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Nr. 178
Zweites Blatt
Mittwoch 1. August 1906
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
156. Jahrgang
Vrschrint O-llch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siehrner Zanllllenblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich bcigclegt Der «^efkfch» Landwirt"' erscheint monatlich einmal.
AA A AA A A. A A 2 a a aa Rotationsdruck und Verlag der Brüh lieh«
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91 M S’tL, 1L H !1 $| BL Wb- M, Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schuly^T,
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ßesar und Momer.
Nicht von Cäsar und den alten Römern soll hier die Rede sein, auch nicht vom päpstlichen Rom, sondern von zwei protestantischen Geistlichen. Um die Pfarrer Cäsar und Römer geht der Streit in den rhein.-westfälischen Kirchengemeinden Dortmund und Remscheid. Die Wahlen beider sind durch Mehrheitsabstimmung der Kirchengemeinden erfolgt und sind beide von der Kirchenbehörde nicht bestätigt worden.
Der Fall Casar unterscheidet sich vom Fall Römer dadurch, daß keine Gastpredigt beanstandet worden ist, auch nicht aus anderen Gründen aus der Minorität heraus Protest eingelegt ist, sondern Liberale und Positive Dortmunds haben die Wahl des weimarischen Pfarrers Cäsar einstimmig vollzogen und diesem erklärten Gemeindewillen macht die Kirchenbehörde^-dgs Münstersche Konsistorium, eigenmächtig zu Nichte. Das war nur möglich unter Berufung auf ein Reskript, das in der Zeit Möllners unter Friedrich Wilhelm II., in der unrühmlichsten Zeit des preußischen Staates, erlassen worden ist, und das es gestattet — nicht etwa vorschreibt —, „Ausländern" vor Berufung in ein Pfarramt ein Kolloquium aufzuarlegen. Es liegt auf der Hand, daß hiernach die Unterdrückung des Rechts der Gemeinde im Falle Casar noch viel flagranter ist als im Falle Römer. Es handelt sich um einen regelrechten Ketzerprozeß. In Münster, wo ehedem Herr v. Stadt Oberpräsident war, werden jetzt die schärfsten Streiche gegen das Recht der Gemeinden geführt. Ebenso wie in Westfalen erregt der Fall Cäsar auch in Sachsen-Weimar außerordentliches Auffehen. Pfarrer Cäsar amtiert dort 18 Fahre lang und ist niemals mit der Kirchenbehörde in Konflikt geraten, insbesondere auch nicht wegen Verstoßes gegen die Bekenntnisse. Pfarrer Cäsar sitzt ferner im Vorstande mehrerer wichtiger kirchlicher Vereine. Er ist Mitglied der Landessynode, gehört dem Vorstände der Weimar. Psarrvereine an, hat wegen seiner Verdienste um die ländliche Wohlfahrtspflege und Jugendfürsorge die Zufriedenheit der kirchlichen und weltlichen Behörde, er ist Vorsitzender der inneren Mission, Vorstandsmitglied des Vereins zur Pflege der Heidenmission. Alles dies sind praktisch kirchliche Vereine, in denen eine Betätigung des dogm. Standpunktes oder der kirchlichen Tendenz so gut wie ausgeschlossen ist, und in allen diesen Stellungen und Aemtern wirkt Pfarrer Cäsar unermüdlich. Man wird verstehen, wenn hiernach die Weimarer verwundert fragen: „Was ist denn in die Westfalen gefahrene Im übrigen ist der Protest an den Oberkirchenrat gegen die Nichtbebestätigung abgegangen. Nun ist zunächst sein Ergebnis abzuwarten. Die Westfalen, über die man sich in Sachsen- Weimar so wundert, wissen jedenfalls ihr gutes Recht zu verteidigen, und sicher war es bisher nicht der kirchliche Liberalismus, der durch das überschneiidige Vorgehen des Generalsuperintendenten gelitten hat.
