten Gefängnis be­straft werden. Derselbe Befehl erging an die Kaufmannschaft. Die administrative Kriegsbehörde hatte eine wichtige Beratung über die Streiklage, die den ganzen Tag dauerte. Der Streik dauert fort, keine Zeitungen erscheinen. Die Terroristen jagten alle Metzger aus dem Schlachthause. Es herrscht daher Fleisch mangel. Viele Einwohner verlassen die Stadt. Ein Schutzmann wurde durch drei Unbekannte erschossen. Als der Oberst des Wladimir-Jnfantcrie-Regiments, Obrut­schew Dzielna, die Straße passierte, wurden vier Reooloer- s ch ü s s e durch Unbekannte auf ihn abgefeuert. Das Attentat mißlang jedoch. Ein allgemeiner Streik wird am Montag erwartet.

In Rostow am Don wurden die Geschäftshäuser der Firma Friedberg überfallen und beraubt. Sechs Räuber

Nr. »41

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außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion. Ervedition und Druckerei:

Lchulstraße 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped.e^Kbl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

AuS den Aufzeichnungen aus der Regierungszeit Kaiser Wilhelms 1889:

Gestern fuhr ich nach Baden, wohin ich zur Kaiserin (Augusta) zum Essen geladen war. Ich fand sie wohler als sonst, ihre Stimme Heller und verständlicher. Sie sagte m.r allerlei Schmei­chelhaftes und meinte, meine Stellung im allgemeinenwachse", lieber die Politik äußerte sie sich wie immer sehr vorsichtig, mißbilligt aber doch das gar zu viele Her um reisen des Kaisers und hält die Reise nach Athen (die, wie ich von Fürstin Betsy höre, den griechischen Hof ruiniert) sehr überflüssig. Nach Tisch hatte ich ein längeres Gespräch mit dem Großherzog! (von Baden), der sich über Bismarck beklagte. Dieser sei gegen ihn erbittert, weil er dem Kaiser Gelegenheit gegeben habe, sich über die Schweiz günstig auszusprechen und noch wegen anderer Dinge. Der Großherzog sagte dann:Der Kaiser hat den Fürsten auch bis hierher dabei zog er die Linie nicht am Hals, wie dies gewöhnlich bei dieser Redensart geschieht, sondern an den Augen. Ebenso sei ihm Herbert zuwider. Ich meinte:Ja, er hat ihn ja nach Athen mitgenommen", worauf der Grohherzoy sagte:Ja, er ist nun einmal da!" Der Kaiser wolle sich letzt, solange er ihn noch für die Bewilligung der Militärvorlage brauche, nicht mit ihm überwerfen. Später werde er ihn nicht mehr halten.

Aus der Zeit nach Bismarcks Sturz; nämlich auS den Tagen des Besuchs König Humberts in Berlin, berichtet Hohenlohe unterm 22. Juni 1892:

Ich saß (bei einem Galadiner im Neuen PalaiS) den Höchsten Herrschaften gegenüber. Nach Tisch war Cercle, wie üblich. Der Kaiser kam sehr freundlich auf nrich zu und fragte:Nun, wie gehls, Alba?" Dann sprachen wir von Uroille wid von seinem Besuch und meiner Reise und dem guten Empfang, den er haben werde. Ich folgte dann, um die Konversation aus die Tagesfrage zil bringen:Nur fürchten dort die Leute, daß B i s ni a r ck wiederkommen könnte."Da köiinen sie ruhig sein," ant- ivortete der Kaiser lachend, ,der kommt nicht wieder. Ich habe ihm sagen lassen, daß ich eine schriftliche Erklärung haben ivill. Die wird er nicht geben."

In einer späteren Aufzeichnung heißt es:

Weiter erzählte^der Kaiser, er habe neulich Herrsurth gesprochen lmd ihm gesagt:Sie haben doch allen Minlsterialsitzungen beb geivohnt. Habe ich in der gongen Zeit etwas getan, was Bismarck verletzen konnte nnb ihm Anlaß gab, gegen mich auszutreten?" Darauf habe Herrfurth gesagt, alle Minister seien im Gegenteil erstaunt gewesen, mit welcher Langmut und Geduld der Kaiser die Grobheiten Bismarcks ertragen habe.

