Ausgabe 
12.7.1906 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 161

156. Jahrgang

Donnerstag 12. Juli 1906

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck unb Verlag der Brüh lachen Universitätsdruckerei. 9L Lange. Gießen.

Redaktion, Expeditton u.Druckerei: Schulstr.?.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener AamMrndMter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monattich einmal.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.

Hinblicke und Ausblicke.

Mau schreibt uns:

Seit ungefähr einem Hülben Jahr erscheinen Senso- tiousarzeugnisse, die sich mit dembev orsteh en den Weltkrieg" befassen. Sie sind meistens anonym oder doch pseudonym, und der Leser soll glauben, daß sich hinter demBeremundus" oder hinter demGeneralstabsoffizier" oder dem Herrn weiß was für eine großartige, kriegs- und politikerfahrene Persönlichkeit verbirgt. Diese Erzeugnisse, die meist nur einen begrenzten Wert haben, werden dann mit allen Kniffen unserer Verlagsindustrie in die Welt hinausgehctzt, und auf Grund dieser meist romanhaften Lektüre bildet sich dann der Durchschnittsphilister eine polit. Ueberzeugung, die ihm unfehlbar dünkt. Denn es ist ihm ja mathematisch nachgewiesen worden, daß Deutschland un­besiegbar ist, daß die deutsche Flotte unter keinen Umständen von der englischen aufgerieben werden kann, weil die Amerikaner das nicht leiden würden, und was dergleichen schöne Dinge mehr sind. Von der Wirklichkeit sind diese Träume soweit entfernt, wie der Mond von der Erde; Kom­binationen, herausgeholt aus einer oberflächlichen Kenntnis der Armee- und Marineverhältnisse des Kontinents und der allgemeinen politischen Lage.

Nun erschien ein Buch, baä sich himmelweit von den bisherigen Erzeugnissen schriftstellerischen Handwerks unter­scheidet. Wir nennen weder den Titel der Verfasser ist ohnehin ungenannt noch den Verlag, um nicht in den Verdacht zu kommen, Reklame für das Buch machen zu wollen. Der oder vielmehr die Verfasser verfügen über eine so gründliche Kenntnis der Armee- und Marinever­hältnisse aller Kulturstaatcn, daß man sie unbedingt in Fachkreisen suchen muß und zwar in sehr hohen Fachkreisen. Ihre militärischen wie nautischen Kenntnisse sind geradezu frappierend, und ihre Kenntnis der politischen Verhältnisse wie der politischen Persönlichkeiten ist fabelhaft. Ein Di­plomat, ein Generalstäbler und ein hoher Marineoffizier haben das Buch jedenfalls gemeinsam verfaßt doch: wer es verfaßt hat, das ist an sich ganz gleichgiltig.

Das Buch geht nun davon aus, daß sich ein Bruch unter den europäischen Völkern nicht ver­meiden läßt. Geschürt von England läßt Frankreich sein Militär in Marokko einmarschieren das ist für Deutschland und Oesterreich der casus belli! England springt Frankreich bei, Italien und Spanien beobachten eine zweideutige Haltung. Der Gang der Dinge D "in dieser: Im Landtamps wird die Mmeemacht Frankreichs auf dem b e l g i s ch - h o l län d. Kriegs- sch auplatz Neutralitäten existieren in diesem Kampfe nicht! trotz tapferster Gegenwehr geschlagen, dagegen vernichtet^ der c n gl. Höch st kommandierende, Lord Beresford, die deutsche Flotte im deutschen Meere fast vollständig. An estne Landung mit Erfolg aber ist nicht zu denken, und so bleibt Deuts chland zu Land Sieger.

Inzwischen aber hat England, getreu seiner alten Rolle, in den Kolonien im Trüben zu fischen ge­sucht- und dabei weder den französischen noch den amerikan. Besitz geschont. Frankreich besinnt sich, selbst geschlagen, dar­aus, daß der alte Erbfeind aller kontinentalen Staaten Eng­land ist: im Handumdrehen wird Friede mit Deutsch­land und ein europäischer Bund geschlossen, dem auch das inzwischen von Oesterreich geprügelte Italien beitritt. England steht nun im Kampf mit der ganzen Welt, da die Kriegserklärung der Union wie Japans sofort erfolgt ist. Und nun wird England an seinen verwundbarsten Punkten, in den Kolonien ange­griffen. Die Pan islamitische Bewegung regt sich, japan. Sendlinge bringen 'Aufruhr nach Indien, Afrika steht in hellen Flammen der Empörung. Nordamerika, das sich anschickt, die Monroedoktrin auf ganz'Amerika auszudehnen, versucht Kanada zu okkupieren England ist in höchster Gefahr, einfach ausgericben zu werden und seine ganze überseeischen Besitztümer zu verlieren. Es schließt nunmehr mit dem europäischen Bund ein Schutz- und Trutz- bündnis, das ihm allerdings einige schöne Punkte kostet, aber doch immerhin noch die schönen Trümmer der großen Weltmacht rettet. Und dieses neue Bündnis ist der ewige Friede damit schließt das Buch.

