Nr. 288
Zweites Blatt
156. Jahrgang
Freitag?. Dezember 1906
Erscheint Dßllch mit Ausnabme deS Sonntag».
Dte „•teHcnet jfamtlknblätter* werben dem „Anzeige, mennal wöchentlich bctqelegL Der dHelftichch Canöwur erschetni monatlich einmal.
ZRotahonffbnid anb Verlag bet Btfi 6f Hd» UntceTftiätSbrudcreL SL Lang».
fRebaftton, Expeditton a. Truderet: S.^uffTr X Tel. Nr. 6L ielegt.-flbt. j ttn^etga Äußeu
Eenera.-Aiizeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.
Aus S.aor uno Luno.
Sprechstunden der 9leb ait.cn 11—1 Uhr vorm., V2?—V28 Uhr abdZ.
Gießen, den 7. Dezember 1906.
•• Kammer sä ngerin. Se. Kgl. Hoh. der Groß- herzo-g haben der Frau Ellen Gulbranson ztt Haug in Norwegen den Charakter als Kammersängerin erteilt.
•• Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Büdingen auf die Lehrers! et le an der Gemeindeichule zu Heegheim präsentierte Cchulamtsaspiranl Karl Ganz aus Bindsachsen.
— Ter Nationalliberale Verein Gießen hielt am Mittwoch abend seine Generalversaiumlung ab. Aus dem uns zugeslellten Bericht entnehmen mir folgendes: Die Vor- slandsivahl ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Es wurde bekanntgegebcn, daß der seitherige NeichStagSabg. Kommerzienrat Heyligen staedt sich coent. bereit erklärt hat, in der kommenden Reichstags- ivahl als Kandidat sich wieder zur Verfügung zu stellen. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Darmstädter Protest-Versammlung am 4. November. Die Generalversammlung stellte sich im Prinzip auf den Standpunkt der Protest-Versammlung und billigte das Verhalten, daS die nationalliberale Fraktion in der Zweiten Kammer bei der Interpellation Elßnert eingenommen hat.
** DerRaubmörderSteinnietz von Pfungstadt, dessen NevisionSgesuch vom Reichsgericht verworfen wurde, beabsichtigt jetzt, wie uns auS Darmstadt gemeldet wird, ein Gna dengesuch an Se. Kgl. Hoh. den Großhcrzog zu richten.
** I n große Aufregung sind die Landwirte in mehreren Orten der Umgegend von Schotten, Nidda, Lich, Grünberg versetzt durch das spurlose Verschwinden des Schweinehändlers G. Hofmann auS Ulfa. Er hat in mehreren Orten große Schulden hmterlasten, so ist er z. B. in Queckborn den Landwirten für fette Schweine etwa 1500 Mk. schuldig geblieben, ähnlich liegen die Verhältnisse in anderen Orten. Dagegen hat der Verschwundene seine Ausstände größtenteils eingezogen.
O Ober-Bessingen, 5. Dez. Unsere Gemeinde wird gegenwärtig an das staatliche Wasser werk Lau ter angeschlostcn, dessen Hauplrohrstrang in der Nähe des Dorfes vocbelführt. Etwa 70 Arbeiter sind an den Anschlußarbeiten beschäftigt. Am 1. Mal soll daS Dorf dem Betrieb des Wasserwerks angeschlosten fein. Welche Wohltat der Gemeinde
NM . 1rr:iim.m -n r im ^.Tgrrr»«-,
Der Ibjcvfeier des Kießener Theateiv.reius zweiter Teil.
Irene Triesch als Frau vom Meere.
