Ausgabe 
13.2.1906 Zweites Blatt
 
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auf Aktie n.InterimSsck» ein e,TantiLm en. «To f t dt-B Sr Cn (teuer. d-nAuS fuhr 3» l tauf

Rat unb Roftte und di- Wehrsteuer, erklärte sich aber 8 n6i"rantoloB ' ne' ®Ufu(r.on,. wobei Flockher das Interesse besprach, welches die Landwirtschaft an fluten Be- XtaX zu den auswärtigen Mächten, besonders den Vereinigten Staate!' bat: Wir hätten jetzt auf die andere Welt tn flau; anderem Mabe Rücksicht zu nehmen, als vor 20 Jahren, besonders mußten wir die Evolutionen OstasienS aufmerksam verfolgen und die Be- «iehunaen zu den Vereiniflten Staaten vsteflen. ^.er Redner habe während einer bjährigen Anwesenheit in Sud- und Nordamerika mli den landw. Hochschulen fast nur Professoren flchmben, die m Deutschland studiert batten; wir konnten aber in ted)- n,sch er Beziehung ebensoviel von b c n .1 in 1111 (i ° neun lern en , wie diese i n w i s s e n s ch a f t l i ch e r v o n uns. Deshalb sei es höchst erwünscht, daß die wrrt,chaillichen Je* dtchunflcn zwischen der Union und uns nicht gehört wurden und bald das Handelsabkommen zustande komme. Wir beziehen doppe t t0 viel Waren von ben Amerikanern, al? diese von uns. Viel­leicht von Baumwolle, Mais und Schmalz abgesehen, könnten wir olle Waren eventuell von anderswoher erhalten. Trotzdem mußten wir immer im Auqe behalten, daß politisch die Vereinigten Staaten jetzt der wichtiflste Faktor für uns geworden sind, weil ste die einzigen in der Welt sind, mit denen wir voraussichtlich gemeinsam marschieren und u b e r° all dieoffene Tür" für unseren Handel aufrecht erhalten können. .

Schließlich wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der dem Reichskanzler und Minister v. P o d b l e l s f i gedankt wird, daß sie trotz der Angriffe die veterinarpolizeilichen Schntzbestimmunqen im Interesse der deutschen Landwirtschaft aui- recht erhalten haben, und der Reichskanzler gebeten wird, da'ur »u sorgen, daß das Vertrauen in l a n d w i r t s ch as t l i ch en Kreisen z u r R e g i e r u n g immer in ehr H ch stärken kann, und daß Maßnahmen vermieden werden, die diese Entwicklung zu stören geeignet sind. Die Resolution bittet um weitere Forderung der Landwirtschaft, Stärkung des Mittelstandes, Berücksichtigung der Empsindung der nationalen Streife des Volkes bei der Regelung der Beziehungen Deutschlands zum AuSlande, spricht schwere Bedenken gegen die Reichserbschastssteuer ans und erklärt sich unbedingt gegen eine etwaige Ausdehnung dieser Steuer auf Eltern, ßinber unb (Satten.

Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf daS deutsche Vaterland geschloffen.

Aus StaM und tCataX

Gießen, 12 Februar 1906.

Von den Fleischpreisen. Der gestrige Frank- furter Viehm ar kt, der für die Preisbildung unserer Gegend maßgebend ist, mar gegen den vvrwöchigen Haupt- markt bedeutend geringer befahren. Die Preise gingen bei Ochsen um 3 Mk., bei Bullen um 1 Mk. pro Zentner in die Höhe, während bei Kälbern die Preissteigerung sogar 34 Mk. (sie kosteten 88--93, lebend 5457 Pfg. pro

Pfund) per Zentner betrug. Schafe zogen 4, Sch meine 3 Mk. pro Zentner an. Schmeine kosteten 82, lebend 64 Pfg. das Pfund. Vor einem Jahre kosteten Kälber 8183 (lebend 4850) Pfg., Schweine 6263 (lebend 49) Pfg. pro Pfund.

