Aufforderung gegenüber gespannt zu sem. Das mit England so eng liierte Frankreich hat bereits durch den Mund Leines Admirals Thomson seine Absage erteilt, und über 'einige höfliche Redensarten und Verbeugungen werden auch die anderen Regierungen nicht hinausgehen. (Inzwischen hat das der ftanzös. Ministerpräsident Sarrien bereits qetan. D. Red.) Und sie können es auch nicht, weil sic damit die Existenz.oder zum wenigsten die Selbständigkeit ihrer Staaten aufs Spiel setzen würden. Für Deutschland besonders liegt in dem plötzlich erwachten englischen Abrüstung seifer, der ganz deutlich seine Spitze gegen die Verstärkung der deutschen Flotte richtet, eine ernste Bedrohung, imb darum sollten wir doppelt auf der Hut sein. Wir wollen an den guten Wsichten der jetzt herrschenden Liberalen in England durchaus nicht zweifeln, aber die Garantie, daß sie ewig an der Herrschaft bleiben, werden sie uns schwerlich geben können. Zudem rst es für England ein verteufelt gescheiter Gedanke, jetzt, wo es auf dem Gipfel seiner Macht steht, Mrüstung oder doch Einschränkung der Rüstungen den andern Mächten anzuempfehlen. Was besagt das denn anders, als einen recht offensiven Vorstoß zur Stabilierung der jetzt bestehenden Machtverhältnisse, um Englands Weltherrschaft für die Dauer zu besiegeln? — '5Euf diesem Weg kommen wir in unserer Zeit schwerlich zmn Ziele, viel wahrscheinlicher dagegen zu dem „frischen, fröhlichen Kriege" (den sich ja auch der österr. Feldmarschalleutnant Potiorck, ein sonderbarer Schwärmer, sehnlichst erhofft! D. Red.), der gerade vermieden werden soll. Solange noch die Staaten ihrem innersten Wesen nach Raubstaaten sind, wird an eine allgemeine Ab r ü st u n g ü b e r hau p t n i ch t zu denken sein, vielmehr wird jedes aufstrebende Volk in der größtmöglichen Vervollkommnung seiner Kriegsmittel seine erste und vornehmste 'Ausgabe erblicken. Anders kann es erst werden, wenn neben die jetzt herrschen- LenSchichten in allen Völkern andere Schichten mit ausschlaggebendem Einfluß treten, die in eigenstem Interesse den Schlachtruf „Krieg dem Kriege" erheben. Eine Umgestaltung der sozialen Verhältnisse in allen Staaten ist also die Grundbe- dingung für eine dauernde Wrüstung.
17. Landes-Versammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes.
X Niedernhausen, 12. Juni.
(Schluß.)
Auf der Abgeordneten-Vcrsammlung der Zweigvereine waren 53 Orte mit 10 077 Mitgliedern vertreten, darunter aus Oberhessen, Allendorf, Alsfeld, Billertshausen, Butzbach, Eckartshausen, Friedberg, Geiß-Nidda, Gießen, Gonterskirchen, Kirtorf, Laubach, Leusel, Nidda mit Michelau und Unterschmitten, Nonnenrot, Ober-Gleen, Ruppertsburg, Schotten, Sellnrod, Stornfels, Ulfa, Villingen, Wallernhausen mit Fauerbach und Zell. Die Berichte der Zweigvereine gaben ein anschauliches Bild von der Arbeit, welche zur Sammlung des evangelischen Volkes und zur Stärkung deutsch-protestantischen Wesens allerorts in Angriff genommen »ist. Von den Vorsitzenden wurde zweier Männer gedacht, die im letzten Jahre verstorben sind und sich um die Sache des Evang. Bundes verdient gemacht haben, des Professor Dr. Marx von Worms, gewesenen Mitgliedes des Vorstandes des Hilfsausschusses, und des Direktors Dr. Weiffenbach von Friedberg, vormals Mitglied des Hauptvorstandes.
