Ausgabe 
12.3.1906 Erstes Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen

E2

Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

deutsche

Schulstratze 7.

Redaktion 112

Verlag u.6p>eb.e=^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. BesleUg. Annahme ron Anzeige, für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12'1$U auswärts 20 Plg. ~

Verantwortlich 'fit den poliL und allgem. Teil- P. Wittko: füt .Stadt und Land- und .Gerichtssaal-: Ernst Heb', für den An­zeigenteil: Hans Beck.

lichterfelde eine Feier statt.

Im Reichstage widmete Graf Ballestrem bei 33c-: ginnX her Sitzung dem freisinnigen Führer einen warmen Nachruf. Auch im Abgeordnetenhause, dem bekanntlich Eugen Richter nicht mehr als Mitglied angehörte, übernahm es der konservative Abg. von Heydebrand, im Namen seiner Freunde und auch der übrigen Parteien Richter einige an­erkennende Worte zu widmen.

Bei dem Empfange der Nachricht vom Tode Eugen Richters äußerte sich Reichskanzler Fürst Bülow ungefähr in folgender Weise:

Er nehme mit aufrichtiger Teilnahme Kenntnis oon dem Hin- scheiden Richters. Er habe die hohe Begabung des Verstorbenen besonders aus finanztechnischem Gebiete stets anerkannt und dem hervorragenden Eharaklcr Eugen Richters niemals seine Achtung versagt. Obwohl er, der Kanzler, in vielen politischen Fragen einen anderen Standpunkt einnehmen mußte, so möchte er doch betonen, daß ihn auch gleiche politische Anschauungen mit Eugen Richter naher z n s a m m e n g e f u h r t haben, so vor allem die Bekämpkung der Sozialdemokratie, die der Verstor­bene trotz aller demokratischen Anschauungen rücksichtslos dnrch- gcllihrt habe. Diese gleichartige Auffassung habe den Kanzler auch persönlich dem Führer der Freisinnigen nahe a e b r a ch t u n d z u m a n ch e n i n t i m c n u n d i n t e r e s s a n- len Gesprächen geführt, an die Fürst von Bulow sich gern erinnert.

Der Witwe Richters ließ der Kanzler ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstelegramm zugehen.

Finanzminisier Freiherr von R h e i n b a b e n äußerte sich wie folgt:

Ganz kürzlich erst h a b e ich an Eugen Richter ge­schrieben und ihm meine besten W ü nsche für bald: g e Genesung ausgedrückt. Dafür erhielt ich dieser Tage ein freund- Iiches Dankschreiben. Umso lebhafter bedauere ich, da 6 meine W ü n f ch e n i ch t i n E r f ü l l u n g g e g a n g en , in d. Mit ihm ist eine der markantesten Erscheinunaen unseres öffentlichen Lebens dahingeschieden, lieber allen politischen Meinungsverschie­denheiten steht sa die Achtung von Mensch zu Mensch, und gerade in der fetzigen Zeit zunehmender politischen Zerklüftung mußte es als Aufgabe jedes Patrioten betrachtet werden, dieses menschliche Moment nach Möalichkeit zu pflegen, und dadurch versöhnlich aus unsere politischen Verhältnisse zu wirken. Mein Finanzressort bat aber doppelt Veranlassung, das Hinscheiden Eugen Richters zii be­klagen, denn er war einer der größten Kenner des Budgetrechts, wie überhaupt aller finanziellen Fragen. Ich könnte in diesem Falle sagen: Sie haben einen guten Mann begraben, mir war er mehr wert." *

Aus Gießen wurden nach Berlin folgende Beileids­telegramme gesandt:

Reichstagssraktion der Freisinnigen DoApartei

Berlin.

Trauernd steht mit der Fraktion an der Bahre unseres un­vergeßlichen Führers Eugen Richter mit allen Freunden im ganzen

Zum Tod? ßugen Mchters.

Berlin, 10. März.

