Ausgabe 
10.8.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Erstes Blatt

Freitag LV. August 1906

156. Jahrgang

die eigentlichen Motive des mittlerweile wieder friedlich bei­gelegten Nkabastreites kennt, weiß man die Ursachen, welche dieses grüne Fleckchen der Sahara plötzlich in den Vorder­grund der Weltpolitik stellen. Für die Türkei würde der Besitz des gegenwärtig noch unabhängigen Djanet jedeüfalls eine wesentliche Stärkung ihrer Position an der östlichen Karawanenstraße bedeuten, die von Wargla über Ghadames, Chat und Bilma führt und deren Fortsetzung den einzigen Weg von Tripolis zum Tschadsee bildet. Daß man aber in Paris eine neue Stützung dec türkischen Macht in den Sahara­gebieten nicht zulasten will, versteht sich von selbst und des­halb ist auch eine französische Expedition nach der Oase, die bereits von 30 türkischen Soldaten besetzt sein soll, unter­wegs. Es wird sich also darum handeln, wer früher in Djanet ankommt: die aus ca. 400 Köpfen unter Führung des sehr tüchtigen Majors Janina-Bay bestehende türkische Truppe oder die französische von Oberst Laperinnes und Hauptmann Cauvin kommandierten französischen Kolonnen, welche vom Süden her unterwegs sind. Es bietet sich mit­hin ein ähnliches Schauspiel wie in der Faschoda-Affäre, und es wird wohl auch ebenso ausgehen: die schwächere Macht, das ist in diesem Falle das osmanische Reich, zieht sich zurück. Uns in Deutschland kann natürlich der. ganze Streit Hekuba sein, denn für unsere Jntecesten ist cs vollkommen gleichgiltig, ob über Djanet die Trikolore oder die grüne Fahne mit dem Halbmond flattert. Anders wird man dagegen in Rom darüber denken, wo man Ansprüche auf Tripolis erhebt und davon sicherlich nicht erbaut sein dürfte, daß Frankreich von dem Hinterlande dieser heiß begehrten türkischen Provinz ein Stück nach dem andern einsteckt, seelenruhig, wie man blüttcr- weise eine Artischoke genießt.

schoßein Ossi- Ib aten, der den

Nr. 186

Erscheint täglich außer Sonntags.

dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit jtxn hessischen Landwirt die Siebener Familien. Matter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­tag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u.Stem- druckeret. 9t Lange. Redaktion, Expedition unb Druckerei:

Sch ul st raße 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exped.^^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Aie Kärung in Rußland.

Der ehemalige Duma-Deputierte Onipkin, der in Kronstadt bei den Meutereien verhaftet wurde, ist gehängt worden. Zahlreiche andere ehemalige Duma-Mitglieder wur­den bei der Rückkehr in ihre Heimat nicht nur mißhandelt, sondern vielfach wurde auch ihr Hab und Gut von den Bauern zerstört.

In den letzten Tagen sind an maßgebender Stelle beun­ruhigende MeLdung en aus zahlreichen Agrar­bezirken eingelaufen. In den südrussischen Gouvernements herrscht die äußerste Hungersnot. In den Wolga-Bezirken ist die Hälfte der Bauern-Bcvölkerung und zwei Drittel des Viehes dem Hungertode geweiht. Die Landbevölkerung ist dadurch sehr erregt und wird überdies von den hcimketzrenden Duma-Mitgliedern revolutionär bearbeitet, obwohl Stolypin die Gouverneure angewiesen hat, diese Ex-Abgeordneten strengstens zu überwachen. Ta der gegenwärtige Gemütcr-Znstand befürchten läßt, daß die Bauern sich weigern werden, zur Rekrutenstellung zu kommen, so wird beabsichtigt, die diesjährige Rekrutenaus­hebung anstatt wie üblich im September erst gegen November

sestzusetzen.

Wie aus Petersburg telegraphiert wird, e r zier eines Moskauer Regiments einen So Gehorsam verweigerte. Die Tat des Offiziers verursachte unter den im Feldlager von K o l p i n o bei Moskau liegenden Truppen große Erregung, die sich bis zur allgemeinen Meuterei steigerte. Soldaten versuchten mit schweren Geschützen gegen Moskau zu ziehen, wurden jedoch von entgegenkommenden Truppen ange­halten. Viele unbeliebte Offiziere flohen aus Furcht vor Ermord­ung nach Petersburg. Tie Regierung verfügte gegen die auf­sässigen Regimenter nichts als Strafversetzung.

