Ausgabe 
10.8.1906 Erstes Blatt
 
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Ausland.

London, 9. Aug. 91 m Dienstag begibt sich derKönig noch Port Viktoria, wo er sich nach Vlissingen einschifft. Ueber Köln fährt er nach Cronberg und trifft am Mittwoch in Friedrichs Hof ein, wo er vom deutschen Kaiser erwartet wird. Der König ist während 24 Stunden Gast des Prinzen Friedrich Karl von Hessen. Am Donnerstag begibt sich der König nach Marienbad. Dort sind bereits 60 Geheimpolizisten eingetroffen.

Amsterdam, 9. Aug. Es verlautet aus unterrichteten Kreisen, daß der Prinzgemahl Heinrich, um die Königin zu schonen, zum Mitregent en ernannt werden soll.

Paris, 9. Aug. Petit Parisien meldet, der englischen Admiralität seien die Pläne eines Schiffes unterbreitet worden, das dazu bestimmt ist, Unterseeboote zu zer­stören. Die Maschine lasse sich leicht handhaben und könne sowohl dazu verwendet werden, die herankommenden Untersee­boote unschädlich zu machen wie auch die Meerestiefc zu beleuchten. Die Maschine werde durch einen Motor betrieben.

Saloniki, 9i Aug. Vorgestern abend wurde hier der bulgarische Arzt Nikolow aus Vodno, der sich in Begleitung eines DragomanS der bulgarischen Handelsagentur befand, auf der Straße von hinten an geschossen und schwer verwundet. Der Täter, vermutlich ein Grieche, ist entkommen. Das Attentat ist anscheinend ein Racheakt für die kürzliche Ermordung eines griechischen Arztes in Koepruelue.

Nach Meldungen aus Südwestafrika

hat sich der Krankenstand in der Schuht r u ppe be­deutend verringert. Der Höchstbestand in diesem Jahre war im Mai mit insgesamt 1388 Kranken zu verzeichnen. Hier­von entfielen aus Verwundete 39, auf Typhus 176, Malaria 67 und anderweitige Krankheiten 1106. Anfangs August betrug der Gesamtkrankenstand nur noch 889, also 499 Kranke weniger. Von der Gesamtsunune entfielen auf Verwundete 21, aus Typhus nur noch 91,. Malaria 18 und andere Krankheiten 759. Die vorstehenden Zahlen sprechen wohl beredt für die Tatsache, daß trotz der großen Verpfleglmgsschwierigkeiten alle Anstrengungen gemacht werden, um den Gesundheitszustand der Truppe zu heben. Zwar ist auch im vorigen Jahr Ende Juli und Anfang August eine Verringerung des Krankenstandes zutage getreten, aber in erheblich geringerem Maße, als in diesem Jahre; der Unterschied betrug nur 196 Köpfe. Im Norden des Schutzgebietes ist der Gesundheitszustand, dank der besseren Verbindungen und des besseren Verpflegungsnachschubs, ein recht guter. Im Süden dagegen leidet er unter der mangel- bQften Verpflegung und Unterbringung, sowie unter der schwierigen Nachiuhr an Bekleidung und Wäsche, da die jetzige Beschaffenheit des Banveges, trotz äußerster Anstrengung nur eben erlaubt, das allernotwendigste den Truppen nachzuführen.

lieber Arbeitssklaverei im freien Amerika,

berichtet folgendermaßen das sozialdemokratische Zentralorgan:

Ein halbes Jahrhundert' ist es her, daß die Leiden der amerikanischen Negersklaven die Entrüstung der gesamten ge­bildeten Welt erregten, und eine Bewegung ihren Ursprung nahm, die in letzter Linie zu dem Sezessionskriege und der Negeremanzi­pation führte. Daß ähnliche Zustande heute noch in den Ver­einigten Staaten existieren, beweist eine Gerichtsverhandlung, die vor wenigen Tagen vor dem Newyorker Bundesgericht geführt wurde. Wie vor 50 Jahren ist es eine Frau, die mutig den Kamps gegen die Sllavenhalter aufnimmt. Wählte Harriet Beecher-Stowe die Form des Romans, um Sympathie für die gequälten Opfer zu erwecken, so haben sich jetzt die Zeiten ge­ändert. In der Robe des Anwalts wirst Frau Quakenbos, eine tapfere deutsche Frau, den Fronherren den Fehde­handschuh hin. Ihr ist es gelungen, einen klaren Fall zur Kenntnis der Behörden zu bringen, der deutlich beweist, daß große Holzgesellschaften in Florida zur Ausbeute ihrer Holz­moore weiße Sklaven verwenden, die sie von bewaffneten Negern bewachen lassen. Es handelt sich um einen 50 jährigen Russen, Benjamin Wilenski mit Namen, der durch Vermittelung einer Arbeitsagentur nebst 50 anderen Arbeitern anfang Juni -nach den Holzlagern in Florida gesandt wurde. Den Leuten wurde freie Beköstigung und Einquartierung, sowie ein und ein halber Dollar Arbeitslohn pro Tag versprochen. Für die Dampferfahrt sollte jeder Mann 13 Dollar bezahlen; an dem Bestimmungsort Buffalo Bluff, etwa 12 Stunden von Jacksonville entfernt, wurden ihnen jedoch 18 Dollar abgenommen. Die Leute wurden in die Sümpfe geschickt, wo sie knietief im Wasser stehend von den Bäumen das zur Terpentinbereitung verwendete Holz einzusammeln hatten. Die Arbeitsstelle wurde von stämmigen, mit Flinten bewaffneten Negern bewacht, die An­weisung hatten, jeden, der etwa entfliehen wollte, ohne weiteres niederzuknallen. Außerdem war über je 10 Arbeiter ein Auf­seher gesetzt, der die Leute mit der Hetzpeitsche bearbeitete, falls sie nicht schnell genug beim Einsammeln des Harzes waren. Wilenskis Körper war über und über mit Narben bedeckt, die von der grausamen Behandlung durch die Auf­seher herrichrten. Die Kost, welche den Arbeitern gereicht wurde, war ungenügend und mußte noch obendrein auf den von Ungeziefern wimmelnden Schlafmatratzen ein­genommen werden. Die Holzgesellschast, die Hodges Milling Co. zwang ihre Leute, in einem Laden, den sie selbst betrieb, alle ihre Einkäufe zu machen. Um die Arbeiter ständig in der Gewalt zu haben, wurde nicht bar bezahlt, sondern der Betrag für die ge­lieferten Waren wurde am Lohn in Abzug gebracht. Selbst­verständlich kam es stets so heraus, daß der Arbeiter am Löhnungs­tage der Gesellschaft noch Geld schuldete. Nach den in Florida geltenden Gesetzen durften die Arbeiter den Dienst bei der Gesell­schaft nicht verlassen, bevor ihre Schuld getilgt war. Noch schlimmer als im Buffalo Bluff lagen die Verhältnisse in einem anderen Lager der Gesellschaft, in Maytown, wo Wilenski auch einige Tage arbeitete; dort wurden die Leute beim Morgengrauen von den Aufsehern aus dem Schlafe gepeitscht, und an die schwere Arbeit getrieben. Wilenski erhielt durch Newyorker Freunde 30 Dollar gesandt, von denen ihm jedoch nur 10 Dollar ausgezahlt wurden, während der Rest fürSchulden" bei dem Gesellschaftsladen einbehalten wurde. Der Besitzer der Arbeits­agentur, ein gewisser Schwartz, wurde vom Bundesgericht in vorläufige Untersuchungshaft genommen, gegen eine Bürgschaft von 3000 Dollar jedoch auf freiem Fuße gelassen. Schwartz legte die Aufträge der Firmen vor, die von ihm Arbeiter bezogen hatten und es ergab sich, daß einer seiner Auftraggeber sogar ein Bischof war. Außerdem hatte er noch an mehrere Landgesellschaften italienische und deutsche Arbeiter geliefert. Die Bundesregierung hat sofort eine Anzahl gewiegter Geheimagenten nach Florida entsandt, die an Ort und Stelle die schweren Anllagen prüfen sollen, die Frau Rechtsanwalt Quakenbos im Namen ihres Man­danten erhoben hat.

