Ausgabe 
10.7.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt dl er nirtcr Meier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, den 8. Juli 1906. Sehr geehrte Redaktion!

Als langjähriger, aufmerksamer Leser desGieß. Anz." Hobe ich die Beobachtung gemacht, daß Wünsche des Publikums oder Klagen über tatsächliche Mißstände sehr rasch 511111 Jiele gesührt haben, wenn die maßgebenden Behörden durch einige Zeilen in Ihrem Blatte daraus aufmerksam gemacht worden sind. Vielleicht bedarf es auch nur der Veröffentlichung dieser Zeilen, um einem lebhaften Wunsche der Anwohner der R 0 0 n st r a ß e zu schneller Befriedigung zu verhelfen. Ter Mangel eines B r i e s k a st e n s wird in dieser beinahe ausgebauten Straße schmerzlich empfunden. An der (vtfc der Rooustraße und Moltkestraße angebracht, würde er einem wirklichem Bedürfnis gerecht werden.

Ergebens!

Ein Roo n st r ä ß e r.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Juli 1906

Barometer mir 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Wetter

c

yo E 8

9.

2»

753,5

23,0

14.6

70

NNE

4

Bew. Himmel

9.

9,6

753,2

18,8

14,2

88

NE

2

Klarer ,

10.

752,3

16,6

12,7

91

4

Bed.

Höch

te Temperatu

r am

8.-9.

Juli =

= +

23f/ 0 C.

Niedrigste

B

8.-9.

~

= + 14,1 Q C.

her Vorsitzende, Lehrer Adam hier, zu zahlreichem Besuch der Wanderversammlung des Oberhessischen Bienenzüchter­vereins, die am 22. und 23. d. Mt§. in Friedberg abgehalten werden wird.

0 Beienheim (Wettcrau, 8. Juli, Heute sand die Ein­weihung des neuerrickiteteu Kriegerdenkmals in un- wcscnhcit zahlreicher Kriegerverewe der Umgegend statt, um 9 Uhr fand Kirchenparadc und <rcstgottesdienst statt. _ Um - Ufln bewegte sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf nach dem Kriegerdenkmal. Pfarrer Wahl hielt die Feftrede, die 111 etn Hoch auf das geeinte Vaterland ausklang. Dann wurde das schöne Denkmal enthüllt. , . , ,

0 Laubach, 8. Juli. Am letzten Freitag betuchte Geh. Oberschulrat Rodnagel aus Darmstadt das hiesige Ghmnanum un.d wohnte in verschiedenen Klassen dem Untemdit bcu Zu Franknirt a. M. haben am letzten Freitag die großen ^-ommer- ferien begonnen. Wie alljährlich so trifft auf die Dauer von 26 Tagen eine Ferienkolonie nächsten BLontag hier cm und nimmt im Gasthause zur Traube Wohnung. Auch eme größere Anzahl von Kurftemden aus Franfturt a. M. und Often- bach ist bereits imSolmser .Hof" angekommen. Unser schön gelegener Ausftngspunkt Ramsberg, zu dem eine schattige Allee führt, insbcsonders auch die neuen Anlagen m der dorti- aenEremitage" werden täglich von zahlreichen Fremden beacht.