Noch ist nachzutragen, daß der Kaiser auch die Behauptung Bismarcks, er stehe so gut mit dem Kaiser von Rußland, berührte und lachend sagte:Der Zar Hal mir gesagt, er habe alles Ver­trauen zu Caprivi, roenn dagegen Bismarck ihm etwas gesagt habe, jo hätte er immer d,e Ueberzeugung gehabt:quil me sicher ait .

Berlin, 25. Januar 1894.

, Ergreifend sind die Schilderungen aus der Zeit der . Herrschaft der 99 Tage, in denen Fürst Hohenlohe ; den charakterstarken Dulder Friedrich aus dem i Thro n e ein Denkmal setzt; bei dieser Gelegenheit wird , auch ein vielfach herrschendes Märchen von tiefen D i ff e - renzen zwischen Bismarck und Kaiser Friedrich zerstört und gezeigt, wie beide in weit besserem Einvernehmen lebten, als kurze Zeit nach seiner Thronbesteigung Wil­helm II. mit seinem erstell Ratgeber.

Daß über Bismarck u?zb seine Familie sehr viel ungünstiges in dem Werke zu lesen ist, darf nicht weiter Wunder nehmen, denn jeder große Mann hat zahl­reiche Feinde; indessen verdient es heroorgehoben zu werden, daß all das Ungünstige über Bismarck, was in den Memoiren steht, aus Grund von Mitteilungen beruht, und daß Fürst Hohenlohe selbst keine Gelegenheit versäumte, dem Vorgänger seine Verehrung auszudrücken. Aus der Zeit seiner Amtsführung selbst dürfte am meisten die Schil- oerung der v e r u n g l ü ck t e n K a n a l a l t i o n inter- e s s i e r e n; insbesondere ist bemerkenswert, daß es seinerzeit nicht zu der erwarteten Auflösung des Landtages gekommen ist, weil man befürchtete, daß die Konservativen alsdann im Reichstage der dort eingcbrachten sogenannten Zucht­hausvorlage Schwierigkeiten in den Weg stellen würden.

*

Aus Berlin schreibt heute unser R.-Korrespondent:

Das Aussehen, das die Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe Hervorrufen, steigert sich mit jedem Tage. Die Berliner Zeitungen werden mehr denn je aus der Straße, an den Bahnhöfen gekauft, der Inhalt der spaltenlangcn Auszüge aus dein Werke wird mit dem lebhaftesten Inter­esse studiert, und wohin man hört, ist eine Diskussion im Gasige über die Sensation des TageS. Die Memoiren des alten Hohenlohe sind noch mehr: sie sind die Sensation des Jahres auf politischen! Gebiete. In den kommenden parlamentarischen Verhandlungen wird manches Zitat aus den Tagebüchern, an denen der kleine unschein­bare Mann schrieb, und für die er die Isolierung des Denkers sand Mochten die Ereignisse noch so bewegt, oder die Zeit durch Erfüllung höfischer und gesellschaft­licher Pflichten in Anspruch genommen sein, eine große Rolle spielen. Denn das muß man zugeben, ein besserer, Liefer auf den Grund blickender Beobachter wie Fürst Chlodwig hat selten in einem Memoirenwerk die Feder geführt. Er schildert die Großen wie die minder Großen o charakteristisch, mit nur ein paar Strichen, aber so greif­bar deutlich, so plastisch, er weiß die Worte, die sie bei einer bestimmten markanten Gelegenheit gebrauchen, mit einer verblüffenden Gedächtniskraft derart wiederzugeben, daß der Leser fast den Ton des Sprechenden zu vernehmen und die begleitenden Handbewegungen zu sehen glaubt. Se^-r vieles in den Tagebuchblättern ist von einer Frei­mütigkeit, die fast den Atem benimmt. Ein Tages­christsteller, der dergleichen auch nur andeutungsweise zu chreiben sich erlaubte, der solche blendend helle Streis­ichter fallen ließe auf das Leben und Treiben in der hohen Diplomatie, an den Höfen, auf das alles andere als harmonische Zusammenwirken von Staatsmännern, ein Tagesschrift stell er würde, wollte er Aehnliches unter­nehmen, von der goldenen Freiheit auf sehr lange : Zeit Abschied nehmen müssen. Es ist seltsam und widerspruchsvoll, daß von der Berliner Presse diejenigen i

Are Heutige Kummer umfaßt 16 Seiten.

