Offener Brief.
Giessen, den 31. Oktober 06.
Jjießer Julius 1
Auf Deinen letzten Brief kann ich Dir heute mit Freuden mitteilen, dass sie sich sogar hier befindet und zwar Blockstrasse 14—16. Sie liefert auf bequeme Teilzahlung
J^ößel, Ketten, ^ofsferwaren
Herren-., Damen- und
J^inder-(^aräero6en,
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I. Tftmann.
Frau Brugier wurde sofort in Haft
Handel
des
Oberschics. Eisen-Industrie 125.75
. 120.40
. 234.50
124.201
ISürse, I. November. Anfangskurse.
209.10
126.50
146.90
67.15
97.85
98.90
99.95
94.80
Harpener Bergwerk Laurahütte . .
Lombarden E. B.
Nordd. Lloyd . .
Türkenlose .
Elektriz. Lahmeyer . . . Elektriz. Schlickert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk .
Berliner Handelsges Barmstädter Bank . « Deutsche Bank . .
Deutsch-Asiat. Bank . Diskonto-Kommandit. . Dresdner Bank . . Kreditaktien . . . .
Baltimore- und Ohio- Eisenbahn ,
Gotthard bahn . . . .
Lombard. Eisenbahn . Oesterr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn
. 36.50 . 145.70 . 147.50
Qesterr. Goldrente. . 'o Oesterr. Silberrente Ungar. Goldrente . . Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I .
141.00
123.75
237.75
220.00
156.90
Tiirkeulose.....
4% Griech. Monopol-Anl. 4% äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner .
4>£°/o Chinesen . . .
Aktien:
Beichsanleihe do.
Konsols . . do. . .
Hessen . . . Oberhessen
. 169.90 . 138.70 . 238.30 . 172.60 . 182.50 . 155.40 . 212.00
3^7o 3% 3^7o 3% 3^°/o 3K%
. 147.00
52 60
Bochum Guss . . .
Buderus E. W . .
Tendenz: geteilt.
Berliner
Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C.
Dresdner Bank . .
Tendenz: lustlos.
4‘/s9. 4% "
Telefonische SCursberscMe
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie. Giessen.
Frankfnrter Bürse. 1. November, 1.15 Uhr.
69.00
69.70
90.00
92.35
93.00
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag, den 2. November: Heiter und trocken. Temperatur nicht verändert. Mäkiae östliche Winde.___________
Vermischtes.
• Berlin, 31. Okt. Der unter dem dringenden Verdacht des Raubmordes an dem Bierkutscher Haase verhaftete Pole Ignatz Poledniak hat sich im Laufe der Untersuchung als ein gemeingefährlicher Verbrecher entpuppt. Er ist fünfzehnmal vorbestraft. Trotz des erdrückenden Beweismaterials bestreitet er hartnäckig seine Schuld. Von dem geraubten Gelde hat man bei ihm nichts gefunden. Wahrscheinlich hat er eS irgendwo vergraben. — Zu der gestern gemeldeten Aufhebung einer Lasterhöhle im Westen wird noch berichtet: In der Passauerstratze 39 hatte eine Frau Brugier eine Etage von sechs Zimmern gemietet und die Wohnung sehr komfortabel ausstatten lassen. In ihren Salons verkehrten tagsüber und in den späten Abend- und Nacht- stunden eine große Anzahl sehr hübscher Mädchen, meistens von der Bühne. Gegenüber befindet sich eine höhere Töchterschule. Da das Treiben vor der Wohnung der Frau Brugier sich von Tag zu Tag anstößiger gestaltete und man die Bemerkung machte, daß es auch den höheren Töchtern nuffict, wurden von verschiedenen Seiten Denunziationen gegen die
97.90
86.10
97.95
86 00
97.10
. 176.60
. 138.50
. 238.50 . 8150
. 155.70
Gerichtssaal.