** Karnevalistische Veranstaltungen. Ein schönes Maskensest war cs, das der Turnverein, gegr. 1846, ernt Samstag in den Räumen seiner Turnhalle veranstaltet hatte. Der aufs herrlichste dekorierte Saal konnte kaum alle Besucher fassen. Von 8 Uhr ab kamen zahlreiche prächtige Masken in den Saal und man amüsierte sich auss beste. Prinz Karneval wollte den Anwesenden eine besondere Freude bereiten und versprach dem Feste persönlich beizuwohnen. Um IIV2 Uhr kam der Sekretär des Prinzen an und wurde vom Vorstande be- S""t und unter den Klängen des Karnevalmarsches in den geleitet, wo er in einem Fasse stehend. Jein närrisches Proto­koll, in dem er viele Ereignisse ausgezeichnet hatte, die sich in der Welt, in unserer Sradt und in dem Turnverein^ zu- getragen hatten. Zum Schluß des Protokolls bereitete der Sekre­tär die Anwesenden auf die baldige Ankunft des Prinzen Karneval vor. Es dauerte nicht lange, da Fain auch schon der Prinz mit glänzendem Gefolge an. Eröffnet wurde der Zug durch Fanfarenbläser. Es folgten verschiedene humorvolle Ghrufr-- pen. Zuerst kam die Marokkokonferenz mit dem deutschen Michel, Engländer usw., sowie dem Gesandten von Marokko, der seine Weiber mitgebracht hatte, dann die Gruppe der Wirscht- ^und Fleischnot, die Schnokenvertilgnngskommission, der hiesige See- fischmarlt und der Wagen des Prinzen K'arncval, der von sechs Affen gezogen wurde, links und rechts marschierten der Zere- monienmeister, Herolde usw. Die Prinzengruvve mit prachtvollen Kostümen bot ein überaus glänzendes Bild. Dem Prinzen, wurde ein Ehrentrunk überreicht. Er dankte vom Wagen aus in einer witzigen Rede. Es wurde nun die Demaskierung ver kündet und bald darauf begann die Polonaise. Später gab der Brinz seinem Dank und Anerkennung durch Verleihung von tben und Au^eichnungcn Ausdruck. Hierauf verabschiedete er sich und zog unter den Klängen des Kamevalmarsches ivieder fort. Die Anwesenden blieben noch in fröhlichster Weise zusammen und heller Tag war es, als die letzten getreuen Anhänger des Prinzen Karneval ihre Schritte heimwärts lenkten.

"Auf dem hessischen HandelSka inmerta g in Mainz wurde mitgeteilt, baß sich die Handelskammern München, Wesel unb Mainz allein von allen deutschen Handelskammern für die Tabaksteuererhöhung ausgesprochen haben (nicht Nürnberg, wie unser Mainzer Korrespondent irrtümlich meldete).

* Folgenden Steckbrief g e'gen Cramer finden wir in einem Münchener Blatte:

Gegen den irntenbezeichneten re. Cramer, welcher hinreichend /verdächtig erscheint des Verbrechens der Majestätsbeleidigung des Souveränen Volkes im rechtlichen Zufaminenhang mit einem Ver­gehen gegen die Staatsgewalt (desVorwärts"), einem Vergehen £er rohen Mißhandlung, indem er die sozialistischen Prinzipien mit Füßen trat, und einem Vergehen der Unterschlagung seiner wahren Gesinnung, sowie mehrerer noch unbezeichenbarer Schmer­verbrechen, wird hiermit Stechbries erlassen: Personalbeschreibung: <£. R. Cramer, blinder Hesse unb ReichStaqsabgeorbneter (aber nicht mehr lange). Größe: Verschwinbenb gegenüber den anderen Parteigrößen. Statur: Höflingsartig. Haltung: Kriechend. Augen: Nach oben schielend. Hände: An der Hosennaht, beziehungsweise bettelnd ausgestreckt. Aart: Hurra! Bauch: Rntschbar. Besondere Kennzeichen: Trägt Zylinder, schwarzen Gehrock und klaffende Knopflöcher; in der hinteren linken Rocktasche wahrscheinlich eine rote Krawatte. Knickt aus ben Ruf: .Der Großherzog" iajdien- mefferartig zusammen. Es wird ersucht, ben Verbrecher int Be- Iretungssalle ungesäumt sestznuehmen unb zur Verbüßung der ihm gebührenden exemplarischen Strafe tot ober lebenbig an den Unter­zeichneten abznliefern. Der General-Staatsanwalt am ZnknnstS- staatsgerichtshof Berlin: Dr. August Bebel, gez. Stadthagen, Sekretär. Berlin, ß. Febr. 1906.

