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2.7.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 153

Erscheint «glich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGithener ZamlNrnblatter" werden dem ^Anzeiger Dtenrtal wöchentlich beigelcgu Der ^hessische Landwirt erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt ILE. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Montag 3. Juli 1906

Rotationsdruck und Verlag der Nrühl'sch« Untversilätsdruckerei. 9L Lange. Gietzea.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.V.

Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Dreßen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

fürchten anfangen. Zahlreiche Polizeiageiuen verließen in den letzten Tagen fluchtartig die Stadt, um der Ermor­dung zu entgehen, sodaß sich in einzelnen Revieren Mangel a n P o l i z c i fühlbar macht. Der Mob, dem diese Polizisten­flucht nicht unbekannt geblieben ist, nimmt eine bedrohliche Haltung an. Die Unsicherheit der Straße nimmt immer mehr zu. Am gestrigen Sonntag abend wurde im Juden- viertel ein Gendarmerieunteroffizier erschos-

kommission der Gewerkschaften und der Partcivorstand der sozialdemokratischen Partei erlassen. Diese Erklärungen widcr- sprechen in den wesentlichen Punkten einander direkt. Während die Generalkommission die Darstellung des SilKerschmidt be­stätigt, schreibt der Parteivorstand:Nach Genosse Silber- schmidt lautet Punkt 1, auf den es hauptsächlich ankommt: Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, den politischen Massenstreik zu propagieren, sondern lvird, soweit es ihm möglich ist, einen solchen zu verhindern suchen." Nach Bebel lautet der Satz:Der Parteivorstand hat nicht die Absicht, gegenwärtig den Massenstreik zu propagieren, sollte der­selbe aber propagiert werden müssen, so wird sich der Partei­vorstand mit der Generalkommission ins Benehmen setzen." Der Unterschied in den beiden Formulierungen fällt in die Augen. Daß die Bcbel'schc Formulierung des ersten Satzes zutreffend ist, ergiebt sich mit voller Klarheit aus dem Sinn der in der Hauptsache nicht bestrittenen anderen fünf Punkte. Letztere zu erörtern, wäre nutz- und zwecklose Arbeit gewesen, wenn der Partcivorstand die Verhinderung des politischen Massenstreiks als eine seiner Aufgaben betrachtet hätte.

Karlsruhe, 30. Juni. Auf eine Rede des Fürsten

Löwenstein in der ersten Kammer gegen die Simultanschulen erklärte Staatsministcr v. Dusch, die Regierung werde bestimmt und fest an der Einrichtung der Siniultanschulen als einem der Fundamente für die friedliche Entwicklung in Baden festhalten.

Stuttgart,' 30. Juni. Die Kammer der Standes- herren hat heute nochmals die Vcrfassungsrevision beraten. Sic verharrte dabei einstimmig auf ihrem früheren Standpunkt bezüglich des Budgetrechtes, machte auf anderen Gebieten wesentliche Konzessionen gegenüber der zweiten Kammer und stimmte namentlich hinsichtlich des Er­satzes für die aus der zweiten Kammer ausscheidenden Privi­legierten der Zuwahl von 17 Abgeordneten durch Land­proporz zur zweiten Kammer zu, jedoch in der Weise, daß diese in zwei Partien gewählt werden, und zwar vom Neckar- Kreis und Schwarzwald-Kreis 10 Abgeordnete, vom Jagst- Kreis unb Donau-Kreis 7 Abgeordnete.

München, 1. Juli. Das 25jährige Ministerjubi­läum des Ministers des Innern, Grafen Feilitzsch, wurde heute im Ministerium des Innern festlich begangen. Ter Prinzregent sandte sein von Fuchs gemaltes Porträt. An der Spitze einer Deputation der Beamten des Ministc-- riums überreichte der Präsident des VerwaltungsgerichtshofcS, v. Lerman als Ehrengabe eine Bronzestatue der Bavaria. Namens des Bundesrats im Auftrage des Reichskanzlers übersandte Staatssekretär Graf Posadowsky ein Glückwunsch­schreiben.__

[en. Als der Kassierer einer städtischen Fabrik in einem Einspänner mit 3000 Rubel Arbeitslöhnen fuhr, wurde er von vier Bewaffneten überfallen und beraubt, ebenso der Gasfabrikkassierer, der 2000 Rubel Löhne bei sich trug. In der Neuseld-Zabrik in der Pragavorstadt überfielen zehn bewaffnete Männer die Fabrikmädchen, mehrere Hundert nu der Zahl, und beraubten sie ihres Wochen­lohnes. Ein Räuber wurde bei der eisernen Brücke gestellt, verübte aber Selbstmord, die anderen entkamen. Um 11 Uhr abends wurden in der Neubrudnovorstadt drei Landschutzmänner auf dem Felde erschossen.

