Ausgabe 
11.10.1906 Zweites Blatt
 
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gteräjc rechtliche "Behandlung beider Religionsgemeinschaften zur größten Ungerechtigkeit werden.___________________________

lCird?c itttfc Schule.

Dem Pfarrer Erich Förster in Frankfurt wurde von der theologischen Fakultät der Marburger Universität der Ehrendoktor verliehen in besonderer Anerkennung seines kürzlich erschienenen Buches, in dem er den Ursprung und die Vcrfasiung der preußischen Landeskirche unter der Regierung Friedrich Wilhelms UL mit gewissenhaftester Be­nutzung der Geschichtsquellen darstellte.________________________

Aus Stadt und Lau-.

Gießen, 11. Okt. 1906.

** In Audienz empfangen wurden von S. K. £>. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Mcdizinalrat Dr. Vogt von Butzbach und Professor Dr. Körte von Gießen.

Der Theatcrverein beginnt seine Vorstellungen am Freitag, 26. d. Mts., mit einer zum Gedächtnis von Heinrich Laube stattfindcnden Aufführung desGraf Efsex". AlS Vertreter der Titelrolle wurde der Helden- darsteller deS Frankfurter Schauspielhauses, Richard Kirch, gewonnen. Im Laufe des Winters veranstaltet der Verein ferner eine Jbsen-GedächtniSfeicr, bestehend aus Vor- trag und Rezitationen, sowie einer Aufführung der »Frau vom Meer", als welche Irene Tr i e sch-Bcrlin gastieren wird. Anmeldungen zur Mitgliedschaft des Vereins werden noch von Herrn Cha Hier entgegengcnommcn, jedoch baldigst erbeten, weil die Verlosung der Sperrsitze in Kürze vor­genommen wird. Der Mitglicdsbeitrag beträgt 5 Mk., er wird aber bei Entnahme eines Abonnements auf die sechs Vorstellungen wieder gutgeschriebcn. Die Mitglieder haben ferner Preisermäßigung bei den Stadttheater-AbonncmentS und auch bei den Tageskarten der TheatcrvercinS-Vor­stellungen.

** Konzert Charles Greß. Konzertmeister Charles Gieß, der in unserer Stadt durch seine künstlerischen Leist­ungen als Mitglied der Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regi­ments bestens bekannt ist, beabsichtigt am 25. Oktober d. I. im Neuen Saalbau einen Künstlerabcnd zu ver­anstalten, und es ist wohl zu hoffen, daß der geschätzte junge Künstler ein volles Haus bekommt. Nachdem Herr Gieß seine Dienstzeit beendet har, verläßt er demnächst unsere Stadt, um als Konzertmeister in das Knrorchester zu Nizza einzutreten.

Die Mitglieder des VolkserzieherbundcS Hessens und der benachbarten preußischen Gebiete treffen sich am 13. Oktober in Frankfurt. Oberlehrer Dr. Strecker spricht über »Goethes Weltanschauung". Anschließend daran behandelt der Geschäftsführer deS Rhein-Mainischcn Ver­bandes für Volksvorlesungen, Gg. Volk, daS ThemaWie können wir für Goethes Weltanschauung wirken?" Ein Pro­gramm der Volksbildung.

** Evangelische Landessynode. Die 10. Sitzung der7. ordentl. evangel. Landessynode wird am 6. November norm, abgehalten. Auf der Tagesordnung steht: 1. Ein­weihung des Sitzungssaales, 2. Verkündigung neuer Einläufe, 3. Berichtsanzeigen, 4. Beratung und Beschlußfassung über: 1. die Vorlage des Großh. Oberkonsistoriums über die Ver- hältnisie und Zustände der evang. Landeskirche in der Synodalperiode 19001904 betr.; 2. den Antrag des Abg. Jost, die dienstlichen Funktionen der Geistlichen in den Ge­fängnissen betr.; 3. den Antrag des Abg. Dingeldey und Genoßen, Uebersicht der Urwähler bei den Gemeindevertretungen betr--Die voraussichtliche Dauer der Tagung beträgt 5 bis

7 Tage. (Darmst. Ztg.)

* In Amerika verstorbene Hessen. Franz Fischer aus Biskirchen, 82 Jahre alt, starb zu Dayton, O. Adolf Mayer aus Worms, 80 Jahre alt, ein 1848 Freischärler, zu Cleveland, O. Johann Otto aus Cappel, 65 Jahre alt, zu New Castle, Pa.

