Nr. 5630 Zweites Blatt LTG.Jahrgang
Montag 1. Oktober 1906
Vrlcheinl mit Ausnahme deL Sonntags.
Die „Vietzener gamMenblätter** werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelcgL Der ta«dwirt" erscheint monatlich einmal.
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Rotationsdruck und Verlag der VrÄKl'fch« Universitätsdruckeret. R. Sang», (Btefeai.
Redaktion, Exvedttion n.Druckereir Schulstr^D Tel. Nr. 5L Telegr^Adr-: Nn-etg« Gieße».
Eemral-Anzeiger, Amts- Md Anzeigeblatt für dm Kreis Eich«.
KeKmuUmaHsng.
Beir.r Feldbereinigung in dec Gemarkung Borsdorf.
In der Zeil pom 2. bis einschließlich 15. Oktober l. I. liegen auf dem Rathaus zu BorSdorf folgende Akten der Feldbereinigung Borsdorf zur Einsicht der Beteiligten offen:
Das Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume
die geschoßweise Zusammenstellung der Obstbäume;
das Geldausgkeichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig empfangenes Gelände;
das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig empfangenen Obstbaumwert.
Tagsahrl zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen soivie zur eoent. Wahl eines Schiedsrichters findet daselbst statt:
Dienstag, den 16. Oktober 1906, vormittags 9—10 Uhr, wozu ich die Beteiligten mit dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich einzureichen.
Büdingen, den 28. September 1906.
Der Großherzogluye ^«.tobereungrmgvlommissär: Schnittspahn, Kreisamtmann.
politische Lagesscharr.
Nationalliberalismus und Zentrum.
Man schreibt uns:
Bei der letzten Reichstagswahl in Hessen ist von einem Zentrumsredner öffentlich erklärt worden, daß Abmachungen zwischen den Parteileitungen der Nationalliberalen und des Zentrums für ganz Hessen bestehen, welche das Zentrum verpflichten, in diesem Wahlkreise schon im ersten Wahlgange für den nationallib. Kandidaten zu stimmen. Kurze Zeit darauf ist von ähnlichen Abmachungen oder darauf abzielenden Plänen der beiden Parteien in Rheinland-Westfalen die Rede gewesen. Jetzt lesen wir in einer Korrespondenz aus Sachsen an die nationallibcrale »Köln. Ztg.*:
»Auch im übrigen sieht man hier gewisse Richtungen innerhalb der nationalliberalen Partei Reich nicht ohne schwere Bedenken. Ma» fürchtet, daß die nationälliberale Partei in Hessen und R h e i n ! a n d - W e st f a l e n einer Verständigung mit dem Zentrum bei den NeichstagLwahlen näher steht, als es von einer wirklich liberalen Partei erwartet werden kann. Eine derartige Verständigung würde man bei uns nicht verstehen. Man kann als sicher annehmen, daß sie auf das Ansehen des Nationalliberalisnius in Sachsen besonders schwer zurückwirken würde."
Vom Verein deutscher Studenten.
Aus Akademikerkceisen wird uns geschrieben:
Aufmerksamere Beobachter der Entwickelung desV. D. St. haben seit einiger Zeit die Wahrnehmung gemacht, daß die jüngere Generation der aktiven Mitglieder desV. D. St. sich allmählich von den konservativ-antisemitischen Anschauungen zu emanzipieren anfängt. Hier in Süddeutschland und im Westen ist dieser politisch-reaktionäre Charakter des V. D. St. übrigens niemals in dem Maße in die Erscheinung getreten wie etwa in Berlin. Hier hat zwischen den Mitgliedern des V. D. St. und ihren jüdischen Kommilitonen von jeher ein besseres Verhältnis bestanden. Der Ausschluß von v. Frdr. Naumann — der angeblich erfolgt ist wegen Begünstigung der Sozialdemokratie, in Wirklichkeit aber wegen seiner veränderten Stellung zum Antisemitismus, insbesondere wegen seines öffentlichen Auftretens gegen die russischen Judenmetzeleien — hat aber auch, wie wir positiv wiffen, weitere Kreise des V. D. St. in Norddeutschland aufgerüttelt. So erklärt jetzt Wilhelm Heile, der Herausgeber der deutschen »Hochschule" und Wortführer gegen die konfessionellen Studentenverbindungen, frei und offen in seinem Organ, das für Hunderte und Tausende deutscher Studenten bestimmt ist: Wenn es sich um die Stichwahl zwischen einem Zentrumsmanne und einem Sozialdemokraten handle, würde er den Sozialdemokraten bevorzugen, und er -möchte sehen, wer ihm deshalb das Recht bestreiten wollte, dem Kyffhüuser- oerbande anzugehören. Heile ist eine bekannte Persönlichkeit im 33., D. St., der Hunderte von Anhängern hinter sich hat. Ob nun auch gegen ihn ein Ausschluß verfahren ä la Naumann beantragt werden wird?________________
FLulstjches.
