M Landes Anteil nehmen könne. Der Untcrstaatssckrctär CrnTl nf Portsmouth tciltz mit, der Krieqsmintstcr Haldane lucrbc. nm 12. d. M. Mitteilung machen, daß die Frage der Territorialarmee nicht vernachlässigt worden sei. Rebncr spricht sich dann entschieden gegen die allgemeine Wehrpflicht aus unter besonderer Hervorhebung der kosten. Lord Milner befürwortet die allgemeine Wehrpflicht. Mehrere Redner verweisen sodann auf die Verhältnisse aus dem F^sÜande, insbesondere auf Deutschland.
Paris, 10. Juli. Die Kammer hat cndgiltig das Gesetz betreffend die Verpflichtung zur Gewährung eines wöchentlichen Ruhetages angenommen, das vom Senat bereits angenommen war.
— Der bevorstehende Besuch der Exkaiserin Eugenie bei Kaiser Franz Josef lmrd in hiesigen bonapartistischen Kreisen mit Versuchen in Zusammen hang gebracht, eine Begegnung zlvischcn einem hervorragenden Mitgliede des österreichischen Kaiserhauses und dem italienischem Königspaar auf italienischen! Boden vorzubereiten. Der Lieblingsplan der Exkaiserin Eugenie wäre die Verlobung des Grafen'von Turin mit einer österr. Erzherzogin.
— Der ehemalige Kriegsminister Okncral Andrä er- zählt heute, daß er sich einst veranlaßt sah, Oberstleutnant Ducasse zum Obersten zu befördern, obschon der Münster Präsident Eombes dieses Avancement eines ehemaligen Mtidrehsusards bekämpfte Andre publiziert in dieser Angelegenheit an ihn gerichtete Zuschriften des Eonscilchess Eombes und des Scnatspräsidenten Falliörcs. Dieser war für Ducasse eingctreten. Was Andrö mit seinen Indiskretionen bezlvcckl. wurde von dem Senator wie folgt präzisiert: In Frankreich kommt man am bequemsten durch Gcschichtchen in die Geschichte.
Wien, 10. Juli. Das Abgeordnetenhaus nahm den deutschagra risch en D r i n'g l i ch k c i t s a n t r a g an, welcher verlangt, dast bebufs unveränderter Ausfuhr von G c r st e n m a t z nach Ten tsch land Einfuhrscheine für Gerste und Malz nach dem in Deutschland bestehenden Systeme vom 1. August 1906 ab eingeführt werden sollen.
Äus dem parlamentarischen Rußland.
Petersburg, 10. Juli. Der Reichsrat beriet in seiner heutigen Sitzung den von der Duma ausgehenden Gesetzentwurf über die Abschaffung der Todesstrafe. Mehrere Redner befürworteten die Annahme des Gesetzentwurfes. Timirjascw führte aus, die einstimmige Annahme des Entwurfes, zum mindesten des ersten Artikels, würde für daS Land beruhigende Bedeutung haben.
Die Debatten in der R c i ch s d u m a über die Vorgänge in Bjelostok verlieren imnrer mehr an JUteresse. Von den Abgeordneten, die offenbar von den langen Reden ermüdet sind, in denen anhaltend die Regierung angegriffen und ihr die Fähigkeit zum Regieren abgcsprochen wird, hasten sich nur wenige im Sitzungssaale auf. Die Duma nimmt einen Antrag an, nach welchem zur vorliegenden Frage keine Redner mehr in die Rednerliste ein getragen werden sollen, da 34 bereits dort verzeichnete Redner noch nicht gesprochen haben.
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In Kronstadt wurde vom Marinekriegsgericht Admiral Roschdjestwenski frcigcsprochen. Bier Offiziere des Torpedobootes Pjedowy wurden für schuldig erachtet, das Schiff mit Vorbedacht den Japanern übergeben zu haben. Vier Offiziere wurden zum Tode durch Erschießen verurteilt, indes der Gnade des Zaren empfohlen.
In Moskau meuterte das 7. Reservc-Kävalleric- Regiment. Als zur Unterwerfung der Revolte Infanterie sowie eine Schwadron Dragoner beordert wurden, schloflen sich die Kosaken in die Kaserne ein und empfingen die anrückenden Truppen mit Schüssen. Eine Dragoner-Attacke, wobei ein Offizier getötet und einige Dragoner verletzt wurden, mißlang.
