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Erstes Blatt
LL6. Jahrgang
Samstag 10. November L 806
Gietzener Anzeiger
M General-Anzeiger &
mhrltd) 'Bit. 2.20. bur<$
A Äbliole- u. Zweigslellen W Vj' w »wnalllch 65 Ps., durch »' diePost Alk. 2.— viertel»
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Derantwortltch tüt den poltL und öligem. Teil: P. Wittko nie „Stabt und Land' und „Gerichlssaatt. ifitnfl p e 6 , üir den An» Aeiqeiitetl; Sans Beck.
Nr. 265
6r|d)etnt tflgltj) nuner Sonntag».
Dein WicBener Anzeiger werden im Wectilel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen, blätter viermal tn der
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Redaktion e^a 113 Verlag u.(£ppeö.e=^51 Adresse für Tepeschen:
Anzeiger YUesicn.
Kunstverein.
Gießen, 10. November.
Tie gegenwärtige Ausstellung zeichnet sich, wie in unserer vorläufigen Notiz schon bcmt. t, vor allem durch interessante 2 an b» schasteit aus, unter Denen das höchste Lob, wenn auch um ganz verschiedener Verzüge willen, die fein abgetönten Strandlandschaften von tf. E. Mor genstern-Franljurt und die ui
gehend, betont der Redner, daß er den Erlaß des Obcrkonsisto- riums gegenüber die Befürchtung nicht habe unterdrücken tonnen, daß diese Tendenzen nun auch in Lessen sollten zur Anwendung kommen. Es sei auch in weiten ihm nahestehenden frrejjen dieser Verdacht lebendig geworden. Dis diene aber der Sache der Kirche nicht. Zumal dadurch der Zustrom aus gebildeten Kreisen zum theologischen Studium unterbunoen werden mühen. Er sei für seine Person voll überzeugt, bay das Oberkonsistorium solchen Tendenzen nickst huldige. Aber es müsse oiseu ausgesprochen werden, daß das Oberkonsistorium durch seinen Erlaß diesen Schein erweckt habe. Es sei also der Richter in den Fehler seines Angeklagten verfallen. Der Redner giut der festen Zuversicht Ausdruck, daß das Oberkonsiswrium in Zukunft an den guten hejsischen Traditionen sesthalten werde. Am Schluß seiner Rede zeigte der Redner, wie wenig sich die Frage: Stellung der Kirche zur -L-ozialdemokratie mit allgemeinen GenaMpuukten erledigen lasse, wie kompliziert diese Frage sei und in eine Reche von Problemen zerfalle. Sage man, dec Pfarrer solle mit der Sozialdemokratie nicht liebäugeln, so sei das cm ganz dehnbarer Begriff. Er zeigt an Wichern und an Stöcker, wie diesen schon der Borwurf, mit der Sozialdemokratie zu liebangettt gemacht werden könne und tatsächlich gemacht worden sei., Sage^ man, die Kirche solle die Sozialdemotratte bekämpfen, so sei die Sozialdemokratie feine einheitliche Größe. Ihrer Willschastspolillk stehe das Ci-ristentum ganz neutral gegenüber, ja es wurden in der Sozialdemokratie Forderungen sozialer Art gestellt, die ein Christ nur vertreten könne. Es bleibe die materialistische Weltanschauung. Die teile die Sozialdenwkratie aber mit weiten bürgerlichen Schichten, aus denen sie bezogen sei. So sei die Stellung dec Kirche zur Sozialteutokralle man mit dem Sustagworl Kampf abzutun. Zum Schluß wenockt sich der Redner mit warmen Worten gegen die Angriffe auf den Idealismus der jüngeren Geistlichen. Er wäre em schlechter teutfajer Proses-or, wenn er nicht cm Wort für den Idealismus der Jugend habe. Der schäume wohl ost über, aber es sei em guter Kern darin. Das solle man anerkennen. Auch darin hoffe er auf Einverständlus nut dem Oberkonsistorium.