Natürlich handelt cs sich hier um eine Utopie, und die aufgestellten Hypothesen sind eben Hypothesen mit mehr oder minder großer Wahrscheinlichkeit. Aber interessant ist dieses Rechenexempel immerhin, und vor allem ist es richtig, daß ein Fortbetreiben der Rüstungen, wie wir es heute haben, unmöglich anders, als mit einem Weltkrieg enden kann. Der Gründe hierfür gibt es

Aleines Feuilleton.

Aus Darmstadt wird uns geschrieben:

In unserer Künstler kolonie dürfte sich demnächst wieder ein frischpulsierendes Leben entwickeln. Wie wir hören, haben in den letzten Wachen zwischen den maßgebenden Persön­lichkeiten und verschiedenen auswärtigen Künstlern wegen ihrer Uebcrsiedelung nach Darmstadt eingehende Verhandlungen statt- gesunden, die auch teilweise schon dem Abschluß nahe sind. Weitere Mitteilungen darüber werden binnen kurzem in authen­tischer Weise erfolgen, lleberraschend kommt die Nachricht, daß auch der Bildhauer Dr. Greiner, das jüngste Mitglied der Künstlerkolonie, demnächst aus derselben aus scheid en wird, sodaß alsdann Prof. Olbrich einstweilen als einziges Ko­loniemitglied verbleibt. Ob dieser Austritt bereits mit der neu geplanten Künstlergruppierung in Beziclnmg zu bringen ist, vermag man vorerst nicht zu beurteilen. Dr. Greiner, der früher Pfarrer in Ob er Hessen war unb sich später in Paris in seiner Kunst ausbilden ließ, hat sich hier in turzer Zeit viel Sympathien erworben. Die Vorarbeiten für die im Jahre 1908 hier stattfindende hessische Ausstellung für frei und angewandte Kunst sind inzwisrl>en so weit vorangeschritten, daß bereits im nächsten Monat die Grundstein­legung zu dem großen Kunstausstellungsgebäudc auf der Mathildenhöhe erfolgen kann, welches die Stadtverwaltung mit einem Kostenaufwand von 230 000 Mark zu errichten beschlossen hat. Welch steigender Beachtung und Anerkennung sich die hessische Kunst auch int Ausland erfreut, beweist die gegen iväriig in London stattfindende deutsche 5k unstaus >tell ung. Dort sind sämtliche berühmten deutsclz-en Künstler mit ihren besten Werken vertreten. Um auch von der hessischen Kunst

wahrhaftig genug, jetzt eben bereitet sich auf dem Wclt- theater wieder etwas vor, das gefährlich werden kann. Die Verteilung Abessiniens, auf die doch der abessin. Vertrag zwischen England, Frankreich und Italien schließ­lich hinausläuft, kann zum Stein des Anstoßes werden. Die panislamitische Gefahr, die nach den Autoren des erwähnten Buches erst während des Weltkrieges sich auf­rollen soll, ist vielleicht viel näher und viel gefährlicher, als man denkt, und Afrika steht ja heute schon in Hellem Aufruhr, wie die beschönigende englische Presse nicht mehr in Abrede stellen kann.

Und wie ist es im Osten? Haben die Japaner nicht bereits gezeigt, daß sie gute Zähne haben und diese Zähne dem alten Europa zu weisen gedenken? Wie steht es in China? Und wie stehen die einzelnen kontinentalen Mächte zueinander? Das sind Fragen, die sich nicht ohne weiteres beantworten lassen, aber es ist, trotz aller Friedensheuchelei, durchaus nicht zu verkennen, daß sich die Fäden der Politik immer mehr verschlingen. Vielleicht steigen dunkle Wolken auf, ehe man sichs versieht, haben wir den Weltkrieg, ehe man glaubt! Wollte Gott, er hätte dann aber auch ein so erfreuliches Ende, wie die kenntnisreichen Männer glauben, die wir oben angeführt!

Politische Lagesscharz.

