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Nr. 84
Zweites Blatt
156. Jahrgang
Trschttnt Ägfifl} mit Ausnahme deS Sonntag«.
Di« „Ciehener Zamilirnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »heistsch« CanOwir*** erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Montag 9. April 1906
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Unwerfttätsdruckerei. 9L Lange, ©lefeax.
Redaktion, Expedition n. Druckerei r Schulstr. T.
Tel. Nr. 6L Telegr.-Aür. r Anzeiger Greße»,
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 6. April.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Curschmann und Georgi, die Stadtverordneten: Brück, Dr. Ebel, r Eichenauer, Emmelius, E»>ler, Faber, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Dr. Haberkorn, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Iughardt, Keller, Kirch, Krumin, Leib, Löber, L00S, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Wallenfels und Dr. Wimmenauer.
Nachdem gestern nachmittag der Oberbürgermeister Mecum die Stadtverordneten-Versammlung wieder eröffnet hatte, erbat und erhielt Stadtv. Helfrich vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort, um auf die Angelegenheit der
Taxe der Lokalkommisfion
für das Gelände zur Klärbeckenanlage noch einmal zurück- zukommen. Helfrich erklärt, daß nach den Ausführungen de§ Oberbürgermeisters es so scheinen könne, als ob die Kommission, der er angehöre, zunl Nachteil der Stadt zu hoch taxiert hätte. Er könne nur wiederholen, lvaS er gestern schon gesagt, und versichern, daß er die Taxe noch Pflicht und Gewiffen gemacht habe; er wiederhole auch, was ihm Bürgermeister Leun versichert hat, daß der Oberbürgermeister diesem gegenüber sich bereit erklärt hat, 18 Proz. über die Taxe zu zahlen, wenn dadurch das Enteignungsoerfahren, welches schon im Gange war, hinfällig gemacht werden könne. Helfrich verliest eine Erklärung, die ihm der Bürgermeister Leun zugestellt hat, worin tatsächlich die Angabe bestätigt ist. DieS beweise doch, so erklärt Helfrich, daß die Taxe der Kommission angemeffen und zutreffend sei, denn sonst würde der Vertreter der Stadt nicht noch 18 Proz. mehr geboten haben.
Beigeord. Georgi bemerkt, die Erklärung LeunS gehe die Stadtverordneten-Versammlung gar nichts an und beweise nichts. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß Bürgermeister Leun ihm gegenüber davon gesprochen hat, daß er versuchen wolle, die Klein-Lindener Eigentümer des fraglichen Geländes zu bestimmen, dasselbe mit 18 Proz. über Taxe der Kommission an die Stadt abzutreten; nicht richtig sei, wenn Leun behauptet, er, der Vertreter der Stadt, sei mit dieser Offerte einverstanden gewesen oder habe 18 Proz. mehr als die Taxe angeboten. Er habe im Laufe des EnteignungS- verfahrenS dem Kollegen Helfrich des öfteren vorgehalten, daß er in seiner Eigenschaft als Schätzer im Jahre 1901 dasselbe Gelände, um daS es sich drehe, in der ortSgericht- lichen Taxe den Quadratmeter mit 30—35 Pfg. bewertet und im Jahre 1904 als Mitglied der Lokalkommission dafür pro Quadratmeter 70 Pf. bis Mk. 1,15 taxiert habe. Er müffe sagen, daß er wohl anerkenne, daß daS Gelände in den drei Jahren sich im Werte wohl gesteigert habe, diese Steigerung aber in der Weise zu bemessen, wie es die Lokalkommission getan, ließe sich durch nichts rechtfertigen. Wenn man den durchschnittlichen Ertragswcrt des für landwirtschaftliche Zwecke benutzten Geländes berücksichtige und hoch bemesse, würde die ortSgerichtliche Taxe von 1901 kaum erreicht, trotzdem hat die Stadt bei freihändiger Ueberlassung den Eigentümern 5 Pfg. pro Quadratmeter über die Taxe von 1901 geboten.
