Ausgabe 
1.10.1906 Zweites Blatt
 
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Worunter außer Vertretern des Kreisamtes, 7>er Stadt usw. mehrere Stadtverordnete u. n. zu erblicken Waren, sprachen sich, Wie mir hören, sehr lobend über den Verlauf der Hebung aus. Am Nachmittag fand eine von der Gießener freiw. Feuerwehr veranstaltete Familienfeier in Steins Saalbau statt, woran die Mitglieder der Sanitätskolonne mit ihren Familien teilnahmen. Die Feuerw-ehrkapelle leistete ihr Bestes; die Jugend wurde mit Bretzeln und Fähnchen beschenkt.

Kirchenrat Dr. Naumann. Wie wir kürzlich mitteilten, tritt unser 1. Stadtpfarrer demnächst in den Nuhe- stand. Aus diesem Anlaß wurde ihm von unserem Landes­fürsten nochmals eine hohe ehrende Auszeichnung verliehen, worüber folgendes amtlich mitgeteilt wurde:

Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hoben am 12. September d. I. den coana. Pfarrer KirchenrcU Dr. Karl Nauman n zu Gießen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu aeleisteten Dienste, mit Wirkung vcun 1. November 1906, in den Ruhestand verseht und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Zur Städteordnung. Die Landtagsabg. Mol- than und Dr. Schmitt haben in der zweiten Kammer den Antrag cingebracht, den Gesetzentivurf über die Städte­ordnung dahin abzuändern, daß den Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern das Recht eingerämut wird, mittels OrtSstatutS bei den Wahlen z ur Sta d t v c r o rd u et c n- Versammlung das Proportionalwahlsystem ein- z u f ü h r e n.

* Der Konzert-Verein, der im nächsten Monat seine musikalische Tätigkeit wieder aufnimmt, hat sein 116. Jahr in sorgfältigster Weise vorbereitet. Eine Reihe auserlesener Künstler und Künstlerinnen ist verpflichtet worden. An der Spitze dieser steht die ausgezeichnete Wagner-Sängerin Marie Wittich, die nach jahrelanger Pause wieder als Gast ftir ihre Vaterstadt gewonnen ist. Ihr schließen sich an der berühmte Baritonist Scheidemantel, Eugen d'Albert, die jugendliche Cellistin Elsa Rueggcr, Gabriele Wictro- wctz, Agnes Leydecker, Frau Hiller, Frau Basser- mann und andere mehr. Im heutigen Inseratenteil sind das fast vollständige Wi uterprogramm, sowie die Ab onnementS - Bedingung en aufgeführt, worauf wir hiermit ganz besonders Hinweisen.

* Konsum-Verein Gießen und Nmgegxnd. Die gestrige General-Versammlung war des schönen Herbst­tages wegen mir mäßig besucht. Der vom Geschäftsführer erstattete Geschäftsbericht und der vom Kassier mitgeteilte Kassenbericht wurden genehmigt und Entlastung erteilt. An Stelle des aus bem Vorstände ausgeschiedenen Glasermeisters Baum wurde Bureaugehilfe A. Lentz gewählt. In den Auf- sichtsrat wurde A. Bock wieder- und H. Fourier neugewählt. Dem Vorschläge des Vorstandes und Aufsichtsrats, 6 Prozent Rückvergütung zu gewähren, dem Reservefonds ca. 1370 Mk. und dem Spezialreservefonds ebensoviel zuzuführen, wurde zugestimmt.

* * Turnverein. Am Sonntag fand zum Abschluß der diesjährigen Wetturnen da§ Ab turnen des Turnvereins in der Turnhalle statt. Um 8 Uhr vormittags begann das Welturnen, das um 12% Uhr beendet war. Für die aktiven Turner war ein Vierkompf (4 volkstümliche Uebungen) und für die Zöglinge ein Sechskampf (3 volkstümliche Uebungen und Uebungen an 3 Geräten) bestimmt. Tas Ergebnis diese? Turnens war recht gut. Mit Freude konnte man beobachten, wie die Turnenden mit regeln Eifer nach besten Kräften ihrer turnerischen Arbeit oblagen. Die am Abend vorgenommenc Preisverteilung, bei der auch den Tanzlustigen Rechnung ge­tragen wurde, ergab folgendes Resultat:

L) Aktive Turner:

Ehrenpreis: Heinrich Hamel 381, Punkte, 1. Preis August Loos 36, 2. Heinrich Baumann und Heinrich Ehrhardt 35'z1,, 3. Heinrich Loos 33, 4. Friedrich Pitz 311/?, 5. Karl Jugbardt 29'/,, 6. Wilhelm Scheid 29, 7. Paul Dotzenrod 28'/,, 8. Friedrich Rau und Karl Luh 28, 9. Philipp Stein 21'/,.

b) Oberstnse (Zöglinge):

1. Preis Karl Loos 731/, Punkte, 2. Karl Jakob 65, 3. Friedrich Amend 56'/ 4. Ludwig Stein 55'/,, 5. Julius Amon 54.

c) Unterstufe (Zöglinge):

1 . Preis Karl Erb 69*/» Punkte, 2. Karl Hamel 65. 3. Gustav Wilbetin 63, 4. Fritz Klotz 62, 5. Heinrich Gröninger und Karl Müssing 60'/,, 6. Heinrich (Serina und Julins Balser 60, 7. Arthur Appel 57'/,, 8. Adoli Heck 56'/,, 9. Karl Müller I. 56, 10. Justus Hoß 54'/,, 11. Karl Müller II. 48'/,, 12. Wilhelm Gilbert 48, 13. Wilh. Ude 46.

Der Gernhardtsche Zither- und Mando­linenchor Gießen (E. 93.) veranstaltet am 7. Oktober im Hotel Einhorn einen seiner bei Freunden volkstümlicher Musik-Pflege bekannten und beliebten musikalischen Unterhaltungs-Abende. Zither-, Mandolinen-, Zym- bei*, Violin- usw. Vortrage, sowie Gesangs-Piöcen werden auch dieSinal geboten werden. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt gegen an der Abendkasie zu lösende Karten. Alles Nähere ist aus den Anzeigen ersichtlich.

- r. Lich, 30. Sept. Seit 33 Jahren ist heute zum ersten mal wieder die Kirmes in dec früher ortsüblichen Weise gefeiert worden. Es war im Jahre 1873, al? der damalige Engelwirt, spätere Bürgermeister unserer Stadt, die letzte Kirmes auf seinem'Felsenkeller abhielt. Seit dieser Zeit hat man hier keine öffentliche Kirmes gefeiert. Dieses Jahr hat sich die männliche Jugend wieder zusammengetan und ihre Kirmesburschen erwäh'lt, um den Tag in althergebrachter Weise zu feiern. Ein stattlicher Zug bewegte sich unter Vor- antrttt des verstärkten hiesigen MusikvercinS Waldlust durch die Straßen unserer Stadt. Im Heilandschen Saale und in der Turnhalle huldigte man lebhaft dem Tanzvergnügen. Beide Lokale waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Tie städtische Bleiche hatte sich in einen Juxplatz umgewandelt. Es fehlte nicht an KaruffelS, Schießbuden, Kraftmessern usw. Auch hier war der Besuch sehr stark.

Kinzenbach, 30. Sept. Am Samstag' nachmittag hatte flch in einem unbemerkten Augenblick ein Fremder in das Haus von Georg Schäfer eingeschlichen und daselbst anscheinend eine gründliche Durchsuchung vor ge­nommen. Die Leute Waren nach dem Backhaus gegangen. Die ältere Tochter, die zu Hause etwas holen wollte, merkte ebenfalls nichts. Als sie aber bei ihrem Weggehen die Haustür abschloß, mag es dem Eindringling doch un­heimlich geworben sein. Er bearbeitete mit Hilfe von vor­gefundenem Handwerkszeug das Türschloß, und als es ihm nicht gelang, die Mr zu öffnen, suchte er durch ein Fenster das Weite. Erst später kam man auf den Gedanken, den Ausreißer dingfest zu machen. Mit Hilfe eines Radfahrers wurde er von mehreren beherzten 'Männern vor Heuchel­heim fest genommen und einstweilen hier eingcspcrrt.

Als am Albend von Wetzlar die Polizei eintraf, würde kon­statiert, daß der dreiste Hausbesucher bereits mehrmals wegen ähnlicher Streiche mit der Polizei Bekanntschaft ge­macht hat.