Daß dieses Münchener Blatt die »Jugend" ist, werden inferc Leser längst gemerkt haben.

** Eine luftige Mobilmachungsgeschichte spielte sich in einem Orte Ober Hessens nahe einer Ganiisonsiodt ab. MlS die Bewohner im ersten Schkummer lagen, wurden sie pGtz- pd) durch frfnteibiae Militänuärsche geweckt, unb an den Fenstern krichienen die Köpfe der Neugierigen, denen sofort die Marollo- geschichte einfiel. Man vermutete', daß das Regiment mobil sein müsse unb an den Bahnhof gebracht werde, um sofort an die Grenze zu marschieren. Da kam gerade ein Mann mit etwas Verspätung aus dem Wirtshaus.Luwig", rief ein Mütterchen händeringend,'S is mobil, morje werschte aach fortmiffe."Aich docht mersch nach", nmttvortet er,wahrhaftig, etzt komme fc schun do biitoe her" die Musik spielte in anderer Richtung. Auf bau Schulweg aber sagte am andern Morgen das kleine

Kartellen! ganz geheimnisvoll zu seinen Schulkameraden:Meßt ihrs schunt, es gibt Krieg, ntei Unkil (Onkel) muß heut all die Leu bestemt, däi met misse noch Frankreich, mci SSerrer Hannes, ernt mci Petter Luwig sein aach bobebet" Bald sollte sich iedoch die Mobilmachung auf klären. Ein Einwohner, der am andern Ende des Dorfes wohnte, hatte das langersehnte Glück, daß ihm ein Sohn geboren wurde. In seiner Vaterfreude holte er sich eine Musikkapelle und brachte seinemThronfolger" cm Ständ­chen. Die nächtliche Mobilmachung wird wohl etwas losten, aber zum Glück keine Menschenleben. ~ p.

() Steinbach (Str. Gießen), 12. Febr. Der hresrge Voltsbildungsverein, der dem Main-Rheinischen Verbände für Volksvorlcsungen cmgeschlossen ist, hielt am vergangenen Sonntag imRitter" seinen 2. Vortrags­abend. Lehrer Eiß feller sprach über das Thema: Volkskraft und Wehrkraft". Er führte aus, daß Intelligenz ohne körperliche Rüstigkeit auch heute noch nicht zum Siege führen könne. Wenn das deutsche Vclk in seiner Gesamtheit seine körperliche Rüstigkeit zu erhöhen suche durch Spiel und Sport und körperliche Betätigung jeder Art, so könne das Wort zu Schanden werden, daßDie Völker aus der Geschichte nichts lernen wollen", es käme dann vielmehr das Dichterwort zur Geltung:Deutschland hat ewigen Bestand, es ist ein kerngesundes Land". Ter Vortrag fand leb­haften Anklang; ebenso wurden auch die Liedervorträge des GesangvereinsGermania" mit großem Beifall aus­genommen.