** Prächtige Herbsttage diesmal! Hier und da hat eine kahle Roßkastanie die Schuppenhüllen von einigen der dicken Gipfelknospen ab gestreift und noch einmal auf grünen Kandelabern zum Abschied weiße und rote Blüten­kerzen aufgesteckt. Da und dort reifen noch leuchtende Beeren, aber alle diesen Gaben des Herbstes vermögen uns keinen Ersatz zu bieten für die tagtäglich kahler werden­den Baumkronen. Immer mehr lockern sich in den kalten Nächten die buntgefärbten Blätter und immer mehr reißt der Windhauch am Tage herunter. Eigentlichen Herbststurm haben wir heuer ja noch nicht gehabt. In einer abgelegenen Gartenecke richten wir einen Platz her, dazu bestimmt, das jetzt zusammengehärkte Laub aufzunehmen, und wenn es dann in mehrmonatigen Zwischenräumen umgesetzt wird, so verwandelt es sich in leichte Baumerde. Auch die Vogel­welt weiß trotz des Sonnenscheins, daß es Herbstzeit ist. Fast alle Sänger haben uns schon verlassen; diese Woche noch die Schwalben. Eben singen die zu Hunderten ver­sammelten Staren im Lindenbaum ihre Abschiedslieder.

** Einen netten Witz machte ungewollt ein Bauer bei einem Beamten unserer Gegend. Bauer: »Mir kenne nett mi beschtih. Da Schtoatsobgoawe nemme ewerhahnd." Beamter: »Aber, lieber Mann, was für Staatsabgaben haben Sie denn zu zahlen?" B.: »Aich, auch hu jetzt wirre 3 Meder Holz off dem Schteucrzell stih, muß 3 Moark 70 Penning sir Groaß un 4 Moark fir Ebbil bezoahle. doaß naut?!"

§ Reiskirchen, 10. Okt. Unser neues Pfarrhaus ist jetzt im Rohbau vollendet, die innere Fertigstellung findet im nächsten Frühjahre statt.

s. Fellingshausen, 10. Okt. Wiederum ist unser Dorf um ein wohlansehnliches Gebäude reicher geworden. Stolz^ und erhaben steht die neuer baute Schule da, in würdiger Feier wurde sie heute ihrer Bestimmung über­geben. , Als Ende des vergangenen Jahrhunderts unser Kirchlein baufällig geworden war, mußte aufs neue der schon längst geplante Schulhausneubau in den Hintergrund treten. Es galt zuerst den Kirchbau vorzunehmen, dem jetzt nach einem Zeitraum von drei Jahren die neue Schule gefolgt ist. Unter Leitung des Kreisbaumeisters Achen­bach - Biedenkopf wurde durch Maurermeister Schneider- Gömrern die Schule im Rohbau vorigen Herbst vollendet. Recht vorteilhaft präsentiert sich die an der Straße Rod­heimGladenbach neu errichtete Schule. Zur Emweihungs- feierlichkeit waren il a. erschienen der Regierungsschulrat von Wiesbaden, der Kreisschulinspektor von Rodheim, Geistliche und Lehrer aus der Nachbarschaft. Ter Festzug nahm vor dem alten Schulhaus Aufstellung, woselbst Warr er V o m e 1 - Rodheim die Abschiedsrede hielt. Vor

dem neuen Schulha'us angcfom'mcn, hielt Lehker Feix eitle Ansprache, worauf der von ihm geleitete gemischte Chor den ChoralNun danket alle Gott" fang. Hierauf ergriff der Vertreter der Regierung das Wort. Er wies auf den dreifachen Zweck der Schule hin, daß in ihr der Geist Gottes herrschen, sie aber auch eine nationale und deutsche Schule sein solle. Darauf erfolgte die Schlüsselübergabe, und die Festversammlung hielt ihren Einzug durch das geschmückte Portal in den ersten Schulsaal, Woselbst nach dem Gesänge der SchulkinderO selig HauS" der neuernannte Lehrer Eckhardt ein geführt wurde. Hieran schloß sich eine Be­sichtigung der Lehrsale und Lelrgegenstände an. Den Ab­schluß fand die Feierlichkeit bei Kaffee und Zwetschenkuchen.