Nach der Erholungspause erklärt Olerkonsistorialpräsident v. V u ch n e r, das Gefühl der Aufrichtigtest und die Ueberzeug- ung, mit welcher Pros. Drews gesprochen habe, beweise noch nicht die Richtigkeit seiner Anschauung. Er, Redner, könne versichern, daß beim Oberkonsistorium derartige Bestrebungen, wie sie der Vorredner hier vorgetragen habe, durchaus nicht vorhanden seien. Er schätze den Einfluß, den Pros. Drews auf die jungen Herren ausübe, sehr hoch, und da wolle er ihn dringend bitten, ihnen klar zu machen, daß neben den Rechten auch Pflichten beständen. Man möge dafür sorgen, daß der „gärende Aiost" nicht allzuhoch überschäume, damit er später einen kräftigen, guten, milden Wem gibt. Er vermisse vielfach Bescheidenheit und Pietät bei der Jugend. (Rufe: Hört, hört! Sehr richtig!) und er würde D. Drews sehr dankbar sein, wenn er im e>mne die,er Tugenden auf die Jugend einwirken wollte, zum Wohl und Segen unserer Landeskirche. , , . .. ,
Stzn. Pfarrer Kö hl er-Trebur ergeht stch in längeren Llus- führungen über den „Fall Korell", kritisiert die Entscheidung des Oberkonsistoriums und verteidigt das Verhalten Korells int Wahlkampf. Er bestreitet, daß die Sozialdemokratie einen revolutionären Charakter trage und polemisiert bann gegen die gestrigen Aeußerungen des Frhm. Hehl zu Lerrnsheim.
Präsident Stamm konstatiert nach dieser Rede, die etwa y4 Stunden dauerte, daß, wenn auch die noch angemeldeten Redner in derselben wirtschaftlichen Weise fortsühren, die Beratung noch bis 11 Uhr abends dauern würde.
Oberkonsiswrialpräs. D. Buchner wendet sich gegen den Syn. Köhler. Er sei überzeugt, baß bieser das Beste eriyebe, bezweifle aber, daß er diese Wirkung erreichen werde. Aus den
zweiselhaste Laltung angenommen, daß er nicht begreifen könne, wie man diesen Mann noch in manchen Kreisen für einen Lelden halten kann. Er treibt nur eine verschlagene Taktik, weiter gar nichts. Redner wendet sich bann scharf gegen die Ausführungen Pfarrer Schlossers, und dessen ungereckstsertigte Kritik der Reden D. Buchners und D. Walz. Ihm scheine der Wirklichkeitssinn zu fehlen und im Aether zu leben Dem Redner sagte ein sozial- demotratischer Führer, es sei unmöglich, daß ein Pfarrer Sozialdemokrat sei. Es gebe jetzt unter den jüngeren Geistlichen solche, die „überidealisiert" seien und eine schrankenlose Freiheit verlangten; man möchte sie vor ihrem eigenen Idealismus warnen. Er hoffe, daß sich die Landessynode einmütig und entschieden für das Oberwnsiswrium erklären lucrbe. Die Kirche dürfe nicht dulden, daß die Sozialdemotratie die Bevölkerung verhetzt und die Arbeiter Mit falschem Größenwahn berausckst. Man solle doch ablassen, mit den Sozialdemokraten geistreich zu debattieren im Darmstädter Jugendstil.
Oberkonsiswriairat Sup. D. Flöring bemerkt gegenüber einer Aeußernng des Pfarrers Wahl, es fei ihm nichts darüber bekannt gewesen, daß Pfarrer Kvrell auch während der Karwoche politische Agitation getrieben habe. Er meine, daß sich zivrell in der Wahlagitation taktvoll benommen habe. Er, Redner, habe vollen Respekt vor der Betätigung dec Geistlichen am politischen Leben.