b Altenhain, 8. Juli. Unser am WaldeSrandc ge­legenes 400 Einwohner zählendes Vogelsberger Dörfchen hatte heute Festesgewand angelegt, um die zahlreichen Fest- gäste zu begrüßen, die zur Einweihung des neuerbauten Sch ul Hauses herbeigeeilt waren. Ueberall Fahnenschmuck, Tannengrün, Guirlanden und Kränze, selbst an den kleinsten, oft noch mit Strohdach gezierten Häusern. Wie notwendig die Erbauung eines neuen Schulhauses war, zeigen die primitiven Verhältnisse des alten. Es war von der Größe eines kleinen Wohnhauses und barg unter seinem Dache einen Schulsaal für 60 Kinder, einen Betsaal, in dem der Lehrer sonntäglich Vorleser ist und eine Lehrerwohnung. Diese be­schränkten Verhältnisse waren die Ursache, daß die Lehrcr- stelle schon ein Jahrzehnt lang nur durch einen Vikar besetzt werden konnte. Recht vorteilhaft präsentiert sich da? ctivas erhöhte auf der Ostseite gelegene neue Schulhaus. Es hat ,einen Kostenaufwand von 26 000 Mark erfordert, wovon 12 000 Mark der Staat und 14 000 Mark die Gemeinde bestreitet. Der Neubau ist im modernen Stile errichtet; der Anstrich ist in weiß, blau und rot gehalten, auf der Südseite erhebt sich ein mit kuppelförmigcm Dache abschließender Rund- turm, der den Eingang für die Lehrcrivohnung enthält, während die Ostseite einen vorspringenden Vorbau für den Eingang zur Schule zeigt. An dem Vorbau ist eine Marmor­tafel mit folgender Inschrift angebracht:Erbaut in den Jahren 1905 06 von der Gemeinde Altcnhain;" cs folgen die Unterschriften des Bürgermeisters, sowie deS Gcmeinderats. Zur Einwcihungsfcierlichkeit waren u. a. erschienen Geheimer Regierungsrat Schönfeld und Schulinspektor Feuerbach aus Schotten, Geh. Baurat Diehm aus Gießen, Pfarrer Fresenius aus Sellnrod und Straßenmeister Sommcrkorn aus Laubach. Der Festzug nahm vordem alten Schulhaus Aufstellung. Rach Absingung des zweistimmigen LiedesDanket den Herrn" seitens der Schulkinder, sprach Schulvilar Jäger die Abschiedsworte. Er hob hervor, daß für Generationen der Dorfbewohner das alte Schulhaus die Bildungsstätte gewesen fei, und daß die jetzige Schuljugend sich bestreben sollte, den neuen ausgedehnten Schulräumcn durch Eifer und Fleiß Ehre zu machen. Unter Vorantritt einer Musikkapelle bewegte sich der Festzug nach dem neuen Schulgebäude. Hier sang die SchuljugendLobt froh den Herrn". Pfarrer Fresenius hielt die Weihredc. Baurat Diehm, dem die Leitung des Baues oblag, hob hervor, daß der Bau fast ganz aus dem Material, das der Vogelsberg in seinen reichen Basaltlagern biete, hergestcllt sei. Bürgermeister Schleuning überreichte den Schlüssel Herrn Geh. Negierungsrat Sch önfeld mit den WortenTie Lehre bleibe ftomm, treu und recht," worauf Pfarrer Fresenius das Schulhaus öffnete. Es erfolgte die Besichtigung des großen, lichten Schulsaales, sowie später die der geräumigen Lehrerwohnung. Ein Gesang der Schul­kinderLob sei Dir Gott, im Heiligtum," schloß die schön verlaufene Feier.

Mainz, 8. Juli. In Worms will die Stadt­verwaltung Schritte gegen die Mückenplage unternehmen. Aber auch bei uns in Mainz und in der Umgegend haben die überaus feuchten Sommcrtagc zu einerSchnaken- plagc" geführt, wie sie seit Jahren nicht beobachtet worden ist. Nicht jeden Tag treten die Mücken mit gleicher Heftig­keit auf, an manchen Tagen treten sie vor den Toren der Stadt in den Spaziergängen, auch in den Anlagen, in so ungeheuren Mengen aus, daß man kaum imstande ist, sich nur auf kurze Zeit an einer Stelle aufzuhalten, ohne am ganzen Körper zerstochen zu sein. Auf den Wegen der Festungswälle der Stadt ist häufig am Abend die Luft der­art mit Schnaken angefüllt, daß man kaum zu atmen wagt. Aus allen Nachbarorten, besonders den ain Rhein ge­legenen, kommen ähnliche Klagen.

