Ausgabe 
10.12.1906 Zweites Blatt
 
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Angell.: Sind Sie dein Privalkläger verpflichtet oder ihm abhängig?

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* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein Schüler vom Technikum in Fried­berg hat sich in einen: Abteil 2. Klasse des Schnellzuges Homburg- Franksurt zu e r s ch i e b e n v e r s n ch t. Schwer verletzt wurde er ins Frankiurter städtische Krankenhaus verbracht. In einem Briese bittet er, seinen Namen nicht zu veröffentlichen.

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er habe den Fall erlebt, daß ein Mädchen einer anonymen Schreiberei verdächtigt und überführt wurde auf Grund eines als Vergleichsmaterial herangezogenen Albumblattes. Spater habe sich herausgestellt, das; das Mädchen drei Jahre alt gewesen sein müsse, als es das Albumblatt geschrieben haben solle.^

Tr. Med. Kipper, Gießen, der Schwager des Privatklägers, bemerkt von vornherein, daß er mit N.-A. Grüneivald nicht stehe. Etwa vor zwei Jahren kam Gutmann mit der ersten anonymen Karte zu mir und fragte diskret, ob sie nicht Grünewald geschrieben haben könnte. Ich hielt es aber für ausgeschlossen, daß es Grüne- walds Schriit sei. Dagegeii habe ich gesagt, da» ich Grünewald eine anoiiyme Zuschrift zlitraiie, da ich bereits früher einmal einen anonymen Brief von Grünewald zugciandt erhalten habe, mit der Angabe, er sei anoiiyiii an ihn gesandt worden, den ich aber für eine Fiktion Grünewalds hielt; denn er enthielt eine Reihe von gegen mich gerichteten Anklagen, die nur von seilen Grünewalds gegen mich vorgebracht waren. Der Brief, vom Juni 1901 datiert, wird dnrailf auS der von dem Zeugen überreichten Ab- schrsit verlesen; die darin enthaltenen Beschiverden richten sich gegen eine Reihe von Naturalbezügen rc., die der Zeuge zum Schaden der Gewerkschast in Anspruch nahm und die ihm nicht zuständen.

R.-A. G r ü n e w a l d weist darauf den Vorwurf, der Brief sei eine Fiktion seinerseits, zurück; es sei eine unglaubliche Dumm­heit, so etwas zu glauben.

Zeuge: Ich habe die feste Ueberzeligung und nehme sie mit ins Grab, daß Grünewald der Urheber des Briefes war; darin bin ich bestärkt worden durch eine mir zu Ohren gekommene Aeuße- ruug des Herrn R.-A. Venn, der einen hiesigen Geschäftsmann vor mir gewarnt haben soll, ich stände finanziell schlecht und werde die KnapvichaitSkasse verlieren, da Unlerschleüe vorgekommen seien. Auf die Frage des Privatklägers, wer- der Geschäftsmann gewesen sei: Herr Gutmann. Ich selbst habe späterhin Nichts Anonymes mehr bekommen, dagegen mein Schwiegervater eine Karte, in der es hieß, er sei ja nun schon cinmctl recht hereingefallen, und wenn er so weiter mache, werde er bald sein schöne Bilm verloren und sie mit einem Platze vertauschen müssen, wo er die Aussicht aus den Philosophenwald habe. (Heiterkeit.) Die zweite anonyme Karte, die mir Herr Gutmann nach einiger Zeit brachte, stimmte in der Schreibweise, wie rch feststellte, nut der ersten iiberein. Der Zeuge verbreitet sich dann noch über andere Fälle, m denen Verdächti­gungen von deut Privatkläger gegen ihn und gegen einen Schwager von ihm ausgegangen seien, deren erstere der P r i v a t k l ä g e r als nni einen Irrtum seinerseits beruhend erklärt, während er die zweite als eine Mitteilung an seinen Schwiegervater über das Verhallen seines Schwagers bezeichnet, zu der er als Familien­mitglied sich für verpflichlel gehalten hätte.

Ter P r i v a t k l a g e r iveist dann noch einmal den Vorwilrf der Fiktion des vom Zeugen erwähnten Brieses zurück; ivemi^ es aber Oie Ueberzetigung des Zeugen sei, so wolle er ihm das Ver­gnügen, sie mit ms Grab zu nehmen, nicht tauben. (Heiterkeit.) Er, Grünewald, sei in jener Zeil, als er den Briet erhalten habe, mit der Reorganisation der Gewerkschaft beschästigt geivejen, sein Veitinotiv sei gewesen, rücksichtslos gegen die dainals herrschenden Zustände in dem Betriebe vorzugehen; der Nepotismus, der herrschte, die Vandwirtichast, die mit dein Bergiverk verbunden gewesen wäre, die große Zahl der Beamten und ihre weitgehenden Kompetenzen seien von ihm beseitigt worden. Er habe den Briet sachgemäß sofort dem Zeugen gesandt; dieser habe ihm aber nicht sachgemäß geaiitwortet.

Der Vorsitzende stellt hierbei durch Befragen des Privat- klägers fest, daß besondere Ueber schreit unge n dem Zeugen damals nicht hätten zum Vorivurf gemacht werden können.

