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13.1.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 11

Erscheint tLyNch mit Ausnahme deS Sonntag«.

DieSlehrner Lamiliendlätteri' werden dem Anzeiger tnenrml wöchentlich beigelegt. Tcr ^hesstiche CanöwUf** erschemt monatlrch einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, Universitätsdruckerei. ÖL Lange, Greben.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.

Lei. Nr. 61. Lelegr.-Adr.: Anzeiger Grehea-

Zweites Blatt 1Z6. Jahrgang Samstag lb. Jarmar 1DO(>

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Amis- und Anzergeblatt für den Kreis Sietzen.

Do-sähr für Algeciras

Mit Rücksicht aber auf die Er-

Deutsch-Afrika.

Nach den letzten Meldungen des Oberst Dame war die Bande Morengas am Oranjcfluß bei Hartebeestmund und Violsdrift festgestellt worden. Hauptmann v. Lettow- Vorbeck griff am 5. Januar früh bei Duurdrift, 70 Kilo- meter östlich von Warmbad, mit 62 Gewehren eine etwa gleich starke Hottentottenbandc an. DaS Gefecht endete mit deut Abzug des Gegners nach Norden; er ließ drei Tote auf dem Platz, darunter Moren gas Bruder Matthias. 44 ausgerüstete Reittiere wurden den Hottentotten abgenom- men. Auf deutscher Seite fiel ein Unteroffizier; Hauptmann von Lettow, Leutnant Ling und ein Mann w u r d e n schwer, sechs Mann leicht ver­wundet. Gegen Cornelius, der sich in die Aruabberge zurückgezogen hatte, ist erneut eine Streifabteilung in Marsch gesetzt. Bis zum 1. Januar (-oben sich in Gideon 1400 Hottentotten gestellt, darunter 500 Männer, die 162 Gewehre abgaben. Infolge des Aufrufs des Gouver- neurs an die Hereros vom 1. Dezember vorigen Jahre« stellten sich bis Ende Dezember in Omaruru, Cmbiito Otjihaenena 737 Hereros, darunter 190 Männer, mit 28 Ge- wehren. Schwächere HererotruppS griffen immerhin in der Nähe von Windhuk Ende Dezember noch Farmen an, wur­den jedoch zurückgeschlagen.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Retter Emst Thienemann, an Typhus gestorben; Reiter Otto Becker, si-it dem 17. Dezember vermißt.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In mehreren Blättern w'vd der Kolonialoerwaltung der Vorwurf gemacht, daß sie die Beschwerde der Akwa-Häuptlinge mehrere Mo­nate unbeachtet liegen gelaffen und erst durch die Preß- äußerungen veranlaßt worden sei, auf dieselbe einzugehen. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß die Beschwerde- schrift am 5. September 1905 bei der Kolonialabteilung ein- gegangen ist und bereits am 12. Sept, dem Gouverneur mit der Weisung zugegangen ist, sich mit möglichster Beschien - nigung zu den einzelnen Veschwerdepunkten zu äußern. Das Urteil in dem gegen die Akwa-Häuptlinge vom Gouverne- ment eingeleiteten Verfahren, das bis jetzt noch nicht be­stätigt ist, wurde am 5. Dezember 1905 gefällt und befindet sich nach einer Drahtmeldung des Gouverneurs unterwegs, ist also frühestens mit der am 17. Januar i v v a m b u r g eintr essenden Po st ut erwarten.

Fürsten.

Die Kaiserin richtete gestern an den Staats- minister a. D. Schönstedt ein Telegramm, in welchem sie er- klärt, daß sie gern bereit sei, das ihr angetragene Protek­torat über das Komitee zur Errichtung einer Musieranitalt zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit zu übernehmen. , _

DieNordd. Allg. Ztg.- meldet: Zu der Er­krankung des Staatssekretärs Frhr. v. Richt Hof en gingen dem Auswärtigen Amt vielfache Beweise der Teilnahme des Auslandes zu. Der König von England, die Negie­rungen von Großbritannien und der Vereinigten Staaten Amerikas ließen Erkundigungen einzichen.

Der Bundesrat nahm die Ausschußanträge über den Gesetzentwurf betreffend die Abänderung des Abschnittes des BvrscngesetzeS und betreffend die Denkschrift über die Ausführung der'seit 1875 erlassenen Anleihegesetze an.

