link' Kosaken wurden mit Steinen und Rcvolverschüffcn empfangen, sic machten hierauf von der Waffe Gebrauch, stürmten einige Däuser, wobei zahlreiche Personen schwer verletzt wurden.
Im O d e s s a c r S p i t a l ist das gesamte Pflegepersonal in den Streik getreten. Die Wärter und Wärterinnen versuchten heimlich, aus dem Krankcudause zu entkommen. Sie entwendeten die Schlüssel zu dem Mcdikamentenschrank, vernicht teten chirurgische Instrumente und machten die Speisen nngenicn bar. 3000 Patienten sind auss schwerste geschädigt. Truppen wurden herbeigcholt, nm die Streikenden mit Gewalt zur Erfüllung ihrer Pflicht zu zwingen. — Nach Meldungen aus Tula hat dort das TroiskoiRegiment wegen schlechter Beköstigung und in Bachanet eine Sotnic des 23. Donschen Kosaken-Regiments gemeutert, weil 11 Kosaken als politisch verdächtig verhaftet werden sollten.
Im 7. Rcs.-Kav.Reg. zu Tambow ist eine Meuterei ausgcbrochen. Ein Infantericosfizier wurde getötet. Ebenso wurden bei einer Schwadron des Dragonerregimcnts „Nejine", das die Meuterer angriff, ein Dragoner und sechs Pferde getötet. Die Meuterer verbarrikadierten sich in ihrer Kaserne.
Am 8. Juli sind mehrere Extrazüge mit Truppen, Maschinengewehren und Munition nach dem Kaukasus abgegangen. Nach Meldungen aus Kursk nehmen die Agrarunruhen im Preise Lgow bedenkliche Dimensionen an. In Moskau liest der Stadl Hauptmann die Herausgeber des Rustkoic Slowo sowie der Na rodny Gazette zu fid> rufen und gab ihnen bekannt, er werde die von ihnen heranSgegebcnen Zeitungen, falls sic die aufreizenden Artikel nicht einstclltcn, sistieren. Hierzu sei er durch den über Moskau verhängten Zustand des außerordentlichen Schutzes berechtigt.
In Konstantinow und Alexandrow im polnischen .Kreise Lodz beraubten am 7. und 8. Juli bewaffnete Banden die Monopollädcu. Die Räuber wurden von Kosaken verfolgt. 9In beiden Orten wurden 7 Räuber getötet und 2 Ko s a k e n v e r w u n d e t. Bei Slawkow Kteis Olkuscht wurde ein Anschlag auf eine Eisen bahn brücke entdeckt. In einer Erdgrube wurde ein Zentner Dvnamit gefunden. Ter Verbrecherbande, en. 20 Mann, gelang cs, zu entkommen.
Aus Stadt uns
Gießen, den 10. Juli.
— Ein seltenes Jubiläum. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben der Ladnerin Lina Schäfer in Gießen das Ehrenzeichen für treue Arbeit am Bande des Philipps- ordens verliehen. (Fräulein Schäfer konnte am 1. Juli d. I. auf eine 30jährige Tätigkeit bei der Firma Julius Bach zurückblicken.)
"Staatsminister Ewald hat am Montag-einen mehrwöchigen Urlaub angetreten. Er hält sich bis Ende des Monats in Karlsbad auf und dann bis zum 9. Augllst in Rott ach am Tegernsee.
** Wieder auf q e f un ben wurde der Bergmann Otto Kreutzer aus Gleiberg, der sich am 23. Juni von hu Hause entfernt hatte. Er hatte sich überreden lassen, in 'Aßlar eine Stelle anzutteten und hatte es versäumt, seine Angehörigen hiervon zu benachrichtigen. Infolge unserer Mitteilung in Nr. 154 schrieb der junge Mann an seine Ettern, worauf er am vergangenen Sonntag von seinem Vater nach Hause geholt wurde.
” Der 2 0. Hessische Feuerwehrtag wurde, wie 'bereits kurz berichet wurde, vom 7.—9. Juli in Gernsheim a. Rhein abgehalten. Am Samstag Nachmittag 4 Uhr fand eine Sitzung des Landesausschusses im.Deutschen Hof statt, woran sich um 5 Uhr die Abgeordnetenversammlung der sämtlichen freiwilligen Feuerwehren Hessens anschloß. Anwesend waren u. a. der Vorsitzende der Landesbrandkasse, Regierungsrat Wolf aus Darmstadt und Kreisrat Dr. Wallau aus Groß-Gerau. Zu der Tagesordnung standen viele An- träge und Anregungen, die sich auf alle Gebiete des Feuerlöschwesens u. s. w. beziehen und die Verhandlungen werden sicher zur weiteren Entwicklung des Feuerlöschwesens beitragen. Für den 21. hesi. Feuerwehrtag, der in Rheinhessen abgehalten werden muß, hatten sich Oppenheim und Worms \ gemeldet und Oppenheim wurde als nächster Festort gc- .wählt. Bei der Tagung war die Gießener frciw. Feuerwehr, sowie die Freiw. Gail'sche Feuerwehr vertteten.