Folgende Resolutionen wurden angenommen:
1. Die Hauptversammlung empfiehlt den Zweigvereinen ruv wirkungsvollen Förderung unserer Vundeszwecke und zur Erstarkung des evangelischen Bewußtseins ihre regelmäßigen Vortrags- und Familienabende nach der Seite hin auszubauen, daß sie auch die Freude an deutscher, auf dem Boden des Evangeliums stehender K u l t u r a r b e i t pflegt. — Ferner empfiehlt sie die Gründung von Volksbüchereien deutsch-evangelischen Geistes und von Gemeindeblättern, sowie die Errichtung oder Unterstützung jedweder evangel.-christlicher Liebestätigkeit, insbesondere der Gemeindepflege und hierzu nötigenfalls den Zusammenschluß benachbarter Gemeinde-Vereine zu Bezirks- Vereinigungen.
2. Der Vorstand des Hessischen Hauptvereines wird ersucht, bei der Zentrale des Bunde? die Aufstellung eines Kataloges guter, des evangelischen Bewußtseins weckender und stärkender Bücher für Volksbüchereien zu veranlassen.
Am Abend des zweiten Tages war der Zudrang so groß, daß in zwei Sälen Versammlungen abgehalten wurden, die eine von Lehrer Eichmann-Niederhausen, die andere von Lehrer Arras von Steinau eröffnet und geleitet. Begrüßungen brachten dar: die Gemeinde Niedernhausen (Bürgermeister Beilstein), das Kirchenspiel Niedernhausen (Pfarrer Vogt), der Zweigverein Niedernhausen (Forstwart Hechler), der Posaunenchor (Landwirt Ad. Becker), christliche Gewerkschaft von Billings und Groß-Bieberau (Steinmetz Pohl-Groß- Bieberau), der Zweigverein Groß-Bieberau (Beigeordneter Voltz und Bäckermeister Späth), der Kirchengesangverein Niedernhausen (Schneider Schwöbel). Herzliche Dankesworte sprach der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins und der Kirchengesangverein und Posaunenchor wirkten wiederum mit.
Interessante Reise- und Geschichtsbilder gab Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg. Er schilderte die kirchlichen Verhältnisse der Schweiz und von Savoyen in Vergangenheit und Gegenwart. Die Worte des Redners gipfelten in der ernsten Ermahnung an die Zuhörer, unseren evangelischen Glauben treu zu bewahren und sich seiner würdig zu erweisen. Mit hinreißender Beredsamkeit wußte Pfarrer Ropfermann von Caub a. Rh. seines Themas gerecht zu werden, das lautete:
Baut der Bund oder reißt er nieder?
Unter allen Vorwürfen, die bem Bunde gemacht werden, ist nicht der geringsten einer, er sei nur zum Niederreißen da, seine Aufgabe fei nur, zu kämpfen, seine Kraft liege im Verneinen. So sagt man ihm nicht allein von katholischer Seite nach.
Aber der Bund bekennt sich in feinem Programm zu Jesus Christus. Er sammelt die evangelischen Gemeinden; er weckt auch in solchen wieder Freude und Anteilnahme, die bisher abseits standen; er gibt durch seine reiche Literatur Hunderttausenden Anregung und Förderung für ihr Glaubensleben. Er schützt die großen Männer unserer Kirche und fördert dadurch die Ideale unseres Volkes. Er nimmt sich der evang. Bewegung, besonders in Oesterreich, an; er ist in christliche Liebestätigkeit praktisch eingetreten. Indem er die Gefahr des Ultramontanismus aufdeckt und ihr zu Leibe geht, schützt er deutsches Wesen. Dagegen predigt er Ehrfurcht vor aller wirklichen Religiosität in der lathol. Kirche.