Zum Fall Römer äußert sich ,Das Freie Wort" wie folgt:
„Gibt die Gemeinde nach und läßt sich einen ihr nicht genehmen Pfarrer aufoklroyieren, so zeigt es sich wieder einmal, daß das protestantische Prinzip der treten Selbstbestimmung in religiösen Dingen nur eine elende Phrase ist, die über die kirchliche Gebundenheit der Gemeinde nicht hinwegtäuschen kamt, und daß alle Hoffnung aus eine religiöse Neubelebung des Protestanlisntus ein eitler Wahn ist. Gibt aber die Gemeinde in Remscheid nicht nach und leistet auch Pfarrer Römer nicht freiwillig oder gezwungen Verzicht, was nach allein kaum zu erwarten ist, so bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich mit ihrem erwählten Pfarrer als freie protestantische Gemeinde außerhalb der Landes- k i r ch e zu konstituieren. Dieser Schritt wäre eine religiöse Tat, ein Bekenntnis, das sicherlich weitgehende Folgen nach sich ziehen würde. In unserer Zeit, die so arm an religiösem Bekennermut ist, müßte ein solcher Schritt geradezu erlösend wirken und zu einer Regeneration des Protestantismus führen. Umso bester daher, wenn das rheinische Konsistorium den ^Fall Römer" noch durch einen „Fall Traub" verschärfen will. Ob aber der Oberkirchenrat in Berlin nach dem „Fall Fischer" nicht denken wird: „Dieser Traub ist mir zu sauer */"
Politische Tagesschart.
Monarchenbegegaungen.
Der Pariser Figaro brachte kürzlich wiederum die schon 'wiederholt abgeleugncte Nachricht, daß zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren eine Zusammenkunft in Björkö für Mitte August vereinbart worden sei. Wegen der seine Anwesenheit in Peterhof erfordernden dringenden Staatsgeschäfte hätte der Zar die vom 16. d. Mts. datierte Einladung des Kaisers mit dem Ersuchen um Aufschub bis Mitte August beantwortet. Deingegenüber erfährt der Berliner Lok.-Anz., daß von einer Zusammenkunft keine Rede mehr ist, da der Zar positiv erklärt hat, daß er nicht außer Landes gehen könne.
Es liegt eine gewisse Absichtlichkeit darin, daß französische Blätter immer wieder den Kaiser mit dem Zaren zusammenbringen wollen. Es soll den Eindruck Hervorrufen, als habe der Kaiser doch auf die jüngsten Entschließungen in Rußland durch Raterteilung Einfluß ausgeübt, und als wolle Nikolaus II. in vertraulichem Gespräch sein Herz ausschütten. Für jede rückschrittliche Maßregel in Rußland wird .Berlin" mitverantwortlich gemacht. Das ist bequem, französischen Lesern so etwas vorzureden, weil sie es gern glauben. Man kann auch den teuren russischen Verbündeten schonen, wenn man um so eifriger auf das .barbarische Deutschland" schilt.
Was den Besuch König Eduards bei Kaiser Wilhelm betrifft, so wird schon jetzt von London aus der .private Charakter" der Höflichkeit bemerklich genug betont._____________________________________________
Mrche rind Schule.
§ Wetterseid, 30. Juli. Vorige Woche tagte hier die Synode des Dekanats G r ü n b e r g. Im Eröffmmgs- gottesdienst predigte Pfarrer Nies- Ettingshausen über 2. Körr. 9, 6—15, indem er aus den diesmaligen wichtigen Hauptverhandlungsgegenstand, die Innere Mission und die notwendige Mitarbeit aller daran himvies. Nach Konstituierung der Syiwde verlas Dekan Wagner den Bescheid der Kirchenbehörde über die Syuo- tkScherhandlungen des Vorjahres unb. erstattete sodann den üblichen
Jahresbericht des Dekanats-Ausschusses über den kirchlichen, und sittlichen Zustand des Dekanats in 1905 an der Hand einer ^statistischen Uebersicht, in der diesmal zur Vergleichung die Durchschnittszahlen für den Zeitraum der letzten fünf Jahre angegeben roartta. Leider ist eine stetige Abnahme des Kirchenbesuchs auch hier zu verzeichnen, während ersreulicher Weise eine ebenso stetige Zunahme der Zahl der Abendmahlsgäste, sowie der Gaben christl. Liebestätigkeit um rund 9000 Mk^ d. i. von 50 auf 82 Pfg. pro Kops der Bevölkerung festgestellt werden konnte. Auch die Berichte der Dekanatsvertreter für innere und äußere Mission wiesen auf ein erfreuliches Wachsen der Arbeit und des Interesses im Dekanat hin. Tie Zahl der durch den Erziehungsverein untergebrachten Kinder ist aus 130 gestiegen und darf man mit dem Erfolg der Arbeit recht zufrieden