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15.6.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 138 Zweites Blatt

156. Jahrgang

CMdptnt Mglld? mit Ausnahme des Sonntag-.

Dietieften« LamMenblLtter- werden dem ,9!n<ctfler viermal wöchentlich beigdcgL Ter Laadwlrt" erscheint monaUich einmal.

Gießener Anzeiger

Freitag 15. Juni 1906

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'lchM UnwersitätSdruckeret. R. Lange. Gtetze»,

Redaktion. Expedition u. Druckerei r Gcbukvr-R» Tel. Nr. 6L Tetegr^Ldr.: Ln-etger Gie-e».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Krds Eichen.

Die landwirtschaftliche Ausstellung in Schöneberg.

Berlin, 14. Juni.

Heute (Donnerstag) wurde die 20. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft eröffnet. D'csc Wanderausstellungen haben von jeher den Zweck verfolgt, in erster Linie die Landwirte der anliegenden Gegend zu belehren, und dazu ist die gegenwärtige, vom 14.19. Juni dauernde Veranstaltung wie noch keine vor ihr geeignet. Der einzige Mangel, den man an dieser Ausstellung vorhalten könnte, wäre etwa der, daß der an sich recht erhebliche Flächcnraum von 34 Hektar gleich 132 Morgen fast zu klein ist, um die großen Diengen der ausgestellten Tiere und landwirtschaftlichen Geräte gut unterzubringen. AuS allen Gauen Deutschlai,ds, von den Alpen bis zur Nord- und Ostsee, sind die charakte­ristischsten Landwirtschaftsprodukte in zahlreichen Extrazügen hierher gebracht worden. 676 Pferde, 1135 Rinder, 974 Schafe, 682 Schweine, 84 Ziegen, 253 verschiedene Fischsorten, 547 Geflügelarten und 123 Kaninchen sind in den zahlreichen Bauten des Ausstellungsgeländes untergebracht. Viele land­wirtschaftliche Maschinen und Geräte sind im Freien oder in Zelten aufgestellt. Interessante Bauwerke unb gärtnerische Ausführungen kennzeichnen die geschickte Ausnutzung der bis­herigen Erfahrungen auf diesen Gebieten. Nicht zum wenigsten ist bei der ganzen Ausstellung der moderuen Hygiene und den neuesten sozialpolitischen Anforderungen Rechnung ge­tragen worden, so daß auch von diesem Standpunkte aus das Unternehmen die größte Beachtung verdient.

Die emzelnen Tierarten sind in Sondergruppen vereinigt. In der nordöstlichen Ecke des Platzes finden wir die Pferde. Die Ausstellung bietet reiche Gelegenheit, alle einzelnen Zwischcnarten der Reit- und Zugtiere kennen zu lernen von den prächtigen ostpreußischen und Oldenburger Raffen bis zu den kompakten Ardennern und Belgiern. Auch einige Nach­zuchtprodukte englischer Clydestaler sind vertreten.

(Eine weitere wichtige Haupt gruppe bildet die Rinder- AuSstellung. Man weiß, daß das HolMtdvieh infolge des rauhen Höhenklimas viel kräftiger gebaut ist als die Niederland-Schläae, daß jene verhältnismäßig wenig, aber fettreiche Milch liefern, wahrend diese große Milchmengen produzieren. Die Ausstellung kennzeichnet aber auch das erfolgreiche Bemühen der Landwirte anderer Gegenden, das von ihnen importierte Dreh durch geschickte Zuchtwahl für ihre Forderungen möglichst nutzbringend zu machen. Nur das eigentliche Fleischvieh, die Shorthorns, sind nicht ver­treten. Dieses englische Zuchtprodukt, das vor einigen Jahrzehnten fast in allen Ausstellungen eine Hauptrolle spielte, hat sich augenscheinlich in Deutschland nicht be­währt. Ebenso sind die zahlreich ausgestellten Schweine inbezug auf ihre Fleisch- und Speckproduktion und die Schafe als Träger mehr oder minder seiner Wolle oder als reine Fleischtiere zu beurteilen.

In der südlichen Hälfte der Ausstellung ist zwischen Maschinen und Gräben die Geflügelausstellung untergebracht. Vom aufgeregten Truthahn bis zum sanften Täubchen, von der stattlichen Gans und der behäbigen Ente bis zum hübschen Haushuhn imd dem niedlichen Stil cf en finden wir alle Hrten reich vertreten. Auch die Obst- und Weinhalle sowie die Traubenwein­ausstellung liefern treffliche Beweise von der Er­giebigkeit unserer Bodenkultur. Selbst der verwöhnteste Feinschmecker wird durch die herrlichen Erzeugnisse un­seres Rheinlandes, der Pfalz und des Frankenlandes voll­auf befriedigt werden. Großes Interesse erfordert auch die Fischereiausstellung, in der nicht nur die ver­schiedensten Arten der heimischen und importierten Fische und Krebse zu sehen sind, sondern auch die Aufzucht in hochinteressanter Weise vor Augen geführt wird.

