Ausgabe 
11.7.1906 Erstes Blatt
 
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Are heutige

Nr. 160

Erscheint täglich außer Sonntag-, Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Spedition und Druckerei:

Gchulstratze 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped.e-^51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 11. Juli 1906

Eichener Anzeiger General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt fist den Kreis Gießen

Mmmer umfaßt 12 Seiten.

Bezugspreis: monatlich7b Pf., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch ^lbhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnurniner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf.

auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für Stadt und £onb* und Gerichtssaal*-. Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Arntticher Heil. KeKmmtumchMg.

Der Provinzial ausschuß hält während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen.

Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind die Ferien ohne Einfluß.

Gießen, den 7. Juli 1906.

Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen. _______________ Dr. Breidert.________________

Bekanntmachung.

Betr.; Rauschbrand zu Utphe.

Der bei einem Schaf des Karl Jöckel zu Utphe aus« gebrochene Rauschbrand ist erloschen und die Sperre aufgehoben.

Betr.: Schweinerotlauf zu Holzheim.

Der unter dem Schweinebestand des Konrad Jung XIV. zu Holzheim ausgebrochene Schweinerotlauf ist er­loschen und die Sperre aufgehoben.

Gießen, den 9. Juli 1906.

GroßherzogUches Kreisamt Gießen.

I. B.: Dr. Wörner.

Ale Strafanstalten.

Der preußische Minister deS Innern hat in einem Runderlaß an die Strafanstalten darauf hingewicsen, daß in manchen Anstalten unverhältnismäßig viele Dis­ziplinarstrafen über die Gefangenen verhängt werden. Es ist, meint der Minister, wohl nicht ohne Disziplinarstrafen auszukommen, aber bei geringfügigen Vergehen wider die Haus­ordnung soll man durch Belehrung zu bessern suchen und nicht gleich mit dem Strafparagraphen hinter den Gefangenen her sein.

Das ist sehr richtig. Ms Leuß sein bekanntes Zuchthaus- buch veröffentlichte, hat die Presse sich mit dieser ernsten und bedeutsamen Veröffentlichung beschäftigt, und es ist die Forderung laut geworden, das muß anders werden! Seither sind Jahre ins Land gegangen und man hat nichts mehr von den Reform­forderungen gehört.

Um so dankenswerter ist der Erlaß des preußischen Mi­nisters. Ganz gewiß sind die Strafanstalten nicht dazu da, den Verbrechern ein möglichst angenehmes Dasein zu verschaffen. Aber man darf nicht vergessen, daß die Eingekeri'erten auch Menschen sind, und daß eine menschliche Behandlung für sie gefordert werden muß. Was Leuß von der moralischen und auch der physischen Demütigung der Strafgefangenen erzählte, war grauenhaft, und doch hat dem Schilder er des Zuchthaus­lebens niemand den Vorwurf der Uebertreibung machen tönneir. Ja man muß wohl annehmeu, daß es in manchen Strafanstalten noch schlimmer mit der Behandlung jener von der Menschheit ausgestoßenen Elemente steht, die vielleicht nur durch eine Ver­kettung unglückseliger Ereignisse im Zusammenhang mit ange­borenem Verbrechertrieb so tief gesunken sind.

Der Minister macht darauf aufmerksam, daß die Grenze zwischen Verbrechen und Wahnsinn sehr schwer zu -ziehen ist, und daß deshalb beim geringsten Verdacht, ein Drsziplinar- vergehen könne seinen Grund in der geistigen Zerrüttung eines Strafgefangenen h^hen, der Irrenarzt betzuziehen, nicht

aber sofort zu sttafen sei. Das ist ein eminenter Fortschritt, zu dem hier ein preußischer Minister sich bekennt die neue Zeit ist also doch nicht ganz an der preußischen Regierung vorübergegangen. Und auch die Sttafanstaltsvvrstände, denen der Minister die allzuvielen Disziplinarbesttafungen vorhält, werden sich den Erlaß zu Herzen nehmen müssen, denn der Mi­nister hat deutlich durchblicken lassen, daß die unverhältnismäßig hohe Anzahl von Bestrafungen in einzelnen Anstalten nicht auf die Gefangenen, sondern auf den verantwortlichen Leiter der Anstalt ein schlimmes Licht wirst.

