den extremen Agrariern gegen das .Handelsprovisorium mit Amerika sich aussprach.
München, 9. März. Abgesehen von den gestern gemeldeten Begnadigungen für Militärpersonen an- läßlich des 85. Geburtsfestes des Prinzregenten am 12. d. MtS. ist in Aussicht genommen, in nächster Zeit auch eine Anzahl verurteilter Militärpersonen, welche nicht unter dem gestrigen Gnadcnakt fallen, zu begnadigen. Ferner wurden über 200 Zivilpersonen begnadigt, welche durch Not, Leichtsinn oder Unüberlegtheit in Strafe kamen.
parlamcntarifcfces*
— Die Wahlprüfungskommission des Rcichs- kagS erklärte die Wahl deS Äbg. Dr. Becker-Offenbach für giltig.
Das nette französische Ministerium.
Paris, 9. März.
Präsident Fülliöres unterhielt sich vormittags mit dem Senator Poinearö, worauf er Sarrien zu sich berief. Sarrien hat bat Auftrag zur Kabinettsbildung noch nicht angenommen, sondern seine Entscheidung vom Resultat einer Rücksprache mit seinen politischen Freunden abhängig gemacht. Die Fraktion der radikalen Linken, deren Führer Sarrien ist, sprach Iallieres ihre Zuversicht aus, daß die neu zu b il- dende Regierung sich ausschließlich auf die Parteien bet' Linken stützen und die Trennung von Kirche und Staat ohne Einschränkung und ohne Aufschub ausführen werde.
Wenn Sarriens Schritte nicht auf Schwierigkeiten stoßen, so würde er als Ministerpräsident das Ministerium des Innern übernehmen, Löon Bourgeois dos Aeußere, Poin - ears die Finanzen, Thomson würde Marineminister bleiben, damit die bereits begonnene Diskussion des Marmebudgets sofort nach der Konstituierung des Kabinetts fortgesetzt werben kann. Auch der ^Landwirtschaftsminister Ruau, der ein persönlicher Schützling Sarriens ist, mürbe bleiben. Barthou würde die Justiz erhalten. Die Freunde Sarriens bemühen sich, die Mitarbeit Br Lands zu erlangen. .Briand wendet aber die Schwierigkeit ein, die ihm -dürch die Anrrahme eines Portefeuilles in der sozialistischen Partei, der er angehört, erwachsen würde. Unter diesen Umständen ist schwer vorauszusehen, ob die Mission Sarriens zum Ziele fuhren wird.
politische Lage-scharr.
Deutschfeindliche Skandalszenen in einer Straßburger Elsasserkneipe
zur Fastnachtszeit werden in einer Zuschrift an die „Tagt. Rundsch." ziemlich ernst beurteilt. Wer die reichsländischen Verhältnisie gründlicher kenne, wisie, daß in Flegeleien betrunkener Rauhbeine nur plump und unvorsichtig die Gesinnung zu Tage trete, die in geschloffenen Elsäfferkreisen insgeheim und vorsichtiger gepflegt werde. Es sei zu hoffen, daß die reichsländische Regierung es verstehe, Entivickelungen zu hindern, die zur Gründung eines Vereins zum Schutze des Deutschtums in der Westmark nötigen könnten.