In der letzten Abgeord neten-Versammlung
gab Pfarrer Berk von Wald-Michelbach, Schriftleiter des Hess. Bundesboten, einen Bericht über dieses Organ, der eine Auflage von über 15 000 hat. „Für Gemeinde, Kirche und Vaterland arbeitet der Evang. Bund, also auch sein Bote". Darum hat er die Geburtstage des edlen Fürsten Philipps des Großmütigen und des großen Dichters Friedrich v. Schiller mitgefeiert. Darum stellt er immer wieder Luther und Bismarck dem Volke vor die Seele. Ebenso ist er stets auf dem Plan, wo es gilt, zu wahren und zu wehren. — Zum Festort des nächsten Jahres wird auf Einladung Worms beftimmt
Zum Höhepunkt der Tagung führte die Mitglieder- versammlnng des letzten Tages. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Pfarrer Lic. Waitz, in der er den Vorwurf gegen den evang. Bund, als störe er den konfessionellen Frieden, zurückwieS, ergriff Oberkonsistorialrat Flörin g aus Darmstadt das Wort, um von dem Großh. Oberkonsistorium „die wärmsten Grüße und Wünsche zum Feste zu bringen". Es stimmte die Versammlung zur dankbaren Freude, ausgesprochen zu hören, daß es für die Hess, evang. Kirchenbehörde selbstverständlich ist, die freie Tätigkeit eines Vereins zu schützen, der die Wahrung der deutsch-pro- testantischon Interessen sich zur Aufgabe stellt, und es war ganz aus dem Sinne der Bundesmänner gesprochen, daß der Evang. Bund nicht kämpft um deS Kampfes, sondern um höherer Interessen willen, und daß schließlich der siegt, der den stärkeren Glauben, die tieferen Gedanken, das festere Herz und den weitesten Blick hat.
Es folgten Begrüßungen seitens des Zentralvorstandes und durch den geschäftsführenden Vorsitzenden Direktor Lic. Everling aus Halle a. d. S., der mit flammenden Worten das Bundesband zu rühmen wußte, das All-Deutschland umschlingt; ferner durch Dekan Keil (Dekanat Reinheim), der zur rührigen Arbeit aufforderte, durch den Dekanats-Stellvertreter Pfarrer Knodt von Groß-Zimmern (Dekanat Groß- Umstadt), der mit wahrer Begeisterung besonders vom Evang. Bunde rühmte, daß er das innerkirchliche Leben befruchtet, die Lauen und Flauen weckt.
Ebenso grüßt der Zweigverein Niedernhausen nochmals durch Lehrer Eichmann von Niedernhausen: Nachdem Rummel von Darmstadt Bericht über die Rechnung erstattet und ihm für seine musterhafte Rechnungsführung und feine mühevolle und selbstoerleugnende Slrbcit Dank ausgesprochen war, folgte ein Vortrag des Lic. Everling-Halle a. d. S. über das Thema: „Was lernen wir ans den landläufigen Bedenken über unsere Bundesarbeit?" Der Evang. Bund hat sein Existenzrecht schon darum, weil weder der Staat, noch die politischen Parteien, noch die evang. Kirche die Arbeit tun können, dir er tut. Ein Volksbund zur Wahrung deutsch- protestantischer Interessen ist eine Notwendigkeit in unserer Zeit, und sein Ruf zur Sammlung ist Ijeiite notwendiger denn je. Auf die anderen Bedenken, er störe den konfessionellen Frieden, er reize zum Widerstand und trage so §ur Verschärfung des konfessionellen Hader bei, er verwirre die Gemüter, und anderes, fallen angesichts der Tatsachen in sich zusammen. Der Evang. Bund will nicht religiös verletzen, aber ultramontane Herrschaftsansprüche klar und deutlich zurückweisen, die Gewissen der Evangelischen, besonders der im öffentlichen Leben stehenden Männer, schärfen, und dies Alles nicht aus Angst vor den Gegnern, auch nicht au§ Angst ums Evangelium, sondern aus Angst um die Zukunft des deutschen Volkes." Es war eine mächtige Begeisterung, die dieser Vortrag heroorrief, die zusammenstimmte mit der Begeisterung, die folgendes Antworttelegramm Sr. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs auSlöste:
„Für treue Grüße danke ich allen herzlichst.
Ernst Ludwig."
