Ausgabe 
2.7.1906 Zweites Blatt
 
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Partei angehören, in den Palast in Peterhof ein­dringen konnten.

Cm Petersburger Blatt greift den General Ren­nen kam p auf das deftigste an und beschuldigt shn des sv st e m a t i s ch e n D i c b ft aI) l s während des Kriegs in Ostasicn.

Ebenso wie von [eiten des Generalstaves die Ernennung von Juden zu Offizieren als untunlich erklärt wurde, soll nunmehr auch den Inden der Eintritt in die E i s e n b a h n v e r u> a l t u n g verwehrt werden.

Ein entsetzliches Eisenbahnunglück.

Am 1. Juli entgleiste zwischen London und Southamp­ton ein Expreßzug der Dampferlinie American Line bei Salisbury. Nach den leisten Nachrichten wurden 2 3 Per­sonen getötet und viele verletzt. Die Getöteten sind meist Amerikaner. Die Reisenden kamen in Plymouth mit einem Dampfer der Nemyork-Amerikalinic an. Unter den Passagieren deS Dampfers befanden sich auch der Bürgermeister von Newyork, Mac Lellan und seine Gattin. Diese fuhren jedoch mit dem Dampfer von Plymouth nach Southampton weiter. Bei dem Unfall fuhr die Lokomotive, die zuerst entgleiste, in einen entgegenkommenden Güterzug hinein. Bei dem Zu­sammenstoß wurden mehrere Wagen des ExprcßzugeS, in dem sich 47 Reisende befanden, vollständig zertrümmert. Die Toten und Verwundeten konnten nur mit größter Mühe unter den zertrümmerten Wagen hervorgezogen werden. Die letzteren stürzten zum Teil den Bahndamm hinunter. Unter den Verunglückten sind einige mit deutschen Namen. Sie sind jedoch amerikanische Staatsangehörige.

Kurz vor Schluß der Redaktion werden uns noch fol­gende Einzelheiten gemeldet:

Ms der Expreßzug aus Devonport, der die mit dem amerikanischen DampferNewyork" eingetroffenen Passa­giere nach London bringen sollte, mit einer stunden-Ge- schwindigkeit von 100 finite, durch das Bahnhofsgebict von Salisbury raste, entgleiste die Lokomotive an einer Kurve dicht hinter dem Stationsgebäude und krachte in den hintersten Zugführerwagen eines Milchzuges, der zer­schmettert und dessen Z u g f u h r e r g e t ö t e t wurde. Die Lokomotive kollidierte alsdann mit einem Eisenpfeiler, der über die Schienen führenden Fußgängerbrücke, die total weggefegt wurde, überschlug sich und explodierte. Der Maschinenführer und der Hetzer tourben unter ihr begraben und getötet. Der erste Vagen schoß an der Lokomotive vorbei, der zweite und dritte Wagen überschlugen sich und wurden ebenfalls zerschmettert. Der vierte und letzte Wagen, in dem sich der Schaffner und die Küche mit dem Küchen­personal befanden, blieb aus dem Geleise. Nur zwei In­sassen dieses Wagens wurden leicht verletzt. Das Stöhnen und schluchzen der unter den Trümmern liegenden ent­setzlich Verwundeten war herzzerreißend. Biele Verletzte konnten nur mit Mühe und nach Zersägen der Trümmer hervorgeholt werden. Tie Toten, deren Körper meist gräß­lich verstümmelt ivaren, wurden in einer Reihe auf dem Perron niedergelegt. Erschütternde Szenen spielten sich ab, als die Ueberlcbcnden ihre Angehörigen unter den Toten und Verwundeten entdeckten. Von einem amerikanischen auf der Hochzeitsreise befindlichen jungen Ehepaar wurde der Bräutigam getötet, während die Braut unver­letzt blieb. Tie Leichen des Lokomotivführers und des Heizers wurden vollkommen verkohlt unter der Lokomotive hervorgezogen. Tie Lokomotive hatte sich wie ein Tampf- pflug in den sandigen Bahnsteig eingewuhlt. Durch den Anprall der übereinander stürzenden Wagen tourt)en die Brückenpfeiler weggerissen. Tie Bahnsteige wurden in eine unentwirrbare Trümmerstätte verwandelt. Unter den Opfern befinden sich mehrere hervorragende amerikanische Bürger. Ter amerikanische Botschaftssekretär Ridgele Carter hat sich mit anderen amerikanischen Botschaftsmit­gliedern von London nach Salisbury begeben, um nach den Verwundeten zu sehen.