" Das Zarenpaar hat den Ministerpräsidenten Stolypin aus Finland frische Forellen, sowie Blumen für die verwundete Tochter gesandt. Stolypin fand auf dem Schreibtisch seines Arbeitszimmers im Winterpalais folgenden Drohbrief: »Wir waren achtzehn Verschwörer. Zwei von uns wurden hingerichtet, drei sielen bei dem Attentat auf Ihre Villa. Wir bleiben also dreizehn. Wir sind entschlossen, Ihr Todesurteil zu vollstrecken." Stolypin hat alle Wachen verdoppeln lassen.
In Riga zirkulieren Gerüchte, daß über Kurland, Estland und Livland die Diktatur verhängt werden soll. — Im Rigaer Zentralgefängnis wurde eine politische Gefangene, welche vom Fenster aus Zeichen gab, durch den Wachtposten erschossen. — Im dortigen Militärhospital wurden große Unterschleife entdeckt und der Oberarzt, sowie der Inspektor vom Amte suspendiert. In einem Hause beschlagnahmte die Polizei ein Bombenlager; sämtliche Hausbewohner wurden verhaftet. In der Provinz ist dieser Tage eine ganze Anzahl Revolutionäre bei Fluchtversuchen von Soldaten erschossen worden. — Die Bildung eines über ganz Ruß- lland ausgedehnten Selbstschutzes ist gesichert. Zahlreiche Meldungen, darunter von sechzig- und siebzigjährigen Männern, die bereit sind, mit den Waffen Güter und Bauern
höfe gegen revolutionäre Banden zu schützen, sind eingegangen. Die kurländische Ritterschaft bewilligte 120 000 Rubel zur Bewaffnung der Organisation dieses Selbstschutzes.
Aus Odessa sind in den letzten Monaten gegen 21/2 Tausend Juden nach den Vereinigten Staaten, Kanada und Argentinien aus gewandert.
Das Reichskontrolleuramt hat eine Kommission zur Prüfung der ungeheuren Ausgaben, welche der ehemalige Gesandte in Korea Pawlow und General Dustnow zur Kriegszeit in Shanghai gemacht hatten, eingesetzt.
In Grimsby (England) trafön zwei junge russische Flüchtlinge ein. Sie erzählten folgendes: Auf Befehl des Bundes in Warschau warfen sie Bomben gegen eine dortige Kaserne, wodurch diese teilweise zerstört und eine Anzahl Soldaten getötet wurde. Beide flohen dann nach Deutschland und schifften sich von Hamburg aus nach Grimsby ein. Das Einwandecungskomitee entschied, daß sie als polit. Flüchtlinge auf englischen Boden zuzulassen seien.
Deutscher Reich.
Berlin, 30. Sept. Wie eine hiesige Korrespondenz berichtet, verlautet zuverlässig, daß der Kaiser Mille Oktober, wenn er zur Hochzeit des Prinzen Albert von Holstein- Glücksburg reist, auf der Hin- oder Rückfahrt den Reichs- kanzler Fürsten v. Bülow in .Homburg au i juchen wird.
— Die „7Lordd. Mg. Big." schreibt: Frn Gegensaß zu den dankenswerten Bemühungen englischer Publizisten von der vornehmen Denkungsart Diccys (Londoner Empire Review), die Annäherung beider Volker im allg. Interesse und nicht zuletzt im Interesse Englands selbst zu fördern, benutzt die „Daily Mail" die Meteor-Episode in Portsmouth zu einem neuen Hetzmanöver. Sie cntblödet sw) nicht, bei Besprechung dieser Episode die s ch a m l o s e L ü g e auszut.schen, daß die deutschen Blätter, die das Lvrtommnis zu einem Z.vischensall ausgcbauscht haben, vom deustcycn. Auswärtigen Amte inspiriert worden seien. In Wahrheit hat das Auswärtige Amt die Aufbauschung dieses lieber iedes politischen Eharaiters entbehrenden Vorfalls nicht nur nicht gefördert, sondern ihr auf jede Weise cntgcgengeiuirü.