Syn. Pfarrer Loo s-Groß-Umstadt wendet sich ebenfalls gegen D. Schlossers Ausführungen und kritisiert dann scharf die politische Tätigkeit Korells. Zum Schluß spricht diebner namens vieler seiner Amtsbrüber unb Gemeindeglieder demOberkonsistoriilmDankundAnerkenniingaus für sein durchaus korrektes Verhalten.
Syn. Prof. D. Drews-Gießen bemerkt zunächst, baß er nicht im Austrag der theologischen Fakultät zu Gießen spreche, sondern als Projessvr für prallstck)e Theologie, dem die prrnzielle geschichtliche Behandlung der hier behandelten Fragen obliege.
spreche auch nicht im Dienst irgend einer kirchlichen oder politischen Partei, auch nicht in persönlich gereizter Slimmung gegen das Oberkonsistorium, wozu er Eeineuei Anlaß habe, sondern allein aus Sorge und Liebe für die evangelische Kirche. Er bemerkt ferner, daß er sich sein Urteil über den Fall Korell nur aus den Akten, nicht nach Preßäußerungen gebildet habe. Zur Sache selbst bemerkt er, daß ihm nicht ermiefen scheine, datz_Korell die Absicht mit seiner Erklärung verfolgt habe, für den Sozialdemokraten Stimmung zu machen. 2>a_ ferner Korell in seinem Schreiben an das Oberkonsistorium selbst |age — (Redner verliest die Stelle), daß er von dem durch seine „Erklärung" entstandenen Mißverslänbitts nichts gewußt habe und man doch Korell, dem auch der Konfistoriaipräsidenl das Zeugnis der Gewissenhaftigleit ausgestellt habe, nicht den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit machen tönne, so falle die Anklage des Oberkonsistoriums in sich zusammen. Aber zugegeben, das Oberconsistorium habe recht gehabt mit seiner Anklage, so frage es sich noch immer, ob es im Recht mit seiner Disziplinierung gewesen sei. Damit fomini der Redner auf den prinzipiellen Punkt der Sache. Es lasse sich nicht leugnen, daß in unserer Zeit — gewiß nicht bei allen evangelischen Kirchen- behörden — die Tendenz sich zeige, die kirckzenregimentliche Macht möglichst zu steigern und gegen die Gemeinden, besonders aber gegen die Pfarrer in Anwendung zu bringen. Das sei aber zu beklagen. Denn nicht in den Könsistorien, sondern in den Gemeinden und im Pfarrstand konzentriere sich das kirchliche Leben auf evangelischem Boden. Dadurch werde auch die Freiheit des Pfarrers, dem eine entsprechende Verantwortung gegenüberstehe, gesähadet. Die rechte Auffassung konsiswrialer Gewalt sei, entsprechend der ihnen bei ihrer Gründung zugewiesenen Aufgabe, Die Pfarrer zu schützen, zu verteidigen, ja unter Umständen in schwierigen Verhältnissen selbst zu trösten. Von diesem Ideal sei man aber heute weit entfernt. Auf den Fall Korell über-
Kränze aus künstlichen Blumen, sowie einen Naturtranz aus Tannenzapfen und Waldgrün aus. Die Wand und der Tisch sind mit Zierspargel verziert.
Wilhelm Moser führt ein großes Füllhorn aus braunroten und goldgelben Winterastern, zwei sehr große, geschmackvoll gebundene Kränze, Körbe, Jardinieren und Veilchen vor.
Der dritte Aussteller LouisBeckerhat eine Staffelei, ebenfalls aus havannabraunen, hellbraunen und gelben Winterastern ausgestellt. Ferner ein Brautbukett aus Maiglöckchen. Eine Geburtstagsüberraschung, bestehend aus einem blumengeschmückten Schirm, findet bei der Damenwelt viel Beifall. Ein sehr großer Lorbeerkranz und Naturkranz, sowie eine Taseldecoration vervollständigen diese Abteilung. Bei dem Tafelschmuck ist zu bemerken, daß der grüne Pslanzenschrnuck in Wirklichkeit auf eine größere Fläche verteilt würde.