1. Schotten, 12. Febr. In einer Anfang dieses Monats abgehaltenen Versammlung wurde die Gründung einer Spar- und TarlehnSkasse für Schotten und umliegende Orte im Anschluß an den Verband der Hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften vollzogen. Den Vorsitz in dieser zweiten Versammlung führte wiederum Lehrer Linet- Rudingshain, ein eifriger Förderer deL Genossenschaftswesens. Nachdem Revisor Lehr-Darmstadt das Referat über die Zwecke und Ziele der Genosienschaftskassen und deren Ein­richtungen erstattet hatte, wurden nach Unterzeichnung des Statuts die Wahlen vollzogen. Gewählt wurden: zum Direktor Lehrer Linck, zum Rendanten Gemeinderechner Staug-Schotten, zum Beisitzer Eduard Ruckelshatnen-Michel- bach und H. Dambmann-Rudingshain. Das Vereinsgebiet erstreckt sich auf den Aintsqerichtsbezirk Schotten. Der neuen Genossenschaft find sofort 43 Anwesende beigetreten.

Obbornhofen, 12. Febr. Infolge Explo­dierens einer Petroleumlampe hat sich am Samstag abend Frau H. Kammer schwer verbrannt. Die Frau wollte sich zu Bette legen und zuvor die Lampe, die sie in der Hand hielt, ausblasen. Hierbei schlug die Flamme zurück, das Petroleum explodierte, resp. ergoß sich über die Frau, die nun einer Feuersaule glich. Der Mann, welcher schon zu Bette lag, beeilte sich, einen Eimer Master auf das Feuer zu gießen; er wußte anfangs gar nicht, daß seine Frau bräunte. Auf das Hilsegeschrei konnten die Nachbarsleute vorerst gar nicht in§ HauS dringen, da die Tür verschlossen war. An Ersticken der Flammen durch Kleider bat man scheint? nicht gedacht, und so ist die Frau derart stark verbrannt, daß man an ihrem Auskommen zweifelt.

Darmstadt, 12. Febr. Die Darmstadter Narrhalla hat eine außerordentliche Unterstützung gefunden; S. K. H. der Groß Herzog hat nämlich dem Komitee einen namhaften Beitrag zu Gunsten des Karnevalzuges überwiesen. DaS Programm für den Darmstadter Karneval lautet wie folgt: SamSlag, den 17. Februar, zweiter Maskenball. Samstag, den 24. Februar, Einzug des Prinzen, abends karnevalistische Versammlung und Konzert in der Turnhalle. Sonntag, den 25. Februar, früh, Neveille, mittags 1 Uhr, Karnevalzug, hierauf Prinzen-Festessen, abends dritter Masken­ball. Montag, den 26. Februar, abends, Festvorstellung im Orpheum, in Anwesenheit des Prinzen. Dienstag, den 27. Februar, Kappenfahrt, abends narrisches Konzert in der Turnhalle.

sij Biedenkopf, 12. Febr. Vergangene Nacht gegen 3 Uhr brannte hier die sogen. Untermühle nieder. Den im Oberstock roobnenben Leuten gelang es nur mit großer Mühe, bas nackte Leben zu retten, so schnell griff da? Feuer um sich. Heute mittag wurde der Besitzer der Müble, der seit einigen Wochen wieder hier wohnende Backer Georg Hosch, welcher der Brandstiftung dringend verdächtig ist, verhaftet und durch zwei Gendarmen inS Marburger LandgerichtSgesangnis gebracht. Hosch war im vorigen Jahre als Wirt im Hotel zumHessischen Hof" in Marburg.

h. Frankfurt a. M., 12. Febr. Der gestrige Personen­zug, der nachts van Altenbeken über Warburg nach Frankfurt fährt, ist unweit Corbach im Schnee stecken geblieben. Die Lokomotive mußte ausqeschaufelt werden, wodurch der Zug eine dreistündige Verspätung erlitt. Ebenso hatten die beiderseitigen Durchgangszüge WarburgFrankenburgMar­burg große Verspätungen, da im ganzen Gebiet des Sauer- landeS. des Ruhrtales und der Waldeckschen Berge unge­wöhnliche starke Schneemassen gefallen sind.