Weiter wird gemeldet, daß noch sieben schwer Ver­wundete in Todesgefahr schweben.

X

Noch ein Eisenbahnunglück. In der Nähe von Ntika (Nordamerika) wurden bei der Entgleisung eines Eisenbahnzuges 50 Personen verletzt, darunter zwei tödlich.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, den 2. Juli 1906.

* * Von uns er er Landes-Universität. Die Tarmst. Ztg. schreibt: Wir sind in der angenehmen Lage, mitteilen zu können, daß es dem Großh. Ministerium gelungen ist, einen schweren Schlag, der unsere Landes- Universität durch einen an den Inhaber des Lehrstuhls für innere Medizin und Direktor der medizinischen Klinik Herrn Professor Dr. Moritz unter besonders günstigen Bedingungen ergangenen Ruf als L e i t e r d e s st ä d t i s ch e n Krankenhauses in Frankfurt a. M. bedrohte, glücklich abzuwenden. Professor Tr. Moritz hat sich als Nachfolger des Herrn Professor Tr. Riegel während seiner nun bald V/2 Jahre dauernden Tätigkeit in Gießen nicht allein als Lehrer und Forscher, sondern auch als ärzllicher Berater einer umpfangreichcn Klientel so vor­trefflich eingeführt, daß man seinen Weggang auf's tiefste hätte bedauern müssen, von seinem Verbleiben in seiner jetzigen Stellung aber eine weitere Steigerung des An­sehens des Lehrstuhls für innere Medizin an unserer Landes-Universität mit Sicherheit erwarten darf.

* Das Ergebnis der diesjährigen Preis­aufgaben unserer Landesuniversität ist: 1) Auf­gabe der theologischen Fakultät:Ter Engelglaube in den Psalmen"; Verfasser ist: stuä. tdeol. Theodor Petersen von Darmstadt. 2) Aufgabe der juristischen Fakultät: ^Bedeutung und Anwendungsfälle der Schriftsorm im Reichs- zivilrecht"; Verfasser ist: cand. jur. Friedrich Diehl von Groß-Gerau. 3) Aufgaben der medizinischen Fakultät: a) Für den akademischen Preis:Es soll untersucht werden, in welcher Weise die Resorption des Phosphors bei Einspritzung von Phosphoröl vor sich geht"; Verfasser ist: cand. med. Wilhelm Werlä aus Mainz, b) Für den Balser-Preis:Es soll untersucht werden, ob die Höhe der Ammoniakausscheidung im Harn tatsächlich, wie fast allgemein angenommen wird, nur durch die Größe der jeweiligen Ausfuhr von Säuren durch den Harn bedingt rnirb*; Verfasser ist: cand. med. Wassa Klein aus Gießen. 4) Angaben der philosophischen Fakultät: a) Aufgabe aus der englischen Philologie:Tie englische Laut- ontwickelung, nach französischen Grammatikerzeugnisten"; 23er­

faffer ist: stud. phil. Theodor Spira aus WormS. b) Aufgabc aus der griechischen Philologie: Graecorum hymni sacii in deos heroes reges qui tempus tulerunt praeter Orphicos deperditorumque reliqniae colligantur recenseantur explicentur nec non Rom an o- rum imitationes addantur; Verfasser ist: stud. phil. Wilhelm Kölsch aus Büdingen. c) Mathematische Aufgabe:Behandlung der abstrakten Gruppen, die durch zwei Elemente gegebener Ordnung gebildet werden"; der Lösung konnte der Preis nicht zuerkannt werden.

