Kindermehl
an Verdauungs^ Störung.
Darmkatarrh, k Diarrhoe etc.
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Die Kinder gedeihen J • Hervorragend vorzüglich dabei bewährt bei
& leiden
zu tat, wenn sie auch nicht für jede einzelne Dienstleistung bezahlt wird. Ein freundliches Wort des Dankes und der Anerkennung von feiten des Staates und der kirchlichen Oberbehörde wird manchmal von dem Einzelnen höher gewertet, als die Bezahlung mit Geld. Die Synode schloß sich dem Ausschußantrag an.
Märkte.
ke. Frankfurt a.M., 11. Nov. Kartoffelmarkt. Man notierte auf dem gestrigen Kartoffelmarkt 6.00—6.30 Mk. für 100 Kilo.
SelterLberges, der Tunnel, der die 140 Meter breiten Schienenwege des Güterbahnhofes von der Margarethenhütte bis zu der neuen Straße an dem veterinärmedizinischen Institut quert, ist nach achtmonatlicher saurer Arbeit bis auf eine Strecke von etwa 10 Meter Lange hergestellt. Diese kurze Strecke wird noch in diesem Monat vollendet werden. Der Tunnel ist dazu bestimmt, in seiner Sohle einen Nohr- kanal für Schmutzwasser (Fäkalien) und rechts und links davon zwei kleinere Kanäle für Negenwasser aufzunehmen, die der von der Hofmannstraße nach Klein-Linden zu gelegene Teil des Seltersberges liefert. Das immerhin große Gebiet wird also mittels des Tunnels unter dem Bahnkörper hinweg seine Entwässerung finden, während der zur Stadt zu gc> legene Teil des Seltersbergviertels nach der Wieseck hin entwässert wird. Der von den Bauunternehmern H. Winn und Becker gemeinsam auSgeführte Tunnel, der überaus sauber in Gail'schen Klinkern hergestellt ist, soll nicht allein der Kanalisation dienen, sondern er ist so angelegt, daß, wenn es erforderlich wird, darin auch noch die Wasser- und Gasleitung und das Kabel für elektrische Energie untergebracht werden kann. Die Arbeiten für die Kanalisation des oberen und unteren Seltersbergviertels sind soweit gediehen, daß im kommenden Jahre mit den Hausanschlüssen vorgegangen werden' kann.
cb. Laubach, 10. Nov. Der verstorbene Altbürgermeister Ritter hat dem hiesigen Kriegerverein 300 Mk. vermacht. Die Spende soll im nächsten Somuter zum Besuche des Schlachtfeldes von Graoelotte Verwendung finden. — Gestern abend fanden sich Freunde des nach Bad-Nau- heim versetzten Gerichtsassessors Weiß im Kasino zu einer Abschiedsfeier ein. Während seiner dreijährigen Amts
führung wußte der Scheidende sich die Anerkennung der Kreise, mit denen er zu verkehren hatte, zu erwerben. Tas bewies die Anwesenheit unserer Vertreter der Nachbargemeinden. Abschiedsmorte widmeten Oberamtsrichter Zimmermann, Forstmeister Andre und Bürgermeister Jochem.
-o-. Harbach, 11. Nov Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl erhielt Georg Münch IV. 46 Stimmen, sein Gegenkandidat 35 Stimmen.