So also sieht es nach antimonarchistischer Schilder­ung im republikanischenfreien" Amerika aus!

Ein senfationelter Kindesmord.

Seligenstadt, 8. Aug. Ter in Zellhausen wohnende Zigarrenmacher Hermann Weyh aus Klein-Krotzenburg unternahm gestern mittag einen Geschäftsgang nach Seligenstadt. In seiner Begleitung befand sich fein einziges dreizehnjähriges Töchterchen Frieda, das seinen Verwandten in Seligen­stadt einen Besuch abstatten wollte. Gegen vier Uhr trat das Mädchen ohne den Vater den Heimweg an. Nach einigen Stunden folgte der Vater. Als er zu Hause ankam, war das Kind noch nicht da. 9llles Suchen war vergebens. Das Mädchen war verschwunden. Offenbar war ihn, ein Unglück zugestoßen. Gestern morgen gegen zehn Uhr ent­

deckte der Straßenwärter Andrea? Fecher seine Leiche in einem Gebüsch am Wiesenwegnach der Hurst", etwa zwanzig Minuten von Zcllhausen, ungefähr drei Minuten von der Landstraße entfernt. Er verständigte sofort die Amtsgerichts­behörde in Seligenstadt. 9llle Umstände lassen mit Bestimmt­heit auf einen Lustmord schließen. Dem ziemlich kräftig gebauten Mädchen war der Hals mit einem scharfen Messer fast vollständig durchschnitten. Nach den Blutspuren zu ur­teilen, scheint der Wüstling erst nach vollbrachtem Mord sein Opfer in das Dickicht geschleppt zu haben. Dringend ver­dächtig erscheint ein Stromer, der zur kritischen Zeit die Zellhäuser Chaussee passiert haben soll. Zahlreiche Neu­gierige umstanden den Schreckensort, wurden aber von einem Fußgendarmen aus Seligenstadt am Herantreten gehindert. Tie furchtbare Tat muß zwischen vier und fünf Uhr nach­mittags geschehen fein, auf einer verkehrsreichen, kerzengeraden Landstraße, die einen freien Blick nach Seligenstadt wie auch nach Zellhausen gestattet. Die Landstraße ist nur drei Kilo­meter lang und führt nut im zweiten Drittel durch Hoch­wald. Um vier Uhr erfolgte an Ort und Stelle die gerichts­behördliche Leichenschau unter Zuziehung des Medizinalrats Dr. Pfannmüller und eines Assistenzarztes aus Offenbach.

(Kl. Pr.)

-Wir erhalten in der Angelegenheit folgende Meldung, aus Seligenstadt, die die Tat noch grauenvoller erscheinen läßt. Der eigene Vater soll um einer nichtigen Ursache willen das Mädchen ermordet haben. Die betr. Meldung besagt:

fc. Seligenstadt c. M., 9. Aug. Der Zigarren­macher Hermann Weyh in Zellhausen wurde heute abend unter dem Verdacht, selbst der Mörder seiner 13jährigen Tochter Frieda zu sein, verhaftet und hierher ins Ge­fängnis gebracht. Weyh ist ein dem Trünke ergebener Mensch. Die Mutter hatte die Tochter Frieda von Zellhausen nach Seligenstadt geschickt, um ihn heimzuholen. Man nimmt an, daß er im Zorn darüber das Mädchen getötet hat. Er hatte an der rechten Hand zwei Schnittwunden und Blutflecken auf dem Rocke. Das getötete Mädchen hat außer dem Schnitt am Halse fünf Beulen auf dem Kopfe. Ein Lustmord liegt anscheinend nicht vor. Immerhin wird auch noch die Spur eines StromerS verfolgt._______________________________________

Aus Stadt uns tano.

Gießen, den 10. August.

** Schweizerischer Konsul. Der Konsul der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Frankfurt a. M. Friedt. Wilh. Schuster-Rabl ist zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogtum Hessen zugelaffen worden.

Erledigt ist die Stelle des Bezirkskassiers bei der Bezirkskaffe 9lltenstadt.