Nach Meldung des Kommandeurs des Samurregiments in Deschlagar zeigten die Meuterer nach der Ermordung der Offiziere ernste Reue und baten die übrig gebliebenen Offiziere, das Kommando wieder zu übernehmen. Die Ursache der Meuterei ist auf falsch verstandene Ideen von der Befreiung des russischen Volkes zurückzuführen. Die Meuterer beklagen aufs tiefste das Vorgesallene und beschuldigen ihre Führer, das Blut­vergießen ohne irgend einen sichtbaren Zweck herbeigeführt zu

Ter Wettlauf nach Djanet.

Südlich von Tunis, am Südwestabhange einer kleinen Hochebene liegt die Oase Djanet, um deren Besitz gegen­wärtig ein scharfer Wettlauf zwischen französischen und türkischen Truppen entbratmt ist. Ebensowenig, wie man

usw., mangelte es in der ersten Zeit nach ihrer Gründung an Aufträgen für die Druckerei. Einmal lag dies daran, daß zu jener Zeit noch herzlich wenig Europäer dort ansässig waren, in der Hauptsache aber war die Ursache die, daß in der Druckerei der Tangaer Kommunalschule nur schwarze Jungen arbeiten. Da haperte es denn zuerst, weil niemand das rechte Zutrauen zu der Sache hatte. Der Kornnrunalverband beschloß also kurzerhand, ein regele mäßig erscheinendes Blatt zu gründen, und der Schul- druckerer die typographische Herstellung desselben zu über­tragen. In den fünf Jahren des Bestehens der Zeitung, hat die Schule so manchen ungewaschenen Negerjungen zur Arbeit erzogen, an manchem harten Schädel war die Arbeit auch vergebens, aber immerhin sind hier Kultur-, werte geschaffen worden, die die größte Anerkennung ver­dienen. Es ist interessant, Vergleiche anzustellen zwischen den Nummern derAnzeigen für Tanga", wie sich die ersten Jahrgänge des Blattes nannten, und der jetzigen geradezu vornehm wirkenden Ausstgtlung derllf am> b ara - Po st". Das Blatt erscheint bereits im fünften Jahr­gang, und bet den immer mehr wachsenden Beziehungen der ostafrikanischen Pslanzungsbezirke zu dem Mutterlande war es Zeit, die europäische Vertretung einer deutschen Firma zu übertragen. Das ist nun jetzt auch geschehen. Eine Verlagsbuchhandlung in Berlin hat die Generalvertretung für Europa übernommen. Aus einem bescheidenen Blättchen hat sich eine Kolonialzeitung entwickelt, die sich um die Förderung des kolonialen Gedankens sehr verdient macht. Einen Beweis dafür, daß die redaktionelle Leitung der Zeitung einen recht heftigen Kampf zugunsten der Kolonien führt, zeigt ein Artikel, dem wir das Folgende entnehmen, nicht weil wir etwa mit ihm einverstanden seien, keines­wegs, sondern zur Charakterisierung dieses interessanten schwarzen-feindlichen Blattes im schwärzen Erdteil:

Das innige Zusammenwirken von Zentrum und Sozialdeniokratie, beim bewußten ober unbewußten Abwürgen unserer Kolonialpolitik Ha, welche Lust, für Euch Kickturpionier zu sein!" Ms wir bas vor zwei Monaten unter den letzten Strahlen ber Gnabensonne bes Reichs­tages schrieben, mag es manchem hart geschienen fein manchem, ber die Zentrums-Psyche nicht kennt. Die schwarze Tyrannin bes Reiches hat es nie vertragen, gestreichelt zu werben, wie bei einem zielbewusst fofettiercnbcn Weibe bewirkt Entschiebeuheit bei ihr Nachgeben, Anerkennung über trotziges Schmollen ober neue Begehrlichkeit. Die Zentrumspartei fürchtete, alsGezähmte Wiberspenstige" nicht mehr ihren vollen Einfluß ausüben zu können unb suchte nach einem Vorwand, ihre Macht ins Ge- bachtnis zurückzurusen. Die'en Vorwanb lieferte bie agrcssive Rhetorik bes Obersten von Deimling. Mit in bie Schranken. Unter Erzbergers unb Gräbers boshaftem unb selbstzufriebenem Lächeln besann sich ber Reichstag nun sofort auf seineverletzte Würbe", unb alles, von ber Bahn Keetmannshoop-Kubub unb ber An- siebler-Entschäbigung bis zum Kolonialsekretär würbe mit einer unwirschen Armbewegung vom Tische gefegt. Dann aber kam ber ergötzliche Moment, wo man auf ben leeren Tisch starrte unb sich bie Augen rieb unb es nicht verstehen konnte, baß ber Tisch leer war, wo Herr Gröber in flauer Katerstimmung als Ersatzgericht ben Unterstaatssekretär von Zentrumsgnaben servierte unb bann bie kläglicheRestitutio in integrum" ber toiebcr auf- erstanbenen Kolonial - Abteilung stattfanb. Menschliches, allzu menschliches? Ms wir noch ber Mutter bie Töpfe zerschlugen, weil ber Vater uns geprügelt hatte, als wir noch bem Lehrer Tinte auf ben Rock schmierten, weil bie Verba anomale uns unsympathisch waren war bas menschlich ober war es kinbisch, allzu kinbisch?