Ob man nicht überhaupt in absehbarer Zeit zu einer totalen Reform unseres ganzen Bestrafungswesens und Bestrafungsapparates greifen muß, das ist eine andere Frage. Die Art der Bestrafung, wie wir sie' heute haben, ent» sprickst kaum mehr den Voraussehungen, auf denen unsere mo­derne Weltanschauung fußt. Vor allem ist es die Art der Be­schäftigung der Strafgefangenen, die Bedenken erregen muß. Die Einsperrung ohne genügende Luft, ohne genügendes Licht, das Verrichten von Arbeiten, die unter solchen Umständen ge­sundheitsschädlich sein müssen, wie Wollzupfen und bergt, sind nicht geeignet, Menschen zu bessern, was doch der Zweck der (Strafe auch mit sein soll, sondern sie erzeugen bei Einern Teil der Gefangenen jene Vertroddelung, die man den Zuchthauskoller nennt, und bei dem größeren unheilbare Krankheiten. Da ist die bayerische Regierung einen weiten Schritt vorausgegangen, als sie die Strafgefangenen zu M oor- kulturen und ähnlichen Arbeiten heranzog, was sich sehr gut bewährt hat.

Ueberhaupt wird schon aus wirtschaftlichen Gründen daran gedacht werden müssen, für die Strafgefangenen eine andere Be­schäftigung zu suchen. Die Zucht Haus ko nkurrenz ist be­kannt genug, als daß es noch der Bildung eines Urteils über sie bedürfte: der gesamte Stand der Handwerker und Ge­werbetreibenden löidqt unter dieser Konkurrenz. Ob da nicht doch der einzige Ausweg aus der Kalamität der ist. Verurteilte, die längere Freiheitsstrafen zu verbüßen haben, in die Kolonien zu schicken? Man denke, was in Australien in dieser Beziehung geleistet worden ist! Tüchttge Kolonisations­arbeit, die wir in unseren Schutzgebieten so nötig brauchen, wäre unseren Strafgefangenen heilsamer für Geist und Körper, und dem größten Teil wohl auch lieber, zumat, wenn den Leuten nach Verbüßung der Strafe Gelegenheit zum Landerwerb gegeben würde. Vielleicht wird in nicht zu ferner Zeit einmal darüber eingehender gesprochen werden.

BoMesche Cagesscha-r.

Prinz Arenberg über seinen Besuch in Norderney.

Einer unserer Berliner Mitarbeiter berichtet von einem Gespräche, das er mit dem Prinzen Franz, Arenberg hatte und dessen Gegenstand die Reise des Prinzen zum Reichs­kanzler Fürsten Bülow nach Norderney bildete.

Prinz Arenberg betonte, daß dieser Reise politischer Cha­rakter gefehlt habe. Prinz Arenberg und Fürst Bülow sind seit 36 Jahren eng miteinander befreundet.Wir haben den Feldzug bei den Bonner Husaren zusammen mitgemacht, wir haben uns .in Greifswald gemeinschaftlich zum Refe­rendar vorbereitet, in Metz zusammen bei der Regierung gearbeitet. Daß der Fürst sich schon hier in Berlin voll­kommen von seinem Unfälle erholt hatte, davon hatte ich mich vor seiner Abreise überzeugen können. Aber es drängte mich, zu sehen, wie ihm die fünf Wochen Urlaub in Norderney bekommen waren. Ich freue mich, mitteilen zu können, daß ich den Reichskanzler so wohl und so frisch gefunden habe, wie nur je zuvor. Er ist etwas schlanker geworden, seine Gesichtszüge haben eine frühere gewisse Schlaffheit verloren, und er ist auch geistig in der allerbesten, regsten Verfassung. Er lebt in

Norderney nach einer streng geregelten Tagesordnung, reitet viel, ist auch sonst so viel als möglich an der freien Luft und arbeitet täglich fünf Stunden. Daß unser Gespräch auch die Politik gestreift hat, ist natürlich. Mer ich wieder­hole, daß die Polttik nicht die Ursache meines Besuches war.

