Ausgabe 
1.5.1906 Zweites Blatt
 
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Nach drei Jahren (!) erst wurde dem demütigen Bitt­steller der Titel einesKönigl. Polnischen und Churfürstlich Sächsischen Hofkornpositeurs" in der Tat zuteil. Welch ein schneidender Gegensatz zu der gewaltig überragenden Stell­ung, die in den Augen der Nachwelt der zu einem der er­habensten Geistes fürsten emporgewachsene schlichte Thomas- kantor entnimmt!

In der zur Zeit im groben Saale deS Frankfurter Rat­hauses veranstalteten Constantin Mcnnier-Gcdächtnis- ÄuSstcllung sind seitens der Stadt Frankfurt a. M. die beiden überlcbciisgvoßen gewaltig imposanten Skulpturen des Meisters,Sämann" und Lastträger" in Bronze angckauft worüm.

Ter Schriftsteller W i l 1 V R a t h, früherer Feuill.-Rcdakt. desFrkf. Gen.-Anz.", ist von der Direktion Dumont-Lindemann für das Düsseldorfer Schauspielhaus verpflichtet worden.

Wilhelm Polstorff t. Am 30. April ist der be­kannte lmnwristische Schriftsteller Wilhelm Polstorsf, 62 Jali-re alt, in Berlin gcswrbeir. Der markige Mann ist erneut schweren Leiden erlegen, das im letzten Jähre seine K'raft verzehrte. Pols- torff war alsGelehrter des Kladderadatsch" dem Namen nach nicht sonderlich vielen bekannt, aber sein frischer Geist hat viele Tausende ergoßt, die int Kladderadatsch nickt nur den politischen Witz, sondern auch den behaglichen Humor zu schätzen wußten. Seit mehr als 30 Jahren regelmäßiger Mitarbeiter des heiteren Blattes, trat er 1883 in die Redaktion des Kladderadatsch ein, in der er bis an sein Ende produktiv tätig gewesen ist. Wilhelm Polstorff war der Typus des kernigen, unbeugsamen, stark- geistigen Niedersacklsen. Ein Pastorssohn aus einem hannöver­schen Kirchdorf, das auch Kirchdorf hieß, wurde er 1843 geboren. Nachdem er in- Göttingen sein Philologiestudium vollendet hatte, würde er Gym^iasiäNehrer in Hannover. Tort Wählte er zu seinen Schülern auch die späteren Tickter Wilhelm Mener-For'ter und Otto Erich Harileben. Im Kladderadatsch wurde er der Meister der poetischen Epistel, die in eleganten fünffüßigen Jamoen die Schwächen der Zeit durchmusterte. Polstorsf war mehr als ein humoristisch^ Talen i. er war ein Charakter. Mannhaft trat er, der Majorität trotzend, und über den Parteien stehend, für seine Ueberzeugung ein, und er hat nicht nur mit der Feder,

sondern auch mit der Waffe dafür gekämpft. Nock ist das durch einen Kladderadatsch-Artikel veranlaßte Duell in der Erinner­ung, das er mit dem Geh. Legationsrat von Kiderlen-Wachter aus­focht und in dem er schwer verwundet wurde.

In Königsberg i. Pr. starb Emil Krause, der nahezu 40 Jahre der altenHartungschen Ztg." angehört, ihr Feuilleton geleitet und als Nachfolger GottschallS und Wicherts die Theaterkritik ausgeübt hat. Sein Urteil war daö Urteil der ganzen Provinz, die Stücke, die Schauspieler, die er ablehnte, waren für Königsberg und Ostpreußen unmöglick. Was seinen Einfluß noch vermehrte, was selbst die Gegner seiner Anschau­ungen (er kämpfte allezeit für klassische Schönheit, entwaffnete und zur Anerkennung zwang, das war sein Stil, die edle klare Form seiner Diktion, das Dichterische seiner Sprache, die nie hohl klang, nie geistreich sein wollte und dennoch so voll Geist war, anmutig, zart und in seltenen Bildern aufleuchtend. Emil Krause ist, trotz seiner 62 Jahre, nie reckt aus Ostpreußen her- ausgekommeu. Aber mit ihm ist einer der Besten aus der deutschen Journalistik dahingegangen, einer, der bewiesen hat, daß man nack Schönheit und Adel und künstlerischem Leben ringen und dennock zugleich mit der Arbeit für eine Zeitung verwachsen sein kann, derart verwachsen, daß erst die Vorboten des Todes den Widerstrebenden aus den Redaktivnsräumen^ zwangen.