Für die Jbsensorschung bedeutungsvoll ist das Dezemberheft der bleuen Rundschau", die der Professor von der Charlottenburger technischen Hochschule Dr. OSkar Bie bei S. Fischer in Berlin k^rausgibt. Das reichhaltige und wertvolle Hest verüfsentlicht außer vielem Anderen Skizzen aus Ibsens Nachlaß, darunter auch die ersten Entwürfe von „Nora" und der „Frau vom Meere." Ter Entwurf zu der lederen ist üt vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Wrr erfahren daraus, daß Ibsen in diesem Drama e.n paar Charaktere fchi.ter.r wol.te, in teilen „eine Fischart das Urlied in ter Entwickelungsreihe" bildet und in deren Innern noch Rudimente davon sitzen. „DeS Meeres anziehende Macht" sollte g.eschildert werten. „Das Meer gebietet über eine Macht ter Stimmungen, die wie ein Wille wirkt. Das Meer kann hypnotisieren. Die Natur überhaupt kann das. Das große Geheimnis ist die Abhängigkeit des Menschenwillens von dem Willenlosen!" Also um das Hineinragen mystischer Naturgewalten in das Leben des Menschen ist es Ibsen zu tun, was der in den Vorgängen so ganz realistischen Dichtung mit ihrem karfen romantischen Einschlag etwas Verschwommenes gibt. Es i)t eine phantasievolle, auf der Entwickelungstheorie basierende Erweiterung des Gedankens, den Kaiser Wilhelm IL in die Worte gekleidet hat: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser." Sagt doch Ibsen in dem Entwürfe auch: „DeS Meeres sollten wir uns bemächtigen. Uns schwimmende Städte auf dem Meere anlegen. . . Stürme und Wetter meistern lernen. So etwas Glückseliges wird kommen." Und dann an anderer Stelle die für Elli da überaus charakteristischen Worte: „Das Geheimnis ihrer Ehe... ter Einbild- ungsirast Macht, die sie zu dem ersten hinzieht. Zu dem Entschwundenen. Im Grunde — in ihren unbewußten Einbild- ungen — ist ers, mit dem sie ihr eheliches Leben lebt." Und weiter: „Eine Freimaurerei hoben die anderen Hausgenossen untereinander. . . Sie wird nie hineingelangen. Die andern wissen ihr Teil. Sie steht draußen." Also auf beiden Seiten Eemein- schastsmangel, der Eheglück nicht aufkommen läßt.
Der BeziriSarzt Wangel, der Gatte Ellidas, erscheint in dem Entwurf als Rechtsanwalt, dessen Vergangenheit durck) eine unbesonnene Affäre befleckt ist. Es sollte ein Krntorist und heimlicher Lichter darin Lustreten, in dem wir unschwer Foldal aus „John Gabriel Borkmann" erkennen. Der Ort der Handlung ijt ein im höchsten diorden gelegener Seebateort mit einem Sanatorium, in tem sich eine Reite von Badegästen zwanglos zusammenfindct. U. a. ist dann noch von einem Schneider die Rede, ter sich als Geburtshelfer des Radikalismus gebärdet, und ein paar weiteren Figuren, die in dem späteren Drama keinen Raum gefunden
einer anderen Stelle dieses Jbsenheftes wlrd e^ählt, daß genau die gleiche Handlung wie Ellida und der „Fremde" Ibsen selber und eine geliebte Frau einst geübt haben: auch „sie banden die Ringe an den Schlüsselbund und warfen sie tem Meere zu." . . .
Dieses Drama, das der Dichter übrigens genau vor 20 Jahren, im Sommer 1886, auf dem dänischen Jütland in Angriff nahm, wo sein einziger Verkehr daS Meer war, sahen wir vor ein paar Jahren in unserem Stadttheater mit Alwme Wiecke in ter Titelrolle als Gast. Diese Berliner St'üniderin hatte etwas lärmend Theatralisches, ihre Kling wandelte in den allen Banden der Clara Ziegler. Und so schritt sie denn einher wie eine nordische Medea Weimarischer Schule und deklamierte uns Ibsens Meer,rau wie eine antike Tragödie vor. Tarum begegnete damals die Dichtung h.er dem Aiifchein nach nur geringem roeritändnis. „Gar zu fremdart.g", so schrieb ich damals, „mutete sie an, gar zu unfaßbar blieocit die sellsamen Regungen der von Halluzinationen und mediumistischei: Visionen gepeinigten Ellida. Unerschüttert verließ das Publikum das Haus und unüberzeugt."
