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st und Frau Anna.
। den 10. Februar 1906.
Zar Notiz!
Wan tann bei dar sich masseuW Mkljimdkn i®ei|tll)üftfi;Wiilcln gegra paaritibfo nid)t genug au, doS bmiii Int 38 Jahren sich bewährende, der lutoriiiten mpjvhlene, dmä 'Jüte un6 Cifligteit auijeidinenöe Hunueff tqh Satter, Mncte aufmatiam machen, welches wwllch Icißct, was td verspricht: ÄonjrrD» nmg uno Kräftigung btr Dor^antend )aart, Reinigung ounS^upptn,^ n b glänzen» machen to. i^are J 4 m Wtytfc.vrafo 'Stt-ljm
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Drittes Blatt
Nr. 35
scheint ÜigNch mtt Ausnahme deS ©oruuog«.
Die »Gießener FamiUendlLtter- werden dem ,91n<c!ner viermal wöchentlich beiqelegL Der dljtsstlch« Lavdwttk" erscheuu monatlich einmaL
Redaktion, Expedition u. Druckerei: ©diufftr.?.
Del. Nr. 51. Lelegr.-Adr.: (Biegen.
SarnZt^a, 10. Februar 1906
Rotationsdruck unb Verlag der VrübCiches Unlocrfiiäist>ruderet R. Lange, G'.etzea.
Eeneral-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
der Vorwurf gemacht, das; sie nicht genügend Mittel für die letzte Wahl zur Verfügung gestellt iabe. Die Reformpartei besitzt allerdings nicht daS große Portemonnaie des Bundes der Landwirte und der konservativen Großgrundbesitzer."
Und an einer anderen Stelle derselben Nummer bc£ BlatteS helfet e§:
„Tie Babn ist jetzt frei, aber überall, und waS an unS ist, f» soll der Bund derLandwirte bald spüren, mit wem er angebandelt bat. DaS eigentliche Karnickel ist nämlich der Bund der Landwirte, der sich in warme Rester setzen will. Die Deuilchsozialkn, die früheren Todfeinde Liebe rmann, Hirsche! und Kohler geben nur die Makler bei dem Handel ab."
DaS Antisemitenblatt bestätigt also, dafe die Lieber- mannsche antisemitische Gruppe nur der bezahlte Schrittmacher des Bundes der Landwirte ist.
Filialsteuer.
Der Zentralverband deutscher Zigarren- und Tabak-Ladeninhaber hat auf seiner jüngsten Tagung folgende Nesolution zugunsten der kleinen Ladengeschäfte angenommen:
„Der ui Magdeburg tagende VerbandStag Deutscher Zigarren» und Tabak-Ladeuinhaber, welchem 56 über ganz Deutschland vev» breitete Crlsgruppen angeschlossen sind, beschließt: In Erwägung, daß das immer mehr überwuchernde Eindringen auswärtiger Atlinlnefd)öfte (Detail-Zweiggeschälte auswärtiger, nicht orts- ansässiger Ftrmeni, welche nach Lage der Eefetzgebun.g gegenwärtig nicht in genügender Weise zur kommunalen Steuerpflicht heran- gezogen und kontrolliert werden können, eine Gefahr und lieber- lastnug der ortsansässigen Steuerzahler bedeutet, seine Ortsgruppen mit Material zu versehen und biet nach aufzufordern, bei ihren kommunalen Behörden wegen Ein'übruitq einer bicie Filialen betreffenden höheren und separaten Gewerbesteuer vorstellig zu iverden. Ferner beschließt der Vorstand, gelegentlich der bevorstehenden Revision des preußischen Emkommensteuergeselzes bei dem preußischen Landtag u. s. w. darum zu petitionieren, daß den Kommunen ein Recht geivährt ivird, die Filialen auswärtiger Geschäfte gerechter als bisher zu einer erhöhten Steuer hcrammiehen/
Tttrche rrnS Schule.