Am Freitag Nachmittag warf ein Unbekannter in der Praga-Lorstadt Warschaus gegen den Wagen des Gendarmerie-Chefs, Oberst M ur a d o w eine Bombe. Der Oberst wurde nur leicht verletzt, der begleitende Gen­darmerie-Unteroffizier und der Droschkenkutscher schwer, ein Pferd getötet.

In Petersburg wurden zwei verkleidete Polizei-- agenten, die einer Arbeiterversannnlung beiwohnten, er­kannt und erschlage n. Tie Feuerwehrleute drohen in einen Streik zu treten, falls vier ihrer Kameraden, die wegen der Unruhen entlassen wurden, nicht wieder eingestellt wer­den. Eine Bande von 2000 Personen räumte zwei Häuser aus. Tas 2. Erenadierbataillon hat Befehl erhalten, nach Kronstadt abzugehen.

Tas dem Tumamitgliede Grafen Pototzky gehörende Gut Wolea wurde von revolutionären Bauern ausge- raubt und in B r a n d gesteht. Rach Meldungen aus Pinsk bat der Fürst Truzti-Ljebecki int dortigen Adelsklnü einen Gutsbesitzer durch geprügelt, weil dieser sich abfällig über die Reichsduma geäußert und den Bruder des Fürsten wegen seiner Mitgliedschast in der Reichsduma beschimpft hatte. Die Affäre dürfte ein Tuell zur Folge

dings angebracht.

Sehr schlimm sind 3. die Verkehrs steuern. _ Eben hat die Reichspostverwaltung kurzerhand dekretiert, daß alle Ermäßigungen im Ortsporto beseitigt werden, ins­besondere das 5 Pfg.-Porto für Briefe und das 2 Pfg.-Porto für Postkarten. Angeblich hat die Post bei dem billigen Porto zugesetzt, die Privatpostanstalten konnten aber dabci bestehen und die Post hat 1899 mit beiden Händen zugc- gr.ffen, als sich ihr die Möglichkeit bot, die Privatposten aus­zukaufen. Daß nun dem Publikum die Vorteile ge­raubt werden, ist ein schwerer politischer Fehler, der sich bei etwaigen neuen Verstaatlichungsaktionen rächen wird. Uebrigens glauben wir nicht an einen Nachteil der Post aus dem billigen Ortsporto. Denn 1899 ergab die Einnahme aus dem Ortsverkehr 16 Millionen Mark, 1902 aber bereits 23 Millionen. Bei dieser Steigerung um 7 Millionen wird für die Post schon etwas hängen geblieben sein! Noch schwer­wiegender ist die Fahrkarten st euer für Verkehr und Publikum, die aber so kompliziert ist, daß sie nicht vor dem 1. August in Kratt treten kann. Sie läßt die vierte Klasse frei und zwingt dadurch die süddeutschen Länder, eine solche nach preußischem Muster einzuführen. In der dritten Klasse steigt die Steuer von 5 Pfg. bis auf 2 Mk., in der zweiten Klasse von 10 Pfg. auf 4 Mk. und in der ersten Klasse von 10 Pfg. auf 8 Mk. Frei bleiben Fahrkarten bis 60 Pfg., alle anderen müssen blechen. Diese Steuer ist die unheil­vollste, weil sie die ganze Tarifgestaltung erschwert und eigentlich iede Tarifreform illusorisch niacht. Hier ilt S c l bst - Hilfe des Publikums am Platze und möglich, mdem jeder die nächst untere Klasse benutzt. Dann wird zwar das Reich seine Steuer befommen, die Einzelstaaten werden jedoch die Erfahrung machen, daß sie mit der Zu­stimmung zu dieser Steuer sich in das eigene Fleisch schnitten.