Aüiters gefteru. Irene Triesch, ter „deutschen Düse", jvie; ejl Münchener SVutifer, Gustav Erlanger, in feinen „Müw-
duich den Anschluß zuteil wird, mag aus der Tatsache erhellen, daß unsere Gemeinde mit beträchtlichen Kosten vor zwei Jahren wiederholt nach Master suchte, aber leider ohne Erfolg. Jetzt erhält das Torf zu mäßigem Preis seine Wasserversorgung. Auch in Nonnemoth wird zurzeit am Anschluß gearbeitet. — Wegen Fischereivergehens wurde ein hiesiger Geschäftsmann angezcigt. Er ist dringend verdächtig wiederholt ohne Berechtiguiig in der Wetter gefischt zu haben.
iv. Nocken berg i. d. Wetterau, 6. Dez. Am Mittwoch, ,5. d. Nits., sand hier unter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Kayser ans Bad-Nauheim eine auS sämtlichen an dem Wetterlalbahn-Projekt beteiligten Ortschaften deS Wettertales sehr zahlreich besuchte Versammlnng statt, wodurch daS Projett seinem Abschluß erheblich nähcrgebracht wurde. Dem formellen Abschluß des Vertrages mit der Unternehmersirma Lenz u. (So., deren Wünschen die beauftragten Mitglieder der Versammlung vollständig entsprachen, stehen jetzt keinerlei Schwierigkeiten entgegen. Tie Versammlung nahm als endgültiges Resultat folgende Ncso- lution an: Das Komitee schlägt folgende Verteilung der Obligationen vor: Nockenberg 100 000 Mk., Oppershofen 50 000 Mk., Steinfurth 100 000 Wisselsheim 30 000 Mk., Nödgen 20 000 Mk., Bad-Nnnheim 50 000 Mk., 'zusammen 350 000 Mk., und zwar unter verhältnismäßiger Reduktion dieser Beträge auf ein Gesamlkapital von 983 000 Mark statt 1 000 000 Mk. und unter Anerkennung eines ZinsverzichlS für die ersten fünf Jahre, sodann 33/4 Proz. Verzinsung. Ferner erklärt das Komitee einstimmig, daß es energisch an dem Projekt Griedel — Bad-Nauheim festhält und dessen schleunige Tnrchführung erwartet. Tie Slomitcemilglicber enthalten sich bezüglich der obigen Kostenverteilung, soweit ihre Gemeinde m Betracht kommt, dec Abstimmung.
Mlrd)lid?e Nachrichten.
Evungetlschc Gcmctuoe.
Kotlr,dlenlt.
Sonntag, den S. Dezember, L. Advent. In der Stadlllrche.
Vormittag- 9V, Uhr: Prozessor D. DrewS.
Vormittags 11 Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für die Militargememde. Plärrer Euler.
9lad.)inuiagS 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgememde.
Pfarrer Schwabe.
Abends 5 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Beichte und heiliges Abendmahl für die MatthäuS- gemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jiigend ein«
ebener Schaufpierpremicrcii" (München, Fritz Svrugj sie zutreffend genannt h-t, ist der Zug inS Uferlose, ins Transzendentale eigen. Und so war tenn die gestrige Leistung ihrer zur deliziösesten Köstlichkeit geteilten Kunst von unheimlicher Schönheit. Das un- widersteh.iche Grausen und dennoch gewaltig Anziehende der dichterischen Figur fand in Frau Trleschs Darstellung überwältigenden Ausdruck. Die Leidenschaft des seltsamen Weibes, die Abstufungen des seelischen Empsintens malte sie vor unseren Augen mit einer Ibsen schier kongenialen Meisterschaft. Man kennt und bewundert hier längst ihre mimische Scclcnmalkunst. Das hauptsächlich Faszinierende ihrer Persönlichkeit liegt in ihrem Auge. Der italienische Dichter d'Annunzio h.it seine „Gioeonda" „Eleonora Düse mit den schönen Händen" gewidmet. Es wird wohl noch ein deutscher Dramatiker kommen, der seine liebpe Dichtung Irene Triesch um ihrer Augen willen zueignen wird. Wenn wir )ie, vom Meere kommend, au 1 treten sehen, dann haben ihre Augen etwas