— D ie Neugestaltung der höheren Mädchen« schule behandelt E. Willms, der Direktor der städtischen Höheren Mädchenschule in Tilsit. Er wünscht den Ausbau der bestehenden höhcrn Diädchenschulen als einer selbständigen Anstalt und nach ihren eigenen Bedingungen ohne Erweiterung über das zehnte Schuljahr hinaus und unter Ausschaltung der Gymnosialfiage. Nebenher fordert er für die Mädchen im Sliter von 16 bis 18 Jahren Fortbildungskurse, die auf ihren künftigen Berus al5 Hausfrau und Mutter oorbereiten sollen und mit allgemein verbindlichen und wahlfreien BildungSfachern auSzustatten seien. Diese Anstalten könnte^ ein bestimmtes Ziel dadurch erhalten, dafe sie mit einer Prüfung zur Verleihung der Berechtigung, als Leiterin einer HauShaltungS- und Fortbildungsschule zu wirken, ab-schlösien. In der höheren Mädchenschule fall außer den technischen Fächern auch eine der fremden Sprachen wahlfrei werden. Die von der staatlichen Aufsichtsbehörde aufzustellenden Lehrpläne sollten die leitenden Gesichtspunkte bezelchnen, in der Ausführung aber den einzelnen Lehrlörpern möglichst fttii* hett lasten.
. — Der Papst hat den Msgr. Mercier, Professor bei Philosophie an der Universität Löwen, zum Erzbischof von Mecheln ernannt. Mercier gilt als ein sehr kcnnpfesmutiger Prälat.
Aas ZLahrprojckt Kicßen-Ztcivöach-^aubach.
(Original-Artikel des „Gießener Anzergers")
Für die Aufklärung des unbekannten Herrn Gegners in dem Artikel des »Gieß. Anz.' vom 3. Februar bin ich sehr dankbar; ich wünsche nur, daß noch mehr folgen, denn dadurch wächst ja das Intereste für daS Projekt.
In meinem Artikel in Nr. 20 des .Gieß. Anz.' führte ich den GemeinderatS-Beschlufe von Grünberg an, mit der Folgerung, .mehr wie jemals die Blicke auf das Basin - projekt Giefeen-Laubach zu richten'; damit habe ich absolut nicht gesagt, daß Grünberg für das Projekt Lich-Grünberg ausschlaggebend sein soll. Nach dieser Aufklärung refp. Klarlegung des Sachverhalts fettens des Herrn Gegners stellt dieser die kühne Behauptung auf: ,e§ ist vollständig ausgeschlossen, daß die Preufe.-Hest. Eisenbahngemeinschaft bezw. der Staat diese Bahn baut.' Darüber sollen sich sogar die Gelehrten und Wtstenden einig sein! Hm, woher weife denn der Herr Gegner daS so ganz bestimmt? Da sollte man sich ja zu weiteren Schritten gar nicht mehr getrauen. Ich glaube, Erfolg und Rentabilität der Linie Butzbach-Ltch machen solche für die Linie Lich-Grünberg sehr bedenklich. Der Herr Gegner kommt weiter auf die Linienführung zu sprechen. Scheinbar tut seinem Laien-Ange der spitze Winkel bei Steinbach wehe; wünscht er vielleicht eine gerade Nichtung, so ungefähr von Garbenteich (?) her über Steinbach, 211 b a et) usw. ?! Dem Herrn Gegner erwidere ich, dafe man speziell bei Nebenbahnen das Prinzip befolgt, Umwege nicht zu scheuen, sondern haiiptsächlich möglichst viele Crte zu berühren. Daß die Fahrkarten von und nach Annerod eine dte Rentabilität der Bahn in hohen Maße fördernde Einnahme erwarten läßt, ist in meinem Artikel nicht hervor- gehoben, sodafe der Herr Gegner nicht zu sehr „bezweifeln' braucht.
Nun komme ich zu der »direkten Erschließung' des Vogelsbergs, worunter die bequeme, direkte Erreichung ohm Umsteigung usro. zu verstehen ist.
