Ausgabe 
13.9.1906 Erstes Blatt
 
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Die 'eterl

Aus Innsbruck schreibt man uns: Zu der aus der nörd­lichen Gebirgsterrasse von Innsbruck, allen Fremden wegen des großartigen Panoramas in das Stubaital und Kaiser- gebirqe als Aussichtspunkt wohlbekanntenHungerburg" mit Mariabrunn führt nun eine elektrische Drahtseilbahn. Diese der Mendelbahn vergleichbare Anlage wird der hervor­ragend schönen und klimatisch besonders ausgezeichneten sonnigen Nordseite Innsbrucks einen neuen Nciz bieten.

Hungerburgbahn" bewältigt bei einer Länge von 800 Meter

zu Büdingen. 4. Die Gemeinderatssitzungen zu Büdingen.

** Vom Bergbau. Wie bekannt, wird in Ober- Hessen an verschiedenen Stetten eifrig nach Kalisalzen gebohrt und man ist auch bereits bier und da auf Kali ge­stoßen. Ob viel oder wenig gefunden ist, ob man auf mäch­tige Lager oder nur auf schwache Adern stieß, ist bisher nicht bekannt geworden. Die Negierung und die Bohrgesellschaften schweigen sich aus begreiflichen Gründen darüber aus, sie fürchten die Konkurrenz. Wie verlautet, ist besonders in der Gegend von Schlitz das Ergebnis der Bohrungen ein so günstiges, daß dort ein lohnender Kalibergbau entstehen kann. Es ist zweifellos, daß sich die Negierung durch Vertrag bereits das Recht der Ausbeutung jener Lager gesichert hätte, wenn sie dazu imstande wäre. Aber das neue Berggesetz i|t noch nicht in Kraft. Die Erste Kammer hat erst nach vielem hin und her und nach langen Erklärungen des Ministerialpräsi- denten Braun einigen Bestimmungen des Gesetzes ihre Ge­nehmigung erteilt, das ganze Gesetz muß aber nun nochmals an die Zweite Kammer. Da diese erst im November Zu­sammentritt, ist inzwischen in der Angelegenheit nichts zu machen. Die Negierung ist aber am Abschluß einer Reihe von Verträgen, die für sie von großer Bedeutung sind, ge­hemmt, weil eben das neue Berggesetz noch nicht in Kraft ist. Immerhin dürfte bei dem jetzigen Stand der Bohrungen auch später zum Abschluß der Verträge noch die Möglichkeit gegeben sein, sodaß ein Schaden durch die Verzögerung der Erledigung de§ Gesetzes nicht entstehen wird.

*Prinz Nikotin". Vor einigen Tagen tauchte in Mainz ein junger hochelegant gekleider Mann auf, der sich in einem Hotel am Rhein eine Wohnung mietete und sehr- nobel auftrat. Nach kurzer Dauer hatte der Fremde einige Kaufleute kennen gelernt, denen gegenüber er sichPrinz Nikotin" nannte. Mit einem von ihnen entwerte er an einem Nachmittag ein Spielchen und verlor dabei 8, 60 und 400 Mk.; man trennte sich mit einer Verabredung für den Abend. Der Gewinner fand sich auch mit mehreren Freunden in dem verabredeten Restaurant ein, wo das Spielchen fort­gesetzt wurde. Auch jetzt noch verlor der Prinz, dessen Spiel­schulden inzwischen 600 Mark betrugen. Er ließ einen Tausendmarkschein wechseln und bezahlte, ohne auch nur eine Miene zu verziehen, die Schuld. Plötzlich wendete sich das Blättchen: nun gewann derPrinz"; in unglaublich kurzer Zeit hatte er nicht nur seine verlorenen 600 Mark wieder, sondern er hatte auch den Mitspielenden ihre gesamte Bar­schaft im Betrage von 2800 Mark abgenommen. Dann machte er seinen neuen Freunden noch einige verblüffende Kartenkunststücke vor, nahm Abschied und wurde nicht mehr gesehen! Wer der rätselhaftePrinz Nikotin" ist, dürfte ganz besonders interessieren, es ist nämlich fein anderer, als

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 13. Sept. 1906.

