Nr. 265
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Ließen
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Rotationsdruck imb Verlag der Brühl'fchen Universilälsdruckereu R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Cchulstr.7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
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egen iojortige Vergütun,-
wählen schatten schon hinein. Es gibt sogar Leute, die Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Neulvahlcn in politische Rechnung einstellen.
Zur politische» Lage i» Hesse».
Ausland.
London, 9. Nou. hie,:ge Blätter berichten, hat Sir Eduard G^ey von Tittoni eine Note erhalten, worin gcsagl wird, daß die Erneuerung des Dreibundes erfolgt sei und dnß int neuen Vertrag Italien größere Bewegungsfreiheit zugeslanden worden sei.
Paris, 9. Nov. Von einem wchlinforniiertcn Parlamentarier kommt die Mitteilung, daß nach allseitiger Ratifikation des Protokolls von Algeciras Frank-
Erschetnl ILgNch mit Ausnahme des Sonntag», Tie „Gießener Samtlienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der ^hesflfch« EanbroUr* erscheint monatlich einmal.
denn die Polen werden im Reichstag, wo das dort ausschlag, gebende Zentrum ihnen den Rücken deckt, ganz anders vom Leder ziehen als im preußischen Landtag, wo man sie flugs niederslimint.
Und der Reichstag im ganzen? Run, er hat durch die Diäten das Rüstzeug, das ihn befähigt, den Parlamentaris'- muS vor der Gefahr der Verflachung zu bewahren, auf Grund der regelmäßigen Beschlußfähigkeit in weniger Zeit mehr zu leisten, als in den durchschnittlich siebenstündigen Sitzungen, wie sie Graf Ballestrcm zur Gewohnheit werden ließ. Die Anregung, wie bei uns in Hoffen, den Samstag und Montag sitzungsfrei zu lasten, damit für die KommissionS- arbeit mehr Zeit bleibt, könnte also sehr wohl entsprochen werden, im Interesse auch der entfernt wohnenden Abgeordneten, die über Sonntag nach Hause zu reisen genötigt sind.
Eine arbeitsreiche und anstrengende, aber auch ungewöhnlich interessante, vielleicht entsch e i du n gs - volle Session steht nach alledem in Aussicht. Die Neu-
potttrsehe Cagesschcr«.
Ter Reichstag.
»Der Mann, den sie am 5. April krank auS dem Reichstag hi^austrugen, mag auf den gesündesten Beinen der Welt zurückkehren: er wäre kränker als zuvor, käme er zurück, gebunden an die Gesellschaft des Herrn v. P o d dielS ft.- So schreibt die »Naiionalztg.* an die Adreste deS Fürsten Bülow, int Hit blick auf den Wiederbeginn der RcichStagSsihungen. ES kann indessen wohl als feststehend gelten, daß man bett Kanzler und den Gutsherrn von Dalmin nicht mehr zusammen an der BundeSratsestrade sehen wird. In der ersten großen, voraussichtlich auf den 15. dS. fallenden Debatte über die Fleischten er ung dürfte, wie jetzt angenommen wird, Fürst Bülow namenS der Regierung das Wort ergreifen, und hoffentlich zu einer Erklärung, die sich von der vor- jährigen des Herrn v. Podbielski vorteilhaft unterscheidet. Im eigensten Interesse deS Kanzlers selbst liegt es, daß er baldigst vor der Volksvertretung erscheint, denn die Ocffent- lichkeit wünscht ohne Verzug darüber aufgeklärt zu werden, ob Fürst Bülow weiterhin gewillt und imstande ist, die Teuerung abstellen zu helfen.