Dresden, 12. Jan. Eine Versammlung des libe­ralen Vereins bezeichnete das Polizeiverbot der ge­planten liberalen Wa hl rechtsversammlung als eine gewaltsame Beschränkung der Versammlungs­freiheit, die umsontehr unzulässig gerade heute sei, wo die f r e i e M e i n u n g s ä u ß e r u n g besonders notwendig wäre. Dec Verein beschloß, eine Beschwerde gegen das Verbot einzulegen.

__ Am Schluffe des gegenwärtigen Landtag? wird Minister v. Metz sch aus dem Amte scheiden. Zu seinem Nachfolger ist der Gesandte am Berliner Hofe, Graf Hohen- ihal und Belg en ernannt worden.

Stuttgart, 12. Jan. Die Kommission für die Vor­arbeiten zur Herstellung eines G roßschiffa hrtSwegcs auf dem Neckar hat beschlossen, den Regierungen der Neckaruferstaaten vorzuschlagen, es solle der Ausarbeitung des Entwurfes das 600 Tonncn-Schiff mit 65 Bieter Länge

Derrt?ch§§ Reich.

Berlin, 12. Jan. Der Kaiser empfing dieser Tage in einer längeren Audienz Profeffor Wilhelm Haverkamp und erteilte ihm den Auftrag, für die Schloßterraffe der Lustgartenseite di? Statue Wilhelms II. von Oranien zu schaffen. Es ist dies der 1650 gestorbene Statthalter der Niederlande, der Bruder von Luise Henriette, der ersten G. mahlin des Großen Kurfürsten. Die Figur, die in Preuße: gegossen und ziseliert werden soll, wird eine Höhe von 2,50 Meter' erhalten. Der Kaiser machte dem Künstler noch genauere Angaben über das Kostüm des darzustellenden

Neber die russischen Finanzen

pricht sich der Dozent am Polhtechnischen Institut in Kiew, M. Friedmann, folgendermaßen aus:

Unsere Finanzen befinden sich auf einem totenStrange. Ter Krieg hat ungeheure ©nmntcn verschlungen. Steueri- erhöhung, die wieder den armen Bauer treffen würde, kann nicht mehr viel eirbringen: er ist ja ausgepreßt wie eine Zitrone und bei ibm ist nichts jit holen. _ Es wurde em Versuch gemacht, den Handel und die Industrie höher, zu be- stencrn als dies jetzt der Fall ist. Tiefer Versuch stieß ledoch auf Widerstand. Es blieb nichts übrig, als wieder zu aus­wärtigen Anleihen zu greifen. Es wurde eine Anleihe im Betrage von 300 Millionen Rubel nominell in Frankreich ab geschloffen, bei faktischer Verzinsung von ca. 7 Prozent, die naturgemäß den Kurs unserer früheren 4,4 Prozent-Anleihen ungünstig becup lufsen mußte; er fiel von 9394 auf 8588. Tann folgte die 50Ö Millionen Mark Anleihe auf dem Berliner Markte, deren Verzinsung sich faktisch scl-on auf etwas über 7 Prozent stellt. Stellen wir diesen Mleihen die 4 Prozent Staatsrente gegenüber, so wird cs klar, wie sehr u n sc r Kre d i t f i ch v e rsch l e ch- t er t hat. Bis zur Emission der ersten Kriegsanleihe ging die 4 proz. Staatsrente niemals unter 92 herab, die französawe Anleihe ergibt im Vergleich damit einen Kurs von 82 und die Berliner gar von 78. Ist das nicht deutlich? Außerdem ober teilt Professor Migutin mit, daß die Anleihen an die Bedingung gebunden waren, daß der Erlös im Emifsionslaude iclbst, d. y. zur Bc-.ahluna der russischen Staatsaufträge bleiben soll und bei diesen Aufträgen hat Rußland wieder 1218 Prozent über die normalen Preise zahlen müssen.Und diese Bedingungen mußten angenommen werden ebenso wie sie von Japan und den Balkanstaaten angenommen worden waren" schreibt der pa­triotisch gesinnte Migulin . . . Bis jeft ist aus der Pariser Anleihe, die sckM im April 1904 emittiert worden ist, keine einzige Kvpek nach Rußland gekomnicn, und auch ans der stier- liner Anleihe wird sicher kerne kommen: alles wird^nn Ausland bleiben zur Bezahlung mtferer Aufträge und zur Sicherung der Zinsenzahlung auf ältere russische Anleihen.