Provinzialausschuß-Sitzung. Mittwoch, den 19. d. M., norm. 9 Uhr, findet eine Sitzung des Provinzial- Ausschusses mit folgender Tagesordnung statt: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Landarmenverband Gießen wegen Unterstützung der Marg. Schmidt von Bremen. 2. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Land- armenverband Gießen wegen Unterstützung des Heinrich Kimpel von Liederbach. 3. Meinungsverschiedenheit zwischen dem Gemeindevorstand und der Mehrheit des Gemeinderats

und für da§ Aquarium zwei mächtige, armsdicke Klapper­schlangen. Von Ostafrika wurden dem Aquarium eine riesige Puff-Otter die dickste Giftschlange, welche existiert, aber nach Vrahm auch die giftigste von Herrn Prof. Vosseler aus Stuttgart zum Geschenk gemacht. Aus Südafrika treffen Zebra? ein. Im Jnscktcnhau? haben sich in diesem Jahre besonders die südenropäischen Falter gut entwickelt; so riesige Glucken, Totenköpfe und Oleander­schwärmer. Aus Palästina sind die ersten Wanderheu­schrecken cingetroffen, darunter Exemplare von mehr als Fingerlänge. Ganz besonders nehmen die Jungtiere des Gartens die Aufmerksamkeit der Besucher in Anspruch; das laufende Jahr war nämlich der Zucht sehr günstig und von Leoparden, Silberlöwen, Känguruhs, Antilopen 2C. sind eben die diesjährigen Junge zu sehen. Am Sonntag den 16. Sept, "ist der Eintrittspreis für den ganzen Tag auf 50 Pfg. (Aquarium 20 Pfg.) und für Kinder auf 25 Pfg. ermäßigt. __

derRauchkünstler Skamperl, der vertrauteste Freund des Diebesfürsten Man oleS ku, den er vor Jahren in einem Berliner Hotel beim Brillantendiebstahl überraschte und bei dieser Gelegenheit intime Freundschaft mit ihm schloß. Skam- perl-Nikotin, der seinen Wohnsitz in London hat, ist nach Brüssel abgereift, da, wie er sagte, in Mainz nichts mehr zu holen sei. Sein umfangreiches Gepäck trägt die Fürstcn- krone, die er als Perlenvorstecksnadel auch an der Hals­binde fiat, und das MonogrammP. N.", d. h.Prinz Nikotin!"

X Großen-Linden, 12. Sept. Der Radfahrer­verein Großen-Linden veranstaltete am vergangenen Sonntag unter seinen Mitgliedern ein kleines Wettfahren. Es wurde eine Strecke von 25 Kilometer gefahren. Die Resultate waren folgende: 1. Otto Watz 46 Min., 2. Wilh. Weigand 46 Min. 33 Sek., 3. Ludw. Braun 49 Min. 25 Sek., 4. Phil. Pirr 49 Min. 45 Sek., 5. Karl Weigand 50 Min. 50 Sek., 6. Ludw. Faber 52 Min. 53 Sek.

(.) Dutenhofen, 12. Sept. Anläßlich der heutigen Einweihung deS erweiterten Gotteshauses erhielt Pfarrer A. Geibel den Noten Adlerorden. Ferner sei zur eigentlichen Feier in der Kirche noch mitgeteilt, daß nach Uebcrgabe der Schlüssel und Betreten deS Gotteshauses Kon- sistoriölrat Bergmann aus Koblenz für den erkrankten Generalsuperintendenten die Weihepredigt, Superintendent Schoeler, Wetzlar, die Liturgie und Pfarrer Geibel, Dutenhofen die Festpredigt hielt. Der Lehrerverein trug durch zwei Vorträge: Große Doxologie und Hymne von Mehnl viel zur Verschönerung der Feier bei. Eine Taufe, bei welcher Frl. Feiling und Frl. Buß auS Wetzlar mit Orgelbegleitung deS Kantors Schmidt, Wetzlar:O wie selig ist das Kind" aus Athalia von Mendelssohn zum Vortrag brachten, be­schloß die erhebende Feier.

