Ausgabe 
12.6.1906 Zweites Blatt
 
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gefordert. Sie sei and) in anderer Hinsicht so seyr von Wichtigkeit, daß in der Außerachtlassung bei Neueinrichtung eines städtischen Schlachthofes ge- wissermaßen ein sreiwiNiger Verzicht auf mancherlei Vorteile bei der Zufuhr von Schlachtvieh liege.

h) Den Gerichten hat die Handelskammer in mehreren Fällen Gutachten über die Eintragungspflicht kauf­männischer Firmen und in Streitsachen erstattet.

i) Der Witwe des verstorbenen Königs, preußischen Staatsministers und Ministers der öffentlichen Ar­beiten v. Budde hat die Handelskammer ihr Beileid ausgesprochen, worauf ein Dankschreiben einge­laufen ist.

2. Aufnahme der rheinischen Braunkohle n- persandstationen in den Ausnahmetarif vom 15. Januar 1905 für die Beförderung von Kohlenusw. nach denEisenwerken an derLahn, Dill und Sieg. Der im vergangenen Jähre den Eisen­werken im Sieg-, Dill- und Lahngebiet zugestandene Aus­nahmetarif für den Bezug von Brennmaterialien bezieht sich nur auf den Versand von SteinkoUcn, Steinkohlenkoks und Steinkohlenbriketts des Ruhrgebiets nach den genannten Jndustrierevieren an der Sieg, Dill und Lahn. Der Bezirks­eisenbahnrat zu Köln hat in seiner Sitzung vom 28. März dieses Jahres beschlossen, einen Antrag des Vereins für die Jnreressen der rheinischen Braunkohlenindustrie zu befür­worten, wonach der Ausnahmetarif vom 15. Januar 1905 auch auf den Bezug von Rohbraunkohlen und Braunkohlen­briketts von den Verladungsstationen des rheinischen Braun­kohlengebiets ausgedehnt werden soll. Die Handelskammer hat festgestellt, daß eine solche Tarifmaßnahme die Braun­kohlenindustrie ihres B^tirks schädigen würde, ohne daß die Eisenindustrie einen erheblichen Vorteil haben würde, und beschloß deshalb, geigen die Durchführung jenes Antrags Einspruch zu erheben. (Schluß folgt.)

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Ausstellung die Erzeugnisse Schwalmer Gewerbefleißes den Festbesuchern vor Augen zu führen. Herrschte schon in den Morgenstunden in den altertümlichen Straßen und Gasten unseres Städtchens großes Menschengedränge, so wurde dies gegen Mittag, als sich der Festzug am Kaüeler Tor auf­stellte, geradezu beängstigend. Aus der ganzen Umgegend und den umliegenden Kreisen und Städten, z. B. aus Kastel, Marburg, Alsfeld und Gießen rc. waren Besucher herbeigeeilt. Der Festzug gewährt in seiner Zusammensetzung einfärben- prächtiges und naturgetreues Bild ächten Schwälmer Volks­lebens. Stattliche Schwälmer Reiter eröffneten den Zug, es folgten über 20 reich herausgeputzte Wagen mit jllngen Schwälmer und Schwälmerinnen, die Malerkolome Billings­hausen, die verschiedenen Gewerbe re. Auch das Wetter hielt sich gut und so konnte das Fest, das auf dem sog. »Bunten Bock" abgehalten wurde, einen ungestörten Verlauf nehmen. Besonders gesiel wieder der urwüchsige Schwälmer Nationaltanz, den eine Anzahl Schwälmer Paare aufführten. Viele Festteil­nehmer, denen es hauptsächlich um den Festzug zu tun war, verließen abends bereits wieder die Feststadt. Das Fest geht erst heute abend zu Ende. Bemerkt sei, daß heute früh auch eine Anzahl Knechte und Mägde, die schon lange ihrer Herrschaft treu gedient, Prämien erhielten.

-t- Wölfersheim, 11. Juni. Vermißt wird gestern nachmittag das vierjährige Töchterchen Bergmann Weiß Eheleute von hier. Ungeachtet der tief in die Nacht fortgesetzten Nachforschungen, an denen

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17. Landes-Versammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes.

X Niedernhausen, 10. Juni.