'* Verhaftet wurde ein Mann von hier, der in verfloßener Nacht einen unsittlichen Angriff auf ein Mädchen machte. •
** Unfug. Ein Barbier von auswärts hänselte heute morgen am Polizeigebäude die dort beschäftigten Handwerksburschen. Als er von einem Schutzmann weggewiesen wurde, wollte er auf der Polizei Beschwerde führen. Er wurde renitent, wurde an die Luft gesetzt und behauptete dann, er habe hierbei am Bein Schaden genommen und könne nicht laufen. Als man durch einen Arzt die Verletzung feststellen lassen wollte, besann sich der Mann anders und entfernte sich.
** Für dieSitzungderStadtverordneten-Ver- sarnrnlung am Donnerstag, 12. Juli, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt morden: 1. Mitteilungen 2. Baugesuch der L. Rothenberger Witwe für den Neuenweg. 3. Erwerb von Strastenland für den Wetzlarer Weg. 4. Herstellung eines gepflasterten Uebergangcs in der Rodheirnerstraße. 5. Verbreiterung des Bürgersicigpslasters vor dem Hause Plockstraste 9 '6. Umgestaltung des Landgraf Phiiipv-Platzes. 7. Kreuzung des Wetzlarerwegs mit einer Fern sprech! eitting. 8. Lieferung von Kleinpflasterfteinen. 9. Gesuch des Heinrich Plank und Hein .rich Hellmold um käufliche Abttetung des Bauplatzes Ecke Landmann- und Licherstraste. 10. Abgabe von Basaltgrus an die Garnison-Verwaltung. 11. Verpachtung einer Sandgrube an der zweiten Schneise in der Nähe der Lichcrstraße. 12. Errichtung .einer Ziegenzuchtftation. 13. Die Betriebsregulierung im Stadt- wald. 14. Okttoiabgabe von Branntwein. LV Genehmigung 'von Rechnungen. 16. Beschaffung von Pferdedecken für die Be- -spannung der Leichenwagen 17. Anstrich der Vlaggenmaste. 18. Auswechselung des Gasrohrs hinter der Westanlage 19 Auswechselung der Gasleitung in der Bahnhofstraße zwischen West- -onlage und Alicestraße 20. Reinigung der Schulräume in der "früher Weber'schen Besitzung. 21. Gesuch des Frauenvereins -Gießen um Ucberlassung geeigneter Räumlichkeiten zu Untcr- rtchtszwecken. 2g. Fericnordnung für die Volksschulen 23 Errichtung weiterer Klaffen für die Fortbildungsschule 24 ai Ge- K'nch der Karl Buß Ehefrau dahier um Ettaubnis zum Betrieb einer Kantme auf dem Bauplatz der Irrenanstalt- b> Gesuch des Philipp Bocher dahier um Erlaubnis zum Gastwirtschaft betrieb im Hause Hautmstraße 7; o Desgl. des Joh. van gen Hassend im Hause Schiffenbergerweg 63. 25. Versicherung der Bestände des Ober hessischen Geschichtsvereins.
