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10.9.1906 Erstes Blatt
 
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STbrefie für Depeschen: Anzeiger Gietzen.

Schlesische Kaisertageo

KönigSzelt (Schlesien), 8. Sept. Heute vormittag 10 Uhr wurde auf dem Pfaffenberge bei Künigszelt der Denkstein zur Erinnerung an das Bunzelwitzer Lager Friedrichs des Großen feierlich enthüllt. Am Denkmal war der Festausschuß mit dem Grafen Pückler-Rogau an der Spitze versammelt. Slnwesend waren u. a. Oberpräsident Staatsminister Graf v. Zedlitz-Trützschler, Regierungspräsident v. Holwede, Kriegsminister v. Einem, der Chef des Gencral- stabes Generalleutnant v. Moltke und der Herzog von Ratibor. Der Sonderzug des Kaisers traf in Königszelt um 9 Uhr 50 Dtin. ein. Der Kaiser in der Uniform der Leibkürassiere fuhr im Automobil bis in die Nähe des Denkmals, setzte sich dann zu Pferde und ritt zum Festplatze. Mit ihm trafen auch der Kronprinz, die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar ein. Graf Pückler-Rogau hielt eine Ansprache, worin er der Taten Friedrichs des Großen gedachte. Der Redner übergab sodann den Denkstein dem Kreiskrieger­oerbande v. Schweidnitz, dessen Vorsitzender Generalleutnant z. D. Frhr. v. Reitzenstein ein Hoch auf den Kaiser aus­brachte. Der Kaiser hielt darauf folgende Ansprache:

,Als Nachfolger Meines soeben gefeierten großen Ahnen liegt es Mir als Herzog von Schlesien am Herzen, Meinen Schlesiern Meinen Dank auszusprecben für die herrliche Ehrung des großen Königs und für das Gelübde der Treue, welche nun schon 150 Jahre lang durch gute und böse Tage von den Schlesiern unentwegt Meinem Hause entgegengebracht worden ist. Mögen von diesem Steine und von dem heutigen Tage wiederum frische und liefe lebendige Quellen der Treue fließen, von den Alten genährt, von den Jungen gepflegt, und mögen zwei Aussprüche dazu die Unter­lage bilden, der eine aus einer kurbrandenbnrgischen Standarte: Aus Gott vertrau, dich tapfer wehr, darin besteht dein Ruhm und Ehr, denn iver's onf Gott herzhaflig wagt, wird nimmer aus dem tfdb gejagt" ; der zweite ist eine Ausspruch des großen Königs: «Gs kommt niemals so gut, wie man es hofft, aber aiich niemals so schlimm, löte man es befürchtet!" Und so hoffe Ich, daß in dem festen Vertrauen aus die göttliche Fürsorge und Führung nicht mir Meine Schlesier, sondern Mein ganzes Volk sich den Aufgaben widmen wird, die es dem Himmel gefällt, ihm zu stellen, und daß von dem hiesigen Stein und dem Lager von Buntzelwitz die Ueber- zeugung auf das preußische Volk übergehen möge, daß, wenn auch ivir einmal in ähnlicher Lage sein sollten, so Gott es will, wir auch in derselben Weise uns aus dieser Lage heraussinden werden, indem wir nicht nur auf ihn vertrauen, sondern auch fest zusanimenstehen und die Gaben, die uns verliehen sind, auss äußerste ausnützen und vor allevi in der Liebe und Hingabe an unser Vaterland gemeinsam wirken I Dann wird auch 'die Zulunft für unser Volk und Land gut bestellt sein. Das sei Mein Wunsch und Mein Gebot an Meine Schlesier, und nun dem Andenken des großen Königs, das wir hier gefeiert haben, ein dreifaches Hurra!"

Ein Parademarsch der anwesenden Truppen und des Kreiskriegerverbandes beschloß die Feier. Der Kaiser fuhr im Automobil über Schweidnitz, wo er die Jriedenskirche be-

man darauf gespannt fein, ob die Ankündigung sich in irgend eurer Weise verwirklicht. Für das Zeitungswesen wäre jedes gleichviel wie geartete Eingreffen der Behörde rn chre Verhältnisse von schwerwiegender Bedeutung.

Jürst, Kunst und Künstler.

.Von Josef M. Jurinek.

Nachdruck verboten.