EduardRieger bringt ein Kreuz aus dunkelbraunen Magnolienblättern mit rosablühenden Winterastern, mehrere geschmackvolle Kränze, zwei Jardinieren und einen Strauß Chrysanthemen von besonderer Schönheit.
In der Ausstellung von Karl Becker fällt ein Korb frischer, blauer Lotosblumen auf. Eine Seltenheit um diese Jahreszeit, ein Kranz und Strang mit Riesen-Eyrisanthemen in zarten Farben, Arbeiten aus Erika, Begonia, Ruhm von Lothringen, Alpenveilchen und ein großer Künstler- kranz, der aus der gegenüberliegenden Selle untergebracht werden mußte.
G. Wittmann, Karl Berger Nachfolger, ist Aussteller von einer Blumenarbell aus Riviera-Rosen, eines Brautbuketts, ebenfalls aus Maiblumen. Derselbe bringt ferner eine Fantasiearbeit aus Veilchen, einen sogen. Herbstzauberkranz, einen von roten Beeren durchflochtenen Wald- tranz, einen Künstlerrranz und gelbe und weiße Nelken.
Zu erwähnen sind noch bit Chryfanthemum-P,tanzen von Gerhard im Saale rechts und die Blattbegvnien von Weber, die gestern übersehen worben waren. Handelsgärtner Pfeiffer hat vor dem Eingang zum Saal gut gezogene Lchlläume, Koniferen und Winterastern aufgestellt.
Andacht strömen sie in ihrer Holdhell aus auf den Beschauer.
Ein lleiner Junge steht mit gefalteten Händen neben einer zarten Frau und sagt: „Mama, was hat der liebe Goll für schöne Blumen!" Die zarte Mutter beugt sich lächelnd zu dem Heinen Jungen herab und küßt ihn auf den roten Mund. Wenn die Ausstellung nur diesem Kinde das bescheidene Herz erfreuen würde, sie hätte ihren ideellen Daseinszweck erfüllt. Aber es wohnt in ihr die Macht inne, Tausender Herzen zu erquicken und auf Tausender Lippen das sonnige Lächeln frohen Genusses zu zaubern.
Ich habe nicht die Absicht, Langes und Brettes hier aufzuzählen, nicht die Absicht, das hübsche, nur für diese Ausstellung hergestellte Diorama von dem Maler Holtmann, das ein ideales, bergumgürtetes Seestück darstellt und an dem der Uebergang von der realen Blumenpracht zu der auf dem Bilde das Gelungenste ist, genau zu schildern. Ich mag mich auch nicht auf andere Einzelheiten oes Arrangements, etwa auf das nette japanische Tempelchen, die bescheidenen Wasserkünste, oder gar auf Einzelheiten in den Blumengaben der Aussteller einlassen, zu denen übrigens auch die Schülerinnen unserer Mädchenschulen gehören, denen in der Blumenpflege zum Teil überraschend Hübsches gelungen ist Dieses überlasse ich einem erprobten Fachmann, der schon gestern an dieser Stelle viel Schönes von der Ausstellung zu erzählen wußte. Ich möchte nur den Wunsch aussprechen, daß namentlich Gießens Frauen, die Mutter der Gießener Jugend, nebst artigen Kindern ein halbes Stündchen von ihrer teuren Zett stehlen möchten zum Besuch der Ausstellung, die auch nbenbd geöffnet ist Sie wird manches sonnig frohe Lächeln auf sorgende Antlitze zaubern und ihrem flüchtigen Duft reiche Gaben des Herzens Müttern und Kindern spenden. * P. W.
Und nun habe der Fachmann das Wort. Er schreibt:
In einem Seitenanbau aus Glasfenstern sind außer den Pflanzen der Schülerinnen die Vlumenarbellen der aus stellenden Gärtnereien vorteilhaft unrergebracht. Wir müssen es uns versagen, das hervorragend Künstlerische unter Uebergehung des Mittelmäßigen hervorzuheben, denn die Gärtner wollen nur Anerkennung des Publikums für ihre Muhe. Es sei aber bemerkt, daß sich unter den 50 ausgestellten Arbeiten solche befinden, die jedem großstädtischen Geschäft zur Ehre gereichen würden.