(sd.) Darmstadt, 31. Okt. Wegen A chtnngsve r^e 6 - ung, verbunden mit einer Drohung stand heute der 28 Jahre alte verheiratete Bczirkslfeld webel Sih. aus Hungen vor dem fttiegS'gericht. Er hat im August d. I. auf Drängen einer Fran M. aus Eichelsdorf, bereit Sohn bei dem Jnf.-Regt. Nr. 168 einqezogen, aber angeblich den Dienst nicht vertragen konnte, im Namen ihres Mannes an das Reqimentskommando ein Gesuch angefertigt, in dem unter Bezugnahme auf den Tod ihres ältesten Sohnes, der während seiner Militärzeit erfolgt ist, um die Freigabe ihres jüngsten Sohnes ersucht wird. Im Falle man ihren Wunsch nicht erfülle, werde er (der Vater) auch in anderer Beziehung vorgehen. Damit gemeint war die Klage gegen einen Unteroffizier, der angeblich ihren Sohn mißhandelt haben sollte, die Sache stellte sich aber als harmlos heraus. Sch. hat sich mit dem Niederschreiben der Drohung eines gerichtlichen Vorgehens einer Achtungsverletzung gegenüber dem ihm vorgesetzten Regimenlskommando schuldig gemacht und war daher von dem Standgericht zu 18 Tagen gelinden Arrest verurteilt worden, von denen 15 durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gelten. In der heutigen Rerufnngsverhandlung suchte Sch. klarzulegen, daß er nur als Beauftragter der Fran M. das niedergeschrieben habe, was ihm die Frau nütteilte, dienstlich habe er mit der Sache nichts zu tun haben wollen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Brust wies darauf hin, daß der Angeklagte das Gesuch weder unterschrieben, noch bei dem Regiment eingereicht habe, er komme also weder als Mittäter noch als Beihelser in Frage, doch wird die Berufung kostenfällig verworfen.
Düsseldorf, 31. Okt. Wegen Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses wurde, heute vor der 4. Strafkammer gegen den Redakteur von der Düsseld. Volksztg. verhandelt. In einem Artikel „Die Pfaffeninsel" war das Abgeordnetenhaus däs verachtetste Parlament der Welt genannt worden, das von a lle n P arl a men t e n d i e s chl echtesten Sitten hätte. Die Beratung der Schulvorlage sei eine abgekartete Komödie gewesen. Die Dinklage war auf Grund des S 185, formale Beleidigung, erhoben worden. Die Verteidigung stellte vier Beweisanrtäge, die indes vom Gericht 1 amtlich abgelehnt wurden. Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate, das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Der Schutz des ? 193 wurde b?ni 9fnn-fio1-itPii versagt.
Märkte.
kc. Frankfurt n. M., 1. Nov. tTelegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Vieh m arkt- vreise. Zum Verkaufe standen: 46 Ochsen, 0 aus Oesterreich 5 Bullen, 0 aus Oesterreich, 48 Kühe, Fersen, Stiere und Rmder 5 aus Rumänien, 504 Kälber, 403 Schafe und Hammel, 5 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für
Berlin, l.^Nov. Die Freis. Ztg. teilt mit. daß noch ein richterlicher Beamter die Tätigkeit in der Kolonial- Ab t eil - ung eröffnet hat, nämlich Landgerichtsrat Wilke. Damit sind jetzt im Ganzen 5 Justizbeamte mit der Führung der Untersuchung in dieser Sache beschäftigt.
B r o m b e r g , 1. Nov. In Schablowch hat der Pfarrer in der Kirche einen deutschen Knaben, in Gnesen der Vikar Furmanowicz deutsche Kinder geschlagen, weil sie sich geweigert haben, an dem polnischen Unterricht teilzunehmen. Die „Ostd. Rundschau" weist darauf hin, die Zahl der Strafprozesse, die allein gegen die polnischen Blätter in Posen zurzeit anhängig sind, sich auf 40 beziffert.
Karlsruhe, 1. Nov. Der Berichterstatter der Rhein- Neckar-Korresp. meldet, daß Prinz Max von Baden sich vor kurzem zwei Tage lang beim Herzog von Cumberland in Gmunden aufgehalten hat. Nach seiner Rückkehr begab er sich zur Berichterstattung nach Schloß Baden zum Großherzoa, der an demselben Tag den preußischen Gesandten v. E i s e n d r e h e r in Privat- Audienz empfing. Am nächsten Tag war der Gesandte nebst Gemahlin zur Hoftafel eitiaefabe.it.
Koburg, 1. Nov. Die Handelskammer nahm eine scharfe Resolution in Sachen ' der Fleischnot an. Die Regierung habe unbedingt die Verpflichtung zur Abstellung der Mitzsiände. Die Verteuerung der Lebensmittel mache den Arbeitern eine ordnungsmäßige Ernährung unmöglich, was eine aroße Gefahr bedeute.