In vollem Umfange wird sich ein Urteil über die „Konstitution^ der Negierung im allgemeinen und des leitenden Staatsmanns im besonderen freilich erst gewinnen lasten aus dem Verlaufe der Generaldebatte zum Etat. Hier gilt eS herkömmlicherweise für die Volksvertreter, mit der Negierung abzurechnen, und hier wird diesmal in den Reden der Partei- führer die Unbehaglichkeit der inneren und äußeren Situation in einem Maße sich wiederspiegeln, daß von den verantwortlichen Staatsmännern die triftigsten Gründe und überzeugendsten Darstellungen geltend gemacht werden muffen, wenn das Volk wieder volles Vertrauen zu den gegen- wartigen Leitern der Politik gewinnen soll. In der Etatsdebatte wird diesmal nicht das Rededuell Bebel-Bülow das bemerkenswerte sein. Die bürgerlichen Parteien, die den Fürsten Bülow einigermaßen verwöhnt hatten, sind bis inS Lager derRechten hinein beunruhigt, verstimmt, mißtrauisch. Im vorigen Jahre sprach Fürst Bülow von der »unerfreulichen* internationalen Lage. Ec wird diesmal kaum umhin können, zuzugebcn, daß die Situation sich im Aeußern wie im Innern absonderlich genug anläßt, um im Volke einerseits ein beträchtliches Maß von Pessimismus, andererseits den Wunsch zu rechtfertigen nach einem zielbewussten, starken, von »Nebenregierungen* unabhängigen Kabinett.
Ob diesbezügliche Erwartungen an das Kabinett Bütow noch geknüpft werden dürfen, dafür wird auch von Belang sein, waS der Staatssekretär Freiherr v. Tschirschky dem Reichstag zu sagen hat. Er leitete ja während des Sommers die auswärtige Politik, reiste nach Wien und Rom, und stand in engster Fühlung mit dem Kaiser, während der Kanzler in Norderney weilte.
Nicht in letzter Linie werden sich Staatssekretär Frhr. v. Stengel und der preußische Kriegsminister v. Einem dem Reichstag mit Erklärungen zu präsentieren haben. Man wünscht zu wissen, was es mit den angekündigten neuen Steuern und mit den Militärforderungen auf sich hat. DeS weiseren wird mit Spannung erwartet das parlamentarische Debüt des neuen Kolonialdirektors Dernburg, dem wohl der berühmte »Enthüller*, Abg. Erzberger, gar
Fleischtcuerung.
Gera, 9. Nov. In der heutigen Sitzung deS Landtages erklärte die Negierung, sofort Schritte bei dem Bundesrat tun zu wollen, um eine Linderung der Fleischnot hcrbeizuführcn.
Karlsruhe, 9. Nov. Eine Abordnung der Städte wurde heute hier vom Staatsminister v. Dusch und Ministerialdirektor Braun vorstellig, um Abhilssmaßregeln gegen die Fleischteuerung zu erwirken. Der Staatsminiiter erklärte, daß er den durch die Steigerung der Fleischpreise nnd den Rückgang deS Fleischkonsums eingetretenen Not- stand in weiten Kreisen der Bevölkerung durch- aus anerkenne und lebhaft beklage. Von dieser Auf- saffung ausgebend hat auch die badische Negierung ihrem Bundesrats-Bevollmächtigten Instruktion erteilt, für alle Maßnahmen behufs Herabsetzung der Fleischpreise, insbe- sondere durch beschrankte Oeffnung der Grenzen gegen die Niederlande und Dänemark energisch einzntrcten. Die Oeffnung der Grenze gegen Frankreich sei m letzter Zeit mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche erheblichen Bedenken begegnet. Die badische Regierung wird auch künftighin alle d,e Maßregeln dringend befürworten, die ohne Schädigung der einheimischen Viehzucht eine Milderung des jetzigen Notstandes hcrbcizuführen geeignet seien.
bald das Exzellcnz-Leben schwer machen wird. Es kann nicht fehlen, daß in den Kolonialdebatten das Trio Tippelst kirch-Fischer.PodbielSki wieder auftaucht. Von de anderen Seite naht der »polnische Kinderkreuzzug*
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Die österreichische Wahlreform.