Aus der Fahrkartensteuer werben nicht weniger als 50 Millionen erwartet, aus der Verteuerung des Ortsver­kehrs 12 Millionen, aus der Automobilsteuer 3 Millionen. Es sind dann noch 4. Stempelsteilern in Ansatz zu bringen, sowie die auf 10 Millionen veranschlagte Tanticmcnstcucr, 14 Millionen aus der Frachtbriefsteuer, in 5. Linie kommt die Zigarettensteuer hinzu mit 14 Millionen Mark. 2>n diesen unzähligen Millionen ist Arbeit des Volkes enthalten, die geleistet werden muß, ohne daß der Arbeitende ihren Ertrag empfängt. Gewiß braucht ein großes Reich auch Einnahmen niemand bestreitet das. Es kommt aber darauf an, ivie diese Einnahmen beschaffen sind und wie sie verwendet werden.

Die Gärung in Rußland.

Die öffentliche Unsicherheit in Rußland wächp nach den neuesten Meldungen. Räuberische Uebersalle, Ermordungen von Polizeibeamten, Anschläge auf Schutzleute usw. smd an der Tagesordnung. In Warschau wurden tu ben letzten Tagen so viele Po 1 i z istc n und P o ltz etagen - ten ermordet, daß die übrigen auch für ihr ~eben

Hin Kritischer Hag.

Am 1. Juli haben mit Ausnahme der Fahrkartenstencr die neuen Steuern ihre Wirkung begonnen, durch die das Reich eine Mehreinnahme von rund 180 Millionen Mark erwartet. Es ist das nicht ganz so viel, als d,e Reichsregierung beanjpruchte, die 245 bis 255 Millionen neuer Einnahmen haben wollte, aber cs genügt einstweilen auch Und den Rest will die Regierung sich iin nachllen Jahre holen. Am 1. März ein neuer Zolltarif nut schweren halten für die arbeitende Bevölkerung, letzt em ganzer Strauß neuer und bedenklicher Steuern, auf diesem Gebiete kann man wirtlich sagen: Deutschland in der Welt voran!

Die einzelnen Blumen des StcucrbukettS sind folgende: 1. Erbschaftssteuer mit Normalsätzen von 4 bis 10 Proz., die je nach der Höhe des Erbanfallcs noch um das L^fache ___ also im Maximum bis 25 Proz. steigen. Die Erb­schaftssteuer ist die erste direkte Reichssteuer, weshalb ihr auch der Liberalismus zustimmte; ihr Ertrag ilt für das Reich auf 48 Mill. Mark veranschlagt. 2. Die Brausteuer. Sie beträgt bis 250 Doppelzentner verarbeiteten Braustostes 4 Mark und steigt bis 10 Mark pro Doppelzentner, die er­hoben werden, sobald mehr als 1000 Doppelzentner Brau­stost verarbeitet werden. Ertrag 29 Mill. Mark im xZahr. Bei der Brausteuer waren sich die Mchrhcitler durchaus^nicht klar, was sie eigentlich wollten ob es eine Konsum- ober eine Gewerbesteuer werden solle. Es machte sich ein Steuer» dilettantismiis geltend, bei dem man sich damit tröstete, eine so beschaffene Steuer werde nicht abgewälzt werden können. Wie wenig die Steuerkonnnifsion die tatsächlichen Verhältmste kannte, das geht aus dem jetzt zivischen Brauern, Wirten und Konsumenten entbrannten Abwälzungskampf hervor. Natür­lich dreht es sich dabei gar nicht um den Nettobetrag der Steuer es werden Zinsen, Verluste und sonstige Spesen dazugeschlagen das Publikum muß letztes Endes zahlen. Jetzt reizen sogar preußische Landrätc die Bier- trinker zur Selbsthilfe auf; eine solche Selbsthilfe ist aller-

Deutsches Neich.

Potsdam, 1. Juli. Der Kaiser traf gestern abend aus Traveinünde auf Station Wildpark ein und begab sich nach dem Neuen Palais.

Berlin, 1. Juli. Kaiser Wilhelm wird den Meteor" im nächsten Jahre zur internationalen Regatta nach Jamestoivn (Nordamerika) senden.

__ Nach einem von derBarmer Ztg." über die Neichstags-Ersatzivahl in Iserlohn-Altena aus- gegebenen Extrablatte, das eine amtliche 2)Htfci(img wicdergiebt, soll der freisinnige Kandidat doch noch 84 Stimmen mehr als das Zentrum erhalten haben. Im Wahlkreise verlaute mit größter Bestimmtheit, daß die Sozialdemokrateii etwa 1500 Wähler auf den Zentrums­kandidaten abkommandiert hätten in der Erwartung, daß ein großer Teil der nationalliberalen und freisinnigen Wähler der von den beiden Parteileitungen zu erwartenden Parole, das Zentrum in der Stichwahl zu unterstützen, nicht Folge leisten werde.