Müdes, Melancholisches, Leitendes. „Das Wasser i|t krank hier in den Fjorden. Und es macht einen auch krank." Diese Augen scheinen zu brechen. Aber dann, da Lyngi.rand die Idee seines Siliniitoerted enthüllt, da beginnen diese Augen zu wachen. Und zu wachsen. Die Triesch hort mit den Augen. Und eg wogt in ihnen ein Sturm von Leben, von intensivem, beängiiigeiibcm, verwirrendem Leben, das uns mit Bangigkeit erfüllt. Und mit Rührung. Und es erschüttert uns. Alles ist scheinbar von unstudierter Wahrheit. Tenn untheatralisch, unübertrieben ist, wenn sie ausschreit, und unübertrieben ist die Gestikulation. Unübertrieben wie das Leben. Weinen auf ter Bühne laßt sich erlernen. Aber was nicht zu erlernen ist, was man im Blut haben muß, das ist die Impulsivität, dieses innerliche Durchleben tes Weinens und tes Lachens, des Schmerzes und ter Freude. Die Triesch unterbricht scheinbar ihr eigenes Leben, um tes Le^rt ter Dicht.rge^alt zu leoen. Andere bedienen sich ihrer Rolle; sie dient ihr. Andere lasten sich in ihr betountem — sie läßt sie in sich bewundern. Ihr zweifellos etwas schwaches Organ ist von eigenem Reiz, silbrig, dem Plätschern eincS Quelles vergleichbar, oder einem zarten Wellenspiel, oder dem Wispern duftender Frühlingsoäume. Erscheint sie doch selber fast unkörperhast, w.e verwunschen, wie eine jener Phantasiegestaltcn Feuerbachs. Im letzten Akte hatte auch |ic besonders viel von ter am Meeresstrande trauernden kauernden Kvlchierin. Und wundervoll war da die feine Zartteit, ter sensible und zugleich sublime Geist ihres Prosits. Die Meer- ftau hat sie ganz pathologisch genommen. Man kann darüber UreUeii, ob tes die richtige „Lusfassung" ist. Viele Josendeuter leugnen tes. Sie hat, so meinen sie, bloß eine ungemessene grause Furcht vor dem Fremden, Fernen, und eine gleich un- gemessene Sehnsucht nach „Freihett", nach Grenzenlosem, Bodenlosem, das dem Meere gleicht. Aber diese Sehnsucht hat sich doch wohl in Ellida bis zum hysterischen Leiden geseigert; sie leitet an der ungestillten Sehnfucht wie an der Furcht vor dem Fremden, dem Anderen, zu dem es sie lockt und zwingt und zerrt. Jedenfalls gestaltet ter Triesch seiner, hochgradig nervöser J.nlinkt diese leidende Sehnsucht oder dieses sihii,uchtsvolle Leiden jo, daß dieses Leiden grauenvoll sich uns mitteiit, daß es uns quält und an uns zerrt, als mußten unsere Nerven reißen. 9loch wenn sich Jayre dazwischen getürmt haben werten, wird, wenn wir „Die Frau vom Meere" lesen, tes Auge und die Stimme ter Triesch vor uns erscheinen und mit uns meinen.
Tas Publikum bereitete der Künstlerin die bejcljciöcnen Ovationen, Die hier üblich sind.
Uiijere tapferen Söhne und Töchter Miedings hatten neben ihr einen äußerst schweren Siand. Aber sie waren sehr luaacr auf ihrem Posten. Herr Golt spielie die heikle, passive Rotte des Tr. A äuget mit Wurde uud ruhiger, bcsouucner Tonari, warm, und klug. In emzetneii Szeiten, wie der großen im 4, Alle, zeigte er gründlichstes Verständnis. Freilich kam es nicht recht heraus, daß es bieieni Manne am „rechten Zug" fehlt, jah man nicht sehr seine Schwache, unD nichts auch von feinen kleinen Schwächen, so von der Anlage zum Süfjlmg, die der Tichier jo metsierhajt nut em paar Strichen anbeutet. Toch im ganzen trat er die redue Stimmung jo, daß hohe Achtung chm jür inefe Gabe zu zollen ist. Wich Herr
qeladen wird. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.
2lbcnb5 8 Uhr im Marknsfaal: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jiigend der Markusgememte.