Es muß überraschen, von einer so pessimistischen Auffassung zu hören, denn erst vor wenigen Jahren konnte ein entschiedener Sieg des Deutschgedankens in den Reichslanden festgestellt werden, nämlich bei den letzten Wahlen zum Reichstage, als sämtliche protestlerische Kandidaten unterlagen und selbst das spröde Metz einen reichstreuen Vertreter nach Berlin entsandte. Die Aufhebung des Diktaturparagraphen war die Antwort auf diese politische Gesinnungskundgebung der Elsaß- Lothringer. Soll man es auch für möglich halten, daß eine Hinneigung zu Frankreich bei einem Teil der reichsländischen Bevölkerung obwaltet zu einer Zeit, in der die Verleihung bundesstaatlicher Rechte an Elsaß-Lothringen angestrebt wird? Dies anzunehmen, hält schwer, und der Vertreter Straßburgs im Reichstage, der Abg. Riff (Hosp, der Fr. Vg.), dürfte nicht verfehlen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit von der Tribüne des Reichsparlaments aus festzustellen, daß die Ausschreitungen im Straßburger Wirtshause nichts weiter sind als Bravourstücke von Leuten, denen geistige Getränke und Kriegsgerede zu Kopf gestiegen waren. Wenn irgend ein Volksteil Anlaß hat, die Erhaltung de§ Friedens zu wünschen, dann sind es die Reichsländer, die den Schreck- niffen eines Krieges vor allen ausgesetzt fein würden. Mögen immerhin einige unentwegte Alt-Elsässer dieser Wahr- heit sich verschließen und in geheimen Konventikeln französische Kriegslieder singen — die weitaus überwiegende Mehrheit der Elsaß-Lothringer hat mit solchem Treiben sicherlich nichts gemein, sondern hält fest an der Pflege friedlicher und reichstreuer Gesinnungen.
Äu8 dem Bochumer Knappschastsverein.
Nachdem, wie unsere Leser wissen, erst kürzlich im Verein für die bergbaulichen Jntereffen des Ruhrkohlenreviers eine fernste Krisis entstanden war, ist es nun auch im Allgemeinen lKnappschaftsverein zu Bochum gu tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten gekommen. Für die Beamten dieses Vereins besteht eine vom Vorstand erlassene Dienstanweisung, deren Befolgung die Direktoren zu überwachen haben. Diese selbst unterstehen der Beaufsichtigung durch den Vorsitzenden, der .nötigenfalls Weisungen, Mahnungen und Rügen erteilen darf. Infolge verschiedener Verstoße gegen die Ordnung erließ b:v Vorsitzende, Bergrat Ludwig, an'ben Direktor Dr. Bäumer eine schriftliche Ermahnung zu größerer Pünktlichkeit, die dieser in scharfem Tone beantwortete. In Einern Erwiderungsschreiben hierauf brauchte der Vorsitzende den Ausdruck .ungehörig", wodurch sich Dr. Bäumer beleidigt fühlte. Da beide Herren Rcserveofsiziere sind, kam die Angelegenheit vor den zuständigen Ehrenrat. Trotz davon Bergrat Ludwig abgegebenen Erklärung, daß ihm die Absicht einer Beleidigung fern gelegen und er nur als Vorletzter Dr. Bäumers seine Pflicht getan habe, scheint sich der Ehrenrat auf den Standpunkt Dr. Bäumers gestellt zu haben, der erklärte, daß er Bergrat Ludwig nicht als seinen Vorgesetzten anerkenne, da nach dem Statut des Vereins auch ein Arbeiter Vorsitzender des Knappschaftsvorstandes werden könne, und einen Arbeiter könne er unmöglich als Vorgesetzten betrachten. Bergrat Ludwig wurde eine Forderung a u f P i st o l e n überbracht; er Ie i)nte aber jede weitere Unterhandlung in dieser Angelegenheit a b. In einer außcrordent» lichen Vorstandssitzung wurde sodann der Versuch gemacht, derartige Differenzen für die Zukunft generell zu verhindern, jedoch vergebens. Der bergamttiche Kommiffar sah sich in- folgedeffen veranlaßt, das Einschreiten des Oberbergamts in Aussicht zu stellen.
Aus StaM tmb Land.
Gießen, den 10. März 1906.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Präsidenten des Ministeriums des Innern Ernst Braun von den Dienstverrichtungen eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach enthoben und den Ministerialrat in dem genannten Ministerium Aug. Karl Weber zum Mitglied der bezeichneten Kommission ernannt. — S. K. H. der Großherzog haben zum 9. März d. I. dem eoang. Pfarrer und Dekan Kirchenrat Ludwig Meyer zu Friedberg den Charakter als Geh. Kirchenrat erteilt. — Ernannt wurde der Hilssgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Rheinhessen Wilh. Ranft zum Hilfsgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Oberheffen.