Die Behauptungen deS unbekannten Herrn Gegners, der sich über alles hinwegsetzt und die fast unantastbar gelten sollen, hätte er am besten Unterlasten. .Wer den Vogelsberg besuchen will, fährt — nach wie vor — nach Grünberg, Laubach ober über Nidda und sogar Stockheim; das müßten törichte Menschen fein, die selbst nach einem event. Bau (.nach wie vor') der Linie Giefeen-Laubach einen Umweg machen wollten und sich infolgebesten mehr Losten verursachen wurden. Die wunderbarste Behauptung kommt aber nun, indem der Herr Gegner mit seinen Schnellzügen, die aber leider nicht gehen, in der Hälfte der Zeit nach Laubach gelangen will. Nehmen wir hierzu einmal das Kursbuch zur Hand: Zilg 506 ab Gießen 8.19 morgens, in Hungen 8.57, Hungen ab 9.10, Lau dach an 9.58. Tie Beförderung über Hungen nimmt also l®/4 Stunden in Anspruch mit dem unangenehmen Umsteigen in Hungen und Aufenthalt von 13 Min. Rückfahrt von Laubach mit dem für Geschäftsleute, Reisende usw. nach Erledigung ihrer Geschäfte am geeignetsten Zilg 1072 ab Laubach 5.06, in Hungen 5 35 und nun ausgerechnet eine Stunde Aiifenthalt in Hungen. Denn zuerst muß der Zug nach Gelnhausen durch, und bann erst 6.38 fährt der Zug von Hungen ab, um in Gießen 7.18 anzilkommen. Ein Zug auf der proj. Linie würde höchstenfalls 1 Stunde 30 Mm. fahren; wie ist es da mit der ,Hälfte der Zeit, Herr Gegner? Bei dem heiltigen Zeitgeist und Drange der Zeit möchte die Menschheit jede Minute ausnutzen, da fommt es vielen auf eine Stunde an.
Die Waren, die die Leute in der Stadt kaufen würden, kaufen sie jedenfalls sowieso da, auf der anderen Seite ist der Geschäftsmann in der SUeinflabt und auf dem Lande nicht verpflichtet, Waren in seinem Geschäfte zu führen, die höchst selten verlangt werden, und an denen der Kaufmann nichts verdient. Weil sie hie und da verlangt werden, auch wegen der Konkurrenz werden sie angelegt, aber ein großer Abgang ist nicht da, rind sie verderben schließlich. Wenn persönliche Interesten dieser 9(rt gegen ein Projekt sprechen, so ist ja den, nicht zu verdenken, aber im Großen und Ganzen sind bei einem solchen Unternehmen, das dem allgemeinen Wohl und der großen Maste zugute kommen soll, persönliche Interesten nicht zu befolgen.
Ich habe auS einem Orte an der projektierten Bahnlinie einen Brief erhalten, besten Schreiber in ungeheuchelter Weise den Wunsch der Einwohner nach einer Bahn und das Bedürfnis erwähnt, indem der landwirtschaftlichen wie Arbkiter- Beoölkerung ein Absatzgebiet für jene, ein Arbeitsfeld diesen angeführt wird. Viele Arbeiter und Handwerker mit ihren Familien bleiben den Landgemeinden erhalten, weil sie mit der Bahn wieder zuruckfahren können, wenn sie tagsüber in der Stadt ihrem Verdienste nachge- Zangen sind. Denn die Ausgaben für Lebensbedürfnisse, Wohnungen rc. sind für solche Leute in der Stadt kaum zu .erschwingen, zudem verläßt nicht jeder gern feinen Heimatort, roo er sich auch schließlich anbauen unb sein eigenes Heim gründen kann.
Auf die drei letzten Absätze deS gegnerischen Artikels möchte ich nicht weiter eiugehen, sind sie doch zum Teil hm- ställig, zum Teil liegt deren Widerlegung in der Zukunft, und Labe ich doch in meinem Artikel schon das Nötige über die weitere Linienführung von Ettingshausen aus erwähnt.
Wenn eine Haltestelle ein paar hundert Meter auch von diesem ober jenem Platze zu liegen kommt, so ist dies doch vorläufig belanglos, was hauptsächlkch für die Braunkohlen- Ugec von Münster gelten möge.