Es wurde von der Versammlung stehend angehört und mit einem begeisterten Hoch auf den Landesfürsten beantwortet. Das Lutherlied, gemeinschaftlich gesungen, bildete den Schluß der Tagung.
Ein Festessen auf der Burg Lichtenberg, durch zahlreiche Tischreden gewürzt, schloß sich an die Tagung an.
Ferner erfreute ein von Lehrer Laute nschläger unter Mitwirkung einheimischer und auswärtiger Kräfte veranstaltetes schöne? Kirchenkonzert die Festteilnehmer._____________Bt.
Der Friedberger Stratzenrarib vor den Geschworenen.
th. Gießen, 13. Juni.
Heute verhandelte das Schwurgericht gegen den 30 Jahre alten Taglöhner Heinrich Kutscher aus Herzberg, Kreis Torgau, wegen Straßenraubs. Der Angeklagte ist wegen Bettelns und Diebstahls sechsmal vorbestraft.
Die Linklage vertritt Staatsanwalt Neuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Peters. Der Angeklagte ist geständig, daß er in Gemeinschaft mit einem nicht ermittelten Genossen, den er nicht kennen will, und der dem Dialekt nach ans Bayern stammt, am 24. Februar ds. Js. zwischen Friedberg und Fauerbach dem Färbergesellen Paulini seiner Baarschaft und seiner Habe beraubt hat.
Paulini sagt als Zeuge aus, er sei mit dem ihm bekannten Kutscher und dessen Genossen am 24. Februar in der Herberge zur Heimat zusammen getroffen. Dort habe er beiden mehrere Glas Bier bezahlt und schließlich habe man eine Flasche Branntwein, die er bei sich gehabt hätte, ge- meinsam geleert. Der Herbergsvater, der den SchnapSgemiß in der Herberge nicht duldet, hat darauf das Kleeblatt an die Luft befördert, und sie gingen in eine Wirtschaft, um für Paulinis Geld weiter zu kneipen. Der Färber lud die Beiden zu einem Ausflug nach Ufingen ein. Schon hatte man am Bahnhof die Fahrkarten nach Ufingen gelöst, aber man war in einen falschen Zug geraten. Der Ufinger Zug ging ohne die drei ab, sie ließen sich ihr Fahrgeld wieder geben und legten es in einer Wirtschaft in Bier und Schnaps an. Inzwischen war es Abend geworden, der nicht ermittelte Genosse aus Bayern machte den Vorschlag, nach Fauerbach zu gehen, wo er einmal gedient hätte. Paulini erklärte, er sei angetrunken gewesen, wisse aber genau, was auf dem Wege mit ihm vorgegangen fei. Als man die Eisenbahn passiert gehabt, habe ihn der Bayer in die Hosentasche gegriffen, sein Messer genommen und es geöffnet. Drohend habe er ihn gepackt und gerufen, „Geld und alles heraus, sonst steche ich dich nieder". Man habe ihm die Taschen durchsucht, ihn seiner au§ 17 Mark bestehenden Baarschaft, seiner Papiere sowie seiner sonstigen Habseligkeiten beraubt. Der Angeklagte habe ihm zwar auch in die Tasche gegriffen, sei aber der weniger
Beteiligte gewesen. Auf Antrag des Staatsanwalts Reuß bejahten die Geschworenen die Schuldfrage wegen Straßenraub und bejahten das Vorliegen mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof den Angeklagten zu lJahr 1 Monat Gefängnis verurteilte, auf welche Strafe 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung kommen.
Vermischtes.
* Vom Vater mit der Schnapsf lasche tot- geschlagen. Der Arbeiter Frankowski aus Pätz bei Königswusterhausen wurde, wie wir bereits mitteilten, unter dem dringenden Verdacht, feinen jüngsten Sohn ermordert zu haben, verhaftet. Frankowski behauptete, daß der Knabe aus dem Bett gefallen fei und sich dabei die tätlichen Verletzungen zugezogen habe. Jetzt hat der älteste Sohn des F. ausgesagt, daß der Vater den kleinen Bruder aufgefordert habe, gerade zu stehen, doch fei der Junge immer wieder hingefallen. Da habe der Vater mit der Schnapsflasche auf den Bruder so lange geschlagen, bis dieser ganz stilllag. Diese Darstellung findet ihre Bestätigung durch den Obduktionsbefund, der unter anderem zwei durch Schläge mit stumpfen Instrumenten hervorgerufene Verletzungen am Kopfe der Leiche ergeben hat. Gegen Frankowski dürfte die Anklage wegen Totschlages erhoben werden.