* Kleine Mitteilungen n u 5 Hessen 11 n d den M a ch b a rst a a t e 11. Martin Schmitt aus Irmgarteichen kamte das AnwesenZur Klippe" in Büdingen (Inhaber Fr. Wube) zum Preise von 26 000 Mk. Tas Geschäft wurde durch seinen Gießener Makler abgeschlossen.

Major v. Zander und Genossen vor den Geschworenen.

(Unberechtigter Buchdruck verboten.,

H. F. Breslau, 7. Juli 1906.

(Achtzehnter Tag der Verhandlung.)

Borg bei dem Juwelier Frey in Breslau.

Heute gelangt noch ein Betrngs'ioll zur Verhandlung. Maior d. Zander, bemerkt auf Vorhalt des Vorsitzenden: Als in Schmoegerle bereits die Möbel ausgeladen waren, kam von dem Juwelier Frey eine Rechnung über S lh m u ck g e g e n st ä n d e in Höhe von einigen hundert Mari. Ich habe die Sachen sofort zurückgeben wollen, im Drange der Geschäfte aber dies vergessen. Zu dieser Zeit drängte Mensching mit einer Forder­ung. Ich wandte mich an Kirschftein, mit dem ich durch das Gräbschencr OKschäst bekannt geworden war. Letzterer sagte: Ihre Frau hat doch eine ganze Anzahl Schmnckgegenstände, geben Sie mir einige als Sicherheit, dann will ich Ihnen Geld verschaffen. Ich habe dies getan und ohne zu prüfen, Schmnck­gegenstände als Sicherheit gegeben. Ich ahnte nicht, daß diese Schmuckgegenstände von Frey waren. Als ich dies erfuhr, habe ich die Sachen sofort eingelöst und Frey zugestellt. Meine .Frau hatte bei mindestens 9 Juwelieren Schmuckgegenstände entliehen. Im Untersuchungsgefängnis wurde mir z-mn Vorwurf gemacht, daß ich Manschettenknöpse von Frey trage. Als ich erfuhr, daß die Knöpfe von Frey waren, habe ich sie sofort suriidgegefan. Bors.: WaS To ft eien die Knöpfe? Frau v. Zan der: 55 Mark. v. Zander: Ich hätte meiner Frau gehörig »Bescheid, gesagt, wenn sie mir Manschetten knöpfe für 55 Mark

zu Weihnachten geschenkt Ifdrtc. Ich habe meine Frau wiederholt gebeten, mir nichts zu Weihnachten zu schenken.

Qliißcblirfyc Indiskretion eines Richters.

Bert. J.-R. Dr. Mamrolb: Herr Frey, .Sie haben während der Untersuchungshaft des Angeklagten auf Anteilscheine der Chemnitzer Bergbau-Gesellschaft Beschlag gelegt. Von lvem haben Sie Kenntnis erlangt, daß der Angeklagte v. Zander 'Antcil- scheine besaßt Bors.: Diese Frage halte ich für unerheblich und weise sie zurück. Bert.: Der Herr Vorsitzende ist nicht be­rechtigt eine von mir gestellte Frage wegen Unerheblimkeit znruck- zuweisen Vors.: Ick, lasse die Frage nicht zu, weil ich |ic als nicht zur Sache gehörig halte. Bert.: Herr Landgerichtsdn-ektor, Sie sagten, weil Sie sie für unerheblich halten. Vors.: Daun habe ich mich versprocheii. Bert.: Ich halte die Frage für erheblich und zur Sache gehörig, und beantrage eventuell einen Gerichtsbeschluß. Dem Angeklagten v. Zander ist vom Vor­sitzenden und dem Herrn Staatsanwalt ein großer Vorwurf gemacht worden, weil er Unterbeamte des Winziger Amtsgerichts der Indiskretion beschuldigt hat. Ich vermute, daß hier von einem Untersuchungsrichter eine Indiskretion begangen i)t, dies WM ich durch meine Fragestellung beweisen. Staatsanwalt Dr. Schwedersky: Ich beantrage, die Fragestellung abzulehnen, da sie zur Beurteilung der Sache vollständig bestinglos ist. Vors.: Ich kann auch nur wiederholen, daß ich die Frage als nicht zur Sache gehörig halte. Ein Geschworener: Ich muß doch be­merken/daß die Aufklärung dieser Angelegenheit für uns von großer Erheblichkeit ist.

Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vor­sitzende: Der Gerichtshof hat beschlossen, die Frage znzulassen. Bert. I.-R. Dr. Mamroth: Also, Herr Frey, voir, wem haben Sie von den Anteilscheinen, deren Beschlagnahme Lie beantragt hatten, Kenntnis erhalten? Zeuge: Boni Rechtsanwalt Warnt' brunn. Bert.: Dann beantrage ich, Rechtsanwalt Warmbrunn als Zeugen zu laden. Der Vorsitzende verkündet: Der Gerichts­hof hat die Ladung des Rechtsanwalts Warmbrunn beschloßen.

Nochmalige Verdächtigung gegen den Untersuchungsrichter.

Es wird hierauf Juwelier Inpitz «Berlin> über zwei silberne Ketten vernommen, die Frau v. Zander^ bei ihm gekauft imd vor Leistung des Offenbarungseides versteckt haben foIL Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, daß der Untersuchungsrichter dem Aiigetlagten v. Zander in der Unlersuchnngsfast zwei goldene Manschettenknöpfe in die Zelle gesandt habe. v. Zander: Man wollte eben haben, daß die Knöpfe bei mir gefunden wurden. Bors, «heftig -: Ich muß diesen vollständig unberechtigten An­griff gegen den Untersuchungsrichter aufs Entschiedenste zurück- weisen. Das ist eine der stärksten Verdächtigungen, die gegen den Untersuchungsrichter erhoben werden kann. Ich muß das ganz entschieden zurückweisen.

Ein weiteres Darlehen von v. Zander ausgenommen.

Malermeister Jentsch als Zeuge: Er sei von der Straf fammer zu Oels wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, v. Zander habe sich seiner angenommen. Er habe sich nach Berlin ins Justizministerium begeben und dort seine Beguadiguiig durch- gesetzt. Aus diesem Anlaß sei er dem Angeklagten zu Dane verpflichtet gewesen. Er habe deshalb keinen Anstand genommen, dem Angeklagten auf dessen Ansuchen ein Darlehen von 2000 Mark zu geben.

Nochmals die Indiskretion de? Untersuchungsrichters.

Rechtsanwalt Warmbrunn als Zeuge bekundet: Er habe eine Mage Frey wider v. Zander und Frey wider Luettig geführt. Von wem er von den Chemnitzer Bergweris aktien Kenntnis erhalten habe, könne er nicht sagen. Er glaube nickt, daß der Untersuchuilgsrichter ihm dies mitgeteilt habe. Nach einer mit dem Untersuchungsrichter geführten Korrespondenz halte er es nicht für wahrscheinlich, daß ihm der Untersuchuiigs- richter davon Mitteilung gemacht habe. Er habe den llnternid, ungSrichter ersucht, ihm, wenn angängig, iin Interesse em es Verletzten AusTnnft über den Stand der Untersuchung wider v. Zander und Genossen zu geben. Der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Firle, habe dies mit dem Bemerken getan: Er nehme keinen Anstand, im Interesse des Verletzten über den Stand der Untersuchung Auskunft zu geben. J.-R. 4-r. Mam­roth: Ich kann den Vorwurf, daß sich der Unteriuchung^ richtcr der Indiskretion schuldig gemacht hat, nicht zuriicknehmen, zumal aus den Aussagen des Kollegen Warmbrunn hervorgeht, daß der Untersuchungsrichter seine amtlichen Be- ug nissc weit überschritten hat.

Antrag des Staatsanwalts.