-j- Bellersheim bei Hungen, 10. Nov. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten hier Landwirt Nikolaus Göbel und seine Ehefrau, geb. Bopp. S. K. H. der Großherzog hatte dem Jubelpaar sein Bild geschenkt, das Oberkonsistorium sandte eine Bibel. Herr Göbel ist langjähriges Mitglied des Kirchenvorstandes. Es fand ein besonderer Gottesdienst statt, an dem die ganze 'Gemeinde teilnahm.
hs. Bad-Salzhausen, 9. Nov. Durch die Arbeiten, die das Tiefbauamt Nauheim an den hiesigen Quellen vorgenommen, ist die neu entdeckte Soolquelle mit Kohlensäure unter der Erde in die Lithiumquelle eingedrungcn, so daß die Lithiumquelle jetzt annähernd 130 000 Liter Wasser bei 16 Grad Wärme täglich abgibt, wahrend die neue Quelle verschwunden ist. Seit zwei Monaten konnte durch die langwierigen Arbeiten den Bestellern kein Lithiumwasser geliefert werden. Statt der für Oktober hiev vorgesehenen Tief- bohrungen werden jetzt in Bad-Nauheim Bohrungen vorgenommen. Durch öffentliche Volksversammlungen in hiesiger Gegend soll demnächst gegen die Zurücksetzung des Bades Salzhausen protestiert werden.
X Aus der Wette rau, 11. Nov. Ein schweres Unglück trug sich in dem Mangan-Bergwerk bei Nosbach zu. Dort stürzte der ledige Arbeiter Rühl in einen Schacht und wurde als Leiche heraufgebracht. Er ist auS Köppern. — Dem Kriegerverein zu Ober-Mörlen wurde durch Krcisamtmann Werner die Kaiserschleife überreicht. — Bei Heldenbergen fand man im Walde die stark verweste und angefreffene Leiche eines ManneS. Der Kopf hing noch in einer Schlinge am Ast.
w. Wetzlar, 11. Nov. An dem ehemaligen Münzgebäude, dem am Eisenmarkt gelegenen Metzgermeister Feiling gehörigen Hause wurden durch RegierungSbaumeister Hehl wunderbare Schnitzarbeiten auS dem Jahre 1599 bloS- gelegt. Die Stadtverordnetenwahl ist äußerst ruhig verlaufen. In der 3. Wahlabteilung wurde die Liste des Wählerverein§ glatt durchgeführt. Kein sozialdemokratischer Kandidat ist durchgekommen.
[] Marburg, 9. Nov. Dem Haltesteklen-Vor- steher in Station Kükte-Wetterburg der Eisenbahn Marburg-Warburg wurde vorgestern beim Anhängen eines Wagend ein Arm und ein Bein abgerissen. Der Aermste starb alsbald. Seine Frau hatte von der Wohnung aus das Unglück mit angesehen.
Biedenkopf, 9. Nov. Nach der neuesten Volkszählung hat der Kreis Biedenkopf 21813 männliche und 23790 weibliche, zusammen 45 663 Einwohner.
h. Frankfurt a. M., 9, Nov. In der Angelegenheit de§ Stadtv. Zielowsky hat das Oberlandesgericht heute den Beschluß der Strafkammer aufgehoben und das Verfahren für eröffnet erklärt. Danach wird sich also der Stadtverordnete Zielowsky demnächst vor der Strafkammer verantworten müssen. — Das 4 Jahre alte Kind des Gastwirts Käsinger in der alten Mainzergaffe setzte durch Spielen mit Streichhölzern seine Kleider in Flammen. Als die Mutter hinzukam, stand das Kind in Hellen Flammen. Es trug am ganzen Körper schwere Braud- wunden davon und mußte nach dem Spital gebracht werden. — Das verstorbene 1% Jahre alte Kind der Eheleute Tragisch, Wickererstraße, wurde infolge Anzeige der Hausbewohner auf dem Friedhöfe obdueiert, wobei sich ergab, daß es schwer mißhandelt worden ist. U. a. schweren Verletzungen soll das Kind einen Schädelbruch gehabt haben. Gegen die Eheleute ist Strafanzeige erstattet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 12. Nov. 1906.
** Ordensverleihungen. S. K. H. der Groß- Herzog haben dem Oberzahllneister Hoffmann im Königl. Preuß. Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhessischen) Nr. 80, seither im 4. Großh. Jnf.-Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — S. M. der König von Preußen hat dem Oberbürgermeister von Mainz, Dr. jur. Göttel- mann den Kronenorden 3. Klasse verliehen.
