Ausgabe 
9.10.1906 Erstes Blatt
 
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Getreidepreiso in Manriheim

Eine sensationelle Freisprechung.

verboten.)

(Unberechtigter

van Nooy.) Coppelia/ Nibelungen/ ...

nachmittags 3 Uhr:Der Freischütz/ Abends 7 Uhr:Slmelta* oderTer Maskenball/ Montag beit 15. Okt.:Die Fledermaus/

Schauspielhaus.

Dienstag den 9. Oktober*):Helden/ Mittwoch den 10. Cf ober:Helden/ Donnerstag den 11. Oktober:Mamsell Nitouche/ Freitag den 12. Oktober: Zur Feier der25jähr. Wirksamkeit des H e r r n W r l h e l m Diegelmann am Frankfurter Stadttheater:Nathan der Weise/ Samstag--tlen 13. Oktober: Neu einstudiert:Die Stützen der Gesellschaft/

Sonntag den 14. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr:Der Weg zur Hölle/ Abends 7 Uhr:Tie Stützen der Gesellschaft/ Montag den 15. Oktober:Ein idealer Gatte/

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

lung ab. Der Vorsitzende, Bürgermeister Köhler-Langs­dorf, sprach über die Revision der Landgemeindeordnung, insbesondere die von ihm und dem 9lbg. liebet im Ausschuß angeregten Abänderungen, die nicht als Anträge gedacht seien, andern nur dazu anregen sollten, die berührten Fragen zu besprechen, nm daS beste und zweckmäßigste herauSznfinden. Der neue Gesetzentwurf lehnt sieh ziemlich an den alten an, neu ist u. a. eine präzisere und erschöpfendere Formulierung der Bestimmungen über die Gemeindewahlen, die Möglichkeit der Anstellung besoldeter Bürgermeister, Bestimnnmgen über die AmtSentsctzung von Bürgermeistern, Bestimmungen über die Vertretung von Bürgermeistern und Beigeordneten im Falle gleichzeitiger Verhinderung beider, Regelung der Rechtsver­hältnisse der Gemeindebeamten (Gemeindebean'.ten-Gesetz) und Schaffung einer rechtlichen Grundlage zur Bildung von Ge­meindeverbänden. Die Abgg. Köhler und liebet haben u. a. folgende Wünsche geäußert: Die Altbürgermeister werden Mitglieder des Gemeinderats. Die wahlberechtigten Mit­glieder einer Gemeinde sind verpflichtet, ihrer Zuteilung zu Wahlkommissionen bei öffentlichen Wahlen zu entsprechen. Die Männer von Töchtern von Ortsbürgern, die in den Ort heiraten, werden ohne Zahlung von Einzugsgeld Ortsbürger. Der Gemeinderat besteht in Gemeinden bis 1000 Einwohner auS 6, bei 1000 bis 3000 Einw. auS 9, 3000 bis 5000 Einw. aus 12 und 5000 bis 10 000 Einw. auS 15 Mit­gliedern, die Gcmeinderatswahlcn erfolgen auf 3 Jahre. Die Wahlberechtigung der OrtSbürgersöhne soll erleichtert, die Zugezogener dadurch erschwert werden; daß hessische Staats­angehörigkeit verlangt wird, dagegen soll die Forderung zwei­jährigen Unterstützungswohnsitzes fallen gelassen werden. Die Bestimmung, daß die Volksschullehrer nicht wählbar sein ollen, wird gestrichen. Der Kreisrat soll die Pflicht (jetzt: )aS Recht) haben, Wahlen zu beanstanden, wenn anzunehmen ist, daß sie auf unlautere Weise zustande gekommen sind. Die geheime Wahl soll auf dieselbe Weise besser geschätzt werden, wie dies bei den ReichStagSivahlen geschieht. Das Ein- konunen deS Bürgermeisters besteht auS dem Amtshonorar, dem Bureauauswand, einer Pauschalsumme aus der Staatskasse für vorwiegend im staatlichen Interesse vorgenommenen Llnsts- geschäfte und den Gebühren von Privaten. In ©enwinben über 500 Seelen kann die Anstellung von Ratsschreibern erfolgen. Die Gemeinderatssitzungen sollen in der Regel öffentlich sein, die Bestimmung, daß im Falle seiner Anivcscn- heit der Kreisrat den Vorsitz in den Sitzungen führt, soll gestrichen werden. Die auL dauerhaften Papier herzustellendcn Protokollbücher werden unter Denkmalsschutz gestellt. Die Bürgermeister und ihre Ehefrauen dürfen keine Schankwirt­schaft betreiben. In der lebhaften Besprechung dieser Vor­schläge, an der sich namentlich die Bürgermeister Leun- Graßen-Linden, Fendt-Hungen und Dörmer-Lich be­teiligten, wurde diesen Anregungen im allgemeinen zugestimmt; keine Gegenliebe fanden die Vorschläge über die Verringerung der Zahl der Gemeinderatsmitglieder in kleineren Gemeinden und die dreijährige Wahlperiode. Auch die Bestimmung über die Nichtwählbarkeit der Lehrer soll bestehen bleiben. Bei der Bestimmung, daß daS Nichtzahlen der Gemeindesteuern das Wahlrecht aufhebe, wünschte Herr Fendt, daß die bös­willigen Nichtzahler auszuschließen seien, unverschuldet in Not geratenen Leuten aber das Wahlrecht belassen werden solle. An diese Besprechung schlossen sich die Vorstandswahlen an, deren Ergebnis bereits mitgeteilt wurde.