Aus Warschau meldet vom 10. Juli ein Privattelegramm : Als heute mittag zwei Beamte der Direktion der Weichselbahnen in Begleitung zweier Soldaten Geld nach dem Finanzamt bringen wollten, wurden sie von einer Bande überfallen und beschossen. Ein Soldat wurde erschossen, der andere verwundet. Ter eine der beiden Beamten, ntelcher 60000 Rubel in Banknoten bei sich trug, konnte sich retten, während Srlbergeld in der Höhe von 6000 Rubel der Bande in die Hände fiel, welche entkam.
Bel Zagorze in Russisch-Polen wurden zwei Provokateure erschossen. Den Toten waren Zettel mit ihrem Todesurteil auf der Brust aufgeheftet. Bei Bendzin wurde von einem Kosak ein Mann erschossen. Der Kosak will von Jüden dazu angestiftet fein, weil der Erschossene als ein Aufreizer zu Pogroms galt.
Sämtliche Hafen- und Rhedereiarbeiter Odessas sind in den Generalstreik getreten Einige kleinere Gruppen arbeitswilliger, die unter den Bedingungen der Gesellschaft weiter arbeiten wollen, wurden zur Riederlcgung der Arbeit gezwungen. Eine Reihe von Verhaftungen wurde vorgenommen.
Unter den Arbeitern und Angestellten der Warschau- Wiener Bahn herrscht Gärung. Die Direktion lehnt im Hinblick auf das zu erwartende Defizit die geforderten Lohnerhöhungen ab. Die Arbeiter bestehen auf ihren Forderungen und drohen mit dem Ausstand auf der gesamten Strecke. Die Verwaltungsbehörden griffen in den Lohn- kampf ein und machten den Streikenden bekannt, daß sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden würden, da die Eisen-
Außcr dem gefaulten Personal der Münchener Hosbübnen wirken bei den Festspielen an auswärtigen Künstlern u. a. mit: die Damen David.Köln, Delsarta-, eine Tochter PossartL, Dessau, Schumann-Heink-Newyark, Ter- nina-Newyork; die Herren: Forchbammer.Frankfurt, Rciß-Ncwyork, van Rooy-Ncwyork. Die musikalische Leitung für den Ning des Nibelungen und die Meistersinger von Nürnberg ist Äcueralmusikbirektor Felix Mottl und Hofkapellmcister Fischer überfragen, die für Tannhäuser dem Hof. kapcllmeister Dr. Richard Strauß-Berlin. Die musikalische Leitung der Mozart.Fcstspielc liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Mottl und Hofkapellmcister Röhr.
— Deutsche Kunftschätze in Gefahr? Eben erst ist die Gemäldegalerie deS verstorbenen Berliner Bankiers Oskar Hainauer von seinen Erben nach London verlaust luorbeir — der Kaiser soll sich, wie man hört, hierüber sehr schroff geäußert haben — und schon scheint eine andere Sammlung dcutscl>er Kunstschätze in 6>esahr, den gleichen Weg zu wandern und unserem Vaterland verloren zu gehen. Amerikanische Zeitungen bringen wenigstens zur Zeit die Nachricht, daß ein süddeutscher Fürst gewillt fei, Kunstwerke, die sich seit Generationen im Besitz seiner Familie befinden, und deren Wert sich auf Millionen beziffert, zu verkaufen. Es sollen sich darunter Werke von Dürer, Holbein, Rembrandt, Van Thck, Rubens, Reynolds, Nattier, Lawrence ustv., kostbares Dresdener und Sevres - Porzellan. Meisterstücke der Augsburger Silber- schmiedekunst deö Ui. Jahrhunderts und anderem mcljr befinden — Es rväre interessant, zu erfahren, wer dieser süddeutsche Fürst sein soll.
bahn ein Gebiet burchschneidct, üßer welches der Kriegszustand verhängt sei. illuster den Arbeitern und Angestellten ollen auch diejenigen Privatpersonen dem Kriegsgericht überliefert werden, welche den Streik begünstigen, sowie auch die Führer des Aufstandes. In L o d z str e i ke n alle Fabrikfuhrlcute. Jeder Warentransport wird verhindert. In 34 kleinen Fabriken streiken 5000 Arbeiter. Auch in Grodn o sind die Arbeiter in den Generalstreik qe<* treten wegen Erschießung eines Genossen durch Polizisten.