Die diesjährige Tagung deS hessischen Eoang. Bundes nahm heute mit einem Festg ottesdien st in der prächtigen, am Fuße des Lichtenberges herrlich gelegenen Kirche zu Niedernhausen ihren Anfang. Die geräumige Kirche ver- niochte die Zahl der aus Nah und Fern herbeigeströmten Festgäste kaum zu fasten. Pfarrer Volp von Laubach hielt die wirkungsvolle Festpredigt über:

2. Mos. 17, 15.Der Herr des Bundes Panier, das uns tief beugt, mächtig begeistert und mit Siegesgewißheit erfüllt." »Eine gerechte Sache muß sich durchsetzen. Gerecht bleibt unsere Sache, so lange sie die Ewigkeitsgedanken nicht verliert."Halten wir zum Bunde, um der Väter, der Ehre, und unseres Vaterlandes willen!"

Der Posaunenchor des Kirchspieles Niedernhausen und der Kirchengesangverein wirkten im Gottesdienste mit.

An den Gottesdienst schloß sich eine öffentliche Versammlung im Nonroder Wald an, die allerdings unter einem aufziehenden leichten Gewitter etwas zu leiden hatte, aber doch noch in begeisterter Stimmung unter Posaunenschall zu Ende geführt werden konnte. Wiederum war es eine große Schar, die sich herzudrängte, um den eindringlichen Worten der Festredner zu lauschen Pfarrer Vogt von Niedernhausen sprach das Begrüßungswort:

Das heutige Fest ist eine Ehre für die festgebende Gemeinde. Wir haben die Ehre nicht begehrt, aber auch nichtbedenklich" verschmäht. Wir sind unserem deutsch-evangelischen Volke schuldig, sein geistiges Interesse hinzulenken auch auf die großen Fragen des öffentlichen Lebens, wie sie in den Parlamenten, den gesetzgebenden Körperschaften, dem Reichstag und Landtag zur Entscheidung kommen. Es geht nicht länger, daß das große Ehristenvolk im großen Kampf der Geister tatenlos bei Seite steht. Wir wollen unsere Bataillone sammeln und organisieren. Dazu helfe auch der evangelische Bund und sein heutiges JahreSfest. Nur dann ist das Fest gelungen, wenn es zu Taten kommt, wenn von diesem Herde die Funken der Begeisterung nach allen Seiten springen und rings­um die Geister des Evang. Bundes lebendig machen."

Pfarrer Heyl von Reichelsheim gab eine anschauliche Darstellung von den Vorgängen im vormals Pfälzer-, später Kurmainzischen Amt Starkenburg in den Jahren 1623 bis 1650, der Zeit der Gegenreformation in jenem Gebiet, in welcher das reformierte Bekenntnis wieder verdrängt und das katholische Bekenntnis wieder eingeführt wurde.Die reformierten Helden jener Zeit sind nicht unterlegen, sondern in ihrem Glauben dahingefahren."

Pfarrer Krämer von Gcoß-Bieberau schilderte die Kriegsnot, unter der das AmtLichtenberg im 30 jährigen Kriege seufzte:Furchtbare DrangsalSzeiten, aber ein großes, starkes, glaubensfreudiges Geschlecht! Wie stehtS heute? Wir haben kulturell große Zeit, aber ists am Ende ein kleines Geschlecht? Wir brauchen im deutschen Volk und in der evangelischen Kirche ein großes Geschlecht. Unsere Kirche steht wieder mitten in einem 30 jährigen Krieg. Feinde ringsum! Einigkeit tut uns vor Allem not."

Am Schlüsse ließ der Zweigverein von Groß-Bieberau den Zweigverein von Niedernhausen durch Bäckermeister Späth begrüßen und beglückwünschen. Es war ein warmer Werberuf für den Bund, dessen tapferen Offizieren er recht zahlreiche wackere Soldaten wünschte.

Die Sitzung des Hauptvorstandes mit dem Festausschuß am Abend des ersten Tages gestaltete sich zu einem solennen Begrüßungsabend, der von Pfarrer Lic. Waitz-Darmstadt, dem Vorsitzenden des Hauptoereins, eingeleitet wurde, und in der Professor Dr. Eck namens der theologischen Fakultät in Gießen ein inhaltreiche?, geistvolles Wort sprach. AuS dem Leben und den Erfahrungen der evangelischen Bundesarbeit wurden von weiteren Rednern anschauliche Bilder entworfen. (Fortsetzung folgt).

Spielplax der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 13. Juni*):Der Bettelstudent." Donnerstag den 14. Juni: Fest-Vorstellung.Die Zauberflöte." Freitag den 15. Juni, abends halb 8 Uhr:Frühlinqsluft." Samstag den 16.Juni: Letzte Vorstellung vor den Oper-Ferien. Ter Barbier von Sevilla." Hieraus:Coppelia."

