Nr. 238 Erstes Blatt
Erscheint tSgltch
außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger
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Univers.-Buch-u. Stein- D M
druckerei. R. Lange.
Redakrion, Erpedition
und Druckerei:
Schul st raße 7. a-
LZLL Amts- und L
Anzeiger Gießen.
Ais HeuLige Kummer umfaßt 10 Seiten, Au den Koyenloye-Memoireu.
Die ,9lorbb. Allg. Ztg." melbet heute:
Gegenüber der in einem Prager Blatt enthaltenen ungenauen Wiedergabe eines Telegramms des Kaisers an den Fürsten Philipp zu Hohenlohe-Schillingsfürst sind wie ermächtigt, den Wortlaut des kaiserlichen T e l e g r a m nr s in folgendem mitzuteilen:
»Ich lese soeben mit Erstaunen und E n l r ü stung die Veröffentlichung der intimsten P r i v a t g e s p r ä ch e zwischen deinem Vater und mir, den Abgang des Fürsten Bismarck betr. Wie konnte e5 zugehen, daß dergleichen Material der Oeffent- lichkeit übergehen werben konnte, ohne zuvor meine (S r - laubnrs emztcholen? Ich muß dieses Vorgehen als im höchsten Grade taktlos, indiskret und völlig in« opportun bezeichnen, da es unerhört ist, daß Vorgänge, die den zurzeit regierenden Souverän betreffen, ohne seine Genehmigung veröffentlicht werden/
Diese offiziöse Mitteilung de§ Wortlautes des kaiserlichen Telegramms wird wohl weniger mit dem Wtmsch zu erklären sein, dem Widerspruch gegen die Veröffentlichung der Bismarck-Erinnerungen besondere Nachdrücklichkeit zu verleihen, als vielmehr damit, gegenüber der Prager „Bohemia" den Inhalt jener l.undgebung authentisch festzustellen. Nach der „Bohemia" sollte nämlich der Kaiser telegraphiert haben, die Veröffentlichung der Tagebuchblätter „könne unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen." Das mußte so auf- gefaßt werden, als ob die deutsche Negierung irgendwie Veranlassung hätte, von den Enthüllungen über ihre Haltung gegenüber Oesterreich-Ungarn einerseits und Nußland andererseits in einem kritischen Zeitpunkt peinlich berührt zu sein. Grade das Entgegengesetzte ist der Fall. Die Bundestreue zu Oesterreich-Ungarn, selbst auf die Gefahr, daß ein ernster Konflikt mit Rußland und Frankreich daraus entstehen sollte, verdient im höchsten Maße Anerkennung, und in diesem Sinne ist denn auch besonders dieser Teil der Hohenlohe-Memoiren in Wien wie in Nom sehr sympathisch ausgenommen worben. In Nußland wiederum kann man sich unmöglich gekränkt fühlen, daß die deutsche Politik die Vtmdestreue allen anderen freundschaftlichen Rücksichten voranstellte. Seltsam und klärungsbedürftig ist nur, daß die Prager „Bohemia" den Inhalt des Kaisertelegramms mit einer Aeußerung, die gar nicht darin enthalten war, wiedergegeben hat. Aus dem Wortlaut der kaiserlichen Depesche, wie ihn hier die „Nordd. SILIg. Ztg." mitteilt, geht hervor, daß die Veröffentlichung der Gespräche des Kaisers mit dem Reichskanzler Fürsten Chlodwig, soweit sie den Rücktritt des Fürsten Bisntarck betreffen, vom Kaiser mißbilligt wird. Aber ist nicht in manchem dem Fürsten Bismarck nahestehenden Organ, z. B. den „Leipz. N. Nachr.", „Hamb. Nachr.", der „Zukunft*, noch bei Lebzeiten des Fürsten die Geschichte jener Märztage nahezu ebenso eingehend geschildert worden? Hat nicht Fürst Bismarck persönlich wiederholt eine ganze Reihe von Einzelheiten journalistischen Besuchern erzählt? Daß in diesem Falle der alte Fürst Hohenlohe die Ereignisse und Stimmungen jener Zeit geschildert hat, verlieh der Veröffentlichung die Eigenart. Daß aber der Inhalt selbst Anstoß erregen könnte, ist gewiß nicht angenommen worden, da sonst sicherlich die Veröffentlichung unterblieben wäre.