— Der bevorstehende nationalliberale Parteitag in Goslar dürste dwsmal eine beioudere Bedeutung beanspruchen. Das ergibt .sich schon daraus, daß bisher 600 D e l e- gierte angemeldet worden sind.
Braunschweig, 29. Sept. Staatsminister Dr. v. Otto ist aus Homburg hier wieder eingetrvssen. Heute fand im Staatsministerium eine Besprechung statt, der der Inhalt der vertraulichen Besprechung v. Ottos mit dem Reichskanzler zugrunde lag. Auch ein Schreiben des Herzogs von Cumberland, das hier eiugctrojjen ist, lag dem Regent,chastsrat vor. Darin sollen bcdei.t,ume Aeußerungen zur Thronfolge enthalten sein. Mach der Sitzung empfing Staatsminister Dr. von Otto den zurzeit hier wellenden preußischen Gesandten am olden- burger Hos, v. B ü lo w , der auch für Braunschweig afircDitiertift
— Die weifische „BolkSztg." bringt einen Ausruf an die deutschen Fürsten und an die freien Städte, in dem sie diese aufsordert, das „begangene Unrecht gut zu machen" und den Bundesratsbeschluß über die Thronfolge in Braunschweig aufzuheben.
M ü n dj e ii, 29. Sept. In der heutigen Generalversammlung des oberbayrischen und schwäbischen Bauernbundes wurde beschlossen, für die nächsten Landtags-Wahlen keinerlei Annäherung an Zentrum oder Liberale zu suchen. Der bayrische Bauernbund wolle ganz allein in die Aktion eintreten.
— Der Deutsche Volksparteit a g wurde heute nachmittag hier eröffnet. Den Vorsitz führte Professor Quidde. Die Begrüßungsansprache hielt Dr. Rößler (Frankfurt). Den Jahresbericht erstattete Dr. Goldschmidt-Frankfurt. Der Parteitag begann dann die Beratung des Kommunalprogramms und genehmigte sofort nach kurzer Erläuterung durch Dr. Haas-Karlsruhe den ersten Abschnitt, der volle Selbstverwaltung fordert.
Duisburg, 1. Okt. Nachdem in letzter Zell massenhaft russisch-litt hauische Arbeiter im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk Unterkunst gefunden, erläßt Die Behörde an einzelne Arbeitgeber die Mitteilung, daß die Weiterbeschäftigung sowie die weitere Heranziehung dieser Art Ausländer unter keinen Umständen geduld e t würde. Diejenigen, welche in neuerer Zell zugezogen sind oder zuziehen sollten, werden alsbald aus Preußen ausgewiesen, während die übrigen schon länger im Jukande Weilenden zum Verlassen des Staatsgebietes Frist bis zum 20. Dezember erhalten.
Anstand.
Brüssel, 1. Okt. Wie Passagiere eines soeben eingetroffenen Kvngo-Dampsers „Albertville" berichten, ist der Kommandant Moll, der Chef der französischen Kommission zur Grenzregulierung zwischen der französ. Kongo-Kolonie und der belgischen, bei Sang ha nebst vier Weißen von Eingeborenen ermordet worden. Von Brazzaville sei eine Straf-Expedition unterwegs. Die Meldung ist amtlich noch unbestätigt.
Haag, 29. Sept. Ein amtliches Telegramm teilt mit, daß Der Häuptling von Tabana auf der Insel Bali, wo kürzlich Unruhen ausgebrochen waren, sich mit seinem Sohne getötet hat.
Pans, 30. Sept. Präsident F a lliäres ist in Agen eingetroffen. Der Bürgermeister hielt eine Ansprache, worin er u. a. erklärte, daß er das Projekt betr. die Verbindung des atlantischen Ozeans mit dem Mittelmeer durch den Bau eines Kanals befürworte.
