Ausgabe 
3.1.1906 Erstes Blatt
 
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Kirr6ticke 7Nachrich 1 en. Evangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 4. Januar, abends 8 Uhr, im Matthäus- taal, Kirchstraße 9: Bibel stunde. (Cffcnb. Joh. 2, 17.)

Pkarrcr D. Schlosser.

Märkte.

fc. Frankfurt a. 9)1, 2. Ian. L> e u- und Stroh- markt. Man notierte: freu Mk. 3.50 bis Mk. 3.70, Stroh Mk. 2.602.80. Alles ver 50 Kilo. Tendenz: fest.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

voraussichtliche Witterung in Hessen kur Donnerstag, den 4. Januar 1906: Trüb, noch milder, genüge Niederschläge.

Näheres durch die (titehener Wetterkarte.

Berlin, 3. Ian. Die Morgenblälter melden, auf die herzlichen NeujahrSgrüße des Londoner Lord- majors und der City antwortete der Berliner Oberbürger­meister; er erwiderte die freundlichen Glückwünsche herzlich in der frohen Zuversicht, daß die Freundschaft zwischen dem englischen und dem deutschen Volk immer inniger werde.

Köln, 2. Jan. In einem Artikel betitelt93 o r de rKon - ferenz vonAlgcciras" verweist dieKöln. Ztg." gegenüber den Bemühungen der Gegner Deutschlands, Zwistig­keiten zwffclren Spanien und Deutschland zu sch?fstn was neuerdings wieder dadurch geschah, daß dem spanischen Ministerpräsidenten Sicherungen untergeschoben wurden, nach denen Spanien in der marokkanischen Politik mit Frankreich und England vollkommen einig sei, auf das Telegramm, worin von dem spanischen Ministerpräsidenten erklärt wird, daß er sich durchaus nickst in dieser Weise geäußert habe. Aus solchen falschen Meldungen ergeben sich klar, daß man sehr gern Verltimmung zwischen Spanien und Deutschland Hervorrufen möckste. Das auswärtige Amt habe die Senate von Hamburg und Bremen gebeten, die besten Sachverständigen für die marokkanischen wirt sthnftlichen An gelegen hciten nach Berlin zu entsenden zu einer Besprechung in Bezug auf das Konferenzprogramm und die daran zu knüpfenden Wünsche des deutschen Handelsstandes. Diese Bespreckmug hat im auswärtigen Amt unter Mitwirkung der deutschen Kvnsercmzdelegierten stattgefunden und zu einer Aus­sprache über samtlickse einschlägigen Fragen geführt. Ebenso sind

in Berlin umfassende Gutachten über verschiedene Punkte des Konferenz-Programmes von den kaiserlichen Gesandtschaften und den Berufskonsulaten in Marokko geliefert worden. Ebenso sollten in diesen Tagen in Easa-Vlanea Verhandlungen der in Marokko ansässigen deutschen Interessenten stattfinden, um zu dem Kon- serenzprogramm Stellung zu nehmen, lieber das Ergebnis dieser Verhandlungen liegen Nachrichten noch nicht vor, doch wird später die Behauptung nicht aufrecht erhalten werden können, daß die Negierung ihre Kenntnis von Marokko und seinen Handels­verhältnissen lediglich auf bureankratischem Wege erworben habe.

Erfurt, 3. Ian. Der Staatsanwalt erließ hinter dem geflüchteten Warenhausinhaber Strunk einen Steckbrief wegen betrügerischen BankerottS. Die mit­genommenen Barmittel werden auf 50 000 Mk. geschäht.

Posen, 3. Jan. Der Kaiser sandte an den Erz­bischof v. S t a b l e w s k i ein sehr gnädiges Schreiben wegen des Hirtenbriefes, worin der Erzbischof seinen Diö­zesanen zur Pflichterfüllung der Kirche und dem Staat gegenüber ermahnt.

Danzig, 3. Ian. Der polnische Nechtsanwalt Palendzki, Eigentümer der Danziger polnischen Zeittmg, ivurde von dem Vorstand der Anwaltskammer in Marien­werder wegen eines Artikels seiner Zeitung seines Amtes entsetzt. Ter Ehrengerichlshof in Leipzig bestätigte die Entsetzung.

B e r n e i. Oldenb., 3. Jan. Im Wundfiebererstach ein junger Arbeiter seinen Wärter, verwundete die Pfleg­schwester und mehrere Kranke.

Frankenthal, 3. Jan. Die gegen den Reichstagsaba. Sartorius anhängig gemachte Klage wegen Wcinsälsch- ung wird gegen den Verurteilten noch ein weiteres Nach­spiel haben. Wie die Sachverständigen übereinstimmend be­kundeten, beliefen sich die Einkünfte des Beschuldigten aus feinem Weingut auf rund 100 000 Mark im Jahre, während Sartorius nur 10 000 Mack versteuerte. Tie Steuerbehörden roerden gegen ihn wegen bedeutender Steuerhinter­ziehung vorgehen.