(?) Aus dem Biebertal, 7. Oft. Die Kaninchen­züchter der hiesigen Gegend rüsten sich zu der am 13., 14. und 15. Oktober im Garten und Saal von Gastwirt W. Vender- Rodheim stattsindenden K a n i n che n a u s ft e l l u n a. Es wird dies die große Lokal- und Geflügclausstellung vom Zuchtverein Kinzenbach und Umgegend sein und wir können mitteilen, daß diese Schau ihre Vorgängerinnen qualitativ und quantitativ über­treffen wird. Und das ist ja auch der Zweck der Kaninchen­ausstellung, der Mlgemcinheit die Fortschritte in der Zuckt aller Rassen vor Augen zu führen. Der Liebhaber und der Züchter und Kenner wird ob der Mannigfaltigkeit des Dargebotenen in der Kleintierzucht hin überrasckt werden. Der Preis von Ein­trittskarte und Los ist aus 30 Pf. festgesetzt. Für den S o n n t a g ist Konzert und Tanz vorgesehen. Die Gewinnliste wird durch den Gießener Anzeiger bekannt gegeben.

)( Wetzlar, 9. Okt. Der Umbau und die Erweiter­ung unseres Güter-undPersoncnbahnhoss wird circa 5 Jahre in Anspruch nehmen. Der Gütcrbohnhos wird nach Garbenheim hinaus verlegt, er ist bereits von dem Unternehmer Weimer-Gießen in Angriff genommen. Vis zur Fertigstellung dieses Teils des Bahnhofs sind 2Vi Jahr vorgesehen. Der Wiesen­grund bei Garbenheim wird durch die Mhebung des Würzbergs bei Wetzlar aufgefüllt. Es sind 300 000 Kubikmeter Erbmassen zu bewegen. Die Kosten des Güterbahuhoss belaufen sich auf 655 000 Mark. Garbeuhcim soll gelegentlich des Umbaus eine Haltestelle erhalten. Nach Beendigung des Güterüahnbofs wird der Personenbahnhof umgebaut.

Ettingshausen, 10. Okt. Der Klapper st orch kehrte dieser Tage hier bei einer Zigeunerin ein und be­scherte ihr in dem alten Rathaus ein kleines Mädchen. Tags darauf wurde das Zigeunerkind auf den Namen Helene Steinbach getauft und die junge Mutter setzte' schon wieder ihre Wanderung fort.

/\ Butzbach, 10. Okt. Ein auswärtiger Karussell­besitzer mißhandelte in der Trunkenheit in früher Morgenstunde seine Frau, die laut um Hilfe schrie. Als die Polizei einschreiten wollte, verbat sich die Frau da§ energisch. Immerhin dürfte die Polizei dem ruhestörenden Ehepaare ein Andenken verschaffen.

x. Mücke, 10. Okt. Wer mit dein 2.19 Uhr-Zug von hier nach Gießen mit der vierten Klasse fährt, der muß sich nicht ohne Grund darüber wundern, daß dieser Zug nur einen Wagen vierter Klasse mit sich führt. Da gerade gegenwärtig durch die Billettsteuer die vierte Klasse verhältnis­mäßig stark benutzt wird, so ist der Wagen oft überfüllt. Das ist besonders Montags der Fall, wenn die über Sonn­tag zu Hause gewesenen Arbeiter zurückfahren. Die Ein­stellung eines zweiten Wagens würde wünschenswerte Abhilfe schaffen. Vielleicht tragen diese Zeilen hierzu bei.