IColottialpofte
— Die „Freis. Ztg." schreibt: „In der gegen Beamte der Kolonialabteilung schwebenden Untersuchun gssachc ist am Montag der Zentrnms-Abg. Das bach vernommen worden, natürlich mit durchaus negativem Erfolge, denn erstens ist DaSbach an der Sache ganz unbeteiligt und zweitens braucht er als Reichstags-Abgeordneter während der Dauer der Session überhaupt nichts auszusagen. Wie wir erfahren, soll auch der Abg. Erzbcrger vernonnnen werden. Hier dürfte das Resultat erst recht negativ ausfatlen. Während übrigens der verantwortliche Redakteur unseres Blattes bereits vor dem Untersuchungsrichter hat erscheinen müssen, verlautet bisher noch nichts von einer ähnlichen Maßnahme gegen den verantwortlichen Redakteur der „Germania", in deren Redaktionsräumen doch auch HauS- uchungen stattgefunden haben. Uebrigens werden diese Hausuchungen mit einem Eifer fortgesetzt, der erstaunlich ist. So ist am Montag sogar in einem großen Berliner Lokal, wo die beschuldigten Beatnten zu verkehren pflegen, eine Haus- Uchung abgehalten worden, bei der das unterste zu oberst gekehrt, aber natürlich nichts gefunden wurde."
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 7. Juli 1906.
* Preisgekrönt. In dem öffentlichen Wettbewerb für ein Dienstgebäude des Vorschuß- und Kredit- Vereins Friedberg wurde der Konkurrenzentwurf der hiesigen Architektensirma Seultng & Nicolaus an erster Stelle preisgekrönt.
* • Eine größere Schlägerei entstand gestern morgen auf dem Sängerfestplatz. Einige Studenten gerieten in der bayrischen Bierhalle in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Zuschauer riefen nach der Polizei, worauf zwei Schutzleute herbeikamen und die Streitenden zu trennen versuchten. Diese wendeten sich jetzt gemeinsam gegen die beiden Schutzleute und in dem entstehenden Handgemenge wurden die Polizisten zu Boden geworfen. Zwei weitere Schutzleute eilten ihnen zu Hilfe und befreiten sie unter Anwendung ihrer Waffen. Cs gelang bei den: Durcheinander nicht, die Namen der Teilnehmer festzustellen.
** Selbstmord. Heute morgen wurde der Schreiner F. von hier in seiner Werkstätte erhängt altsgefunden. Der Mann hat sich schon längere Zeit mit Selbstntordge- danken getragen; er machte den Eindruck eines geistig nicht mehr normalen Menschen. Er hinterläßt eine Frau mit acht Kindern.
Lauterbach, 10. Juli. Bei der Ausgrabung des Heizraumes in der Kirche wurde festgestellt, daß der Fußboden der früheren Kirche 1.60 Dieter tiefer lag, als der jetzige Fußboden. Bei einer Tiefe von 2 Meter wurden verschiedene Grabgewölbe bloßgelegt, auf welchen sich kunstvoll gearbeitete Grabsteine mit den Wappen derer v. Riedesel, Hochfeld, Felsberg, Fahrenbach, Berlepsch, Wulwershausen:c. befanden. Ferner wurden nach dem „L. Anz." Bruchstücke einer männlichen Statue auSgegraben.
• • Fraurombach (Kr. Lauterbach), 10. Juli. Heute vormittag starb hier nach kurzem Krankenlager unser Bürgermeister Georg Hohmeier. Der Verstorbene, der im 62. Lebensjahre stand, erfreute sich hier allgemeiner Achtitng.