— Volksunterhaltungsabend. Der für morgen abend angekündigte Volksunterhaltungsabend (s. Ins.) findet — darauf sei ausdrücklich hingewiesen — ohne Restauration statt, um auch alleinstehenden Damen den Besuch zu ermöglichen. Auch dürfte dadurch dem weniger mit Glücksgütern gesegneten Teile unserer Bewohnerschaft (und gerade für ihn ist ja der Abend in erster Linie berechnet) der Besuch wesentlich erleichtert werden. Doch findet zwischen dem 1. und 2. Teil des Programms eine längere Pause statt, in der Restauration in den Nebenräumen möglich ist. Die an dem Saaleingang zu verabfolgenden Programms werden gegen das im Inseratenteil d. Bl. veröffentlichte einige kleine Aenderungen aufweisen, die aber dem Gelingen des 2(benb§ nur gi m Vorteil gereichen dürften.
— Promenadekonzert findet Sonntag vormittag 11 V2 Uhr in der Südanlage mit folgendem . Programm statt: 1. Ouvertüre zu ,Stradella" von Flotow, 2. Melodie celebre von Rubinstein, 3. Introduktion und Chor aus .Lohengrin" von Wagner, 4. Armeemarsch Nr. 206.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters Nochmals sei and) an dieser Stelle auf die Fremden- vorste llung am morgigen Sonntag nachmittag Uhr hingewiesen, die KleistS „Prinz von Homburg" in der Ausstattung und Besetzung der Hauptrollen genau wie in der Festvorstellung zu ermäßigten Preisen bringen wird. Am Sonntag Abend gelangt die Posse „Rosa-Dominos" zur Aufführung, die durch die Balleteinlage von Frl. Lina Oldini im ersten Zwischenakt (japanischer Fächer tanz) eine besondere Attraktion erhalten hat.
**DerBürgerverein veranstaltet nächsten Mittwoch in Steins Garten einen Vortrag über die Kanalisation. Im Anschluß daran ist jedem Gelegenheit geboten, Fragen zu stellen. Oberbaurat Schm ick und Stadtbau- meister Braubach wollen alle gewünschten Aufklärungen geben.. Nach Erledigung der techn. Erörterungen über die Kanalisation wird die Kostcnfrage zur Verhandlung kommen; die Versammlung verspricht dadurch in jeder Beziehung sehr interessant zu werden.
** Die Mitglieder des Bienenzüchter-- vcreins fürGießcn und Umgegend, sowie Freunde der Bienenzucht feien auf den am Sonntag, 11. März, im Restaurant „Karlshos" stattfindenden Vortrag des Pfarrers Weygandt aus Staffel a. d. Lahn über: „Wie wirtschaftet der Kleiniml'er am praktischsten, um bei mäßigen Kosten den größtmöglichsten Nutzen aus seiner Bienenzucht zu erzielen?" aufmerksam gemacht.
" Besitzwechsel. Die Restauration «Kaiser Friedrich" Grünberger Straße, ging durch Kauf an Herrn Oppers für den Preis von 34 000 Mark über. — Tie Ho freite des Postschaffners Wilhelm Da pp er in der Wall- torstraße 49V,» kaufte Holzhändler Eduard Sack zum Preise von 16 000 Mk. — Das Gelände des Bankiers Joseph Herz in der Stephanstraße, das er vor 12 Jahren für 3 500 Mk. kaufte, ging in den Besitz deS Schreinermeisters Schön in der Ebelstraße für 52 000 Mk. über. — Für 12 000 Mk. erstand .Kaufmann Christoph Bieker in der Neustadt das Ackerg-'lände der Jakob Nonstadt Erben, Schmidt und Weldig.