Von den Veterinärämtern. S. K. H. der Groß Herzog haben den Assistenzveterinärarzt Dr. Helnmth Peters zu Wald-Michelbach zum zweiten Veterinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz mit dem laufenden Rang eines Kreisveterinärarztes, den Assistenzvetcrinärarzt Dr. Heinrich Fauerbach zu Homberg a. d. Ohm zmn Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramtes Bingen mit dem Wohnsitz in Gau- AlgeSheim, den praktischen Veterinärarzt Karl Blume zu Gernsheim zum Assistenzvetcrinärarzt mit dem Amtssitz zu Homberg a. d. Ohm, den praktischen Veterinärarzt Ignatz Engelmann zu Langen zum Assistenzvetcrinärarzt mit dem Amtssitz zu Wald-Michelbach ernannt.

m. Annerod, 8. Okt. Das am gestrigen Sonntag vom hiesigen Turnverein veranstaltete erste Abturncn, verbunden mit Wetturnen, nahm unter zahlreicher Beteiligung der Einwohnerschaft Annerods einen recht guten Verlauf. Von 43 Wetturnern wurden folgende als Sieger ausgezeichnet: a. Aktive Turner: 1. Sieger Ph. Bindcburg, 2. Friedr. Dörr, 3. Hch. Schäfer, 3. Karl Schäfer, 4. Wilh. Mohr I., 5. Wilh. Mohr II., 6. Phil. Schäfer, 7. Wilh. Dörr, b. Zöglinge: 1. Sieger Ludw. Vindeburg, 2. Hch. Mohrl., 2. Hch. Wehrnm, 3. PH. Brück, 4. Wilh. Schäfer I, 5. Ludw. Schäfer, 6. Wilh. Schäfer II., 7. Karl Wächter, 8. Ludw. Dörr, 9. Hch. Mohr II.