— In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog am Samstag u. a. Oberlehrer Kolb von Nidda, Pfarrer Fischer von Alten-Buseck, eine Deputation der evangel. Landessynode, bestehend aus Professor v. Stamm von Gießen, dem Direktor Brand von Mainz, Oberamtsrichter W a h l von Schlitz und Pfarrer v. S ch l o s s e r von Gießen.
- Vom Kirchenvo^stand. Im gestrigen Vormittagsgottesdienst fand in der Johanneskirche die Verpflichtung und Einführung beS in den Kirchenvorstand der Lukasgemeinde gewählten RechnungSratS Bernhard statt. Die Verpflichtung und Einführung des gleichfalls gewählten RegierungSrats Dr. Wagner konnte nicht erfolgen, da dieser inzwischen als Oberrechnungsrat nach Darmstadt versetzt wurde. Die beiden Herren waren anstatt der verstorbenen Herren Ingenieur Schiele und Prof. Dr. Strack gewählt worden. In den Gesamtkirchenvorstand wurde für den letztgenannten Geh. Forstrat Prof. Dr. Wimmenauer gewählt.
— Die Hessische Vereinigung für Volkskunde hält am Montag im Cafö Ebel eine außerordentliche Generalversammlung ab. Nach der Erledigung des geschäftlichen Teils hält um 71/, Uhr Lehrer Neumann aus Großen-Buseck einen Vortrag über .Glockensagen".
** Zum Gesamtgastspiel Rosa Poppe mit Ensemble Berliner Bühnenkünstler schreibt man uns aus dem Bureau de? StadttbeaterS: Wie nicht anders zu erwarten, zeigt sich für das Dienstag stattfindende »S a p p h o" - Gastspiel der Berliner Künstler ein überaus reges Interesse, das sich in zahlreichen Billetbestellungen kundgibt. Diese Gesamtgast- sprele bringen uns nicht .Stars" im Einzellicht, sondern innerhalb eines eingespielten Ensembles namhaiter Berliner Künstler und innerhalb einer einheitlich und stilgerecht gestalteten Aufführung.
• • Der Bauersche G e s a ng v e r e i n, deffen aktive Mitgliederzahl einen erfreulichen Zuwachs erhalten und weit über 60 gestiegen ist, unternahm gestern einen Familien a u s s l u g nach der „Karlsruhe". Gesangsvorträge und Tanz bereiteten den zahlreichen Teilnehmern einige fröhliche Stunden.
* * Abreißkalender. Die Firma I. Jttmamt hier bringt zum neuen Jahre einen .Riesenkalender heraus. Er wird an Geschäftsleute und Behörden gratis verabfolgt und kann schon heute in Empfang genontmen werden.
* • Das Schlußstück der Kanalisation des
fior, daß jemand, ber nicht gerade als Großkapitalist auf btc Welt kam, sondern als Beamter seinen Beruf erfüllen müsse, auch 'mal einen Verweis erhalte, das brauche man aber nicht gleich so tragisch zu nehmen. Er halte es für eine Pflicht der obersten Kirchen behörde, einzuschreiten, wie sie es getan hat, wenn sie die Ueberzeugung gewinnt, daß eine notwendige Veranlassung dafür vorlag. Eine Synode solle die Kirchenregter- mtg an der Ausübung ihrer Pflichten nicht hindern, sondern sie txmn unterstützen (Beifall) und deshalb bitte er. die Resolution Wahl-Vogt anzunehmen. _
CS folgt nun noch eine Anzahl persönlicher Bemerkungen, worauf die fast dreitägige Debatte über den Fall K o r e 11 geschlossen wird. Die Sitzung wird darauf längere Zett Snterbrochen, da das Präsidium zur Uebevreichung der Glück - 'unschadresse vom Großherzog empfanaeN wer-
Rach Wiederaufnahme der Sitzung teilte der stellvertretende Vorsitzende, Direktor Brand-Mainz mit, daß der Großh^zog das Präsidium sehr freundlich empfangen habe und über die herzlichen Glückwünsche hocherfreut gewesen fei; er beauftragte das Präsidium, allen Mitgliedern herzlichst zu danken und zu grüßen Im Anschluß hieran brachte die Synode ein dreimaliges Hoch auf den Großherzog und sein Haus aus
Es wird darauf zur A b st i m m u n g über die beiden vorliegenden Resolutionen geschritten, die auf Antrag des Syn. Wahl- Langen durch Namensaufruf erfolgt.
