Ausgabe 
11.8.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 187

Erscheint täglich

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Slehener Familien» blätter viermal in der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- druckerei. R. Lange. Niedaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion 113

Verlag u.(Lxpec>.s^51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen. Kn

Erstes Blatt

156. Jahrgang

Samstag 11. August 1906

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GietzenerAmeiger» w General-Anzeiger ® ** S

. den polit. und allgem.

Amts- und Anzttgeblatt für den Kreis Gießen MW

. zelgenteil: HanS Beck»

Die Heutige Kummer umfaßt 14 Seite».

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Betr.: Die KaSko-VerficherungsgefeUschaft Nheinfahrt, Ver- sicherungSverein auf Gegenseitigkeit in Homberg a. Rhein.

Der oben genannten Gesellschaft ist durch Entscheidung des Kaiserlichen Aufsichtsamts für Privatoersicherung voni 11. Juli d. Js. die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Groß­herzogtum erteilt worden.

Gießen, den 9. August 1906.

Großyerzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wörner.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 3. Mai l. I., Kreisblatt Nr. 50, bringen mir hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß das Präsidimn des VerbandeS der oberbadischcn Zuchtgenossenschaften auf den Absatz der Lose der anläßlich des am 17. und 18. September 1906 zu Radolfzell stattfindenden Zentralzuchtviehmarktes zu ver­anstaltenden Verlosung in Hessen verzichtet hat.

Gießen, den 9. August 1906.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

Die KrHeöuug «Hessens zum Kroßherzogtum.

Ein Gedenkblatt.

Am 6. August 1806 war das morsche heilige römische Reich deutscher Nation endgiltig zu Grube getragen worden, nachdem es schon vorher durch die Gründung des Rhein­bundes sein tatsächliches Ende erreicht fyatte. Die west­und süddeutschen Fürsten mußten, wenn sie nicht ganz ihre Besitzungen verlieren wollten,ihren Frieden mit den Verhält­nissen, d. h. mit Napoleon machen und sich dessen Schöpfung, dem Nheinbund, anschließen. Auch Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt tat dies, aber als letzter, als er einsehen mußte, daß er vom Reiche keine Hilfe zu erwarten hatte. Mit der Loslösung vom alten Reich fiel auch der alte Ditel. Wie Bayern und Württemberg zu Königreichen, so wurde Hessen von Napoleons Gnaden zum Großherzogtum erhoben und ihm nach dem Reichs­deputationshauptschluß zu Regensburg als Entschädigung für den Verlust seiner wohlhabenden linksrheinischen Be­sitzungen reichlicher Ersatz durch das Herzogtum Westfalen und eine Anzahl Aemter in Kurmainz, Bensheim, Heppen­heim, Lorsch, Gernsheim, Fürth, Steinheim, Dieburg, ferner Seligenstadt, Hirschhorn, Lindenfels, Otzberg, Umstadt, die Reste des Bistums Worms, Lampertheim und Neckarsteinach, die Reichsstadt Friedberg und die später von Baden ein­getauschte Reichsstadt Wimpfen überwiesen, wozu dann noch die Landgrafschast Homburg, das Burggrafen tum Friedberg, die Grafschaft Erbach, die Herrschaft Breuberg und ver­schiedene Besitzungen der fürstlich und gräflich Solmsschen Häuser kamen. Der Vtonarch führte den TitelLudwig L, Großherzog von Hessen, Herzog in Westfalen" usw. und verkündete dies durch nachstehendes Verdikt:

Wir Ludewig, von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen, Herzog in Westphalen usw. usw.

Thun kund und fügen hiermit zu wissen: Zufolge des am 12 ten Juily dieses Jahres zu Paris zwischen Sr. Majestät dem Kaiser der Franzosen Könige von Italien und Uns, in Vereinig­ung mit rnehrern bisherigen höchsten und hohen Deutschen Reichs- Ständen, abgeschlossenen Bundes-Vertrags, ist Uns die völlige Souverainität, sowohl über unsere angeftaminte und durch den letzten Reichs-Deputations-Schluß erworbene, als auch nachbe- uannte Lande und Besitzungen beigelegt worden: Ueber das Burg- grasthnm Friedberg mit allen Zubehörungen, die Herrschaften Breuberg, Heubach und Habizheim, die Grafschaft Erbach, die Herrschaft Ilbenstadt, den Stollberg-Gederschen Antheil an der

i...........