Deutsche unb englische Arbeiterverhältniffe.

In der Untersekunda eines süddeutschen Mädchen- Gymnasiums erzählt ein Pfarrer seinen Schülerinnen bei Besprechung der sozialen Frage, daß unsere deutschen Arbeite roerhältnisse sehr z n bedauern seien, namentlich iiji Gegensatz zu jenen der englischen Arbeiter, die sich jeden Tag ihr Beefsteak leisten könnten.

Wir Deutsche brauchen uns, so meinen wir, unserer Für­sorge für unsere Arbeiter nicht zu schämen. Das ganze Aus­land beneidet uns um unsere weitgehende Arbeiteroersiche- rungs- und Arbetterschutz-Gesetzgebung und der ausländische Arbeiter fühlt sich glücklich, wenn er unter dem Schutze der deutschen Gesetzgebung arbeiten darf. Selbst Bebel mußte den Vorsprung der deutschen Gesetzgebung vor der ausländi­schen offen zugeben. Auf dem internationalen Sozialistenkongrcß i. 1.1904 in Amsterdam mußte Bebel auf die Forderung der Engländer, Franzosen, Belgier und Amerikaner nach sozialer Arbeiterfürsorge gestehen:Ja, das haben wir in Deutsch­land doch schon alles!"--

Bekanntlich sind in den letzten Wochen deutsche Arbeiter in England gewesen, um englische Arbeiterverhältnisse kennen zu lernen. Der offizielle Bericht über diese Studienfahrt ist noch nicht veröffentlicht worden. Immerhin sind bereits einige Mitteilungen über die in England gemachten Erfahrungen der deutschen Arbeiter in die Oeffentlichkeit gedrungen. So berichten dieLpz. ßtg." und derHambg. Korr.":

Die deutschen Arbeüervertreter der Studienkornmijsion haben manchen allgepflegtkn Illusionen über die besonders günstige Lage der englischen Arbeiter im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen den Abschied geben müssen. Namentlich ist ihnen die Freud­losigkeit des englischen Arbeiterdaseins aus­gefallen. Kahl und schmucklos liegen lange Reihen von Arbeiter­wohnungen in schwarzen, verrußten und schmutzigen Stadtteilen. An Wochentagen sucht der englische Arbeiter fast seinen Ruhm im Schmutz und Schweiß seiner Arbeitskleidung, während er sich Sonntags nobel herausputzt. Es steht die große Masse ä r m- licher Arbeiter einer dünnen Schicht hoch gelohn­ter, geschickter Arbeitskollegen gegenüber. Die E r n ah r u n g ist minderwertig, die wirtschaft!. Bildung der Arbeiterfrau gering, leichte Biere fehlen, schwere Alkoho­lika treten an ihre Stelle. Tas Maß der Schulbildung, der Wissbegierde, der Reinlichkeit, wie des Sinnes für Komfort und bessere Genüsse ist gering; kurz, die Lebenshaltung des englischen Arbeiters ist den deutschen Arbeiter­oertretern als keineswegs beneidenswert er­schienen."

Dies mögen sich alle die merken, die immer noch bereit sind, das Ausland auf Kosten des eigenen Vaterlandes herauszustreichen.

Das sozialpolitische Negierungsprogramm

für die nächste Neichstagssessi on wird bereits jetzt in denBerl. Pol. Nachr." veröffentlicht. Es soll wohl damit die Entschlossenheit bet Negierung zum Ausdruck gebracht werden, auf dem Wege der Sozialreform fortzuschreiten. War doch in demselben halboffiziösen Organ zurzeit der Ver­tagung des Reichstags das Bedauern darüber zu lesen, daß in dem abgelaufenen Tagungsabschnitt fein größerer sozial-

das Zeugnis abzulegen, wurde Prof. Olbrich zur Beteiligung aufgefordert, der dann außer dem berühmten kostbaren Prunk­teppich Sr. königl. Hoheit des Großherzogs auch muh eine An­zahl prächtiger Schmuckgegenstände zur Ausstellung gebracht hat. Auf der deutschen Kunstausstellung in Dresden wurden auch zahlreiche Auszeichnungen an Hess. Künstler verliehen. Die Firma Gebr. Kl in g spor-Offenbach erhielt als höchste Auszeichnung eine Ehrenurkunde, die Staatsmedaille wurde an PH. v Za bern-Mainz und das Diplom für die goldene Medaille Prof Olbrich und Hofrat Koch (Kunstverlag- in Darmstadt, sowie H. Bindewald - Friedberg verliehen.