1 Wir haben das Resultat bereits am Samstag mitgereM.
Die Shnode erklärt, daß die vom Großh. Oberkonsistorium gegen Pfarrer Korell getroffene disziplinarische Entscheidung vom xem rechtlichen Gesichtspunkte aus verschiedenartige ^Beurteilung zuläßt, spricht aber der KirchenbeHorde das Vertrauen aus. daß sie auf Grund gewissenhaftester Berücksichtigung aller Umstände ihre Entscheidung getrossen hat. Die den Einzelfall Kvrell und dessen formale Behandlung weit überragende Bedeutung erblickt sie aber in der Tatsache, daß Großh Obev- konsiftorium durch seine Stellungnahme unzweideutig kund gab, daß irgend welche politische Förderung oder Begünstigung der heutigen Sizialdemokratte mit den Amtspflichten eines evangelischen Geistlichen unvereinbar ist. Diesen Standpunkt billigt die Synode ausdrücklich. ...
Von den neun Unterzeichnern des ersten Antrags hatte sich Syn. Dornseiff auch der zweiten Resolution angeschlossen. Nach der Feststellung des Abstimmungsergebnisses betonte
Pfarrer D. Schlosser und nach ihm auch die übrigen sieben Gegner der Resolution, daß sie trotz ihrer Abstimmung dem Großh Oberkonsistorium ihr vollstes Vertrauen entgegenbrächten.
Nachdem die Synode bann noch einige weitere Punkte erledigt, vertagt sie sich auf Montag.
1 Waä) Schluß der Beratung über den „Fall Korell" beschäftigte sich die Synode noch eingehender mit dem vom Oberkonsistorium .totgelegten _ , , Ä
Anhang geistlicher Lieder zum Gesangbuch
der speziell für Jugendgottesdienste und für freie Versammlungen der Gemeinden bestimmt sein soll. Der Sonderausschuß der Synode für die Herstellung eines solchen Anhangs hat darüber- durch den Synodalen D. Schlosser-Gießen einen ausführlichen Bericht erstattet. Derselbe bemerkt, daß ein solcher Anhang nicht bloß ganz bestimmten, int Gemeindeleben heroorgetretenen Bedürftiissen entspreche, sondern auch den Bestrebungen, die evang. Kirche volkstümlicher zu gestalten, entgegenkomme und aus beiden Gesichtspunkten lebhaft zu begrüßen sei. Um den allg^ meinen Gebrauch des Anhangs zu sichern und möglichst rasch Lurchzuführen, würde es sich empfehlen, kein Gesangbuch mehr ohne Anhang herzustellen. So erwünscht es auch für die Einführung der Melodien gewesen wäre, den Anhang nur mit Noten h:raus- zugeben, so wird es sich doch nicht vermeiden lassen, so lange es noch Gesangbücher ohne Noten gibt, für diese auch den Anhang ohne Noten zu liefern. Ms das zu erstrebende Ziel sieht aber der Ausschuß die allgemeine Einführung des Gesangbuchs mit Noten und die Beseitigung der Ausgaben ohne Noten an.