""Ein gol denes Lehrerjubiläum. Rektor Hahn kann in diesen Tagen auf eine 50 jährige erfolgreiche Berufs­tätigkeit zurückblicken. AuS diesem Anlaß wird am 14. Juli dieses JahreS im Neuen Saalbail eine besondere Festfeier stattfinden, die Gelegenheit geben wird, dem Leiter unserer städtischen Volksschulen die verdiente Anerkennung für seine langjährige gewistenhafle und verdienstvolle Aintsführling auszusprechen.

* * Geschäftsjubiläum. Heute begeht die hiesige be­kannte Firma I. H. Fuhr die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Sie nuirde nach den noch vorhandenen Büchern von bem Vater des jetzigen Inhabers Joh. Hein. Fuhr be­gründet. Er betrieb anfangs eine Zinngießerei. Laut Kanf- brief ging am 26. März 1832 das jetzige Anwesen der Firma, das dlirch verschiedene Zllkälife beträchtlich vergrößert wurde, in seinen Besitz über. Die verniehrte Benutzlmg von Porzellan und Steingut hatte eine geringere Nachfrage nach Zinmvaren zur Folge, iveshalb sich H. Joh. Heinr. Fuhr mehr auf den Verkauf von Spielwaren und später auch von Kurz- und Tapisseriewaren verlegte. Nach dem Tode des Begründers übernahm 1877 dessen Sohn Ludwig Fuhr der jetzige Inhaber die Firma. Er hat es verstanden, im Einklang mit der schnellen Entwicklung unserer Vater­stadt, den Umfang stetig zu vergrößern.

* * Entsprungen. Am verflossenen Saurstag nach­mittag entsprangen bei der Außenarbeit einem Gefangen­aufseher die Strafgefangenen Louis Hardt und Heinrich Klein, beide hier wohnhaft. Es gelang noch am gleichen Abend die Ergreifung des Hardt, und Klein wurde gestern in Atzbach ergriffen.

Diebstahl. Einem hiesigen Dachdecker mürben in der Nacht vom Freitag auf Samstag mehrere Rollen Dach­pappe von unbekannten Tätern aus seinem Hofe ent­wendet.

* Dachdeckermeister Carl 4, der, wie bereits be­richtet wurde, das Urteil anerkannt hat, befindet sich zur Verbüßung der gegen ihn erkannten Strafe in der Zellen­strafanstalt Butzbach.

* * M il itärkonzert. Morgen Abend konzertiert im Saalbau das Trompeter-Korps des 2. Rhein. Husaren-Reg. Nr. 9 aus Straßburg.

" Die Ehrhardtsche UniversitätsbuehHand­lung (G. Schramm) ging in Marburg in den Besitz deS Herrn Adolf Ebel aus Gießen über, der das Geschäft in den alten Räumen, Marktsiasft 18/20, weiterführen wird.

* * DasP o st b u ch, Ratgeber für den Post- und Telegraph en verkehr" ist anläßlich der vielen Aendernngen in der Postordnung, den Tarifen usw. soeben unter Berücksichtigung der nciteflcn Bestimmungen neu herausgegeben worden. TaS Werkchen, welches in manchen Punkten eine Erweiterung erfahren hat, enthält u. A.: VersendungS- und Zollvorschriften, Bestimmungen der Postordmmg, des PostgesetzeS und des Wkltpostvertrags, Tarife aller Art für den In- und Aüslandsverkehr, Umrechnungstabellen für den ausländischen Postanweisungsverkehr, Verzeichnis aller Reichs-Postanstalten, der deutschen Postorte im Auslande, der wichtigeren Postorte in Bayern, Württemberg und Oesterreich- Ungarn (15 000 Postorte) nebst einer Zonentabelle zur Berechnung des Paket- und Geldbriesportos nach jedem beliebigen Postorte; Straßenvcrzeichuis von Berlin, Verzeichnis der Nachbarpostorte, Telegraphen- und Fernsprechverkehr. Tas Werkchen, welches sich als zuverlässiger Ratgeber in den einschlägigen Fragen bestens be­währt hat uub dessen sorgsame Bearbeitung anerkannt wird, ist zu 1 Mark au den Postschaltern erhältlich.