“• Sturm und Unwetter sind in Verbindung mit Schneefällen seit vergangener Nacht an Stelle des warmen Frühlingswetters im Beginn dieser Woche getreten. Heute nacht erreichte das Sturmwetter seinen Höhepunkt, wahrend im Laufe des Vormittags wieder eine entschiedene Steigung zu schönerem Wetter eintrat. Aus ganz Mittel-Deutschland liegen ähnliche Nachrichten vor. Die Telephon- und Telegraphenleitungen waren vielfach gestört.
*• Bund deutscher Militäranwärter (Landesverband Großherzogtum Hessen). Der diesjährige ordentliche Verbandstag findet Sonntag, 11. l. Mts., in Darmstadt statt. Der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Generalmajor von Kloeden, hat sein Erscheinen dabei zugesagt. Es wird darauf hingewiesen, daß alle dem Verbände noch fernstehenden Militäranwärter, Kriegs- und Friedensinoaliden sich in ihrem eigensten Interesse zu dem Verbandstage einfinden sollten, da nur durch den Zusammenschluß die Lage aller eine Besserung erfahren kann. Es sei hier darauf hingewiesen, daß der Bund deutscher Militäranwärter nahezu 40000 ehemalige Unteroffiziere, Kriegs- und Friedensinvaliden zu seinen Mitgliedern zählt. Der Landesverband Großherzogtum Hessen setzt sich aus fünf Vereinen, Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen und WorrnS mit nahezu 500 Mitgliedern zusammen. (Siehe Inseratenteil.)
** Ueber die bei der Erteilung von Schießerlaubnis vom Großh. Polizeiamt eingeführten Grundsätze befindet sich in der heutigen Nummer eine Bekanntmachung, auf die Interessenten aufmerksam gemacht seien.
** Kunstausstellung. Einheitlichkeit der Stimm- iung, diesen Hauptvorzug künstlerischer Ausstellungen, der so manches Mal atfer heißen Mühe zum Trotz sich nicht einstellen will, verdankt die gegenwärtige dem freundlichen Zufall, der lauter Werke graphischer Kunst, teils Arbeiten Ernst Liebermanns-München, teils solche des hochangesehenen Münchener Originalradiervereins zusammenführte. Den ganzen Saal füllen die mehr als 200 Blatter, scbwarz-4veiß und farbig, Radierungen, Lithographien, Stiftzeichnungen. Ohne den Ruhm anderer schmälern zu wollen, lenken wir die Aufmerksamkeit der Besucher ganz besonders auf die schöne Liebermannsche Sammlung, die uns einen liebenswürdigen und feinsinnigen Illustrator kennen lehrt. Daeser Teil der Ausstellung wird am nächsten Montag verschwinden, während die Radierungen der Münchener bis. zum 18. Mürz ausgestellt bleiben sollen. A
” Zum Ankauf des Aktienbrauereigeländes. Zu unserem gestrigen Referat in der Stadtverordneten- Versammlung schreibt uns Herr Brauereibesitzer Bichl en Verehrlicher Redaktion teile ich im Hinblick auf die in der vorgestrigen Stadtverordnetenversammlung gegen mich erhobenen Angriffe vorläufig mit, daß ich denselben in geeigneter 23 c ij e entgegentreten werbe. Diese Angriffe sind u n- begünbet, die zu ihrer Begründung oorgebrachten Behauptungen sind mehrenteils u nwah r. Ich habe gehandelt, wie es mein Recht und meine Pflicht gewesen ist.
)!( Leihgestern bei Gießen, 10. März. Die Gemeinde plant eine, Vergrößerung des Gotteshauses oder die Errichtung einer neuen Kirche. Ter Um- und Vergrößerungsbau ist zu 60 000 Mk., der Neubau zu 75 000 Mk. veranschlagt.