----- Rodheim a. d. Bieber, 12. Sept. Unsere neu angelegte Quell Wasserversorgung gewinnt immer mehr Anhänger. Sie ist zwar noeh nicht zum endgiltigen Abschluß gebracht, aber dennoch durften die meisten Hallsbesitzer seither schon ihren großen Segen erfahren. Vor allem begrüßen unsere Hausfrauen die neue Einrichtung mit Freuden, denn fie können bereits über einen Monat der Leitung ihren vollen Wasserbedarf entnehmen. Die Einlage gilt aber erst als vollendet, wenn der Sammelbehälter amLaunscheidsberg", dessen Ausschachtung große Schwierigkeiten verursachte, mit der Leitung in Verbindung gebracht ist.

Laubach, 12. Sept. Die Ausführung der Wasser­leitungsarbeiten von Lauter bis Bad-Nanheim ist der Firma Haake u. Hartwig in Hannover übertragen. Auf unserer Station kommen täglich zwei Waggons mit guß- eiseruen Wasserröhren und Baumaterialien an, die mittels eine? aufgebauten Widders auf Wagen verladen und dann an die für die Arbeiten bestimmten Plätze geschafft werden. Ein Oberingenieur und ein Werkmeister nebst 8 Arbeitern haben bis gum 1. April 1907 hier Wohnung genommen. Die beiden Fxankfurter Maler, die zuletzt Partien auf dem RamSbergwald aufnahmen, sind vergangenen Sonntag nach Friedrichshafen am Bodensee abgereist. Wie aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wirb, hat einer derselben ein Bild zum Preise von 13 0 0 0 M k. in Berlin abgesetzt.

= Frankfurt a. M., 12. Sept. Für denZoolo­gischen Garten ist der August ein ereignisreicher Monat gewesen. Aus allen Erdteilen langten neue Pfleglinge an. So kamen au? Amerika ein Ameisenbär, Präriehunde

Die Kampfer von Mannheim.

Auf dem in wenigen Tagen beginnenden sozialdemokratischm Parteitage in Mannheim wird neben dem Hauptführer der Partri, Mg Bebel, auch der Hauptführer der Gewerkschaften, Hrrr Legi en, über die Frage des politischen Massenstreiks referieren. Die beiden alten Herren haben manchen Strauß miteinander ausgefochten, aber sich immer wieder versöhnt. Das werd wohl auch in Mannheim das Ende vom Liede sein, nicht nur in persön­licher Beziehung, sondern auch in Geltung auf die einstweilen noch in tz-echterstellung sich gcgenüberstehenden Elemente Partei und Gewerkschaft. Wer den Bruch zwischen beiden für wahr­scheinlich Hilt, dürste sich enttäuscht sehen. Es wird zwar viel hin und hergeredet werden über denGewaltakt" der Veronent- lichung von Gewerkschaftsgeheimakten durch den Partcivorstand, aber man wird schließlich nicht um eine Verständigunasformcl verlegen sein, dennPartei und Gewerkschast sind verschlungene Eichbäume, nicht ineinandergewebtes Gerank". Es wird in Mann­heim nach berühmten dip-omatischen Mustern weder Sieger noch Besiegte geben, aber der in.Wirklichkeit Triumphierende dürfte wieder einmal Herr Bebel sein.

Unentbehrlich mit bem^Schwan^in tausenden von Haushaltungen gemacht. Allein echt mit dem Namen Dr. Thomp- saus unb der Schutzmarke Schwan. UeberaÜ zu haben»

beaenüber der englischen, und niedrig? Preise kattn nur eut ausreichend kapitalkräftiges Unternehmen stellen. In ähnlicher Richtung entwickeln sich die Verhältniste m Ostasien.

sind es Englands Freunde, tue Japaner, die nicht nur mit ihren wohlfeilen, aber ganz minderwertigen Waren den Kontinent über- toroemmen, sondern auch die Scesrachten so niedrig ans-tz-n, dast es den curopäiiÄen Reedereien kaum noch möglich ilt, -9u konkurrieren. Nur große Kapitalkraft gibt Anwart.chaft auf eine Zukunft auf dem Wasser". *

Krieg im Frieden.