0 Hochwcisel, 1. Okt. Ein fortgeschrittenes Dorf ist unsere fast nur Landwirtschaft treibende Gemeinde. Zwei wichtige Neuerungen gehen ihrer Vollendung entgegen und werden gewiß zum weiteren Aufblühen des Dorfes erheblich beitragen: die Feldbercinigung und Wasserleitung. Bezüglich der Feldbereinigung wird Ende d. Mts. die Ucber- weisung der Parzellen stattsinden, die Landwirte müssen bis 15. Oktober die jetzigen Grundstücke räumen. Dieser Tage fand der Verkauf der Maffengrundstücke statt; es wurden rund 155 000 Mk. erzielt, während die Bereinigung nur ca, 80000 Mk. kostet. Tie Preise waren für unsere Gegend am Abhang des Taunus sehr hoch, der Morgen Ackerland kostete 1600 bis 2000 Mk., Wiesen 1800 bis 2400 Mk. Die Wasserleitung soll in etwa sechs Wochen in Tätigkeit treten. Die Quellen liegen im Jsseltal am Fuße des Taunus. Die Rohrlegung durchs Dorf findet gegenwärtig statt.

X Vom hohen Vogelsberg, 30. Sept. Inner­halb der letzten 10 Jahre ist an der Verbesserung von Oed­ungen und Wüstungen im Vogelsberg sehr viel geschehen. In den Jahren 1896 bis 1905 wurden insgesamt 590 Hektar in 39 Gemeinden melioriert und zwar 436,3 Hektar, gleich 1745 Normalmorgen Hutweiden und 153 Hektar Gemeinde­viehweiden. Die Kosten betrugen insgesamt 158 000 Mk., davon trugen die Gemeinden 67 200 Mk., der Staat, bezw. der landw. Provinzialverein für Obcrhessen 90 800 Mk.; für Hutweiden wurden 125 390 Mk., für Gcmeindeviehweiden 18171 Mk. auSgegeben. Am meisten geschah in den letzten Jahren und zwar in dem Kreise Lauterbach. Hier melio­rierten 20, im Kreise Schotten 19 Gemeinden. Auf den Kreis Lauterbach entfielen an aufgebcsserten Flächen 228 -|~ 108 Hektar, auf Schotten 208,26 -j- 45 Hektar. Die Orte, die am meisten meliorierten, sind im Kreise Schotten: Ober- Seemen44,83-s-20,Hartmannshain35,5,Volkhartshain23,6 -s- 10,25, Schotten 20,94-s-14,70,Nieder-Secmen 18,15 Hektar; im Kreise Lauterbach: Crainfeld 30,41, Bermuthshain 26,11, Salz 23,73, Eichenrod 23,12, Hörgenau 23, Nösberts 19,16, Steinfurth 12,20 Hektar. Am wenigsten roitrbe melioriert in Ober-Seibertenrod 0,75, Bobenhausen 0,75, Wohnfeld 1,25, Gedern 1,75, Eichelsachsen 1,90, Bräungeshain 2, Metzlos 1,50, Metzlos-Gehaag 2,60 und Rebgeshain 3,57 Hektar. Ji, den Orten, die viel zur Verbefferung ihrer Weiden getan haben, hat die Viehzucht einen fortgesetzten Auffchwung genommen, da man fast ausnahmlos die besten Resultate bei der Melio­ration erzielte. Manche Gemeinden haben bereits in den letzten Jahren aus den so angelegten Wiesen beträchtliche Summen gelöst.

R. B. Darmstadt, 29. Sept. Der Provinzial- Ausschuß beschäftigte sich mit der Wachl des sozial­demokratischen Beigeordneten Peter Zahn III. auS Mühlheim, der gegen den Beschluß des Kreisaus­schusses vom 7. Februar 1906, der die Wahl für ungültig erklärt hatte, Rekurs eingelegt hatte. Rechtsanwalt Dr. Fulda verteidigt den Gewählten. Der Provinzialausschuß entschied dahin, daß der Rekurs zu verwerfen sei und verurteilte ihn in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung von 10 Mk. in die Provinzialkasse.

fc. Mainz, 30. Sept. Nach dem Genus; von Bückingen erkrankte der Schneider Valentin Pfeiffer, der auf der Umbach wohnt, seine Ehefrau und sein vierjähriges Töchterchen, ferner die Familie eines Arztes, bestehend aus Mann, Frau, zwei Kindern und dem Dienstmädchen. Schwer krank ist der Schneider Pfeiffer und das eine Kind des Arztes. Bei den übrigen Personen treten die Vergiftungserscheinungen weniger stark auf. (Nach einer späteren Meldung befinden sich die Kranken auf dem Wege der Befferung.)