Vollkommen unrichtig ist die Behauptung, daß meine Reise irgendwie mit den kolonialen Affären im Zusammen­hang gestanden habe."

Aüf die Frage, welchen Eindruck er von der gegen die Kolonialleitung geführten Fehde habe, erwiderte Prinz Arenberg, seiner Meinung nach sei anscheinend Wahres mit1 Falschem vermischt.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juli. Gegenüber der Meldung, daß der Kaiser in einem Schreiben an den Zaren gedroht habe, daß, falls die Duma eine Zwangsenteignung des Landes dekretieren würde, die russischen Werte an den deutschen Börsen nicht mehr zugelassen werden würden, stellt dieNat.- Ztg." fest, daß^an dieser Mitteilung kein wahres Wort ist.

Das zwischen Frankreich, Großbritannien und Italien vereinbarte Abkommen über Abessinien hat allem An­schein nach, nachdem der Text von Seiten Italiens der deutschen Negierung bekannt gegeben worden ist, hier eine günstige Aufnahme gefunden. Man glaubt, daß durch dieses Abkommen die wirtschaftlichen Interessen aller Nationen gewahrt werden. In der Lösung der Frage der abessinischen Eisenbahn wird eine Besserung der allgemeinen Handels­interessen erblickt.

Altena, 10. Juli. Nach den bis 10% Uhr abends vorliegenden Meldungen wurden bei der heutigen Reichs- a g s - S t l ch w a h l im Wahlkreise Altena-Iserlohn abgegeben *für Regierungsrat Klocke (Zentr.) 13 449, für Haberland (Soz.) 14 747- Stimmen.

Leipzig, 10. Juli. Zu einem Rencontre zwischen Sozialisten und Anarchisten kam es in einer Ver­sammlung, die sich mit den zwischen dem soz. Parteivorstand und der Generalkommission über die Durchführung des polit. Massenstreikes ausgebrochenen Differenzen beschäftigte. Ein anarch. Redner, der für den Generalstreik eintrat, warf dem sozialist. Parteivorstand Parteiverrat vor und wandte sich gegen die Zentralorganisation der Gewerkschaften. Ein anderer Redner nannte die Gewerkschaftsführer die Kuropatkins der deutschen Arbeiterschaft. Der sozialistische Reichstagsabg. Grenz meinte, es sei vorläufig noch nicht möglich, ein ab» schließendes Urteil über das Gebahren der Generalkommission und die Haltung des Parteivorstandes zu fällen. Nachdem man drei Stunden lang diskutiert hatte, trennte man sich, ohne einen Beschluß zu fassen.________________________________

Ausland.

London, 10. Juli. Lord Roberts veranlaßt - im Oberhaus eine längere Debatte über militärische Angelegenheiten, indem er darlegte, die Nation sei für einen Krieg nicht vorbereitet und die mili­tärische Erziehung der Nation müsse so weit verstärkt werden, daß jeder.Bürger an der Verteidigung

Noch ein kaiserliches Festspielhaus.

Aus Kassel wird geschrieben:

'Außer Berlin, Hannover und Wiesbaden hat bekannt­lich auch Kassel den großen Vorzug, ein königliches Hof­theater in seinen Mauern zu bergen. Das ist der Fall seit 1866.

Das Kasseler Hoftheater ist mit gebührendem Respekt zu bemerken sozusagen ein alter Kasten. Es soll ein neues Theater gebaut werden.