Im österreichischen Abgcordnetenhause ergriff bei der Beratung der Wahlreformvorlage Ministerpräsident Freiherr von Beck das Wort: Er erinnerte an die bedrohlichen Folgen, welche der Mangel eines organischen Zusammenhanges zwischen den breiten Schichten der Bevölkerung unb der parlamentarischen Vertretung der letzten 40 Jahre gezeitigt habe. Wir dürfen nicht mehr länger politisch zurückbleiben. Durch die Vertiefung und Verwertung der Volksrechte müffen die weitesten Kreise des Volkes an staatliche Interessen geseffelt und muß der Staatssinn in möglichst tiefe Schichten getragen werden. DaS ist nach meiner Ansicht das probate Mittel zur politischen Erziehung dec Bevölkerung. DaS einzige Mittel, den Ra d i ka l is mu S, der außerhalb des HauseS gefährlich werden kann, innerhalb desselben aller Stacheln und Spitzen zu entkleiden, und ihn vielleicht sogar für das nationale Interesse nutzbar zu machen. (Zustimmung.) Endlich müffen aber auch die Jahrzehnte langen Kämpfe um daS Wahlrecht abgeschlossen werden, und für absehbare Zeit auS der politischen Erörterung ausgeschlossen bleiben. (Beifall.) Der Minister- präsident spricht sodann die Ueberzeugung auS, daß die Grundbesitzer, wenn sie nur ernstlich wollen, auch im neuen Hause mit verstärkter Autorität die ihnen gebührende Stellung wieder einnehmen können, und appelliert an sie in dem für den Staat und für das Gesetz entscheidenden Augen- blick, staatserhaltend zu sein. Der Ministerpräsident appelliert weiter an die bedingten Anhänger der Wahlreform, nicht wegen einzelner Meinungsverschiedenheiten den großen und dauernden Zweck der Reform auS dem Auge zu verlieren, die einer weisen Mäßigung der Parteien entsprang. Das Reformwerk sei durch eine der allerschwierigsten Kompensationen zustande gekommen, welche die österreichische Verfaffungs- geschichte kennt. DaS Scheitern dieses Werkes wäre gleichbedeutend mit einem Trümmerfelde, welches das Grab der kostbarsten und wertvollsten Interessen wäre. (Beifall.) Dec Ministerpräsident spricht sodann die Ueberzeugung aus, daß die Wahlreform immer tiefer in daS öffentliche Bewußtsein eindringen und die weiteren Volks massen ein volles Verständnis für die Aufgaben des modernen Staates gewinnen werden. Der Ministerpräsident schließt mit dem Ausdruck der zuversichtlichen Hoffnung, daß Oesterreich durch die Ausgestaltung deS Wahlrechtes an seiner inneren Kräftigung gewinnen werde und daß die Vermehrung der politischen Rechte eine neue Klammer für das Gefüge des Staates sein werde. (Lebhafter Beifall.)
Berlin, 9. Nov. In eingeweihten Kreisen spricht man davon, daß Prinz Joachim Albrecht schon in nächster Zeit zum Oberstleutnant befördert werden soll. Er gilt als Nachfolger des Oberst Deimling, der zurückkehren wird, sobald die Ruhe in Südwestafrika soweit hergestellt ist, daß sich die Verminderung des Kontingents durch- führen läßt.
führen. In dieses Kapitel gehört em kleiner Vorfall, der mir von einem Augenzeugen wie folgt berichtet wird: „9lm vorigen Montag besuchte der Kaiser die ?l u t o rn o b i l - A u s sl e l l u n g. Er besichtigte eine Reihe von Verkau'östäuden und weilte unter anderem sehr lange beim Stand einer Stettiner Firma, wo ihn besonders O m n i b u s a u t o rn o b i l e fesselten. Währenddessen stand em Teil seiner Suite interessiert bei der gerade gegenüber diesen Fabrikaten postierten A u t o m o b i l p a n z c r k a n o n e, die Mebennrat Ehrhardt ausgestellt hat. Sie war schon vorher von dem Ableil- ung^chef bei der Arlillerieprü'unghkommiision, Oberstleutnant Kluse, mann, besichtigt worden. Als der Kaiser wieder aus den Gang hiuaustrat, machten ihn einige Herren seines Gefolges auf dieses iiiteresiaute Ausstellungsobjekt aufmerksam. Der Kaiser aber lachte, schüttelte den Kops und — ging weiter." K r u p p hat also an- djeinenb noch immer d»n Monopoltrumpf in dec Hand.
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Klarheit zu verschaffen. .
In welcher Richtung sich drcse Schritte bewegt haben, wird man ja wohl bei der nächsten Kammertagung erfahren, die wahrscheinlich noch in diesem Monat zu erwarten ist.