D i e Mailänder Ausstellung, von der außer­ordentlich viel Anziehendes gemeldet wird, ist dieser Tage voM italienischen Königspaare feierlich eröffnet worden. Auch der König von Belgien hat sie bereits wiederholt besucht. Bei dem Besuch des Königs Viktor Emanuel am Montag waren vor dem deutschen Pavillon in der Llusstellung der Lustsckiffer- abteilung zwei Feldwebel der Abteilung als Ehrenfwsten ausge­stellt. In dem Saale war die offizielle d e u t s ch e D e l e - gation versammelt, anihrer Spitze Ministerialdirektor v. Körner, dessen sich der König von den Handelsverträgen her erinnerte. Generalkommissar Baron von Herff hielt eine kurze Ansprache und überreichte den deutschen Ausstellungskatalog int Prachtband. Ter Kätalog, in italienischer Sprache abgesa'T iit ein Kunstwerk deutscher Vuckdruckerci und Buchbinderei. 2 ie Baronin Hersf überreichte dem Könige ein Blumenarrangennut. Besondere Aufmerksamkeit schenken die Besucher der Ausstellung, der Firma Krupp.

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1906

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9h?, 101 Zweites Blatt 156. Jahrgang

Erscheint tltzllch mitAuSnahme der Sonntags. ® . T. <>v Z, AA

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»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der $ Bi Vk, D B >8! Q A H SLä &

^rs fische Lavdwltt" erscheint monatlich einmal. v V «JE " H v ▼▼ vH

Dienstag 1. Mai 1906

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Dietzen.

Redaktion, Expedition ^Druckerei: Schulstr.V.

Del. Nr. 6L Delegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

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-ReisegefchäU, «eilte, die t>xve Reilenben .acnb bch'Ulm) oüerPrompon. cn mit besserem LihreMtz 585 an Rudolf a. M. sende».

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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

aber zeigte sich betroffen durch das Vorgehen des Abg. Speck. Er sprach bekümmerten Tones von einer Erschütter­ung des mühsam zustande gebrachten Kompromisses. Das Beispiel des Zentrumsmannes könne leicht die anderen Parteien zur Nachahmung reizen, und wie solle da die Finanzreform unter Doch und Fach gebracht werden?

Diese Ernte zu erschweren, ist obendrein die Sozial­demokratie eifrig beflissen. Sie schickte noch in später Stunde einen Redner vor, Abg. Stolle, und reichte gleichzeitig zwei Anträge auf namentliche Llbstimmung ein, denen morgen stattgegeben wird. Dre Beschlußfähigkeit des Hauses wird jetzt noch manches Mal derart auf die Probe gestellt werden.

die Abfälle wieder zur Viehfütternng auszukailleu. Nach der iit der Kommission ausgearbeiteten Staffelung würden die kleinen und mittleren Brauereien nicht die Steuer auf die großen Brauereien abzuwälzen brauchen, sie würden auch weiterhin gegenüber den großen Brauereien konkurriren können.

Abg. Gamp (Rp.) Tie Berliner Brauereien traten so lebhaft gegen die Steuer aui. Ja, warum heben sie damt nicht zuerst ihre Berliner Steuer aus. Tie bayrischen Abgeordneten treten in ihrer Kammer für eine hohe Brausteuer ein. Wie käme es, daß sie stell hier gegen die Steuer wendeten? Ich glaube, es spielen dabei noch Gründe mit, die hier nicht ausgesprochen werden.