Stadt. Loeber hält eine ortsgerichtliche Taxe wohl als Maßstab für angängig, wenn der Vater seinem Sohn sein Eigentum überlassen will, denn diese Taxe bilde im allgemeinen doch nur einen sogenannten Freundschaftspreis und könne nicht herangezogcn werden, wenn man Gelände an Private oder an die Stadt verkauft. Stadtv. Krumm bemerkt, daß er glaube, Helfrich habe taxiert nach bestem Wiffen und Gewissen, aber daS ändere garnichts an der Tatsache, daß die Stadt bei der Affäre, ganz gelinde ausgedrückt, zu hart geholten sei bei der Taxe der Lokalkommission, es scheine ihm, daß bei dieser Taxe ein anderes Moment eine bestimmende Nolle gespielt hat, als der natürliche Wertzuwachs. Es müsse doch jeder vernünftige Mensch einsehen, daß man einen Privatmann, hätte ein solcher um damit zu spekulieren, das Klärbeckengelände zu der Taxe der Lokalkommission erworben, für komplett närrisch halten nmß. Krumin erklärt, daß, wenn er Mitglied des Provinzialausschuffes sein würde, er angesichts der Taxe der Lokalkonunission auf solche Sachverständige, die so taxieren, keinen Pfifferling geben würde und es wäre be-
Meunier- Ausstellung in Frankfurt.
Man schreibt unZ aus Frankfurt a. M.:
Die vor kurzem in Berlin von der Künstsirina Keller und Reiner veranstaltete Gedächtnis-Ausstellung für den im vorigen Jahr verstorbenen belgischen Bildhauer Konstantin Meunier ist auch für kurze Zeit nach Frankfurt übcrgeführt und Sonntag mittag in Gegenwart mehrerer hundert Kunstfreunde von nah imb fern eröffnet worden. Die Stadtverwaltung hatte in entgegenkommendster Weise den Rathaussaal (Römer) für diesen Zweck zur Verfügung gestellt und Lberbürgermerster Adickes sprach auch persönlich den Versammelten seine Freude darüber aus, daß es gelungen sei, die hochintereffante und lebhaft diskutierte Kunstsammlung in Frankfurt zu zeigen. Die Eröffnung erfolgte mit einem schwungvoll vorgetragenen Prolog von Ernst v Wildenbruch, „Arbeit" betitelt. Die Dichtung bezieht sich besonders auf das eigentlich« Lebenswerk des Künstlers, „Das Denkmal der Arbeit", das tu großen Gruppenreliefs die vier Hauptbetriebe int modernen Wirtschaftsleben zur Darstellung bringt: Ackerbau, burtb garbenbindende Schnitter dargestellt, Bergbau, von der Arbeit h.'imkehreude Bergleute. Industrie, eine Szene aus einer Glashütte zeigend, und Handel, durch die Löschung einer Schiffsladung illustriert. Der Künstler, der sein Leben lang in beit belgischen Jndustriebezirren und besonders in dem „schwarzen Lande" der Borinage verbrachte und daher in seinen Gruppenbildern Szenen von packendster LebenSwahr- heit zum Ausdruck bringt, hatte dies „Denkmal" zuerst als ein öffentliches Monument in Form eines vierseitigen Kolosses gewünscht da sich aber in verschiedener Richtung die Unaussühr- barkeit dieser Idee ergab, soll es in dem neuen Brüffeler Museum in Halbkreisform zur Aufstellung kommen. Neben diesem Hauptwerk deS Künstlers zeigt die Ausstellung noch ea. 200 Plastiken, Wandgemälde, Zeichnungen usw., in denen zumeist charakteristische Typen aus dem belgischen Volksleben, Bergwerksarüerter, Glas-
dauerlich, wenn der Provinzialausschuß anders darüber dächte. Wenn man die Taxe auf Grundlage der Erträgnisse deS Geländes berechnet hätte, dann müffe er doch sagen, daß eS mit der viel gerühmten Not der Landwirtschaft nicht weit her sein könne. Stadtv. Kirch bemerkt, er nehme in der Sache daS Wort, da der Kollege Helftich von aT.en Seiten angegriffen worden sei, derselbe sei durch das Vertrauen seiner Mitbürger zweimal in den Stadtvorstand gewählt imb habe dies Vertrauen stets gerechtfertigt. Er habe die feste Ueberzeugung, daß Helfrich als Mitglied der Lokalkommission gehandelt, wie c§ seine Pflicht war und zwar nach bestem Wiffen. Stadtv. Krumm bemerkt hierauf, er habe Helfrich nicht angegriffen. Die offene Aussprache aber sei ein Akt der Notwehr gewesen gegenüber solcher Art Taxe der Lokalkommisfion und die Versammlung habe die Pflicht gehabt, sich mit der Sache zu beschäftigen.