Aus den IenLwürdigäeiten Koyenloßcs

zitieren wir heute einige Aufzeichnungen:

Unterm 22. Juni 1888 berichtete Hohenlohe über eine Unterredung mit Kaiser Wilhelm II. im Marmorpalais. DaS Gespräch kam auf eine für Elsaß-Lothringen zu erlassende Proklamation. Hohenlohe schreibt:

Ich bemerkte, daß der Kaiser sich darüber noch fein Urteil gÄHlbet halte, und daß er sich nicht traute, eine von der desReichskanzlerS abweich en deAnsicht zu äußern.

Wecker heißt eS in dieser Aufzeichnung über ein Gespräch Hohenlohes mit der Kaiserin Viktoria, die Kaiserin habe gesagt:

Herbert BiSrnarck habe die Frechheit gehabt, dem Pnnzen von Wales zu sagen, daß ein Kaiser, der nicht diskutieren könne, eigentlich nicht regieren dürfe usw. Der Prinz habe gesagt, ,yeP,VC1' "ich! Wert auf die guten Beziehungen zwischen England und Deutschland legte, so würde er ihn zur Tur hinausge­worfen haben.

Von dem Vater Bismarck sagte sie, er habe nun zwanzig Jahre unumschränkt regiert und habe es nicht ertragen können, einem Willen bei dem Monarchen zu begegnen. Der junge Reifer sei ganz i n seinenHänden. Man könne noch nicht wissen, was er tun werde. Der Puttkamersche Fall sei vom Kaiser, nicht von ihr hervorgerufen worden. Bismarck habe Puttkamer selbst los fein wollen und habe das Odium der Entlassung auf den Kaiser übertragen, wie er es denn überhaupt verstehe, das Odium dessen, was er tue, auf andere abzuladen. Als die Rede aus W a 1 d e r s e e kam, sagte sie, er sei ein falscher gewissen­loser Mensch, dem es nicht darauf a n t o m m e n werde, sein Vaterland inS Verderben zu stürzen, wenn sein persönlicher Ehrgeiz befriedigt werde. Auch Kaiser Friedrich habe ihm nicht getraut und ihn tut falsch angesehen.

Ich ging noch zum Prinzen von Wales, der vorsichtig sprach, aber über die Grobheit der F a m i l i e Bismarck, Baler und Sohn, entsetzt ift.

Zeitungen die Veröffentlichung als solche mißbilligen, die sonst die größtmögliche Offenheit in der Politik, die Politik der erfrischenden Offenherzigkeit, der goldenen Rücksichts­losigkeit als Kleinodien sonderbarer Art nicht genug rühmen können. So sagt ein liberales Blatt, die Veröffentlichung eider größte politische Skandal, den man seil langer Zeit erlebt hat". Trotzdem bezeichnet dasselbe Blatt die Denkwürdigkeiten Hohenlohes als ein Quellcnwerk ersten Ranges, von großer Bedeutung für die Beurteilung vieler Ereignisse der inneren und auswärtigen Politik. Daraus folgt doch wohl, daß es zu bedauern wäre, würde ein solches Werk, das tatsächlich den Schlüssel liefert zu den volitischen Vorgängen der letzten zwanzig, dreißig Jahre, dem deutschen Volke vorenthalten worden sein. Am Ende ist es mündig und reif genug, um diese Aufzeichnungen richtig würdigen und verstehen zu können. Einstweilen scheinen die satirischen Nadelstiche, die Fürst Chlodwig nach allen Seiten hin austeilt, besonders auf die Parteien auf­reizend zu Mirken. Etliche Parteigrößen präsentieren sich nicht ganz so imponierend in der Darstellung des Fürsten Hohenlohe, nicht ganz so weife und nicht ganz so hoch­geschätzt von berühmten Zeitgenossen, wie die Parteigeschichte wahr haben möchte. Auch auf dieHandelei" der Par­teien untereinander, von Parteien, die sich sonst grimmig befehden, fällt manches überraschende Licht. Man kann ver­stehen, daß diese kleinen pikanten Tagebuchnotizen ver­drießlich sind, weil sie den Parteinünbus beeinträchtigen.