Das Befinden deS Abg. Eugen Richter war bereits seit einiger Zeit Besorgnis erregend und ließ das schlimmste be­fürchten. Aengstlich wurde bafur gesorgt, baß bem Kranken jede Aufregung erspart blieb. Aus biesem Grunde wurde auch über den Verlauf der Krankheit jede Veröffentlichung vermieden, damit der Kranke nicht auS Zeitungen erfahre, wie schlimm es um ihn stehe. In den letzten Tagen hatte der Kranke keinerlei Jnteresie am öffentlichen Leben mehr. Seit vorgestern war er bereits bewußtlos. Durch Morphium- Einspritzung wurde dem Kranken Schmerzlosigkeit verschafft. Gestern abend war volle Agonie eingetreten. Tie Be­erdigung erfolgt am Dienstag auf dem alten Lmsen- städtischen Kirchhofe. Vorher findet im Trcmcrhause in Groß-

Daß Herr Bernhard, der Herausgeber des .Plutns .neulich das Mißfallen der Parteihäupter erregt hat durch ferne Stellungnahme zum Hanbelsprovisorium nut Amerika, sowie durch sein Urteil über den Bund der Landwirte, haben ww durch Zitate aus dem .Vorwärts- neulich imwiderlegl'L belegt.V Also gar so .hinfällig- sind unsere Vermutungen denn doch nicht, wie Herr Krumm behauptet.

Nr. 60

Er,cheivt tLrttch

außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Giehener Samtlien» blätter viermal in der

Woche beifldegt Rotationsdruck u. Ver­lag der Bruhl'schen Untvers.-Buch-u.Stem- bruderei. R. Sange.

Heer urr- Flotte.

General der Infanterie Georg von Perbandt, General-Inspekteur der Fußartillerie, hat seinen Abschied genommen. P. ist geboren 1845 1866 trat er beim

4. Garde-Regiment zu Fuß ein. Zu Kagers Geburtstag 1900 wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 25. Division in Darmstadt. 1902 erfolgte seine Ernennung zum General- Inspekteur der Fußartillerie; sein Generalpatent erhielt er zu Kaisers Geburtstag 1904. _________

er widerstanden.

Die von R. begründete Presse- erschien mit Trauerrand.

kleines Feuilleton.

** Herr Max Bahrhammer schreibt mir kurz und barsch unter überflüssiger Bezugnahme auf das Preßgesetz, daß et leinEpisoden spiet er" sei, sondernI. Eharakterdarsteller". Er zählt dabei als Rotten seines Frankurter Repertoires vlgende aiüf:Talbot, Butleigh, Mephisto (Sauft 1. und 2. Teil), Franz Moor, Jago, Shhlock, Muley Hasfcm, Wurm, Marinelli, Hamlet (nach dem Ableben Bartels' bis zum Engagement seines Nach- fvlgersst Wurzelsepp, Riecaut, Helbig (Zapfenstreich"), Herodes (Salome)." Als Selbig in BehetleinsZapfenstreich" habe auch ich ihn mit aufrichtigem Beifall gesehen, und ich halte auch für diese Rwtte die BezeichnungEpifodenfpleler" voll,aufrecht. Auch Wurzelsepp und Rieeaut sind nach meinem Dafürhalten nur Episoden. Als Hamlet-Darsteller fungierte er nach mgener Angabe nur episodisch. Mephisto, Franz Moor, Jago, ^hylock, Merodes usw. freilich sind, wie jedermann Weitz, nur Aufgaben für allererste Charakterdarsteller, aber auch hier patzt m.. E. auf die Art seiner Darstellung die BezeichmmgEpiiodenipielesi. Denn S?cn Bahrhammer liebt es, eine ^zene, die ihm inter­essanteste, in den Mittelpunkt seiner ganzen Darstellung zu stellen, ihr sein Bestes zu geben, in ihr zu brillieren, au; kosten aller anderen. Das ist die Manier manches viel gerühmten Virtuosen, doch für mein Empfinden keine gute. Wenn foerr Bahrhammer der' Ansicht ist, daß die BezeichnungEpisodenspieler" dazu an­getan sei, ihnin der öffentlichen Meinung herabzusetzen", fo kann ich dazu nur bemerken, daß er sich wahrfufemlich irrt. Zum mindesten war das nickt meine A b sicht.ich wollte nur feine Darftettnngsart durch diese Bezeichnung -usammenfai,end charak­terisieren. Im Anschluß hieran sei ein Versäumnis nachgeholt. 3n meinet Besprechung des letzten Theatervereinsabends habe ich die Herren Goll und Herrscher zu erwähnen vergessen. Beide ID ar eit recht angemessene Vertreter ihrer kleinen Partien. P. W.