** kleine 111p i l " n n c n ans H e He n unb den N a eh b a r st a a t e n. In der V l e ch c m b a 11 a g e n f a b r i f Fechenheim explodierte ein 2 u i t q a § m 0 t 0 r. Ein Arbeiter wurde tätlich verletzt. Eine Arbeiterin suchte sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu retten und wurde dabei fchwer verletzt. Der Fabrikbetrieb ist für einige Tage ausaefetzl worden. In Hanau erfeboß sich an der über bie Kinzig führen­den Hellerbrüeke ber 24 Jahre alle frühere Postgehilfe Mart. Siebert aus Weimar bet Kastel. Er war bißher beim Post­amt Bad Orb tätig, hatte die Assistentenprüfung nicht bestanden und war vor kurzem aus dem Postdienst geschieden. In M a i n z feierte die Metzgerinmmg kürzlich die 29jährige Tätigkeit ihres Obermeisters Jean Falk.--In der letzten Vollversammlung

der H a n b e l s k a m m e r für den Kreis Wetzlar wurde ber seitherige Vorsitzende Generalbirektor Kaifer einstimmig iviedergewählt. In Ettingshausen soll ein Turnverein gegründet werben, ber sich bem Gau Hessen anschließen will. - Der int W i e s e ck t a l neu gegründete VolkcüängerbunbChattia" wirb int Sommer eine Sängerfahrt nach BerSrob veranftalien. Der Kriegerverein zu Göbelnrob feiert im Sommer sein Fahnenweih'eft. In Hebbernheim ereignete sich ein gräß­licher Unglücksfall. DaS vierjährige Söhnchen des Verwalters Weh ergriff ein in der Ecke stehendes geladenes Flobert und spielte da­mit, während das zweijährige Kind des Arbeiters Kullmann zti- sah. Plötzlich entlud sich bas Gewehr und eine Kugel drang bent kleinen Kullmann in ben Kops. Der Knabe war sofort tot.

Vermischtes.

Berlin, 12. Februar. Es wurde in Militärkreisen be­merkt, daß seit 10 Tagen der Kapellmeister Przywarski vom Kaiserin Augusta-Negiment nicht mehr zum Dienste er­scheint, unb daß auch Feldwebel Renno von der 1. Kom­pagnie dieses Regiments seit derselben Zeit vom Dienste ab gelöst worden ist. Dies hängt mit einer Spieler­

Affäre zusammen, die wahrscheinlich zahlreiche Kapellmeister der Garderegimenter und auch eine Reihe von Feldwebeln in Mitleidenschaft ziehen wird. Durch eine anonyme Mitteilung waren die militärischen Vorgesetzten auf bie Spielleidenschaften Przywarskis hingewiesen worden. Ein Hauptmann drang abends unvermutet in das Spiellokal ein und überraschte die Herren. Auf dem Spieltisch lagen hohe Geldbeträge. In­folge dieser Entdeckung wurden Przywarski und Renno sofort vom Dienste suspendiert.

* Kleine Tageschr 0 nik In Berlin gelang es dem Z u ch t h ä 11 s l er B a ra n 0 w s k i, durch einem das Dachgewölbe gebrochene Oesfnung ans der Moabiter Strafanstalt zu entkomme n. Zweien feiner Komplizen, bie an dem tollkühnen Plan beteiligt waren, mißlang ber Fluchtversuch. Eine Spur des Entwichenen ist noch nicht gefunden. In K ö l n am Rhein ent­stand während der Abwesenheit der Eltern in einer oerfchlostenen Wohnung, F e u e r. Die Feuerwehr konnte nur noch einen drei­jährigen Knaben aus der Wohnung retten, der aber auch schon sein Leben ausgehaiicht hatte. Ter Hauptlehrer Nießer in Ottersheim" bei Cermersbeim (Pfalz) wurde wegen jahrelanger SittlichkeitsverbrccHen an Knaben und Schülerinnen verhaftet. Bisher sind 162 Fälle sestgestellt. In Gnesen hat sich der H a u p t m a n n A p p e l erschossen. Er war verheiratet und hatte Mei Kinder. Ehezwistigkeiten sind ber Grund zu beirt Selbstmord. Von maßgebender Seite hört diePost ,. daß die Nachricht, die Standeshorrschaft Muskau sei an den Prinzen Eitel Friedrich verkauft morden, auf Erfindung beruht. Ber Salzburg ist ein Goldarbeiter bei einem Ausflüge in bie Berge von einer Felswand abgestürzt. Er war sofort tot. Ans allen Teilen Italiens wird starker <y r 0 ft sowie heftiger Schneefall gemeldet. Ter Dahtwerkehr ist vielfach unterbrochen. Tie Telegr.- und Telephonleitungen sind teilweise vollständig gestört. Von der toskanischen und kalabrr-- schenÄtlste werden große Schneefälle gemeldet. Auf den Berliner! Schnellzug wurden cm 11. d. M. in der Nähe der ungar. Ltatwn Ral'os von einem von Wien kommenden Schnellzuge mehrere Revolverschüsse abgegeben. Tie Kügeln schlugen in ein Coupee 1. Klasse, in bem 6 Personen saßen, ohne jeboch jemand zu verletzen. In Turze (Posen) sind der Wirt Slota, seine Frau und zwei seiner Kinder an Kohlenoxydgas erstickt. Zwei andere Kinder konnten ins Leben zuruckgernfen