Bad-Nauheim, 8. Okt. S. K. H. der Großherzog stellte der hiesigen Kurverwaltung zur Ausschmückung unseres Kurhauses ein ca. 6 Quadratmeter großes Oclgemälde aus seinem Privatbesitz zur Verfügung. Das Bild ist gemalt von T. Ethofer und stellt eine Marktszene in Salzburg vor, betitelt ist eSEin Ereignis". Der Wert des Gemäldes ist vmt 10 000 Mk. angegeben. Der Großherzog hat sich daS Eigentumsrecht vorbehalten. Tic Kurverwaltung hat sich entschlossen, Gesellschaftssaal und Lesezimmer im Kurhaus bis 1. November geöffnet zu lassen. Man hat hiermit den Wünschen der noch amvesenden zahlreichen , Kurgäste, die von dieser Einrichtung den weitgehendsten Ge­brauch machen, in liebenswürdiger Weise entsprochen.

(Tarmst. Ztg.)

Aus S.aSt inte fcatto,

Sprechstunden der Redaktion 111 Uhr vorn:., K-7y28 Uhr abds. Gießen, den 9. Oktober 1908.

Die Bürgerineisterkonferenz des Kreises Gießen hielt am SamStag nachmittag, wie schon kurz nitgeteilt wurde, im Cafe Ebel eine Hauptoersamm -

Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 Kg. 54 Psg.

des Budgereit schlafen zu wollen. Letzterer mischte sich auch in den Streit und schlug mit einer Eisenstange auf Krämer ein. Am nächsten Tage waren Frau und Schlafbursche ver- chwunden. Den Wohnungsschlüssel übergab ein Mädchen dem Krämer auf der Straße, sein Kind wurde ihm erst abends wieder zugestellt. Der Schlafbursche Butgereit beauftragte nun zwei junge Leute, seine noch bei Krämer befindlichen Sachen abzuholen. Diese erschienen nach 10 Uhr vor dem Hause, in welchem der Angeklagte wohnte. Es kam zu Diffe­renzen zwischen diesem und den jungen Leuten, von dem der eine, namens Breetz, mit dreister Manier gegen Krämer auf- trat und ihm unter anderem höhnisch erwiderte, es ginge ihn garnichts an, wo sich seine Frau befände, nach deren Auf­enthalt sich Krämer angelegentlichst erkundigt hatte. Als Antwort auf diese Bemerkung schlug Krämer den Breetz mit der Krücke seines Stockes über den Kopf. Breetz brach sofort bewußtlos zusammen und starb kurze Zeit darauf. Krämer wurde sofort verhaftet und erst auf Antrag seine? Verteidigers aus der Haft entlassen. In der Verhandlung beantragte der Staatsanwalt dasSchuldig* gegen den Angeklagten, indem er die Tat als sehr schwer schilderte. Rechtsanwalt Bahn beantragte die Freisprechung, weil dem Angeklagten der Schutz )e§ § 51 Strafgesetzbuchs zur Seite stände. Kramer habe in einem Zustand vorübergehender Bewußtlosigkeit gehandelt, heroorgerufen durch die wahnsinnigen Aufregungen, welche er durch die Entdeckung des Ehebruchs gehabt hätte. Sein Zustand sei mit einem Dämmer- oder Traum- zustande zu vergleichen. Die Geschworenen schlossen sich diesen Ausführungen an und sprachen den Angeklagten frei. Derselbe wurde von einer jubelnden Volksmenge in Empfang genommen.

Märkte.

Gießen, 9. Oft. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 0.901.00 Mk., Hühnereier 1 St. 89 Big., 2 Sick. 0000 Psg., Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 0 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen v.Pfd. 18-24Pfg., Linsen p. Psd.25-40Psg., Tauben pr.Pr.0P0 1,00Mk., Hühnerpr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Alk., Enten pr. Stuck 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0000 Pfg., Ochscnfleisch pr. Pfd. 8288 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Psg., Schweine- lleisch vr. Pfund 90100 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8490 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Pfg. Welsche per Pstmd. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,007,00 Mk., Zwiebeln pr. Zkr. 5,006,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepsel per Zentner 10 bis 18 Mk., in Körben 00 Pfd., Nüsse 100 Stück 30 Pfg., Birnen per Pld. Mk. 0.000.00, per Ztr. 915 Mk., Zwetschen per Ztr. 2,002.50 Mk., Weißkraut per Stück 1015 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marktzeit 8-2 Uhr.