Die Synode beschloß nach längerer Debatte:
I. Den vorgelegten Entwurf eines Anhangs geistlicher Volkslieder für Jugendgottesdienste und für freie Versammlungen der Gemeinde zur Darbietung an die evangelischen Gemeinden zu genehmigen;
IL das Großh. Oberkonsistorium zu ersuchen, es wolle:
1. den Anhang in verschiedenen Formaten des Gesangbuchs, und zwar zu den notenlosen Ausgaben auch ohne Noten, Herstellen lassen,
2. zum Zwecke des Separatgebrauchs eine Llusgabe mit besonderem Umschlag und Titel veranstalten,
3. sofern nicht besondere Wünsche (§ 3 des Derfaffungs- edikts) entgegenstehen, fünftig kein Gesangbuch mÄw ohne Anhang zum Verkauf bringen lassen,
4. alsbald die Melodien _ des neuen Anhangs in vierstimmigem Satz bearbeiten lassen und in einem Anhang zum
Chvralbuch herausgeben,
5. die Einführuüg einer einheitlichen Ausgabe des Gesangbuchs nur mit Noten in Aussicht nehmen, und dazu:, a) eine noch handlichere Gestalt des Formats der Ausgabe mit Noten, b) die Herstellung dieser Ausgabe in besserer Ausstattung und mit verschiedenen besseren Einbänden, und c) die Uebemahme dieser Ausgabe in eigenen Verlag in Erwägung ziehen.
Weiter wurde noch über den Antrag Jost- Bechtheim beraten „Hohe Shnode wolle Großh. Oberkonsistorium veranlassen, einen der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprechenden Ausgleich der Vergütung der Geistlichen für ihre dienstlichen Funktionen in den Gefängnissen zu erftreben."
Der Shnodalausschuß, der durch den Syn. Dekan Schrimpf- Dutzbach schriftlichen Bericht darüber erstattet hat, erkennt an, daß die Seelsorge in den Gefängnissen für den Geistlichen manchmal eine recht mühevolle ist, beantragt jedoch, den An trag ab- zulehnen, indem er hinzufügt: Die hessische evangelische Geistlichkeit sucht eine Ehre darin, ganz und voll ihre Schuldigkeit
Bakos, der Gerhard des Herrn Greeff, das Teufelsbrätchen Beate de8 Frl. Schellenberg, der Steinharter des Herrn Goll, lauter ausgezeichnete Leistungen, denen die Nebenrollen erfolgreich nachstrebten.
Frl. Schellenberg war die größte, aber auch heikelste Aufgabe zugefallen. Bei allem Eifer, mit dem sie während der ersten Akte in ihrer Beate eine hypermoderne junge Weltstadt-Dame zu zeichnen sich bemühte, verzichtete sie keineswegs auf die stärksten Waffen der Frau, weibliche Anmut und Liebenswürdigkeit. Anfangs mochte man nicht recht ihrer Beate glauben, daß „jede ihrer Handlungen unkeusch, jeder ihrer Gedanken zweideutig und schlüpfrig" sei; da lag noch eine gelinde hemmende Befangenheit über ihrem Spiel. Von vornherein aber gelang es ihr, auch dem Schlimmsten, was sie sprach und tat, alles Verletzende zu nehmen und sogar einen gewiffen Reiz zu verleihen. In der Szene mit Steinharter im 2. Akte begann sie dann den »süßen kleinen Teufel* wahr zu machen, und besonders anzuerkennen ist, daß Darstellung wie Kostüm trotz der sehr gewagten Situation durchaus dezent waren. In dem dritten Akte aber legte sie die gelungenste Probe ihres schönen und reichen Talents ab. Hier war sie wirklich von prickelnder Grazie und entzückendem Charme. Jede der glitzernden zierlichen Leuchtkugeln eines Halbjungfrauengehirnleins bekam hier in ihrem Munde etwas von dem Funkelglanz echter Diamanten auf kostbarein Spitzengewebe. Mit vollkommenster Virtuosität handhabte sie die kecken unb koketten Redespielereien, und der zur Liebe sich vertiefende Rausch des Entzückens selbst eines vielerfahrenen Lebemannes war eine Selbstverständlichkeit. Und
endlich konnte man zwar nicht der Beate des Herrn Philippi, wohl aber der Beate des Fräulein Schellenberg die tiefe Empfindung glauben. — Vielleicht beschert uns zur Freude aller Neugieriger Philippi noch ein neues Drama über den kleinen Racker im Ehestande ....