Die Zinsen müssen aber natürlich doch bezoHst werden, ^azu wird eine Verstärkung der Einnahmen des Fiskus, d. h. Steu er- erhöhuwg erforderlich sein. Tie Regierung hat schon die Vorbereitungen dazu getroffen. Sie wird sich aber auf dreiem gefährlichen Wege populär gesprochen das Genickbrc che n. Tie Ereignisse 'der letzten Zeit haben ja gezeigt, wvhrn er ffthrt. Tie Regierung wird nicht umbin können, an das Volk zu appel­lieren. Tenn nur die Zlibschasiung dos burcaukrat-ssten Regime», die Einführung der VoVoonretung kann die rufftsche «taat--- lvirtschaft sanieren und Rußl-md üark und reich machen.

Aus Polen.

Ein Berichterstatter in Warschau beschreibt einige aufregenden Szenen, die sich während der Unruhen der letzten Tage ereignet haben. Sechs Revolutionäre drangen in die Wohnung eines reichen Bierbrauers und ^Dangen den Hausherrn, ihnen 2000 Rubel auszuhändigen. Als sie sie sich mit ihrer Beute davon machen wollten, sandte ihnen ein junger Angestellter des Brauers sechs Schüsse nach. Einer der Revolutionäre wurde getötet und vier andere erlitten schwere Verletzungen. Ter sechste flüchtete, ohne sich um das Geld zu kümmern. Ter Brauer kam auf diese Weise wieder in den Besitz seines Geldes Ter Gouverneur hat in seiner Bomben angst den Einwoh­nern untersagt, mit Stöcken oder Schirmen aus­zugehen unb die Hände in die Taschen zu stecken (!), was bei 20 Grad Kälte kein Vergnügen ist.

Ter Polizeichef in Aowominsk wurde von den Revolutionären ermordet. , r der Stadt herrscht Paun. Es fanden heftige Straßenkäv pfe statt, bei denen viele A u f stä n d i sch e mit dem Bajonett getötet wurden. Tie Ueberlegenheit der kaiserlichen Truppen steht über allem

nicht anbinden wollen. *

TerKöln. Ztg." wird aus Tanger gemeldet:

Tas hiesigeEco Mauritano" stellt die Tatsache, daß dic deutsche Regierung sich mit den deutschen Kaufleuten in Marotte in Verbindung gefetzt und fich mit den Vertretern der nut Marokko Handel Treibenden in Berlin beraten hat, als ein Vorbild hm für die anderen Mächte, besonders für Spanien. Denn die Ver­treter des Handels feien am meisten geeignet, über die Zustande Marokkos Auskunft zu erteilen und über die Mittel, wie riefe Zustände gebessert werden können, zu unterrichten. Der Rat der geachtctstcn europäischen Kaufleute Marok­kos würde auf der Konferenz von einem wahren Nu tzcn sein. Deutschland bade in diesem Falle wieder einen Beweis seines prakt. Sinnes gegeben.

Mehrere spanische Blätter bringen Betrachtungen über die bevorstehende Konferenz. Tas BlattEl Liberal" er­innert an die Erklärungen des friiheren Ministerpräsidenten Manra über dic marokkanische Küste, die man nach Mauras Ansicht im Interesse der Unabhängigkeit imb Sicherheit als spanische Grenze bezeichnen müffe. Das Blatt drückt ferner die Ansicht aus, dasi Spanien als der Ver­bündete, aber nicht als der Diener Englands und Frankreichs zur Konferenz gehen müffe. Ter Imparcial" fördert einen Patriot. Waffenstillstand in den inneren Kümpfen, damit Spanien auf der Konferenz einig erscheine.

Aus Mgeciras wird gemeldet: Ter französische Kreuzer ,/Galilöe" ist in Begleitung eines Torpedobootes eilige- troffen.

Zweifel.

An8 den baltischen Provinzen.

Während eines Kampfes bei Marienburg int Kreise Hasenpotsi wurden 93Rebet,enersch offen. In diesem Kreise sind 28 Güter a b g eb r aun t. .

Daily Expreß" meldet aus Riga: Eine revolutionäre Bande führte einen Angriff auf einen mit Bargeld be­ladenen Eisenbahnzug aus. Zwei Eisenbahn­brücken wurden mittels Tffnamit zerstört, und einige Wagen des Zuges verbrannt, nachdem die Lokomotive zur Entgleisung gebracht worden war. Bevor die Revolutionäre ihre Beute in Sicherheit bringen konnten, wurden sie von Truppen überrascht und angegriffen. Es entstand ein hartnäckiger Ka mpf, wobei neunMann getötet und zwanzig verwundet wurden.