Die Leipziger Theaterkrisis. Aus Leipzig

Erzähler Emil Strauß durch Otto Stoeßl, der RoseAZU^Lud­wig Finckh durch Willy Rath, den...froren Fenillewn-R« daktenr deSFrkf. Gen.-Anz." charakterifietc, wahrend das hessi^ sche Element durch den ui München lebenden DarmftadteL a r [ Wolfskehl vertreten ist, dessen Saul-Drama unser heimischer Dichter Alfred Bock bespricht. An literarhistorische^ Beiträgen enthalt das Heft von Johannes Proelß einen schaZ poleniischeii Beitrag, der sich mrt ScheffelsLaura tm Amchlutz an die neuerschienene Publikationscheffel und Emma Denn beschäftigt, sowie einen Aussatz deS Stuttgarter Archivrats Rudolk Krauß über neuere HauffiStudien. Im kritifchen Teile des HesteS werden ferner noch von südwestdeutschen Dichtern Albert Geiger, Mar Gtad, der verstorbene August Becker, die FrantsurternS Elisabeth Mentzel, Alfred Mombert, WilhelmHolzam eu«. in einzelnen Besprechungen behandelt. Die PvAäts von Albe^« v. Puttkamer, Emil Strauß und Ludwig Finckh smd dem öeitC beigegeben. .

Ten preußischen Seminarien soll vom Kultusministerium unbegreiflicherweife die Anschaffung der Werke^von L>uder< mann, Hauptmann und Ibsen für die semmarbcklw- theken verboten worden fein.

Frau Doeng es, die Primadonna der Leipziger Oper^ wird vom 1. Juli 1907 ab einem Rufe an die Frankfurter Oper folgen.

Berlin, 10. März. In den Sälen des Landesausstellungs- Parks fand heute die Eröffnung der Ausstellung für Säug­ling s P f I e g e statt. Bald nach 11 Uhr erschien die Kaiserin. Professor Dr. Teubner legte die Bedeutung der Ausstellung dar.

Braunschweig, 10. März. Im herzoglichen Hoftheater sind gestern die Uraufführung des SchauspielsGerb ino und! 8 o r a i b c" vom Braunsckweiger Rechtsanwalt Tr. Topp statt. Die Premiere lMtte einen durchschlagenden Erfolg. Verfasser unttz gSaqtt« mußten wiederhol.^ vor der Rampe erscheinen.

schreibt man: Run haben wir infolge des Rücttritts Prof. Arthur R ikischs nickt mehr bloß eine Opernkrisis, sondern eine rentable StrattheaterkrisiS, da Rikiscks Demission die ^taegemannfchen Erben veranlaßt hat, um Lösung des Theaterpachtvertrags zu ersuchen. Sckwuspieldirektor Folkner bewirbt fich um die Packt Wer aber auch das Szepter in die Land bekommen mag, es herrscht hier ziemliche Nebereinstimmung darüber daß die Leip­ziger Stadtverwaltung jetzt vor die Frage gestellt ist, ob sie .siir die Zukunst ein Theater ersten Ranges haben will oder nickt. Sie wird es nickt bekommen, wenn sie das Theater fernerhin al« erwünschte GinnalymcqueHe anfieht und weiter fedes Jahr rund 70 000 Mk. Pacht in die Tasche stecken will, eine ^umme, die viel zu groß ist. als daß der Päafler mit feinen 20 Prozent 7wch große künstlerische Sprünge machen und viel für die Hebung des ganzen Kunstinstituts tun könnte. Die Kunst heE Opfer, und sie werden überall gem gebracht; steuern doch Städte wie Köln, Franksurr a. M., Straßburg usw. lahrltch tfber 200 000 M k. zur Erhaltung ihrerhe ater bei' Leipzigs theatralisch Knick ist auswärts nicht bcfonders hoch angeschrieben. Ursack)e? Die Finanzmisere.

Das literarische Echo gibt soeben feine zweite März-Nummer alsS ü d w e st d eut s sie s H e f t" heraus Der Würzburger Universitätsproiesior Heinrich ^chneegans leitet dav Heft mit einem Ueberblick über die zeitgenoffiscke Dichtung des Elsasses ein, und Stefan Zweig gibt eine femimmge Charakten,ttk der Dichterin Alberta v. Puttkamer, die einen protzen Teil ihres Lebens als Gattin des kürzlich gestorbenen Staatssekretär^ m Elsaß-Lothringen leb.tt, um dann nach Baden-Baden ickerzufiedeln. Sie selbst erzählt in einer autobwgravhifchen eti^e von der Zeit, da sie in ihrem Straßburger Salon alles vereinigen fminte waä geistiges Leben hieß, und datz )ie durch bad Zu- samme'nfasscii elsässischer und ueudeutscker Elemente eine Wechsel- Ä -r.b deutsch« Kultur ton eigenartigem Reiz erlebtt. ~ Bon schwobtrch^ Lichtern werden jshapn der