Mord, Zivil-Ingenieur,
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Ferner ging unS auS Laubach folgende Zuschrift zu Der Verkäster D. fn Du. ist mit seiner Behauptung im Rech »daß die Gemeinden Wetier^eld und Laubach nach den im Vai fahre gefaßten Beschlüssen nicht mittun werden"; binzumsehe wäre, wenn der Vlan des Herrn Mord, „moalichst viele Crte dc Bahn zuzusühreu', in Aud^ührlmg kommen sollte. Es handelt su hier roie für Gießen darum: 1. eine Verbindung in kürzere Zeit als dermalen herzuslellen, 2. damit eine Verbilligun b e 5 Fahrpreises zu erreichen. Die Möglichkeit der Lösim dieser Frage bedarf der Beantwortung. Sie kann nur dann i bejahendem Sinne geneben werden, wenn man keine Z'ckzacklin vorschlägt und die Crte Cvvcnrod, Burkhardsfelden. Hatteuro! Harbach, Queckboru, die ja auch der Linie Gießeu-Fiilda zu nal liegen, außer Betracht läßt unb das Projekt von Al bach bim den Wald direkt nach Ettingshausen, 9)1 ü n ft e r, Wetter ’ e I b auSfuHrt. Tann konnte die Balmlime auf 24 Mm., das sm 10 Sim. weniger als Laubach-Huugen-Giefeen, die 34 Km. betrag reduziert werden. Wenn dann auch einige Crte weniger in de Verkehr hereingezogen werden, so werden bei der Ausführung viel Tausende gespart unb Wejlerseld-Loubach werben bem Projekt anbers gegcmiberslehen, wenn sie hören, daß man 4. Klasse z 50 Psg., 3. Klaste zu 1 Ms. (ober 75 Psg.) nach dem neuen Dar eine einfache Karte nach Gießen lösen kann und dieses in etwa eine stunde erreicht. Wie sehr das Publikum mit dem Fahrpreise rechne mag daraus Hervorgchen, daß, seitdem bie 5Rücf<ahrfaric über Tlüd um 40 Pfg. (6. Kl.) erhöht worden ist, unlängst m dem Zeitraum von drei Wochen nur zwei 90'icOalnfarten (zu 2,70 Mark) gelö wurden. Bis jetzt beträgt bie Fahrzeit über Hungen noch Giene burch'chmtllich 1 Stunde 47 Minuten, doch wirb dreunal täghe die Verbindung in 1 Stunde 20 Minuten hergestellt. Würde da Projekt nach Ingenieur Mord ausaenchrt, so würde bie durch lchinttliche Fahrzeit für 28 km, bemessen nach der Strecke Hungen- Mücke 1 Stunde 24 Min. betragen, also von einer Reduktion der 'eiben nicht die Rede sein fönnen, auch würde der Fahrpreis sic nur unwesentlich vermmbem. Rur bei der direkten Fübrnn Albach—Euingshatüen - Münster wird der Weg unb die Fahrze derart verkürzt, daß die Bahn für hier und Wetter-leid bemch tverben kann. Man würde zu den betrefenben 24 km, berechne nach der Bahnlinie Hltngen - Mücke, wo 25 km durchichuiltltch i 1 Stunde 15 Min^ am geringsten 1 Stunde 2 Min. zuruckgelec werden, bann nur etwa 1 Stunde brauchen. Denn gan unrichtig ist die Behauptung des Herrn D. in Qu.)*), „alle Zug einer Bimmelbahn haben Güterverkehr"; auf der Strecke Hungen- Mucke geben täglich 2 besondere Güterzüge und nu wenige, teilweise gar keine Personenzüge haben Güter verkehr.