Die Versammlung verläßt darauf den Gegenstand, genehmigt noch den bestehenden Vertrag zwischen Universität und Stadt wegen Unterhaltung der Anlage vor dem Kollegien- haus und tritt dann ein in
die Beratung des Voranschlags für 1906/07.
Stadtv. Gober spricht seine Freude aus, daß der Voranschlag so ausgefallen sei wie er vorliegt, daß er besonders ohne eine Steuererhöhung auskommt, und man müsse dem Beig. Georgi dankbar sein, daß "dieser die Versammlung davor bewahrt hat, Gelder auf Vorrat zu bewilligen und im vergangenen Jahre 6 Prozent von den geforderten Steuerzuschlägen abgesetzt werden konnten. Mit dem Ueberschuß deS Gaswerks von 71 240 Mk. könne man einoerstanden sein, ebenso daß vom Waffer- und Elektrizitätswerk keine Ueberschüsse in die Betriebsrechnung eingestellt seien. Mit der Verstärkung des Stadterweiterungsfonds um 200000 Mk. sind wir auch einverstanden unter der Bedingung, daß der Oberbürgermeister, sobald Ankäufe perfekt sind, der Versammlung davon Mitteilung macht.
Der Oberbürgermeister fragt, ob Herr Löber denn nicht sagen wolle, wer die Wir seien, von denen et daS Einverständnis zur Verstärkung des Stadterweiterungsfonds erhalten hat. Löber bemerkt, daß er nur für seine Person im Plural gesprochen hat. (Allgemeine Heiterkeit.) Es wird nun m die Einzelberatung der Vorlage eingetreten. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß der Voranschlag das erste Mal den Versuch macht, bei der Position »Rest aus vorderen Jahren" diesen Posten zu vereinfachen und leichter verständlich zu machen. In Einnahme sind dafür nur 72 063.95 Mk. gegen 153 531.60 Mk. im Vorjahre gestellt. Der budgetmäßige Effekt ist der gleiche geblieben, es sei nur die frühere schwerfällige kameralistische Methode, bei welcher dieser Posten nur verständlich war, wenn man die 2 vorletzten Voranschläge heranzog, nicht mehr angewendet.
Beigeordneter Georgi erklärt, eS sei erfreulich, daß hier einmal Wandel geschaffen, es sei aber die Frage aufzuwerfen, ob man damit bei der Aufsichtsbehörde nicht aus Schwierigkeiten stoße. Der Oberbürgermeister glaubt dies verneinen zu können. Die Vorschrift verlangt nur, daß jede Gemeinde den Voranschlag richtig aufstellt, sonst ist in der Art der Aufstellung eine gewiße Bewegungsfreiheit gegeben, doch werde er, da die Sache neu ist, dem Voranschlag wegen der Vereinfachung der Position »Rest aus vorderen Jahren" eine Erläuterung beifügen.
Bei Titel
Waldungen
wünscht Stadtv. Krumm vom Kollegen Wimmenauer zu wissen, ob dieser Auskunft darüber geben kann, ob es zutrifft, daß der hessische Staat in Aussicht genommen hat, für die nächsten Jahre durch verstärkte Holzfällung die Einnahmen au§ dem Walde zu steigern und ob die Stadt diesem Beispiele folgen kann. Der (Gefragte erwidert, daß dahin gehende Erwägungen vorliegen. Unser städtischer Waldbesitz vertrage, da er in den letzten Jahren geschont ist, einen Hiebsatz, der sich in den nächsten 10 Iahten van Jahr zu Jahr steigern ließe.
Bei Position
Schlachthof
bläser, Puddler, Ernteleute, Fischer usw. zur Darstellung kommen. Ein kleiner, für die Ausstellung verfaßter Katalog mit einem künstlerisch vollendeten Porträtbild deS Meisters gibt neben einer eingehenden Beschreibung deS eigenartigen Werdeganges des Künstlers auch eine nähere Erläuterung zu seinen hervorragendsten Werken, so daß auch die, die sich mit seiner streng zolaistischen Künstrichtung nickst durchweg zu befreunden vermögen, doch seine einzelnen meisterhaften Schöpfungen mit voller Hingabe genießen können.