Worms, 30. Sept. Die Lederfabriken von Cor­nelius Heil setzten mit dem 1. Oktober die Arbeitszeit von 9V2 auf 8 3/< Stunden herab.

Worms, 30. Sept. Der Ausflug der Teilnehmer am Mannheimer sozialdemokratischen Parteitage ver­lief ohne Störung. Infolge der Verweigerung aller Säle kam man unter freiem Himmel im Garten des Ge­werkschaftshauses zusammen. Vorher hatte ein imposanter Stadtumzug stattgefunden. David, Dreesbach, Queffel und Geck hielten Ansprachen.

ICirdte und Schule.

Die Synode für den Kreis Erfurt hat folgende Resolution angenommen:

In Erwägung des regen kirchlichen Interesses der Frauen­welt sowie der gegen früher erheblich veränderten Stellung, die heutzutage die Frau im öffentlichen Leben einnimmt, ist es als eine Forderung der Billigkeit anzusehen, den Frau ei,, insofern sie die in § 31 der Kirchengemeinde- und Synodal-Ordnung für die männ(id)cn Gemcindernitglieder aufgestellten Bedingungen erfüllen, das aktive Wahlrecht zugebilligt werde. In Er- wägnng, daß die Frauen aus dein (Gebiete der Kranken- und Armenpflege besondere, ihnen eigentümliche ©oben besitze«,, soll den Gemeindekirchcnräten warm empfohlci, werden, in die von ihnen si'ir die kirchliche Liebestätigkeit ernannten Kommissionen gemäß § 17 der Kirchcngemeiude- und Spnodal-Ordnung auch Frauen hineinzuwählen. Beide Beschlüsse sind der Provinzialsynode zur weiteren Verfolgung zu übergeben."

Eine Körperverletzung mit tötlichem Erfolg, begangen an der eigenen Mutter.

(1H.) Gießen, 1. Oktober.

Am Samstag verhandelte das Schwurgericht gegen die noch unbesirgste unverehelichte 33 Jahre alte Elisabeth R e u b e r von Angersbcrch wegen des Verbrechens der Körperverletzung mit tödlichem Erfolg. Die Anllage vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel, als Verteidiger der Angeklagten war Rechtsanwalt En- g isch tätig. Es waren in der Verhandlung, zehn Zeugen und als Sachverständige die Kreisärzte Dr. Heinrich-Lauterbach und Medizinalrat Dr. Haberkorn-Gießen zu hören..

Die Angeklagte, die einen überaus reuevollen Eindruck machte, ißt geständig und schildert unter Schluchzen den Hergang der Sache in Uebereinßiwmi'ng mit dem Inhalt der Anklage, die das Folgende sestgestellt hat.

Am Nachmittag des 18. Juli d. I. war Elisabeth Reuber auf einen ihren Eltern gehörigen Äcker in der Gemarkung Angers- bach mit Feldarbeiten beschäftigt. Gegen 4 Uhr erwartete das Mädchen die Mntl^. bi;' ihr den Kaffee bringen wollte. Ms die Frau sie längere Zeit hatte warten lassen, begab sich die An­geklagte auf eine in der Nähe der Arbeitsstelle gelegene Anhöhe, um Ausschau zu halten. Von hier aus c-chlickte sie ihre offenbar betrunkene Mutter au einem Feldwege liegen. Hierüber geriet die Angeklagte in heftigen Zorn, sie eilte mit einer Hacke zur Mutter hin und versetzte ihr mit,bem Haclensüel mehrere heftige

Schläge und gab ihr auch einige Fußtritte. Star? blutend bl,eß die Frau zunächst noch einige Zeit am Boden liegen, sie rapte sich bann aber em vor und schleppte sich ins Dors, um nm ms Bett zu begeben. Erst einige Tage nach dem Vorfall ließ die Frau einen Arzt rufen. Sie gab aus Scham über das Vorgefallene an, sie sei gefallen und habe sich dabei verletzt. Der Arzt stellte mehrere Rippenbrüche und eine Lungenverletzung fest.