Grafschaft Königstein, die Besitzungen der Fürst- und Gräflich Solrnsischen Häuser in der Wetterau, mit Ausschluß der Aemter Hohensolms, Braunfels und Greifenstein, über die Grafschaften Wittgenstein und Wittgenstein-Berleburg, das Amt Homburg vor der Höhe, die bisherigen unmittelbaren von Riedeselischen, nebst mehreren Reichsritterschaftlichen Besitzungen usw. Die Oberhoheit über letztgedachte Lande und Besitzungen begreift die Gesetzgebung, die Ober-Gerichtsbarkeit, die Ober-Polizey, die Militär-Hoheit und das Recht der Auflagen.

Vermöge desselben Staats-Vertrags, und nach der nun förm­lich erfolgten Auflösung des Deutschen Reichs-Verbands, haben Wir den Großherzoglichen Titel, mit allen von der König­lichen Würde abhängenden Rechten, Ehren und Vorzügen, für UnS und Unsere Nachkommen angenommen und Unsere sämtlichen Herzogthümer, Fürftenthümer, Grafschaften und Herrschaften usw. zu einem souverainen Grobherzog thum erklärt, und machen solches, kraft dieses, zu Jedermanns Nachachtung kund.

In der Ueberzeugung. daß alle Unsere Angehörigen, Diener und Unterthanen an diesem für Uns und Unser Grobherzogliches Haus, so wie für unsere gesammten Lande, höchst wichtigen und erfreulichen Ereignisse, den lebhaftesten Antheil nehmen werden, gereicht es zu Unserer größten Zufriedenheit, ihnen zugleich die Versicherung zu erteilen, daß Wir den mit der neuen Würde erlangten unumschränkten Gewalt auch in sofern einen ganz vorzüglichen Werth beilegen, als sie Uns die frohe Aussicht eröffnet, das, Unserem Landesväterlichen Herzen so theure, Glück Unserer Angehörigen, Diener und Unterthanen, so wie die all­gemeine Wohlfahrt des Staats, noch würksamer, als bisher, erhöhen und befestigen zu können.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedruck- ten Staatssiegels. Gegeben in Unserer Residenz Darmstadt den 13. August 1806

(L. S.) Ludewig.

Von der Ausnahme, die dieses Edikt bei der Bevölker­ung sand, wissen die Chronisten nur weniges zu melden, und es ist bezeichnend für jene Zeit, daß die im Lande erscheinenden Zeitungen (auch dasGießer Anzeigeblätt- chen", wie sich die Großmama desGieß. Anz." nannte) außer diesem Edikt nur noch ein weiteres brachten, das die Titulaturen des neuen großherzoglichen Hauses regelte.

Das Protektorat, das Napoleon wie über die übrigen Rheinbimdstaaten auch über Hessen ausübte, brachte diesem keinen Schutz in den unaufhörlichen Kriegswirren; wenn auch dies Land selbst nicht Kriegsschauplatz war, so hatte es doch unter den unaufhörlichen Truppentransporten zu leiden, und 1806 und 1807 in Preußen, 18091813 in Spanien, 1809 in Oesterreich und 1812 in Rußland und 1813 gegen Preußen, wurden zahlreiche hessische Landes­kinder den Interessen des fremden Usurpators geopfert.

Aber das Versprechen, unter den neuen Verhältnissen die Wohlfahrt seiner Untertanen noch besser fördern zu wollen als seither, hat der edle Fürst auch unter den Stürmen jener Zeit nach besten Kräften gewahrt. So zog er durch reiche Dotationen für die Landesuni­versität eine Anzahl berühmter Lehrer hierher. In Darmstadt vollendete er den Bau des Hoftheaters, das Kollegienhaus und viele andere Monumentalbauten und trug besonders dadurch zur politischen Entwicklung des Landes bei, daß er am 17. August 1820 eine neue ftän^ dische Verfassung gab, das Steuersystem und die Heereskonskription neu ordnete und eine gut geregelte Fi- nanzgesetzgebung durchführte. Das Hauptverdienst des ersten Großherzogs aber, mit dem er unserem Großherzogtum zugleich auch in der Geschichte des werdenden deuAchen Reiches ein unvergänliches Ruhmesblatt stiftete und Hessen einen hervorragenden Anteil an Deutschlands Einigung sicherte, war der auf Anregung des Ministers du Thil im Februar 1828 glücklich zustande gekommene Zollvertraa mit Preußen, der den eigentlichen Grundstein zudem 1833 gegründeten Deutschen Zollverein bildete. Während damals die englischen Waren den deutschen Markt voll­ständig überfluteten, den deutschen Produkten aber durch hohe Zollschranken der Eingang in fremde Länder verwehrt war, erließ im Jahre 1818 Preußen ein Zollgesetz, dessen wichtigste Bestimmungen dahin aingen, daß der Verkehr der Waren im Innern des Lanoes frei fern und keiner Beschränkung unterliegen, dagegen der heimische ©eiöerbe*