Herr Goll verlieh dem Steinharter, von deffen schlimmen Eigenschaften wir mehr vernehmen als sehen, auch etwas gewinnend Liebenswürdes, etwas von zwangloser echter Naturmenschlichkeit, das den späteren Uebergang zum ehrenhaften und reumütig Liebenden nicht gar so unvermittelt erscheinen ließ. Der großkaufmännische Heldenvater hat besonders viel theatralisches Drum und Dran, von dem ihm auch Herr Bakof, namentlich im 1. Akt, nicht ganz abzuhelfen vermochte. Im ganzen war sein Senator aber ein wetterharter Ehrenmann von wuchtiger und zugleich vornehmer Herzhaftigkeit, dessen leicht hamburgerisch gefärbte Sprechweise hier ganz besonders am Platze roar., Herr Greeff bot in seinem Gerhard das typische Muster eines reichen Nichtstuers, eines albernen und frechen Bengels aus den »beiten Kreisen" einer Weltstadt. Er sah für einen 24jährigen ja reichlich alt und abgelebt ans, hatte aber die ganze Gestalt ganz brillant und nicht ohne Humor dem Leben nachgebildet. Er scheint das am meisten versprechende Talent unter unseren neuen Herren zu sein.
Frl. Horn als Frau v. Hedeprim war eine neue Erscheinung. Die Dame hat eine vorteilhafte Bühnenerscheinung, schönes goldblondes Haar, ein sympathisches, volles Organ. Darstellerisch haftet ihr noch ein wenig davon an, daß sie wohl »och nicht lange der Bühne angehört. Aber die all-
modische Gradheit und Ehrlichkeit, mit der diese Biedermeierin in die dumpfschwüle Atmosphäre des sumpfigen elterllchen Hauses hineinzuwettern hat, stand ihr vortrefflich zu Gesichte und fie traf auch, namentlich in kurzer Rede, mit wünschenswerter Sicherheit den rechten Ton.
Vorzügliche Darsteller der famosen Nebenrollen: des feudalen Kammerdiners, des ehrlichen Prokuristen und des fixen FriseurS waren die Herren Gronert, Lippert und Reimer, während Frl. v. Jagemann für die zu flüchtig, aber nicht ganz lebensunwahr gedachte eingebildete Kranke, und Herr Herrscher, der meisterliche Karikaturenzeichner, für den ernsthaften Freund des Bankdirektors sich nicht am rechten Platze fühlten.
Das HauS war vorzüglich besucht und nahm das Stück mit starkem Beifall auf. P. W.
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— Man schreibt un§ auS Frankfurt, 11. Nov.: Im Frankfurter Schauspielhaufe trat gestern abend Frau Betty Ulrich vom Nationaltheater Mannheim als Maria Stuart auf. Die Dame, die um das frei werdende Fach der Heroine sich bewirbt, ist eine schlanke, ebenmäßige Erscheinung, lieblich zu schauen, mit kräftigem, modulationsfähigem Organ und gutem Mienenspiel. Ihre Wiedergabe der königlichen Dulderin war sympathisch und zu Herzen gehend. Ein Theatermann sagte uns, es sei »alte Schule*; ja du lieber Gott, soll man die Maria Stuart nach der neuen Richtung spielen? Wir befürworten das Engagement der Künstlerin, die mit großen äußeren auch innere Mittel verbindet-
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