(Fortsetzung folgt.)

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Zeuge: Das ist nicht notwendig, nein 1

Die Beeidigung des Zeugen setzt daS Gericht n o ch a u s.

Justizrat W e i d i g : Soweit ich Fühlung mit den Anwalts- und Korpskreisen hatte, ging die Ansicht dahin, daß der Privat- kläger es gewesen sein möge und zwar ivegen der SleUiing des­selben zur Familie Rietz, dem Korps und außeibem weil er leiden­schaftlich ist.

Bors, macht darauf aufmerksam, daß zwischen einer impulsivi- schen und angeberischen Natur doch em Unterschied sei.

Zeuge: Ich kann nur sagen, die Meinung tarn innerhalb des Korpskrelses zum Ausdruck.

Der Angekl. beantragt darauf Vorlage der Polizeiamts- akten über dte anonymen Karten über das Hundegebeü in der Wilhelmstraße.

Kaufmann Eichenauer erzählt, daß Grünewald niemals andere als harmlose Bemerkuiigen über Gutmann gemacht habe.

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Er sei politisch befreundet mit dem Privalkläger und halte ihn einer solchen Handlung nicht für fähig.

Tr. F a y e t, Gießen, hat, als er den Artikel über die Straf­kammerverhandlung gelesen, zunächst nicht an Grünewald gedacht ; dieser habe ihm aber selbst gesagt, er sei gemeint und werde die gemeine Verleumdung nicht auf sich sitzen lassen.

Ter von dem Angekl. gestellte Antrag, die Akten betreffs der letzten Landtagswahlen herbeizuschaffen, aus beneit sich ergebe, daß auffälligerweise damals Grünewald und Geilfus allein den freisinnigen Kandidaten nicht gewählt hätten, wird abgelehnt.

R.-A. Dr. Rosenberg schickt voraus, daß er ivegen einer von dem Privatkläger begangenen Indiskretion seit 1897 mit dem Pnontkläger nicht gut stehe. Auf eine int Gericht mit Bezug auf den Artikel an ihn gerichtete Frage, ob er wisse,^wer die Karle geschrieben habe, habe ec gesagt: «Das wissen Sie so gut, wie ich 1" Auch dienstlich habe er Kenntnis davon gehabt, daß Grüne­wald im Verdacht stehe. »

Hotelbesitzer B n s ch m a n n gibt an, er sei einmal zn Jusliz- rat Rietz in einer dringenden Angelegenheit bestellt und von ihm befragt worden, ob Grüneivald bei ihm verkehrte, ob and) mit Geilfus und ob er etwas von ihren Gespräck)en gehört habe. Er habe diese Frage zilrückgeivieseii mit dem Bemerken, baß eS nicht seine Passion sei, seine Gäste zti belangen. Aehnlich sei er von Gutmann und R.-A. Klarenaar befragt ivorden.

Referendar Kleinen, Darmstadt, erklärt, daß die T ä t l i ch- feiten, die das Duell herbeigesührt batten, nicht der Ausfluß fortgesetzter Streitigkeiten geiucien seien, sondern es sei ui spontaner" Betrunkenheit zu dem Vorfall int Perkeo gekommen.

Ingenieur Kock;: Gutmann habe gesagt, in der einen ano­nymen Karte sei Grünewalds Schrift erkannt worden. Auf die t^rage, ob er zu einigen Herren gesagt habe, Geilfus habe die Lache auf sich genommen, er sei gekauft worben, uccivcigert er, Zeuge, die Aussage; ferner, ob er wisse, daß es gefährlich sei, so etwas zu verbreiten: das habe er ;etzt gefunden.

Prof. Erb hat Grüneivald seit Oktober nicht mehr im Jäger­stübchen gesehen, hält and) seine Täterschaft für ausgeschlossen,

Reporter Wohlmuth war, so viel er sich erinnert, in der fraglichen Straikammeroerhandlung gar nicht zugegeii. Er habe vielleicht an der Hand des Gieß. Aitz. ein kurzes Telegramm an die Franks. Ztg. gejaiibt, genau wisse et das nicht. '-Wegen einer früheren Differenz mit Metz habe er feinen ausführlichen Bericht gebracht. Zu Gutmann habe er mal geäußert, Grimewald könne unmöglid) solch eine Dummheit begangen haben. Auf Befrageii seitens des Angeklagten: Er sei mit jemer Familie noch nicht auf dem Tannenhof, dem Besitze Grünewalds, geivejen.

Um Bericht erstatten zu föimeii, habe er vorher gebeten, ihn von der Zengnlspflicht zu befielen, dies sei aber nicht geschehen; iual)ifd)einlid) fei er geladen worden, um ihn von der Bericht- erstattung fern zu halten.

Redakteur Heg von Gießen: Den fragt. Artikel hat Herr Metz nicht ge)d)riebeu; ich weiß den Warnen des Verfassers nicht mehr. Vom Gericht aus wurde telephontsd) ungefragt, ob wir bereu wären, den Bericht event. aiifzimehmeii. Nachdem ich mich zuvor vergeivissert, daß er auf stenographischer Ausnahme beruhe, habe ich ihn angenommen.