Seit etwa einem halben Jahre ist die Darmstädter Künstle rkolonie, das herrliche Werk des kunstsinnigen und kunstbegeisterten Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und Bet Rhein der Gegenstand besonderer öffentlicher Er­örterung. Und meistens unliebsamer, sogar peinlicher Art. Ausfallen mußte es allerdings, daß es in der im Jahre 1899 begründeten Künstlerkolonie nach, der glänzenden Aus­stellung des Jahres 1901 dem Dokument deutscher Kunst nach und nach merklich still wurde. Und dies trotz hervor­ragender Beteiligung an den Ausstellungen in Turin 1902, St. Louis 1904, der Veranstaltung einer zweiten wohlge­lungenen Künstler-Kolonie-Ausstellung 1904, ferner trotz der hervortretenden Mitwirkung bei der künstlerisch bedeut­samen Darmstädter Gartenbau-Ausstellung 1905 und der Teilnahme an den diesjährigen Kunstausstellungen in Köln und Dresden. Die Jahre 1902 und 1904 brachten das Ausscheiden von Professor Behrens, Professor Chri- stiansen, Maler Bürck, Architekt Patriz Huber und Bild­hauer Bosselt. Art Stelle der Ausscheidenden traten Maler Eissarz, Paul Haustein und Bildhauer Dr. Greiner.

Nachdem Haustein schon nach zwei Jahren einem Ruf nach Stuttgart gefolgt war, werden nun auch Bildhauer Professor Habich und Maler Eissarz dorthin übersiedeln. Ter bevorstehende Weggang der Letztgenannten gab d^r Fama reichen Stoff. Man hatte auf einmal das derbienft, baä doch tatsächlich die Künstlerkolonie von Darmstadt auf dem in den letzten Jahrzehnten vernachlässigten Gebiete der angewandten Kunst sich errungenhat, vergessen. Und nicht wenige gab es,die Plötzlichssür die DarmsbäLter Künstlerkolonie scharfe Worte der Kritik hatten. Da wurde vor etwa sechs Wochen dem Gerede und den Gerüchten die Stütze abge­brochen durch die Nachsicht aus dem Kabinett: die Kün st- ler-Kolonie bleibt nach wie vor bestehen; der Großherzog wird neue Männer nach Darmstadt berufen, um sein Werk großen Zielen zuzufuhren. Kaum hatte diese offiziöse Meldung die Großherzogliche Kabinettsdirektion verlassen, da tauchten andere Gerüchte auf, vor allem: die geplanten Großherzoglichen Lehrateliers für angewandte Kunst mürben, um bauernd lebensfähig zu sein, verstaat­licht werben. Eine Vorlage an die Stünde werde ungefähr in Jahresfrist erfolgen.

Was war und ist nun Wahres an all den Meldungen? Die Darmstädter Künstlerkolonie war bereits zur ständigen Rubrik iu den Feuilletonspallen der deutschen Presse ge-

sichtigtc, nach Rogau, wo er bei dem Grafen Pückler ba5 Frühstück einnahm.

Schweidnitz, 8. Sept. Der Kaiser traf heute mittag im Automobil hier ein und fuhr durch die reich geschmückte Stadt, in deren Straßen Vereine und Schulkinder Spalier bildeten, zur Friedenskirche, vor deren Haupteingang die städtischen Körperschaften Aufstellung genommen hatten. Der Kaiser wurde empfangen von der hiesigen evangelischen Geist­lichkeit, dem ersten Bürgermeister Philipp, dem Stadtoer- ordnetenvorsteher Freudenberg, dem Oberpräsidenten Grafen v. Zedlitz und dem Regierungspräsidenten v. Holwede. Superintendent Eckert geleitete den Kaiser in die 254 Jahrs alte Kirche. Rach der Besichtigung derselben setzte der Kaiser die Reise nach Rogan fort.

BreSlau, 8. Sept. Heute abend 7 Uhr fand bei den Majestäten im Zwinger Tafel für die Provinz statt. Erzherzog Friedrich führte die Kaiserin, der Kaiser die; Prinzessin Eitel Friederich, Herzog v. Connaught die Erb« Prinzessin von Sachsen-Meiningen. Der Kronprinz und die übrigen hier weilenden Fürstlichkeiten reihten sich rechts und links an. Mit den Honoratioren der Provinz nahmen auch die hier versammelten fremden Offiziere an dem Diner teil. Der Kaiser brachte folgenden Trinkspruch aus:

Mein lieber Oberpräsident: Mit tiefbewegtem Herzen ergriff ich heute das Wort, um als souveräner Herzog von Schlesien 311 meinen Schlesiern zu sprechen, denn die Eindrücke, die in der kurzen Zeit, in der ich unter Ihnen weile, auf Mich einstürrnten, sind so ge­waltiger und packender Natur, daß die Worte mangeln, um Ihnen Ausdruck zu geben und die rechte Form zu finden für den Tank, den Ich Meinen Schlesiern aussprechen möchte. Nicht bloß am gestrigen Tage, der den Jubel des Einzugstages womöglich noch übertönte, und nicht nur von Seiten der alten Soldaten in schwarzem Rock mit den Kriegsdekoraiionen auf der Brust, die da erzählen könnenwir haben mitgetan zu der Zeit, wo Geschichtg gemacht wurde" und die sich rühmen dürfen, Kriegsgefährten deZ großen Kaisers und seines erhabenen Sohnes, Meines Vaters, zu sein, von dem Ihnen allen bekannt ist, wie hoch sein Herz sich Schlesien schlug, sondern and) heute aus Meiner Fahrt durch dis grünen schlesischen Lande nach Bunselwitz, Schweidnitz und Nogau, und zwar überall, habe Ich dieselbe Wärme, dieselbe flammende Begeisterung gefunden. Es ist die alte schlesische Treue, die zum Durchbruch kommt und die beweist die Anerkennung seitens dev Bevölkerung für das, was Haus Hobenzollern für Sie getait hot- Diese Treue wächst auf einem ganz besonders durch die Historis geweihten Boden. Tenn wer wollte leugnen, daß der schlesischg Boden wie kaum einer mit der Geschichte unseres Vaterlandes und. Unseres Hauses in engster Verbindung steht, und wie könnte man! von der Entwicklung Schlesiens überhaupt ein Wort reden, olnid zunächst und vor allem der einen gewaltigen Figur zu gedenken-! von der die Grenadiere sangen vom Rhein bis an die Oder; Friedericus Ner, unser König und Herr". Wo der Blick überi Schlesiens Fluren schweift, tauchen die Erinnerungen an ihn auH au die unvergleichlichen Kämpfe, unter denen er Preußen seins Weltmachtstellung schuf, aber auch an die herrliche Friedcnsarbeiti in der er versuchte, das schwer heimgesuchte Land zu heben unt>| 311 stärken. Und wiederum in späterer Zeit war es gerade Schlesien vorbehalten, einen neuen Hoffnungsstrahl für den schwer geprüft eit Hohenzollernkönig Friedrich Wilhelm III. zu senden, als ihm die« lodernde Begeisterung der ersten Freiwilligen in Breslau entgegen-^ schlug, als die ersten Schilderhebungeu hier erfolgten und als!

©djaffen freie Hand und Wahl gelassen ist, hak eine junges KünstlergenerationHuif bem Gebiete ber Raumkunst (Innen-, ausstattung, Möbelbau nnb Gartenkunst), ber Flächenkunst (alle Zweige ber graphischen Künste unb Buchausstattung', TextiKunft usw), ber Kleinkunst (Ebelmetallkunst), ber Plastik unb des Zeichnens und Möoellserens nach bem Akt irnbi nach ber Natur heranzubilden.

Unb wie denkt sich ber Großherzog- nun dieses Gym­nasium ber Kunst?

Nicht bie Quantität, sondern die Qualität ist insf Auge gefaßt", antwortete mir aus diese Frage der Kabinetts-^ rat.Der Großherzog sucht eine Ehre darin", im Ernst Ludwig-Haus unter Leitung ber neuen vier HauptlehrerL eine kleine Schar besonbers begabter Kunskiovizen berj sammelt zu sehen. Wenige nur, aber diese Wenigen müssen!, auch wirklich starke Talente sein. Selbständige Künstlers sollen hier herangebildet werden. Darum sollen diese Kunsts gymnasiasten sich ihren Lehrer selbst wählen; es werden! nicht große Vorträge gehalten und allerhand l^perimentes vorgenommen, nein, das junge Talent verkehrt im Atelier; (also Atelierunterrichk) in freiester Form mit dem Meister uno wird so auf dem Wege i d^ea lster Lehr rnethode den höchsten künstlerischen Zielen zugeführt. Nur das! Zeichnen und Modellieren nach dem Akt ist für alle Schiller obligatorisch!"