Von eingelveihter Seite wird berichtet, daß Graf Cuno von Räntzau, der Schwiegersohn des Altreichskanzlers, schon seit Jahren auf eine Gelegenheit warte, die ^Ver­öffentlichung des mit Spannung erwarteten 3. Bandes vonBismarcks Gedanken und Erinnerungen" in die Wege zu leiten. Man wird nicht fehlgehen mit der Annahme, daß Graf Rantzau, dem seit dem Tode des Fürsten Herbert das Berfügunasrecht über die Veröffent­lichung zusteht, nunmehr ohne Rücksicht auf höhere Wünsche seine Zustimmung zur Herausgabe des dritten Bandes er­teilen wird.

Beispielsweise ist dieTagesztg." mit Fürst Chlodwig fertig", weil er den Junkern vorwirft, daß sie auf das Reich pfeifen!

Wenn erst diese mehr persönlichen Verstinunungen über­wunden sind, wird man das Werk, das man, wie es ist, nicht missen möchte, ruhiger und sachlicher beurteilen.

*

Auch die Auslandspresse beschäftigt sich mit der durch die Hohenloheschen Veröffentlichungen in Deutsch­land entfesselten Polemik, teilweise mit unverkennbarer Be­friedigung über den verursachtenSkandal". Ein römisches Blatt,Popolo Romano", sagt, Kaiser Wilhelm habe ttotz seines jugendlichen Alters bei seiner Thronbesteigung schon in der kritischen Periode des Rücktritts Bismarcks die tiefe staatsmännische Einsicht bewiesen, die später so glänzende Bestätigung erfahren habe.

Die französische Presse macht natürlich hämische Glossen. Am ausfallendsten wird derMatin", der sich die Veröffentlichung sehr zu nutze macht, um seiner deutsch­feindlichen Gesinnung wieder einmal kräftigen Nachdruck zu geben.

behalten, wenn nicht Bismarck bei einem Besuche Mittel und Wege findet, ihn beimKaiserzuverdächtiaen. Caprivi hat sich tn dem ganzen Gespräche heute abend als ein anständiger, ehrenhafter, kaisertreuer Mann gezeigt. Gott gebe, daß dieser sturm an ihm vorübergehe!

t t Berlin, 27. Januar 1894 abends.

- . - Back) darauf kam auch der Kaiser, dem ich mich empfahl, weck ich morgen abreise. Wir kamen auf den gestrigen Besuch Bismarcks zu sprechen und die günstigen Folgen, die derselbe für den Kaiser haben werde.Ja", sagte der Kaiser,jetzt können sie chm Ehrenpforten in Wien und München bauen, ich bin ihm immer eine Pferdelänge voraus. Wenn jetzt die Presse wieder schimpft, so setzt sie sich und Bis­marck ins Unrecht." Ich erwähnte, daß die rabiaten Bis- marckianer mit dem Besuch gar nicht zufrieden gewesen seien, und daß sie verlangt hatten, der K a i s e r müsse nachFriedrichs- r u h gehen.Das weiß ich wohl", sagte der Kaiser,aber darauf hätten fie lange warten können. Er mustte hierher komme n."

Rutsches.

Der Stadtrat zu Moskau faßte in einer stürmischen Sitzung mit starker Majorität folgenden Beschluß:

Angesichts der Möglichkeit eines Vorschlages, an dem Em­pfange der englischen Deputation teilzunehmen, welche den Mitgliedern der Exduma eine Adresse überbringen soll, und in der Erkenntnis, daß ein solcher Akt das Nationalgefühl be­leidigen würde, beauftragen wir den Bürgermeister, im Namen des Stadtrates eine Einladung zur Tellnahme an dem Empfange abzulehnen.