Montag, den 1 >. Dezember, abends 8 Uhr: Vereiiiigung der fonfmnicnen lvciblichcn Jugend der Niatthäiisgeniemde.
Tonnerstag, den 13. Dezember, abeiids 8 Uhr, im MarkilS- saal, Kirchstr. 9: B i b e l st u n d e. (L Tunoth. Kap. ö.)
Piarrer S ch iv a b e.
Nachstkl'nistigen Sonntag, den 16. Dezember, findet int Abend- gottesdiensl Bclckne und heiliges Abendmahl für die Mark u s- g e m e i n b e finit, wozu besonders auch bie koufiruuerte Jugend eingeldben wird. Anmeldung vorher bei dem P'arrer dec Gemeinde 'erbeten.
Ju der JohanneSkirche.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Enter.
Nachmittags 2f/t Uhr: Kinderkirche für die LukaSgememde.
Pfarrer Euler.
Nachmittags 5 Uhr: Psarrassistent Steiner.
Beichte und heiliges Abendmahl für die Johannesgemeinde, ivozii besonders auch bie konfirmierte Jugenb ber Gemembe em- gelnbcn wird. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.
Sonntag, den 9. Dezember, abend? 71/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlicheii Jugend der itiikasgemeiiide im Lukassaal.
Abends 8 Uhr: Versammlung, und Btbelbesprechung im Konsirmandcnfaal der Johanneslirche.
Vlontag, den 10 Dezember, abends 8 Uhr: Bibelstimde im Konfirmandensaal der Liilasgememde. Text: 1. Petri 5, 8 ff.
Pfarrer Euler.
Freitag, den 14. Dezember, nachmittags 5'/, Uhr, im LiikaS- saal: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lulas- gemeinbe.
9lächslkünftigen Sonntag, den 3. Advent: Beichte und heil. Stbenbmaljl für die Lukasgemembe im Abenbgottcsbienfl, wozu besonders anch die kousiruuerie Jligeiib ber Gemembe eingelaben wirb. Aniuctbnngen vorher bei beni Pfarrer erbeten.
Wie alljährlich, so wollen bie vier Kirchengememben anch in diesem Jahre wieder thten Armen zu Weihnackuen eine Bescherung bereuen. Wir richten dal er an bie Gtieber unserer Gemeinte bie herzliche Bitte, uns bazu durch freiiubtiche Beisieuern behilflich sein zu luollen. Gaben nehmen bie Genieinbeschwestern, sowie bie mit- unlerzeichneten P'arrer entgegen.
1). Schlosser. Euler. Schwade. Steiner.
Katholische Gemeinde.
SamSiag, den 8. Dezember 1906:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte.
Sonntag, den 9. Dezember 1906:
2. Adventssonntag.
Vormittags von 6'/. Uhr an: Gelegenheit zur hell. Beichte.
, um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe, vor uud m derselben Austeilung ber heil. Kommunion.
, um 8 Uhr: T,e zweite heilige Messe.
„ um 9'/, Uhr: Lochamt nut Predigt.
Nachmittags um 51/, Uhr: Christenlehre; daraus Andacht.
K 0 st hat gestern ats steifer und pedam»scher Oberlehrer seine Sache gut gemacht, sie richtig angelegt und korrekt durchgeführt.