- ll-L a n g - G ö u s, 2. Juli. Unsere am 12. Dezember 1880 errichtete freiwillige Feuerwehr feierte heute unter Teil­nahme der Einwohnerschaft, der hiesigen Vereine und circa 25 Nachbarwehren ihr 25jähriges Jubiläum. Tas Fest wurde eingeleitet mit einem Kom mers am Samstag abend auf dem Fcitplatzc. Am Sonntag vormittag wurden die Gäste in dem festlich geschmückten Orte empfangen und gegen 11 Uhr eine Hebung mit Drandangnsf abgehalten. Der stattliche Festzug bewegte sich gegen 2 Uhr durch die Straßen nach dem Festplatze. Hier hielten Bürgermeister Rompf und Feuerwehr-Kommandant Nern Begrüßungsansprachen. Diesen folgten Vorträge der hie­sigen Gesangvereine. Regierungsrat Dr. Wagner überreichte sodann den Wehrmännern Hch. Boller II., Phil. Schmidt II. und Joh. Karl Müller IV. die vom Großherzog verliehene Ehrenzeichi^l für 25 jährige Dienstzeit. Die zahlreich im Festzug Vertretenen Elsrenjungfrauen in ihrer kleidsamen Hüttenberger Tracht hatten im Verein mit den Frauen ein schönes Banner gestiftet, das von einer Ehrenjung-ffau der Feuerwehr überreicht wurde. Regierungsrat Tr. Wagner ergriff nochmals das Wort, um dem vollzählig erschienenen Kriegerverein die vom Kaffer verliehene Fal'/nenschleise zu überreichen. Es folgten weiter Vor­träge der Gesangvereine und Tanz, wobei die Gießener Wehren durch eine Extratour mit den Ehrenjungsrauen ausgezeichnet lmn> den. Am heutigen Montag wird das Fest durch Volksbelustig­ungen und Aufführungen des Lang-Gönser Turnvereins ge­schlossen. Aus Anlaß des Jubiläums war eine kleine Festschrift erschienen.

r Londorf, 1. Juli. Vom schönsten Wetter begünstigt, feierte heute der Lahntal-Radlerbund sein zweites Bund es fest, verbunden mit Bannerweihe dcS Rad­fahrervereins Londorf. Gestern abend fand Konzert im Saale derStadt Gießen* statt, das erst sein Ende er­reichte, als nach 1 Uhr der hiesige Radfahrerverein zum Vereins-Dauerfahren über 100 Kilometer ab fuhr. Heute morgen war Frühkonzert auf dem Festplatz, zur Begrüßung der vom Tauerfahren ankommenden Vereine. Hm 12 Uhr fand gemeinschaftliches Mittagessen der Vereine statt und kurz nach 2 Uhr begann das Korsofahren durch den reich­geschmückten Ort. Ehrenjungfrauen schritten dem Zuge voran und trugen das neue Vereinsbanner. Es folgten der hiesige Gesangverein, der Kriegeroerein und dann kamen die Rad- fahrervereinc. Wenn auch die große Nachttour manchem Fahrer nicht so ganz leicht gefallen haben mag, hier merkte man nichts mehr davon. Man sah, wie sichs jeder Einzelne angelegen sein ließ, seinem Verein zu einem' guten Erfolge zu verhelfen. Nachdem der Zug auf dem Festplatz angelangt war, begrüßte der Vorsitzende des Londorfer Radfahrer­vereins, Louis Weber, die zahlreich erschienenen Festgäste. Lehrer Schaum hielt sodann die Fest- und Weiherede. Er schilderte in kurzen Zügen die Entstehung und Bedeutung des Rades und der Radfahrervereine und weihte hierauf das von

der Mündener Fahnenfabrik schön und geschmackvoll ver­fertigte Banner. Der Bundesvorsitzende, Bürgermeister Schmidt-Lollar dankte sodann dem Radfahrerverein Londorf für das schöne Arrangement des Festes und brachte auf den Verein ein dreifachesAll Heil* aus. Nun entwickelte sich auf dem Festplatz bei Konzert, Tanz und Liedervorträgen des GesangvereinsFrohsinn* ein lebhaftes Treiben. Um 1/27 Uhr fand die Preisverkündigung statt. Es erhielten Preise int Dauerfahren: 1. Lollar, 2. ylllcndorf a. Lda., 3. Großen-Linden, 4. Klein-Linden, 5. Londorf. Londorf, das die meisten Kilo­meter gefahren hatte, hatte einen Mann verloren und kam etwas zu spät an. Im Korsofahren erhielt den 1. Preis Lollar, 2. Klein-Linden, 3. Londorf, 4. Allendorf, 5. Großen- Lmden.