sein. Auch die Missionsgabeu sind von 1300 auf 2200 Alk. gestiegen. Ta diesmal feine Wahlen Vorlagen, so hatte man umsomehr Zeit, sich mit dem eigentlichen Thema zu beschäftigen. Pfarrer BrähS, der Vereinsgeistliche für Innere Mission in Darmstadt, gab in seinem ausführlichen, sachkundigen Referat übet den Wert der Inneren Mission auf dem Lande der Synode einen Einblick in die weitverzweigte Arbeit der Inneren Mission überhaupt und betonte ihre Notwendigkeit und mit sachgemäßer Beschränkung die Möglichkeit ähnlicher Betätigung christ- iicher Nächsteiiliebe aus dem Lande. Der Korreferent, Pfarrer Ahlheim-Müuster, hob vom Standpunkt des praktischen Pfarrers die Schwierigkeiten hervor, die in den veränderten Verhältnissen der Landgemeinden begründet sind. Eine längere Diskiission schloß sich an, in denen von bereits gemachten praktischen Versuchen berichtet roerben konnte. Ein schöner Abschluß war die an die Synodalen gerichtete Mahnung, nun auch ihr Interesse an der Inneren Mission durch Beitritt zum Verein zu betätigen, die aus srticht- baren Boden fiel. Alle geistlichen und jetzt auch der größte Teil der weltlichen Mitglieder gehören ihm jetzt an. Ein besonderes Jahresfest, das die Gemeinden, wie seither über die Heidenmission, so künftig damit alternierend, alle zwei Jahre über Innere Mission orientieren wird, ist in Aussicht genommen. Mit geineinsamen Gesang wurde dann um */,2 Uhr die Synode nach ihrem ofsizielleu Teil geschlossen.
„Aas sittliche Recht des Krieges."
Unter diesem Titel hat soeben der frühere Gießener, jetzige Göttinger und zukünftige Hallenser Theologie-Professor Geh. Kirchenrat D. Ferd. Kattenbusch eine Broschüre bei Töpelmann in Gießen erscheinen lassen, die uns gerade jetzt nach dem interparlamentarischen Londoner Friedenskongreß und angesichts der zweiten Haager Konferenz als Meinungsäußerung eines hervorragenden Theologen doppelt bemerkenswert erscheint, so daß wir das wesentlichste aus ihr unter Anlehnung an seinen Wortlaut hier wiedergeben wollen.
Zu diesem Thema angeregt wurde Prof. Kattenbusch durch die Schrift eines sonderbaren Kauzes, die den Titel führt: .Die Verweigerung des Heeresdienstes und die Verurteilung des Krieges und der Wehrpflicht in der Geschichte der Menschheit." Der Verfasser, Dr. Herniann Wetzel, teilt zum Schlüsse das' Schreiben mit, das er an die Ersatzkommission in Potsdam gerichtet hat, um ihr mitzuteilen, daß er unter keinen Umständen sich als Soldat werde ausbilden lassen. Er schreibt:
Ich habe es als meine höchste Pflicht erkannt, nach . . . dem durch meine praktische Vernunft erkannten Sittengesetz zu (eben . . . (und) halte es für meine Pflicht ... in allen meinen Handlungen . . . meinen Mitmenschen, allen ohne Ausnahme, mit Liebe entgegenzukommen, ihnen aber nie und nimmer körperlich ober geistig Gewalt anzutun. Infolgedessen kann ich weder versprechen . . . den Befehlen eines ttoch das Rachegesetz bekennenden Menschen zu gehorchen, noch sonst irgend eine Handlung zu unternehmen, die aut die Schädigung eines Menschen abzielt, die aber als Soldat ununterbrochen von mir gefordert werden wurde . . .
Vorangeschickt hat Dr. Wetzel eine Blttmenlese von Aussprüchen alter und neuer, bedeutender und unbedeutender Männer, die das Unrecht und den Widersinn des Krieges behaupten. Von allen diesen Aussprüchen hält Prof. Kattenbusch nur einen verschwindend kleinen Bruchteil dec Beachtung wert. Er kommt dann aber auf Hegel und Moltke zu sprechen, diese beiden Rechtfertiger de§ Krieges, und gesteht zu, daß in dem Kriege zwar keineswegs .ein Gut zu sehen sei, vielmehr höchstens, und dies allerdings ernstlich, daß er viel sittlich Gutes in den Menschen erwecken könne. Es ist klar, so fährt er fort, daß ein Staat, der es seinen Burgern frei stellen wollte, der es jedem Einzelnen nach seinem Gewissen offen (affen wollte, Soldat zu werden oder nicht, zu dem alten Elend der Söldnerci zurückkehren müßte. Die nächste Wirkung einer unbedingten Rücksichtnahme auf den Gewiffensanspruch der Einzelnen, mit dem Militärdienst unbeschwert zu bleiben, wäre die Förderung der Gefahr des kriegerischen Barbarismus, nicht der Friedenshoffnungen.