La Ro che-sur-Pon, 30. Sept. Minister Elemenceau erklärte in einer heute hier gehaltenen Rede, er wolle die Einigung aller Republikaner herbeijühren. Die Kirche ziehe cs vor, gegenüber dem Liberalismus der. französischen Republik den Aufruhr und den Bürgerkrieg wieder auflcben zu lassen, während sie sich gleichzeitig deutschen Härten unterwerfe. Die französische Regierung lucrüe aber nicht zurüüweichen und feinen sremden Eingriff in ihre Gesetzgebung dulden.
Genf, 29. Sept. Die Arbeiter sich utzkonserenz hielt heute ihre Schlußsitzung ab. In Betreff des Maximal- arbeitstages hält die Konferenz dafür, daß die Intervention des Gesetzgebers, des Arbeitsgebers und der organisierten Ar- beiterschast nötig ist, um eine allgemeine Festlegung eines Maximalarbeitstages zu ermöglichen. Wegen dör Arbeitsversicherung werden die Settiouen eingeladen, der nächsten Delegiertenversammlung den Entwurf eines internationalen Vertrages zunächst in Bezug auf Unfallversicherung, porzulegen. Beide Anträge werden angenommen.
Bukarest, 29. Sept. Nach Meldungen aus Bessarabien haben in allen Städten, Marktflecken und Dörfern durcy Militär- und Zivilbehörden Haussuchungen stattgefundm. Inden waren beschuldigt worden, ui Bethäusern revolutionäre Versammlungen abgehalten zu haben. Nach 'Meldungen aus Jassy sind verschiedene
Leichen e r m o r d e t e r I u d e n auf der Pruth schwimmend gesehen worden.
Tokio, 29. Sept. Für Reparaturen und den Ban von Kriegsschiffen beantragte der Marineniinister beim Parlament einen auf Zeit bis 1930 zu verteilenden Kredit von 270 Millionen den, davon 23 Millionen Mn für 1906. Vom Kriegsreffort wird in Hiroshima ein neues Arsenal erbaut. Die Sachalinbahn soll bis zum Winter fertiggestellt werden; sie soll anfangs ausschließlich Militärvorräte besördern. Ihre besondere Aufmerfsamleit wendet die Regierung der Verstärkung der Frei- wittigen Flotte zu.
Dürfe» Fabrikarbeiterinnen Samstags abend mit der Reinigung der Kontorräume beschäftigt werden?
Nachdruck verboten..
Nach § 137 der G.-O. dürfen Slrbeiicviiinen in Fabriken nicht in der Nachtzeit von iP/2 abends bis bl/2 morgens und am Samstag sowie an Vorabenden der Festtage nicht nach 87» Uhr nachmittags beschäftigt werden. Dieses Verbot bezweckt Förderung des Familienlebens und größere Freihaltung der Sonn- und Feiertage von Arbeiten, die sonst nicht an Wochentagen vorgenommen werden könnten. Das Gesetz spricht allerdings nur von Fa b ri karbeit. Diesen Begriff hat das Reichsgericht jedoch in einer Entscheidung vom 23. März 1906 wesentlich erweitert. Beschäftigung in einer Fabrik ist gerade soviel wie Fabrikarbeit überhaupt. Zur Fabrikarbeit gehört nicht nur die unmittelbar zur Herstellung der Fabrikerzeugnisse erforderliche Arbeit. Auch Ncbenverrichtimgen, insbesondere die Instandhaltung und Reinigung der Maschinen und der Fabrikräume sind Fabrikarbeit. DaS geht schon daraus hervor, daß nach § 105 c der G.-O. gerade diese Verrichtungen eventuell auch an Sonntagen vorgenommen werden dürfen; prinzipiell sind sie also auch dort verboten. Zu den Fabrikräumen rechnet das Reichsgericht auch die Kontorräume. Sie dienen der für den Fabrikbetrieb notwendigen Führung der Bücher und der Korrespondenz. Ohne eine solche kaufmännische Leitung kann unter gewöhnlichen Umständen wenigstens eine Fabrik gar nicht bestehen. Die Kontorräume sind deshalb als Bestandteile der Fabrik anzusehen. Auch das Privatkontor macht keinen Unterschied; es ist ein Raum, von dem aus die Fabrik geleitet wird. Demzufolge wurde der Angeklagte mit Recht wegen Uebertretung des § 146 Abs. 1 Nr. 2 in Verbindung mit § 137, 1 der G.-O. vom 26. Juli 1900 in Strafe genommen, als er Arbeiterinnen seiner Fabrik im Alter über 16 Jahre an Samstagen von 7 Uhr bis gegen 91/, oder 10 Uhr abends mit der Reinigung seiner Kontorräume be- schäftigte.