x Stumpertenrod, 10. Okt. Gegenwärtig wird unsere Kirche einer gründlichen Renovation im Inneren unterzogen. Da die Ausführung nach Anordnung des Großh. Denkmalspflegers, Prof. Walde, geschieht, so ist eine stilvolle Ausstattung der Kirche gewährleistet. Die Wiederherstellung der an den Emporbühnen befindlichen Gemälde, welche Christus, die vier Evangelisten und die zwölf Apostel bar» stellen, liegt in Händen eines bewährten Frankfurter Künstlers. Obwohl diese Bilder den ländlichen Stil verraten, sind sie doch von Kunstintereffe. Man hofft, daß die Kirche noch in diesem Herbste fertiggestellt werden wird.

0 Aus dem Ohmtal, 10. Okt. Einen solchen Vorrat von Ob st Honig haben unsere Hausfrauen seit einem Menschen- alter nicht bereitet, wie im heurigen Herbste. Die Töpfe reichen nicht aus den Honig zu faffen, und die Topfhändler machen gute Geschäfte. Kaum ist ein Töpferwagen in eine Ortschaft gelangt, so hat er auch schon ausverkauft. In gleicher Weise wie Honjgkelter und Honigkessel sind auch die Zwetschendörren in Anspruch genommen. Die wenig er­giebigen Zwetschenernten der letzten Jahre haben vielfach zum Zerstören der sonst in fast allen Gärten befindlichen Dörren geführt und jetzt fehlen sie. Die Zwetschen sind trotz des wundervollen Oktoberwetlers soweit in der Reise vorgeschritten, daß sic massenhaft an den Bäumen faulen. Sie müssen mit­hin notgedrungen verarbeitet werden.

x Alsfeld, 10. Okt. Zn Ehren des von hier scheidenden Kreisrats Geh. RegierungSrat Dr. Melior ver­anstalteten der Kriegerverein und die Freiwillige Feuerwehr eine Abschiedsfeier und einen Fackelzug. Kreisrat Dr. Melior war seit 1896 hier tätig.

Darmstadt, 9. Okt. Die Arbeiten zur Ver­setzung deS Landes-Kriegerdenkmals auf dem Paradeplatz sind zur Zeit im Gange. Für die Stelle, die das Denkmal bisher einnahm, bezw. vor das Portal des neuen MuseumsgebälldeS ist ein Springbrunnen mit Bassin projektiert, flankiert von zwei mächtigen Ftaggenstöcken. Das Gelände des PlutzeS, welches recht? und links von der Auf­fahrt liegt, wird mit vertieften Rasenparterren ausgestattet. Die Eröffnung des neuen DluseumS wird nunmehr voraussichtlich am Geburtstage deS Großherzogs, 25. No­vember, erfolgen, wenn nicht etwa das auf den gleichen Tag fallende Totenfest zur Wahl eines anderen Tages Veran­lassung geben wird. (D. T. Anz.)

Mainz, 9. Okt. Ein armer jüdischer Hausierer und Händler mit Lumpen und Knochen, NamenS Grünewald, der nieift von Unterstützung seiner Glaubensgenossen lebte, beerbte einen Onkel seiner Frau) der in den Vereinigten Staaten starb und kam hierdurch in den Besitz von 3 5 0 000 M a r k. Der Mann, der seither ein elende? Tach- sämmerchen bewohnte, mietete sich eine Wohnung von acht Zimmern, kaufte sich für 5000 Mark Möbel und lebt jetzt wie ein Grandseigneur.

Alzey, 9. Oft. In einer in Wonsheim abgehaltcnen Versammlung der Bürgermeister des Kreise? Alzey hielt Bürgermeister Dr. Sutor-Alzey einen Vortrag über die Bestellung von Schulärzten. Sämtliche Vertreter der 50 Gemeinden erklärten sich mit den Ausführungen des Redners einverstanden und beschlossen, T)ic erforderlichen Schritte für alsbaldige Einführung von Schulärzten zu tun. Weiter forderte der Redner, daß der Schularzt auch Mitglied des

Schulvorstandes sein soll, sowie die Aufnahme der Gesund­heitslehre in den Seminarunterricht. Die jetzige Einrichtung, wonach in den hessischen Lehrerseminaren nur im Oberkursus Unterricht darin erteilt wird und auch hier im ganzen nur 15 Unterrichtsstunden daraus verwendet werden, sei un- gemi gend.