Weizen 100 Kg. 18.-00.00 Mk.

Roggen (neuer) 100 Kg. 16.7500.00 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.

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Spielplarc der Vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Dienstag den 9. Oktober'):Der Ring des Nibelungen/ Vorabend:Tas Rheingold/ Mittwoch den 10. Oktober: 1. Abonne­ments-Konzert. Donnerstag den 11. Oktober, abends 6 Uhr: Bei aufgehobenem Abonnement: Gastspiel des Herrn Antonvan Roon:Tie Meistersinger von Nürnberg/ (Hans Sachs: Herr Freitag den 12. Oktober:Flautosolo/ Hierauf: (Ballet.) Samstag den 13. Oktober:Ter Ring des 1. Tag:Die Walküre." Sonntag den 14. Oktober,

sttömen nach den Städten, die denn auch rapid wüchsen. l Die Städte sind stolz darauf, aber es ist kein Segen fürs < Volk. Die Leute werden infolge der Wohnungsnot in Miets- j Tafenten zusammengepfercht, die die unerfreulichste Er- ( scheinung der Großstädte sind. Mer auch auf dem Lande fehlt vielfach das rechte Verständnis für eine gesunde Wohnung. Eine Reform ist in Stadt und Land dringend ( nötig, um unser Volk in gesundheitlicher, sittlicher und ethischer Beziehung vor dem Niedergang zu schützen. Die > Baugenossenschaften haben in dieser Frage bereits viel Segensreiches geschaffen. Durch das fortwährende Hin- und 1 Herfluten der Volksmasseu geht daS Heimatgesühl verloren, 1 wir müssen den Mann seßhaft machen und ihm im eigenen ; Hause persönliche Freiheit geben. Die Baugenossenschaften l stärken durch den Hausverkauf auch den Sparsinn der Leute. , Referent schloß mit den Worten:Möge unser Volk immer ( mehr die Wahrheit des Satzes erkennen:Eine gute Wohn­ung ist das halbe Leben"." Die interessanten Ausführungen des Redners ernteten lebhaften Beifall.

Um 31/4 Uhr schloß der Vorsitzende die Verhandlungen, Und es schloß sich noch ein gemeinsames Mittagessen an. <

Nach dessen Beendigung fand eine B e s i ch t i gu n g der 1 von der Gießener Baugenossenschaft errich­teten Häuser statt. Die Genossenschaft hat bereits 43 Häuser im Herstellungswerte von 431000 Mk. errichtet. Diese Gebäude wurdet: wegen ihrer schönen Einrichtung und netten äußeren Ausgestaltung allgemein gelobt. Eine von der Genossenschaft eingerichtete Kleinkinoerschule ist in erster Linie für die Bewohner der Genossenschaftshäuser bestimmt, nimmt aber, soweit noch Plätze frei sind, auch Kinder anderer Gießener Einwohner auf.

Ucöer das neue Hießener Nahnhossgcväude ging uns von einem Fachmanne folgende kritische Aus- laffung zu:

Durch daS neue, dem Verkehr jetzt übergebene Vahnhofs- EmpfangSgebäude, welches in eigenartig verarbeiteten romani­schen Formen erbaut ist, hat unsere Stadt eine Bereicherung um ein öffentliches monumentales Gebäude von architektonischem Wert erfahren.

Die große Empfangshalle mit dem an der einen Ecke geschickt angegliederten, reich ornamentierten Empfangspavillon samt dem neuen Bau für den Wartesaal 3. und 4. Klaffe und dem gedrungenen, in guten Verhältnissen abgemessenen Uhrturm, welcher als Bindeglied zwischen den verschoben an­einander gelegten vorerwähnten Hallen dient und als archi­tektonisches Moment unumgänglich notwendig erscheint, bilden zusammen eine wohlgelungene, vom Bahnhossplatze auS malerisch wirkende Gruppe, welche nach Fertigstellung des SperrhäuschenS mit Verbindungsgang noch vervollständigt werden wird.