Inzwischen weichen die Rufer im Streit gegen das Ministerium teilweise bereits einen Schritt zurück. So lesen wir im „Darmst. Tags. Anz.":
<>n der nationalliberalen Versammlung am 4. d. M. ist, wie wir uns nachträglich überzeugt haben, von einem Redner der Vorwurf der P fl i ch t v e r g e s s e n h e i t dem Ministerium allerdings gemacht worden; wir hören aber, daß dieser Ausd'uck vielen Teilnehmern der Versammlung entgangen ist.
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sein Gut zurückkehrte, so krank, daß er aus dem Eoupee g e l r a g e u werden mußte. Jetzt lient er schwer leidend zu Bett. Frau v. Podbielski fürchtet, daß Monate vergehen können, ehe des Ministers Nerven sich wieder völlig beruhigt haben werden Heute hat er zum ersten mal auf eine Viertelstunde aus dem Bett gehoben werden können. Der Minister hegt nicht geringste Sehnsucht, wieder nach Berlin zurückzukehren.
Wir zweifeln nicht daran.
Wir bedauern es, daß ein solch schroffer Ausdruck gebraucht wurde, und fteben nicht an, zu erklären, daß dieser Ausdruck unserer Ansicht nach zu weit geht. Aber es darf auch andererseits eine solche Erklärung nicht zu scharf ausgenommen und auf die Goidwage gelegt werden, besonders aber dann nicht, wenn man die hochgradige Erregung über die Bestätigung des dzialdemokratlschen Scigc'rbnctcn in Betracht zieht.
In einem Artikel der rechts-nat.-lib. „Offenb. Ztg." lesen wir heute:
Wie eine Sturmflut nach der Windstille der künstlichen Zu- rückhaltung brauste nun die künstliche Entrüstung über alle, die es gewagt hatten, das Monopol der radikalen Liga tn Opposition zu machen, zu verletzen. Jetzt arbeiten sie um die Wette, selbst der sonst vornehm auftretenbe „Gießener Anzeiger" hat, wohl nur ungern, dem Frankfurter Marschbefehl Folge geleistet. ,
Wir danken für das freundliche Kompliment der Kollegin vom Main, glaubten aber bisher bessere Orientierung und klügeren Einblick bei ihr annchmen zu dürfen. „Frank- nrter Marschbefehle" haben, wie wir sehen, selbst in dem >er Eschenheimer Gasse doch nahe benachbarben Offenbach eine Zugkraft, wo vielmehr von Wormser Luft.mehr zu spüren ist, als sich mit wahrem Liberalismus vereinen läßt. Wir in Gießen aber tanzen nur nach eigenen FlöLentönen und wundern uns nur bislveilen über oas „Ministerium
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Die amtl. „Darmst. Ztg." teilt mit:
Im Anschluß an unsere Nachricht von dem Gesuche ... Ministeriums um Enthebung vom Amte sind wir weiter mitzuteilen in der Sage, daß alsbald nach Mlehnung des Gesuchs die zunächst nötigen Schritte geschehen sind, um der Regierung über die Stellung der Zweiten Kammer der Äcmdstästde zu dem Ministerium die unerläßliche
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Der Herausgeber des »PlutuS* schreibt in der neuen Nummer seiner Zeitschrift:
Ich schilderte vor einiger Zeit hier ausführlich den Kampf, welchen der Geh. Baurat Heinrich Ehrhardt und seine Unternehmungen gegen das Kauoneumonopol der WeUsirma Krupp
Zweites Blatt 150. Jahrgang Samstag 10. November 1906
Gießener Anzeiger
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Sonnemann" in Frankfurt, wie willkürlich unb sozusagen poradisch es sich über hessische Verhältnisse unterrichten läßt. Wir können unserer Offenbacher Kollegin unter dem Siegel strengster Verschwieaenhei.t versichern, daß uns der Worms-Darmstädter Entrüstungsrummel nebst der stanzen nicht abzuleugnenden Maulwurfsarbeit ebenso erbärmlich vorkommt, wie jetzt der langsame Darmstädter Rückzug. Tie Offenbacher Kollegin erinnert sich wohl unserer Stellungnahme im Falle Korell, in der wir uns wieder einmal nicht ihrer Zustimmung erfreuen dursten. Marschierte sie vielleicht damals nach Frankfurter Ordre? Sollten je von irgend woher Versuche gemacht werden, uns so etwas wie „Marschbefehle" zuteil werden zu lassen, so würden wir unsererseits mit entsprechender Handbewegung nscht miß- zuverstehende Marschbefehle erteilen.
