Ausgabe 
1.6.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 127

Erscheint tiglifi) mit Ausnahme des SmmlogS.

Die ..Eichener Lamllttnblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegl. .Ter »hesfischr canvwtrt" ericheinl monatlich einmal.

Zweites Blatt 150. Jahrgang

Giehener Anzeiger

Freitag 1. June 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UnwerstlätSdruckerei. 91 Lang», Gieße».

Redaktion. Expedition u.Druckerei: vchulftr-K, Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr.: Anzeiger Gieße».

Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzergeblatt für den Kreis Gießen.

Aer Simplontunnek.

Wo ein Wille ist, da ist Mich ein Weg. Dieses alte Wort tapferer Energie erhält einen neuen Körper durch die mit allen Mitteln geistiger Ucberlegenheit und zäher Tatkraft dem stumpfen Widerstande der Natur abgerungenen Welt­straßen, die sich in unseren Tagen vor der erstaunenden Menschheit auftun. Durch ein Werk wie der Simplon-Tunncl, dessen Eröffnung und Einweihung in diesen Tagen auf dem Schweizer Boden mit einem vollberechtigten Jubel gefeiert wird, vier hat in der Tat wieder einmal ein eherner Wille durch das Innere der ividerstrebenden Erdmafse einen ehernen Weg gezogen, dessen Entstehung und Durchführung die kühnsten Träume vergangener Zeiten überbietet. Durch den Wall, der Mitteleuropa vom Süden trennt, ist ein neues gewaltiges Tor geschlagen, das den raschen Verkehr der Menschen und Güter in neuem befruchtenden Strome hindurchläßt. Wie der Gotthard und der Mont Cenis, ist nun auch der rauhe Simplon im Westen der ungeheuren Gebirgskette bezwungen, und wo einst die Kriegerscharen Napoleons mit unsäglicher Mühe auf steilen und gefahrvollen Pfaden durch eine Felsen- wildniS einen Uebergang gewannen, der als eine vereinzelte wunderbare Tat der aufgestachelten Energie galt, öffnet sich dlirch <bie gewaltigsten Hindernisse hindurch eine gebahnte Straße, die aller Welt eine sichere regelmäßige und rasche Verbindung ermöglicht.

Die Angehörigen dreier Kulturstaaten haben an dem mächtigen Werke mitgearbeitet. Willig und neidlos wird einem Deutschen, dem Hamburger Ingenieur Brandt, dem leider nicht mehr unter den Lebenden weilenden Manne, der den Plan der großen und kühnen Arbeit vorzeichnete, die Palme des höchsten Sieges gereicht. Aber mit ihm teilen sich deutsch-schweizerische und italienische Ingenieure in den Ruhm deS technischen Werkes, und Tausende von italienischen Arbeitern haben ihrer Geschicklichkeit, Zähigkeit und Tapfer­keit in dem neuen Weltwunder ein Denkmal gesetzt. Wohl tritt heute die geistvoll ersonnene Maschine für den ungeheuren Verbrauch an Menschenkrast ein, der ehedem die trägen Mafien häufte, wohl sind heute die ungeheueren Naturkrafte, auch die zerstörenden, deren Walten man einst müßig und bewundernd mitansah, in den Dienst des aufbauenden und verbindenden

Menschengeistes gestellt. Aber mit diesen Errungenschaften wuchs auch die Kühnheit der Aufgaben, die die Entdecker und Pfadfinder sich setzten, mit der Hilfe der Maschinen, die die Naturkräfte zähmen und verwerten, auch der Anspruch an die Intelligenz, Gewissenhaftigkeit und Zucht der menschlichen Arbeitskräfte, die den großen Plan verwirklichen. Erstaunlich ist das neuerdings von diesen Kräften Geleistete. Mehr als fünf Jahre wurde in harter, beschwerlicher und wohl auch gefahrvoller Arbeit mit dem Bergmassiv gerungen. Die Löcher der zahllosen Bohrungen ergeben, wie die ,Voss. Ztg." erzählt, einen Weg von der Länge einer Straße durch Mittel­europa, und immer wieder stieß man bei dem gewaltigen Unternehmen auf unerwartete Hindernisse, die das Geröll und das hervorsickernde unterirdische Wafier bereiteten, auf Ueber- raschungen, deren unheilvolle Wirkungen nur durch Mut und Geistesgegenwart, durch erfinderische Technik und heroische Arbeit zu bewältigen waren. So war wohl selten eine Sieges­feier berechtigter als die große Siegesfeier an dem neueröff­neten Simplon-Tunnel.

