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10.2.1906 Zweites Blatt
 
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Anträge aus Emladungckart« r Smiübrunfl von Wien iwc i ülsbülb an Öen iforfitjentw tien \VL

,'heimkarten fwb rchLch ®äüe ttut wx NiR (fcmlabw^tantn): ianbQvaknutüBe 4, IL, Ludwigslraße 26,111, ffrantzurler Str aßt 7, IN.

G. F. F. Z

Voniag, den 12. Febnm abends 81/, Ühr

Wsts-LchmlniS

bei Kamerad v»gt.

Da» Kommando.

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Nr. 35

Zweites Blatt

Samstag 10

Lruar 1900

Reöaklwn. ExpedNion u. Truderet ©rbuffhr XtL Ne. 5L lelegu*ilbu; ÄUi^eifla 4>u&au

150. Jahrgang

ÄotahonSbnrd imb Verlag bet Brü bl llcdeie

Unu>crfuäi6öcu(fereL 9L Lange, ©«eben.

Urschetni S^kich mit Hufnnbme beS Sonmag«.

Ute »Liestener LomNienblätter- werben dem ,An<e'ae' niennal wöchenlllch beiaeleqt Der Jld^ldp taeoeut* crtcbcmi monartich ctnmaL

Eenera!-Auzeiger, Amtr- unb Anzelgeb!atL für ben Kreis Sichen.

Aus dem An-Sstaq.

B. Berlin, 9. Februar.

Als die Führer desBundes der Landwirte* noch dem NeichStaae angcbörten, fah man um diese Zeil der landwirtschaftlichen Woche viel wettergebräunte Ge­sichter auf der Parlamentstribüne. Die Männer von der Scholle waren um eine stolze Erinnerung bereichert, wenn fie hörten, wie »ihre* Abgeordneten der Negierung auSeinandersehten, waS alles noch für die Landwirtschaft zu tun sei. Beim Etat deS NeichSanits deS Innern lieh sich zwar keine eigentliche Agrardebatte anhängig machen, aber eine kräftige Mittelstands- rede brachte man doch zustande, und Dr. Oertel eilte sogar einmal aus dem Neichstag zum ZirknS Dusch, um dort endlosen Jubel heroorzuruscn durch die Mitteilung, daß er soeben im Reichstag dem Grafen Posadowsky ,gehörig den Text gelesen habe'. Tie Zeiten haben sich geän­dert, die , reinen' Landbündler sind bei den letzten Wahlen unterlegen. So kommt eS, daß in der diesmaligen landwirt­schaftlichen Woche kein agrarischer Besuch aus der ParlamentS- tribüne anzutreffen ist. Trotzdem macht sich die agrarische Woche auch jetzt im Reichstage bemerkbar, in der Wandel­halle nämlich, in den Gesprächen der ostelblschen Landcdclleute, der Grasen Schwerin, Kanitz, Limburg u. a., die gestern beim Festmahl des LandwirtschastSrats mit dem Fürsten Bülow und £)erm von PodbielSki an der Tafel saßen. Die konser­vativen Parlamentarier leben aus Grund der gestrigen Er­klärung deS Reichskanzlers der frohen Zuversicht, daß Herr von PodbielSki als preußischer Landwirlschaftsminister ihnen whalten bleibt.

Tie Beratungen des Reichstags stehen nach tote vor hn Zeichen der Sozialpolitik. Es folgt Rcoe und Gegenrede, heute brach Abg. Giesberts, der Gewerkschajtsmann des Zentrums, eine Lanze für die christlichen Gewerkschaften. Tann forderte derrote Prinz", Abg. Prinz Schönaich- Larolath (nl.) energisch gesetzliche Bestimmungen gegen Z>cn Automobilunfug, dessen Schrecknisse er in den lebhaftesten Farben schilderte.