Des Berliner Krisenklatsches Ende.
Die »Nordb. Allg. 3tg/ schreibt:
»Gleichzeitig mit der gestern von uns veröffentlichten Zurückweisung der grün dl of en Gerüchte über eine sogenarnue Ent- lastung des Reichskanzlers ist in einem freisinnigen Blatte ein Artikel erschienen, in welchem der Krisenklatsch neu behandelt unb der Ehef deS Generalslabs, General v. M o l 1 k e, unter handgreiflich falschen Behauptungen über feine Person unb unter Wiederanfwarmung der längst als unwahr gekennzeichneten Anekdote aus dem »Simplizifsimus" als Nachfolger des F ü r st e n Bülow genannt wird. Man kann es nur au> das schärfste verurteilen, daß der Name eines Generals, ^ber als Soldat dem politischen Getriebe völlig fern steht, ohne den Schatten eines Grundes in tendenziöser Weise und m unbestimmten Wendungen als »kommender Mann" in den polililchen Tagesstreit gezogen wird. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß die Gerüchte über den Chef des Generalstabs der Armee jeder tat- sächlichenGrundlageentbehren/
Diese Erklärung ist resolut und einwandfrei. Vermutlich flammt sie vom Fürsten Bülow selbst. Sie mißbilligt das Hineinziehen des Generals in den politischen Tagesstreit. Gleichwohl kann man der Regierung den Vorwurf nicht er- sparen, daß sie der Entstehung be§ .Krisenklatsches* nicht besser vorgebeugt hat. Den ganzen Sommer hindurch, mit den kolonialen Enthüllungen beginnend, dann zu Herrn v. Podbielski, zur Firma TippelSkirch und zur Firma Woermann übergehehend, schließlich beim Reichskanzler anlangend, waren die Erörterungen über die innere Krisis an dec Tagesordnung. Alles, was man von der Regierung erfuhr, war, daß zur gegebenen Zeit unumwundene Mitteilungen gegeben werden würden. Exuüttelungen, Erhebungen, Untersuchtingen wurden längst zum Abschluß gebracht, die Tippelskirch-, d-.e Podbielski-, die Putt kam er-Affäre u. s. w. sollen in jeder Beziehung vollständige Klärung gefunden haben, der unter dem Verdacht dec Bestechlichkeit verhaftete Major Fischer wurde, nachdem sich der Verdacht als unbegründet herauSgesiellt hatte, endlich aus dec Hast entlassen, die Fleischteuerung erregte allenthalben die Gemüter — ober immer noch mußte die Oeffentlichkeit au authentische Aeußerungen der Regierung toarten. Statt des „ReichSanzeigers* nahmen echte unb unechte Offiziöse das Wort, einer bementierte den andern, unb bas Wolff'sche Telegraphenbureau häufig alle beibe. Ist cs zu vecwunbern, daß in der schwülen Luft der Ungewißheit der politische Klatsch üppig gedieh? Fürst Bülow hätte weniger geheimnisvoll sein sollen, dann wäre die Politik freier von Unruhe unb Unmut geblieben.
Auf eine telephonische Anfrage hielt bie B. Z. auS der Umgebung des LanbwirtschaftSchinisiers v. Podbielski die Nachricht, daß dieser bettlägerig sei und daß in seiner nächsten Umgebung von einer Genehmigung des Abschiedsgesuches noch nichts bekannt war. Die Deutsch. Tagesztg. erklärt ebenfalls, bestimmt zu wiffen, daß die Genehmigung des Abschiedsgesuches des LandwirtichastS- Ministers bisher noch nicht erfolgt ist. Auch die Kreuzzeitung bestätigt dies. Ueber das Befinden des Ministers wird aus Dalrnm folgendes mitgeteilt:
Herr von Podbielski war, als er Ende der vorigen Woche auf