Die Durchquerung deS Simplon schafft zunächst einen neuen kurzen Weg zwischen der südwestlichen Schweiz und Italien, der dem Verkehr und dem Austausch der Güter neue, noch nicht übersehbare Vorteile verheißt. ES ist das Typische solcher großen, bahnbrechenden Werke moderner Technik, daß ihre Bedeutung über den ursprünglichen Plan hinaus wächst, neue Bedürfnisse und Pläne anregt und immer größeren Kreisen zugute kommt. Schon denkt man in Frankreich daran, durch eine kurze Verbindung mit Marseille den neuen Weg nutzbar zu machen, schon plant man in der Schweiz eine Bahn über den Wildstrubel oder über den Lötschberg, die rascher an den Simplon heranführt, und wenn das zuletzt erwähnte Werk durchgesührt wird, ist auch für einen großen Teil Deutschlands eine neue raschere Ver­bindung mit Italien gewonnen.

Aber über diese nächsten greifbaren Vorteile hinaus er­füllt ein Kultursieg wie die Vollendung und Eröffmmg deS Simplom-Tunnels jeden denkenden Menschenfreund mit Stolz und Befriedigung. Der Mensch wächst nicht nur mit seinen größeren Zwecken, sondern auch mit den großen neuen Mitteln, die der Geist für solche Zwecke ersinnt und schafft. Mit dem Werk zugleich ist eine bewußte Erweiterung der Kräfte, ein gesteigertes Selbstvertrauen, ein erhöhter Mut für jede Er­füllung einer großen, der Menschheit dienenden Aufgabe ge­wonnen. Und wenn man von dem modernen Heereswesen mit Recht sagt, daß es neben seiner nächsten und größten Aufgabe des nationalen Schutzes und der wehrkräftigen Ver­teidigung auch eine Mission der Volkserziehung erfülle, so gilt das in mindestens ebenso hohem Grade von einem tech­nischen Kulturwerke, in dem sich Tausende und Abertausende vereinen, um nut Ausdauer, Disziplin und bewußter Willens- stärke dem kategorischen Imperativ der Pflicht und den Feld- herrngeboten der Erdbezwinger zu gehorchen.

lieber bem technischen und »wirtschaftlichen Erfolg aber schwebt eine hohe ethische Befriedigung, die such- über die ganze zivilisierte Welt verbreitet. Jede neue Weltstraße ist eine neue Bürgschaft des Friedens und des gesteigerten Solidaritätsgefühls unter de^ Völkern. Das Weltbürgertum, dessen Ideen daS gan.^ achtzehnte Jahrhundert erfüllten, ist durch den <?tnn für historische und natürliche Entwicklung un letzten Sakulum nicht überwunden, aber znrückgedrängt, in gewissem -^mne geistig vertagt worden. Tie wachsende Erkenntnis, daß das Emporstreben der Menschen sich stufenweise aus demBoden der slrationen vollzieht, und daß jedes Volk zunächst aus

seinem Grimde für Zusammenfassung der Kräfte, wirt­schaftliche Erstarkung und Erhöhung der geistigen Kultur zu sorgen hat, ehe an die Krönung des Menschheitsgebäudes gedacht werden kann, hat den Wert iniprovisierter Verbrüder­ungsfeste und flüchtiger sanguinischer Wallungen, die über aHe realen Bedingungen der Entwicklung hintvegrauschen, stark herabgedrückt. Tie kosmopolitischen Ideen wurden auf den längeren Weg der gegliederten Arbeit, der allmählichen Verständigung im erkannter: gemeinsamen Jiiteresse, der langsamen Erziehung der Massen zur Friedlichkeit u.nd Vor­urteilslosigkeit verwiesen. Auf diesem längeren Woge schreitet fynilc die angewandte Wissenschaft, der wir die großen technischen Werke verdanken, voran. Sie vereinigt in zielbewußter Arbeit und genieinsamer Pflichterfüllung die Angehörigen verschiedener Nationen, schasst Wege und Wohl­fahrtswerke, an denen die Völker gemeinsamen Anteil habeii, und rückt die Länder so nahe aneinander, daß die Menschen die Gemeinsamkeit ihrer Interessen und Bestreb­ungen ernennen, daß sie darauf angewiesen sind, einander hilfreich beizustellen, sich durch gegenseitige Ergänzung so­zialer Fürsorge verbinden und zuletzt, in der gesteigerten Wechselwirkung der Geister und Gemüter, einander besser verstehen und inniger schätzen lernen. Mit jedem bezwungenen natürlichen Hindernis,das dir Menschen trennt, fallen Mauern des Vorurteils, dos Mißtrauens und der Verkennung, mit jeder abgekürzten Straße zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West, ist ein neues Glied für die Kette des Ein­verständnisses gewonnen, die die höher entwickelten, arbciis-, erkenntnis- und bildungsfreudigen Menschen aller Nationen verbindet. So ist ein Werk wie der Simplon-Tunnel auch eine, große Errungenschaft der geistigen Freiheit, des schaffenden Völkerfriedens und jenes ^menschlichen Soli­daritätsgefühls, das die Erde erst recht zur Heimat der Menschen macht.

