wartend verhallen sollen, so wird man immer mehr tn der Annahme bestärkt, daß der gegenwärtige Minder- auftrieb seinen Grund jedenfalls nicht in einer Abnahme des Schweinebcstandes hat. Es ist vielmehr anzunehmen, daß man in den beteiligten Kreisen das Ziel verfolgt, bei der allgemeines günstigen Wirtschaftslage das hohe Preisniveau so lange wie möglich zu halten.
Tttrche und Schule.
— lieber Hausaufgaben sprach auf der Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege in Dresden der pädagogische Referent für höhere Schulen, Oberlehrer Roller (Darmstadt). Unter voller Anerkennung der Nachteile, die die Hausaufgaben sowohl in hygienischer Hinsicht als in Bezug auf den Charakter in sich bergen, möchte der Redner trotzdem nicht die Hausaufgaben aus dem Arbeitsetat unserer höheren Schule gestrichen haben, weil sie, wenn sie richtig gestellt werden, den Schüler zu selbständigem Denken und Arbeiten miterziehen. Schriftliche Arbeiten sind nur zeitweilig in Deutsch, in der Fremdsprache und in der Mathematik notwendig. Strafarbeiten jeder Art sind verwerflich. Weiter erörtert der Redner di« Frage der Erziehung zur Selbständigkeit durch die Hausaufgaben. Es muß bei der Hausaufgabe durch geeignete Mittel erreicht werden, die für die Charakterbildung der Schüler schädlichen Momente zu beseitigen oder wenigstens zu verringern. Ist es einerseits nötig, den Kindern Zeit für die Hausaufgaben zu verschaffen, so ist anderseits darauf zu achten, daß auch Zeit für die Bewegung in freier Luft bleibt. Anzustreben ist aus diesem Grunde der fünfstündige ungeteilte Unterricht. Pflicht bet Eltern ist es, dafür zu sorgen, daß die freie Zeit nachmittags in richtiger Weise benutzt werde; sie dürfen die Kinder nicht selbst zu übermäßigen Leistungen für die Familie heranziehen.
Rom, 14. Juni. In vatikanischen Kreisen wird mit Rücksicht auf die schlechte Gesundheit des Papstes und den Rat der Aerzte die Frage ernstlich erwogen, den Papst nach Castel Ganbolfo ziehen zu lassen.
Heev und Flotte.
Slapellauf eines großen Kreuzers.
Bremen, 14. Juni. Heute fand der Stapellauf des großen Kreuzers „Q" aus der Werft der Aktiengesellschaft „Weser" statt. Die Taufe vollzog Generaloberst Graf Schlieffen. Auf Befehl des Kaisers taufte er das Schiff „Gneisenau". Graf von Schlieffen führte aus: „Der Mann, besten Namen bieses Schiff tragen soll, hat vor hunbert Jahren in ber schwersten Zeit, bie unser Vaterlanb durchzumachen gehabt hat, als alles verzagt und verzweifelt war, den Mut nicht sinken lassen und das Haupt aufrechterhalten. Seinem Rat, seiner Tatkraft und seinem unaufhörlichen Drängen ist es später zu danken gewesen, daß zweimal der Riese niedergeworfen und der Koloß gefestelt worben ist. Er war es enblich, welcher ben Besiegten bis zur äußersten Grenze ber Kräfte verfolgt hat. Jetzt leben wir im tiefen Frieden. Ein goldenes Zeitalter
nur friedlichen Wettkampfes scheint uns bevorzustehen. Ader, wenn doch nun einmal das Morgenrot blutig anbrechen und wenn doch einmal der Tag des Zornes erscheinen sollte, wünsche ich dir, edles Schiff, daß du würdig deines Namens, das erste bist beim Angriff, und daß du erst, nachdem bie Nacht sich herabgesenkt auf bie schwarze Flut, wenn auch zerschossen, aus vielen Wunben blntenb, bas letzte bist, welches von ber Verfolgung absteht. Damit taufe ich bich auf ben Befehl bes Kaisers „Gneisenau".
Aus Scaot uno Luuo.
• Gießen, ben 15. Juni.
** Professor Dr. Alfred Körte in Basel, der den Ruf als Nachfolger Bethes in Gießen für den Lehrstuhl der klass. Philologie angenommen hat, entstammt einer Berliner Aerztefamilie. Gleich seinem älteren Bruder Gustav Körte (von 1883 bis 1905 Professor in Rostock, seitdem erster Sekretär des Deutschen Archäologischen Instituts in Nou;) hat er sich dem Studium der Altertumswissenschaft, speziell der Kunstarchäologie zugewandt. Er unternahm ans- gebehnte Reisen in Kleinasien, teils allein, teils mit anderen Gelehrten, über besten Ergebniste er u. a. in „Ana- tolische Skizzen", Berlin 1896, berichtete. Mit W. v. Diest und M. Anton veröffentlichte er „Neue Forschungen im norb- westlichen Kleinasien". Auch schrieb er über „Das Alter bes Zeustempels in Aizanoi" (in der Festschrift zu Otto Benndorfs 60. Geburtstage). Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav K. veranstaltete Alfred K. im Jahre 1900 umfangreiche Ausgrabungen bei Gordion in Phry gien, über deren Ergebnisse beide in einer besonderen Veröffentlichung („Gordion, Erg. d. AuSgr. i. I. 1900") Aufschluß gegeben Haden.