Staatsanw.: Damit die Angriffe gegen den Untersuchungs­richter endlich einmal aufhören, beantrage ich, drei Referendare und Landgerichtsrat Firle als Zeugen zu laden. Bert. Dr Mamroth: Ich falte den Antrag für überslusng. Ich taiin allerdings nicht umhin, das Verhalten des Landgerichtsrats ,\-irle gls voreingenommen, einseitig und b e d e n k l i cy zu bezeichnen, trotzdem falte ich eine nochmalige Erörterung dieser Vorgänge für überflüssig. Sollte aber dem Anträge des Staats­anwalts stattgegeben werden, dann beantrage ich, allen drei An­geklagten zu gestatten, sich vorher in ausgiebig,ter Weise über die ihnen vom Landgerichtsrat Firle widerfahrene Befandlung äußern zu dürfen.

Ter Untersuchungsrichter und drei Referendare werden geladen.

Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vor­sitzende' Der Gerichtshof hat beschlossen: den Untersuchungs­richter, Landgerichtsrat Firle, und die Referendare Burkhardt, Eilenburg und Dr. Pachur als Zeugen zu laden, -ter Gencyts- faf bat' außerdem beschlossen, den Angeklagten GkIegenbett zu geben, sich in ausgiebiger Weise über die ihnen angeblich vom Untersuchungsrichter widerfahrene Behandlung zu äußern. Ich muß aber dringend bitten, bis zur Vernehmung des llnterincfa ungsrichters und der drei Referendare sich aller Angriffe gegen den Untersuchungsrichter zu enthalten.

vermischtes.

* Ein moderner Bankbau. Welche umfassenden Vorkehrungen beim Bau eines neuen allen modernen Anforderungen entsprechenden Bankgcbäudes erforderlich sind, um Geld und Wertsachen gegen Einbrecher und Feuer zu schützen, erfährt man in interessanter Weise au5 einer von der Bau- und Architcktcnsirma Boswau & Knauer herausgcgcbenen Beschreibung des von ihr errichteten neuen Heims der Bant für Handel und Industrie in Hannover. Danach liegen die Stahlkammern mit über 900 einzelnen Geld- bezw. Wertfächcrn im Unter­geschoß: sämtliche Tresors sind von Räumen umgeben unü and) unterhalb derselben ist ein Kontrollkeller angelegt, sodaß eine Inspizierung und Be­wachung von allen Seiten möglich ist. Ferner ist eine äußerst empfind- liche Signalanlage angebracht, welche bei der geringsten Erschütterung und Ausdehnung des Stahls durch Wärme im ganzen Hause in Tätigkeit tritt, im selben Augenblicke erfolgt im ganzen Gebäude eine Alarmierung, wozu sieben lauttönendc Läutewerke, die an geeigneten Stellen montiert sind, in Tätigkeit treten. Das Leitungsnetz für die Telephon- und Signal- und' SichernngSanlage ist unsichtbar in das Mauerwerk verlegt. Es ge­langen hierzu insgesamt ca. 2000 Meter Kabel mit 1260 Adernpaaren zur Verwendung. Für die Verbindung resp. Abzweigestellen sind Kabel- vertcilungskasten ebenfalls in die Mauern eingelassen. Interessant ist auch, daß ein so umfangreicher Bankpalast außen wie innen binnen 10 Monaten erbaut wurde, allen, selbst den weitgehendsten Anforderungen genügen.

* Ein Wettlauf der Kahlköpfe. Das Volksguartier der Marollier in Brüssel muß, so will es der Lokalpatriotismus, alljährlich bei seiner Kirmes etwas Nagelneues, Niedagewesenes bieten. In diesem Jahre sind dieMaitres de plaisir auf einen Wettlauf der Kahlköpfe verfallen, derKlappkoppen", wie sie in der Mundart der Marollier heißen. Siebzehn Bewerber hatten zu diesem Rennen genannt", doch mir sieben davon wurden als hinreichend kahl befunden. Der Versuch einiger Gerissener, dieStewards" dieses Rennens durch Rasieren ihrer Behauptung zu täuschen, mißlang vollständig. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß das Rennen, daS durch die lange, dichtbevölkerte Hochstraße ging, ein voller Erfolg wurde. DaSTurf­publikum" ersparte den in tropischer Hitze dahinkeuchenden Konkurrenten neben zarten Anspielungen auf ihre Platte auch handgreifliche Anfeuerungen nicht: alS Hauptvergnügen aalt es, die leuchtenden Platten der vorüber- sausendenSpiegclköppe" mit Sirup, Waschblau ober Butter zu bestreichen. Als Preise winkten ben Siegern Pfeifen, Zigarrenspitzen und Geldsummen,