Gerichtsssal.
DaS gefälschte Tckanatözeuguis.
Durch eine Urkundenfälschung hat der Studiosus der R e cb t e Otto R. aus Königswusterhausen seine Existenz vernichtet. Er stand vor der ersten Straskauuner des Landgerichts II, zu B c r l i n. Zu Anfang des Wintersemesters 1902 ließ sich R. in Berlin immatrikulieren, nachdem er vorder ein Stipendium aus einer Stillung erhalten hatte. Diese schreibt vor, daß nach Ablauf des ersten Seinesters dem Stistungsvermalter ein Prüsungszeugnis vorgelegt werden muß. R. hatte etwas gebummelt und iürchlete daher, daß das Zeugms nicht besonders gut ausfallen dürste. Er nahm zu einem verwerflichen Mittel Zuflucht. Eines Tages erschien R. bei dem Amlsvorsteher in Königswusterhausen und ersuchte diesen um Abschri't eines von dem Unwersitälsvrofessor Geheimrat Kahl angeblich ausgestellten Dekanatszeugnisses. Der Amtsvorsteher entdeckte zufällig, daß auf dem Original Rasuren vorgenominen waren. Er behielt das Schriftstück zurück und reichte es der Staatsanwaltschaft ein. Ans photographischem Wege ivurbe sestgestellt, daß das Datum auf dem Zeugnis gefälscht worden ivar. Da der Verdacht nahe lag, daß R. ein altes Zeugnis gefälscht hatte, um das Stipendium von neuem zu erlangen, wurde gegen ihn Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Die Strafkammer sprach den Angeklagten damals frei. Der Verteidiger führte damals aus, daß jenes gefälschte Tekanatszeugnis gar nicht eine beweiskräftige Urkunde sei. Nach den Statuten der Friedrich Wilhelms-Universität vom Jahre 1816 habe nicht der einzelne Professor, sondern nur die gesamte juristische Fakultät als solche Behördenqualität. Auch eine Privalurkunde sei in jenem Schriftstück nicht zu erblicken, weil eine Beweiserheblichkeit für Rechtsverhältnisse hierzu erforderlich sei. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob jedoch das Reichsgericht das freisprechende Urteil auf. In diesem Erkenntnis wird ausgeführt, daß jenes Zeugnis den Charakter einer Privalurkunde trage. Nach dem Gesetz vorn 21. Juli 1852 würde sich der Professor K. einer disziplinarischen Ahndung aussetzen, wenn er zu Unrecht ohne Prüfung jenes Zeugnis ausgestellt hätte. Durch die Fälschung des Angeklagten habe aber jenes Zeugnis diese Eigenschaft und fonüt in einem eventuellen Verfahren eine Beweiskraft erlangt, so daß die Urkunde als eine solche im Sinne des Strafgesetzes anzusehen sei. In der erneuten Verhandlung beantragte der Staatsenwalt ein Jahr Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Werthauer plaibierte aus eine erheblich mildere Strafe, da R. schon schwer genug dadurch bestraft sei, daß er seine ganze Existenz vernichtet habe. Der Gerichtshof erkannte auf s e ch s Monate Gefängnis.
— Im Prozeß gegen den Oberst Hüger führte Justizrat Dr. Wallach als Verteidiger vor der Strafkammer in Dortmund aus, es habe ihn schwer bedrückt, daß die Staatsan-- waltschast über den Anyeschuldigten eine Gefängnisstrafe in Antrag gebracht hat. Wenn Sie diese Strafe über den Oberst Hüger verhängen, dann kann ich wohl mit Sicherheit sagen, daß Sie über den Oberst das Todesurteil sprechen werden. (Lebhaftes Bravo im Zuhörerraum.) Das Urteil Dürfte am Freitag spät oder am Samstag zu erwarten sein.