Das Schulgeld soll, so erfuhr ich, 75 Mark im Jähr betragen; 50 Mark im Winter-, 25 Mark im Sommer- semester. Wenn auch nach der pelliniaren Seite hin in der Großherzoglichen Kaibiuettsdirektion mir Leine bestimmten Zahlen genannt werden konnten, da sämtliche Aufwendungen bisher aus dem laufenden Budget des Regenten bestritten worden sind, so geht aus dem bisher Gesagten zur Genüge hervor, daß die Begeisterung des Großherzogs von Hessen hier für die Kunst neue große Opfer zu bringen gewillt ist. Die Verwaltung des geplanten Gymnasiums der Kirnst ist dem Kunstschrrststeller und Großherzoglichen Kabinetts-, bibliothekar Hauptmann Zobel übertragen worden.

Von selbst brachte die etwa einstündige Unterhaltung über die Vergangenheit der Künstlerkolonie das Gespräch auch auf bie Unstimmigkeiten, bie den Weggang der Künstler um Olbrich bewirkt haben sollen. Da ist nun der Großherzog der Ansicht, daß keineswegs hierarchische Gelüste Olbrrchs Grund und Ursache ber Reibungen waren. ,F)lbrich ist", so betonte Kabinettsrat Römherb,auf allen künft- lertfchen Gebieten in ber Lage, nicht nur Projekte zu machen, sondern seine Gebanken auch in großem Stile durchzusühren. Er ist befähigt, auf künstierischem wie auch ganz besonders auf organisatorischem Gebiete seiner Energie Geltung M

worden. Wer konnte da bie beste Auskunft geben? Wohl nur bie Stelle, durch die ber Großherzog von Hessen die Verhältnisse der Kolonie bearbeiten läßt, die sonach des Fürsten frühere und jetzige Abfichten aufs genaueste kennt: Tie Großh. Kabinettsdirektion. Mein diesbewigliches Jm- mediatgesuch an den Großherzog hatte den .Erfolg, daß der in Sachen der Künstlerkolonie engste Vertraute und Berater des Regenten, ber Geh. Kabinettsrat Römheld, vom Großherzog bie Anweisung erhielt, mir über die Vergangen­heit unb Zukunft ber Künstlerlolonie die gewünschten Auf­schlüsse zu geben. Aus dieser Unterredung nun mit dem Großh. Geh. Kabinettsrat Römheld hebe ich als Wichtigstes zunächst hervor, daß der Großherzog noch keinen Augenblick daran gedacht hat, die Klmsllerkokvnie entgehen zu lassen. Mehr denn je ist Ernst Ludwig für das Werk begeistert. Um aber fürderhin ber Kolonie genau vorgeschriebene Ziele zu weisen, sie vor bestimmte Aufgaben zu stellen, sie im beutschen Kunstleben zu einem auf bie junge KünMr- generation tatkräftig einwirkenden Faktor zu geftallen, wird spätestens vom 1. April nächsten Jahres ab mit der KünstLer- kolonie ein ich möchte sagen Gymnasium für die angewandte Kunst eng verbunden. Diese höhere Lehranstalt, die ausdrücklich ein privates Institut des Großherzogs ist und bleiben soll, wird den NamenGroßh. Lehrinsti­tut für angewandte Kunst" führend Die Satzungen und Pläne dieser Anstalt sind fix und fertig, das Ernst Ludwig-Haus wird gegenwärtig zu diesem Zwecke herge­richtet. Jeder Lehrer erhält ein Privatatelier unb ein Schüleratelier. Unb b,ie Lehrkräfte?

Da hat bereits", so lautete bie bereitwillige Auskunft bes Kabinettsrats,ber Großherzog entschieben. Die Ver­handlungen sind bis auf ein Fach abgeschlossen. Am I.Okt. treffen als neue Männer folgende Künstler in ber Kolonie ein: Architekt Mbin MiiHer-Magbeburg (Raumkunst), Friedrich Wilhelm Kl e übens-Leipzig (Flächenkunst) und Ernst Rie gol-München (Meinkunst). Nach einem vierten Künstler auf dem Gebiete ber Plastik hält ber Großherzog noch Umschau. Es sind in dieser Beziehung aber noch mit keinem Plastiker neuerburgs Verhairdlungen eingeleitet."