Von Sonntag den 17. Juni bis incl. Samstag den 14. Juli bleibt das Opernhaus geschlossen.

Schauspielhaus.

Mittwoch den 13. Juni *): Zum Gedächtnis IbfenS. Neu einstuqiert:Die Wildente." Donnerstag den 14. Juni, abends halb 8 Uhr:Mamsell Nitouche." Freitag den 15. Juni: Shakespeare-Zyklus. 3. Ab.Coriolanus." Samstag den 16. Juni: Die Wildente." Sonntag den 17. Juni, nachmittags halb 4 Uhr: Mamsell Nitouche." Abends 7 Uhr:Die Wildente. Montag den 18. Juni:Mamsell Nitouche."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

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Scheff-nachrichten.

Norddeut scher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

B r e m en, 7. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Toppelschraubell - PoudampserBarbarossa", Kapitän H. Langreuter vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angenommen»

** Kunstverein. Nunmehr können wir nntteilen, daß sämtliche angemeldete Gemälde eingetroffen sind und die Ausstellung nach höchstens 8 tägiger Pause wieder ge­öffnet sein wird. Es sei darauf hingewiesen, daß die Ausstellung eine Kollektion von Prof. Ä. Volkmann- Nom, sowie eine umfassende Sonderausstellung der Kas­seler Künstlergesellschaft und auch eine Anzahl Kunstwerke von unseren einheimischen Künstlern aufweisen wird. Ferner verweisen wir die Mitglieder des Kunstvereins auf die im Inseratenteil erschienene Bekanntmachung über die am 29. d. M. stattfindende ordenlliche Hauptversamm­lung.

** Turnerisches. Das diesjährige Feldbergfest wird am nächsten Sonntag, 17. Juni, abgehalten. Für das 28. Mittelrhein. Kreisturnfest in Hanau hat der Kreisturnausschuß als volkstümliche Wettübungen beim Einzelwetturnen bestimmt: a) Sechskampf: 1. Frei­hochspringen 1.20 Meter 0 Punkte, 1.70 Meter ----- 10 Punkte. 2. Freiweitspringen: 4 Meter = 0 Punkte, 6 Meter 10 Punkte. 3. Steinstoßen: Gewicht des Wurfgerätes 15 Kilogramm, 4 Meter 0 Punkte, 6 Meter 10 Punkte, b) Dreikampf: 1. Schleuderballweitwerfen: Gewicht des Balles 2 Kilogramm, Durchmesser 25 Zentimeter, Breite der Wurfbahn 15 Meter. Wertungsmaße: 27 Meter 0 Punkte, je 1.50 Meter weiter 1 Punkt, 42 Meter 10 Punkte. 2. Hindernislaufen: Bahnlänge 100 Meter mit 4 Hinder­nissen (Hürden) je 1 Meter hoch und 20 Meter von einander entfernt. 18 Sekunden Laufzeit 0 Punkte, 13 Sekunden Laufzeit 10 Punkte. 3. Stabweitspringen: 5.50 Meter 0 Punkte, 8 Meter 10 Punkte.

** Die Mitglieder und Angehörigen des Eisenbahn-Vereins Gießen unternahmen gestern in 2 Sonderzügen einen Ausflug nach Dillenburg. Am dortigen Bahnhof wurden die Teilnehmer an der Fahrt mit Musik empfangen und zunächst zum Schloß geleitet. In der Schloßwirtschaft entwickelte sich bann bei Konzert und Tanz ein frohes festliches Treiben, zu dem das aufgestellte Karussell und die zahlreich vorhandenen Schaubuden erheblich bei­trugen. Am 9 Uhr erfolgte, wiederum in 2 Sonderzügen, die Heimfahrt.

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die Ortsangehörigen und die Feuerwehr in planmäßigem Vorgehen beteiligten, gelang «s nicht, eine Spur des Kindes aufzufinden. Man hofft immer noch, daß es in Feld ober Walb sich verlaufen hat unb dort wieder gefunden wird.

-t- Friedberg, 9. Juni. Der Landwirt Karl Volz zu Burg-Gräfenrode wurde als V o r stackd sm it g lie d der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft für Oberhessen gewählt. An der Beseitigung dieser bei der Genossenschaft entstandenen Schwierigkeiten wird bereits erfolgreich gearbeitet und es besteht Aussicht, den Fortbetrieb in sichere Bahn zu leiten. Neber den Stand des hinsichtlich der Kassenverwaltung eingeleiteten Untersuchung ist weiteres nichts bekannt ge­worden.