Abg. Dr. Pachnike (fr. Vg.-: Der Staatssekretär hat den Beratungen der Kommission seine Anerkennung gezollt. Nun, wenn sich diese Anerkennung auch auf das beziehe, was die Kömmissivn beschlossen hat, so seien die Ansprüche deS Staats­sekretärs wirklich sehr gering. Sckon jetzt locrbc das Bier in bofoem: Maße als Steuerobjekt benutzt. Von einem großen Unterschiede zwischen großen und kleinen Brauereien könne man,unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr sprechen. Sei die Steuer nicht abwälzbar, so sei sie eine Steuer für einzelne Gewerbegruppen, die dem Grundsatz einer Gleichmäßigkeit einer Steuer widerspreche. Sei sie aber abwälzbar, so sei sie eine Verbrauchssteuer. Sckon jetzt seien Preis-Könventionen in Berlin, Frankfurt a. M. und anderen Städten erfolgt. Zu diesem Schritt seien die Brauereien gezwungen, wenn sie nicht eine zu große Einbuße an ihren Dividenden erleiden wollten. So lange die Möglichkeit einer rationellen Besteuerung noch offen stehe, werde seine Partei sick gegen eine solche Steuer wehren.

Finanzminister Frhr. v. Rbeinbaben führt aus, daß das Bier schon jetzt außerordentlich hoch besteuert werde, diese Behauptung des Vorredners treffe nicht zu. Der Molwl int Branntwein sei jetzt schon viermal so hock besteuert, wie der im Bier. Das Bier sei wohl in der Lage, eine erhöhte Steuer zu tragen Für das Mer würden von der deutschen Bevölker­ung pro Jahr 1340 Millionen Mark ausgegeben. In Süd- deutschland sei dock) die Vrausteuer durchführbar gewesen, ohne daß eine Erhöhung der Dierpreiie notwendig war. Warum solle eine solche in Norddeutschland nickt durchführbar fein. Man habe berechnet, daß die Erhöhimg pro Liter nur einen halben Pfennig auSinache. Was wolle dieser halbe Pfennig gegenüber dem großen Schanknutzen bedeuten? Wenn die Brauereien jetzt den Versuck machten, diese Steuer auf das Publikum und die Wirte ab­zuwälzen, so würde er, Redner, dies Unternehmen für bedauer­lich halten. Der Antrag Speck bedeute eine weitere Abbröckelung der Biersteuer von etwa 4 Vs Millionen Mark. Bor dieser W- bröckelung warne er dringend, da sie es den verbündeten Re­gierungen um so schwieriger macke, die Annahme der Erbschafts­steuer aufrecht zu erhalten.

Abg. Speck (Zentrum) befürwortet seinen Antrag, der bic Staffelung des Steuersatzes etwas herabsetzen will ohne dem Zweck der Steuererhöhung selbst Ml-ruck zu tun. An dem Bestehen der mittleren imd kleinen Brauereien habe der Staat ein großes Interesse. .

Seitens der sozialdemokratischen Fraktion ist ein Antrag auf namentliche Abstimmung über § 3a und bett An­trag Speck eingegangen.

Staatssekretär von Stengel erklärt, in der fttotnnnfvon habe er darauf hittgcwiesen, daß eine Neuregelung der R ick- Vergütungen bei Ausfuhr von Bier in Aussicht genommen sei. Bon der linken Seite ist die Einführung direkter Reickssteuent beantragt ivorben. Dem stimmten die Parteien des Reichstages nicht zu. Ich will hoffen, daß wenigstens der Kvmmifsicmsanttag angenommen wird, der die Sätze der Vorlage ja schon herab setzt. Den Antrag Speck würde idi 'bitten, abzulehnen. Welche Folgen der Antrag für die ganze ReickMinanzreform nach sich neben würde, lasse sich gar nickt übersehen.

Abg. Bruhn (Deutsche Rp.) bemerkt, daß die Steuererhöhung auf die Gastwirte abgewälzt werden wird, sei nur natürlich. Wenn das Bier in irgend welcher Weise verteuert werden solle, werde der Schnaps-Konsum zunehmen. Er halte die Erhöhung der Biersteuer für eine ungerechte.

ALg. Stolle (Soz.l bemerkt, durch die geplante Steuer mürben bic Aktiengesellschaften in wenigen Jahren zu Grunde gerichtet sein. In Süddeutschland sei der Aufwand für die Brauereien wie für die Wirtschaften kein so hoher wie in Nord- deutschland, deshalb könne dort mich eine höheren Mansteuer getragen werden. Kein Gewerbe sei an sich so hock belastet wie das Wirtsgewerbe. Die Steuer nrusse deshalb auf die Kon­sumenten abgewälzt werden.