Was den Personenverkehr betrifft, so wäre es für die Crt Röth^S-Münster-, Ettingshausen ebenso ivichtig, ihre wettentlegen Kreisstadt Gießen als ihre Amtsgerichtsstadt Laubach erreichen z, können. Für bteie letzteren Crte kommt noch dazu die bequemer Erlangung der höheren Schulen in Laubach, bie eben von dort do: nahezu einem Dutzend Schüler besticht werben, in Betracht, eben5 wie dasselbe für 9lnnerob, Steinbach, Albach für Gießen gilt. Di bei weitem kürzere Strecke Gießen—Laubach dürfte dann auch ffi den Touristenverkehr nach dem Vogelsberg die be vorzugte fein. Vieles müßte sedoch, soll eine Bahn sich überhaur einigermaßen rentieren, der Güterverkehr bringen, und hierzu sin außer den S t e i n b r ü cb e n bei S t e i n b a ch und dem Kohlen b e r g id e r f b e i M li n st e r noch bie bebeutenbe Holzattsfuh au§ den wett hinter Laiibach sich erstreckenden Wälben und bie_ großen Holzsägewerke in Wetterfeld im Hessenbrücken-Hammer heroorpihcbcn. Woher aber bekomm Herr D. in Cu. die Weisheit, daß die vreufeifch-hefsische Eifen balm-Gemetnschaft die projektierte Bahn nicht baue. Dem gegenüber ist unS oon sachkitudiger Seite mitgeteilt worden dafe diese Meinung vollständig verfrüht sei uni darüber erst nach Vorlegung des Projekts entschieden werden würde Einen engherzigen Standpunkt nimmt aber der Verfasser D. mt seiner Behauptung ein, »was brauchen wir nach Gießen, die paai iwijchen Grünberg, Laubach und Lich liegenden Dörfer werden zu' (Genüge von den Gewerbtreibenden dieser Landstadtchen bedient Wer kann es Gießen verargen, daß es bestreb ist, man vergleiche das nachbarltegende Friedberg mit seinen vielen Zttfuhrlinien, weiterliegen de Dörfer in seinen Verkehr H e r e i n ,«t z t e h e n ? Hoffentlich läßt man sich in Gießen nicht abschrecken, und das dortige BaHnkomttee leitet, da ja unter Benutzung vorhandener Schienenslrange nur etwa 20 Km. neu zu bauen wären, eine kürzere schnellere Verbindung als vorgefchlagen, nach Laubach berücksichtigend, baldigst die frag* liehe Angelegenheit in die richtige Bahn ein. A. B.
politische Tagesschau.
Dom antisemitlschen Lrtezsjchauplatz in Hessen.
Der Kampf zwischen den beiden antisemitischen Gruppen um Zimmermann und Liebermann von Sonnenberg ist zurzeit bereits recht heftig entbrannt und es stehen jedenfalls noch viel erheblichere Schärfen im Waffengange bevor. Die 'Neforttipartei hat als Antwort auf die Kriegserklärung der Deutschsozialen in allen früher von ihr vertreten gewesenen Kreisen schon jetzt ihre Kandidaten für die nächsten Wahlen proklamiert. In Alsfeld-Lauterbach-Schotten ist von den Antisemiten wiederum der frühere Vertreter des Kreises, Bindewald, aufgestellt, den die »Antis. Korresp.' seinerzeit bei Beratung der Lex Heinze als .Hans Pinsel' verspottet hat. Zu der Aufstellung des Herrn Philipp K ö h ler-Langsdorf macht das Organ der Neformpartei folgende bissige Bemerkungen:
„Köhler ist der ungeeignetste Mann für Gießen. Der Wählt,ciS wäre 1903 nicht verloren gegangen, hätten die Herren Köhler und Hirsche! daL Geringste getan. Herr Hirfchel war Wahlredner für die rationallibcralen Kandidaten Decker und HaaS, hatte demgemäß ferne Zeit für die eigene Partei. Das sind die ,wackeren Vorkämpfer-, wie sie jetzt von den Deutsch-sozialen g.-feiert werden."
Ganz unrichtig ist daS ja nicht ....
Ferner wird die Partei deS Herrn von Liebermann mit der Aufstellung einer besonderen reformerischen Kandidatur in Kassel gedroht, das seinerzeit von dem deutschsozialen Antisemiten Lattmann vertreten wird.
Das offizielle Parteiorgan der Nefortnpartei will zwar noch nicht die letzte Brücke der Verständigung abbrechen, es hofft immer noch, daß der Brudeikämpf bei den Wahlen sich vermeiden (offen werde. Wir hoffen das Gegenteil, und in bem inoffiziellen Organ der Neformpartei, der .Sachsenschau', werden auch ungleich kräftigere Töne angeschlagen. Das Blatt gibt zu der Mitteilung, daß in Gießen Herr Köhler als gemeinsattter Kandidat des Bundes der Landwirte, der Kon« ervativen und der Deutschsozialen aufgestellt ist, folgenden höhnischen Kommentar:
„TltS Schrittmacher und Makler fungieren natürlich wiederum die Deutschsoziatea. Von blinöea Hesse» wurde auch hier der Neformpartei
Deutscher rreichstag.