Nach langem hin und her wurde zwischen den Ver­tretern der Krone und den Vertretern der Stadt verein­bart: das alte Theater wird auf Abbruch verkauft; zu der Summe, die für das Grundstück bezahlt wird 2 005 000 Atark soll die Stadt 600 000 Mk. zulegen und für den Betrag von 2 605 000 Mk. soll das neue Theater erbaut werden.

Das Grundstück für den Neubau sollte vom Fiskus gratis abgegeben werden. Nun entstand eine Streitfrage wegen des Platzes, auf dem das neue Theater errichtet werden sollte. Die verschiedensten Vorschläge wurden ge­macht. Schließlich entschied der Kaiser sich für den Friedrichsplatz. Das ist einer der größten Plätze Deutsch­lands, einer der schönsten, zweifellos aber der eigenartigste aller uns bekannten Plätze. Er ist 324 Meter lang, 152 Meter breit. Im Nordwesten wird er begrenzt von der Hauptstraße, der Kriegssttaße; an der nordöstlichen Längs­seite stehen nebeneinander: zwei Schlösser aus kurfürst­licher Zeit, das Museum, die Kriegsschule und die katholische Kirche. Dieser imposanten Front gegenüber stehen Ge­schäfts- und Privathäuser. Die besondere Eigenart des Platzes stellt der Mschluß im Südosten dar. Hier steht das Auetor, ein niederes, zierliches, von Mei kleinen Wacht- häusern flankiertes Tor aus rotem Sandstein, durch das man die Kar'lsaue, den Kasseler Tiergarten, betritt. Da nun der Friedrichsplatz wesentlich höher liegt als die Karls- aue, so sieht man von allen Seiten des Friedrichsplatzes durch und über das Tor hinweg über die Karlsaue und das entzückende Fuldatal hinaus nach den fernen Höhen­zügen Söhre und Meißner. Das ist ein wahrhaft ent­zückendes Bild. Zweifellos ist der Friedrichsplatz mit dem offenen Auetoravschluß die schönste Perle unter den vielen berühmten Stadtbildern Kassels.

Man kann sich denken, welche Aufregung in weiten Kreisen Kassels entstand, als der Kaiser bestimmte, daß das Auetor zu beseitigen und an seine Stelle das neue Theater zu bauen sei. Daß die Stadtverordneten jede Opposition unterließen und den kaiserlichen Willen zu beachten beschlossen, ist beklagenswert.

Allmählich hat man sich in Kassel mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß demnächst das Auetor mitsamt der herrlichen Aussicht verschwunden und der Friedrichsplatz an jener Stelle durch einen Theaterbau zuge­mauert sein wird; daß aus dem prächtigen Unikum, das der Friedrichsplatz bisher darstellte, ein Dutzendplatz ge­worden sein wird. Da kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel eine Nachricht. In einem Blatte wurde mitgeteilt:

Wie wir hören, hat sich bei einer Nachprüfung des Karstschen Projekts hcrausgcstellt, daß, wenn cs in voller Opulenz unter Anwendung der neuesten innertechnischeir Errungenschaften aus­geführt wird, sich Mehrkosten von einer Million er­geben. Die Krone hat sich nun bereit erklärt, von dieser Summe noch 200 000 Mark zu übernehmen, ttnmu sich die städtischen Behörden entschließen, für den M aufzukommen, und die ent­sprechenden Mittel zu den bereits zugestandenen zu bewilligen. Wir würden aber dann auch ein Theater von seltener Schönheit erhalten, das vorbildlich luerben dürfte. Es liegt im Plan, das königliche Theater unter diesen Voraussetzungen zu einer Muster- anstalt zu machen. Ferner soll die Absicht bestehen, alljähr­lich im August während d er Residen z des K a iser s auf Wilhe lmshöhe Musterausführungen ähnlich wie die Maifestspiele in Wiesbaden zu veranstalten. Es, liegt auf der Hand, daß bei Durchführung dieser Pläne ein außerordentlich wirksames Mittel für die Förderung des Fremden- vetkehrs in Kassel gegeben wäre/'