Rudolph Weoer stellt ein recht geschickt zusammengestelltes Frucytslück, ein Kreuz aus Veilchen mit Auslage von der großblumigen Sorte La Franc-e und eine Anzahl
Die ycu!ige Klur.nuer umfaßt 18 Scit-n.
Ordentliche Evangelische Landcösyuode.
Darmstadt, 9. Noo. IV.
Die heutige Sitzung wird durch Gebet des Syn. Pfarrer Loos-Groß-ümsladt eröffnet. Es folgt dann die Verpflichtung des neu eingetretenen Synodalen Oberstleutnant v. Böckmann- Darm stabt. _
Syn. Dekan Jaudt-Ptanig stimmt den gelingen Darlegungen bet Herren D. Buchner und 1). Walz im wesentlichen bet. Er glaube jedoch, daß die angeführten Gründe nicht hinreichend zur Disziplinierung Kvrells erscheinen könnten. Der Versicherung bedielten, daß er bei der Entscheidung über die Stichwahlparole seiner Partei nicht beteiligt gewesen sei, müsse man Glauben schenken.
Oderkons.-Präs. D. Buchner entgegnet fürs, daß jemand, der so am politischen Leben sich beteilige, wie Pfarrer Korett, sich auch klar sein müsse über das, waö er spreche und tue, unb Kvrell sei sich bei feiner Befähigung auch vollständig klar darüber gewesen. Das Oberkonsiswrium habe es absichtlich^untev- lassen müssen, vor der Entscheidung des Wahlkampfes Schritte zu tun.
Syn. Landgerichtsrat Schmeckenbecher-Gießen betont, das ganze publizistische Auftreten Pfarrer Korells sei fein erfreu» lick)es Zeichen von Autoritäisgefühl ober Disziplin der obersten Kirchenbehörbe gegenüber. In den anderen Berufst- kreisen werde man kaum einen ähnlichen Fall aufweisen können. Nach des fliedners Ueberzengung war em Verweis auf den Dank Korells an seine Wähler ganz gerechtfertigt; derselbe sei auch während der Stichwahl selber mit Sttmmjetteln umhergegangen unb habe gezeigt, welches sein Kandidat sei. (Hierzu wird dem Redner aus ter Versamnckung bemerkt, baß dies bei der Reichstagswahl 1898 ter Fall geiotfen sei.)
Syn. Pfarrer Bernbeck-Okarben verteidigt bas Recht ber Geistlicyen an ber politischen Tätigkeit. Wollte man ihnen dasselbe nehmen, so würde man sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse degradieren. Es müsse ihm das Recht zustehen, für eine Partei tätig zu fein, die eine christliche Gesinnung unb christliche Weltanschauung vertrete, für eine Partei, bie auch Gott gibt, was Gottes ist, unb dem Kaiser, was des Kaisers ist, aber niemals dürfe er sich ter Partei anfchiließen, die den Satz aussteltt: Und willst du nicht mein Bruder fein, so schlag ich dir den Schädel ;in. (Heiterkeit.) Die Sozialdemo kralle hat sett der langen Zeit ihres Bestehens noch nie etwas Ernstes getan, um die SDlängel und Gebrechen im sozialen Leben zu befeitigen. DaS scheine aber auch gar nicht ihre Absicht zu sein, denn versuchte sie es, so würde sie sich ja den Boten unter den eigenen Füßen entziehen. (Zu- ftimnumg.) Unter den politischen Parteien in der ganzen Welt habe sich bisher keine als so unfähig und unfruchtbar erwiesen, wie die deutsche Sozialdemo kralle. Pfarrer Korell habe schon 1898 nach seinem eigenen Zugeständnis sozialdemokratisch gewählt unb für die Umsturzpartei agitiert Das fei nicht die rechte Aufsassung von dem Beruf eines Geistlichen.