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„ lieber die Entstehungsgeschichte der M'emoiren erfahrt die „Nat.-Ztg," von wohl unterrichteter Seite folgendes:
Fürst Chlodwig Hohenlohe hatte die Bearbeitung seiner Memoiren einer bestirmnten Persönlichkeit übertragen in der Erwartung, er werde die Herausgabe noch erleben und überwachen können.. Darüber ist er indes gestorben. Die Bearbeitung wurde fortgeführt unter Aufsicht des Prinzen Alexander. Schon bei Erscheinen der ersten Abschnitte hatte Fürst Philipp Bedenken gegen die Veröffentlichung geäußert, die aber trotzdem fortgesetzt wurden. Es ist wichtig, festzustellen, daß die Memoiren in dem Kapitel über die Mirztage von 1890 im Wesentlichen Gehörtes wiedergeben. Daraus ist es zu erklären, daß sie auch tar- sächlich Urrr ich tig es enthalten, vor allem über die r n s > i s ch e Art gelegen heil. Die Geschichte jener $\ärsta&e mit Ausnahme dessen, was sich zwischen dem Kaiser und, Bismarck ganz, persönlich abspielte, ist a u f B e f e h l d e s Kaisers Don, eilt ent damals noch aktiven Staats- manne ausführlich n iede r g e s chrie b en worden. Diese Darstellung wird aber jedenfalls erst dann veröffentlicht, wenn sie ein reut geschichtliches Interesse haben wird. Zur Zeit halten Oie Leute, die berichtigen könnten, es nicht für opportun, zu berichtigen.
Heber die Veröffentlichung des d r i t t e n B i s m a r ck s ch e n Bandes: „Gebau ken und Erinnerungen" hat, wie das genannte Blatt bestimmt weiß, Fürst Herbert Bismarck bestimmte testamentarische Verfügungen getroffen. Selbst wenn diese die Fürstin Hervert Bismarck schon aus Rücklicht auf die Zukunft ihrer Kinder schwerlich zur Veröffentlichung des 3. Bandes schreiten.
Zu den Differenzen zwischen dem Kaiser und dem Altreichskanzler wegen Rußland schreibt die „Nat.-Ztg.": Ans Anlaß des Besuches des Zaren in Berlin hatten sich Kaiser Wilhelm und Für,t BiSm arck auf dem Bahn- hofe emgefunden. Bei der Rückfahrt vom Bahnhöfe machte dann der Kaiser dem Fürsten Bismarck davon Mitteilung, daß der Zar ihn sobene nach seinem Jagdschlösse eingeladen habe. Hierauf bemerkte Fürst Bismarck, daß ihm die Gelegenheit, dem Zaren, der selbst sein Gefolge mit sich führen würde, einen solchen Gegenbesuch zu machen, nicht günstig erscheine. Der Kaiser war darin anderer Auffassung, und es entspann sich eine Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Kaiser den Fürsten beim Palais zum Verlassen des Wagens veranlaßte.
Wie Dr. Curtius in Straßburg mitteitt, ist er seinerzeit von dem Fürsten Chlodwig Hohenlohe beauftragt worden, seine Memoiren nach seinem Tode in Buchform zu
186. Jahrgang
General-Anzeiger nzeigeblatt für den 1
^öffentlichen. $rin. Alexander habe den Nachlaß des Fürsten Chlodwig überkommen und sei somit in dessen sämtliche Rechte eingetreten. Ein besonderer Grund, die Memoiren gerade jetzt erscheinen zu lassen, bestehe nicht. Der Abdruck von Auszügen aus dem Buch in „Ueber LandundMee r" sei eine selbständige Entschließung des Verlages, über die sowohl Prinz Alexander als auch Curtius überrascht gewesen seien.
Prinz Alexander zn Hohenlohe.