_ Infolge des Protestes auch noch zahlreicher änderet russischer Gesellschaftsgruppen gegen den Besuch der engl. Abordnung zur Beglückwünschung de§ Verfassers deS Wi- borget: Aufrufes wurde der Besuch in gegenseitigem Einver­nehmen des Petersburg-Londoner Ausschusses auf unbestimmte Zeit verschoben.

Eine von dem Archimandriten Witali herausgegebene neue reaktionäre Zeitung veröffentlichte einen äußerst heftigen Artikel, worin Muromzew, der frühere Dumapräsident, der Urheber des beabsichtigten englischen Besuches, als Haupt­mann einer Bande von Räubern, Mördern und Dieben bezeichnet wird. Dieser habe sich mit zahlreichen Komplizen inS Ausland geflüchtet. Daran habe die Ka­naille, so nennt ihn das Blatt, recht getan. Die russische Regierung wird aufgefordert, die Engländer, welche für die Anarchisten viel Geld gesammelt hätten, damit diese fleißig Bomben werfen und Güter niederbrennen könnten, ihrer Handlungsweise entsprechend zu empfangen. Die Zeitung wurde in hunderten von Exemplaren sowohl in Petersburg als auch in Moskau gratis verteilt.

Das vereinigte Moskauer und Petersburger Zentral­komitee des OktoberoerbandeS veröffentlicht folgende Re- olution:

Der Verband bleibt streng auf den Grundlagen des Manifestes vom 30. Oktober; er stellt sich nicht unbedingt auf die Seite des Kabinetts, doch sieht er unter den gegenwärtigen Verhältnissen weder das Vorgehen des Kabinetts noch den Brief Gutschkows als einen Verstoß gegen die Prinzipien der Partei an. Der Verband ist gegenwärtig die einzige weiter organisierte konstitutionelle Partei. Die Kadetten haben in der Duma und nach ihrer Auflösung zu revolutionären Mitteln gegriffen. Einen AuSweg aus der gegen­wärtigen bedrohlichen Lage des Landes sieht der Verband m der Wahl einer Volksvertretung, die nicht nur den Willen, sondern auch Verständnis zur Schaffung rmd Festigung konstitutioneller Ordnung und bürgerlicher Freiheit besitzt.

Heute morgen ging ich in den Reichstag, um 4 Uhr zu Hol­stein, wo ich Pourtalss fand, der mir versprach, mit dem Zere- monienmeifter Kanitz über den Rang des Statthalters zu sprechen. Ein solcher existiert zurzeit nicht. Von der bevorstehenden An­kunft Bismarcks (morgen 1 Uhr) war viel die Rede. Die Sache hat ihre Gefahren. Der Empfang Bismarcks, der durch Prinz Heinrich abgeholt und ins Schloß gefahren werden soll, wird den Kaiser ettvas in den Schatten stellen und die Monarchie schädigen. Andererseits wird das deutsche Publikum sehr erfreut fein und dem Kaiser Dank wissen, daß er diesen Schritt zur Ver­söhnung getan hat. Caprivi, mit dem ich heute abend mit Philipp Ernst und Alexander bei Winterfeldt, gesteht zu, daß er von der Absicht des Kaisers nicht informiert war. Er erträgt das mit Resignation. I ch möchte unter solchen Umstünden nicht Reichskanzler sein. _ dessen ist es gut, daß er diese Resignation besitzt und wir ihn

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i iiiiiwiii! ____________________________ zeigenteil: Hans Beck

Unterm 20. Mai 1881 schreibt Hohenlohe:

. _ Arn Donnerstag mit Hermann in Potsdam. Merkwürdig i daß Prin» Wilhelm ein etwas jugendlich rücksichtslose junger 201 a n n i st, vordemseineMuttersichfürchtet, und der auch mit dem Kronprinzen, seinem Vater, Ko n- V ikte hat. Die Frau soll eine milder ndeWirkung aus- üben. Die Kronprinzeß sprach viel über Rußland, auch der Kronprinz. Sie sind beide entsetzt über die dortigen Zustände, und di« Kronprinzeß teilt ganz meine Anschauungen, daß nur das kon­stitutionelle System helfen kann.