Wien, 1. Rov. Rach der „Polit. Korresp." berechnet Japan die Entschädigung für den Unterhalt der russischen Gefangenen auf 50 Millionen Pen. Die russische Gegenforderung für japanische Gefangene beträgt 7 Millionen.
Eisenbahn unfalt. Auf dem
Bahnhofe der schlesischen Gebirgsbahn R ab i sch au stieß eine Rangiermaschine in einen Äüterzug. Der Lokomotivführer wurde leicht, 2 Heizer schwer verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend.
* Ein anarchistisches Eisenbahnattentat? Ein Eisenbahnattentat zwischen Toulouse und Montpellier cheint von Anarchisten verübt worden zu fein. Die Eisenbahnschienen wurden auf einer Strecke von ca. 500 Metern abgeschraubt, was unmöglich von einem einzigen Menschen bewerkstelligt worden sein kann. Zudem soll mit dem betr. Expreßzug auch ein russischer Großfürst gereift fein, dessen Namen aber verschwiegen wird.
♦* Der evang. Arbeiterverein veranstaltet nächsten Sonntag im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde, Liebigstraße 56, eine Rembrandt-Aus st ellung, die von 11 Uhr vorm. bis 6 Uhr abends geöffnet sein wird. Um 2i/3 Uhr hält Prof. Tr. Sauer im gleichen Saal einen Rembrandt-Vortrag, für den die Sbcrren Rentamtmann Schäfer und Dirigent Gernhardt musikalifche Mitwirkung (Zusammenspiel auf Klavier und Harmoniums zugesagt haben. — Die Ausstellung zeigt in 80 Reproduktionen die Hauptwerke deS Meisters. Auch wird eine Anzahl Rembrandt-Hefte usw. ansgelegt werden. Der Zutritt ist für jedermann frei.
t. Lindenstruth, 31. Okt. Ein hiesiger Landwirt ging heute mit seiner Frau auf einen nahen Acker und ließ fein dreivierteljähriges Kind allein zuhause. Die Frau setzte es auf ein Kiffen ins Zimmer. Plötzlich sah eine Nachbarin dicken Qualm aus dem Zimmer dringen. 9(11 f das Geschrei kamen die Eltern zurück und, als sie ihr Zitnmer öffneten, stand das Bett in Flammen. 9luf welche Weise das Feuer entstanden, ist nicht festzustellen gewesen. Nur noch wenige Minuten und das Kind wäre verbrannt oder erstickt.
T Garbenteich, 31. Okt. Die Arbeiten der an der Straße von hier nach Lich gegenwärtig zirr Errichtung gelangenden Sammelwafeu meisteret für den Kreis Gießen schreiten rüstig voran. Bereits sind mehrere Gebäude unter Dach gebracht.
)—( Burkhardsfelden, 31. Okt. Der hiesige Gesangverein „Germania" begeht im nächsten Jahr das Fest seiner F a h n e n w e i h e. Die Fahne wurde bereits bei der Licher Fahnenanstalt Max Hisgen und I. H. Schmidt, vormals Georg Hisgen und Schmidt, in Auftrag gegeben.
Ruhlkirchen, 30. Okt. Vergangenen Freitag kurz nach 6 Uhr abends brach in dem An wes en des Schafhändlers Josef. Bir cken st 0 ck hier Feuer aus, dem in kurzer Zeit das ganze Gebäude zum Opfer fiel. Die Flammen hatten sich auch aus die benachbarte Scheuer des Peter Hainbuch erstreckt und dort Nahrung an Flachs, Heu und Stroh gefunden, während durch Wasser und Rauch ein großer Teil des Futtervorrats wertlos Wurde, sodaß auch dadurch ein empfindlicher Schaden entstand. In beiden Fällen genießen die Betroffenen die Wohltat einer Feuerversicherung. Ueber die Entstehung des Feuers ließ sich noch nichts genaues seststellen. (Ob. Ztg.)
X Aus dem Kreise Alsfeld, 31. Okt. Unser Kreis besitzt in dem Dorfe Reibertenrod die kle in sie V olks- schnle Oberhessens mit nur 10 Schülern. Trotzdem beschloßen die wohlhabenden Bauern die Schule nicht eingehen zu lassen. — In Nicder-Ohmen wird nächsten Sonntag das nach den Planen des Baurats Diehm-Gießen errichtete neue Schulhaus eingeweiht. Der prachtvolle Bau enthält vier Lehrsäle und drei Lehrerwohnungeu. — In Homberg a. d. Ohm wird Ostern 1907 die vierte Schul- stelle errichtet.
p. St.eindorf bei Wetzlar, 31. Okt. Seit 14 Tagen
Kupplerin eingereicht, genommen.