Drei Armeekorps sind gegenwärtig hei Liegniß zusammen-- tzezvgen, um unter den Llugen des obersten ^Kriegsherrn jene aroRcn Uebnngen abzuhalten, welche alljährlich die Milita^rische Saison beschließen. Wa'en früher die Manöver.prunkende Schau­spiele zum Ergötzen der Fürstlichkeiten, so ftnd ne letzt ein absolut notwendiges unentbehrliches Recntisit zur Ausbildung de. tfutyrer unb Mannschaften geworden, und immer getreuer sucht man sie dem Ernstfälle nachzubilden. So hat die d^anüvttleitung Heuer die usuellen Pausen zwischen den einzelnen Gefechtstagen weg- gelassen, das SignalDas Ganze Halt" wird Nicht gebla. m und die beiden Gegner können bis zum offiziellen Schlüsse un­unterbrochen Krieg spielen. Bei den dicsialMgen franzosqchen Manovern um Campagne wandte man wieder eine andere Neue­rung an, indem man eine entsprechende Anzahl von Soldaten dazu bestimmte, die Toten und Verwundeten zu markieren, sodaß auch das S a ni t ä t s w e s e n in seinem ganzen Umfange erprobt werden konnte. Bei unserem Verbündeten Oesterreich-Ungarn, dessen Kaisermanöver in Oesterrcichisch-Schlesien, also m der näch­sten Nähe der unsrigen, abgchalten wurden, war es em gepan­zertes und armiertes Automo.bil, auf dessen Verwendimg sich das Hauptinteresse der Fachleute und Laien konzentrierte, und das sich sehr gut bewährt haben soll Der unseren Manovern konnte man übrigens auch diesmal wieder konstatieren, daß sich die Uniformen der Truppcnkörper viel zu deutlich von dem Gelände abhohen, namentlich bei der Kavallerie^ Die bunten Röcke der letzteren gaben, sobald die Reiterei ins ?rreic hmaus- schwenkte, ausgezeichnete Zielscheiben ab, und die Notwendigkeit, dem deutschen Heere für den Krieg eme Montur zu Porten, der alles Blanke und Glitzernde, alle leuchtenden Farben fehlen ^lt sich auch bei Liegnitz wieder deutlich herauSgestellt.. Schon 1870/71 schwärzten Offiziere und Mannschaften die Metallzierate der Pickel­hauben und Helme; um wie viel notwendiger ist letzt eine mög­lichst unauffällige sich den Farben des Geländes anschmiegende Uniform!

Luftlinie ungefähr 300 Meter Höhendifferenz, die Anfangssteigung beträgt 190 pro Mille unb wächst spater bis 550 pro Mille. Eine nach amerikanischem System er­baute eiserne Brücke, die eine Länge von 70 Meter hat, überspannt steil ansteigend ben Inn. Die interessanteste Strecke ührt in der oberen Hälfte ber Bahn über einen 170 Meter langen, gemauerten unb betonierten Viadukt, ber von 4 Oeff- nimgen mit je 6 Meter und 5 mit je 10 Meter Lichtweite durchbrochen wirb. Für die Betriebssicherheit ist in weitestem Maße gesorgt. Außer der gewöhnlichen Hanbbremse besitzt jeber Wagen zwei automatisch wirfenbe Bremsen, bie sich bei bem unwahrscheinlichen Fall einer Fahrtstörung ober eines Seilbruches selbsttätig auslösen unb den Wagen sofort zum Stillstanb bringen. Die Fahrzeit beträgt 10 Minuten. Die Eröffnung fand am 10. September statt.