R. Berlin, 9. Ott.
Durch die Aufsehen erregenden Bismarck-Erinnerungen des Fürsten Hohenlohe wird die öffentliche Aufmerksamkeit auch aus den Prinzen Alexander zu Hohenlohe gelenkt, den jüngsten Sohn des dritten Kanzlers, der seinem Vater politisch am nächsten stand und von ihm mit der Ordnung des literarischen Nachlasses betraut wurde. Wer immer den Prinzen Alexander persönlich kennen zu lernen Gelegenheit hatte, wirb von ihm ohne weiteres annehmen, daß er bei der Zusammenstellung der Memoiren in gutem Glauben handelte. Selbst ein politisch weit rechtsstehendes Blatt, also das Preßorgan einer dem Prinzen Hohenlohe ziemlich fernliegenden Richtung, schreibt, es müsse auch für den glühendsten Bismarckverehrer erträglich sein, die Darstellung jener hochbedeutsamen Märztage von der einen Seite anzuhören, da die von der anderen folgen werde., Es hat übrigens viel Wahrscheinlichkeit für sich, daß Fürst Hohenlohe über die Aufzeichnungen, die sich im wesentlichen auf Mitteilungen von oritten Personen stützen, sich seinem jüngsten Sohne gegenüber erläuternd ausgesprochen hat. Der Fürst liebte es, in angeregter Unterhaltung mit dem Prinzen Alexander in den Gartenanlagen des Kanzlerpalais zu lustwandeln. Es mag da wohl manches für die Behandlung des literarischen Nachlasses des Fürsten bedeutsame Wort gefallen sein. Obendrein war der alte Herr ein guter Beobachter, was einmal den Wert der offenbar unter dem Eindruck der Ereignisse frisch niedergeschriebenen Aufzeichnungen erhöht, dann aber auch dem Prinzen Alexander schätzenswerte Anhaltspunkte gegeben haben dürfte für die am zweckmäßigsten erscheinende Art der Redigierung der interessanten 'Aufzeichnungen.
Auch die Reichstagsdebatren boten nicht selten Gelegenheit für den Hörer, die beiden Hohenlohe, im Gespräch vertieft, an der Bundesratsestrade zu sehen. Prinz Alexander hatte wahrend seiner zehnjährigen Zugehörigkeit zum Reichstag seinen Platz im Parkett in den hinteren Bänken der der Reichspartei zugeroiesenen Sitzreihe und bezeichnete sich als „wild", d. h. fraktionslos, ebenso wie Fürst Herbert Bismarck. Aber seine Auffassung und Abstimmung unterschied sich von den int landläufigen Sinne ionser- vativen, sodaß die agrarische Presse dem Prinzen atmet, seinen Parlamentsplatz in der Nähe der Bänke der Linken zu wählen. Wenn Prinz Alexander sprach, was verhältnismäßig selten geschah, dann hatte er in dem Abg. Richter einen besonders aufmerksamen Zuhörer. Der „Rufer int Streit" pflegte dann in der Nähe des Redners Posto zu fassen und durch kraftvolle „Sehr richtig!" sein Einverständnis mit den Worten des Prinzen zu bekunden, zum Mißvergnügen der Herren von der Rechten. Der parlamentarische Intimus war int übrigen der Zentrumsabgeordnete Prinz Arcnberg, was freilich nicht verhütete, daß der Sohn des dritten Kanzlers bei den letzten allg. Wahlen durch den vom Zentrum unterstützten elsässischen Kandidaten besiegt wurde, allerdings erst in der Stichwahl und mit geringer Stimmenmehrheit. Wenn deshalb jetzt in parlamentarischen Kreisen der Erwartung Ausdruck gegeben wird, Prinz Mexander zu Hohenlohe werde bei den nächsten^Reichstagswahlen wieder kandidieren, so könnte das in Anbetracht des Stimmenverhältnisses Wahrscheinlichkeit für sich haben. Aber es ist vielleicht der Rücktritt des Prinzen vom Amt des Bezirkspräsidenten des Oberelsaß in Betracht zu ziehen, als besondere Wirkung der Veröffentlichung der Memoiren des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe, und unbeschadet des auch von der Presse ziemlich ausnahmslos in bett Vordergrund gestellten Umstandes, daß der Prinz bei der Bekanntgabe der Memoiren in gutem Glauben handelte. Das „B. T." gibt z. B. der Erwartung Ausdruck, daß man nun bei der Fortsetzung der Veröffentlichung nicht allzu e'ngherzig verfahren werde, weil das dem Werte solcher Erinnerungen für die politische Vergangenheit kaum angemessen sein würde. Wenig bekannt dürste vom Prinzen Alexander zu Hohenlohe sein, daß er eit Jahren Mitglied de§ Aufsichtsrates der Hamburg- Amerika-Linie ist. Er übernahm diesen Posten damals, als die parlamentarischen Kämpfe um den Ausbau der Flotte kattfanden und der Reichskanzler Fürst Hohenlohe sich als Mitglied in die Liste des Flottenvereins eintragen ließ.