* AlS f e l d , 11. Juli. Die Vorstände der hiesigen polit. und evang. kirchlichen Gemeinde haben folgende Vorstellung an die zweite K' a m m e r der Stände gerichtet:
Die hiesige altehrwürdige Walpurgiskirche , ein hervorragendes, kunstgeschichtliches Baudenkmal, dessen ältester in frühgotischem Stil erbauter Teil aus der Zeit um 1240 stammt, bedarf dringend einer gründlichen Hlesamternenerung. Schon feit 1896 sind dahingel>ende Verhandlungen gepflogen worden; die Pläne und Voranschläge sind von Architekt Hofmann in Herborn für 3000 Mark h:rgestellt worden und bereits ist 1905 die Wiederherstellung des Daches, die sich ohne Gefälirdung des Gotteshauses nickst länger verschieben lieft, geschelien. Diese erforderte einen Aufwand von 12 000 Mark. Der Voranschlag der noch ausstehenden Wiederherstellung von Schiss und Clwr beläuft sich auf 125 000 Mark. Der Stadlvorstand als Vertreter der politischen Gemeinde, der die Baupflicht obliegt, da die kirck'lick>e (Gemeinde nur geringes Vermögen besitzt, will sich dieser Pflicht nickst entziehen, sondern hat in feiner mit dem Kirchen- vorstand gemeinsam gehaltenen Sitzung am 3. März 1904 den Beschluß gefaßt, mit der Gesamliviederherftellung int Avril 1908 zu beginnen. Die sehr bedeutenden Kosten müssen durch Ge- meindeumlagen gedeckt werden. Dies fällt der Stadt um so schwerer, als sie in den letzten Jahren große Ausgaben für Wasserleitung, Elektrizitätswerk, Kreislrankenhaus und Schlachthaus hatte und hat, und ihr die Lösung weiterer umfangreicher Arbeiten bevorsteht. Beim Kreiskrankenhaus hat die Stadt nicht nur die auf sie entfallenden KreiSumlagen, die etwa ein Fünftel bis ein Viertel betragen, zu leisten, sondern auch ein fünf Morgen großes Owimdstück kostenlos zur Verfügung zu stellen; dazu hat sie alljährlich einen namfaiftcn Barzuschuß zu leisten. Schull-auSnenbauten sind in allernächster Zeit nötig, die Kanalisation erweist sich immer mehr als notwendig, und das als altes Baudenkmal weit und breit berühmte Rathaus soll auf Anregung der Qhroftl). Regierung wieder hergestellt werden. Mit Rücksicht auf diese hohen Anforderungen und im Hinblick auf den Umstand, daß auch bei der Wiederherstellung der Stadtkirchen zu Oppenheim, Friedberg, Wimpfen und Butzbach, sowie des Domes zu Worms ans Staatsmitteln Beiträge geleistet worden sind, erlauben sich die Vorstände hiesiger Gemeinde um Bewilligung eines Betrages zur Wiederherstellung der Walpurgiskirche zu bitten.
* * Kleine Mitteilungen aus Hessen nnd den Nachbarstaaten. Der Güterverkehr auf dem Güter-Bahn- bof Dorheim hat sich so gehoben, daß demnächst der Güterschuppen erweitert werden wird. Der T u r n v e r e i n N i d d a beabsichtigt, die Gründung einer Männerriege. — In Nonnen- roth beging der Gesangverein ,Liederlranz" das Fest seiner Fahnenweihe. 22 auswärtige Vereine waren erschienen, nm dieses Fest mitzuseiern. — InMaar wurde Bürgermeister Hermann mit 107 Sllmmen wiedergewählt. Auf den Oiegenkandidaten entfielen 62 Stimmen. — In Altenschlirf fand ebenfalls Bürgermeisterwalst statt. Gewälzt wurde Zimmermeist?r Schmidt mit 49 gegen 36 Stimmen, die auf den Gegenkandidaten Möller fielen. — Streiken de ^Fri senrg e hil fe u überfielen zu Offenbach in der Herrnstraße einen arbeitswilligen Gkl)ilfen und brachten ihm drei Stiche in den Kopf bei.
- Der Rechner an der Butzbacher Zellenstrafanftalt, Rech- »ungSrat Bauer, begeht am 16. Juli mit seiner Ehefrau das Fest der sübernen Hochzeit. — Die Eisenbahnwcr kstätte
in Mainz soll verlegt werden. MS Bewerber um das Institut treten besonders Worms und Wzeh auf. - Die Forstwarte des BezirlSvereins Nidda versammelten sich am 8. d. M. zu Ehren ilyreö in den Ruhestand versetzten Kollegen Haber von Michelnau in dem Rnllrnannschen Saale und überreichten als Zeichen treuer Kollegialität einen Ruhefessel. — AnS Liebes- lummet vergiftete sich daS 22jährige Dienstmädchen Helene Heil in Frankfurt mit Lysol. Man fand das Mädchen heute morgen tot im Bette.
Gerichtssaal.