Vier Kinder innerhalb eines Jahre? ist der Rekord, den eine junge Mutter in London ausgestellt hat. Ein englischer Arzt berichtet in der medizinischen Fachzeit­schriftLancet" über den Fall, der gewiß einzigartig dasteht. Am 16. Oktober v. Js. leistete er der jungen Fran, die damals erst 19 Jahre zählte, die erste ärztliche Hilfe bei ihrer Niederkunft. Sie gab einem Pärchen von Zwillingen, Mädchen, da? Leben, die sich stark und kräftig entwickelten. Am 25. September gebar sie abermals ein Zwillingspaar, diesmal Knaben, sodaß sie zurzeit vier Kinder hat, die noch nicht ein Jahr alt sind.

Ein erschütterndes Ehedrama spielte sich vor kurzem in Jedenspei gen (Niederösterreich) ab. Die dortigen Kleinhäuslers-Eheleute Josef und Jofesa Gauners- dorfer lebten beständig in Unfrieden. Als der Mann, ein Alkoholiker, am 9. v. Mts. nach einem neuerlichen heftigen Streite sich mit einer Mistgabel bewaffnet und seine Frau mit den Kindern auS dem Hause gejagt hatte, schlich sich nachts die Frau an sein Bett und versuchte, ihn durch einen wuchtigen Hieb mit einer Hacke zu töten. Die Schneide der Hacke bohrte sich in die linke Gesichtshälfte des Mannes ein, dem hierbei der Oberkiefer und mehrere Zähne vollständig zertrümmert wurden. Der Mann hatte noch die Kraft, bei Nachbarn um Hilfe zu rufen und stürzte bewustlos zusammen. Er wurde nach Wien ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Die Frau blieb mit Rücksicht auf die sieben Kinder auf freiem Fuß. Als nun Josef Gaunersdorfer jetzt al? Rekonvaleszent nach Halise zurückkehrte fein Gesicht ist durch die fürchterliche Verletzling total entstellt wurde Josefa Gaunersdorfer wegen Mordversuch? an ihrem Gatten verhaftet und dem Bezirksgerichte Zistersdorf eingeliefert

* Siam. Wie verlautet, ist der seit einer Reihe von Jahren in siamesischen Diensten stehende deutsche Ober­postassistent Collmann zum vorläufigen General­direktor der Posten und Telegraphen ernannt worden.

GcrSchLssaaL.

Koblenz, 10. Okt. Das Kriegsgericht der 15. Division ver­urteilte den Oberleutnant Lavorte vom Fußartillerie- Regiment Nr. 9 wegen Herausforderung zum Z w e i k a m p f und ben Oberleutnant Witte vom Infanterie-Regiment Nr. 26 wegen Kartelltragens zu je einem Tage Festung. Die Verhandlung land unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit statt. Die Sache spielte sich in Berlin ivegen einer Dame ab.

Chemni tz, 9. Okt. Die Strafkammer verurteilte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Halisfriedensbruches, groben Unstigs und Ruhestörlmg den russischen Fürsten B e b e t o w und acht andere Hörer des Mittweidaer Technikums zu je einem Monat Gefängnis.