deren Höhe sich zwischen fünf und einem Frank bewegte. Abends fand in einer Kneipe noch die PrciSkrönung des schönsten Kahlkopfs statt.

* Kleine Tages chronik. Der Kriminalschutzmann IöckS in Stettin, her dem wieder cingesangenen Raubmörder Hennig ben Stockhieb versetzte, hat den Löwenanteil der aus­gesetzten Prämie, nämlich 1950 Mark, erhalten; dem Brauer Sattler sind 500 Mark zugesprochen worden, während der Wächter Haase, der hervorragend mitbeteiligt war, 250 Mk. erhält. Fleischer Kos­lowski und Schutzmann Sommer bekamen je 125 Mark, der Lehr­ling Hübner sowie die Schuhmachersfrail Glusa je 25 Mark. Der Wiener Advokat Dr. Dtax Eisler ist vom Akademikersteig auf der Rar abgestürzt. Er war auf der Stelle t 0 t. In R 0 in sind infolge Genusses von Fruchteis in einer renommier­ten Konditorei l3 Personen, darunter der bekannte Fürst Brancaccia, lebensgefährlich erkrankt. In N e w - P 0 r k beabsichtigt eine Gesellschaft ein Gebäude von 210 Meter Höhe mit 4 1 Stockwerken auszuführen. Bei einer Nachtspazierfahrt in der Nähe von Neunkirchen (Sesterreich) fuhr ein Automobil an einen Kilometerstein. Alle vier Insassen wurden au? die Straße geschleudert und zwei von ihnen, der Bezirkskommissar Baron Wittmann und der Bezirksrichter Dr. Rudolf, lebensgefähr­lich verletzt. Durch Feuer wurde das Torf B i s d 0 r f auf der Insel F e h m arn größtenteils zerstört.

Grinst Mfitö Wissenschaft.

Vorn Städelschcn Kunst in fti tu t in Frank­furt. In. der Umgestaltung der Galerie ist ein weiterer Schritt getan worden. Tie Kabinette der modernen Abteilung sind im Anschluß an den bereits von Professor Justi neugestalteten Lenbach-Saal renoviert worden. Die Bilder sind weniger ge­drängt als srüfar gehängt. Die einzelnen Werke kommen so besser zur Geltung, der Gesamteindruck ist intimer geworden. In ent)ln-echenbcr Weise wird in der nächsten Woche mit der Renovier­ung des Lessing-Saals begonnen, des Hauptsaals der modernen Abteilung, in dem die Werke der älteren Generation des 19. Jahrhunderts fangen. Der Umbau der Eingangshalle zum Kitpserstichkabinett zu einem Ausstellungsraum ist nahezu vollendet und wird demnächst mit einer Rembrandt-Aus­stellung, die dem 300 jährigen Geburtstag des Meisters ge- widmet ist, eröffnet.

NniversZtäts-Nachrschten.