Ob die Wahl deS romanischen Stils für ein derartiges Gebäude gerade die geeignetste gewesen ist, darüber läßt sich streiten, und ob die ganze Gruppierung der Gebäudemassen organischer, mehr in sich geschlossen hätte sein können, darüber kann man auch verschiedener Meinung sein. Aber es ist nicht der Zweck meiner Auslastungen, von dem, waS hätte sein können, sondern von dem, waS ist, zu reden.

Die Ausführung in rotem Sandstein mit schönem bild­nerischen, an den rechten Stellen angebrachten Schmuck ist durchaus gediegen und zeugt von einem echten künstlerischen Können.

DaS Steinornament des Aeußeren setzt sich im Inneren der großen Halle weiter fort und erfährt durch eine mit Maß angewandte, vornehm wirkende Polpchromisierung noch eine Bereicherung. Im übrigen ist der Ausbau der Halle sehr schlicht gehalten. Die gewölbte, durch Querbogen ge­gliederte Decke ist teilweise mit modernem, an daS Romanische anklingenden Ornament mit Geschick bemalt, wodurch ver­sucht ist, das Oede der leeren großen Halle, in welche der Verkehr erst noch hineinwachsen muß, etwas lebendiger zu gestalten. Die Benwlung der Fensterumrahmung mit künst­licher Quaderung hätte man vermeiden sollen, umsomehr, da sonst überall der Eindruck der Echtheit vorherrscht. Wenig glücklich gelungen in seiner Farbenharmonie zum Ganzen ist der gelbe Anstrich der sonst gut gearbeiteten Holzeinbauten, wie Schalter u. s. w. Hier hätte man eine ästhetischere Wirkung durch fein abgestimmtes Lasieren der Hölzer und Sichtbarlassen der natürlichen Maserung erzielt. Dürftig geradezu erscheinen die schmiedeeisernen Barriören an den Schaltern in der Bahnsperre, bei deren Anblick man sich des Eindruckes nicht erwehren kann, als ob die Mittel zu einer reicheren Schmiedearbeit ausgegangen wären.

Mit dem Eintritt in den Wartesaal I. und U. Kl., welcher durch Umbau des alten Wartesaales entstanden ist, verläßt uns das romanische Element und wir haben ein freund­liches, durch Pfeiler und Bogenstellung in zwei Teile zer­legtes, in gutem Geschmack eingerichtetes modernes Restau­rant vor uns, welches zum Teil durch Ober-, 5um Teil durch Seitenlicht beleuchtet wird. Die grünen Kacheln und die Stoffbespannung der unteren Wand mit einem reizvoll auf­getönten Muster, umrahmt von dunklem Holz, der darüber laufende in zartem Grau gehaltene Schablonensims geben dem ganzen Raum zusammen mit dem gediegenen leder­gepolsterten Mobiliar, den messinggetriebenen Beleuchtungs­körpern, Schirmständern und Kleiderablagen ein vornehmes und doch gemütliches Gepräge.

Das anstoßende Damenzimmer ist mit besseren und modernen Möbeln ausgestattet und der kleine Speisesaal hat durch eine schlichte, aber geschmackvolle farbige Behandlung der Wandflächen ein freundliches Aussehen erfahren.