Zeuge Bankbirektor Zobel gibt Auskunft über Verträge und Beschlüsse in Grubenangelegenheilen sowie über Vorgänge im Grubenvorstand.

Prakt. Arzt Wagner, Gießen, der Schwiegersohn von Geil- fns, hat von den Karlen die erste Kenntnis durch seinen Scknvager befommen. Um seinen Sd)wiegervaler, aus gejnndheitlid)en Gründen, zumal er leichte Schlaganfälle gehabt habe, von einer Hanplver- hanbluiig fern zu holten, habe er nach vorgängiger Befragung des R.-A. Fischer die ärztliche Untersuchung seines Schwiegervaters veranlaßt. Seil Ansang Oktober sei jeder Verkehr zwischen Geil- ius uni) Privalkläger unterblieben, auch fei Ersterer nur wenig auSgegangen und stets in Begleitung. Zeuge weiß nid)t§ davon, daß ihm burd) Vermittlung des Privattlägers eilte größere Krankenkasse verschafft werden sollte.

R.-A. K a u f m a n n äußert sich über verschiedene Fälle aus seiner Praxis, in denen er mit dem Sachverständigen Pähler zu- iannnengefommen sei. Er holte nichts von Sd)riftvergleichungen;

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gestraft würde. Am selben Tage habe ich an Grünewald geschrieben und meine Schuld eingeftdnben.

Das Schreiben, vom 17. Juli 1906 datiert, wird verlesen, so­wie andere darauf geivechselte Briefe.

Dr. Popp stellt verjd)iebene Fragen an den Zeugen und er­klärt dann auf Best-agen: Die Tinte der Karten und der Briefe des Geilfus an Grünewald ist dieselbe.

Zeuge: Id) habe schon verschiedene Karten an die Polizei anonym geschrieben.

Angekl.: Haben Sie sonst noch andere Anzeigen erhoben, über Hunde in der Wilhelmstraße?

Zeuge: In meinem Leben nicht! Wer mir über die Korps- angelegenbeiten Mitteilungen gemacht hat, weiß id) nicht mehr. Es ist richtig, daß ick; jahrelang nicht mehr beim Korps erschienen bin, erst wieder, als der Prio.-Kläger ivieder aiügenmninen wnrde. Ich habe stets aus Setten des Prw.-Klägers geständen. Von dem Duell habe ich erst gehört, als es schon stattgefiliiden hatte.

Angekl.: Wie kamen Sie dazu, die Polizei auf die Paukereien der Studenten aufmerksam zu machen?

Zeuge: Wenn man sieht, wie Samstags Hunderte von Studenten, and) von Marburg her, ziun Wmdhof ziehen, um dort zu fechten, bann soll man sich nicht auf regen? Id) denke jetzt anders als vor dreißig Jahren. Den Polizeiamtmann wollte ich nicht beleidigen ober verdächtigen.

Angekl.: Wer hat tue Karte auf die Post getragen ?

Zeuge: Ich werde die Karte doch bei Gott feinem anderen Menschen in die Hand geben. ^.Allgemeine Heiterkeit.)

Angekl.: Wie kommt es, daß Sie bei Ihrer Vernehmung sich nicht mehr erinnern konnten, wie Sie die Karte untersd)rieben hatten. Waritm waren Sie so aufgeregt ?

Zeuge: Weil id) mich über bas Korps nlteriert habe. (Auf Frage des Angekl.): Id; habe von der Eivis-Karte mit Herrn Grünewald nicht gesprochen; als wenn id) einen Vormund brauchteI

Angekl.: Es wäre vielleid)t ganz gut gewesen, wenn Sie einen gehabt hätten.

Zeuge: Ich habe so lange geschwiegen, weil ich gebad)t habe, die Cache wurde noch beigelegt werben; ich badjte, es könnte nichts herauskoniiiien. Außer gejd)äül. Differenzen habe id) mit Gutmann feine Differenzen mehr gehabt. Die Karte an Müller habe ich nur geschrieben, weil ich glaubte, dieser würbe Einfluß auf Gutmann haben. Nad) ber Rückkehr des Prw.-KlägerS ans dem Babe war ich nod) zwei- bis brennal mit Grünewald zu­sammen, dann nid)t mehr, ob im September, weiß ich nicht, un Oktober und November kemesfalls, ich habe auch in der Westanlage mit dem Priv.-Kläger nicht mehr gesprod)en.

Angekl.: Waren Sie nicht an einem regnerischen Nack)- Mittage im Oktober beim Privalkläger und wurden dainals nicht die Fenster zugesteckt?

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Zeuge: Nem, ich bin höchstens vorbei gegangen, aber bann gebe id) doch nicht daraus acht, ob die Fenster zugesteckt werden. Das ärztlick)e ZeugnlS des Tr. Schliephake ist aus Veranlassuiig meiner Angehörigen eingeholt worden. 'JJlit Justizrat Atetz dem Angeklagten habe id) iiichts gehabt.

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