*7 Der Bergbau im Gr o ßhcrzvgtn m Hessen, wer Jahresbericht der' Großh. Bergbehörden für 1905 ist soeben erschienen, merkwürdigerweise aber den Zeitungen nicht -uge gang en. Ein Mitarbeiter schreibt uns: Es befanden sich in diesem Jahre in Hessen im Betrieb 11 Braunkohlenbergwerke, 33 Eisen- und Manganerzbergwerke, 1 Bleierzbergwerk, 1 .Kupfererzbergwerk, 4 Salinen und Solbergwerke, 7 unterirdische Brüche und Gruben, sowie 2 Kohlensäurepumpwerke Die Leistungsfähigkeit der Betriebe wurde durch den herrschenden Arbeitermangel, sowie durch ungünslige Witterungsverhältnisse btt den Tagebauten nachteilig beeinslustt. Die Produktion der Braun kohlengruben belief sich auf 422 114 Tonneu, zusammen 663 120 Tonnen im Gesamtwert von 3104 665 Mark gegen 619 072 T
im Vorjaht' im Werte von 3 047 029 Mark. Die Zahl der im Bergbau beschäftigten Arbeiter betrug 2077, darunter waren 306 Ausländer. An Betriebsunfällen ereigneten sich 132, davon waren 2 tödlich. Die Löhne, die in den einzelnen Betrieben naturgemäß verschieden sind, haben durchweg eine Steigerung erfahren. In zioci Betrieben fand eine Verkürzung der Schichtdauer von 12 auf 81,? bczw. 8 Stunden statt. Eine Reihe wichtiger Neuanlagen wurden im Beriehtsjahr geschaffen. Das Gießener B r a n n st c i n b e r g wer k errichtete eine Erz- trockenanlage, die Mafchinen-entrale wurde wesentlich verstärkt, und die gesamte Förderung nunmehr nach der neuen Verladeanlage an der Gießen-Gelnhäuser Balm geleitet. Die bisherige Seilbahn nach der Main-Weser-Bahn — übrigens die erste Seilbahn im Bergwerksbetrieb und darum historisch interessant — wurde außer Betrieb gesetzt. Die beiden Eisen- und Manganerzbetriebe bei Oberrosbach unternahmen die Abteusuug je eines großen Maschiuenschachtes. Wälwend der eine Sckwcht ohne Schwierig5'it bis 109’2 Meter niedergebracht werden konnte, zeigten sich beim Abteufen des andern Sandschichten, die das Niederbringen bisher verzögert haben. Die Grube Ludwig bei Waldinichelbach soll mit verstärktem Betrieb wieder ausgenommen werden. Im Grubenfelde Georg bei Rohrbach wurde ein Stollen von voraussichtlich 1100 Metern in Angriff genommen, der am Jahresschluß 125 Meter weit vorgetrieben mar. Die alten Gruben Wingertsberg bei Griedel, Richard bei Röthges, Moritz und Per. Wilhelm bei Öungen wurden wieder in Betrieb genommen. die Grube Stangenrod endgiltig stillgelegt.
# Launsbach, 9. Juli. Bei dem am Sonntag abgebällenen I. B n n d e s t u r n s e st des T u r n e r b n n d e s L a h n - D ü n s ° berg traten von 47 gemeldeten Wetturnern 44 Turner an. Es errangen wlgende Turner Preise: 1. Preis mit 70V« Punkten Otto Pfeiffer, Launsbach. 2. Pr. mit 70V. P. Max Greiner, Wieseck. 3. Pr. mit 70'V P. Ang. Lotz, Wieseck. 4. Pr. mit 69% P. Heinr. -voimann, Wieseck. 5. Pr. mit 68 P. Phil. Hörr, Launsbach. 6. Pr. mit 674P. Gust. Weller. Wieseck. 7. Pr. mit 64'/« P. Will). Piaff, Launsbach. 8. Pr. mit 62 P. Wilh. Schreiner, Wieseck. 9. Pr. mit 61s/8 P. Adolf Hasielbach, Rodheim. 10. Pr. mit 602'H P. Ludiv. Lotz, Wieseck. 11. Pr. mit 59% P. Wilh. Willershäuser, Rodheim. 12. Pr. mit 58% P. Herrn. Winter, Launsbach. 13. Pr. mit 56-P. Wilh. Daubertshäuser, Rodheim. 14. Pr. mit 55 P. Karl Weller, Wieseck. 15. Pr. mit 52'/, P. Ludw. Hofmann, Rodheim. 16. Pr. mit 51VC P. Wilh. Platt, Rodheim. 17. Pr. mit 51 P. Hermann Schmidt, Launsbach. 18. Pr. mit 491 'fi P. Heb. Bittendors, Wißmar. 19. Pr. mit 483.; P. Gg. Bender, Fellingshausen; Karl Schmer, Launsbach; Wilh. Feiling, Rodbeim. 20. Pr. mit 482 . P. Ludw. Pfeiffer, Launsbach. 21. Pr. mit 475/6 P. Karl Drommershausen, Wißmar. 22. Pr. mit 47V« P. Lch. Leicht, Rodheim. 23. Pr. mit 47V« P. Ernst Witt, Launsbach; Wilh. Lang, Rodheim. 24. Pr. mit 45VG P. Karl Seipp, Rodheim. 25. Pr. mit 445/6 P. Karl Muhr, Wieseck. 26. Pr. mit 42,,e P. Karl Dörr, Wißmar. 27. Pr. mit 41Vg P. Hch. Pfaff, Launsbach.