_ Frl Riza Bajor, die den Gießener Theaterfreunden bekannt geworden ist als Darstellerin von Grilwarzerschen Fraum- geftaltcn, verabschiedete sich dieser ^ag_e vom Mannheimer Theater alsMedea". Sie ist von Martersteig nach Köln engagiert worden.

Gefährliche Schriftsteller sind nach Ansicht des preußischen Kultusministers Hauptmann, Ibsen, Luder­mann Die Werke dieser drei Manner dürfen auf preußi­schen Seminaren nickt gelesen werden Eine von Lehrern l>e rausgegebene Monatsschrift bemerkt dazu: Es ist wirklich ein starkes Stück obrigkeitlicher Bevormundung, an­gehenden Lehrern unb Erziehern ihre Settute vorzusa,reiben. Den Studenten der Hocyschule gegenüber wurde das ülbst emem preu­ßischen Kultusminister nicht emsallen. Es wird Ahe Seit haft hinter die Klostermauern bet ^emmare das helle Licht der Oeffent­lichkeit seine reinigenden Strahlen wirst.

Bon den deutschen Kun stauSstellungen han­delt bas Jnlihest ber. Münchener ZeitschriftDu Kunst" (Verlag Bruckmann, vierteljährlich 6 M.ark-. Zu 1Q7 ausgezeichneten

politischer Gesetzentwurf zu stände gebracht sei. Die Schuld daran, so hieß es, falle nicht auf die Regierung, denn sie habe zwei bedeutungsvolle Entwürfe, über die Rechts - fäh igke it ber Berufsv ereine unb btc Sicherung ber Forberungen ber Bauhanbwerker, vorbereitet. Es habe an ben geschäftlichen Dispositionen bes Reichstags gelegen, wenn biesem bie beiben Vorlagen nicht mehr unterbreitet worben seien.

All' bas zugegeben ist aber nicht ber Reichstag in seinen geschäftlichen Dispositionen zum guten Teil von ber Regierung abhängig? Der Termin ber Einberufung bes Parlaments, bie zweckmäßige Einteilung bei ber Zuweisung ber Vorlagen sinb schon im Grunbe bestimmenb für ben Arbeitsplan bes Reichstags. Er hat in ber letzten Session getan, was er tun konnte, um bem Regierungsprogramm gerecht zu werben, unb babei seine eigenen gesetzgeberischen Anregungen arg vernachlässigt. Denn von ben Initiativ­anträgen sinb nur wenige zur Erlebigung gebracht, einige achtzig bis zum Herbst zurückgestellt, unb unter biesen eine Menge sozialpolitischer. An ber Verschleppung ber Berufs­vereinsoorlage ist bie Regierung sicherlich nicht ohne Schulb. Dieser Entwurf würbe bereits im Januar 1904 angekünbigt, im November 1905 vom Bunbesrat beschloßen unb in ber letzten Thronrebe feierlich verheißen. Die Zuweisung an ben Reichstag hätte also wohl beschleunigt werben können.

Der nächste Herbst bringt ja nun eine günstigere Situation für bie Losung ber verschiebenen sozialpolitischen Probleme insofern, als ber Reichstag um 14 Tage früher zusammentritt unb sich in bcc Regel auf Grunb ber Diäten beschlußfähig erweisen wirb. Tas gerabe bei sozialpolitischen Debatten hervortretenbe Uebermaß an Rebe­lust wirb sich also beschränken lassen zugunsten praktischer Gesetzgebungsarbeit. Der Letzteren eröffnet günstigere Aus­sichten weiterhin bie burch bie Reichsfinanzreform bewirkte Drbnung ber Reichsfinanzen. Sie ist gerabezu Vor- bebingung für bie Fortführung ber Sozialreform. Schon bie Vorarbeiten erforbern beträchtliche Summen, wie ein Blick in ben Etat bes Reichsamts bes Innern hunbertfältig zeigt. Sozialreformerifche Großtaten, wie bie Verschmelzung ber Arbeiterversichenmgszweige, bie Witwen- unb Waisenver- sicherung ber Arbeiter, bie Pensionsversicherung ber Privat­beamten usw., kennzeichnen sich banach als kostspielige Aus­gaben, bie nur ein finanziell gesunber Staat auf sich nehmen kann. In bas von benBerl. Pol. Nachr." bekanntgegebene sozialpolitische Programm für bie nächste Session, bie vor­letzte bieses Reichstags, sinb zwar bie erwähntenGroß­taten" noch nicht einbezogen, gleichwohl bedeutet e§ ein plan­mäßiges Fortschreiten ber Sozialreform, besten Vielseitigkeit umso erfreulicher ist, als bie vorstehenb bargelegten Grunbe erwarten lassen, baß bas Programm auch burchgearbeitet wirb. Soviel steht fest: unter bem Grafen Posabowsky, biesemSozial-Staatssekretär", gibt es keinen Stillstanb ber Sozialreform.