6. Mainz, 10. Juli. Der 25jährige Fuhrmann Wilhelm- Hinkel anS Framersheim erhielt von der Strafkammer^' wegen Sachbeschädigung eine exemplarische Strafe. In der Nacht des 31. März hatte der Angeklagte auf dem Heimwege von Dittelsheim nach Framersheim neun Bäumchen auf der Kreisstraße und zwei Bälnnchen von Landwirten die Krone abgebrochen und sie- dadurch vollständig zerstört. Ter Staatsanwalt beantragte 1 Jahr' und 6 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung. Der bisher unbestrafte Angeklagte erhielt sechs Monate Gefängnis. — Der 26jährige Schilhmacher Gustav Ifinger mi5 Bingen hatte im Scherz an einen dortigen Friseur eine Postkarte gerichtet und dessen Sohn zum Mandolinenunterricht für den Sohn eines Gastwirts bestellt. Die Karte war fälschlich mit dem Rainen des Gastwirts unterzeichnet. Der Angeklagte roitrbe zu drei Tagen Gefängnis verurteilt.
fc. Frankfurt a. M., 10. Juli. Ein 22jähriges Mädchen, das in der Kaiferstraße einen Laden hat, stand heute wegen Verkaufs unzüchtiger P o st k a r t c n vor der Strafkammer. Es erklärte wiederholt, daß es die inkriminirte Postkarte für vollständig harmlos halte. Dahingegen nahm der Staatsanwalt ein solches Aergernis an der Karte, daß er gegen die bisher unbescholtene Angeklagte eine 63efängni§ftrafe von drei Monaten und eine Geldstrafe von 400 Mk. beantragte. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrase von 500 M k.
Brandenburg a. H., 10. Juli. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte den Leutnant W e y g a u d, der den Lehrer Kogge „Flaps" genannt hatte und mit einer R e i t p e i t s ch e schlug, wegen Beleidigung zir 10 0 Mark Gelftrafe und wegeir Körperverletzung zu drei Wochen 65 e f ä n g n t §.
Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.
(b.) Schotten, 10. Juli. Die hiesige Mvlkerei-Ge- nossen schäft „H v he rod stopft^, an die eine große Zahl von Orten auS der Umgegend angeschlossen sind, hat im Geschäftsjahr 1905 einen Reingewinn von 8125 Mark erzielt. Den Aktiva von 75 977 Mark standen 67 851 Mark Passiva: gegenüber. Für die Gefamtmilcklieferung wurden 126 439 Mk. ausgegeben Während sich dem Unternehmen hundert neue Ge-> nassen anschlossen, war nur ein Abgang von sieben zu verzeichnen. Die Molkereiprodukte unseres Vogelsbergs werden ihrer Güte wegen sehr gerne gekauft, so daß die Nachfrage die Produktion tets bei weitem übersteigt.
Deutsche Reichsbank. Der neueste Ausweis sieht sich bedeutend freundlicher an als der vorhergegaugene. Der Rückfluß ist diesmal wesentlich höher gewesen alS im Vorjahr zur gleichen Zeit. In der Notcnsteuer ist aber die Bank noch immer mit 89,24 Mill. M. gegen 282,07 Mill. M. in der letzten Berichtswochr. Vor einem Jahr um diese Zeit gab es bereits wieder eine steuerfreie Reserve von 21,81 Mill. M. Die Besserung des Ausweise- in diesem Jahr beträgt indes 192,83 Mill. M. gegen 120,73 Mill. M. int vorigen Jahre. Der Wcchsclbestand ist um 126,23 Mill. M. leichter geworden. Gleichzeitig ist auch der Lombard, der in voriger Woche um 164,08 Mill. M. gestiegen war, um 111,01 Mill. M. zurückgegangen. Neue Ansprüche sind dem Jnstititt durch weitere 6 Mill. M. RcichSschatzscheine, die cs übernahm, erwachsen. Im v. I. waren 25,29 Mill. M. zu notieren. Erwähnt sei noch, daß eine starke Kräftignng des Metallbestandes eingctreten ist. Es betrügt die Zunahme deS Metallvorrates bet 879,012 Mill. M. nicht weniger als 34,58 Mill M. Doch ist der Metallbestand immer uin 67 Mill. M. geringer als int Vorjahre. Am 16. d. MtS. hat wieder eine Einzahlung auf die letzte RcichSanlcihe zu erfolgen, waS beachtet werden muß. Die Möglichkeit, daß die Reichsanleihc in absehbarer Zeit eine Diskontoermäßigung vornimmt, ist noch nicht näher gerückt.