Abg. Wolf (wirtsch. Vg.) sagt, seine Freunde haben in der Kommission gegen bett § 3 Kt gestimint und sie würden daran feft- halteit, trotzdem sie mit der Staffelung einverstanden seien. Sie seien aber nickt geneigt, die msttleren und kleineren Brauereien noch mehr als bisher heran zu ziehen.

Hierauf erfolgt Vertagung. Der Präsident schlägt vor.

Aus dem Wcichstag.

- R. Berlin, 30. April.

DerKampf" um die neuen Steuern rückt der lEntfcheidung näher. Die Kommission hat ihre Arbeit im tzroßen und ganzen getan, eine Arbeit, von der das Volk -richt befriedigt ist, und die Regierung auch nicht, denn aus der vom Schatzsekretär über die von der Kvm- rnission bewilligten Steuern angestellten Berechnung geht hervor, daß die Regierung den Finanzbeoarfnoch nicht für ausreichend gedeckt hält. Auf mindestens 17 Millionen beläuft sich der Unterschied in den Voran­schlägen. Inwieweit der Reichstag geneigt ist, seine Be­rechnung es gibt auch unter den Parlamentariern sehr sachverständige Männer zu revidieren, wird die heute begonnene zweite Lesung der Steuervorlagen erkennen lassen. lEs durfte langwierige Debatten geben, und diese Aussicht regt nicht gerade an zu promptem Besuch der Sitzungen. Schon heute hatte sich eine ganze Zahl von Mgeordneten aus eigener Machtvollkommenheit Urlaub erteilt. Tas Bild wird sich wohl erst ändern, lvenn es zu den Abstimm­ungen tomnrt. Wie in der Kommission, so begann man heute auch im Plenum die Steuerdebatte mit der Erhöhung der Brausteuer. Vorweggenommen sei zunächst,daß derSchatz- sekretar Frhr. v. Stengel seine Brausteuerrede einleitete mit dem Ausdruck des DankeS an die Mitglieder der Kom­mission für die hingebungsvolle Arbeit, die ein gutes End­ergebnis der ganzen Finanzreformberatung erwarten lasse. Bon seinem Standpunkt aus hatte der Schatzsekretär Anlaß zu dieser Anerkennung, denn dadurch, daß sich in der Kom­mission die Mehrheitsparteien auf ein Kompromiß einigten, sind die Chancen für das Zustandekommen der Finanz-- reform immerhin gestiegen, wenn auch die Kommission ganz andere Wege gegangen ist, als die Regierung in ihrer Vorlage. Bei der Brausteuer zeigt sich dieser Unterschied itn der Behandlung der Staffelung. Tie Kommission hat zwar die einzelnen Steuersätze ermäßigt, aber die Spann­ung zwischen dem niedrigsten und höchsten Satze gesteigert, uno den letzteren Satz schon für eine 7000 Doppelzentner- Produktion festgesetzt. Zweck dieser Differenzierung ist, die Heuten und mittleren Brauereien gegenüber den Groß- brauet eien zu entlasten und dadurch konkurrenzfähiger zu machen, fottrte schließlich einer Abwälzung der Steuer­erhöhung auf die Konsumenten nach Möglichkeit entgegen­zuarbeiten. (Sinerungeheuerlichen" Mehrbelastung der großen Betriebe wie einer Verteuerung des Bieres über­haupt widersprachen die Wortführer der Linken heute ebenso energisch, wie andererseits die Redner bdr Mehrheitspar- teien für die Kommissionsbeschlüsse eintraten und die Protestkundgebungen der Interessentenkreise alsEnt- irüstungsrummel" hinzustellen sich bemühtert.

Die sachlich am meisten bemerkenswerte Rede hielt von dieser Seite Abgeordneter Tr. Becker-Hessen, bet bekanntlich in der Kommission eifrig bemüht gewesen ist, die Forntel der Verständigung unter den MehrheitsParteien zu finden. Auf der attderen Seite ist die eindringliche Gegenrede des Abg. Tr. Pachnicke (Fr. Vg.) zu erwähnen, der u. a. das Zentrum auf den, gegen die Einführung neuer Konsumsteuern abzielenden Artikel 6 des Flottengesetzes hinwies, mit dem sich die ausschlaggebende Partei nicht in Widerspruch setzen dürfe.