Nicht zuletzt sind die Ausstellungen des Landwirt­schaftsministeriums sowie der Landwirtschastskammern der Provinzen Brandenburg imb Pommern zu erivähnen. Was die landwirtschaftliche und die tierärztliche Hochschule Berlins, die Gärtnerlehranstalt in Dahlem, landwirtschaftliche Dinterschulen und andere Lehr­anstalten an reichem Material besitzen, wird hier in ge­fälliger, übersichtlicher Anordnung vorgeführt. In der Aus­stellung der Landwirtschaftskammer der 'isÄovinz Branden­burg finden wir aber äußer allerhand Sämereien und sonstigen Erzeugnissen auch eine umfangreiche Ausstellung unseres einheimischen Tabakbaues. Im Anschluß daran hat die Stadt Berlin von ihren Rieselfeldern nicht nur die verschiedensten Arten von Gemüse, sondern auch recht beachtenswerte Exemplare von Karpfen ausgestellt. Be- kannllich sind in neuester Zeit zwischen Mahlow und Lichtenrade 18 Fischteiche eingerichtet worden, die mit ge- fillertem Rieselwasser gespeist werden. In diesemMilieu" scheinen die Fische trefflich zu gedeihen.

Einen sehr großen Raum nehmen m der Ausstellung

die landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen ein. Die Landflucht der Arbeiter und die Höhe der Löhne Mvingt auch die deutsche Landwirtschaft mehr und mehr, nach amerikanischem Muster durch ingeniös er­dachte Maschinen die Menschenkraft möglichst zu ersetzen. Was auf diesem Gebiete in neuester Zeit geleistet wurde, ist in der Tat erstaunlich.

So bietet die ganze Ausstellung ein reiches, hoch­interessantes Bild der regen Entwicklung und Leistungs­fähigkeit unserer Landwirtschaft. Rirgeirds ist ein Still­stand ober Rückschritt zu bemerken; überall erkennt man das unentwegte Borwärtsstreben zum Wohl des einzelnen Landwirts wie der großen Allgemeinheit.

Die Eröffnung geschah durch den Präsidenten der Gesellschaft, den Kron» prinzen. Nach Begrüßung zahlreicher hervorragender Land­wirte nahm dec Kronprinz die Eröffnung mit folgenden Worten vor:

Wir stehen vor einem großen Werk, das sich die deutschen Landwirte aus eigener Kraft geschaffen Haden und da- beit Fort- schritt in ihrem Gewerbe zu fördern berufen ist. Alle Vaterlauds- ireunde müssen wünschen, daß dieses Beginnen von Segen be­gleitet sein möge, denn die Bedeutung der Landwirt­schaft als Ernährerin des Landes fordert bei der wachsenden Ausdehnung der Bevölkerung einen immer leistungs­fähigeren Betrieb. Möge also die Ausstellung von beitem Ersolg begleitet sein. Wir gedenken aber zunächst deS erhabenen Schirmherrn der deutschen Landwirtschaftsgeselljchaft und deren Arbeit: S. SDL der Kaiser Hurra, Hurra, Hurra!"

Dann hielt der Landwirtschaftsminister v. Podbielski folgende Ansprache:

Sowohl die preußische Staatsregierung wie auch die ganze deutsche Landwirtschaft sehen mit Vertrauen der Zukunft entgegen, da sie hoffen können, daß infolge der neuen Zollpolitik bessere Zeilen für sie anbrechen werden. So mancher wackere Landwirt fei leider bisher trotz aller Mühen zugrunde gegangen, aber auch in Zukunft würden die deutschen Landwirte emsig arbeiten muffen, um sich über Wasser zu halten. Er möchte ausdrücklich betonen, daß uut dem größeren Schutz des Staate- auch der L a n b- wirtschaft die größere Verpflichtung erwachsen sei, für eine gute und billige Alimentation des Vaterlandes zu sorgen. Er bankte dem Kaiser, dem Reichs­kanzler und den anderen Reichsbehörden für das Interesse für die Landwirtschaft. Er begrüßte es nochmals mit freudigem Interesse, daß der Kronprinz erschienen war, und brachte das Hoch auf diesen aus.

Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer, v. Arnim- Hüterberg, sprach auf die deutsche Landwirtschaftsgesellschast, Oberbürgermeister Wilde-Schöneberg auf das Gedeihen bc§ landwirtschaftlichen Gewerbes und v. Arnim-Criewen als Vertreter dec Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, auf die Städte Berlin und Schöneberg.

Heute nachmittag trafen in Automobilen das Kaiser­paar, Prinzessin Victoria Luise, Großfürst Wladimir von Rußland, und die Gefolge ein. Es wurden Rinder vorgeführt, sodann Pferde aller Acten, zuletzt solche aus staatlichen Gestüten. *

LandwirtschostSminisier v. Podbielski äußerte gegen­über einem Journalisten mit Bezug auf die Ausstellung u. a. folgendes:

Man hob kürzlich hervor, daß sich zwar die Zahl der Schweine in neuester Zeit erheblich vermehrt habe, daß aber die Rinderzahlziemlich dies elbegebliebe n sei wie früher. Gerade diese Ausstellung gibt ein interessantes Bild davon, daß unsere Rinder ganz anders gworben sind, als sie früher waren. Sie haben ein aanz anderes Gewicht, einen ganz anderen Wert bekommen. Vor etwa 20 bis 25 Jahren hatten die kleinen Bauern Rinder im Stalle, die einen Wert von kaum 200 Mark besaßen; heute haben sie Tiere für 400 Mark.

Auf die Frage, die Rassenwahl feilens der Land­wirte jetzt in richtiger Weise entschieden werde, antwortete Herr von PÄckielSki:Die Tiere sind im großen ganzen .Produkte der Säwlle', auf der sie groß werden. Es liegt ja auf der Hand, daß ein starkes, großes, schweres Tier mehr und besseres Futter erhalten muß als ein schwaches, leichtes. Wir brauchen für unsere Bevölkerung, die im ganzen setzt größere Ansprüche an die Ernährung und Lebensweise stellt, mehr und beffere Er­zeugnisse als früher. Und da muß unsere Landwirtschaft eben mit größeren Keiintnissen und besseren Appa­raten ausgerüstet sein.

Daß die Einfuhr vom A u s 1 a n d e her wesentlich zur Befriedigung der Ernährungsansprüche der Bevölkerung beitrage, will der Mirvistcr nicht gelten lassen. Ter Import belaufe sich auf nur etwa 4 v. H. Man habe so viel von der Einfuhr aus Rußland und Oesterreich gesprochen. Er wisse genau, wie groß deren eigener Vorrat sei, und heute, nachdem im Zoll­tarif die Zahl der in Oberschlesien wöchentlich einzuführenden Schweine von 1350 auf 2500 Stück erhöht worden sei, tämen nicht einmal mehr jene 135.0 Stück über die Grenze; ja, in Oester­reich und Rußland sei zur Zeit der Fleischpreis höher als in Deutschland.

Merkwürdig schnell

1903

1904

1905

1096

Mitte Mai 42 617 50 »23 33 038 37 724

Ende Juni

48 528

44 770

43 594

37 076

diese Abnahme be§

Anfang Juni

47 986

44 963

35 662

39 412

kam im Juni

Auftriebes in dec Preisbewegung zum Ausdruck; seit Ende Mai sind die Schwe inepreise an sämtlichen Markt­orten wieder erhebich gestiegen. Ruft man sich an­gesichts dieser Gestaltung des Schweineauftriebs während der letzten Zeit die Tatsache in die Erinnerung zurück, daß gegen Ende Mai, als die rückgängige Preisbewegung am Schwernc- markt weiter ztinahm, plötzlich in landwirtschaftlichen Kreisen Stimmung dafür gentachl wurde, daß die Landwirte ihre Schweine jetzt überhaupt nicht verkaiifen, sondern sich ab»

Auftrieb und Preise an den Schweinemärkten.