Syn. Pfarrer Wa Hl-Laugen führte aus, Pfarrer Korell sei schon 1898 bei ber Reichstagswahl in einer Weise in ber Oeffentlichkeit aufgetreten, daß man ihm schon damals den Namen eines „sozialdemokratischen Hofpredigers" beilegte, iHeiterkeit.) Er sei ja als Kändidat einer nicht gerate besonders lirchenfreundlichen Partei gewissermaßen verpflichtet gewesen, in ber Weise aufzutreten, wie es geschehen ist Er war aber durchaus nicht Pas unschuldige Opferlamm, als welches man ihn hinzustellen beliebt, und die Enttüstung darüber, daß inan seinen Versicherungen keinen Glauben sck)tznke, sei nur eine künstliche. Korell habe in der ganzen Wahlzeit eine so zweideutige,
Die BLumenauSsteünng.
Gießen, ICK Nov.
Gestern war der erste Tag ber Ausstellung, der erste Tag des vergänglichen Blumenlebens. Man hatte denken sollen, im großen Saale des SaalLaues werde gestern Kops an Kvps gedrängt eine blumenfrohe Menge wimmeln, denn in Gießen liebt man doch, wenn auch vielleicht nicht so sehr wie anderswo, z. B. in Frankfurt, die Blumen, so doch Licht und Freude, und eilt fte zu genießen, wett der Gießener Alltag duftlos und unfroh ist, und der lange Winter mit seinen zahlreichen sonnenlosen Tagen bevorsteht.
Ach nein, es gab gestern im Saalbau keine Menge. Gießens Bürgertum hat die emsige Lebensarbeit fast ausschließlich auf das Nützliche gerichtet. Blumen gehören nach ihm zu den Ueberslüssigkeiten der Erde. Es verschmäht weniger die Freuden als den Schmuck des Daseins. Nur ein winzig Häuflein enragierter Blumenfreunde sand sich dort ein, obwohl doch der Blumen Pracht an ihrem ersten Tage am vollkommensten ist, sodaß bei Biumenausstellungen in Großstädten der Eintrtttspreis am ersten Tag so hoch ist, daß nur mit Glücksgütern besonders Gesegnete sich den Luxus eines Besuches gönnen können. Gießens wackere Gärtner aber sind bescheiden und rechnen mit der Gießener bescheidenen Mttteln. Der Eintrittspreis zur Gießener Blumenausstellung ist ä u ß e r st gering im Verhältnis au dem, was sie bietet.
Der nüchterne große Saal des Saalbaues, in dem sonst nüchterne Männer nüchterne Reden reden oder seuchtsröhliche Jugend kommersiert oder bunt und luftig gelleidete Lämmlein munter herumhüpfen, ist in ein Llumenparadies verwandelt, in eine buftatmenbe Blütenhalle, in der es sich kühl und angenehm spaziert. Die Mitte nimmt ein improvisiertes Rasenboskctt ein, auS dem sich bie Pracht verschiedenartigsten und verschiedenfarbigsten Blumengruppen heraushebt, und rings herum, zu Seiten des Wandelweges, an den Wanden die herrlichsten „Mauerblümchen", mit gleich seinem kunstgärtnerrich geschulten Geschmack zu geradezu musikalisch nnrienben Blumenbüschen geordnet. Was dem sarbenenipsindlichen Auge besonders wohltut, das ist bie malerischen Sinn verratende seine Farbenabtonung des Gefamtarrangemenls. Ehrysanthrmen von den zartsten und seltsamsten, den leuchtendscen und strahlendsten, wie den mattesten und sanftesten Farben, Alpenveilchen, Erika, Heliotrop, Veilchen, Maiglöckchen, Netten, Orchideen usw. sanden hier und im Nebenraum neutralen Boden. Keusch und still blicken sie uns an und
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