Frischauf zu gemeinsamer Arbeit!

DieKyffh.-Korr.", bas Organ bes Kyffhäuserbunbes ber beutschen Lanbes-Kriegerverbänbe, roenbet sich m einem Frischauf zu gemeinsamer Arbeit'. überschriebenen Artikel an bie bürgerlichen Parteien mit ber Mahnung, nicht bie Hänbe in den Schoß zu legen unb ruhigen Bluts bas Herannahen ber Reichstags wählen im Jahre 1908 abzuwarten, fonbern von ber Sozialbernokratie zu lernen unb sich zu bem beoorstehenben Kampfe schon jetzt zu rüsten. Der Artikel, ber einzelne recht beherzigenswerte Gebauten enthält, lautet in seinem wesentlichen Inhalt:

Der Reichstag hat seine Pforten bis Enbe November geschlossen, unb für bie Politik ist eine Zeit ber Ruhe eingetreten--Ist

es jetzt aber Zeit zur Ruhe, zum sorglosen Schlaf? O nein, keines­wegs! In kaum zwei Jahren finben wieder die allgemeinen Reichstagswahleu statt, und auf bie gilt es, für bie bürg erl. Parteien s i ch mit aller Macht z u r ü st e n. Dazu ist aber gerade die parlameutslose Zeit außerordentlich geeignet, da während der Parlamentszeit die ganze Aufmerksamkeit von der gegenwärtig zur Frage stehenden Politik in Anspruch genommen zu' werden pflegt. Freilich wird mancher sagen, bis zu den Wahlen sind es nach volle zwei Jahre, also noch eyte tauge Zeit, und das wird leider nicht nur gesagt, sondern man handelt auch häufig danach. Und doch zeugt es von unglaublicher Kurzsichtigkeit, von trauriger Gleichgültigkeit der bürgerlichen

Reproduktionen werden die Hauptwerke der Ausstellungen der Berliner und Münchener Sezession sowie der Kunstgewerbeausstell- ung in Dresden vorgeführt; sie zeigen den Ipiycn künstlerischen Stand der drei Ausstellungen, bie unter den diesjährigen der­artigen Darbietungen an erster Stelle stehen, in glänzender Weise, lieber der bekannten vornehmen Art der Illustrierung soll aber nicht die textliche Seite der prächtigen Zeitschrift übersehen sein; die Aufsätze über die drei Ausstellungen, wie auch der übrige textlicl-e Inhalt rühren van bewährter Feder her unb zeigen bie Zeitschrift burchauS aus der Höhe ihrer Msgabe.

Vor uns liegt eine neue Auflage (bie 11.) von F. L. Rhobes praktischem Handbuch ber Handels-Korrespon- denz. Wenn es auch kaum nötig ist, bieses Buch zu empfehlen, da es ja feit seinem ersten Erscheinen eine ganz außerordentliche Verbreitung in der Kausmaunswelt gesunden bat, so kann es doch nur nützen, wenn wir die jüngeren Leute, die es vielleicht noch nicht kennen, wieder einmal darauf Hinweisen. Rhodes Handels­korrespondenz ist wohl das gediegenste Werk dieser Art. Jeder junge Kaufmann, der mit dem Ausland in Verbindung steht unb es sich deshalb anschafft, wird nicht nur an diesem Buch bald einen unentbehrlichen Freund und Ratgeber haben, sondern er wird sich auch, ivenn er es beständig zu Rate zieht, rascher, als auf jede andere Art in seinen Kenntnissen fremder Sprachen vervoll­kommnen. Diese neue Auflage ist auss gründlichste durchgearbeitet und vervollkommnet, und zwar wurde die Bearbeitung der einzelnen Sprachen Angehörigen des betreffenden Landes übergeben, sodaß die denkbar beste Gewähr für eine sprachlich wie fachlich richtige Uebersetzung gegeben ist. Besonders wollen wir auch noch auf die Preiswürdigkeit dieses nützlichen Werkes Hinweisen, das in 2h ca. halbmonatlichen Lieferungen ä 50 Pfg. erscheint. £- H. ,