fleiß durch Erhebung von Grenzzöllen geschützt werden solle. Dieses neue Zollprmzip bedeutete einen gewaltigen Auf-, schwurtg für Preußen, fügte aber den anderen Bundes­staaten furchtbaren Schaden zu und so versuchte du Thil mit glücklichstern Erfolg den Zollanschluß Durch diesen An­schluß aber wurde Hessen wie neu bdicht und seine Kassen' mit Geld gefüllt. Schon dritten Monat der neuen, Zollverwaltung zeigte das wirtschaftliche Leben einen ge­waltigen Aufschwung; besonders hatten die seit Jahreu lagernden Weinvorrate reißenden Absatz gefunden, und in den ersten 15 Monaten waren von Hessen eigene Erzeugnisse im Gesamtwert von 3 190 000 Gulden nach Keußert abgesetzt worden, für die mangels des Zollvertrags nicht weniger als 870000 Gulden an Preußen hätten gezahlt werden müssen. Statt dessen wiesen die Zollkcrssen des Landes in den 15 Monaten einen Ueberschuß von 400 000 Gulden auf und die hessischen Produkte stiegen um durchschnittlich um 20 Proz., für Wein aber gar um mehrere hundert Prozent im Preise. Wie der verstorbene unvergeßliche Greßenep Prof. Wilh. Oncken in seinem großen Geschichtswerk kon­statiert, war es besonders die Furcht der' Bundesstaaten vor dem Hauptstaat Oesterreick), welche die im Stillen lähmende Gewalt bildete und Sen Anschluß an Preußen selbst dort hintenanhielt, wo man ihn wünschte und seine Notwendigkeit eingefeben hatte.

Wer nicht alle Landesteile, die 1806 die Erhebungj zum Großherzogtum miterlebten, konnten sich der allg. Hess. Fortschritte miterfreuen; an die Stelle Westfalens waren Rheinhessen und die isenburgischen Besitzungen ge­treten. Aus demGroßherzog von Hessen und Herzog in Westfalen" ist einGroßherzog von Hessen und bei Schein" geworden, und noch später ist aus Hessen ein Glied des einigen deutschen Reiches geworden, das aufgebaut ist auf den Grundsätzen der Wohlfahrt uni)' Freiheit aller seiner Bürger. In der Kette, die das alte Reich mit bcmi neuen verbindet, ist Hessen nicht das schlechteste Glied ge­wesen.

Kaiser Wilhelm und König Eduard.

Aus London wird zu der am nächsten Mittwoch Bei vorstebenden Zusammenkunft des Kaisers mit König Eduard gemeldet:

Laut Daily-Telegraph entbehrt die Zusammenkunft des, Kaisers und Königs diplomatischer Bedeutung, weil die Minister der auswärtigen Angelegenheiten nicht zugezogeu wer­den. Gleichwohi werde das Zusammentreffen Alle befreien, die Englands und Deutschlands Rückkehr zur allen geschichtlichen Freundschaft wünschen. Zwischen der deutschen und der briti­schen Regierung besteht nicht der geringste Vorwand zum Streit. Dagegen herrscht zwischen den beiden Völkern vorübergehend grund­loser Argwohn und Eifersucht, die durch die Zusammenkunft der beiden Herrscher zerstreut werden könne.