Qaidquid delirat Deimling plectuntar coloni.

Wir Ostafrikaner find ja birett nur durch bie Ablehnung bes Kolonialamtes mitbetrofsen. Schenken wir es ihnen! Denn bas ist geringfügig im Vergleich zu ben anberen Abstrichen: ber Keet- mannshvopbahn unb vor allem ber Ansieblerentschäbigung. Um ber roHenben Augen bes Herrn Deimling willen stürzt man Hunberte ringenber Manner, Tau- senbe hoffender Seelen in den Abgrund zurück! Glaubte ber Reichstag wirklich seineverletzte Würbe" zu flicken, als er um 10 Millionen zu sparen ben Aufwand von 500 Mill, illusorisch machte, als er in einer Aufwallung mehr ober minber berechtigten Selbstgefühls bie Zukunft unserer großen blutgebüng- ten Kolonie abwürgte? Derselbe Reichstag, bestenWürbe" es gestattete, bei ber Obstruktion gegen bie Hanbelsverträge zu Oesterreichisch-Reichsrätlichen Klappern unb Blechtrompeten zu greisen, berfclbe Reichstag, besten Würbe es Jahr für Jahr unb Tag für Tag gestattet, coram orbi terrarum nach Cusinen-Lieb- habern zu schnüffeln, mit gerechter Prügel bebachte Negerkehr­seiten zu glorifizieren und mit altjüngferlicher Klatschbasen­grausamkeit hochverbiente Kolonialarbeiter burch ben Kot zu zi^Ach nein Deimlings Husarenritt war als Vorwanb schlecht gewählt, als Grund gar zu fadenscheinig. Die 66 sozialdemokra­tischenNein" müssen wir wohl hinnehmen: mit ber Diäten- bewilligung haben wir uns eben ihre Anwesenheit erkauft: aber bie 65Nein" aus bem Zentrum barunter auch bie ber Herren Czmula unb von Savigny, bie uns bie Ehre ihres Besuches zu schenken vorhatten! wie steht's mit biefen? Wir werben viel­leicht im nächsten Jahre bie Antwort geben können, wenn einige repatriierte Jesuitchen ben Kessel ber Lokomotive nach Keetmanns- hoop Heizen, wenn für jebe in Sübwestasrika subventionierte Farm im Rheinlanbe ein Nonnenklösterchen aufblüht unb ber Staats­sekretär an ben hös'chenbekleibeten Jünglingen ber Puppenbrücke vorbei zum Jmmebiatvvrtrage geljt. Dann wollen wir gern zugeben, baß cs keine persönlichen Grünbe waren, bie ben Umfall bes Zentrums veranlaßten, weber Deimlings mißverstanbene Rebe­freiheit noch bes Erbprinzen Ketzerbekenntnis! Wer bann werben wir auch nicht umhin können, an bie pharisäische Heuchelei zu erinnern, mit ber biePartei bes Kuhhanbels" am 26. Mai sich entrüstete über ben Vorschlag, für bie Zurückziehung von 5000 Mann bie Keetmannshooper Bahn zu bewilligen,, um so mehr als biefer Entrüstung ein kaum verzeihliches Mißverstänbnis zu Grunbe lag!

Unb Oberst von Deimling? Er hatte wenige Wochen vorher mit seinem forschen Auftreten einen so günstigen Einbruck gemacht, bah man Heuer bas Gleiche hätte erwarten können, wenn bie Herren Erzberger unb Müller-Sagau nicht in ber Zwischenzeit so feinfühlig geworben wären. Deimling als Rebner war nicht übel. Nur hätte man ihn am Schlüsse, nach ber Abstimm­ung reben lassen sollen, bantenb quittierend etwa nach Gott- friedens von Berlichingen Art.