Eine furchtbare Bergwerks-Kata^ophe ist in den Gruben von Courrieres (Nordsrmrd:erchl erfolgt. Ein F e u er brach, tote uns ein am < aus Sitte eiugegaugenes Telegramm meldete, daswir bald durch Aushang bekannt gaben aus einem Schachs wus und nahm bald eine sehr große.^^nirng an. Etwa 1800 A r b e i t e r, die sich in den drei Schachten befanden, fmb twt der Außenwelt vollständig b g e sch n r t t en. Da° Lustschächte sind verschüttet, ebenso der H-ordcrschacht, aus, dem baushol'e Flammen emporschlugen.

Tie Grubeni'atastrophi: wurde dadurch hervorgerufen^ daß durch den ausgebrochenen Braud eine Exploston schlaf genber Wetter erfolgte. In drer Schachten ftirr^te Verschalung der Schächte em. Don den 1800 Arbeitern' die eingesahren sind, sind bestimmt 1219 um g ekom m en. Um 11 Uhr begann das Rettungswerk.

Rach späteren Depeschen aus Lens ist ftflgeftE, datz in den Gruben 1795 Bergleute emgefahren srnb Bon dresen sind bisher 591 in Sicherheit. Mau bebauert, datz alle Rettungsversuche vergeblich smd, da dre Stollen etn^ O^^Mai?be'fürchtet, daß es sich um ein Unglück von: bisher noch nicht dagewesener Große H-Mdelt. Tie Szenen, die sich an den Schachtemgcmgen absptelen^ sind erschütternd. Zwei Oberingenieure wurden fast erstickt zu tage gefördert, und nachdem ihrs Wiederbelebung hingen war, nach Lens gebracht.^

lieber die wahrscheinliche Urfack>2 der Katastrophe teilt ein Ingenieur folgendes mit: Am letzten Sonntag (vou 8 Tagen!) brach in Schacht Nr. 3, welcher den Schach­ten i und 2 direkt verbunden ist, em Brand aus. Utrt das Feuer zu lokalisieren und zu ersticken, wurden mit Holz und mit Mörtel und Zement Verstärkte Holzver­schalungen angelegt. Doch durften diese entweder^ zu weit von dem Feuerherd oder nicht dicht genug gewefen sein. Jedenfalls muß man annehmen, daß das Grubengas sich! in großer Menge mit der cingebnmgenen Luft vermischen konnte und baß infolgebessen bic furchtbare Explosion statt-, fanb, welche bie Zertrümmerung der Schachtgange unp tien Einsturz der Decken herbeifiihrte. Die Staatsanwaltschaft soll festgestellt haben, daß der Brand schon vor un­gefähr Monatsfrist ausgebrochen war- ^ben-^ falls hatten die Ingenieure der Gesellschaft schon vor mehreren Tagen Besorgnisse wegen der Ausdehnung des Brandes gehegt und mehrere Schachte einer emgeijenbeni Besichtigung unterzogen; es heißt aber, daß nichts außer^ gewöhnliches bemerkt worden fei. S-te ®er9leutt machen die Gesellschaft für die KatastrophS

Fran Elfgen Richter, Grob-Lichterfelbe-Berlin.

Erschüttert von dem Hingang unseres unvergeßlichen Führer?, dieses wahrhast edlen Patrioten, dessen ganzes Leben nur gewidmet war dem Wohle imb der Freiheit seines Volkes, übersenden wir Ihnen, geehrte Frau, Geflihle inniger Teilnahme an dem Verluste eines old)tut Mannes. ,r. . . .

Freisinniger Verein Greven.

NamenS deS LandesauSschuffes der w ü rt t e m b e r g i s ch e n Volkspartei haben bie Herren Hugo Elsas und Friebrich Haußmann folgende Beileibsbcprsche an die Reichstagsfraktion der freisinnigen Volkspartei gerichtet: r

Tie württembergische Volksvartei trauert am Grabe Eugen Richters. And) im Süden 'vird das Wirken des. glänzendsten Vertreters des bürgerlichen imb konstitutionellen Gentes fruchtbar bleiben. Wir werden fein Andenken dankbar hochhalten.