HanHeL und Verkehr, Volkswirtschaft.
— Zur B ö r s e n l a g e. Am Montanaktienmarkt macht sich trotz der Fortdauer der günstigen industriellen Konjunktur eine ausgesprochene Verstauung bemerkbar, so daß die meisten Aktien dieser Gattung, die schon nt den letzten Tagen uin V3—1 Proz. ab- bröcfelten, nunmehr schärfer rückgängig sind. Wir notieren z. B. Bochumer Bergbau- und Gußstahl gingen von 257 dis 253, Buderus Eisenwerke 1,20 Proz. zurück, Deutsch-Luxemburger wichen bis 210, Eschweiler von 266,10—273,75, Gelsenkirchener von 223—221, Harpener von 218—217, Massen von 149,20—147, Vereinigte Königs- und Laurahülte von 247,50—245,70. Es ist eben des Unberechenbare der Börse, daß sie heute das verwirft, worauf sie sich gestern noch stützte. Rheinische Firmen sollen als Verkäufer auftreten. Man muß dies als eines der alten, schon oft gemachten und immer wiederkehrenden Manöver bezeichnen: Wenn die Tresors überfüllt sind, dann wird geleert um jeden Preis; später aber, sobald die Stimmung wieder nach oben tendiert, wird Material schnell wieder hereingeholt. Die sereusen Besitzer von Aktien mögen sich von der gegenwärtigen, gänzlich unklaren und auch ungesunden Situation nach keiner Richtung hin beeinflussen lassen. Die Spekulation von Beruf forciert es förmlich, daß sich das Privatkapital vom „Geschäft" scrnhält. Der ß o m b a r b c n r u m m e l erfährt seine Fortsetzung. Wie lange er noch anhält, ist allerdings auch eine Frage, die ansängt heikel zu werden. Die Sanierungsperiode auf die jetzt schon gebaut wird, war bekanntlich von 1902—1917 vorgesehen. Wohl wird infolge der über Erwarten günstigen Entwicklung der Erträgnisse der Abschluß der Sanierung wesentlich früher erfolgen können, aber die verfrühten Dividendenerwartungen der Aktionäre sind keineswegs am Platze. Die entschiedenen Erklärungen, die in der letzten Generalversammlung seitens der Verwaltung sowohl ivie des Prioritäten-Kurators abgegeben worden sind, lassen keinen Zweifel, daß die Verwaltung allem Drängen nach vorzeitiger Dividendenzahlung entschiedenen Widerspruch entgegensetzen und darauf sehen wird, daß der Sanierungsreserve erst alle ihr znkommenden Beträge effektiv zurückerstattet werden, ehe der Gewinnanspruch der Aktionäre beginnt.
Ginge-an-t.
(Für den Inhalt der unter diei'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei
Verantwortung.)
Wird in diesem Sommer der Bach, der noch teilweise die Stadt durchivandert, nicht ivic alljährlich geräumt- Es ist geradezu gesundheitsschädlich für, die Anwohner bei der jetzigen Witterung die wohlriechenden Düfte, die dem Bach entsteigen, Tag und Nacht einatmeu zu müssen, namentlich ist in der Sonnenstraße ein großer Mißstand, da dort Häufet abgebrochen werden und durch den Schlitt die Flüssigkeit gehemmt wird. Hoffentlich genügen diese Zeilen daß Abhilfe geschaffen wird.
M obrere A n w ohne r. 1
Für Blutarme, Nervöse I9J
{nie« (Weizen-Lecithin-EIWEISS).
mPa rllClin Tägliche Ausgabe ca. 25 Pfg.
In Apotheken, Drog. — Wissenschaft!. Literatur kostenfrei.
Dr. Volkniar Klopfer, Dresden-Leubnitz.