b. Friedberg, 2. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Hier wurde in der Abortgrube eines in der Kaiserstraße ge­legenen Hauses die Leiche eines neugeborenen Kindes ge­funden. Die Polizei soll der Täterin bereits auf der Spur sein.

? Vom Hoherodskopfe, 1. Juli. Heute fand das JahreSfest desVogelsberger Höhenklubs" statt. Trotz günstiger Witterung war der Besuch gegen frühere Jahre gering, was dem Umstande zuzuschreiben ist, daß vorigen Sonntag das Gauturnfest in Schotten abgehalten und heute zahlreiche Feste in Oberheffen stattfinden. Die Fernsicht war nicht gut; ein dichter Nebelschleier umhüllte die fernliegenden Gebirge. Im schattigen Buchenwalde standen die Pferde der Gäste, die zu Wagen angekommen waren. Die sonst übliche Festrede siel diesmal aus. Von Mittag an konzertierte die gut geschulte Kapelle Faust-Feldkrücken, worauf sich die Jugend mit Tanz vergnügte. Der Festwirt, Klub- wirt Stein, hatte für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt.

p. Schlvalbach (Kreis Wetzlar), 1. Juli. Das Schmal» bacher Mineralwasser hat in unserer Gegend und weiter einen guten Ruf. Die Nachfrage steigert sich mit jedem Sommer. In den heißen Tagen feiern wir nun jedes Jahr ein fBrunncnfeft. Voriges Jahr wurde es allerdings buch­stäblich zu Waffer. Heute dagegen machte der Himmel ein freundliches Gesicht und es wurde daher manches Glas Waffer, aber wohl noch mehr Bier getrunken.

() Ehringshausen (Dill), 1. Juli. Der bisherige Katasterkontrolleur Kaiser ist am 16. Juni d. J§. vom Dienste suspendiert und der Katasterlandmeffer Scholz bis auf weiteres mit der Führung des Katasteramtes Ehrings­hausen betraut worden.

Frankfurt, 30. Juni. Als Nachfolger Proseffor v. Noordens für die Stelle eines Direktors für innere Krankheiten am städtischen Krankenhaus, ist Profeffor Hugo Lüthje, jetziger Leiter der ambulatorischen Klinik in Erlangen, ernannt worden.

Gelnhausen, 30. Juni. Infolge eines Schlaganfalls starb Bürgermeister Schöffer, der die Geschäfte der Stadt 27 Jahre geführt hat, und sie auch im Kreisausschuß, sowie im Provinziallandtag vertrat._______________

Die abgehauene Hand vor Gericht.