Die Wünsche des Kaisers für denPrä­ses s 0 r e n ° A u s t a u s ch Prosesjor Murrah Butler, der Präsident der Columbia - Universität in New-Park, befindet sich zurzeit in Berlin. Ter Kaiser, so erzählte Proiessor Butler einem Berichterstatter, entwickelte in mehr als einstündiger Unterredung seine Öledanken, wie der Professoren Austausch ins Werk gesetzt werden sollte, und dcknach ist dieser denn auch organisiert worden. Ter Aionarch forderte eine systematische Darstellung der Einricht­ungen und der Entwicklung der beiden Länder durch Vorlesungen in der Sprache des Landes, in denen sie gehalten werden. Von diesem Gesichtspunkte aus wird als erster der sogen. Roosevelt- Professoren, die aus der vom New - Porter Bankier Speyer ge­machten Stiftung bezahlt werden, Professor Burg von der Columbia-Universität im nächsten Semester in Berlin über amerik. Verfassungsgeschichte lesen. Ihm folgt im Wintersemester 1907 Professor Hadley, der Präsident der Universität Pale, dessen Vortragsthema die volkswirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten sein wird. Er wird seinen Zuhörern u. a. darlegen, welchen Einfluß einzelne Industriezweige für bestimmte Gegenden der Union haben, wie die Eisenstadt Pittsburg entstanden ist, wie der Westen, voin mexikanischen Golf bis zu der Grenze Kanadas durch die Viehzucht groß geworden ist, von welchem Einfluß die Riesenfarmen auf den Nordwesten gewesen sind usiv. Als Grund­stock für die erforderliche Bibliothek bringt Professor Burgeß 1000 Bände mit als Ges ch c n k für die Berliner Uni­versität. Von Ministerialdirektor ^llthoff ist angeregt worden, daß die Professoren, nachdem sie im Winter in Berlin gelesen haben, im folgenden Sommersemester ihre Vorträge an einer anderen deutschen Universität, z. B. München usw. wiederholen möchten, und diesem Wunsche wird voraussichtlich entsprochen werden.

Handel nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

D on der Reichsbank. Wie gemeldet wirb, waren bei der Reichsbank die Rückflüsse bebcutenb unb wesentlich größer als im Vorjahr. Auch Metall ist viel zurückgeflossen, aber wegen der Reisezeit nicht wie sonst. Eine steuerfreie Reserve dürfte in der Zweiten Juliwoche noch nicht erlangt werben.

Die Berliner Börse war am Montag bei der Eröffnung fest, aber still. Die russischen Fonbs erfuhren eine Befestigung bis zu 8/< Proz. auf die Nachricht, baß Graf Witte zum Zaren berufen fei. Gestiegen sind noch Montanwerte, die viel von der Tagesspekulation zurückgekauft werden. Don Bahnen waren Baltimore beliebt, Mittelmeer angeregt, dagegen Meridional wieder abgeschwächt, weil man inbetreff der Verstaatlichungs- bivibende noch in Unsicherheit war. Prince Henri waren weiter schwach, weil ein Großspckulant seine Lösungen fortscht. Privatdiskont 36/8 Proz

Nürnberg, 9. Juli. In der heutigen Generalversammlung der Continentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen fragte beim Ge­schäftsbericht Bankier Dispeker an, woraus sich die Verluste ans Effekt en- konto resultierten. Direktor Petri erwiderte, die Anlagen seien nicht auf Grund augenblicklicher Erträgnisse, sondern zum ursprünglichen Kostenpreis angesctzt worden. Da nun einige Werke nicht besonders günstige Ergeb­nisse gehabt hätten und die Aktien der anderen dem Börsenkurse nicht ent­sprächen, seien Abschreibungen notwendig geworden. Dispeker nahm dann seinen bereits in der letzten Schlickert-Versammlung gemachten Sanierungsvorschlag durch Reduktion der Aktien im Verhältnis von 4 :3 wieder auf. Petri antwortete, daß die Verwaltung sich mit dies- bezüglichen Erwägungen beschäftige, daß sie aber den Zeitpunkt für eine Rekonstruktion nicht für gekommen erachte. Es handle sich nicht nur um Beseitigung der Nnterbilanz und Schaffung eines Reservefonds für die Zukunft, sondern auch um Gewinnung flüssiger Betriebsmittel. Bei ge­eigneter Zeit werde die Verwaltung entsprechende Vorschläge machen.