Gras Posadowsky konnte ht Aussicht stellen, daß der Bundesrat innerl>alb 14 Tagen über entsprechende Holizciverordnungen sich schlüssig machen werde. Der Staatssekretär machte auf Grund seiner eigenen, in Eng­land gewonnenen Erfahrungen zuaunsten der Automobi­listen das psychologische Moment gelteno, daß dem Fahren­den sehr bald das Urteilsvermögen schwinde für die Schnelligkeit der Fortbewegung und die damit verbundenen oder dadurch hervorgerufenen Gefahren. Im übrigen nahm Nraf Posadowsky keinen Anstand, die Gepflogenheiten der Llutomobilfexe auss schärfste zu kritisieren. Er sprach von Aoheit und ironisch von Leuten, die offenbar ihre Zeit zu hoch einschätzen, um auf ihre Mitmenschen Rücksicht nehmen zu können. Die Unsicherheit in den Straßen der Groß- ltädte bezeichnete er als kaum noch erträglich. Es ist des- yalb erfreulich, daß bereits ein Gesetzentwurf dem Bundesrat jorlicgt, der die Haftpflicht auf die Automobilfahrer aus­dehnt, wie Graf Posadowsky mitteilte. Auch eine Statistik Über den Automobilverkehr soll veranstaltet werden.

Ter Schluß der heutigen Sitzung brachte ein Intermezzo mit der Erklärung des Abg. Fräßdorf (Soz.), daß ihm Abg. v. Kardorff, derReaktionär", lieber fei als Abg. Tr. Mugdan, der Volksparteil er, ferner einen von sozialem Empfinden durchwehten Vortrag des Hess. Großindustriellen Frhrn. v. Hehl (ntl.), der sich der Heimarbeiter annahm, und eine verfrühte Zirkus Vusch--Rede des Agrariers ). Oldenburg lkons.), die gegen den Grafen Posadowsky gerichtet war und von diesem entsprechend beantwortet wurde. Der Freund der Agrarier ist derSozial--StaatS- ckretär" je länger um so weniger, aber er tröstet sich mit >cm Bewußtsein völliaer Uebereinstimmung mit dem Reichs­kanzler, die er heute klipp und klar im Reichstag konstatierte. I

Larlarnentarlsche».

Berlin, 9. Febr. Die Steuerkvmmission deS Reichstages hat heute die Beratung der Steuervorlage bei dem Gesetzentwurf wegen Änderung des Reichsstempel- gesetzes fortgesetzt und unter Abänderung der Regierungs­vorlage einen Antrag Muller-Fulda gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen und Polen angenommen, wonach Frachtbriefe im inländischen Eisenbahnverkehr bei einem .Frachtbetr^ge von nicht mehr als 25 Mk. mit 20 Pfg., bei höheren Beträgen mit 50 Pfg. besteuert werden sollen, wenn die Urkunde über die Ladung eines ganzen Eisenbahnwagens lautet. Der inländische Schiffsverkehr soll überhaupt steuerfrei bleiben. Eine Besteuerung der Ansichtspo st karten wird vom Z^nttnrn beantragt.

lürdie und Schule.

** Zur Frage der Verheiratung der Pfarr- amtskandidaten schreibt dieTarmst. Ztg." offiziös:

DieFranks. Zta." und dieWormser VolkS-Ztg." haben in der letzten Zeit verschiedene Artikel gebrockt, die mehr oder weniger gleichlautend die VerwaltnnaSgrundsLtze angreifen, welche des Gvoßh. Oberkonsi"orium in Betreff b'r Vcrb'-'ratnng der Pfarramtß-K-ndidaten aufgestellt und in einem AuSschreiben vom 16. v. M. den Dekanaten und Pfarrämtern mitgeteilt hat. Das Oberkonsistorium wird s'ch dieserh^ilb in keine Zeitungs-Pole­mik einlafsen, stellt aber fest, daß nach der Geists. Dienstprag­matik § 32 und dem Geistlichen RuhestandSgesetz § 10 jeder Pfarramts-Kvndidat durch Beschluß des erweiterten Öberkonsisto- riumS (nicht desDisziplinargerichtshofS"!) aus dienstlichen Gründen zu jeder Zeit en's der Kandidaten-Liste gestrichen werden kann und daß daS erweiterte Oberkonsistorium in seiner Sitzung vom 12. v. M. die grundsätzliche Zulassung eventueller Stteichung, wie in dem AuSschreiben anaedroht. gebilligt bat."

Die russische Dumakomödie.