Von drn Hilfsaktionen.

Königsberg, 12. Jan. Mehrfache 'Mfragen über die Hilfsaktion für die aus Rußmnd flüchtenden Deutschen aus anderen Provinzen und Süddeutschland lassen erkennen, daß dort darüber Zweifel bestehen, ob die gesammelten Spenden oder auch die Eiuzelgaben sofort dem hiesigen §)ilfskomitee zugeführt oder für spätere Unterstützung zuruck- behalten werden sollen. Demgegenüber sei bervorgehoben, daß Geldmittel zur Unterstützung von bal­tischen Reichsdeu tscheu gerade jetzt hier dringend erwünscht sind, da bei weitem der größte Teil der aus Rußland geflüchteten mittellosen Reichsangehörigen vor­läufig in Königsberg Unterkunft gefunden hat. stUrr durch schnelle 5)ilfe und wirksame Unterstützung kann diesen von hartem Geschick betroffenen Landsleuten wieder aufgeholsen werden. Geldsendungen von auswärts sind an den Vor­sitzenden des Aktionskomitees, Oberbürgermeister Koerte, zu

Soviel gute Vorsätze und friedliche Erklär- an gen sind noch keiner internationalen Konferenz voraus­gegangen, wie der Konferenz von Mgeciras. Von allen Serien werden Versicherungen abgegeben, daß feine Macht daran denke, Hindernisse zu schaffen, ^Unbilliges zu ver­langen oder gar einen Konflikt heraufzubeschwören. Ties herzliche Händeschütteln der Diplomaten vor der Oeffentlica- fett erfolgt etwas zu absichtlich; es sicht aus, als wotte jeder Beteiligte für seine Person im voraus die Verant­wortung ablehnen, falls die Verhandlungen doch nicht so harmonisch verlaufen . Es steht auch in einem gewissen Widerspruch zu den hoffnungsfrohen Aeußerungen von dem harmlosen Charakter der Konferenz, daß Italien und die Ber. Staaten Friedensstifterdienste leisten wollen.

Ter ital. Vertreter Visconti Veno st a hat m einer Unterredung mit einem Redalteur desEcho de Paris" im Eiseubahncoupe während iein-r Fahrt zwischen Aijon und Paris ersucht, folgende Erklärung zu veröfsentlichen:

Tie Wünsche ganz Italiens begleiten mich nach Algeciras Tie innig gen Wünscl^e meines Vaterlands, niemes Königs und meiner Regierung haben rin . i.stgcn Zweck, auf der Kon,ercnz dahin arbeiten, dic Schwierigkeiten zu bewältigen, um durch die Herbcifubri'ng einer dauernden Beruhigung einen Frieden für lange Zeit nt sichern. Ich bin meinerseits überzeugt, daß dieser 1- " erreicht wird. Meiner Mission getreu als Freu nd Frankreichs und d c s Fr i cde n s werde ich meine Kruste riebt schonen, um zur Verwirklichung dieses Werkes hmzuur^itcn. Meine Hoffnung geht dahin, ri.?, das Ergebnis unserer Berat­ungen den Erwarttmgen meines Vaterlandes entsprechen werde.

Vom Dreibund erwähnte also Visconti Venolta nichts: das aber wäre erbaulicher gewesen, hätte er es getan. Es wird mutmaßlich so kommen, wie mancher vor- äussagte: daß die Bestrebun gen Italiens iu 'Alge­ciras dahin gehen werden, Deutschland zur Nach­giebigkeit gegenüber den französischen Wünschen zu- zurcden. Erstens werden dadurch die si-cmzösischen, Si'm- patbien gemehrt, zweitens ist es ein Weg für die italienilche Volittk, dem Schrecken ein Ende zu machen, durch den Bündnisvertrag an dic Se' c Deutschlands wider Frank­reich gestellt zu werden. Italien ist der stärkste Gegner des Krieges, weit es die Freundschaft Mit Frankreich nicht verlieren toul. und so wird es jedenfalls die allereifrigsten Anstrengungen machen, daß die Konferenz einen befriedigenden Ausgang nimmt.