Wir lesen in der .Arbeitßmarlt-Korrespondenz": Kaum hatte an den Schweinemärkten eine Preisermäßigung eingesetzt und den Anschein erweckt, daß der für alle Kreise höchst un­angenehme Schweinemangel cm Ende gefunden habe, da deutet sowohl die Auftriebs- als auch die Preisbewegung an den Schweinemärkten der letzten Woche darauf hin, daß die Hoff­nung auf eine Linderung de8 Fleischmangels trügerisch war. Bei stark abnehmendem Auftrieb sind die Preise in der letzten Woche wiederum erheblich hinaufgegangen. Angesichts der Vorgänge am Schweine­markt, die nun schon seit länger als einem Jahre zu beob­achten sind und die Unklarheit des Konsunienten über die Regelung der Fleischversorgung immer größer werden lasten, wird man versucht, der vielbesprochenen Schweinenot im Jahre 1905 näher nachzugchen. Als Ursache der letztjähri­gen Schweineteuerung wurde die schlechte Futter­ernte des Jahres 1904 bezeichnet, die eine Verminderung deS Viehbestandes nötig gemacht und tatsächlich auch zur Folge gehabt hatte. Wir können dank der neuerdings ver­öffentlichten Vieh- und Fleischbcschauslatlstlk feslstellen, wie­viel Stück Schweine jährlich auf den Markt gebracht und konsumiert werden. Diese Menge belief sich im Jahre 1905 auf 13 572 826 Stück. Wir können dem gegenüber auch den jährlichen Zuwachs, den die Schweinezucht aufzuweisen hat, ziemlich genau ermitteln. Berechnet man nämlich nach den Ergebnissen der letzten Viehzählung den jährlichen Zuwachs an Schweinen, so zeigt sich, daß rund 14 Millionen Schweine pro Jahr zuwachsen, also noch etwas mehr, als für den Konsum nötig ist. Ni,n hat die Statistik der Schlachtvieh- und Fleischbeschau ergeben, daß im vierten Quartal 1904 und im ersten Quartal 1905, der ersten Zeit, nachdem man sich über den schlimmen Ausfall der Futterernte klar ivurdc, in­folge des Verkaufsandranges ca. 1,3 Millionen Stück Schweine mehr auf den Markt geworfen wurden als geivöhnlich. Ta nun diese 1,3 Millionen, die eine wirkliche Verminde­rung deS Schweinebestandes darstellten, aber seit dem 1. Quartal 1905 durch die Verringerung der Fleisch- oersorgung bereits wieder ersetzt sind, so kann man, wie es auch in der landivictschastlichen Presse getan wird, die Vie st­und Fleisch not als der Vergangenheit angehörig betrachten. Noch wird aber in gleicher Weise wie im Jahre 1905 das Vieh zurückgehalten, noch hat der Auftrieb von Schweinen gegenwärtig die Mengen der Jahre 1903, 1904 und selbst 1905 nicht erreicht. In den ersten Juniwochen ist vielmehr im Gegensatz zu vorhergehenden Jahren der Auftrieb wieder zurückgegangen. Mitte Mai, Anfang unb Mitte Juni wurden nämlich an 18 der wichtigeren Viehmärkte Deutschlands Schweine zugetrieben:

Das Gespräch wurde baim nochmals auf die Frage des Tier« bczw. Fleischimports unb

die Lorkommniffe in Chicago

gebracht. Derr v. Podbielsli bemerkle hierzu folgende-:

Die Vorkommnisse in Chicago waren uns sehr wohl bekannt: mit Grauen konnte man bei den Mitteilungen er­füllt werden. Täglich werden dort ctr.xi 25 000 Stück Llleh ver­arbeitet. Zahlreiche 'Tiere kommen bereits verendet ^zur Schlacht­bank. Zur Untersuchung von täglich 10 OuO Schwc in en sind nur drei Tierärzte angestellt. Bei unS darf ein Tierarzt oder Fleischbeschaner täglich nie mehr alS 20 ^lluck umersuchen. 'Kürzlich traf ein großer Dampfer in Emden mit Fleisch ein, das vollständig verworfen werden mußte. 23 i e l c Tiere waren krank oder tot geschlachtet worden. Man hat sogar auf Umwegen z. B. über Dänemark, solches clcncb zu importieren gesucht. Auch auS Rußland sollte ähnlick^es Fleisch zu uns gebracht werden. So wurde sestgestellt, daß eine große Schiffsladung, die in Stettin eintraf, von Tieren hcr- rührte, die mit sibirischer Pest behaftet waren. Eine sehr große Anzahl der in Rußland mit der Fleischschau betrauten Tierärzte sind, wie der Minister hinzusügte, ohne alle Vorkennt- nisse auf dem Gebiete der Tierarzneikunde."

Alenres Feuilleton.