* Der neueste
Mrchliche Nachrichte«.
Katholische Gemeinde.
Donnerstag, den 1. November 1906:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. x Ä Ä
Freitag, den 2. November 1906:
Allcrscclentag.
Vormittags von 6V„ Uhr an: Gelegenheit zur Heck. Beichte.
„ ' um 6% Uhr: Die erste heil. Messe, vor und m derselben Austeilung der heil. Kommunion.
um 7 Uhr: Die zweite heilige Messe.
„ um 8 Uhr: Seelenamt für alle Verstorbenen der Pfarrei.
Nachmittags um 6’/2 Uhr: Nosenkranzandacht mit Segen. Schluß des Rolenkranmebetes
das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen . 1. Qualität 85—89 Mk., 2. Qualität 76-80 Mk., 3. Qualität 69-72 Mk.: Bullen I Qual. 77-80, 2. Qual. 00-00; Ruhe 1. Qualität 81-83 Mk., 2. Qual. 79—00 Mk., 3. Qual. 67—70 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk., 5 Qual 00-00 Mk. Kälber l.Qual. 100—106 Pfg., Lebendgewicht 60—63 Pfg., 2. Qualität 96-100 Pfg., Lebendgewicht 56-59 Pfg Schlachtgew. 75—78Pfg.; Schafe: 1. Qual. 81—83 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg. Geschält: gut, Uebersiand nndeutend.
-- Lgng-Göns, 31. Okt. Der gestrige Markt war gut mit S chweinen befahren und der Handel ging lehr flott.
Hamburg - Amerik. Pakett.
Harpener Bergwerk. . . 209 25
Laurahütte...... 244.50
Nordd. Lloyd.....126.90
wurde der 19 Jahre alte Bergmann Heinrich Uhl von hier vermißt. Heute vormittag zog man seine Leiche in der Nähe von Hof Altenberg aus der Lahn. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, läßt sich wohl kaum feststellen.
sd. Darmstadt, 31. Okt. Der Falschmünzer Erike, der am Freitag hier festgcnommen wurde, hüt inzwischen eingestanden, daß er bei einem hiesigen Zigarrenhändler ein Zweimarkstück verausgabt hat. Dadurch ist in Verbindung mit der Anfertigung des Geldes der Tatbestand der betr. Falschmünzerei gegeben und E. der gesetzlichen Strafe verfallen. Er hat sich übrigens schon bald nach seiner im Frühsahr erfolgten Ankunft verdächtig gemacht, da seine Wirtsleute häufig auf dem Fußboden Spuren von Säuren, Gips usw. vorfanden. ■ Entgegen früheren Mitteilungen kann festgestellt werden, daß die Falsifikate sehr täuschend nachgemacht und an ihrem Klang kaum zu erkennen sind. Nur einige Stücke fand man, die schlecht aussehen, die aber anscheinend noch nicht poliert sind. Spuren seiner Mitwisser führen nach Rheinhessen und Düsseldorf. — Zu den (in einem Teil der Auflage des gestrigen Blattes schon gemeldeten, Wechselfälsch - ungen des Weißbinders und Bauunternehmers I. Eigen- brodt II. hier sei noch mitgeteilt, daß die Fälschungen bis zum Jahre 1892 zurückreichen. E. hatte von Haus aus kein Vermögen, er machte sich vor Jahren selbständig und galt für solid und fleißig. Nachteiliges war niemals über ihn bekannt geworden. Umsomehr überrascht nunmehr die Tatsache seiner Fälschungen. jedenfalls hat er durch seine verschiedenen Bauspekulationen seine Verhältnisse nicht mehr übersehen können und ist dann auf diesen Abweg geraten. Es sind jetzt für zirka 42000 Mk. Wechsel fällig, die alle auf eine hiesige Baufirma von Bedeutung gezogen sind. Die Wechsel machte E. bei einer Bank zahlbar und er hat auch bisher für die Einlösung prompt gesorgt. Schließlich mußte aber doch das Verhängnis über ihn hereinbrechen. Man glaubt, daß der größte Teil des Geldes -verloren geht, wenn auch einige Häuser vorhanden sind, denn diese sind stark belastet.