TaS schweigende Rügland schickt sich an, ein Parlament zu schaffen. In wenigen Wochen sollen die Dahlen zur Reichsduma statlfinden, und als Termin des Zusammen­tritts dieser merkwürdigen Körpcrschast wird der Herbst genannt. Wie die Vorbereitungen zu der Wahl getroffen werden, ist interessant und zeugt für den guten Willen der russischen Machthaber, die augenblicklich wieder oben­auf sind. Zunächst werden einmal sämtliche Tumakandi- daten, soweit sie nicht Kreaturen der Regierung sind, in Hast genommen. Man spart sich die Mühe, Gründe an­zuführen. Wer als Kandidat ausgestellt wird und im Geruch steht, nicht nach der Regierungspfeife tanzen zu wollen, wird eingesteckt. WaS weiter mit ihm geschieht, weiß man nicht: wenn es gut geht, wird er nach den Wahlen der Freiheit, d. h. der russischen Freiheit wieder­gegeben. Man geht aber noch weiter: den Bauern, die den Wert eines Parlaments noch nicht kennen, muß deutlich begreifbar gemacht werden, was für eine Wohltat ihnen er­wiesen werden soll. Zu diesem Zweck läßt man sie strich­weise zusammentrei ben, hält ihnen eine Rede, be­zeichnet ihnen den Kandidaten, den sie zu wählen haben, und wenn ihnen das nicht zu behagen scheint, prägt man ihnen den Namen mit wohlgezählten Knuten­hieben ins Gedächtnis. Aus russ. Quellen werden die gräßlichsten Geschichten über die Wahlarbeit der Negierung des Grafen Witte mitgeteilt. Es handelt sich also für die Regierung nicht um die Einlösung eines in bedrängter Zeit gegebenen Versprechens, sondern um eine Farce. Daß eine auf diese Weise gewählte Duma das geringste an den bestehenden Zuständen ändern könnte, wird kein Mensch annehmen. Im antiken Drama folgte auf die Tragödie das Satirspiel werden sich nicht in Rußland die Tinge entgegengesetzt entwickeln und auf die Komödie wieder den tragischen Ernst folgen lassen?

Nach einer heutigen offiziösen Meldung auS Peters­burg ersuchte Witte die Gouverneure des europäischen Ruß­lands, telegr. entschiedene Maßnahmen zur Beschleu­nigung der Anfertigung und Veröffentlichung der W a hl- listen zu ergreifen. Sobald dem Minister deS Innern

Mitteilungen über die Veröffentlichung der Listen zügelten, ivirb der Zeitpunkt der Einberufung ber Gouvernements-^ Wahlversammlungen festgesetzt werden. Von diesem Zeit­punkt wird die Bestimmung des Wahltermins in den Städten und auf dem Lande abhängen.

Sonst ist heute noch aus Rußland zu melden, daß in Pensa der Po liz eiche f Kvndaurow ermordet wor­den und in Kutais der Vezirkschef Veganoiv von einem Unbekannten tödlich verwundet ist. Nach einer Meldung auS Konstantinopel hat die Pforte Nachrichten vom türkischen Konsul in Tiflis erhalten, daß die Armenier in den kaukasi­schen Provinzen 27 mohammedanische Dörfer niedergebrannt haben. Andere 7 Dörfer wurden von Armeniern belagert. Zahlreiche Mobammedaner starben den Hungertod. Ferner ist zu melden, daß eins der ange­sehensten Petersburger Blätter, dieNowoje Wremja", wieder einmal in einem Leitartikel gegen daSTeutsch-, tum hetzt, daSfür alle Mißgeschicke Ruß^ lands in den letzten zwei Jahren verantwortlich sei!!? Ter Dichter Gorki erlitt in den letzten Tagen heftige Nervenanfälle mit Blutanswurf. Die Aerzte konstatieren eine Verschlimmerung seines LungenleidenS.

Aus Sraüt und Land.

Gießen, 10 Februar 1908.

** Eine Sitzung d eS Provinzial - Ausschusses der Provinz Oberhessen findet am Mittwoch, 14. d. M., vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung stattr 1. Gesuch des JohS. Metzger X. zu Gambach um Erlaubnis zur Errichtung eines Schlachthauses. 2. Klage deS OrtS- armenocrbanbeS Rödgen, Kreis Friedberg, gegen den OrtS-> armenücvbanb Wisselsheim wegen Unterstützung der Wilh. Stötzer Ehefrau von Rödgen. 3. Enteignung von Gelände zur Anlage eines Trottoirs am Mainzer Kuhweg in Alsfeld.

* Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurden dem Schullehrer Gg. Hering zu GrieSheim eine Lehrerstelle an der Gememdeschule zu Gräsenhausen; dem Schullehrer Friede. Boller zu Gräsenhausen eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Griesheim, den Sehiillehrern Hch. Breidenbach zu 9lublo9 und Karl Merkel zu Hüttenthal, sowie dem SchulamlSaspiranten Karl Wämser auS Heuchelheim, Kreis Gießen, Lehrerstellen au der evang. Schule zu Vilbel.'

Erledigt sind: die Lehrerstelle an der evang. Schule zu Hütt en selb, Geineinbe Lampertheim, und eine Lehrer» nmenslelle an der ka'h. Schule zu Bingen.

* Prozeß Köhler. In Sachen der BeleidigungS-i klage des Staatsanwalts Neuß u. Gen. gegen den zweiten LandlagSpraübenten K ö hle r-LangSborf hat Jiistizrat Bren- tano-Osienbach, der RechtSbeistand Köhlers, Revision beim Reichsgericht angemeldet. Termin steht am 17. Mar b. I. an. Tie RevisionSschrift umfaßt 29 Seiten. Bekannt­lich ist Köhler zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worben.

' Die Vorführung altgriechischer Musik und Poesie am Montag, den 12. dS. MtS., abends, mit der dankenswerten öffentlichen Hauptprobe am Sonntag, den 11. b. M., vormittags 11 Uhr, begrüßen wir auch deshalb mit besonderem Jnteresie, weil Studierende der AltertumS- ivissenschaft selbst auftreten und so zeigen werden, baß sie die antike Schönheit in sich ausgenommen haben und fähig finb^ sie durch ihren Vortrag wieder lebendig und künstlerisch wirk­sam zu machen. Wir messen dem umso höheren Wert bei, old wir meinen, daß die künftigen Lehrer an unseren hohen Schulen dlilch solche Bestrebungen ganz besonders sich zn einem wirklich bildenden und eindringenden Unterricht be­fähigen und zu einer ästhetischen Wirkung weit über die Kreise des Gymnasiums hinaus. TaS uns vorliegende, von der Brühlschen Universitätsdruckerei künstlerisch ausgestattete Programm ist durch die in knappster und anspruchsloser

architektonisch, sondern auch künst-! ben soll.

Bi:ehholz, jenen seinsimngen Weimarer Meister, ber heiroiflm mit 40 Jahren aus bem Lebep schieb, als er nicht einmal mehr um bis gerinne Summe von sünfpg Mark Seine Werke losschlagen konnte. AuS jener Ausstellung, die Seinen Namen plötzlich zu Ehreu brachte und dielen Künstler nut einem Male neben die größten Meister deutscher Kunst Setzte, wurde vor allem ein Bild bewunderl, der Frühling in EhringSdorS. Helt 1 der Meister der Farbe, die ihren dritten Jahroaug eröffnen, bringt eine köstliche Nachbildung diefes buitipen Frühlinasbilbes in Karben. Hier hat man den ganzen Buclcholz vor ?luqcn, jenen Meister, der So lyriScb zu maleu verstand, dessen Palcite droas von den Sanften Klängen emer Harie hat. Co exzevlionell steht diefes Bild im Rahmen der geleimten deutschen Kunstgeschichte da, daß man Selbst unter den .veuNgeu kaum Emen zu nennen wüßte, der in gleichem Maße biclcn tiefen poetischen Zauber mit einem rein malerischen Empfinden von solcher Feinheit zu verbinden wußte. Wenn man dies .Früblmg" als ein Totenopfer bezeichnen möchte, das dem dlndeuken des beklagens­werten Meisters dargebracht wird, so erfcheiut panS von Bartels' karbenSattes Bild mit in der seurigen Glut der untergehendeu Sonne rot gebadeten Kelsenriffen im Meer, da- Kap LaudSend ui Cornwall darstellend, wie ein Gedicht aus Lebensbejahung und ein Gebet an die Natur, dem der gevrie eue deutsche Künstler hier ein tief empfundenes Sonett darbringt. Al- dritter deutscher Künstler tritt m biefem Helle Georg B u ch n e r nut einem verklärten, jugendlich remen Mädcheubilduis aiü, das auch koloristisch an alle 'DZeifter erinnert. Ter Spanier Fols Benllinre y Gil gehört beute neben Zuloaga mit zu den marfnnteften Vertretern dieSer jungen lypiSchen Kunst, die Seit For° tnnyS frühem Tode So viel Krall, io viel MeisterScha'l an den Tag gelegt bat. Benstmres ^Stierkämpfer zeigt in treßlicber Eharakle- risierung und mit einem cnüAemen Gefühl für das Mouieutoiie der Bewegung und der Szene eine jener Typen, deren Leben ein fortgesetztes Spiel mit dem Tode ist. Endlich bringt das Hell noch r,vei köstliche Blätter des Italieners Paolo 9)1 i di e 111 und des Ungarn Sz i n y e i - M e r Se, die beide durch ihre malerischen Feinheiten fesseln. Michetiis Badeszene sticht ins Gebiet des Genre und Hal einen Zug echte» Humors; Szinyei-Dierses Picknick möchte man seinem Inhalte nach einen Watteau des 20. Jahrhunderts nennen; seinen höheren künstlerischen Werl erhäU eS durch bie