Darf man Jemand .schädigen"? Das ist eine Frage, die garnicht so einfach ist, wie etwa Herr Dr. Wetzel meint. Ohne den persönlichen Willen der Schädigung setzen wir einander jeden Augenblick der Schädigung atis, ja treiben einander in lauter Gefahren. Oder heißt es nicht Leute immer wieder dringender Gefahr preisgeben, wenn wir sie als Lokomotivführer, als Arbeiter in maschinellen Großbetrieben, als Seeleute usw. usw. in Dienst stellen? Nein, davon haben wir uns nicht nur für uns selbst, sondern attch in dec Inanspruchnahme Anderer mit Kraft zu durchdringen, daß das Leben für uns Menschen nicht unbedingt das Gut der Güter ist.
Nehmen wir den besten, ehrlichsten Zweck eines Krieges, den wir uns denken können, den Zweck, das Vaterland wider brutalen Ueberfall zu schützen oder von fremden Eroberern zu befreien. Ist wenigstens dieser Fall sicher ein solcher, daß er uns ein freies Gewissen schafft, um den Jammer zu verantworten, den der Krieg bringen muß, dem Feinde bereiten will, dem eigenen Volke sicher nicht erspart? Wenn Schiller mit flammendem Worte bezeugt:
Nichtswiwdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre, können wir dann nicht die Frage auswersen: Ja muß es denn Nationen geben? r „
Da sind toir in eins der sublimsten und kompllzrer- testen ethischen Probleme hincingesührt. Das Problem, das hier auftaucht, ist das des Volkstums und ferner Werte. Es ist wohl nötiger, als viele zugestehen, die Frage nicht ern- sehlafen zu lassen, ob.her^Ko,srnop,»Ht,iSmms rundum
zum sittlichen Heile der Menschen im neunzehnten Jahr-^ hundert von einem so entschlossenen Nationalismus, wie wir chn jetzt allenthalben sehen, abgelöst worden sei.
Der Kosmopolitismus mündet nicht zufällig großenteils in den Anarchismus aus, der er-, scheint auch umgekehrt als Frucht des theoretischen Anari chismus. Tie theoretischen Anarchisten und ihr hyperidealistischer König, der ruf). Dichter Ewas Leo Tolstoi, ziehen immer eine Konsequenz nicht, nämlich die, daß sie nicht nur der Nation, dem Begriffe „Vaterland", sondern auch der Kultur das Ende predigen, auch sie auflösen zu wollen sich stark machen. Und doch würde ihr Sieg auf das Ende der Kultur hinauskommen. Denn volle und wirkliche Freiheit aller Individuen führt unfehlbar zu frevelhaften Hand-, tun gen, der Gier und Frechheit.
Das .Vaterland ist mehr als das Heimatland. Wehe dem Volke, das keine Heimat mehr hat! Wollen wir abep im Vollsinne vom Vaterland reden, so müssen wir sagen, es sei jener Inbegriff von persönlichen und sachlichen) Merten, den wir deutlicher als „unser Volk" bezeichnen^ dieses Volk, dem auch ein Land gehört, welches in seinem! Lande zu einer in dessen eigentümlicher Natur wurzelnden^ in der Geschichte fest gewordenen Eigenart^sichrentwickell hat, und welches das Glück hat, in seinem Lande selbst-, ständig und nach seinem Rechte zu leben.
Garrison, der bekannte amerikanische Schrift^ steiler, Vorkcnnpfer für Abschaffung der Negersklaverei und Friedensapostel, predigt den Friedensutopismus unter Anrufung von Christi Lehre. Er meint, daß zuerst Einzelne, die Glieder eines freien Bundes von Menschen erklärten, sie seien bereit, jede Feindseligkeit zu dulden und jedenfalls sich an keinem Kriege zu beteiligen. Die Lauterkeit und, Selbstlosigkeit ihrer Gesinnung müsse aber Eindruck machen. Mit der Zeit würden immer mehr Menschen sich zu ihnen gesellen, zuletzt vielleicht die Majorität eines Vol^s. Und dann werde sich im Großen wiederholen, was zuvor imi Kleinen geschehen. Auch andere Völker würden mitwillig werden, Gewalt zu leiden, statt Gewalt zu üben und der Gewalt mit Gewalt zu begegnen.