Im Frankfurter Schauspielhause wurde, rot: man uns von dort schreibt, am 13. d. M. zum Gedächtnis Ib­sens neueinstudiert dieWildente" gegeben, bie in allen Tellen sowohl dem Ensemble als den einzelnen Partien vor­trefflich war. Ganz besonders ist Fräulein Hartmann hervor- zuhebcn, bic. durch ihre ergreifende Wiedergabe der Hedwig großen und wohlverdienten Erfolg errang. Fraulein Hartmann i|t lern Rassenweib, wie die Triefch, aber fre hat eins mit ihr, gemein die natürlich zu Herzen gehende ^prechrocife. Der hohle, sich selbst hinaufschraubende Hialmar war bei Herrn Bauer in guten Händen. Fräulein Klinkhammer war eine ausgezeich­nete Gina und sehr Tüasiiges boten die Herren Bolz (Greger Werte', Ba i)er h ammer (Leutnant Ekdal) und Diegelmann

(Rellmg)^i£ ^alcrien Europas. Farbige Reproduktionen nach den Hauptstücken der europäischen Sammlungen Verlag ß. A. Seemann, Leipzig Das VE Heft t^rGa- Ypvien Europas" wird durch ein <otück althollandischer Malerei, ei»er Konversation von Jan Weenix, dem bekannten Dnsterdamer Stillebemnaler, ein geleite^ der aber auf diefem Bilde ans der keiherrlick?en Sammlung Speck v. Wernburg in Lutzsckfena bei ^i Leidig eine idyllische Parllandschaft gegeben bat, die vom Watreaus erfüllt ist. Das dem Antonis Mor zu­

geschriebene Billmis Wilhelms I. von Oranien aus der Kasseler Galerie ist ein durch geifrige Schärfe ausgezeichnetes Werk. Lehr­reich wirkt ein Vergleich des genannten Stückes mit dem aus­gezeichneten van Dyckschen Gruppenbild des Sebastian Leerse mit Frau und Kind, eins der populärsteii Gemälde aus der Gemälde­galerie zu Kassel. Unvergleichlich groß in der Geschlossenheit malerischer Erscheinung, ist es wohl die vollgilligste Probe aus der besten flämischen Zeit des großen Künstlers. Als eine Natur­schilderung von bezwingender Größe ist die Landschaft mit dem Wasserfall von Jacob van Rui)Ä>ael anzusprechen, die insofern ein Rätsel ist, als mmi bisher annahm, daß sie ein Motiv aus Skarchinavien darftelle und man doch wußte, daß der Maler niemals über Bentheim hinausgekonrmen sei. Aus dem Louvre veröffentlicht das Heft noch dieHeimsuchung" des Ghirlan- dajo und jenes für die Naturaufsassung Eourbets bezeichnende Stück aus derselben GalerieRehe im Walde". Aus der Lon­doner National Gallery endlich ist die PietL Francesco Francias reproduziert, ein Werk trostloser Trauer und herber Innigkeit, während das Bildnis des spanischen Dichters Garcilaso della Vega, das als ein Werk der Florenrinischen Schule zu Recht be­steht, durch geistigen Gehalt und aparte Farbenstimninng an­spricht. In der Textbeilage dieses Heftes beginnt Ernst Berger seine Untersuchungen über die Maltechnik der Alten,- während Fritz Knapp dem Correggio eine begeisterte Hymne singt.

Deutsche Kultur. Monatsfchrist. Maiheft 1906 (Deutscher Kulturverlag, G. m. b. H., Leidig. Preis pro Jahr 12 Äiark, Einzelhest 1 Mark. Besonderes Interesse erregt das vorliegende Heft durch den Artikel:Presse und Buch- handelSwesen als Lehrfach an der Handelshoci)- ichule in Berlin", aus der Feder HanS K. E. Buhrnann's, des Dozenten dieser Fächer an genannter Anstalt. Die gesamte Presse wird es mit Befriedigung vernehmen, daß ihre Technik und Wissenschaft nunmehr auch ein Lehrfach einer erstklassigen Handelshochschule geworden ist. Tie Ausführungen Buhmanns über die Wichtigkeit dieses Lehrfaches und seine Mitteilungen über das Pensum und die Buchführung derselben, werden in allen Kreisen, die dem Presse- und Buchhandelswesen nahestehcn, lebhaftes Interesse erwecken. Mit der Fragereligiöser Kultur" beschäftigt sich Richard Bürkner in einem längeren Aussätze: Das Daseinsrecht des Pfarrers", in welchem er den WirkungS- unb Scgenskreis eines modernen Geistlichen beleuchtet. Arthur Bonus bringt Proben altisländischer Prosadichtungen, und Robert Petsch steuert eine feingeschrllbene Studie überFaust s Errettung" bei. Der Wer t zu wa chsst e n c r sind zwei Artikel, für und gegen, gewidmet, undftultiirfäinpfer" wie Ludwig Gurlitt und Hermann Lietz, sowie der Vortäinpfer unseres ExPoN- wesens, Julius Staudt, erfahren eine verdiente Würdigung.