Schauspielhaus, das nicht nur < leriseb Berlin zur Zierde gtreicben .

Meister der Farbe. Europäische Kunst der Gegenwart. 3. Iahrg. Heft 1. Jährlich 12 Hefte 24 Mk. Verlag von E. A. Seemann, Leipzig. Tie oorjäbvine Ausstellung deutscher Land- Schaller in Berlin hat einen Meister zu Ehren gebracht, an dem die Nachwelt sühnen muß, waS die SDhtmelt versäumte, Karl

lruninislischen Reize. Die achlseitige Terlbeilage bringt eine Reihe sehr interessanter Menzelbriefe und akiueller Notizen ans dem Kiuistlebeu. So eröffnet die« erste Hell äußerst vielversprechend den 3. Jahrgang dieses künstlerischen Unternehmens, dem man auch für die Zukimkt den besten Erfolg wünsche» mag, dr, gerade dies« Piiblikaiion dazu ausersehe» ist, i» weile» Kreisen Sin» sür Schön­heit und Freude an der Kunst zu wecken.

Kunst auf demLande. Ei» Wegweiser für die Pflege des Schönen und des Heimatsinnes im veulfchen Dorfe, unter Mitwirkung verschiedener Gelehrter und Künstler hcrausgegeben von Heinrich Sohnrey, Geschäftsführer des Deutschen Vereins für ländliche WohkfshrtS- und Hcimatpflege, mit 10 farbigen Beilagen und 174 Textabbildungen. Leipzig, Delhzgen u. Klafing. Der Zweck bi<*fe5 Buches ist bie Er ha ltung und Förder­ung ländlicher Eigenart im Bauwesen, im HauA- gerät, im Schmuck nnb in der Tracht unserer Bevölkerung, in gesunder, naturgemäßer Entwicklung unseres Volkslebeus und organischer Weiterbildung unseres BolkStnms zur Volkskunst. Auf dem Gsldgrund der Eigenart unseres DolkcS will Sohnrey eS zu den idealen Güter» emporfuhren, bie unser Leben schmücken. Es wird uns zu diesem Zwecke in anschaulicher, unterhaltender, durch gute Abbildungen fbnrunter auch aus ber Herborn er Gegend) illustrierter Darstellung zuerst von Rob. Mielke daS Dorf selbst in seiner mannigsachen geschichtlichen Entwicklung geschildert, dann die Dorfkirche mit bem ländlichen Kirchenbau. überhaupt und die E-emeindebautcn, darunter das Pfarrhaus, die Schule rnb des Gemeindeamtsh-.-.u-. Daran reiht sich, reich illustriert (ein sränkisches Gehöft im benachbarten Fronhausen u. a. aus Hessen befindet sich unter ben Abbilbungen) die Beschreib­ung von HarS und Wohnung in alter Zeit in ben verschiedenen deutschen, auch intien inneröstreichis.-hen Landen von Dir. Tr. Peter Jessen in SBerltn und eine Fülle von Bettachtungen über daS Bauen auf dem Lande von Oberbaurat Schmidt in Dresden, den Gerten, den bäuerlichen HauSfleiß (darunter Abbildungen v-on Gebrauchsgegenständen aus ber 53 etter au), Tracht unb Schmuck mit Abbi'dvngen aus der Gegenb von Wetzlar, Bie­denkopf usw.) sowie uber^d a S B i 1 b , das im Bauern­hause heimisch ist.So schlecht unb unklwsderisch bi ess Bilder auch vielfach sind, so geben sie doch eine sichere Klarheit über bas, was künstlerisch am leichteren bei b:m Landman» Ein­gang findet." ES ist ein dankenswertes Unternehmen von Heinrich Sohnrey, das wir hier freudig begrüßen. Möchte das schöne Werk nicht bloß der Wohlwhrtsoflege überhaupt, sondern ber HeimaLkunst insbesondere durch zahlreiche Verbreitung bienenj