Der technische Verein Gießen halt am nächste Dienstag eine Versammlung ab, in der Direktor Hamm von Frankfurt a. M. über Neubildungen im deutschen Technikerverband, technische Arbeitskammetn und technische Gerichtshöfe sprechen wird.

Für Jagdwaffenpässe wurden in dem abge­laufenen Rechnungsjahre bei den sämtlichen Kreisämtern des Großherzogtums Heffen 116016 Mk. vereinnahmt. Die meisten Jäger befinden sich offenbar im Kreise Offenbach, denn dort ging mit 17140 Mk. die größte Summe ein. Den kleinsten Betrag hatte das Kreisamt Lauterbach mit 2420 Mk. zu verzeichnen. Im Kreise Gießen wurden 8005 Mk. vereinnahmt.

Lich, 9. 9lug. Sonntag, 26. August, feiert unsere freiwillige Feuerwehr ihre Fah n en weihe; hierzu sollen auch auswärtige Vereine eingeladen werden. Das Banner stiftete Se. Durchl. Fürst Carl zu SolmS-Hohensolms-Lich; es trägt das fürstliche und das hessische Wappen und wird in feinster Handstickerei hergestellt. Die Ausführung desselben ist der Firma Hermann Hisgcn hier übertragen worden. Hoffentlich verläuft das Fest, dem wahrscheinlich auch die fürstlichen Herrschaften beiwohnen werden, bei schönem Wetter.

? Dutenhofen, 9. Aug. Einem ungebetenen Gaste war es am Dienstag abend gelungen, sich in ein Gasthaus einznschleichcn und bis zum Schlafzimmer des Dienstmädchens hinaufzudringen, wo er sich unter dem Bette verborgen hielt. 9lls das Mädchen sich zur Ruhe begeben wollte, wurde es den Mann gewahr und eilte mit großem Angstgeschrei die Treppe hinunter. Der Hauswirt sowie mehrere Gaste eilten herbei, um den Eindringling dingfest zu machen. Allein diesem war e§ gelungen, in einen andern Raum des Hauses zu flüchten, an dem Abfallrohr der Dach­rinne hinunterzuklettern und das Weite zu suchen. Der dreiste Bursche stellte sich am nächsten Morgen im Gastzimmer ein, gab sich als Liebhaber des Mädchens ans und bat um Ver­zeihung. Vor seinem Eindringen in das Haus hatte er sich im Freien seiner Schuhe entledigt und sie unter eine Hecke gestellt, wo sie am Morgen von einem hiesigen Bewohner gefunden wurden. Der ungebetene Liebhaber steht auf einem benachbarten Gutshof« in Arbeit.

X Grünberg, 8. Aug. Heute erlegte Jagdpächter 9llbers aus Laubach im hiesigen Stadtwalde, zwischen hier und Weickartshain, einen feisten Sechsender mit unge­wöhnlich stark ausgebildetem Geweih.

W. Bad-Nauheim, 9. Aug. Als gestern vormittag ein Kurgast auf dem großen Teich eine Kahnpartie machte, gewahrte er eine im Wasser schwimmende weib­liche Leiche. Die ungefähr im Alter von 25 Jahren stehende bedauernswerte Person war mit einem schwarzen Kleide und Schnürstiefeln bekleidet. Bei Durchsuchung der Kleider fand man ein mit dem Buchstaben M. gezeichnetes Taschentuch, in das ein Geldbetrag von 2,20 Mk. gewickelt war. Wer die unglückliche Person ist, konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Der hiesige Geflügel- und Kaninchenzuchtverein hält am 11., 12. und 13. Aug. dieses Jahres eine Lo kalaus stellun g ab, zu welcher außerordentlich viele und schöne Exemplare gemeldet sind. An den Nachmittagen des 12. und 13. Aug. ist Konzert, abends findet Ball statt.