Vor dem Zentrumsreduer ergriff der preußische Finanz­minister Frhr. v. Rheinbaben das Wort zu einer recht herzhaften Polemik gegen die Steuergegner. Unter großer Heiterkeit der Rechten meinte er, es komme ihm fast so vor, als seien die Großbrauereiennotleidende Institute", die eines gesetzlichen Schutzes bedürften. Im übrigen be­schwor der Minister die Mehrheitsparteien, keine Ab­bröckelungsversuche an den Kommissionsbeschlüssen vor- Nmehmen. ,

Das galt besonders dem Mg. Speck (Ztr.), der oute Staffeländerung beantragt, von der Frhr. v. Rheinbaben eine Verminderung des Brausteuerertrages um rund 4i/2 Millionen befürchtet. Speck, ein in der Bierfrage erfahrener Bajuvare, ist nm das Wohl der Konsumenten besorgt, die er mit seinem Antrag gegen die Belastung durch die neue Steuer schützen zu können vermeint. Der S ch a tz s e f r c t ä r

Deutscher Reichstag.

90. Sitzung vom 30. A p r i l 1906.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesimg der

Bransteuer-Borlage.

Präsident Graf B a l l e st r e m schlägt vor, zunächst den § 3 a. zur Beratung zu stellen, der die Staffelli>ng der Steller enthält. Darnach steigt die Steuer von 4 Mk. für ben Doppelzentner bei steuerpflichtigen Braustoffen von 250 Doppelzentner und auf 10 Mk. für den Doppelzenwer bet steuerpflichtigen Braustoffen von über 7000 Doppelzentner. Das Haus stimmt dem Vorschläge des Präsidenten zu.

Abg. S u d e k u m (Coz.) führt aus, die Brauereien Fonnten bic in der Vorlage vorgeschlagene Staffelung der Brausteuer nicht tragen. Sie würden die Staffelung auf das Publikum abwälzcn. Daß sich die großen Aktienbrauereien vor der Steuer nicht fürchteten, gehe schon daraus hervor, daß die Aktien dieser Branereien in der letzten Zeit gestiegen seien.

Abg. Rettich (Kons.) sagt, eine weitere Herabsetzung der Steuer für kleinere Brauereien, wie er, Redner, sie in der Kommission beantragt habe, fei nicht durchzusetzen gewesen. Der Einkaufspreis des Bieres stehe namentlich in Norddeutschland in großem Widerspruch mit dem Verkaufspreis in den Schanklokalen. Die Erhöhung deS Einkmifspreises um ein Drittel Pfennig für den Liter könne wohl ertragen werden. Wenn das Bier als flüssiges Brot bezeichnet werde, so sei es ein sehr teures Brot, ein LuxuSbrot.

Abg. M ü l l e r » Sagan (frs. Vp.): Bai der Vorlage herrsche da? Bestreben vor, aus der Brausteuer eine Gewerbe-Sondersteuer zu machen. Weshalb greife man gerade das Bier zu einer Sonder­besteuerung heraus. Die Begünstigung der kleinen Brauereien sei in dem Maße, wie vorgesehen, nicht angebracht. Er, Redner, kenne kleine Brauereien, deren Ausbeute verhältnisrnäßsg größer sei als die größerer Brauereien. Er glaube sogar, daß die Staffellmg, wie sie hier vorgeschlagen werde, den kleineren Brauereien schaden werde. Der Konkurrenzkampf werde verschärft, die kleineren Brauereien noch rascher als bisher von den großen verschlungen werden. Das Brauereigewerbe in Norddeutschland sei an sich sckon schwer be­lastet, namentlich durch die gegen Süddeutschland bedeutend höheren Löhne. Redner tritt für Beibehaltung der jetzigen Hohe der Brau­steuer und zwar ohne jede Staffelung ein. Hierin stimmten auch seine Freunde mit ihm überein.