Ans StaOt und Land.
Gießen, 1. Ott. 1906.
** EineLös ch -- und Re11ungsubung der Freji-^ willigen Feuerwehr und der sreiw. Sanitäts-l tolonne fand aut Sonntag vormittag 11 Uhr an der Stadtmädchenschule in der Westanlage statt. Es war an-- genommen worden, im 1. -Obergeschoß fände ein Wohl--- tätigkeitsbazar statt. Infolge des sehr regen Besuchs feien' sämtliche Räume von Personen überfüllt. Es entsteht eine Panik, alles drängt nach den Ausgängen, die Entleerung^ der Räume stockt, die Sicherheitsposten stehen dem SSoP’i kommnis machtlos gegenüber. Die' telephonische Meldung-, lautet: Feuer in der Stadtmädchenschule, Westanlage — Menschen in Gefahr — Feuerwehr und Sanitätskolonnel alarmieren. Nach Ankunft der Feuerwehr werden sofort Rettungsversuche durch Eindringen in das Innere des @e* bäudes und mittelst Sprungtuch, Rettungsschlauch usw. vor°-> genommen. Da die Feuerwehrleute ,in erster Linie &ur' Rettung von Menschenleben verwandt werden müssen, konnte das Feuer sich ausdehnen. Es wird inzwischen mit' einigen Schlauchleitungen Vorlegungen. Das Feuer bricht, durch und setzt das 2. Obergeschoß und den Dachstuhl in' Flammen, weshalb sämtliche Löschzüge zur Tätigkeit be»i ordert werden. Das Herausholen der im Gebäude eröv» gesperrten Verwundeten, Ohnmächtigen, die sich nicht selbst' retten können, wurde von den Steigmannschaften aus alle! möglichen Arten vorgenommen. Die Sanitätskolonne wurde' von ihrem Kolomrenführer, der vorausgeeilt war, sogleich' nach den verschiedenen Punkten venellt. Eine Sektion ließ' sich sofort in der Turnhalle, die als ^Verbandplatz erkoren^ wurde, häuslich nieder; sie richtete provisorische Lagerstätten ein, bereitete das mi-.gebrachte Verbandmaterial oor usw. Gleich wurden auch schon die ersten Verwundeten, i>ie von den übrigen Sektionen, soweit sie nicht wegen Knochen-r brüchen gleich im Hose mit dem ersten Notveroand versehen wurden, nach dem Verbaridplatz der Turnhalle gebracht. Hier sah man, mit welcber Vorsüht und dennoch- wie rasch die Verwutweten und Ohnmächtigen von der Tragbahre auf die improvisierte Lagerstätte gehoben wuroen. Es ging alles nach militärischem Kommando, aber das Zugreifen war derart, daß dem Verletzten im Ernstfälle Erschütterungen oder durch unnützes Bewegen der einmal gegebenen Körperlage verursachte Schmerzen usw. erspart blieben. Die am Verbandplatz beschäftigten <5ani* tätslolomiemnitglieder hatten alle Hände voll zu tun, um den fortwährend sich vermehrenden Verunglückten die erste Hilfe durch Verbanoaittagen zu gewähren. In sehr praktischer Weste waren den Verwundeten Täfelchen angehangt, auf denen man die Art der Verletzungen ersehen tonnte. Da waren solche mit Knochenbrüchen, Quetschungen, Brandwunden am Kopf, an der Brust, an Medmaßen usw. Ber einigen war oie Brandwunde als leichtere bezeichnet, bei anderen war diese als größere — mit Blasenbildung — angegeben. Mehrere Bewußtlose wurden gebracht, die durch Einatmen der Rauchgaje niedergefallen und alsdann noch von den den Llusgang mit allen MMeln Suchenden niedergetreten zu sein schienen. An diesen wurde sofort künstliche Atmung versucht. Es konnte beobachtet werden, wie immer zuerst die schwerer Verletzten behandelt, die leichter Blessierten dagegen vorläufig vertröstet wurden, daß sie auch noch branidnteii. Man konnte in der Turnhalle zum Schluß alle möglichen Arten von angelegten Verbänden [elj^n. Iie zu der Hebung ei1ngelabenen (Säfte,