Die Technik, die solche Werke vollendet, hat man ehedem gern zur Dienerin der theoretischen Wissenschaften gemacht. Heute kann man von ihr sagen, was Kant stolz bescheiden von der Philosophie sagte, die man der Theologie unter­ordnen wollte:Sei's darum; aber sie ist nicht Die Magd, die die Schleppe trügt, sondern die Magd, die die Fackel vorantragt/' So ist sie auch in diesen Tagen wieder licht- bringend vorangegangen, und die Ku1turmenschheit erholt und erhebt sich beim Anblick ihres herrlichen Werkes von manchen trüben Erfahrungen und Eindrücken nicht nur zu flüchtigem Triumphe, sondern zum dauernden, ermutigenden Bewußtsein einer Kraft, die dunkle Gewalten bezwingt und den edlen, befreienden und schaffenden Trieben aller Völker neue Wege der Betätigung erschließt.

Das gigantische Werk, das am 13. August 1898 in An­griff genommen wurde, stellt den längsten Bergdurchstich dar, den es gegenwärtig auf der Erde gibt. Aber gegen­über kürzeren Bahnen hat der Simplon-Tunnel den Vorteil, weit niedriger als die anderen dllpentunnel zu liegen. Er befindet sich 765,2 Meter über dem Meeresspiegel, der Gotthard-Tunnel 1154, der Mont Cenis 1252 und der Arl­berg-Tunnel sogar 1311 Meter. Die Züge brauchen also nicht so hoch geschleppt zu werden, der Betrieb ist daher billiger. Je steiler und abschüssiger die Zufahrtsstrecken, desto geringer ist die Fahrgeschwindigkeit und die Sicherheit.

Von hoher Bedeutung ist es, daß im Simplon-Tunnel der elektrische Betrieb eingeführt wird. Es werden also alle Unannehmlichkeiten und Gefahren, die mit dem Betriebe längerer Tunnels durch Dampfzüge verbunden sind, Wegfällen. Z)vei elektrische Kraftstationen sind an den Aus­gängen des Tunnels angelegt, die den Strom der Lokomo­tiven durch zwei blanke Fahrdrähte zuführen, wahrend die Schienen die dritte Leitung darstellen. Bei der günstigen Lage der Stationen geht der Strom unmittelbar von der Maschine auf die Fahrleitung über. Irgendwelche Zu­leitung, Kabelspeisedrähte oder Transformatoren werden nicht beansprucht. An der Tunneldecke sind in Mständen von 25 Metern Querdrähte befestigt, an denen die Fahrdrähte aufgehängt sind. Auf den beioen Ausgangsbahnhöfen sind Vorrichtungen zum Auswechseln der Dampflokomotiven gegen die elektrischen Lokomotiven getroffen. Diese elek­trischen Lokomotiven sind überaus kräftig gebaut, dabei leicht und klein. Sie sind 12p?, Meter lang und wiegen 62 Tonnen. Während die Güterzüge eine Durchfahrtszeit von 40 Min. in jeder Richtung beanspruchen, beträgt die Fahrzeit für Personenzüge von Jselle nach Brig 30 Minuten, von Brig nach Jseue 20 Minuten. Dieser elektrische Betrieb wird, falls er sich bewährt und das ist wahrscheinlich Ver­anlassung dazu geben, daß dem elektrischen Betriebe ein weites Feld, zumal bei Pen Alpenbahnen, erobert wird. Es ist zu entarten, daß in Zukunft kaum mehr eine Alpenbahn ohne elektrischen Betrieb gebaut wird.

politische Tagesschau.