DieNordd. Allg. Ztg.- schreibt u. a.:

Die Nachricht von dem Hinschciden des Führers der frei, sinnigen Volkspartei wird in weiten Kreisen Deutschlands austich- tinc Teilnahme Hervorrufen. Richter war eme der marrantesren und bekanntesten Persönlichkeiten im Reichstage; er genov allge­meine Wertschätzung, weil er sich auch bei denen, ferne post tifche Richtung grundfätzlich für verfehlt, unfruchtbar und für das neue Reich verhängnisvoll hielten, doch perfonlich Sympathreen als zuverlässiger, politischer Charakter zii erwerben verstand. Bo- litisch bewährte er sidi iu seiner Stellungnahme gegenuoer der So­zialdemokratie. Ter Versuchung, der andere freis. dv'Urk^ erlegen sind, die Ziele des Freihaudcls auf einem dem tiefsten. Gerste bc, Parlamentarismus zuwiderlaufenden Wege zu verwnklrchen, hat

polUifd?c Lcegesscharr.

Zwischen Maximilian Harden und Hans Leuß ist ein Streit entstanden, der jetzt öffentlich ansgefochten wird. Leuß, ein früherer Antijemitenführer, der wegen Meineides 5 Jahre int Zuchthause zngebracht hat, hatte den Herausgeber derZukunft" unzulässiger Bor, en- Spekulativneu bezichtigt; Harden gibt m der neuesten Nummer seiner Wochenschrift zu, daß er Papiere billig gekauft uud teuer verkauft habe, bestreitet aber, daß irgend etwas Unzulässiges passiert sei. Seinerseits beschuldigt er Leuß eines wankelmütigen und uneMcn Verhaltens, ^cr Vorwärts" aber schreibt:

,Auf den Streit zwischen den beiden würdigen Herren kommen wir später zurück; ^ute beschränsin wir uns um einer etwaigen. Legenvcnbildung vvrzubcugen, darauf, zu konstatieren, daß weder Herr Leuß einsozialdemokratischer Journalist', noch btc ,-E'urova eme sozialdemolratische Wochenschrift gewesen ist. Herr Leuß yal zwar früher gelegentlich fiir bas eine ober aiiberc Partewlatt eine Kleinigleit geschriebeii, aber als zur Partei 6ehorig ist er mcht betrachtet w-orden, und hat er fick wohl ouchsclbst raum be­trachtet. Er war bekanntlich Redakteur derMorgenpost , die auck .Herr Harden schwerlich als sozialdemokratiickes B.at. an­sehen wird. .Und dasselbe gilt von der 2goa)enfchristEuropa . Ihr Herausgeber mag sich vielleicht in seltsamer -Selbsttäuschung Tür einen «Sozialdemokraten gehalten haben; doch ist sein ^.latt niemals von der Partei anerkannt worden."

Hans Leuß ist jetzt also zum Bedauern derStaatsv.- Ztg", wie sie selber sagt, jo weit, daß selbst die Sozial­demokraten ihn von den Rockschößen abschutteln.

Zu Bernhards Ausweisung aus der sozialdemokratischen Partei.

Herr E. Krumm schreibt uns:

Herr Schriftsteller Georg Bernhard ist aus der Partei au§° geschloffen worden, weil er seine satzungSgemäßen Beitrage an fei ne Organisation nicht bezahlt. Ihre Vermutungen, daß B. aus anderen Gründen ausgeschlossen wurde, find hiwallig. So berichtet derVorwärts" und der weiß es doch jedenfalls genauer wie Sie. ,

In den beiden letzten Nummern desVorwärts" ist eme solche Erklärung nicht enthalten. Ob sie in einer früheren Nummer tatsächlich erschienen ist, können wir heute nicht mehr feslstellen. Wir zweifeln indes nicht daran. Immerhin werden die von dem offiziellen Parteiorgan angegebenen Gründe doch wohl nicht ohne weiteres als die allein stichhaltigen anzuseben. Verschweigt doch derVorwärts" mit Vorliebe alles ihm Unbequeme, um ihni Genehmes um so breiter zu treten.

Reiche vereint

Ter freisinnige Verein für den 1. hessischen Reichstags-Wahlkreis.

Mtche und Schule.

Prinzessin Ena von Battenberg soll anläß­lich ihres UebertrittS zum Katholizismus dem Papst 3 Millionen Franken Angeboten haben. Die öiirnme soll zu Gunsten der latholischen Kirchen in ^rank- reich Verivenduuq finden. _____ _________

Erstes Blatt ISS.Jahrgang Montag IS. März

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yFFSVHT Ä /-yTi V _ jährlich Alt. 2.20: durch

Glesitner Amelger

General-Anzeiger ** .