Dazu bemerkt dieBoss. Ztg.":

Eine Zusammenkunft zwischen dem deutschen Kaiser und dem Könige von Großbritannien eMbehrt nie politischer Bedeutung, ob die Minister der ausw. Angelegenheiten dieser Zusammen­kunft beiwohnen oder nicht. Im vorliegenden Falle muß diesem Zusammentreffen um so höhere Bedeutung beigemessen werden, als König Eduard, der' im vergangenen Jahre einer Zu­sammenkunft mit dem Kaiser geflissentlich ausgewichen ist, mitt­lerweile die Notwendigkeit erkannt zu haben scheint, seinen Ver­stoß gegen höfische Sitte wieder wett zu machen. Sein verwandtschaftliches Verhältnis zum deutschen Kaiser allein hat ihn zu seinem Besuch in Kronberg gewiß nicht bestimmt.

Wenn man in England offenherziger wäre, so würde man einfach erklären:Wir möchten den Besuch König Eduards auf deutschem Boden als eine nicht länger hinaus­zuschiebende Höflichkeit, in Erwiderung des kaiserlichen Be­suchs, betrachtet wissen. Wir legen auf diese Anpassung Wert, weil uns die Freundschaft mit Frankreich über alles teuer ist, und well wir ängstlich zu vermeiden wünschen, daß unsere Freunde etwa an eineExtratour" glauben und einen roten Kopf bekommen."

Schon jetzt werden Pariser und Londoner Journalisten auf dem Wege fein nach Homburvs v. d. H. und dem roman­tischen Kronberg. Die schönen Seelen finden sich, um mit

Mutter Brünnhilde."

Wirth, Moritz,Mutter Brünnhilde". Zwei neue Szenen zurGötterdämmerung" entdeckt und bühnentechnisch erläutert. Mit einem Gutachten von Dr. Max Kormcum und hüt einer Zeichnung .Brünnhilde dem Siegfried den Vergißmemnichttrank zutrinkend" von Georg Schuster, Preis 2 Mk. Leipzig 1906. Verlag von Gebr. Reinecke.

Professor Hugo Dinger, der in Jena über Richard Wagner liest, nannte einmal Wirth: den Loge der Wagnerianer und hat danut die Wesensart de§ Leipziger Privatgelehrten nicht übel charakterisiert, sofern er damit einerseits seine Spitzfindigkeit anderer­seits den in diesem seltsamen Heiligen vorwaltenden Geist, der stets verneint, gekennzeichnet hat. Wirth ist ein überzeugter Gegner des jetzigenBayreuth; er läßt die Kunst, so ivie fie von den Erben des Meisters gepflegt wird, nicht als voll und ehrlich gelten, und gar gütig ist Die Lauge, mit der er seine Hypothese,i und Deduk- Lianen wurzt. Hat man bet WirlhS mikroskopischen Haarspaltereien schon früher das Geiuhl gehabt, als mache sich der Verfasser über den Leser lustig, der an die Zuverlässigkeit des Ariadnefadens, der ihn durch em Teilchen des Labyrinthes Wägnerscher Werke zu lecken verspricht, willig glaubt, so steigert sich diese Empfindung bei der Kenntmsnahme der neuesten Arbeit Wirths zur Ueber­zeugung. Als Satire auf die Art von Wagner-Forschung betrachtet, die in jedem beliebigen Stabreim, jedem nebensächlichen Motiv de^junges eine unermeßliche schöpferische Tat, eine göttliche Offenbarung erblickt, istMutter Brünnhilde" köstlich zu lesen, und, wie es bezeichnenderweise in der Empfehlung der Verlagsbuch- Handlung heipt, geeignet:zweifellos ©enfation' zu erregen. Wer "s ö*ei?n Festspieltagen auf der langen Fahrt nach Bayreuth sich die Zeck vertreiben will, der genieße diese neuentdeckten Szenen zurGötterdämmerung", wer zu Hause geblieben ist, der greife auch jurMutter Brünnhilde" und erbaue sich an dem Gedanken, daß Nichard 2Ba$ner selbst augenscheinlich gar nicht gewußt hat, warum denn eigentlich über den durch den Lergesienheitstrank vergüteten Siegfried, über das verlogene Giebichungenpaar, über den Alben^