Am 26. Juli starb Frau Reuber und es verbreitete sich im Ort alsbald W Gerücht, ihr Tot sei auf Verletzungen zurück­zuführen, die ihr die eigene Tochter beigebracht habe. Durch die cinaeleitete Untersuchung, insbesondere aber die borgenommene Leichenöffnung wurde die Wahrheit dieses Gerüchtes bestätigt. In der Beweisaufnahme wurde der Inhalt her Anklage voll und ganz bestätigt und auch festgestellt, dass die Angeklagte eine leicht erregbare Person ist, die früher an sogenanntem Veits­tanz gelitten hat, ferner, daß ihre Mutter tatsächlich an jenem Nachmittag stark betrunken gewesen ist und dadurch das Ansehen ihrer Familie den Dorfbewohnern gegenüber herabsetzte.

Der Vertreter der Anklage und die Verteidigung waren sich nach Lage der Sache darin einig, daß wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg Bestrafung eintreten müsse, daß aber auch eine gatr.e Reihe von Umwänden vorlagen, die die Tat in recht mildem Lichte erscheinen ließen.

Nachdem die Geschworenen btc Frage wegen Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände bejaht hatten, erkannte der Gerichtshof auf 8 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft auf die aus­gesprochene Strafe. Die Reuber erkannte die Rechtskraft des Urteils sofort an.

vermischte».

Da § n e u c ft c Eisenbahnunglück. Am 29. Sept, fuhr auf der Strecke Longbranch-Philadelphia der Penn- sylvauia-Eiscnbahu, elf Meilen nördlich von Philadelphia, die Lokomotive des Newyorker ExpreßzugeS mitten durch einen Schlafwagenzug, der von Lonybranch nach Philadelphia ging, zertrümmerte dessen vorletzten Wagen und beschädigte die übrigen. Fünf Menschen sind tot, 2 0 verletzt.

* Durch ein neues Unwetter würden in der span. Provinz Andalusien Verwüstungen angerichtet. Die Vorstädte von Sevilla sind überschwemmt; mehrere Personen sind ertrunken. Die Eisenbahn in der Nähe von Cadix ist auf eine Strecke von mehreren Kilometern unterbrochen. In Pensaeola (Nordamerika) sind 2000 Menschen durch den Orkan obdachlos geworden. Die Quarantänestation ist zerstört, das Hospital hinwegge­schwemmt, Fort Perkrns stark beschädigt; mehrere Kriegsschiffe sind beschädigt bezw. gescheitert, 19 auswärtige Schisse auf Land ausgelaufen, ebenso zahlreiche kleinere Fahrzeuge. Die Zahl der Ertrunkenen beträgt 25. Etwa 30 Fischerboote sind gesunken. Die Gleise der Louis- ville-Nashpille-Bahn sind auf einer Strecke von 30 Meilen zerstört.