Aleiues Feuilleton.

R. B. Darmstadt, 9. Febr. Der hiesige Richard Dagner-Verein hatte für den gestrigen Mend ben bekannten Pariser Beethoven-Spieler Eduard Ri Sl er zu einem Ävnzcrt bei pflichtet unb bereitete bamit dem musilliebenden Publikum einen seltenen Genuß. Risler spielte die Sonaten op. 10 Nr. 3 in D-dur, op. 31 Nr. 3 in ES-dur, op. 90 in E-nrosl und op. 111 in E-moN. Die Wiedergabe der Werke zeichnete sich vor ollem durch die Wucht der Auffasfung aus, ohne daß cs aber Herr Risler an einzelnen Stellen an ber nötigen Feinheit fehlen liefe. Das Publikum füllte den großen Saal der Tumgemeinde bis auf ben letzten Platz unb gab seiner Bewunderung sür den Spieler den lebhaftesten Ausdruck.

kfc.) Frankfurt a. M., 9. Febr. Wie der Direktor de§ Stadtarchivs Dr. Jung gestern abend im SSercin für G schickte und AltertunEuide mitteiltc, ist es dem Direktorialossistenten deS hiesigen städtischen Museums gelungen, bei den Ausgrab­ungen amSteinernen £»anfe" die Fundamente einer groß angelegten römischen Heizanlage bloß-ulegen. Damit dürfte ber Beweis erbracht fein, daß Frankfurt zur Römerzeit nicht nur ein Eastellum, sondern eine völlig auS- gebaute Niederlasinng römischer Ansiedler darstettte.

_ Unter ben neuen großen Berliner Theater- planen wird jener der Errichtung desNene» Schau­spielhauses' im Westen ber Reichs Hauptstadt am ehesten feine Verwirklichung finden, da bereits mit dem 5Zou begonnen nrrb unb dieser im Herbst dieses Jahres fertige»eflcllt sein wird. Bon dem gewaltigen Unternehmen und feinen fesselnden Einzel­heiten erzählt uns in interess ntter Weise Hermann Knauer, Chef der Dau- und Drchitektcnfirma Boswau u. Knaner, welche jenes Theater erbaut, in seiner Broschüre:Das neue Schauspielhaus und der neue Konzcrtsaal am Nollendorfplah in Berlin" (Berlin, L. Oehmigke's Ver­lag). Zunächst von dem früheren Berlin imterfraltenb plaudernd und dann auf die rasche Entwicklung der Residenz übergehend, schildert der Verf sser daS erstaunliche Emporwachscn der west­lichen Stadtteile, öinen monumentalen Schmuck jenes Berlin WW wird des Neue Schauspielhaus mit 1200 Plätzen sowie ber mit ihm verbundene Neue K'onzertsaal, der 1600 Besuchern Raum bietet, bilden, ferner wird's nicht an einem oii^umsassenden Restaurant, großen und kleinen Fesisälen usw. fehlest^ I» seiner Schrift nun gibt uns K'nauer anziehende Einblicke in das Ge­triebe einer fo umfassenden und bedeutsamen Unternehmung, die Mülionen erforbert unb tausenden fleißiger Hände lohnende R<s^kti/iu«s .Eipr Abbildmrg fcciflt uns das Rene