Darmstadt, 9. Aug. Der hiesige jungliberale Verein beschloß in einer letzthin abgehaltenen MonatS- versammlung folgende Resolution:

Ter jungliberale Verein Darmstadt steht auf dem prinzipiellen Standpunkt, daß die Einführung des allgemeinen, g l e i ch e n, geheimen und direkten Wahlrechts für die Land­tage eine liberale Forderung darstellt. Insbesondere für unser Hessenland erachtet er es für eine Hauptaufgabe der national­liberalen Partei, diese Forderung zur Durchführung zu bringen."

E§ ist, so sagt dieFrkf. Ztg.' dazu und wir schließen uns nur an, erfreulich, daß der Darmstädter Jungliberalismus, der bisher noch wenig hervorgetreten ist, diese Forderung generell erhebt.

fc. Heppenheim a. d. B., 9. Aug. Der Ertrag der diesjährigen Heidelbeerernte in den Kreisen Heppen­heim und Erbach beziffert sich nach einer Zusammen­stellung auf mindestens 140000 Mk.

Mainz, 8. Aug. Wie von kompetenter Seite versichert wird, ist der Mörder Clan ter aus Monzernheim, der vor einiger Zeit feine Geliebte, die 22jährige Maria Hofmann, durch Revolverschüffe getötet hat, nicht irrsinnig. Er ist auch nicht in das Irrenhaus zur Untersuchung seines Geistes­zustandes gebracht worden. Die Anklage gegen ihn wird auf Mord lauten.

(fc.) Bacharach, 9. Aug. Oberhalb Niederheimbach überfuhr ein Automobil einen reisenden .Hand­werksburschen aus Schlesien. Das Automobil ging- über den Unglücklichen hinweg und verschwand, ohne das; sich die Insassen um den Ueberfahrenen kümmerten. Erst in Oberwesel wurden sie angehalten. Sie sollen aus Mainz sein. An dem Aufkommen des Verletzten, der verschiedene- Kopfwunden, einen Armbruch und innere Verletzungen erlitt, wird gezweifelt.

h. Pfeddersheim (b. Worms), 9. Aug. Ein Dienst­mädchen versuchte mit Lysol, welches es in den Kaffee schüttete, die Kinder seiner Herrschaft zu vergiften. Die Kinder, durch den schlechten Geruch gewarnt, tranken jedoch nicht, während ein Dienstknecht das Gebräu hinunter- goß. Sofortiges heftiges Erbrechen rettete ihn vor der Ver­giftung. Das Dienstmädchen wurde sofort verhaftet.

Frankfurt a. M., 9. Aug. Ein vom 88. Jnf.-Rgt. aus Mainz hierher kommandierter Z a h l m ei st er a spir a n t wurde schon einmal wegen Ausbleibens über Zapfen­streich bestraft. Trotzdem ließ er sich vor einigen Tagen dieses Vergehen wieder zu schulden kommen, weshalb er nicht nur fünf Tage Arrest erhielt, sondern auch von seinem Kom­mando abgelöst werden und zur Kompagnie zurückkommen sollte. Seine ganze Karriere war verdorben. Darüber grämte sich der Mann so, daß er zu einem Kameraden äußerte, er werde sich erschießen, ec habe schon einen Rahmen mit Pa­tronen bereit. Als er am Dienstag abend in die Kaserne in der Gutleutstraße zurückkehrte, nahm er sein Dienstgewehr und wollte sein Vorhaben ausführen. Als er eben den Rahmen einschieben wollte, wurde er überrascht. Die ganze Nacht wachten zwei Unteroffiziere bei ihm. Der Stabsarzt ordnete schließlich die Ueberführung des krankhaft erregten Mannes ins Garnisonlazarett an, wo der Unglückliche zur Beob­achtung seines Geisteszustandes in eine Isolierzelle gebracht wurde. (Frkf. Ztg.)

h. Höchst a. M., 9. Aug. Der Taglöhner Karl Unz er aus Sindlingen, der schon lange im Verdacht der Falsch­münzerei stand, und der auch voriges Jahr schon einmal deswegen verhaftet war, ohne daß man ihn überführen konnte, ist jetzt wieder festgenommen worden, da man endlich bei ihm eine ganze Falschmünzer-Werkstatt entdeckte.

h. Hanau, 9. Aug. Das hiesige Landgericht hat einen Steckbrief hinter dem des Mordes verdächtigen Zigeuner Peter Johann Döllis (auch Tellid genannt) erlassen. Als besondere Kennzeichen sind angegeben, eine verkrüppelte linke Hand und ein Gewächs am rechten Ohr. lieber alle hiesigen Brauereien ist der Boykott verhängt worden.