— Atz bach, 9. Juli. Auf dem gestrigen General- Krieger-Appell zuAlbShausen brachte der Vorsitzende ein Schreiben des Vorsitzenden deS preußischen Landesverbandes, General von Spitz, zur Verlesung, in dem zwei Veteranen unserer Bürgermeisterei besonders geehrt wurden. Joh. Christian Kraft von Atzbach und Heinrich Simon von Odenhausen erhielten je ein Bild des Kyffhäuser-Denkmals. Kraft ist langjähriger Vorsitzender, und Simon mehr als 30 Jahre Rechner seines Vereins.
)( B elkersh eim, 9. Juli. Heute nachmittag ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Landwirt und Holzhändler Hermann Müller hier war am Bahnhof mit dem Einladen von schweren Eichenstämmen beschäftigt. Dabei kam ein Stamm ins Rutschen und quetschte ihn so, daß er schwer verletzt darniederliegt.
R. B. Darmstadt, 10. Juli. (Eigene Draht- meldung.) Heute nacht brach in der großen chemischen Fabrik von E. Merck zwischen Darmstadt und Arheilgen Feuer aus. Der Brand entstand in einem chemischen Laboratorium und nahnl ein so bedrohliches Aussehen an, daß Großfeuer gemeldet wurde. ES gelang jedoch der Fabrikfeuerwehr, mit drei Schlauchleitungen daS Feuer zu bekämpfen, so daß die alsbald ankommende Darmstädter Feuerwehr sich nur noch an den Llbräumungsarbeiten beteiligen konnte. Nach einer Stunde war das Feuer gänzlich gelöscht.
Mainz, 8. Juli. Die Eingemeindung von Mom- bach ist, da sich die von beiden Seiten aufgestellten Bedingungen zum größten Teil decken, nun gesichert. — Die Eingemeindung von GinS heim mit Gustavs bürg, über die gleichfalls unter dem früheren Oberbürgermeister lange Verhandlungen gepflogen worden find, soll vorerst nicht ausgeführt werden.
h. Frankfurt a. M., 9. Juli. Wie aus Nied berichtet wird, wurde im dortigen Gemeindewalo eine in den 30er Jahren stehende Frau erinordet aufgefunden. Wie die vorläufige Untersuchung ergab, soll der Tod durch Erwürgen oder Vergiften eingetreten sein. Als der Tat dringend verdächtig wurde der Ehemann der Verstorbenen, Tagelöhner- Traugott Wittig auS Hermsdorf in Sachsen-Altenburg, in Haft genommen. Das Ehepaar war erst vor einigen Tagen aus Nürnberg hierher gezogen.
Vermachtes.
* Duisburg, 9. Juli. Die hiesige Steuerbehörde kam großen, von dem Schlächter Priester betriebenen Fleisch- chmuggeleien auf die Spur. Es handelt sich um minderwertiges, aus Rußland unter der Deklaration Gedärme ein- geführtes Fleisch. Bei einer beschlagnahmten Sendung fand ich Fleisch von un geboren en Kälbern vor. Das Fleisch wurde von den Abnehmern mit 35 Pfg. pro Pfund bezahlt. Priester erklärte, eine Anzahl weit größerer Firmen als die seine, betreibe ebenfalls diesen Handel und tausende von Kilogramm seien nach Duisburg eingeführt worden.
* Unwetter. Furchtbare Regengüsse richteten in Guneo (Oberitalien) großen Schaden an. lieber das Dorf Villar stürzte vom Sankt Bernhard eine wahre Sint- lut herab, welche riesige Gerötlmassen mit sich führte. Viele Häuser wurden zerstört. Vor allem wurde eine Familie Rinaudo schwer betroffen. — Ein heftiger Cyklon hat in Tunis großen Schaden angerichtet. Die Ernte ist teilweise durch Hagelschlag völlig vernichtet. Viele Eingeborene sind durch Blitzschlag getötet worden. Der Eisenbahnverkehr ist an manchen Stellen völlig unterbrochen.