•
— Vom Frankfurter Opernhaus. Für den am 27. April beginnenden Wagner- und Mozart-Cyclus hat die Intendanz eine Anzahl interessanter Gäste zur Mitwirkung verpflichtet. Die Ausführungen sind in nachstehender Reihenfolge geplant: Den 27. April: „Ricnzi" fWriano, Frau Thea Drill- Orridge, k. f. Hofoper, Wien). 30. April: „Der fliegende Holländer" (Holländer, Kammersänger Theodor Bertram). 2. Mai:
„Tannhäuser" (Elisabeth, Frau ftammerfängerm Katharina Fleischer-Edel). 4. Mai: „Die Entführung at*5T dem Serail" (Constanze, Frau Kammersänqerin Emilie Herzog, k. Hofoper, Berlins 7. Mai: „Lohengrin" (Lohengrin, Kammersänger Ernst Kraus, k. .Hofoper, Berlin). 9. Mai: „Don Juan" (Donna Anna, Fräulein Lucie Weidt, k. E. lHofoper, Wien). 11. Mai: „Tristan und Isolde" (Isolde, Frau Kämmersängerin Paula Dönges, Leidig). 14. Mai: „(Soft fan tutte". 16. Mai: „Die Meistersinger von Nürnberg" (Hans Sachs, Kammersänger Friß Femchals, München). 18. Mai: „Tie Zauberflöte" (Königin der Nacht, Frau Kammersängerin Hermine Bvsetti, München). 21. Mai: „Das Rheingold" (Wotan, Kammersänger Thec6>or Bertram). 23. Mai: „Die Walküre" (Wotan, Kammersänger Theodor Bertram''. 25. Mai: „Siegfr-ed" l Wanderer, Kammersänger Theodor Bertram). 28. Mai: „Figaros' Hochzeit" (Susanne, Frau Kammersängerin Erika Wedekuü), Dresden). 30. Mai: „Götterdämmerung". Sämtliche Vorstellungen firmen außer Abonnement und bei großen
wünscht Stadtv. Krumm, daß eS doch nun bald mit der Kühl» anlage, welche die Metzger schon seit Jahren für nötig erklären, Ernst wird. — Wegen der Freibankvcrhällnisse bringt er zur Sprache, ihm sei mitgctcilt worden, daß Leute, die c5 gar nicht nötig haben, 11. n. ein Rentner, dessen Name ihm sogar genannt sei, dort ihren Fleischbedarf decken, ja daß c5 sogar Leute gibt, die den Tag über reicht ein Mal, sondern mehrere Male die Freibank frequentieren, darunter bekannte Rentner, für welche doch die Einrichtung nicht da ist. Ebenso könne er sich dc§ Gedankens nicht entschlagen, als ob bei der Fleischbeschau bei uns übermäßig streng verfahren werde. Beigeordn. E ursch manu bestreitet dieses, da Beschwerden in dieser Richtung nicht vorliegen. Wäre dem aber so, so hätten die Metzger es als Jntereffenteu ja in der Hand, sich an daS Kreis-Veterinäramt als obere Behörde zu wenden. Wa§ die Abnahme von Freibankfleisch durch Leute, die eS nicht nötig haben, anlangt, so könne die Verwaltung dieS nicht verhindern, doch sei die Kritik deS Stadtverordneten Krumm berechtigt, und eS sei zu wünschen, daß die öffentliche Rüge dazu führen wird, daß jene Leute der Freibank für die Folge fern bleiben. Bei Märkten regt Stv. Kru m m an, in ben Kreisen Marburg-Kirchhain unsere Marktankündigungen mehr zum Aushang 511 bringen, als bisher, jedenfalls werde der AuS- hang von den damit beauftragten Personen schlecht besorgt, denn er habe vielfach in Wirtschaften den AuShang von Gießen vermißt. — Bei Position Friedhöfe bemerkt Stadt- verordn. Krumm, es scheine ihm so, als wenn in Gießen zu wenig Leute sterben, welche das Bedürfnis nach einem sogenannten Prunkgrab haben. Der Oberbürgermeister stellt dagegen fest, daß bisher die wegen der Grabgewölbe gehegten Erwartungen sich erfüllt haben. Man hat angenommen, daß alle fünf Jahre eines dieser Gewölbe abgegeben werden würde. Der Friedhof besteht aber erst drei Jahre und da entspreche daS erste bisher abgegebene Riegelsche Erbbegräbnis der gehegten Annahme.