Tie hitzige Käse-Emma. Einen Ueberschuß an Tmi- perament scheint die Verkäuferin Emmy Blaser in Berlin zu haben. Wegen wiederholter Beleidigung mußte sich Fräu­lein B. vor dem Schöffengericht verantworten. Vor nicht langer , Zeit war Emmy noch die Seele des Buttergeschäfts von Beck, in welchem sie als Verkäuferin angeftellt war. Sie zeigte aber wiederholt ihrem Chef gegenüber ein derartig hitziges Tem­perament, daß dieser es vorzog, Fräulein B. zu entlassen, nachdem diese ihn: gedroht hatte, sie werde ihm den ältesten Käse, der in dem ganzen Geschäft zu finden sei, an den Kopf werfen. Die Dame klagte auf Auszahlung ihres Gehalts für zwei Monate. Die Klage wurde zurückgewiesen. Daraufhin richtete Fräulein B. an das Kaufmannsgericht eine Postkarte, in der sie kurz und bündig ersuckte, ihrden dämlichen. Wisch" möglichst bald zuzustellen, da sie weitergehen wollte. Da sie die Urteilsansfertigung nicht schon am nächsten Tage erhielt, beschwerte sie sich über dieBummelei" und erklärte, in der Zeit könne ja ein alter Esel wieder jung werden, bis sie, dieses blödsinnige Urteil erhalten habe." Als sie auch nach einigen Tagen das verlangte Urteil noch nicht erhielt, richtete sie einen neuen Brief an das Kaufmannsgericht. In diesem schimpfte sie wie ein Rohrspatz. Sie selbst brauche ja. ben Quatsch" nicht, sondern ihr Rechtsanwalt. In sehr drastischer Weise erklärte Emmy ferner, sie selbst würde damit nur eine im Interesse der Reinlichkeit gebotene Handlung vornehmen: im übrigen könne ihr das gesamte Gerichtden Buckel runter rutsche n". In dieser lieblichen Tonart war der ganze Brief gehalten. Der Gerichtshof erkannte auf eine Geld­strafe von 30 Mark.

Landwirtschaft.

(p.) Aus dem Kreise Wetzlar, 11. Okt. Die Obst­ernte geht bei uns zu Ende. Die Ausfuhr an Obst_ machte diesmal viele Waggons weniger aus, als in guten Obstjahren. Aepfel lieferten im allgemeinen nur geringe, strichweise, aber auch befriedigende Erträge. Anfänglich war die Nachfrage nach Tafeläpfel sehr rege, ließ aber bei den hohen Forderungen der Produzenten 12 bis 15 'Mark für den Zentner etwas nach. Tafelbirnen kommen nur wenig zum Verkauf. Der Preis der Zwetschen, die in Unmenge geraten waren, ist in den letzten Tagen von 2,50 Mk. auf 3,80 Mk. ä Zentner gestiegen. Ein Gluck, daß der Herbst diesmal so sonnig ist. Auch für das Ausheben der Kartoffeln war dieses Wetter erwünscht. Was den Ausfall der Kartoffelernte angeht, so kann man von einer schwachen Mittelernte sprechen. Ter Zentner kostet denn auch bedeutend mehr als voriges Jahr, 3 Mark und 3,25 Mark. ________________________________________

Die meisten Menschen T Armut des Blutes T zu wissen und ertragen unnötiger Weise viele hieraus sich ergebende Störungen der Gesundheit, welche wie nachstehender Brief beweist, leicht zu beseitigen sind.

Hamburg, Carolinen flraße 20 a, den 30. August 1906. Mit Gegenwärtigem sehe teb mich veranlaßt, Ihnen Einiges über Bioson" mitzuteilen. Meine Schwester bat jetzt ca. 8 Pakete verbraucht imb ist die Wirkung merklich -m sehen. Früher litt sie sehr an Körperschwäche und Bklitarmut. Hclite versichert sie mir, daß sie sich jetzt völlig gesund und kräftig fühlt; auch hat sie jetzt ein viel gesünderes Aussehen. Ihr Körpergewicht bat um 51 /, P'und zugenommen und hofft sie, cs noch mehr zu erhöhen durch fort­gesetzten Gebrauch des Bioson; eine Freundin derselben hat das Präparat jetzt auch in Verwendung genommen. Meine Schwester bat mich gebeten, Ihnen hierdurch gleichzeitig ihren verbindlichsten Dank auSztlsprechen imb wird sie es nicht unterlassen, das Bioson überall zu emplehleu. Hochachtungsvoll! gez. C. H. Tewes. Bioson ist in Apotheken, Drogerien usiv. das halbe Ktlopaket zu drei Mark erhältlich. Feder Arzt kann auf Wunsch über die Lorrüolichkeit des Bioson Auskunft erteilen» [b/i»