Seligenstadt, 31. Okt. Der sozialdemokratische Parteitag für hie Provinz Hessen-Nassau tagte am Sonntag in Klein-Steinheim auf großherzoglich hessischem Boden, da man in Preußen keinen Saal bekommen konnte. Zu diesem Parteitage war auch der Genosse Ulrich als Vorsitzender des hessischen Landeskomitees geladen worden. Ulrich lehnte aber diese Einladung mit folgendem Schreiben ab:
„Das Landeskomitee beauftragt mich, für die freundliche Einladung zu Euerer Landeskonferenz zu danken. Da man aber nicht weiß, welchen Zweck eine Teilnahme an derselben haben sollte, so wurde von einer Delegation Abstand genommen.
Besten Gruß
C. Ulrich."
" Der Vorsitzende des Parteitages war über diese Ablehnung im höchsten Grade empört und meinte, man müsse sich wohl in Zukunft erst bet dem „roten Vize- Großherzoge" entschuldigen, wenn man sich überhaupt erlaube, in Hessen einen Parteitag abzuhalten.
ck. Rüsselsheim, 31. Okt. Ein schändliches Bubenstück ist durch die Aufmerksamkeit eines Bahnbeamten in der Samstag Nacht noch rechtzeitig verhindert worden. Ueber das Bahngeleise war eine 2 Meter lange Schiene gelegt worden, um den herannahenden Zug zum Entgleisen zu bringen.
h. Nieder-Saulheim, 31. DH. Die bekannte Affäre des Müllers Thomas und seines Sohnes dürfte nunmehr dadurch ihre Erledigung gefunden haben, daß beide als unzurechnungsfähig erklärt mürben und somit ein Gerichtsverfahren und Bestrafung ausgeschlossen ist.
3% Portugiesen „ III 4'A*70 russ.Staatsanl. 1905 4%°/n japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903
Die Stiftsoberin v. Heusler freigesprochen.
München, 31. Okt. In dem G i f t m 0 r d p r 0 z e ß gegen die Stiftsoberin Elise von Heusler erklärte heute der Sachverständige Medizinalrat Dr. Hoffmann: „Daß in dem Kaffee der Dienstmagd Wagner, die von Frl. v. Heusler vergiftet worden sein soll, Salzsäure in'ar, ist zweifellos. Eine andere Frage ist, ob und wieviel sie davon gesunken hat. ^Die Diagnose im Krankenhause lautete auf Vergiftung mit Salz- äure, und ich gestehe, daß ich nach Lage der Umstände in ähn- ichen Fällen das auch angenommen hätte." — Der Psychiater Prof. Dr. Kr äpelin erklärt, die Minna Wagner sei zur Zeit, ccks sie im Marimilian-Stift diente, psychopathisch minderwertig gewesen. So müßte die Frage, 00 sie im Hinblick aus ihre krankhaften Eigenschaften fähig war, sich selbst ein Leid anzutun und andere in Verdacht zu bringen^ bejaht werden. Der Sachverständige glaubt, baü, Minna Wagner bei der Schwurgerichtsverhandlung einen wissentlichen Meineid begangen hat. — Der Staatsanwalt sprach dann eine Stunde lang und schloß seine Rede mit der Erklärung, er könne es mit einem Gewissen nicht vereinbaren, ein Schuldig vor den Ge- chworenen zu beantragen, obwohl mancherlei Momente derart seien, daß man vielleicht ein Schuldig aunehmen konnte. Den Geschworenen wurden zwei Fragen gestellt: Verbrechen der Körperverletzung (Vergiftung) und Versuch dazu. .Sie vernci n- ten beide Schuldfragen, worauf das Gericht auf Freisprechung erkannte.
Das freisprechende Urteil wurde von der Angeklagten mit lautem Schluchzen und der zu Hunderten angesammeltcn Men- chenmengc mit lebhaften! Beifall ausgenommen. Die Angeklagte vird voraussichtlich für die erlittene Untersuchungshaft und für die ihr sonst noch durch die langjährige Zuchthausstrafe usw. erlittenen Verluste und Nachteile Entschädigungsansprüche gegen den bavrisckien Jnstcknsck's neckend machen.