DerVorwärts" veröffentlicht zur ö-ra9c des Massenstreiks mehrere Erklärungen, die die General-

Ausland.

London, 30. Juni. DerDaily Mail" wird aus Rio de Janeiro telegraphiert, daß ein Irländer Patrick Ohera und ein Engländer Jolm Allen, die itacf) Maximbomba wanderten und nachts in eifern Hause nach dem Wege fragten, von zwei berittenen Polizisten arg in ißh aii del t worden seien. Die Polizisten s ch o s s e n auf sic und schlugen sie mit Säbeln, banden sie an die Steigbügel und schleppten sie nach Alfonso ins Gefängnis. Hier erhielten sie 50 Peitschen­hiebe und wurden besinnungslos in die Zelle geworfen. Ms sie etwas zu sich kamen und um Wasser baten^warfen die Poli­zisten Sand und rohen Spiritus über sie. Schließlich nnirben ie itad) Rio de Janeiro gebracht, wo sie sofort freigelassen wurden. Auch wurde eine Untersuchung über die Handlungs­weise der Polizei cingeleitet. Tie »nglisä)e Kolonie verlangt das Einschreiten des britischen Gesandten. _

H aag , 30. Juni. Die holländische und deutsche Regierung haben Verhandlungen angeknüpft wegen Hcrab- eljn n g des Posttarifes der internationalen Pop- taxe nach dem Muster, wie cs zwischen Deutschland und Leiter- reich besteht, wo die Posttaxe von einem Lande zum andern die für das Inland nicht übersteigt. . .

Paris, 30. Juni Gerüchtweile verlautet, daß em neues Attentat im Justizpalast in Versailles veriibt wor­den sei Tatsächlich war im Justizpalast ent Geschoß entdeckt worden, über dessen Gefährlichkeit man noch keine Gewißheit hat.

DerJntransigeant" versichert, daß während des Dmers, das Präsident Falliörcs dem König von Kambodscha im Elysec gab, der König in seiner Muttersprache einen ^nnsipruch ausbrachte, der sehr heftige Worte: a e g e n E n g l a n d ent­hielt. Das Blatt behauptet, auch m Mar,eitle habe der König auf einem Diner ähnlich gesprochen.

Madrid, 30. Juni. In Lagrange verhaftete man den Anarchisten A q u i l a s u e n t e. Er hat sich in Paris zur Zeit des Bonibenattentates aufgehalten und i,i Mitte vorigen Monats nach Spanien gekommen. Zwei andere verdächtige Per,onen smd heute ebenfalls verhaftet worden. Das Königspaar gab den sür heute geplanten Ausflug nach dem Kloster Paular aus.

R o m, 30. Juni. Wie verlautet, ist em neues Kom pl ott aeaen den König entdeckt worden. Der König erhielt r,roh- tefe, reifte aßet trobbem n«d> der Insel Monte Chnsto. um dort zu jagen. Die Polizei hat uimasien.de Vorkehrungen zur Ueberwackung der Eiscubahnstrecke getroffen. Zahlreiche An­archisten haben sich an Bord von Fiicherbooten nach der dalma- tinischeli^Küste^ ^(^Juni. Der Kongreß nahm die Vüchsen- fle is ch^J nsp'e ktionsb ill an, welche die Kosten der Re- aimmg auferlegt. Die Datierung der Büchsen wurde nicht gc- wrderü Tie Bill gegen Nahrungsnnttelvcrfalschuiig wurde cben- ^lls anqeitomm^ii (gtcntei ) ^uf der mandschurischen Bahn ist eine besondere Frachtermäßigung für ,a panisch en Tabak und einige andere Waren zugestanden worden. ~ie5 erweckte bei den beteiligten Fremden erliste Defurchtiiugen, denn eine weitere Ausdehnung der Rabattgewahrung gewahrt die Mög­lichkeit besonderer Vorteile für japanische Waren, und duAus- länder sind der Ansicht, daß dadurch , ein freier Wettbenurl unmöglich, und die osferw^ illu,orich)^achr werd^^----

haben. _. . .

Nach Meldungen aus ^tnseropol ^überfiel eine bewaffnete Bande das Gut eines gewissen -Lheliabin im Kreise Dnjebrowsk, verwundete den Besitzer und raubte 1800000 Rubel m Geld und Wertpapieren, außerdem ein wichtiges Schriftstück. Vier Räuber wurden verhaftet.