Petersburg, 3. Jan Aus Moskau trafen gestern beruhigende Nachrichten ein. Tie Nevolulionäre haben sich größtenteils gefangen gegeben, allein 1500 im Stadtteil Presnaja, wo am erbittertsten gekämpft wurde. Tort

herrscht entsetzliche Verwüstung. In der Prochowschen Fa^ brik liegen noch Leichen in großer Zahl. Tie in furchtbare Not.geratenen und äußerst erbitterten Arbeiter behaupten, daß sie verführt worden feien. Wie verlautet, wollen die Revolutionäre in Moskau noch einmal verzweifelte Aw» strengungen machen und es am 22. Januar mit einem neuen bewaffneten Aufstand versuchen.

Petersburg, 3. Jan. General Orlow geht in den Ostseeprovinzen rücksichtslos vor. Als ein revolutionären S t a t i o n s ch e f hinter T neburg die Beförderung seines Zuges verweigerte, ließ Orlow ihn sofort aufhängen. Darauf wurde der Zug sofort expediert. Das Einrücken des Militärs in den Ostseeprovinzen hat eine starke Ernüchterung unter der Bevölkerung hervorgerufen, die im Süden mit der Auslieferung der 'Waffen beginnt.

Petersburg, 3. Jan. Hier setzt die Negierung die strengsten Maßnahmen gegen die revolutionäre Presse fort. Sie schloß 38 Druckereien und wird nächster Tage vier weitere Druckereien schließen. Gestern wurden die acht ver­antwortlichen Redakteure der sozialistischen Blätter verhaftet.

Petersburg, 3. Ian. Unaufhörlich werden Haus­suchungen und Verhaftungen vorgenommen. Ter Adju- d a n t des Kommandierenden des Warschauer Militärbezirks v. Meyer erschoß sich, weil er durch den Bankkrach sein ganzes Vermögen verloren hat.

Moskau, 3. Jan. Die Stadt bietet jetz-t tagsüber das gewöhnliche Bild. Abends sind biegen die Straßen menschen­leer. D 's Verlassen der Wohnungen nach 9 Uhr ist verboten. Nachts wird häufig von Revolutionären aus dem Hinterhalt auf Patrouillen und Militärposten gefeuert. Die Hanssuckmngen und Berh s.ungen dauern fort, sogar Mitglieder bisher geduldeter Verbände werben verhaftet. Es kommt auch vor, daß Personen während oder nach ihrer Verhaftung von der Polizei er­schossen werden.

Moskau, 3. Jan. Heftigen Widerstand leisteten die Auf­ständischen bei der Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Kksan« jefen Bahn. Aus Moskau kamen zwei Bataillone Infanterie, die jede Station einzeln erobern mußten. Blutige Zusam­menstöße kamen dabei vor. Allein in den nächsten drei Stationen wurden 300 Bahnbedienstete getötet, 17 Beamte standrechtlich erschossen. Tie Käsansche Bahn ist noch nicht im Betrieb.

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Gießen, den 27. Dezember 1905.

Johann. Gr Psandmeister

Die Benützung des Schweinemarktplatzes und verschiedener anderer Plätze zur Förderung des iu der Lahn gewonnenen Eises soll für den laiücnden Winter Mittwoch, den 3; Januar 1906, vormittags 11 Uhr ort Ort und Stelle öffentlich meist­bietend versteigert werden. B'/,

Gießen, den 2. Janttar 1906.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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Bekanntmachung.

In heutiger Vorstaudssitzunq wurden nachgenannte Obligationen unserer Religionsgemeinde zur Rückzahlung per 1. April 1906 ausgelost:

Lit. A Nr. 100 mit Mk. 400

Lit. B Nr. 3 , 200.

Ab 1. April 1906 hört deren Verzinsung aus.

Die Auszahlung eriolqt durch das Bankhaus I. Grünewald, Gießen, und unseren Rechner Herrn Siinon Strauß, hier.

Friedberg, den 30. Dezember 1905.

Der Vorstand der isr. Neligiousgemeindc.

Isidor Stern. 130

Noch nach Neujahr haben unserer Kleinkindcr-Bewahr- anstatt nachbenannte Herren und Damen zur Enthebung von Neuiahrsglückwünschen Gaben gespendet: 143. Bäckermeister Eduard Noll und Frau. 144. Oberlehrer Cchierholz. 145. Familie Baumann.

Für diese freundlichen Gaben (373 Mk.) sagen wir abermals herzlich,,en Dank. v7x

Gießen, den 2. Januar 1906.

Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt.

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