LIttiversiräLs-Nachrrchten.

ffb.) Darmstadt, 12. Febr. Mcachdem eiw.auS 5 Pw- fessoren und 7 Studenten bestehende Kommission gebildet ivorden ist, die eine friedliche Beilegung des Ko n f l i k tJa zwischen Rektor unb Stu deutenscha ft^veiguchen soll, haben sich die Wogen der Erregung unter der etiibentenfdTaft etwas geglättet. Am 22. d. M. soll eine öffentliche Stu­denten Versammlung stattfinden, in der Decke aus Han­nover sprachen wird. Heile leitete seinerzeit die Hochschulbeweg­ung in ö'r.ro..r und wurde deshalb schließlich relegiert. Zur silbernen Hochzeit des K a i ser p^a a r e s veran­staltet die hiesige Studentenschaft eine Sammlung, deren Ergebnis zur Unterstützung hilfsbedürftiger Stieger des südwestafrikgniscken Feld; uges verwendet werden^oll,

2lrberterbewegung.

Die Bergarbeiterbewegung int O b erlau- sitzer Braunkohlen-Revier nimmt größere Ausdehn­ung an. Am 12. d. M. trat die Belegschaft sechs weiterer Grube« wegen verweigerter Lobnanfbessernna in den Ausltand._____

GerLchtssaal.

In der Privat klagesache des Tr. med. Si^efart in Charlottenburg gegen Rechtsanwalt Dr: C in Gießen bat, wie uns heute mitgcteilt wird, das Lanbgeriajt i in Berlin auf Berufung Dr. Spohrs^ hin, das Urteil 1. Instanz aufgehoben, die Privatklage zu Lasten des Klagers mit ben Kosten des Verfahrens, abgewiesen. _

Leipzig, 12. Febr. In bem Prozetz gegen die Leipz. V 0 lksztg. wegen Aufreizung, begangen durch 25 jrtiteL des Blattes, welche die russische Revolution und bie sächsuche Wahlrechlsbewegung behandelten, wurde heute der verantw. Re­dakteur Heinisch zu 1 Jabr 9 Monat en Gefängnis verurteckt. Ter Staatsanwalt hatte sofortige Verhaftung bean­tragt, dos Gericht beschloß, den Angeklagten gegen eine Ka u t 10 n von 15 000 Mark f r e i zu l a s s e n.