So wirb benn und das ist das Wesentlichste ber neuen Pläne des Großherzogs aus einem Telle ber Künstker- kolonie, die als solche weiter bestehen bleibt, ein Lehrer­kollegium geschaffen, das bemnach aus vier Hauptle^ern besteht, denen sich einige nicht zur Kolonie gelange Hilfs­lehrer angliedern. Von den Letzteren find zu nennen: ber Darmstädter Maker Adolf Beyer unb ber Leiter ber Großh. keramischen Manufaktur I. I. Scharvogel. Dieses Lehrerkollegium, dem in seinem künstlerischen produktiven

Nr. 212

Bescheint täglich außer Sonntag«.

Dem GicßenerAnzeiger werden im Wechsel mit bem Kesfischen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck n. Ver­lag der Brüh l'schen Univerf.-Buck-u.2tein- druckeret. 9L Lange.

Blatt IS«. Jahrgang Montag 10. September 190«

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Gießener Anzeiger

M General-Anzeiger ** S

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben _______________________ _______________________ seifienteu: Hans Beck.

Iie ljentige Bummer umfaßt 8 Seiten.

Ker Kaiser und die fresse.

Vor einiger Zeit wurde, zuletzt von denHamburger Nachrichten", bie Dkitteilung gebracht, ber Kaiser habe vor geraumer Zell eine förmliche Enquete über bie deutsche Presse angestellt unb dabei durch Offiziere unb private Persönlichkeiten in möglichst unauffälliger Form Erkun­digungen über die Verfasser von Artikeln einziehen lassen, die in irgend einer Weise feine Aufmerksamkeit erregt hatten. Zwar wurde diese Nachricht prompt dementiert. Nichtsdestoweniger erhielt sie sich nicht bloß» sondern wurde von angeblich beteiligter Seite noch folgendermaßen er­weitert: der Kaiser.habe innerhalb ber letzten zehn Jähre zweimal den Wunsch geäußert, nähere Daten über bie Tätigkeit gewisser in Berlin ansässiger Journalisten zu erhalten. Das eine Mal im Jahre 1898 handelte es sich um verschiedene Älrtikel einer Feullletonkorrespondenz ber Reichshauptstadt, die zum Teil eine so genaue Kenntnis von intimen Vorgängen aus dem Famrlienzirkel des Kaiser­paares verrieten, daß man ihre Mfassung sei es nun zu recht oder unrecht einem höheren Marineoffizier aus der Sülle des Kaisers zuschrieb. Die Zweiten im Jahre des Pilsener Kaisermanövers angestellten Ennittelungen waren well umfangreicher unb hatten namentlich bie per­sönlichen Verhältnisse unb Informationsquellen verschie­dener Berliner Korresponbenten auswärtiger Blätter zum Gegenstanb. Unter anderen hatten damals die Londoner ZeitungenDaily Chronicle",Morning Post" unbDaily Mall" verschobene anonyme Llrtikel über bie Polenfrage in Preußen gebracht, bie nur auf Informationen von pol­nischer Selle beruhen konnten. Jnfolgebessen ließ ber De­zernent für Preßangelegenheiten am Berliner Polizei- präsibium, Negierungsrat Dr. Henninger, ben bamaligen übrigens burchaus für eine deutsch-englische.Verständigung eintretenden Berliner Vertreter derDaily Dtoil" zu slll) bitten, um imHöheren Auftrage" verschiedene Auskünfte über seine Kollegen von der englischen Presse einzuholen, welche auch bereitwilligst erteilt wurden, soweit sie nicht das Gebiet der journalistischen Diskretion verletzten. Da­gegen blieben alle Versuche Dr. Henningers erfolglos, den betreffenden Herren zu Ausschlüssen darüber zu bewegen, wer die damals in der englischen Presse erschienene ab­fällige Kritik ber Kavallerieangriffe im Kaffermanöver gc- schrieben bezw. inspiriert habe.

DieBreisgauer Ztg." erinnert jetzt an diese Vorgänge, um daran die Mitteilung zu knüpfen, man neige in ein- geweihten Kreisen gegenwärtig zu der Vermutung, daß in nicht allzuferner Zell auf höheren Wunsch eine Vorlage eingebracht werde, durch welche Verlag und Redak­tion von Zeitungen von Voraussetzungen bezw. von ber Erfüllung von Vorbedingungen ab­hängig gemacht wird, wie sie dem jüngsten Gespräch des Kaisers mit bem französischen Journalisten entnommen werden wollen."

Die Unbestimmtheit dieser sensationellen Mittellung spricht allerdings einigermaßen dafür, daß man es ledig­lich mit einer Kombination zu tun habe. Jedenfalls darf

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