* Eine elektrische Bahn zwischen New-Pork und Chikago ist da? neueste Projekt auf dem Gebiete ber Elektrizität. DieChikagoNew-Pork Electric Air Line- Bahn", die in Maine inkorporiert worden ist, will die Fahrten zwischen Ncw-Pork und Chikago in zehn Stunden machen, indem sie Schienenstränge dec Luftlinie nach legt, was einer Strecke von etwa 1500 Kilometer gleichkommen würde. Da? wäre eine gewaltige Leistung. Bleibt nur abzuwarten, ob die Versprechungen auch eingelöft werden. Viele Sachver­ständige wenigsten? bezweifeln die Ausführungsmöglichkeit stark.

"Der Klub der Schläfer. In London, der Heimat der Klubs unb beS Spleen?, befindet sich ein Klub der Schläfer, der seinesgleichen in der Welt nicht haben dürfte. Nach demFigaro" schilbert ihn ein Journalist, ber ihn besucht hat, folgenbermaßen:Ich trete ein. Tiefste? Schweigen. Man führt mich in einen ersten Salon, ber mit spartanischer Einfachheit möbliert ist. Auf Fauteuil? ruhen etwa ein Dutzend Personen im tiefsten Schlaf. An einigen Tischen spielen andere schweigend Domino; die Spieltische sind mit dickem Stoff überzogen, und die Spieler flüstern kaum. In der ersten Etage sind die Zimmer mit Feldbetten auSgeftattet, in denen ich wieder Schläfer erblicke. In der zweiten Etage chlasen die Leute in völlig verdunkelten Zimmern, obwohl cS draußen heller Tag ist. Auf meine Frage erhalte ich die Auskunft, daß ich in einem Klub von Postbeamten bin, die alle in den Vororten wohnen, und die hierher kommen, um wahrend der Pausen in ihren Dienstzeiten der Ruhe zu pflegen . . ." "

(hc.) Darmstadt, 12. Sept. Der Privatdozent für Geo­däsie und astronomische Ortsbestimmung an der Technischen Hoch­schule zu Darmstadt, Landmesser Dr. Paul Gast, ist als In­genieur-Geograph an das Militärgeoaraphische Institut in Bue­nos-Aires berufen Worden. Gast, der dem Lehrkörper der Darmstädter Hochschule seit 1904 angehört, hat den Ruf an» genommen und ist seitens der Hochschule beurlaubt.

Vermischtes.

Berlin, 10. Sept. Ter 5. internationale Kongreß für Versicherun>gsWissenschast Wurde heute im Reichstagsgebäube durch den Presidenten Lepreux, den Pr.asi- benten ber belgischen Staatsbank, eröffnet. Vertreten smd Behörden deS Reiches, des Staats, der Städte und Kauf­männische Korporationen. 21 Regierungen haben offizielle Vertreter entsandt. Zum Vorsitzenden wurde Generaldirek­tor Hahn-Magdeburg, der Präsident des Vereins für Versicherungswissenschaft, gewählt, der in ferner Begrüß­ungsansprache Betonte, daß keiner der ftüheren Kongresse so zahlreich beschickt War. Hierauf begrüßte Unterstaats­sekretär Wermuth namens der Reichsregierung bie Ver­sammlung und überbrachte den Gruß des Kaisers, des Reichskanzlers Fürsten Bülow und des Grafen PosadoWsky. Ter Redner legte dar, welches Interesse die Reichsverwal- titng an den Beratungen nehme, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Kongreß sich seines Vorgängers Würdig erweisen möge. Die Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser aus, an den ein Begrüßungstekegramm gesandt wurde. Hahn dankte sodann allen ofsiziieNen Vertretern, nament­lich ber Reichsregierung für ihr Erscheinen. Es folgten zahlreiche Ansprachen von Vertretern. Im Namen beS Kultusministeriums sprach Geheimrat Elster, im Namen der Handelshochschule Präsident Kimpf. Heute Nachmittag findet die erste Arbeitssitzuug statt, in der die Volks Ver­sicherung behandelt Wird.

* Eine neue Drahtseilbahn in Innsbruck.