Der Fall Zucco.
Man schreibt aus Mainz:
Das große Ereignis der vergangenen Mainzer Woche ist der Widerruf des Asccmius Freiherrn v. Zucco und Cuc- cagna, der am Donnerstag abend an der Spitze des hiesigen Zentrumsorgcms erschien. Der Entschluß und feine Ausführung bis zur Veröffentlichung des Widerrufs blieb so geheim, daß davon weder der Aeltestenrat der freireligiösen Geineinde noch auch der Vorstand der sozialdentokratischen Partei eine Ahnung hatte. Der „Netteste Anz." bemerkte daztt:
„Als Predige rderireireligiösenGein ein de water selbst vielen Mitgliedern derselben u n s y nt p a t h i s ch, weil er sowohl nach außen hin seinen radikalen politischen Standpunkt allzusehr herauskehrte, als auch denselben m seinen Predigten betonte. Auch seine Konflikte bet auswärtigen Beerdigungen machten ihn bei den Gemeindemitgliedern nicht sympathischer, wie denn auch in der Partei der Freiherr nicht sonderltch beliebt war."
Mittwoch 10. Oktober 1906
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Verantwortlich für den polit. und allgem.
*d$ Gießen MW
zeigenteil: Hans Beck.
Das katholische „Mainzer Journal" bemerkte: „Es fehlt natürlich nicht an Leuten, die den mutigen Schritt des Mannes auf selbstsüchtige Beweggründe zurückführen möchten; doch ist an dessen Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln." lieber seine Gattin wetß das hieflge „Tagblatt" näheres ztt berichten. Freiherr uon Zucco war, so schreibt es, seit acht Wochen mit einer Frankfurter Bcamtenwitwe, Bussie Weinig, der Mutter eines 18jährigen Sohnes, die in Frankfurt Musikunterricht erteilt hatte, vermählt. Seine Ehe war jedoch, nach den Schilderungen der Frau nicht glücklich und zwar hätte ihr der Mann das Leben verbittert. Bekannt wird auch fein, daß er vor einiger Zeit schon einmal eine Verlobung eingegangen war, deren Auflösung er jedoch durch Zeitungsinseratc bereits nach wenigen Tagen anzcigte. Sein jetziger Schritt kam vollständig überraschend, selbst für feine Frau. Es wird dann noch mitgeteilt, daß der Freiherr von einer jetzt verstorbenen Tante ein Kapital von 10 0 000 Mark geerbt habe, aber nur unter der Bedingung, daß er wieder kathol. werde. Das wäre allerdings auch ein „Motiv".
Die „Mainzer Nachr." wollen wissen, daß der Freiherr kurz vor seinem Verschwinden von hier noch einem jungen hiesigen Mädchen, Fräulein D., in aller Form einen Heiratsantrag gemacht hat.