* * 23 om Heinedenkmal. Der „Büd. Allg. Anz." berichtet in seiner neuesten Nummer, daß S. K. H. der Großherzog von Hessen sich zustimmend zu der Idee, dem Dichter in Deutschland ein Denkmal zu errichten, geäußert habe, und fährt nach Mitteilung dieser nicht mehr ganz neuen Tatsache fort, als Aufstellungsort halte der Großherzog „den Rhein am geeignetsten". Trotz ber sonstigen unbedingten Zuverlässigkeit der Handvoll Nachrichten des genannten Blättchens bezweifeln wir doch stark angesichts der bekannten sehr gesunden Sinne unseres Landesherrn, daß er das Dentin al in den Rhein gestellt haben will, zumal bei einem so sonderbaren Standort die Gefahr vorliegt, daß das Denkmal bei hohem Wastcrstand ganz in den Fluten verschwinden könnte. Und das wäre doch schade. Denn schließlich ist doch ein Denkmal dazu da, gesehen zu werben.
* * Blinden-Konzert. Am Dienstag, 26. Juni, wirb bas blinde Männer-Gesangs-Quartett aus Hannover unter Mitwirkung des erblindeten Geigervirtuosen G. Probst und des erblindeten Konzertpianisten R. Geyer ein Konzert veranstalten. Die Konzertgeber sind im Besitz eines Kunstscheins vom Kaiserl. Musikdirektor Hilpert auS Hannover. Sie haben schon Konzerte ist größeren Städten und in Thüringen mit Erfolg gegeben. Das Programm ist gut gewählt.
* * Rülfenrod, 12. Juni. Dem hiesigen Freiherrlich Schenkschen Forstwart Johs. Westrupp wurde in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste von dem Frei
Herrn Schenk zu Schweinsberg-Rülfenrod der Titel Förster verliehen.
§ Aus dem Ohmtal, 12. Juni. Gegenwärtig wirb von Ruppertenrod» eine Telephonverbindung nach Stumpertenrod, Köddingen, Helpershain und Ulrichstein errichtet. Die neue Leitung läuft dem Ohmtal entlang bis nach Unter-Seibertenrod und zweigt von hier seitwärts ab nach Stumpertenrod. Später werben auch bie Ohmtalorte Ober-, Unter-Seibertenrod) und Ober-i Ohmen an bie Telephonverbinbung angeschlossen.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Von der Berliner Börse. Bei Eröffnung war die Börse wieder schwach; im Verlauf sogar recht matt. Dann aber erholten sich die meisten Gebiete bei geringen Umsätzen. Nur Nüssen waren onhauemb scharf gedrückt bei größeren Effektivverläufen für auswärtige Rechnung. Von einer Intervention war so gut wie nichts -zu bemerken. Die Preßnachrichten über Unzufriedenheit in der Armee beginnen wieder sehr zu beunruhigen und die Kursverluste betrugen s/4—iy3 Prozent. Eisenwerte waren erholt. Von Eisenbahnen waren Baltiinore and Ohio gebessert auf Gerüchte von einer 6 proz. Dividende. 3 proz. Deutsche Reichsanleihe weiter abgeschwächt bis 87,50; 3V? proz. hingegen fest 99,40.
Deutsche Reichst) an k. Auf die Dividende für 1906 gelangt eine Abschlagszahlung von 13A Prozent zur Auszahlung.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt üucl mu.ee u iu Rubrik stehenden Artikel übernimmt die i)leba!tinn dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortting.)
Mit großer Freude ist es zu begrüßen, baß jetzt in Gießen mit der Durchführung der Kanalisation, d. h. ben pauSan- s ch l üs s en, allinähli n begonnen wird. Wie unangenehm es ist, wenn die Küchenabwässer in die Gossen ber Straßen fließen und welchen Geruch diese Abwässer zeitweise verursachen, dürite hinlänglich bekannt sein. Nicht angenehm werden auch die Straßenpassanten durch die Entleerung der Abortgruben, die in Gießen im Gegensatz zu anderen Städten fast nur am Tage erfolgt, berührt. Diese Entleerung konnte meines Erachtens recht gut, wenigstens in den Hauptverkehrsstraßen, wie Seltersweg, am frühen Morgen und iiicht, wie hier die Regel zu sein scheint, am Vormittag oder mittags geschehen. Wie häufig bilden die aufgestellten Maschiiien usw. in den Vormittags- und Mittagsstunden ein Ver- kehrshindernis? Ich frage an, kann solchen Uebelständen nicht int Interesse der Stadt abgeholfeii iverbeu ? M. E. ist dies sehr leicht.
Manche Hausbesitzer entziehen sich der Entleerung ihrer Gruben allerdings einfach dadurch, daß sie ihren Inhalt durch Röhren in bim in ben Straßen liegenden stäbtischen Kanal für Regenwasser leiten. Eine traurige, aber wahre Sache I Hierdurch kann eine Seuche hervorgerusen, es kanir bas Leben unb bie Ge- sunbheit von Menschen unb Tieren gefährdet werben. Die Be- hörben finb baher verpflichtet, in jedem ihnen bekannt werbenden Falle bie höchsten Strafen eintreten zu lassen. Wer bas Leben unb bie Gesunbheit seiner Mitmenschen nicht achtet, gehört von ber menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Einer für Alle!
Kindern soll man auf Schulspaziergängen neben Butterbroten unb Getränken immer auch ein paar Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen mitgeben. Der empfindliche Organismus des Kindes ist Erkältungen bc- sonders ausgesetzt ur^d Kinder sollten darum nie ohne „Fays ächte Sodener" Spaziergänge, Turnspiele re. unternehmen. Die Pastillen wirken vorbeugend und tun bei vorhandenen Erkältungen ausgezeichnete Dienste. Für 85 Pfg. überall zu haben. hv'/s
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