S. u. H. Breslau, 1. Juli.

In der geftern vor der 5. Zivilkammer verhandelten bekannten Klagesache deS Bierfüllers B i e w a l d gegen die Stadtgemeinde Breslau wurde eine Beweiserhebung darüber beschlossen, daß sich unmittelbar vor dem Abhauen der Hand eine Zusammenrottung ereignet hat, für deren Folgen die Stadtgemeinde Breslau haft­pflichtig sein würde. Ter Klager und sein Nechtsbeistand Iustizrat Mainroth machten geltend, daß die Schutzleute, unter denen sich der Attentäter befand, an jenem Tage in Ausübung ihres Amtes die Straße entlang gekommen seien, in der Biewald mit seinem Kollegen Hartmann stand. Der § 1 des preußischen Tumultgesetzes vom 11. März 1850 besage:findet bei einer Zusammenrottung oder einem Zusammenlaufe von Menschen durch offene Gewalt oder durch Anwendung der dagegen getroffenen gesetzlichen Maß­regeln Beschädigungen des Eigentums oder Verletzungen von Per­sonen statt, so haftet die Gemeinde, in deren Bezirk diese Hand­lungen geschehen sind, für den dadurch verursachten Schaden". Ter Vertreter der Stadtgemeinde machte geltend, daß der dem­nächst zu verhandelnde große Breslauer Aufruhr-Prozeß erst eine Klärung der Vorgänge an jenem Tage bringen werde, um so mehr, als auch Biewald in diesen Prozeß mit verwickelt sei. Biewald, der anwesend war, und die ihm abgehauene Hand in der Tasche mttgebracht hatte, widersprach im Verein mit seinem "Anwalt Tr. Mamroth der Vertagung, weil sein Rechtsanspruch klar zu Tage liege. Tas Gericht beschloß jedoch die Vertagung der Verhandlung auf den 26. September.

Sport.

H.B. Darmstadt, 1. Juli. Der Frankfurter SportklubHermania" hatte heute mit ca. 40 Mitgliedern eine Hundert kilonieter-Lauftour. veranstaltet, die von Zachsenhausen-Fraukfurt über Mainz und Darmstadt und dann über Offenbach nach Frankfurt zurückführte. Der Aufbruch der Daucrläufer erfolgte früh um halb 5 Uhr und schon um halb 12 Uhr trafen die ersten der Konkurrenten, jeder einzelne von mehreren Radfahrern begleitet in Darmstadt ein; sie hatten also über Zweidrittel der ganzen Strecke in 7 Stunden zurückgelcgt und dürften so mit ihre Aufgabe, die 100 Kilometer in 11 Stunden zu bewältigen, in glänzender Weise gelöst haben. Die in mehr oder minder großen Zwischenräumen die Rheinstraßc und die Frankfurter Straße passierenden leichtfüßigen Konkurrenten, fast durchweg elastischen Schrittes dahineilcude, schlank gebaute Gestalten im besten Jünglingsalter erregten bei den zahlreichen Zuschauern und Paffanieu allgemeine Aufmerksamkeit und bei dec sie begleitenden Straßen« fugend Helle Freude.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 30. Juni. Die heutige Versammllmg des Arbeit­geberverbandes der Glasereien Berlins und eine Meisterversamm- litng haben beschlossen, sämtliche im Zetttralverbande der Glaser Deutschlands organisierten Bau- und Bleiglasergehilfen sowie Glasmaler heute abend zu entlassen. Nichtorganisierte Gehilfen werden weiter beschäftigt. Es kommen 650 Betriebe mit etwa 800 Arbeitnehmern in Betracht.

Leipzig, 2. Juli. Eine große Z i m nt e r e r- Versammlung beschloß, bem Lohn°Uebereinkommen der Maurer mit dem Bau- Arbeitgeberverbande nicht beizutreten, sondern auf der Forderung sofortiger Zahlung von 65 Pfg. Stundenlohn zu beharren und eoent. am Dienstag die Arbeit niederzulegen.

Gerichtssanl.

Erfurt, 30. Juni. Tas hiesige Schwltrgericht ocrurteille den 61 jährigen Weber Kundeshagen wegen Totschlags seiner Iran zu 12 Jahren Ztichthatts.

H a m bürg, 30. Juni. Ter B e l e i d i g u n g s - P r o z e s; des Kritikers n t o n Lindner gegen den Schriftsteller^ Otto E r n ft wird nochmals die Oeffenllichkeit beschästigett, ba, Lindner bei der Schwere der Beleidigung eine Geldstrafe für unzu­reichend erachtet und Berllsung einlegte.

Thorn, 30. Juni. Das Kriegsgericht verurteilte den Kaiwnier S i c c v t vorn 15. Fußart.-Regt., der bald nach seiner Einstellung^ die Truppe verlassen unb sich mehrere Monate umhergetrieben hatte, nach seiner (Ergreifung aus dem Militärarresthaus unb dann aus einer verschlossenen Zefle des Garuisonlazaretts ausgebrochcir,