* Kleine Tageschronik. Zn der vergangenen Nacht brach in der Schuhfabrik von Gebrüder Krapt in Fahrn au (Schwarzwald) F e u e v aus, den, 5 Fabrikgebäude zum Opfer fielen, wahrend die übrigen Gebäude und das Wohnhaus gerettet werden konnten. Der Schaden beträgt eine halbe Million. Durch den Brand sind 400 9(rbeitcr brotlos geworden. Der russische Student Turtschinowilsch, der in der Nacht vorn 6. Mai den Studenten Martin Heinisch in Gegenwart von deffen Braut, der Kellnerin Berta Ruf, aus Eifersucht erschossen hat, wurde in M ü n ch en nach zweitägiger Verhandlung zu 5 Jahren Ge­fängnis verurteilt. In Berlin machte der 20 Jahre alte Kellner Eollas auf seine Geliebte, die Kellnerin llrmincit, einen Mordversuch aus Eifersucht. 91(5 sie zu einem Vermittler gehen wollte, feuerte E. zwei Revolverschüffe auf sie ab. Die erste Kugel streifte ihre Stirn, die zweite durchschlug den rechten Daumen. Der Täter wurde verhaftet. Am 28. Sept, kollidierten bei der Stadt Juels der englische DampferAshbrooke" und der fran­zösische DampferJuliane and Mary". Ter Dampser Ashbrooke" ist innerhalb zwei Stunden gesunken. Der Steward und der erste Offizier wurden bei den, Zusan,menstoß t o tg e d r ü ck t. Der Lübecker Kaufnmnn Steinwenger ist auf der Rotwand im A >t- holzertal beim Abstieg über verschneite Felsen abgestürzt. Er wurde mehrfach verletzt von feinem Sohne gerettet. Laut Münchener Post" ist ein bei der Trainkompagnie inIngolstadt stehender Unteroffizier, der früher Einjähriger war, in letzter Zeit aber als Kanzleischreiber verwendet wurde, unter Mitnahme von Mobilmachungsplänen verschwunden. Um besser sortzukommen, nahm et einen dreitägigen Urlaub. Am 29. Sept, kam im Marstallgebäude des Prinz Alb- r e ch t s ch e i, Palais in der Königgrätzer Straße zu Berlin ein Zimmerbrand aus. Zahlreiche Feuerwehrzüge aus allen Reviere, der Branddirektor und der Polizeipräsident waren als­bald zur Stelle. Infolge größerer Futtervorräte in dem Gebäude war die Gefahr erheblich. Doch konnte der Brand in kurzer Zeit abgelöscht werden, ohne daß größerer Schaden entstand. Es verbrannten Matrazen und Möbelstücke. Josef Ritter v. Ohano- wicz wurde auf seinen Besitzungen in Bessarabien von eigenen Bediensteten ermordet; ebenso die Köchin und das Stuben­mädchen.

Telefomsche Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitaeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen.

Frankfurter Vtitrfio. 1. Oktober. 1.15 Uhr.

3J4°/O Reichsanleihe . . 98.70 3»»' do. . . 86.50 3^7o Konsols .... 98.65 3% do. .... 86 50 3*^°/n Hessen 98.00 3%°/n Oberhessen . . .. 4°o Oesterr. Goldrente. . 99.30 4'/KAn Oesterr. Silberrente 100.00 4 Unsrar. Goldrente . . 94.90 496 Italien. Rente . . .. 3®o Portugiesen Serie I . 69.55 396 Portugiesen III 70.80 4%°/n rnss.Staatsanl. 1905 86.20 4%0,n japan. Staatsanleihe 93.50 4 % Conv. Türken von 1903 94.10 Türkenlose 145.20 4% Griech. Monopol-Aul. 53 80 4% äussere Argentinier . 89.00 3°/n Mexikaner .... 68.40 4^% Chinesen r . . . 97.10

Aktien:

Bochum Guss 244.00

Buderus E. W . , . .. Tendenz: fest.

Berliner Börse,

Can ad a E. B 184.40 Parinstädter Bank . . . 139.70 Deutsche Bank .... 239.40 Dortmunder-Union C. . . 84 20 Dresdner Bank .... 159.00 Tendenz: fest.

Elektriz. Lahmeyer . . . 141.00 Elektriz. Schlickert . . . 128.50 Esch weil er Bergwerk . . 248 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.00 Hamburg1- Amerik. PaketL 159 50 Harpener Bergwerk. . . 215 90 Laurahfitte 248.50 Nordd. Lloyd 127.30 ObPTschles. Eisen-Industrie 132.00 Berliner Handelsges . . 173.80 Darmstädter Bank . . . 139 90 Deutsche Bank . . . 239.60

Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.80 Dresdner Bank . . . 159.40 Kreditaktien 211.75 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 125.60

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 38 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.10 Prince-Henri-Eisenbahn . 145.00

I. Oktober. Anfan »sknrse.

Harpener Bergwerk. . . 215.60 Laurahütte. Lombarden E. B. ... 38.20 Nordd. Lloyd 127.10 Türkenlose 145.00

Grsenbahn-ZeStung.

Am 27. und 28. d. M. haben Konferenzen von Vertretern der beteiligten Bundesregierungen in Eisenach stattgefunden, in denen über einzelne Aussührnngs-Bestimnuingen der Vereinbarm,gen über die R e f o r m d e r deutschen Personen- n n d Ge­päck 1 a r i s e beraten ist. lieber alle wesentlichen Punkte ist ein erfreuliches Einverständnis erzielt, sodaß nuiunebr mit