Aie heutige Hlummer umfaßt 8 Seiten.

Der Kaiser in den Kruppschen Werken.

Der Kaiser stattete am Donnerstag von Villa Hügel ans den Kruppschen Werken in Rheinhausen einen Besuch ab. Nach dem Rundzange durch das Werk fuhr er im Automobil zur Arbeiterrolonie Margaretenhof und den damit verbundenen Schlaf- und Speisehäusern. Diese An­lage, die sich gewissermaßen als eine Gartenstadt darftellt, machte auf den Kaiser großen Eindruck. An der Fahrt nahm auch der Verlobte von Fräulein Berta Krupp, Frhr. v. Bohlen und Halbach, teil. Vor der Abfahrt wurde bem Kaiser von dem ausArbeitern und Beamten der Fried- rich-Mfred-Hütte gebildeten Kruppschen Männer­gesangverein ein Lied vorgetragen. An die Ar­beiter hielt der Kaiser ein e An spr ach e. Auch richtete er wiederholt an einzelne Arbeiter Anreden. Einem Feuer­wehrmann, der die China-Denkmünze trug, schüttelte der Kaiser die Hand.

Vor der Friedrjch-Afred-Hütte besichtigte der Kaiser zuerst die Pumpstation. Nach einem' Blick auf die Auslade­vorrichtungen fuhr der Kaiser zu den Hochöfen. Von der Höhe der Gicht, $u der Kaiser Wilhelm im Fahrstuhl hinauf­fuhr, vertiefte sich dieser Eindruck durch den umfassenden Ausblick, der sich hier auf die gesamte Anordnung des Werkes bot. Nach dem Abstieg wurde der Kaiser durch einige der dem Betriebe der Hochöfen dienenden Anlagen geführt. Cs wurden dem Monarchen die beiden gewaltigen Mischer vorgesührt, in welche die von den Hochöfen kom­menden Pfannen das flüssige Roheisen ergießen. Bon der Gießhalle folgte der Kgiser den rotglühenden Blöcken zum Walzwerk. Nach einem Blick auf die übrigen Walzstraßen und nach Betreten der Zurichterei trat er aus der Halle des Walzwerks hinaus aus den Lagerplatz für Fertigprodukte. Hiermit war der Rundgang durch das Werk beendet.

Der Kaiser verlieh Frau Krupp den Wilhelms- orden.

politische Tagesschau.

Diplomatisches.

In einem großen mitteldeutschen Blatt finden wir einen Herzenserguß über die Vertreter der deutschen Politik im Auslande, der nicht zu deren Gunsten ausfällt, und zwar wird zumeist Klage darüber geführt, daß man htzute leider ^um höheren diplomatischen Dienst weniger großer Ver­standesgaben als vielmehr eines untadeligen Stamm­baumes bedarf. Es ist nicht verlangt, daß der Adel der Diplomaten gerade besonders hoch fei, aber Adel ist die Vorbedingung, ohne die man weder Botschafter noch Ge­sandter werden kann. Wir wissen nur eine Ausnahme aus der letzten Zeit in Dr. Stübel, und den hat man zu den Demokraten im Norden geschickt.

Wir meinen, daß nicht die Bevorzugung des Wels allein die Schuld an der sagen wir: Schwerfälligkeit unseres diplomatischen Korps trägt, sondern daß sie zumeist in der Ausbildung unserer Diplomaten und an dem ganzen zopfigen und bureaukratstschen Getue liegt, ohne das man beim diplomatischen Dienst nicht auskommen zu können glaubt. Das Bureaukcatentum ist leider eine deutsche Eigen­tümlichkeit, die uns die anderen Nationen nimmermehr nachmachen. Und gerade in der Diplomatie ist das Bureau- kratentum obenan.

Wir wollen dahingestellt sein lassen, ob die Diplo­maten, die Deutschland bei den Kulturstaaten vertreten, wirklich in jeder Bagatellsache der liebevollen und für­sorglichen Lenkung von Berlin aus bedürfen jedenfalls ist es für die Herren, die doch etwas bedeuten sollen, nicht angenehm, in jeder kleinen Sache sich Informationen holen zu müssen.