sohn und über die zur Untätigkeit verdammte Göttersippe der Tag der Vernichtung am Schluß desRmg"-Dramas heraufdämmern muß. Moritz Wirth kündet es: Weil Brünnhilde von Siegfried einen Sohn im Schoße birgt, für den sie mit dem Ring die Welt­herrschaft als einzig Gut geizt, weil der Zustand Brünnhildens, aus dem heraus sie Siegfried verrät, pathologisch ist, muß Sieg­fried fallen, müssen die Nhemtöchter chr klares Gold wieder ge­winnen, muß ©ott und Welt erlöst werden vom Fluche Alberichs. Nach Wirths Ansicht hat Wagner am Schluß der zweiten Szene des ersten Aktes und in der Waltrautenszene ein .ganzes gynäko­logisches Kolleg in Musik gesetzt." Die zärtliche Sorg­falt, mit der die Musik dieser Szenen für den hoffnungsvollen Zu­stand der Wotanstochter ausgelegt wird, nicht minder aber die Kühnheit, mit der auf seltsam kombinierter Basis ein neues Ge­bäude von schivindelnder Höhe aufgesührt und mit den subtilsten Einzelheiten in philosophischer und medizinischer Fassung ausgestattet wird, das erweckt stamiendes Jntereffe, weckt Widerspruch, macht wohl auch Sensation. Und mit der ^genannten Wirkung wird sich Wirth wohl auch bescheiden. Tenn daß er selbst an eine Um­wertung feiner Weisheit für Bayreuth oder die Bühne überhaupt denkt, das mag glauben wer will.

Alexis Müller, das älteste Mitglied des Frank­furter Schauspiels, blickt in den letzten Tagen des August auf eine 5 0 jährige Tätigkeit am Frankfurter Etaditheater zurück und wird sich dann von der Bühne ganz zurückziehen. Die Theaterleitung wird Herrn Müller Gelegenheit geben, sich durch eine besondere Vorstellung, vom Frankfurter Publikum zu verabschieden. Vorher wird Alexis Müller noch in einigen seiner charakteristischen Nollen, insbesondere auch in Frankfurterl Diaektrollen anftreten, die cv in den letzten Jahren, seit Stroheckers Tod, vertreten hat, obwohl er als geborener Rigaer nut Frankfurter Redensart ,em Fremder von außerhalb^ war.

Falsch an gerne ndeteSvarsarnkeit. Der Frank­furter W a g i st r,.a 1 hatte HMlossen, im Schauspielhaus

während der Ferien die Regenvorrichttung erneuern zu lassen. Die alle Regenvorrichtung besteht aus verzinkten Eisen- rohren, bereit feine Deffnungen immer von Neuern durch Rost verstopft werden. Dadurch wird die Regenvorrichtung unbrauch­bar, was im Kalle eines Bühnenbrandes verhängNtsvolle Folgen haben fann. Wegen der hohen Kosten hat der Magistrat seinen Entschluß, eine Regenvorrichtung aus Kupferröhren im Schau­spielhause anbringen zu lassen geändert, die alle ist geblieben. Man hat die Löcher ausgebohrt und die Wasferzuflußvorrichtung etwas geändert. In Kürze werden die Röhren wieder verrostet sein. Hoffeicklich rächt sich diese Sparsarnkell am falschen Orte nicht eines Tages bitter.

EineGruppe von französischen Aerzten und Professoren der Medizin kamen am Donnerstag abend in Köln an, wo die Stadt ihnen zu Ehren ein festliches Mahl veranstaltete. Einen Ailtkommensgruß im Namen der Kölner Akademie bot Prof. Barden Heuer. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Besucher von der vor zwei Jahren errichteten An­stalt den Eindruck mitnehmen möchten, daß sie ihrem Zweck ent- ftricht, und daß in ihr ein reges geistiges Leben herrscht. Die soeben angeknüpften persönllchen Beziehungen mögen sich weiter ausgestallen. Er trank auf das Wohl der ftauzösischen Vereinigung. Darauf dankte Bazot in verbindlichen Worten. Es sei eine Freude für die Gäste, das ihrer Heimat so nahe gelegene Köln zu besuchen, das mit ihr so manche enge Verbind­ung aufweise. Die Kölner Akademie für praktische Medizin er­rege das größte Jntereffe der Studiengescllschaft, die sich selbst die Fortbildung dcc ärztlichen Wissenschaft zmn Ziele gesetzt habe. Frankreich habe noch feine solche Anstalt und könne immer noch von Deutschland lernen. Frankreich habe einen Pasteur ge­habt und sei stolz auf Roux, allein auch Deutschlands Gelehrte von Weltruf, Bergmann, Leyden und viele andere gereichten ihrem Vaterlande zur größten Ehre, und es sei eine Auszeichnung, deutsche wissenschaftliche Stätten besuchen zu dürfen.