Staatssekretär Freih. von Stengel dankt in Vertretung des Reichskanzlers und im Namen der verbündeten Negierungen der Kommission für die glückliche Losung der schwierigen Frage. Wenn der Geist, der in der Kommission geherrscht hat, auch hier im Hause der vorherrschende sei, dürfe man wohl aus ein günstiges Ergebnis rechnen. Bei Ausarbeitung der Vorlage sei die vom Vorredner bemängelte Statistik noch nicht vorhanden gewesen. Sie sei erst während der Verhandlungen erlangt worden. Die Er­mittelungen seien in ganz sachlicher Weise vorgenommen worden und zeigten Ausnahmepreise wie mittlere Preise. Der Sckanknutzen, von dem in den Ermittelungen die Rede sei, sei nur der Rohnutzen, nicht der Reingewinn. Es sei bemängelt worden, daß die Er- miltelungen nicht auf sämtliche Schankwirtsckaften ausgedehnt morden seien. Er, Redner, habe inzwischen in Ostpreußen, Frank­furt a. M. und Westfalen Ermittelungen anstellen lassen und zwar möglichst in allen Schankstätten. Diese Ermittelungen hätten die die Richtigkeit der früheren Angaben ergeben. Der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis behage 16 und 19 Pfg. und 36 bis 39 Pfg.; je nach dem Orte sei der Erstehungspreis und der Schaukpreis verschieden. Wahrscheinlich sei der Gewinn noch höher, da aus einem Hektoliter mehr als 100 Liter geschenkt werden dürsten, aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, würde eine Verteuerung von l*/4 Pfg. für den Liter keine Rolle spielen.

Abg. Dr. B e ck e r Offenbach (nat(.): Wenn das Bier als Ülahrnngsmittel bezeichnet werde, so sei es sicher ein teures Nahrungsmittel. Seine Freunde stünden auf dem Boden des Beschlußes der Kommission. Grade im Interesse der Landwirtschaft müßten die kleineren Brauereien erhalten werden, den die kleinen Landwirte seien darauf angewiesen, ihre Gerste zu oerfaufen und

^Leines Feuilleton.

L-molI-Messe. In Bremen wurde, wie wir in der Weser-Ztg " lesen, dia 5>Moll-Messe durch den Phicharmo- urschen Ehor unläitgst zur Ausführung gebracht. Daß sich Musikstädten wie Berlin, Köln nnd Bremen nun Gießen anrcihcn wird, ist ein sehr crfteullches Zeichen für ine Entwicklung unseres Musiklebens. Bach reichte un Juli 1733 das Khrie nnd Credo seiner Messe als cm fertiges Ganzes beim Dresdener Hofe ein, um ui einer dafür er­hofften Titulatur eine Waffe gegen schlechte Behanblung von feiten des Leipziger Stadtrates zu gewinnen. Das bei­gefügte Dedikationsschreiben ist so interessant und bezeich­nend für die Stellung des großen Mannes daß ferne Mit­teilung besonders jetzt, da die Auffuhrnng des großen Wcrres nahe bevorsteht, Interesse erwecken tmrd. Unter Weglassung einer langatmigen Aiircde und Titulatur lautet cs:

Ew. Königl. Hoheit überreiche in tiefster Devotwn gegen- tourtige geringe Arbeit von derjenigen Wistenschaft, tzielche irf der Musigue erlanget mit gmy, untertäniger Bitte, eie Ullcn dieselbe nickft nack der Deckten Compofttion, sondern nach Dero Welt berühmten Clemenz mit giiädigsten Augen lmzu- sehen und mich dabey in Tew maditigftc ^.o^ktwu zu nehinen geruhen. Ich habe einige Jahre und bis daher bev den fcfXn ^aupl-Kircken in Leipzig das Directonum m der Munc « fatt, Ä X ein und andere Mräntfung un«rschnldeter Mise au» imuweilen eine Vermindere derer mit dieser tfuncüon verknüpften Äceidentien empfinden müssen, weiches aber gai^lick nachbleiben möchte, daferne Em. Kvni-sl. .Hoheit unr di. Gnade Si t» und ein Pr-edicat twn Dero 5a°sf.C°peNe conseiir.-n, iind deswegen zur Erteilung eincy DecretZ, gehoriaen -r.y a.sin ergehen lassen würden s Solche gnädigste G-irehtiiNg meine, demüthigstens Bittens wird mich zu unendlicher Berebrung verbitüien und i» offeriere mich in schuldigsten Gehör,an,. .e^ mal aus Ew Königl. v-heit gnädigstes Verlangen, in Eoinpo- tiierung der Kirchen Mufigne sowohl als zum Orchestre inemen unermüdeten Fleis, su erweisen, und meine ganzen Krönte zu Dem Drifte zu widmen, in unauishorlicher Treue verharrend .Em. Königl. Lmheit unterthanigst-gel^mster