(39. Sitzuna vom 9. Fedruar.)
Debattefo-s wird in erster und zweiter Lesung die Gesetzes« Novell'' betreffend Angelegenheiten der freiwisligcn Gerichtsbarkeit erledigt. Die Novelle überträgt für den Fall, daß der Garnisonort einer Militäryerson in mehrere G<- rickitsbezirke zerfällt, die B-stimmuna des als Wohnsitz der Mili- täLpmon geltenden Bezirkes der allgemeinen Anordnung durch die Landes-Justizverwaltung. — Sodann wird die B-eratung des Etats des Reichsamts des Innern, Titel Staatssekretär fortgesetzt.
Äbg. Giesberts (Ztr? führt aus, man habe von Mißbrauch der Krankenkassen durch sozialdemokratische Arbeiter gesprochen. D^s dafür vorgebrnchte Ma-terial scheine ihm aber? nicht beweiskräftig. Man müsse darauf achten, daß die Teilnahme der Arbeiter an der Verwaltung gewahrt und unter Umständen em sprechend vermehrt werde. Auch für den Marimal- Arbeilstag mußten sich seine Freunde erllären. Notwendig sek ei auch namentlich in der Metall-Industrie. Schutz sei besonders zu fordern für die Hüttenarbeiter; die Verhältniffs der Frauenarbeit in diesen Betrieben, die Nachtarbeit, die Schichtbauer seien unhaltbar. Die Heimarbeit-Uusstellung habe nichts Neues gebracht, aber sie sei ein eindrucksamer Anschauungsunterricht. Auch seine Partei fordere die Rechtsfähigkeit dev BerufSoereine, würden sie aber ablehnen müssen, falls dabei versucht wlirde, die Kvalitions-Freiheit der Arbeiter einzu- schranken. Unerhört seien vielfach die Gerichtsurteile in Fälle« von Streiks. Die Richter versetzten sich da gar nicht in beit Standpunkt der Arbeiter hinein. Redner verbreitet sich bann ausführlich Über bie Differenzen zwischen den christlichen Bergarbeiter-Verbänden und den alten sozialdemokratischen) Verbänden. Don den christlichen Gewerkschaften werde kein Terror rismus ausgeübt, wohl ober von den Sozialdemokraten. Diese würden aber damit die christliche GewerfschaftK-Bewegung nicht aufhalten.
Abg. Prirrz Schöna ich-Earolath fnl.) geht auf die Zustande in den vberschlesifckien Hüttenwerken ein. Er könne die Schilderungen Hues nicht als richtig anerkennen weder in Bezug auf Mangel an Wohlfahrts-Einrichtungen noch in Bezug auf das Maß an Frauenarbeit noch auch in Betreff der Löhne ober des Verhältnisses der Löhne zu dem Ergebnis, den wer weife wie hohen Dividenden. Nedner verlangt sodann einheitliches reick)saesetzlicl)es Vorgehen gegen Automobilunfug. Vorgestern soll Zeitungsnachrichten zufolge in der Nähe von Frank- urt a. M. der Führer eines Wiesbabener Automobils ein Bio uhrwerk überfahren haben. Der Fuhrmann wurde getötet, man ckffeppte bie Leiche ins Feld und spannte bie Pserde aus, und den Anschein eines llebers.ills zu erwecken. Die Automobilisten uhren davon. Tie Obduktion der Leiche ergab eine Kopfwunde, deren Entstehung sich die Aerzte nicht erklären können, sodafe die Annahme, der Betreffende sei vom Automobil tot* gefahren, bestehen bleibe. Geradezu grauenhaft ist cS, welchen Unfug die Automobile auf dem Lande anrichten. (Sehr richtig!) Das radikalste Mittel ist bie Entziehung der Fahrlluery und die (Einführung des LLftpflichtgesetzeH