§ Wetzlar, 11. Juni. Gestern Nachmittag fand hier die Frühjahrs-Vertreter-Versammlung oes Bezirks Oberhessen im Main-Rheingau Verband GabelsbergerStenographen statt. Vertreten waren die Stenographen Vereine Bad-Nauheim, Friedberg, Marburg, Gießen (Verein, Gesellschaft, Damenverein), Heuchelheim und Wetzlar. Die Verhandlungen zeigten, daß die stenographische Bewegung für das Gabelsberger- sche System in Oberhessen und den angrenzenden preußischen Gebietsteilen allenthalben im Aufschwung be­griffen ist. Mit der Leitung des Bezirks, die seither den Gießener Vereinen gemeinsam oblag, wurde der Verein Friedberg betraut und dessen Vorsitzender Professor Kramer, zum Bezirks-Vorsitzenden gewählt. Den Be­ratungen ging ein Wettschreiben in 4 Abteilungen voraus, an dem sich etwa 20 Herren beteiligten. Der nächste Bezirkstag wird in Marburg abgehalten.

p. Wetzlar, 9. Juni. ImSchützengarten" fand gestern die Generalversammlung bet Lokal-Abteilung Wetzlar des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen statt, die recht zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Landrat Dr. Sartorius. Nach denGeschäftlichen Mitteil­ungen" betrug die Mitgliederzahl am 1. Januar 1905 527, am 31. Dezember 1905 575. Für das laufende Geschäfts­jahr haben sich 35 Mitglieder angemeldet. Weiter erfolgte Abnahme der Jahresrechnung für 1905, die Feststellung des Etats für 1906 und Vorstanbsergänzungswahl. Bei dem sich anschließenden gemeinsamen Mittagsmahl brachte der Lanbrat bas Kaiserhoch au§.

** Frankfurt, 8. Juni. Im Zoologischen Garten wird am 16. Juni ein Sommerfeststattfinden. Neben der Gartenkapelle, die auf der Terrasse spielt, wird die 81 er Musik im Weihertempel konzertieren. Lampions werden das Wäldchen, die Wandelgänge und den Weiher in ein buntes Lichtermeer verwandeln. Bengalische Be­leuchtung wird die ganze Szenerie erhellen und während derselben werden vom Weiher aus die Klänge eines Bläserquartetts ertönen. Von 9 bis y211 Uhr wird Balchampetre im Wäldchen auf einem besonderen Tanz­boden sein und von 11 Uhr an wird der Tanz im Saal fortgesetzt. Am Bärenzwinger wird eine Bierschänke mit Würstelbraterei eingerichtet und durch alles dieses dafür gesorgt sein, daß Jeder sich nach seinem Geschmack amüsieren kann.

Z-Ziegenhain, 9. Juni. Anläßlich der Feier des 50 jährigen Bestehens des landwirtschaftlichen Kreisvereins hat unsere alte hessische Stadt, der Hauptort der ehemaligen Grafschaft Ziegenhain, ihr Festkleid angelegt unb aus der ganzen Umgcgenb finb bie Bewohner be§ ge­segneten Schwalmtals, bie mit ihren originellen Trachten, ihren stattlichen Erscheinungen unb mit ihren alten Sitten unb Volksgebräuchen als der treueste Typus althessischen Wesens gelten, herbeigeeilt. Mit dem Fest ist auch eine Aus­stellung von Herbbuchtieren ber Schwälmer unb ber Simmen­taler Raffe verbunben. Sie legt ben Beweis ab, baß in ben fruchtbaren Niederungen der Schwalm die Viehzucht in hoher Blüte steht. Ebenso hatten auch zahlreiche Gewerbetreibende des Kreises Veranlaffung genommen, durch eine reichbeschickte

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Deutscher Nealschulmännertag.

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) ed. Darmstadt, 10. Juni.

Der Allg. Deutsche Realschulmänneroerein hielt heute Hier seine Hauptversammlung ab. Den Vorsitz führte Direktor Börner ans Elberfeld. Als Vertreter ber hessischen Re­gierung waren in ber Versammlung, in ber etwa 80 Herren auS allen Teilen Deutschlanbs anwesenb waren, erschienen Ministerialrat Dr. Eisenhuth unb Geh. Oberschulrat Nobnagel. Geheimerat Direktor Dr. Stein bart aus Duisburg sprach über bie Durchführung ber preußischen Schulreform in ganz Deutschlanb. AuS seiner Rebe ging hervor, baß es in einzelnen Bundesstaaten mit der Schulreform noch recht schlecht aussieht, so in Mecklenburg-Strelitz, mehr Hoffnung besteht in Braunschweig und Oldenburg. Sehr komisch ist die Berechtigungsfrage in Weimar, wo cs an der gleichen Anstalt drei Arten von Abiturienten giebt. In Bayern hat sich kürzlich der Landtag mit der Schulreform beschäftigt. Es wurden neun Oberrealschulen bewilligt, bie Gleichberechtigung aber abgelehnt. Nach lebhafter Debatte nahm die Versamm­lung folgende Leitsätze an:

1. Die Versammlung spricht allen denen, die in letzter Zeit für die Ausdehnung der Berechtigungen der Realanstalten gewirkt haben, ihren Dank aus. 2. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, baß, soweit es noch nicht geschehen, von den beteiligten Kreisen die Schulbehörden zu einer baldigen Lösung der Berechtlgungsirage angeregt roerben. 3. Die Versammlung empsiehlt, in ben Volks­vertretungen bie Stellung von Anträgen aus Gleichberechtigung ber höheren Schulen entsprechend dem badischen Erlaß vom 22. Juli 1905 und 11. Februar 1906 zu veranlaßen.

Ministerialrat Dr. Eisenhuth dankte für die Einladung und die Würdigung seiner Verdienste. Nicht Männer, son­dern die Verhältnisse seien für die Schulreformen maßgebend. Das praktische Element habe in Hessen den Ausschlag ge­geben. Hier bestehe kein Gegensatz zwischen den hllmanistischen und den Realanstalten. Die Schulverwaltung habe die Auf­gabe, die verschiedensten Bildungsmöglichkeiten zu freier Aus­wahl zu schaffen. Die Ausführungen fanden lebhaften Bei­fall. Geheimerat Steinbart sprach über die weitere Entwickelung der Schulreform in Preußen und empfahl schließ­lich folgende Leitsätze, die einstimmig angenommen wurden:

Indem bie Versammlung dem Vorstände dringend empfiehlt, für die Freigabe der Medizin seitens des Bundesrats an die Ober­realschulen einzutreten, spricht sie sich für die Fortführung der Schulresorm in Preußen zustimmend in folgenden Leitsätzen aus: 1. Auch das Theologiestubnnn ist entsprechend ben Beschlüssen ber Junikonferenz ben Realanstalten freizugeben unb für bieses Studium ist kein weiterer Nachweis lateinischer Kenntnisse von den Neal- gymnasialabiturienten zu fordern. Schon vor Erfüllung dieser Forderung ist sogleich die erneute Prüfung ber Realgymnasial- Abiturienten im Latein aus den Bestimmungen über die altsprach­lichen Sonderprüfungen zu streichen. 2. Die Prüfung der griechisch­losen Schüler in den Ersatzunterrichtsgegenständen hat wegzufallen. 3. Der Ersatzunterricht ist an allen staatlich isolierten Gymnasien einzuführen unb bei genügenber Schülerzahl in realgymnasialen Oberklassen fortzusetzen. 3. In ben oberen Klassen ber isolierten staatlichen Realgymnasien ist fakultativer griechischer Unterricht ein­zurichten. 5. Zur Fortführung der Schulreform in Preußen im Sinne dieser vier Leitsätze, namentlich zur Erfüllung der in Satz 3 ausgesprochenen Forderung ist eine gemeinsame Tätigkeit unseres Vereins mit dem Verein für Schulreform, dem Verein zur För­derung des lateinlosen Schulwesens und auch dem Jngenieurverein anzustreben.

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Gießen, den 12. Juni.

* Provinzialausschuß. Samstag, 16. d. M., vorm. 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzial- Ausschuffes der Provinz Oberheffen mit folgender Tages­ordnung statt: 1. Gesuch des Philipp Schneider zu Gießen um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft. 2. Gesuch des Gustav Laichinger in Gießen um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb. 3. Gesuch des Otto Nuppel von Ranstadt um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft. 4. Die Bürgermeisterwahl zu Unterschmitten.

** Erledigt sind: Zwei mit evang. Lehrern zu be­setzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu T r e b u r, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zuKönigstädten, eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinbe­schule Bischofsheim, die 1. Lehrerstelle an der evangelischen Schule zu V i e l b r u n n. (Mit der Stelle ist der Organisten­dienst verbunden. Dem Fürsten zu Löwenstein-VZertheim- Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach- Schönberg steht das Präsentationsrecht zu ihr zu. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden) und die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wohnfeld. lMit der Stelle ist Or­ganisten- und Lektordienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.)