Unsere Diplomatenschule hat zudem sehr bederne Lehrer, die in der Meinung dayinleben, daß die diplo­matischen Fäden heute noch genau so gesponnen werden, wie ihre Großväter sie spannen. Die Diplomatengeschlechter des deutschen Reiches es sind ja verhältnismäßig wenig? haben wenig gelernt und leider nichts vergessen. Es sind Ritter vom alten Schlag, ob sie nun aus der Ucker­mark stammen oder aus einer anderen mit adeligen Herren besonders bevölkerten Gegend. Die alte diplomatische Ton­art aber verschlägt heute nicht mehr, denn die Zeiten haben sich geändert und der Ton in der Weltpolitik mit -ihnen. Während dste englischen Vertreter mit den Souve­ränen an fremden Höfen Fraktur zu reden gewohnt sind, ersterben die Vertret er des deutschen Reiches, das sich doch wahrhaftig auch nicht auf die Hühneraugen treten zu lassen braucht, in Ehrfurcht, und das Re­sultat ist dann, daß man uns auslacht. Die Feinheit war eine diplomatische Tugend, heute ist sie es nicht mehr, denn unsere Zeiten sind grob. UnserSpecky" hätte bei­spielsweise den Pankees viel mehr imponiert, wenn er nicht immer von sobezwingender Liebenswürdigkeit" wäre.

Es ließe sich über dieses Kapitel unter Anführung von Beispielen recht viel sagen, aber leider nützt das alles nichts. Man ist in Berlin überzeugt, daß adelige Herren, die nach dem unabänderlichen Gesetz der Anciennetät be­fördert werden, allein das deutsche Reich im Ausland repräsentieren vertreten kann man ja nicht sagen! können, und man muß wohl erst durch schwereren Schaden klug werden. Die bisherigen Blamagen haben noch nichts gefruchtet.

IHMf A A Bezugspreis:

monatlich75Ps.,viertel-

Gletzener Anzeiger s

General-Anzeiger & SSS

ben polit. unb atigern«

Amts- und Anzeigeblatt für den Hrd$ Gießen MW

_________________________________________________________ U ietgenteil: HanS Beck.

haben.

InMoskau halten z. Z. die Partei der friedlichen Erneuerung unb ber Verbanb vom 30. Oktober Be­ratungen ab, um für bie fommenbe Duma-Session alle fortschritt­lichen Elemente ber Gesellschaft unter einem gemeinsamen Pro­gramme zu vereinigen. Dieses Programm enthält u. a. bie Forberung ber proportionalen Berücksichtigung ber Mmberheit. An ben Beratungen nahmen auch einige Mitglieber ber Partei für Volksfreiheit teil. In sämtlichen Moskauer Fabriken würbe bie Arbeit iu i e b e r aufgenom men Die Zahl ber Aus­ständigen überschreitet nicht bie sonst übliche Zahl. Die Mehrzahl ber Druckereien in Moskau unb Petersburg ist im Betriebe.

Der Sekretär unb mehrere Mitglieber bes Setzer-Verbanbes ber revolutionären Partei in Petersburg würben verhaftet.

Währenb eines Aufstanbes in Poltawa brannten Bauern bas Besitztum bes Fürsten Ko t s ch u b e y nieber.

Aus Warschau wirb berichtet, baß 4 Sozialisten von Bauern erschlagen würben, weck sie versucht hatten, ben ^^J^J^u s o^k a^'teilten sich bie 2500 Arbeiter ber Grube Alexe­jews! in zwei Lager, wobei es zu Zusammenstößen kam. Zwei Personen würben getötet unb eine größere Anzahl verwunbet. Eine Abteilung Dragoner stellte bie Ruhe wieber her.

Auf bem Schulhose ber Schule in Ubetski ist eine Bombe explobiert währenb bie Schüler Turnübungen vornahmen. Es ist nur geringer Materialschaben entstanden.

Viele Frauen Finnlanbs beteiligen sich eifrig an ber revolutionären Propagauba. Sie gehen in bie Fabriken, wiegeln bie Arbeiter zu einem allgemeinen streck auf verteilen Revolver und Dolche unb forbern, baß die Arbeiter sich zu einem Ausstanb vorbereiten sollen, bei bem beabsickstigt ist, alle Beamten nieber tu machen. Die Regierung orbnete an, baß alle Frauen, bie revolutionäre Propaaanba in ben Fabriken betreiben, ftanö* rechtlich erschossen werben sollen.

Von einer Ostafrikanischen Zeitung.

In der Kommunalschule in Tanga, wo in richtiger Erkenntnis der dortigen Verhältnisse nicht nur das ABC und Einmaleins gelehrt wird, sondern vor allen Dingen praktische Gewerke: Druckerei, MMerei, Schmiede