Heber kurz ober lang nnrb also bas herrlichste Stadt­bild Kassels zerstört und an seiner Stelle ein Prunkbau entstanden sein, der würdig ist, alle Jahre wenige Muster­aufführungen zu erleben. * *

Vorgeschlagen zum Nobelpreis". Ju demKuristwart" wendet sich Avenarms gegen das Projekt, M Bewer für den Nobelpreis vorzuschlagen. Er empfindet es auch als eine Blamage vor Europa, wenn Bewer als Deutschlands Dichter genannt würde und schließt:

,Eiu Kunsthistoriker und ein Germanist (die Professoren Thode-Heidelberg und Kluge-Freiburg hatten Bewers Kan­didatur unterstützt) brauchen nicht Sachverständige in lite­

rarischen Dingen zu sein, es ist nicht nötig, daß sie die Hunderte kennen, die heute in Deutschland bessres als Bewer dichten. Mer sie sollten doch wenigstens wissen von Lyrikerw wie Greif ober Liliencron, Jensen ober Heyfe, Falke ober De h mel, die sie zurücksetzen, indem sie Bewer em­pfehlen. Und mußte der empfohlene deutsche Dichter denn gerade ein Lyriker sein? Von den Dramatikern zu schweigen: Wilhelm Raabe lebt noch und Karl Spitteler auch. Kann es denn irgend einen Gebildeten geben, dem ein Max Bewer mehr gilt als Wilhelm' Raabe ober Karl Spitteler'? Ich muß gestehen, ich schäme mich ein wenig für unsere literarische Kultur, baß diese Empfehlung bei uns möglich ist. Ich schäme mich darüber, baß ich in dieser Zeitsck-rift so viele Seiten diesem Gegenstand widmen mußte, und mußte das doch, wollte ich auch begründen. Mer die Er- teilung des Nobelpreises an Bewer wurde unsere literarische Kultur im Auslände lächerlich machen. Und damit auch! dem Ansehen des Deutschtums als solchem einen Schlag versetzen, den wir um so schwerer empfinden müßten, als er nicht verdient wäre."

DerKunstwort" .hat im großen und ganzen voll­kommen Recht; den Schlußsatz wird jeder gern unter­schreiben. Liliencron und Raabe hätten wahrlich den Preis verdient, aber vor 20 Jahren schon, denn Nobel will ihn ja zur Aufmunterung an esu en Jüngeren verteilt sehen. Jensen und Heyse finden schwerlich heute noch den Beifall der Besten. Bleibt Falke und Dehmel, von denen Dehmcl der Jüngere, mit keinem Staatspreis bedachte, und der weitaus bedeutendere ist.

*

Der bdannle sympathische Frankfurter Schauspieler Alexis Müller, der 1881 sein 25jähriges Künstlerjubiläum an der Frankfurter Bühne feierte, geht demnächst in Pension. Seine Kollegen lassen ihm als AbschiedSgabe seine nach dem Leben modellierte Bronzebüste überreichen.

Ein sozialdemokratisches Theater in Berlin. Die Neue Freie Volksbühne plant, im Zentrum Berlins ein eigenes Theater zu er­werben oder ein solches zu erbauen. Es soll unter dem Titel:Freies Kunstheim" eine Gesellschaft gegründet werden, die ein sozialdemokratisches Theater bewirtschaftet. Wie es heißt, liegen der Freien Volksbühne bereits Angebote von zwei Seilen vor. Sie kann geeignete Theater sofort er­werben. Falls sich die Verhandlungen zerschlagen, soll mit dem Bau eines neuen Hauses möglichst im Zentrum Berlins sofort begonnen werden.

Richard Wagner- und Mozart-Festspiele München 1906. Die Besctzungspläne der Münchener Richard Wagner« und Mozart-Fest« spiele, die vom 2. August bis 7. September statlfindcn, sind erschienen.