)( Butzbach, 9. März. Gestern abend wurde von der hiesigen Gendarmerie in Nieder-Mörlen ein Korbmacher Namens Haßler festgenommen, der in dem dringenden Verdacht steht, die Frau Fett von Ostheim auf der Chaussee nach Niederweisel angefallen zu haben. Er ist bei Gegenüberstellung der Frau von dieser aufs Be- stimmteste als Täter erkannt, und daraufhin in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert worden. Im übrigen handelte es sich nicht um einen Raubanfall, sondern um einen unsittlichen Angriff. Zur Ergänzung sei mitgeteilt, daß es sich nicht um die Witwe des Gastwirts Fett handelt.
(-) Friedberg, 9. März. Kirchenrat Meyer beging unter überaus großer Teilnahme der Einwohnerschaft und der Behörden sein oOjähriges Amtsjubiläum. Vormittags wurden ihm in seiner Wohnung die Glückwünsche der Behörden und Korporationen überbracht, nachmittags 2 Uhr fand im Hotel Trapp ein Festmahl statt. Kirchenrat Meyer ist bereits 49 Jahre in unserer Stadt als Geistlicher tätig und seit dem Tode des Kirchenrat Baur 1888 steht er an der Spitze der evang. Gemeinde. Nächsten Sonntag findet im Saalbau zu Ehren des Jubilars eine gesellige Vereinigung statt.
[] Muschcnheim, 7. März. Der Vo lksb ild- ungsverein veranstaltete gestern abend im Saale des Gastwirts Roth einen Familie nabend. Aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung ein Vortrag des Pfarrers Köhler über: „Unser Kais er paar", worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Zur Belebung der Feier trug der Gesangverein durch Vortrag einiger schöner Lieder bei. Nach einem kurzen Schlußwort des Pfarrers wurde noch gesungen: „Deutschland, Deutschland über alles." Tie Versammlung war recht gut besucht und die erste derartige Veranstaltung in der Gemeinde verlief in schönster Weise. — Wie alljährlich, so findet auch dieses Jahr ein Ball der Beamten der Butz b ach -Lich er Eiseubahn statt, und zwar Samstag, 10. März, im Saale des Gastwirts Roth hier.
Darm stad t, 9. März. I. K. H. die Großherzogin besuchte gestern nachmittag das Elisabethenstift bei Nieder- Ramstabt. Geheimerat Prof. Bin ding aus Leipzig wurde gestern vormittag in dludienz empfangen unb nahm alsdann an der Großh. Frühstückstafel im Neuen Palais teil. (D.Z.)
Wetzlar, 9. März. Wie der „W. A." hört, schweben zwischen dem Fürstlichen Hause Solms-BraunfelS unb der Firma Krupp in Essen Verhandlungen, die den Verkauf der im fürstlichen Besitze befindlichen Bergwerke sowie der Ern st bahn gum Gegenstand haben.
Frankfurt, 7. März. Zwei prächtige Elenn-Anti- lopen — nächst der Giraffe die größte Antilopenart der Erde — mb vom Zoologischen Garten erworben worden. Die erst IV-jährigen Tiere haben schon fast Pferdegröße und Hörner von saft Vs Meter Länge. Die älteren Besucher des Zoologischen Garten werden sich gewiß des früheren Paares dieser Prachttiere erinnern, von denen das letzte Stück im Jahre 1890 starb, seitdem sind diese Antilopen zu den größten Seltenheiten geivorden/ da auch in ihrem Vaterlande die Viehseuchen das wiederkäuende Wild gewaltig dezimiert haben. — In das Affenhaus gelangten unter einer Anzahl Halbaffen zwei Varis, die durch die schneeweiße Färbung des Arm- unb Rückenpelzes einen sehr schönen Anblick ' gewähren, was von der gleichzeitig eingetroffenen, sehr häßlichen Känguruhratte nicht gesagt werden kann. Ein im Fliegen purpurn schimmernder H e l m v v g e l komplettiert jetzt wieder das Paar dieser afrikanischen Prachtvögel, von denen das Männchen kürzlich gestorben war.