Summe 14 (6s 11(5) 2. 1W ;

Anm.: Die in Wammern gefetzten Ziffern geben an, wie ber Todesfälle in ber betreffenden Krankheit auf von auswärts nacy Gießen aebrgcbke Kraule sommern

Arbeiterbewegung.

(sc.) Bensheim, Bergstr., 12. Sept. Der 3Vs Wochen an­dauernde allgemeine ÄuSstand der hiesigen Maurer ist durch Vermittlung des Bürgermeisters Dr. Frenay beigelegt worden. .

Handel und Verkehr», Volkswirtschaft.

Russisches Papiergeld. Die bevorstehende Vermehr­ung des russischen Papiergeldes ist schon avisiert worden. Es wurden 40 Mill. Rubel neue Kreditbillets geschaffen und beten Ausgabe damit begründet, daß alljährlich zu Beginn ber Be­treib ekampagne die Zahl der im Verkehr befindlichen Geldwert­zeichen erhöht werden. Der Gesamtbetrag wächst damit auf 1230 Mill. Rubelnoten und erreicht somit bald den in den Mo­naten nach dem Friedensschluß der 1290 Mill. Rubel betrug. Vor Beginn des Krieges waren nur 630 Mill. Rubelnoten in Umlauf. -

Anleihepläne der russischen Regierung. Gegen­über den fortgesetzt verbreiteten Nachrichten über Anleihepläne der russischen Negierung ist der Petersburger Korrespondent der Pol. Korresp." vom Finanzminisier Kokoszew zu ber Erklärung ermächtigt, daß sämtliche Behauptungen dieser Art, mögen sie die Aufnahme einer Anleihe in Deutschland, oder einer inneren Anleihe zum Gegenstand haben, jeder Grundlage entbehren. Wie gerne würde doch ber Minister eine neue Mleihe aufnehmen, wenn er nickt zu genau wüßte, daß er unter den gegenwärtigen Verhältnissen überall abgewiesen würde! Darum benützt man einfach die Notenpresse und macht Anleihen bei den russischen Sparkassen.

Markte.

ke. Franksurt a. M., 13. Sept. (Telegr. Orig.-Bericht be§ Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Dieb markt- ureife. Zum Verkaufe standen: 14 Ochsen, 0 aus Oesterreich 0 Bullen, 0 aus Oesterreich, 65 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinber, 0 aus Oester., 623 Kälber, 123 Schafe unb Hammel, 2 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt würbe für

ba§' Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 83-87 Mk., 2 Qualität 7679 Mk., 8. Qualität 6972 Mk.; Bullen 1' &un( 0000, 2. Qual. 0000; Kühe 1. Qualität 8183 Mk., 9* Qual. 7678 Mk., 3. Qual. 6668 Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 5 Qual 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 98102 Pfg., Lebendgewicht 5961 Pfg., 2. Qualität 90-96 Pfg., Lebendgewicht 54-58 Pfg., Schlachtgew. 70-75Pfg.; Schafe: 1. Qual. 85-00 Pfg., 2. Qual. 0000 Mg. _ ' r

Limburg a. b. L., 12. Sept. Fruchtmarkt. Durch­schnittspreise pro Malter. Roter Weizen 14.50 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.00, Gerste 00.00 Mk., Hafer 7.23 Mk. Erbsen 0.00 Mk.. Kartoffeln 0.00 Mk. __ ___

WSiMMk WttM irr Todesfälle in der Stadt Gießen

36. Woche. Vom 2. bis 8. September 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.!

Sterblichkeitsziffer: 24,66 °/00,

nach Abzug von 6 Ortsfremden: 14,10 Von.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene

im Lebensjahr: 2.-

vom

-15. Jahr

Altersschwäche

1

1

Lungenschwindsucht

Tuberkulose der

2(2)

2(2)

Hirnhaut

1

1

Lnngenschlag

1

1

Krämpfen

2

2

Gallensteinen

Eingeklemmter

1(D

1(1)

w-

Bruch

KD

1 (1)

Nierenentzündung

KD

1(1)

Krebs

2

2

Selbstmorb

1

1

Verbrennung

1(1)