Von der Berliner Börse. Da der BankattSweiS befriedigte, war auch die Tendenz ziemlich fest, jedoch der Verkehr nahezu geschäftslos. Banken nnd Fonds waren meist gestrichen, nur für österreichische Kredit zeigte sich einige« Interesse. Amerikaner waren ruhig und abbröckelnd. Prince Henri etwas erholt 145,50. Schissahrtsakttcn sehr matt, weil nun auch der Norddeutsche Lloyd den PassagepreiS herabgesetzt hat. Oesterreich-ungarische StaatSbahn stiegen auf die Hoffnung energischer Behandlung der VcrstaatlichungSsragc. Privatdiskont 3‘/„ Prozent.
— Die Firma Ackermann & Scheickert in Offenbach a. M. befindet sich in Konkurs.
Märkte.
ko. Fr a n f f tt r t a. M., 11. Juli. lOria.-Telegr. des »Gieß. Avz.") V i e h m a r k t. Ztrnt Verkaufe fianbcn 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel, 1144 Schweine; 1. Qual. 73—74 Psg. Lebendgewicht 57.00—57.50 Pf., 2. Qual. 71—72 Pf., Lebendgewicht 55.50-56 Psg., 3. Qual. 60-62 Pfg. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 00—00 Psg. Schase 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft: gedrückt, Uebcrstand iinbcbcutcnb.
fc. Frankfurt a. M., 10. Juli. H e tt- und S tr o h- m a r f f. Mau notierte: Heu, altes Mk. 3.80 bis Mk. 4.10, nettes Mk. 3.00 bis 3.20. Stroh Mk. 3.20 bis Mk. 3.60. Alles per 50 Kilo. Geschäft: lebtzaft; Teitdenz: fest.
Vermischte-.
* N.G.C. DaS Tauskleid beS Kaiserenkels Da§ Taufgcmanb ber kleinen Prinzen unb Prinzessinnen be8. HohenzollernhauseS besteht aus zwei getrennten Stücken.. Zunächst wirb ber kleine Täufling mit einem langen Kleidchen auS seinem, dünnen Stoff bekleidet. Zur Garnierung dieses Kleidchens dürfte die Kaiserin wohl diesmal für ihren Enkel auS ihrem Besitz von herrlichen alten Spitzen das Nötige bciftciicrn. Ist der kleine Täufling so geschmückt, so wird er auf ein großes Kiffen gelegt, das mit schwerem Silberstoff bezogen ist und von dessen vier Ecken Silberquasten herab-^ hängen. Um dieses Kiffen wird nun das eigentliche Prunkgewand gebunden, eine etwa vier Meter lange Schleppe, die von den Hofdamen geträgen wird, während die Oberhof- mcisterin das Kissen mit dem kleinen Weltbürger trägt. Die Taufschleppe der Hohenzollernprinzen wurde seinerzeit von dem Prinzen Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm I. und seiner Gemahlin Augttsta zur Taufe ihres erstgcborciten Sohnes, deS nachmaligen Kaisers Friedrich III. gestiftet, ist also nicht Eigentum der Krone, sondern ein Familicnerbstück der Hohenzollern. Die Schleppe besteht aus schwerem Silberbrokat. Oben in der Mitte befindet sich eine in dicker Goldstickerei ausgeführte KönigSkrone, unb barunter in gleicher Arbeit die Taufnamen Kaiser Friedrichs und daß Datum seiner Geburt. Unter diesem folgen dann die Namen der Großherzogin Lttise von Baben unb bie bcr drei ältesten Kinder Kaiser Friedrichs: der Erbprinzesfin Charlotte von. Meiningen, Kaiser Wilhelms II. unb beS Prinzen Heinrich. Diese Namen finb parallel mit bem ihres VaterS, bie Namen bcr übrigen Kinbcr ber Länge nach an den Seiten eingestickt. Da für weitere Eintragungen in bieses ebenso kostbare wie originelle Taufregister kein Platz mehr war, unb man boch aus ©rünben ber Pietät das von Wilhelm I. her- ftammenbe Prunkstück nicht bei Seite legen wollte, würben bei bcr Geburt bcs Kronprinzen bcr Taufschleppe ein ansehnliches Stück hinzugesügi, bic Naht durch eine quedaufenbe