Der /Roivoje Wremja" wird aus Bat um gemeldet-. Die Gärung bei den Mannschaften der Fcflungs- artillerie dauert fort. In der Stadt hört das Morden und Rauben nicht auf. Die durch nun fünf Wochen dauernde Unterbrechung, die der Dampferoerkehr mit Odessa durch den Streik der Schiffsmannschaften erlitt, hat das wirtschaftliche Leben an der ganzen Küste des schwarzen Meeres lahmgelegt.

In Peterhof herrscht, wie behauptet wird, voll­ständige Panik. Tie Revotte im Preobraschenski-Regiment hat den Zaren, als er davon erfuhr, in heftigste Er­ve g u n g versetzt, sodaß er einen O hnmachtsanf a ll er­litt. Später dürchschüttelte ihn ein sBe in fr am pf. Ge­neral Trepow mußte auf Befebl des Zaren die Wachen vor dem kaiserlichen Schloß verdoppeln, doch weroeu nur ganz zuverlässige Leute zum Waülldienst ausgesucht. Rach einer Meldung aus Petersburg wäre der Zar geneigt, ein Ka­binett aus konstitutionellen Demokraten zu ernennen. Doch besteht in .Hoskreisen große Abneigung gegen eine Politik des Rachgebens. Tie Hosparlei drangt den Jarcn zu einem Konflikt mit der Duma und besurwor^er deren sofortige Auslosung. Ter Plan, ein liberales Ri i n i ft e r i u m einzuberufen und die Duma m Die Ferien zu schicken, stammt von Po b j e d o n N o sze w. einer öeni Zaren unterbreiteten Denkschrift sucht dieser nachzu­weisen, daß Rußland für die Konstitution noch sticht reff sei. Deshalb müsse man vorläufig vöm Parlamentarismus absehen, vorher jedoch Maßnahmen zur Beruhigung des auss tiefste aufgeregten Landes ergreifen und zu ptc|em Behuf das gegenwärtige Ministerium entlaffen.

Rach einer Petersburger Meldung der Wiener9c. <yr. Pr " wird in dortigen informierten Kreisen erklärt, der Zar werde sich nur dann ins Ausland begeben, wenn die innere Lage dies geftatte; bann werde auch eine qii^ fammeniunft mit Kaiser Wilhelm erfolgen, über Ort und Zeitpunkt der Begegnung sei noch nichts bc-

Amtlich wird die Meldung bestätigt, daß <y ü r st Z- r u- betzkoi und sechs Offiziere darunter jur t Ob°o 1 ensti, unter Verlust ihrer Wurde aly ^lugctaoiu- tanten, aus dem Preobraschenski-Regiment ui das aus dem bisherigen ersten Bataillon desselben gebiibcie be,andere- Jnfanteriebataillon versetzt werden. Trubetzroi war dcr Kommandeur des Bataillons. Naci) privau.u Meldungen ist oas ganze erste Bataillons bereits nebst ourften ^ubeskoi an seinem Verbaunungsort eingetroffen. E-.' wird neu uniformiert und dabei seiner E ar d e a b z etcij cn verlustig gehen. Tie Untermilitärs stehen unter strenger Bewachung. Bisher wurden übrigens noch wertere bu Ai a ii n und vier Offiziere des 1. Bataillons ver­bannt, und zwar nach Futorrsch, einer tlemen Station : der Moskau Ribmster Eiienbahn. Tie Ausstojzung da. ersten Bataillons aus den Listen dec Garde,hat auf ow noHeren Militärs einen nr'ederschmetternden Eindruck gemacht. >rie bestraften Ofsizlere dürsten ihren Wschied einreichen

Tie 5 Kompagnie des Leibgarde-^appeurbataillonA hielt trotz strengen Verbotes des Kompagniechefs eine Ver­sammlung ab und beschloß, sich nut dem Borgehen be» Preobraschenski-Regiments , o 1 ioart > ch m ^klaren Et waigen Verhaftungen will man ffck> gewaupim widersetzen.

9hmmel)r wird bekannt, daß die Entlassung des Palaftkornwand unten von Peterhof, des Gene- - rals Pleskow und dessen Gehilfen, erfolgte, well durch ihre Nachlässigkeit Arbeiter, die der anarchrsttschen