Tie Hilde Waugel, dieseu Backsisd) mit den perversen Grausamkeitsanwandlungen, gestaltete Fräulein W 1 n b e r ft e i n gaiu natürlich, frisch und munter und keck. Aber es liegt doch noch mehr in diesem enfant terrible. Dieses seltsame Mädel hat doch eine große Portion von dem Fischblut chrer Stiefmutter, umersetzt mit uaiv-kmblicher Sliebertracht von angeborenem Raffinement. Für viele interessant zu hören ist es wohl, baß tiefer Hübe Vor- bilb memanb aubers ist als — Ibsens Gaitm! So erzählt wenigstens John Paulsen m seinen, wenn auch viel'ach vom Thema ab- jchweifenben, so boch immer höchst amüsanieu „Erinnerungen an Henrik Ibsen", die soeben ber vortreffliche beutsche Jbseii-Verleger S. Fischer in Berlin in beutscher Ausgabe hat erlcheincu lassen. In ber Vleerfrau selber, so erzählt Paulsen, hat Ibsen Züge von ,3tau Ibsens Freunbm Camilla Coklet venveriet. Herr Herrscher hatte bie Aufgabe, die rührende und egoistische Gestalt eines limgenkranken jungen Künstlers zn schaffen, inas ihm auch nur zum Teil gelang. Namenilich die große Erzählung von seinem vorerst nur m den Gedanken lebenden grouen plastischen Werte hätte ihn in halb zaghafte, halb feurige Erregtheit bringen müssen. Und dann wäre wohl bie ganze Erzählung besser etwas abrupt herausgekommen, nicht so flüssig, sonberu als em von einem zagen Jüngling im Atoment schwer in bie rechten Worte zu kleibenbes innerstes Erleben. Rnbolf Lothar finbet in semer „Jbsen"-Moiiographie, Boletie habe etwas von bem taimiichen Egoismus ber Hebda. Ich siudc nichts bavon in ihr, jonbecn viel- mehr, gepaart mit ihrer kleinlichen und praktischen Engherzigkeit, mädchenhafle Weidiheit und Unjelbflänbigfeit. Frl. D 0 necker hatte für bie Boletie, bie'sich nur der Versorgung willen »mb um aus dem taugweiiigen Einerlei herauszukommen, mit bem alternten Oberlehrer prakttjcherweiie verlobt, trockene, geschäftsmäßig lebens- tluge Töne.
Steir Bakof spielte den Fremden. Er zeigte ein Antlitz poll Eliergie, eine dustere Alelmtcholte in den beschatteten Augen und brachte bas brutal, grauenvoll Suggestive biejes Meermcumes ipoljl zur Geltung. Aber bie übersinnliche Sehnsucht Ellibas hat er boch nicht begreiflich machen können. Diese Figur müßte bas Publikum in nervöse Sensation reißen.
Ter Gießener Theaterverein hat das Andenken Ibsens an zwei Abenben ge'eiert, sich selbst zur Ehre und würdig tem ^iuhme des großen Toten. p. w.
»
München, 6. Dez. Zu Mitglietern tes Maximilian- Ordens für Wissenschaft und Kunst wurden u. a. ernannt in ter Abteilung für Wissenschaft ter Direktor des Astro- ptesikalifchen Observatoriums in Sktitem Geh. Obcrregierungs- rat Prosessor Dr. V 0 g e l, in der Abteilung für Kunst ter Archß- telt Profesior Messel- Berlin und ter Schriftsteller Wilhelm Jens en-München.
— Auch in diesem Jahre erschien im Verlage von O. Ehr- Hardts UnlPersitäis-V'ichhanblung ui Marburg der schöne Kalender „ p es s e n-K u n st', diesmal herausgegebeii von dem Gießener Privalbozenten Tr. Ehr. Ranch. Die iUufnatioe Ausstattung dieses Kaienters wirb jeben hessischen Äimflitcimb beiiiebigen. Wir schlagen das Heft mii und uns blicken auf der zweiten Seite die biei Schwälmer Buben an, bie W. Th 1 elmann uns im Original zurzeit in unserer Kunstausstellung im Turmhauje zeigt. Freilich lünlt bns Cugnial burch bie Faibe weit lebeusvoller. Tie Reprobutiioli erst zeigt doch den ivenen Zivischeiiraum zivischen der großen Kmist von Heinz Hein unb bem Talente Thielmanns. Bei Hem sieht man uiemats bie Komposition, bie Anoibmmg alles t|l ungezivungen, ganz zwanglos „aus ber Dlatur herailsge- rijicn", um nut Dürer zu leben; ber Arrangeur Thiel mann ist i-.och kein neuer Heinz Hem. Gewiß aber sind viele seiner Typen bie wir hier sehen, rechi charakieristijch getrogen, (0 em paar Bauern- fbp'e bie allei-liebfien tlcinen Juli-Viäbels nut Korb unb Schirm bie August-Schöne, ber Schwälmer Küfer ihier ist Thlelmann Hem am nächuen) 2c. Die Umsätze bes Kalenders jagey öey Lesern viel Gutes unb Kluges und auch manches 9leue»