Dem Landesausschuß des freisinnigen Landesvereins für das Großherzogtum Hessen, der bekanntlich zur Frage der Stichwahl im Wahlkreis Darmstadt einen Beschluß ge­faßt hat. des Inhalts, daß erdie von dem Wahlausschuß der vereinigten Liberaler: bei der Darmstädter Reichstags­wahl eingenommene Haltung und die von ihm ausgegebene Stichwahlparole", gegen den Nationalliberalen für den So­zialdemokraten zu stimmen, billige, schreibt die parteioffi­ziöseFreie Deutsche Presse":

Einfreisinniger Landesverein für das Großherzog­tum Hessen" ist kein Glied der Organisation der Frei­sinnigen Volkspartei, sondern kennzeichnet sich selber als ausAngehörigen der drei linksliberalen Parteien", auch der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volks­partei zusammengesetzt. Maßgebend für die Haltung der Freisinnigen Volkspartei zu anderen Parteien sind die Be­schlüsse der Parteitage, vornehmlich des Parreitages zu Wiesbaden, dem zuwider die Darmstädter einen national- sozialen Kandidaten auf den Schild erhoben haben. In dem Beschluß des Wiesbadener Parteitages heißt es:Der Parteitag hält ein Zusamm.'nwir'en mit nalionalsozialen Elementen für eine politische Unmöglichkeit, gleichviel, welcher politischen Gruppe sie sich anfchließcn."

Zwei Bayern.

Ter Schatzietretär Fuhr. v. Stengel sucht in den bayerischen Bergen Gkmefung von dem Nervenleiden, das er sich in dem beschwerlichen Kampf um die Finanz- reform zuaezogen hat. Sehr fraglich ist es, ob der gleich­falls erkrankte Lcnchsmann des Schatzsekretärs, der daher. Zentrumsmann Abg. Tr. Heim, nochmals im Reichsparla- ment wird erscheinen können Bei ihn: scheint ein Nerven- yu f amlmcnbruch vorzuliegen, die Folge aufreibender agitatorischer Tätigkeit. In seiner Art war Dr. Heim ein markiger Kütmpe, wenn auch die bayerische Derbheit in der Regel mit ihn: durchging. Tas; diese beiden kräftigen Männer an den Nerven leiden, zeigt, wie schnell das mo­derne öffentliche Leben die Kräfte verbraucht.

Kirche und Schnle.

** Tie Landesversammlung des Hessischen Lanptvereins des Evangel. Bundes ward vom 10.12. Juni in Niedernhausen-Lichtender g statt- finden. Aus der Tagesordnung, die bereits fertiggestellt ist, entnehmen wir, daß Pfarrer Bolp aus Laubach i. O. die Festpredigt halten wird (Sonntag nachmittag). In der ?lbgeordnetenversammlung (Montag nachmittags wird Pfr. Hermann aus Nidda die Frage behandeln:Welche prak­tische Arbeit haben die Zweigvereine z:: leisten, um die Zwecke des Evangelischen Bundes zu fördern?" Bei der Mit­gliederversammlung (Dienstag nachmittag) wird das Thema: Der Jndifferentivmus, der beste Bmioesgenosse Roms" behandelt toerden. In den öffentlichen Abend Versammlungen sprechen die Pfarrer Heyl von Reichelsheim, Krämer von Groß-Bieberau und Kopfermann von Caub a. Rh. Alle Mitglieder und Freunde des Evangel. Bundes seien auf diese Tagung aufmerksam gemacht. Freiguartiere in Privat­häusern, sowie Gasthäusern, sowie Gasthofsquartiere ver- mittelt Pfarrer Vogt in Niedernhausen.