Dieser Utopismus entfernt sich doch Wahrlich soweit von aller Wahrscheinlichkeit des Erfolges, daß es^sich ernstlich fragt, ob es gestattet ist, zu einem solchen Experiment durch Zuwendung von Sympathie aufzumuntern. Dann aber ist es ein Irrtum, zu meinen, daß Jesus das Duldest wirklich die Methode der Liebe überhaupt genannt habe, er hat es nur die Methode seiner Liebe genannt. ,Des; Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Er^ lösung für Viele" (Matth. 20, 28).
Jesus, den wir wsie eine gar nicht in Raum' und Zell gestandene Persönlichkeit hinzimehimen haben, zu dem wir? als Christen in lebeUdiger innerer Beziehung stehen in jeder Gegenwart, versteht unter dem „nicht widerstreben" (Matth. 5, 39) mehr als ein gedankenloses Dulden. Mjast soll vielmehr den Gegner ,innerlich zu beschämen versuchen^ nicht, um daran eine Form von raffiniert geistiger Rache sich zu schaffen, sondern um den Gegner umzustimmen. Daß das Jesu Gedanke ist, werden wir unter anderem daraus! ableiten dürfen, daß er selbst Hernach, als er bei seinem Verhör von einem Diener des Hohenpriesters auf eine Backe geschlagen wurde, nicht nach feinem Worte in der Bergpredigt gehandelt, sondern das betätigt hat, was ein rechter Versuch des Beschämens und llmstimmens war: Habe ich übel geredet, sagt er jenem Diener, so beweise es, dast es böse fei; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich? (Joh.> 18, 23). Das wird niemand Mtders bezeichnen denn als! ein „Nichtwiderstreben", ein Dulden, aber eben kein gedankenloses, zielloses. Mle Art von sittlichem Verhalten^ auch das gegenüber der Bosheit, Rechtchaberei, Begehrlichf- keit geforderte „Nichtwiderstreben", macht er als wirklicher Pflicht verständlich aus einem Zielgedanken, der ihm überall) leuchtete und von dem' er verlangte, daß er auch drn ©einigen^ überall leuchte. Das aber ist der Gedanke, Allen zu helfest und Alle zu fördern. Denn das ist das Wesen der Liebe.
(Schluß folgt.)
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 1. Aug. 1906.
** Achtung, Strafporto! Mit dem letzten Juli lief die von der Reichspostverwaltung zugegebene Uebergangszeit ab, in der für ungenügend frankierte Ortspostkarten nur die Portodifferenz nachzuzahlen mar. Von heute ab kosten also mit nur 2 Pf. frankierte Postkarten auch im Ortsverkehr Strafporto.
DaS Jahresfest des Westerwald-Klubs findet am 11. und 12. August 1906 zu Dillenburg statt. Am Samstag, 11. August, erfolgt um 6 Uhr nachmittags der Abmarsch zur Adolfshöhe C/$ Stunde). Hier wird ein Imbiß dargeboten von der Oranien-Bierbrauerei. Um 9 Uhr beginnt ein BierkommerS mit Musik im Hotel zur alten Post unter Beteiligung von drei Gesangvereinen. Am Sonntag, 12. August, morgens 8L/, Uhr ist zunächst ein Spaziergang vorgesehen, dabei die Besichtigung des Landgestütes und des WilhelmsturmeS (x/s Stunde Marschzeit), 9</a Uhr am Wilhelmsturm Imbiß, dargeboten von der Bierbrauerei Haubach; 10l/2 Uhr Frühschoppen in der Gartenwirtschaft zum Schloßgarten; ll,/2 Uhr Generalversammlung im Schloß- garten-Nestaurant; 21/* Uhr Mittagessen im Kurhaus (trockenes Gedeck 2 Mk.), daran anschließend Konzert im Kurhaus. Der Westerwalo-Klub wurde am 6. Mai 1888 von vier Verschönerungs-Vereinen gegründet. 1902 gehörten ihm 24 Vereine an, heute 59. Fast ausnahmslos gehören ihm sämtliche Verschönerungsvereine zwischen Rhein, Sieg, Heller, Dill und Lahn an. Korporative Mitglieder sind außerdem 23 Städte, darunter Köln, Bonn, Wiesbaden, Gießen, Loblenz, Siegburg, 5 rheinische Landbürgermeistervereine, 107 Landgemeinden und 230 Einzelmitglieder. Eine neue Wanderkarte ist soeben im Drttck und erscheint in den nächsten Tagen. Ste enthält die Hauptwanderungen, welche der^ Westerwald-Klub durch das ganze Klubgebiet auszeichnen^