Tas „Tagblatt" erfährt noch folgende Einzelheiten: Der Freiherr war früher österreichischer Kavallerie-Offizier, besaß ein großes Vermögen und hielt sich kostspielige Rennstal le. Nachdem er in nicht zu langer Zeit mit seinem Vermögen fertig war, trat er zum kath. Glauben über und ward katholischer Geistlicher. Da er sich zu frei äußerle, kam er zur nordischen Mission nach Lappland. Dort gefiel es ihm jedoch so wenig, daß er aus der Kutte sprang, zum eoangel. Glauben übertrat und dann schließlich freireligiös wurde. Tatsache ist, baß seiner Familie ein großes Majorat gehört unb der Majorats Herr vor kurzem gestorben ist. Sein eigentlicher Erbe wäre Freiherr Zucco von Cuccagna, jedoch kaun er das Majorat nur anlreten, wenn er katholisch ist.
Aus Stadt und £an&
Gießen, 10. Okt. 1906.
** Personalien. S 5-. H. Der Gr ost Herzog haben den Oberlehrer an dem Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, Prof. Dr. Franz Stau ding er, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhe st and versetzt und den Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Offenbach, Joh. Werner, zum Aktuar bei dem Amtsgericht Wörrstadt ernannt. — Ernannt wurde der Aktuariatsassistent bei der Staatsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg, Hch. Jochim, zum Aktuariatsassistenten bei dem Amtsgericht Offenbach. •
** Zur Fleischversorgung Gießens. Nachdem in der vergangenen Woche zur Probe ein Transport oft- friesische Weid ochsen für hiesige Metzger in das Schlachthaus abgeliefert morgen war und man damit gute Erfahrungen gemacht hat, ist in dieser Woche ein weiterer Transport hier eingegangen. Tie Tiere liefern ein überaus zartes Fleisch und sind 2—3 Mk. für den Zentner billiger, wie unsere Metzger kaufen konnten. Dabei sind in unserer Gegend schlachtreife fette Ochsen knapp und würden wohl im Preise noch steigen, ivenn man nicht aus anderen Gegenden Ware beziehen könnte.
•* Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am Samstag, 13. Okt., norm. 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Ludwig Werner zu Wieseck um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. 2. WirtschaflSbetrieb des Richard Urmersbach in Gießen im Hause Aster weg Nr. 12; hier Antrag aus Kon- zessionsentziehung. 3. Beschwerde des Apothekers Welcker u. Gen. gegen den Müller Heinrich Wagner IV. zu All en- dorf a. d. Lba.
** Dr. Franz Ferdinand, der Oberregiffeur des „Berliner Theaters" in Berlin, befindet sich zurzeit auf einer Gastspielreise und wird auch am 15. und 16. Oktober Gießen lerühren. Dr. Ferdinand gastiert in dem Drama „Ein Verbrecher" von ©oen Lange und bringt für die Darstellung des eminent schwierigen Stückes ein eigenes Ensemble erster Berliner Künstler mit.
** Die hiesige Freiwillige Sanitätsko- lonuc beginnt am Dienstag, den 16. d. M. einen weiteren Ausbildungskursus, an dem sich auch neue Mitglieder beteiligen können. Der junge Verein hat in den wenigen Jahren seines Bestehens bewiesen, wie notwendig )ie Errichtung einer Sanitätskolonne in unserer Stadt war. Findet doch kein größeres Fest oder sonstige Veranstaltung, die größere Meuschenmassen zusammenführt, statt, ohne daß die Sanitatskolonne zugezogen wird, und jedesmal hat sie Arbeit gefunden. Die am vorletzten Sonntag abgehalrene gemeinschaftliche Ueoung der Feuerwehr und SanitätS- tolonnc hat den vielen Zuschauern ein recht anschauliches Bild von der Tätigkeit dec letzteren gegeben und hoffen wir, daß ihr ernstes und eifriges Bestreben, ihre Lkräfte zum Wohle der leidenden Menschheit weiter auszubilden, von feiten unserer Einwohnerschaft durch den Beitritt vieler neuer Mitglieder unterstützt wird.
*’ Neuer englischer Gesandter. Der seitherige Königlich Großbritannische Geschäftsträger A. (5. Grant Duff hat dem Staatsminister Ewald am 24. September