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. 2Iuf eine 25jährige Tätigkeit im Gendarmerie-Dienste konnte Wachtmeister Kersting in Lützellinden am 1. März dö. Js. zuriickblicken. — Die Staatsanwaltschaft bat das Versahren gegen den katholischen Pfarrer in Jügesheim, der angeblich an einem 13 jährigen Mädchen ein Sittlichkeitsverbrechen verübt haben sollte, e i n g e st e l l t. Nach eingehender Untersuchung haben sich die beiden anonymen An-- /seinen als falsch erwiesen.
Gießcncr Strafkammer.
)( Gießen, 9. März.
Die Strafkammer verurteilte den 19jährigen Buchdrucker O. B. aus Großbreiterrbach wegen Diebstahls und Mundraubs zu 10 Monaten Gefängnis. Er kam am 7. vor. Monats auf der Wanderschaft nach Fauerbach-Friedberg! und stieg durch ein offenstehendes Fenster in ein Haus ein, wo er außer Nahrungsmitteln zwei Paar Stiefel stahl. Beim Verlassen des Hauses wurde er abgefatzt und der Polizei überliefert. Das Gericht stellte fest, daß er die drei letzten Jahre fast ausschließlich im Gefängnis zugebracht hat: kaum war er entlassen, so ließ er sich wieder cinV Straftat zu schulden kommen. Nur der Unerheblichkeit des Gestohlenen hatte er es zu verdanken, daß ihn das Gericht nod) einmal mit dem Zuchthaus verschonte, zumal er schon recht erhebliche Vorstrafen erlitten hat. Mit Rücksicht auf sein Geständnis erfolgte die Anrechnung eines Monats der Untersuchungshaft. —, Zwei hiesige Taglöhners- witwen H. und E., die beide schon ansehnliche Strafregister aufzuweiscn haben, gerieten in ihrer gemeinsamen Wohnung in >streit, der sich auf der Straße fortsetzte. Frau H. drohte wrer Gegnerin den Kopf abzuhacken, indem sie ihr mit erhobenem Hackbeil nachlief. Jede von ihnen will in Notwehr handelnd auf die airdere eingeschlagen haben. Auf gegenseitigen Strafantrag verurteilte sie das hiesige Schöffengericht wegen Körperverletzung, Bedrohung und Werfens zu Geldstrafen von 20 und 3 Mk. bezw. 10 und 3 Mk. Wahrend <ytau E. das Urteil anerkannte, verstlgte Fran H. Berufung, deren sich die Staatsanwaltschaft anschloß. Die Strafk'mmer war der Ansicht, daß das Schöffengerichtsurteil sehr milde ausgefallen ist, doch sie beließ es aus Billigkeitsgründen bei der Strafe, da J-rau E., die als die Urheberin des Streites bezeichnet wurde, ebenfalls mit einer gelinden Strafe durchgekommen war.
In der Nachmittagssitzung wurde über die Berufung des Obersten a. D. Sp. frier, der wegen Beleidigung des Primar- arztes ^.r. Kläntvr in Warnsdorf (Böhmen) durch das hiesige ^chöfsengerlcht zu 250 Mark Geldstrafe verurteilt loorden war, verhandelt. Sp., der sich mit der Ausübung der Naturheilrunde besaßt, hat nach vorausgegangenen Anseinandersetzilngen in Fach, blättern einen Artikel veröffentlicht, durch den sich her Kläger beleidigt fühlte. Die Deriisung sftitzi sich auf den § 193, wonach ber Angeklagte hätte straffrei ausgehen müssen, da er berechtigte v.nmc)]cn gewahrt habe; zum mindesten hätte eine Kvmpensa- tiott jtattstnden müssen, da durch den unter Anklage gestellten Artikel eine Beleidigung seitens des Klägers ausgegangen sei. Das Ergebnis der B^rufnngsverhandlung soll nach 14 Tagen verkündigt werden.