Bei Position Volksschulen bemerkt Stadtv. Jann, man solle die Ferien für diese Schulen mit denen der höheren Schulen zu gleicher Zeit beginnen ober enben lassen. Der Oberbürgermeister ist ber Meinung, daß die Ferien in allen Schulen der Stadt zusammenfallen und Mtßstände sich nicht gezeigt haben. Beig. Georgi weist darauf hin, daß die höheren Schulen teilweise längere Ferien haben als die Volksschule, Es sei daS Beste, wenn der Schulvorstand in der Angelegenheit versuche, einen Ausgleich herbeizuführen. Stadtv. Huhn fragt an, woher es komme, daß für die Volksschule bei baulicher Unterhaltung in diesem Jahre 1000 Mk. mehr verlangt werden als sonst. Der Oberbürgermeister erklärt, es sei in den Vorjahren an dieser Position stets abgestrichen worden. Nunmehr sei ein neuer Anstrich im Innern der Gebäude dringend nötig. Daher komme dio Mehrforderung.
Bei der Position Straßenunterhaltung kommen dem Stadtv. Krumm die bafür vorgesehenen 93 000 Mk. zu reichlich vor. Der Oberbürgermeister erklärt aber, daß der Betrag tatsächlich gebraucht würde. Stadtv. Leib fragt an, wie es mit den an der Anlage in Aussicht genommenen Ruhebänken stände. ES wäre Zeit, sie aufzustellen. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß die Kosten dafür im Voranschlag enthalten sind. Stadtv. Emmelius bittet, die Schoorgrabenstrecken, die infolge der Kanalisation ausgemerzt worden find, ordentlich anzufüllen. Vor dem Lazarett an der Ostanlage und bei ber höheren Töchterschule seien in bem teilweise nur halb gefüllten Graben die reinen Schuttabladeplätze etabliert. Der Vorsitzende teilt mit, daß daS Tiefbauamt bereits Auftrag zur Ausfüllung habe. Beig. Georgi bemerkt, an der Töchterschule bleibe das Wasser stehen, sodaß die Gegend am Schoorgraben förmlich stinke. Er halte die Beseitigung des Uebelstandes für sehr eilig und bittet, baß bas Ticfbauamt sofort Schritte tut.
Bei der Position Kanäle fragt Beig. Georgi an, wie weit Anschlußerlaubnis für die Kanalisation erteilt sei. Der Vorsitzende teilt mit, daß die Kläranlage provisorisch in Betrieb genommen sei. Es seien bereits 104—107 Anschlüsse, auch betreffs ber Fäkalien gestattet worben und zwar bei
Preisen statt. Vorbestellungen werden an der Kasse des 'Opernhauses bereits jetzt entgegengenommen. Der Verkauf der Eiw, trittskarten beginnt am 24. April.
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— Ein Mozartdenkmal beabsichtigt man in Frank- furt a. M. zu errichten. Es hat sich dort ein Komitee gebildet aus einer Reihe der vornehmsten und angesehenster: Damen und Herren der Stadt.
he Ansiedelung leicht lungenkranker Arbeiter in Deutsch-Südwestasrika. Wie die „Münchenex Medizin. Wochenschrift" mitteilt, fanb am 3. März eine Konferenz von höheren Berwaltungsbeamten, Aersten imb Kolonialsreimden statt, in ber bic Ansiebelung leicht lungenkranker Arbeiter in ber Kolonie Deutsch-Südwestafrika erörtert wurde. Nach einem Referat von Dr. meb. Katz- Berlin, der auf die für Lungenleidende überaus günstigen klimatischen Verhältnisse ber Kolonie binwies, stimmten die Anweienben bem Vorschläge zu, eine Anzahl geeigneter Patienten für einige Zeit in die Kolonie zu senden, um auf diess Weise die Heilwirkungen des Klimas praktisch festzustcllen. Gegenüber den Bedenken, daß möglicherweise in der Kolonie ein Znfek- tionsherd geschaffen werden könnte, wurde von den Geh. Medizinal- räten Prof. Robert Koch, Prof. Senator und Prof. Kraus darauf hingewiesen, daß dies bei geeigneter Auswahl ber Kranken als ausgeschloffen bezeichnet werden könnte. Zur weiteren Förde- ntng der Angelegenheit bildete sich ein Komitee, dessen Vorsitz ber stellvertretende Kolonialdirektor Erbprinz vonHohen- l 0 h e - L a n g e n b u r g übernommen hat und dem die Herren Ministerialdirekror Wirkt. Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Forster, Wirkl. Geb. Legationsrat Dr. G 0 l l i n e l l i, Geh. Lber-Medizinal- rat Prof. Dr. Kirchner (stellvertr. Vorsitzender), Geh. Regiernngs- rat Prak. Dr. Paasche und Dr. mcb. Katz als Schriftführer angeboren.