So kann Gießen, wenn man die öden Bahnhofsbauten anderer Städte mit ihren unfreundlichen Ausenthaltsräumen und ihrer geschmacklosen Ausstattung zum Vergleich heran­zieht, alles in allem mit seinem neuen Bahnhofsgebäude sehr zufrieden sein. War es doch keine leichte Aufgabe, in dem Winkel, in dem die Oberhcssischen Bahnen mit der Hauptbahn zusammenlaufen, unter teilweiser Mitbenutzung dcS alten Ge­bäudes eine Anlage zu schaffen, die allen technischen Einforde­rungen gerecht werden und zugleich einen ästhetisch wirkenden Abschluß des Bahnhossplatzes bilden sollte.

Berlin, den 8. Oktober.

Eine sensationelle Freisprechung erfolgte vor dem Schwur­gericht deS Landgerichts I. Ter Oberwärtcr in der Eharitee, Krämer, war angcflagt, einen 17jährigen Mann auf der Straße mit einem Krückstock erschlagen zu haben. Eine traurige Ehebruchstragödie ist die Quelle des Vorfalls gewesen. Krämer hatte vor seiner Verheiratung ein Verhältnis mit seiner jetzigen Ehefrau, auS welchem ein Kind hervorging. Seitdem sein Cousin Butgereit zu ihm gezogen ivar, verdüsterte sich der Ehehimmel, bis Krämer schließlich die Gewißheit erlangte, daß seine Frau mit Butgereit die eheliche Treue verletzte. Es kam. in einer Nacht zu Streitig­keiten, in deren Verlaufe Frau Krämer erklärte, im Zimmer

Eingesandt.

(Für den Inhalt der unter bieicr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Der Gieß. Anz. vom Samstag enthält einen Artikel über die Landwirtschaftskammer-Wahlen, welcher nicht un­widersprochen bleiben kann.

Bei allen Wahlen macht sich ein Vordrängen der Herren Landtagsabgeordneten bemerkbar, als ob sie nur allein die berufenen Vertreter der Landwirtschaft sein könnten. Dieses ist unfein und es würde den Herren schön stehen, wenn sie den anderen bewährten Landwirten auch eine beratende Stimme zukommen ließen. Ter Wahlkreis Lich-Hnngen gehörte eigentlich Herrn Oekonomierat Hoffmann und nicht Herrn Altbürgermeister Köhler, da letztgenannter Herr Aemter und Wurde,r genug hat. WaS Grünberg-Homberg betrifft, sind Sie falsch unterrichtet. In einer Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte wurde Herr Eduard L u tz - Elpenrod als Kandidat ausgestellt. Da dieser Herr aber außerhalb des Wahlbezirks wohnt, trat 8 Tage später eine Anzahl Landwirte in Grimberg zusammen und beftimmte Herrn E m m c 1 - W a r t h 0 f als Kandidaten zur Landwirtschafts­kammer. Diesem Herrn kommt auch das Mandat zu, da er sich schon viele Verdienste um die Landwirtschaft erworben und seither zmn Segen für dieselbe auf uneigennützigste Weise in seinem Bezirk gewirkt hat. Herr Brauer wurde erst in letzter Linie von den Herren Abgg. Bähr und Köhler ausgestellt und auf deren Geheiß agitierte ein Mann, Namens Reuther, im ganzen Bezirk für Herrn Brauer.

Alle Landwirte sollten bedenken, daß die Mittel für die Land- wirtschaslSkammer von den Landwirten aufgebracht werden müssen. Taher, um zu sparen, wären möglichst k u r z e T a g u n y e n am Platze, wozu aber Landtagsabgeordnete nicht passen, da sie das Reden schon zu sehr gelernt haben und man in der Landwirtschaft Taten sehen und keine langen Reden hören will. Also im Wahlkreise Grimberg-Homberg genau so wie im Bezirk Großenbuseck 3 Kandidaten: Brauer, Emmel, Lutz.

Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 8. Oktober 1906.

Höchste Schlachtviehpreise in F r a n f f u r t a. £01.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8589 Mk.

7, Kg.Schlachtgew.100 -106 Pf.

7, 79-00

7. Kg. 82-88 Psg.

7, , 8490 ,

7. 90-100 ,