Vermischtes.

"Stuttgart, 9. Aug. Nach mehreren mißlungenen Ver­suchen ist heute auf Rechnung der württembergischen, bayrischen und schweizerischen Post- und Telegraphen-Ver- waltung das von der Firma Siemens und Halske aus Berlin gelieferte erste Telephonkabel durch den Bodensee zwischen Friedrichshafen und Romanshorn bei einer Maximal- tiefe von 250 Meter glatt verlegt worden. Die Verständigung ist gut. Der Verlegung wohnten außer Beamten der ge­nannten Verwaltungen auch Vertreter der Reichspost, der Postdirektion Innsbruck und der holländischen Telegraphen- Verwaltung bei.

* Daß die Fahrkart en st euer über Hals und Kopf dem Publikum angehängt worden ist, beweist die Tatsache, daß sogar bei. in Druck der neuen Fahrkarten. ganz enorme Schnitz er vorgekommen sind. Die Mühlh Ztg." meldet aus Leinefelde folgendes: Eine Frau löste sie auf dem Frankfurter Hauptbahnhof eine Rückfahr­karte nach Leinefelde und zahlte hierfür dem Aufdruck ent­sprechend 46 Mk. 90 Pfg. Kurze Zeit darauf, als der Gatte der Frau auf den Bahnhof kam, äußerte sich seine FraU über den hohen Fahrpreis. Er glaubte, es läge ein Versehen des Schalterbeamten vor, aber der Kartenaufdruck zeigte die bezahlte Summe. Da er die Strecke mindestens 20 Mal gefahren wär, beruhigte er sich nicht damit und saih in dem Preisverzeichnis nach, in dem 22 Mk. und einige Pfennige für das Billet notiert waren. Dann reklamierte ec am Schalter. Der Beamte bestand darauf, daß die Fahrt nach Leinefelde koste, was auf dem Bille t angegeben sei. Zum Beweis zog er noch andere gleichartige Billets hervor, die den gleichen Aufdruck zeigten. Gleichwohl ließ der Mann nicht locker und bat den Beamten, zu bedenken, daß Leinefelde knapp die Hälfte des Weges nach Berlin fei. Jetzt erst schlug er selbst das Preisverzeichnis nach und entdeckte den Druckfehler. Der zuviel erhobene Betrag wurde mit dem Bemerken znrückgezahlt, daß anläßlich der neuen Fahrkarten steuer die Billets neu gedruckt wurden. Da müsse in der Eile der Fehler geschehen fein.

* Sch ankstatistik. Gastwirtschaften und Kleinhand- hingen mit Branntwein gab es Anfang vorigen Jahres in den 40 deutschen Großstädten 47 970, ungerechnet der Militärkantinen, Schiffsrestaurants und Wirtschaften auf Festplätzen. Wendet man die gewöhnliche Durchfchnittsberech- nung an, so käme schon auf 2 27 Einwohner eine Schankwirtschaft bezw. Branntweinhandlung. Tie An­zahl der Personen, auf welche eine Gast-- vder Schankwirt­schaft entfällt, ist verhältnismäßig hoch in Kiel (631), Braunschweig (570), Essen (549), Gelsenkirchen (488), Dort­mund (438) usw.; niedrig dagegen in Frankfurt (161), Mann­heim (164), Stettin (164), Berlin (165), Nürnberg' (167), usw. Bei diesen Zahlen, Welche der rhein.-Wests. Wirtezeitung entnommen sind, ist jedoch zu berücksichtigen, daß unter den Personen, auf Welche eine Wirtschaft fällt, Frauen; Kinder, Greise Kranke usw., einbegriffen sind. Nimmt man also von obigen Zahlen etwa den 4. Teil, so erhält man die Zahl der erwachsenen männlichen Personen, für welche eine Schankwirtschaft bestimmt ist.