IColoitialpofh

Die Arbei ternot auf den Plantagen Deutsch-Ostafrikas, hervorgerufen durch den Auf­stand, den Bahnbau und durch d:e Verschiebung des Ver- fcfir§ im Seengebiet nach der englischen Ugandabahn hin, bildete den Gegenstand der Verhandlungen des Kvlonial- wirtschaftlichen Komitees und führte zu dem Beschluß:

1. seinen ständigen Kommissar für Deutsch-Ostasrika, John Booth, nach den Bezirken Ussnkuma und Unianfr wesi zu entsenden, um Erhebungen über die Möglich­keit einer geregelten :md dauernden Drbeiterbeschaff- ung aus diesen Gebieten anzustellen;

2. die Frage der Beschaffung geeigneter Arbeiter aus fremden Ländern durch Vertrauensmänner gelegent­lich ihrer Amvesenheit an Ort und Stelle zu prüfen;

3. das gesammelte Material der Kolonialverwaltmrg und den Sntercffenten zur Verfügung zu stellen.

Die Freilassung der Akwa-Häuptling e. Soeben ist aus Duala (Kamerun) die Nachricht cingctroffen, daß King Akwa und die Häuptlinge, die in Unter­suchungshaft zurückbehalten waren, frei sind. Der Richter! des sog, unparteiischen Gerichts war Dr. Hetzel.

Neue Verluste in Südwcstafrika.

Berlin, 31. Mai. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 23. Mai im Gefecht westlich von Springpultz gefallen: Sergeant Otto Boas und die @efreuen Adolf Schröder und Nadicke. Schwer verwundet: Leut­nant Ulrich von Kalckreuth, geboren zu Berlin, früher 3 nfan ter i er egimen t Nr. 24, die Unteroffiziere Leop. Weber und Karl Droste, (befreiter Karl LewaÜ), die Reiter Karl Friedrichsen, Heinrich Brück, geb. zu Aßlar, Schuß in die linke Schulter, Gerhard Bielke, Joh. Springwald, Robert Mahl, Myrezick. Leicht verwundet die Unteroffiziers Karl Ilse unb Wilh. Springer, die Gefreiten Alfred Dum- mel und Friedrich Kirsch, Reiter Feliz Schubert. Am 23. Mai bei Dakaibleicht verwundet: Vizefeldwebel Alexander Eschbergern, Unteroffizier Paul Göckel. Am 25. Mai 1906 bei Nukais schwer verwund et: Gefreiter Paul Howey. Leicht verwundet: Leutnant Georg Zollen- kopf, geb. zu Zittau, früher Kgl. Sächs. Fuß-Art.-RegP, Nr. 12, die Reiter Paul Beyer, Poßckel, Gläser. Den Wunden erlegen: Reiter Karl Friedrichsen. Fenrer: Gefreiter Ed. Globig am Herzschlag gestorben, Reiter Georg Treuschel an Typhus gestorben.

Aus SiaOt rrno £atto.

Gießen, den 1. Juni.

** Fahrkarten st euer. Die Amtsblätter d^r Eisen» bahndirektionen enthalten die offizielle Mitteilung an die beteiligten Dienststellen, daß die Erhebung der Fahrkarten-- steuer am 1. August d. I. beginnt Von diesem Tage an wird also für jeden zur Ausgabe kommenden Fahrausweis erster, zweiter und dritter Wagenklasse, deren Preis 60 Pfg. unb mehr betragt, die Steuer er­hoben. Sie wird in den tarifmäßigen Fahrpreis einge­rechnet, so daß auf den Fahrkarten Fahrpreis und Steuer in einen: Betrage erscheinen.

**DasPhotographirendes Nied erd en km als ist nicht verboten entgegen den dort angebrachten Bekanntmachnngen. Im Reichstag interpellierte über dieses Verbot an: Freitag Abg. Dr. Drahlem den Staats­sekretär. Unterstaatssekretär Wermuth erwiderte: ^Das Reich hat ein solches Verbot nie erlassen; es bestand nur zeitweise ein Verbot vom Forstfiskus, das umliegende Ge­lände zum Zweck des Photographierens zu betreten. Dieses Verbot ist inzwischen aufgehoben." Das ist ja die Hauptsache. Nicht richtig aber ist die Behauptung des Unterstaatssekretärs gewesen, denn die Bekannt­machungen in der Umgegend des Niederwalddenkmals enthielten nur das Verbot, das Monument zu photo­graphieren, und auch das bestand nichtzeittveise", sondern seit Jahrzehnten.

Vetzberg, 1. Juni. Heute begeht der Straßen- wärter Joh. Mohr sein 25jähcigeS Dienstjubiläum.