Mülhausen lEls.), 12. Febr. Das Landgericht verurteilte den Gründer der Elsaß-Lothringischen JndnstriegesellichaftBankiek Blumenthal wegen Betruges und .Hehlerei^zu 18 Monaten Gefängnis und dreitausend Mark Geldstrafe. iLern Kvmpagnou Hummel wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

(sd.) Darmstadt, 12. Febr. Wegen Nichteinhaltung des vor geschriebenen Beschwerdeweges war bei Musketier ÖSw.ckd Höhne von der 7. Avmpagnie des Infanterie­regiments Nr. 168 seinerzeit verurteilt worden, da er einen Unter­offizier, der ein Fechtgewehr beiseite geschafft hatte, mittels ano­nymen Briefes beim Regimentskommandeur anzeigte. Höhne hatte gegen bie Verurteilung Berufung eingelegt. Das Kriegs­gericht bestätigte die in ber Vorinstanz festgesetzte -strafe, allerdings nicht wegen Nichteinhaltung des Beschwerdeweges, son­dern wegen Ungehorsams, da Höhne wissen mußte, bay er sich an seinen Aonivaaniechef zu wenden habe.

firtnöc! nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Vom Minenaktienmarkt. Allmählich darf man sich n-ohl ber Hoffnung hingeben, daß bas deutsche Kapitalisten Publi­kum, oas sich in Minenaktien engagiert hat, lieber seinen Besitz mit Verlu st verlauft, al snock weiterhofft und harrt und das Geld für Prolongationszwecke sozusagen hin- answirst. Man sollte wenigstens denken, daß die, Erfahrungen der letzten Zeit belehrend gewirkt haben. Und diejenigen,, die noch immer nicht bie Hoffnung aufgegeben haben, möchten wir daraus anfmerlsam machen, daß die Ehinesenfrage unter der neuen eng­lischen Regierung stark in den Vordergrund tritt und das ist eine Sache, die das S pe kul i e r e n in Goldin in en aktien noch bedenklicher macht, als es seither schon der Fall war. Seit der englische Liberalismus wicbcr ans Ruder gekommen ist, hat man sich, w."s diesen Punkt betrifft, auf einen sehr kostspieligen Idealismus gefaßt zu machen. Also die Hände weg von Transvaal- minen-Aktien und lieber hin sein lassen was hin ist, als noch mehr zusetzen.

Steigerung von Industriewerten. Wenn auf ein­zelnen Gebieten des Jndusirieaktienmarktes bie Kürsbewegung nicht mehr so leicht vorwärts gehen will, sondern eher rückgängig zu bezeichnen ist, so IFommt dies u. a. daher, daß die Kürse z. B. gegen Anfang Februar des vorigen Jahres gehalten, auch heute noch außergewöhnlich hoch stehen. Allerdings haben auch manche Aktien gegen das Vorjahr einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen. Wir wollen hier einige Beispiele an führen: Es notierten Berlln-Anh.ckter Maschinenfabrik am 2. Februar 1905: 218.50 und gegenwärtig ca. 231.00; Delmenhorster Linoleum standen L V. 208 unb jetzt 253.50; Tur-Dobenbacher Köhlen- aktien^ gingen von 174 bis zu 184 in die 'Höhe; Hein, Dehniann und Eo., Berlin von 115.20 bis 137; KüonPrinz Metallaktien von 365.50 bis 400; Rütgerswerke von 128.24 bis 149.75 usw. Hingegen haben am 2. Februar 1905 Askania, Chemische Fabriken 176 notiert und stehen gegenwärtig ca. 150, Dynamit Trust machten mannigfache Wandlungen durch; sie notierten am 2. Febr. 1905 194.25, am 4. Jan. b. I. 179.10 und stehen gegenwärtig wieber an 180. Die Harburg-Wiener Gnniniiwerke gingen von 297.50 bis 256 zurück, stiegen aber inzwisckxni wieder bis 273 usw.

Die Berliner Börse war bei Eröffnung wieder recht matt und dazu kam noch die Befiirchtung einer Zinsversteifung durch bie Schatzscheinbegebung. Auch die Geschäfts.'osigkeit drückte auf die Kurse. Im weiteren Verlauf trat eine Besserung auf Deckungen ein, sooaß sich Gelsenkirchener unb Laurahütte von an­fänglichen größeren Verkäufen wieder etwas erholen konnten. Da bie Newvorker Börse wegen deS Lincolntages geschlossen war, war bie Haltung für Anterikanerwerte sehr abwartend. LebbaLL