Tie Ver. Staaten scheinen eine Ueberraschung in petto zu haben. Mit einem Male sind die kühne Wclt- politik treibenden Mmerikaner mit dem Ausspruch hervor- ictreten, daß sie ebenfalls Mittelmccr-Jntcressen hätten imd daß sie auch für ihren Handel dieoffene Tür" in Marokko verlangen. Ja, ein amerikanisches Ge­schwader, bestehend aus einem Panzerschiff und drei Kreuzern, ist bereits in Gibraltar eingetroffen. Während der Wirren in China verblüfften dic Ver. Staaten durch ihre ganz und gar geschäftliche und von keinerlei sentimen­taler Erwägung beeinflußte Art, wie sie sich der chinesischen Regierung annahmen. Tic Liebesdienste wurden nicht ver­lieblich geleistet, sie trugen Gegenleistungen ein. So werden in Algeciras dic amerikanischen Delegierten zweifellos den Franzosen gan^z kräftig in bie Parade fahren, wenn sie auch nur die mindeste Absicht wittern, dem französischen Einfluß in Marokko zuviel Ein­fluß zu gewähren. Geschäsr ist Geschäft, und ob dadurch auch die Engländer sich gestört fühlen, die alle fran­zösischen Forderungen unterstützen wollen, das ist den Amerikanern gleichgiltig. Vielleicht hat man nach dieser Richtung hin die von den Ver. Staaten angebotene Vermittlerrolle" aufzufassen: sie wollen in Mgeciras rüstig zugreifen. Ta die deutschen Fordern n g e n in manchem Punkt mit den amerikanischen sich be­gegnen, so könnte auf diese Weise eine kräftige Gegen­koalition entstehen gegen die französischen Ansprüche. Mit Deutschland und den Ver. Staaten würde Frankreich wohl

30 wurden verwundet. Nachdem festgestellt worden war, daß sich im Hause Iedigarow im Vorort Tidlga ein Bomben- dcpot befand,' sollte dort eine Haussuchung vorgenommen werden. Als jedoch die Truppen heranrückten, wurden si^ aus diesem 5muse und dem Nachbarhause ununterbrochen beschossen und mit Bomben bedroht. Nun wurden bxe riedlichen Bewohner des Hauses entfernt und das Haus wurde mit Artillerie beschossen, wodurch acht Aufstän­dische getötet wurden. Durch die ArtillericgeschossL wurden in diesem Hause vier Explosionen hervorgerusen. Bei der Durchsuchung des Gebäudes, in dem sich baS Ge- ängnis des armenischen Re. olutionskomitees befinden ritte, wurden Waffen und Bomben gefunden.

Außland in M!en.

Vom Staatsbudget

für 1905 macht die Petersb. Teiegr.-A^. noch folgende An­gaben: Tas Staatsbudget eröffnete im ganzen an Kre­diten 1995 Millionen Rubel. Nach dem Kassenausweis des Finanzministeriums überstiegen in den zehn ersten Mo­naten 1905 die einge gangen en Einnahmen die des Vorjahres um 84 Millionen. Ta die im Budget für 1905 vorgesehenen- Einnahmen um 41 Millionen nied­riger sind als dic tatsächlichen Eingänge für 1904 erweist sich der Ueberschuß des Budgets für 190o im Vergleiche zum Voranschlag als noch großer.

richten.

Kaukasien.

Aus Tiflis meldet die P.'tersb. Tel.-Ag.: Nach mehr als vierwöchentlichcr Unterbrechung infolge des Ausitandes bet Post- und Telegraphenbeamten hat wieder die Tätig­keit des Telegraphen begonnen. Tie meisten Führer dieses Ausstandes sind verhaftet. Mehrere Gendarmerie­offiziere und, wie verlautet, auch der General Gra- motin waren von den Streikenden verhaftet worden Wie amtlich gemeldet wird, wurden ans dem Ge­bäude des armenischen Seminars zwei Bomben gegen eine Vatrouifle geschleudert, wodurch vier Kosaken verwundet und ei^ Knabe getötet worden sind. Tas Haus wurde sofort von Truppen eingeschlossen und mtt^Dflchutzcn be- cbossen bis Feuer ausbrach, das dann oas Geoaude zerstörte Durch die in diesem Dause ausaeipescherten Bomben und Vatrouenvorräte wurden Explosionen veranlaßt, jnhnfc pa unmöglich war, des Feuers Herr zu werden. Bei dwsem Brande büßten 33 Personen das Leben ein, zu Grunde gelegt werden.