* Die historische Hohenz ollernwiege, die dazu bestimmt ist, jeden Prinzen und jede Prinzessin des preußischen Herrscherhauses am Tauftage aufzunehmen, wird auch den Sohn des Kronprinzenpaares während der Tauffeierlichkeiten im August beherbergen. Die Wiege wurde auf Anordnung Friedrich Wilhelm I. ini Jahre 1722 aus Eichenholz angefertigt, nußbaumartig gebeizt und mit reichen Schnitzarbeiten versehen. Neben der Krone und den königlichen Abzeichen ist die Wiege mit sinnbildlichen Figuren geschmückt, denen vor gerade 40 Jahren die Neliefbilder König Wilhelms I. unb seiner Gemahlin, sowie des damaligen Kronprinzenpaare? hinzugefügt wurden. An der Wiege befindet sich der Spruch:
„Er hat seinen Engeln befohlen über Dir, daß sie Dich hülert auf allen Deinen Wegen.*
• Eine Straßenbekanntschaft. Sie war zwar nur eine Berliner Straßenbekanntschaft aber — Brunhild v. P. nannte sie sich, Krankenpflegerin feb «ihr Beruf, den sie nur wegen besonderer Verhältnisse ergriffen habe. Sie müsse sich jetzt aus eigener Kraft durchschlagen, aber sie stamme aus altem schlesischen Adelsgeschlecht, und ihr „alter Herr* verwalte sein großes Vermögen, das sie dereinst erben werde, in New-Port. Damit gewann die elegant austretende Dame' das Herz des ebenso jungen Geschäftsangestellten vollkommen,- umsomehr, als sie neben dem schönen geheimnisvollen Schein, der sie umfloß, auch noch eine heiße Zuneigung zu bent: jungen Berliner zur Schau trug. Brunhild v. P. wußte bei* Kaufmann berart zu umstricken, baß nicht blos eine Ver-' lobung zustanbe kam, sondern auch die Hochzeit festgesetzt wurde. Bevor eS aber zur Ehe kam, erhielt das Zusammen-- treffen der Brautleute auf der Straße plötzlich eine unerwartete Unterbrechung. In Begleitung eines Schutzmannes trat ein fremder Herr auf die Dame aus altem Hause* zu und beschuldigte sie, ihn um eine Summe Geldes betrogen- zu haben. Trotz ihrer gut gespielten Entrüstung mußte Brunhild v. P. zur Polizeiwache wandern, wo sie an ihrer adeligen Herkunft festhielt unb darin von ihrem Verlobten unterstützt^ wurde. Nach und nach gingen diesem aber durch die Bekundungen des Zeugen die Augen auf, unb als Brunhild v. P.. später der Kriminalpolizei zugeführt wurde, ergab sich, daß man es mit dem im Mai b. Js. nach breijähriger Strafe wegen ähnlicher Hochstapelei aus bent Zuchthaus entlassenen Dien st mädchen Amalie Strauß zu tun hatte. Sie wurde dein Unterfuchungsrichter zugesührt.
Univerfttäts-Nachrrchten.
— Bei der letzten Tagung deS Kösencr S. C. wurde festgestellt, daß die Gesamtzahl der dem Verbände angehörenden Studierenden 2906 beträgt. Die Zahl der Aktiven hat sich gegen das Vorjahr um 32 gehoben und erreicht mit 1457 Mitgliedern' ben stärksten Bestand seit Bestellen des Verbandes. — Der int. Jahre 1903 gefaßte Plan, in Münster Korps mit moralischer' und finanzieller Unterstützung des Kösener S. C. zu grünten, hat bis jetzt noch keine Verwirklichung gefunden. Die gesammelten Mittel bleiben aber für den Zweck zurückgelegt, der vielleicht^ schon im nächsten Semester erreicht wird. -
— Eine Trauerfeier Tür Professor Drude fand am Samstag in dem großen Hörsaal des physikalischen Instituts der Berliner Universität statt.. Ter Rektor der Universität, Professor Diels, Geheimrat Nernst und ein Vertreter der Mademie der Wissenschaften sprachen am Sarge des jäh aus dem Leben geschiedenen Gelehrten ehrende Nachrufe. Kränze wurden nietet» gelegt: durch Geheimrat Warburg im Nmnen der physikalisch-tech- uischen Reichsanstalt, durch Proseffor Planck im Namen der physilal. Gesellschaft, durch Geheimrat Jahn im Namen des physikalisch-chemischen Instituts: außerdem von den Assistenten imd Schülern des Instituts. Die Leiche Dimtes wird in Gotha verbrannt. In der „Frkf. Ztg." widmete Dr. I. S. Sachs dem Toten einen warmen Nachrus.
,— A n den 21 Universitäten des Deutschen Reichs befinden sich int laufenden Semester 44 964 Studierende, worunter 211 immatrikulierte Frauen: mit 2381 Hörern und 1274 Hörerinnen beträgt der Gesamtbesuch 48 619. Die Zunahme der immattikulierten Studenten beträgt gegen das letzte Semestev 1 mit 42 390) 2574, gegen das Sommersemester 1905 (mit 41 928s 3036. Im einzelnen studieren mang. Theologie 2329 (gegen 2186 int Winter 1905 06 >, katholische Theologie 1841 (1680 , Rechtswissenschaft und Staatswissensckiajten 12 375 (12160'', Mrni» zin 6683 (6080), Philosophie, Sprachen ober Geschichte 10832 '9915 , Mathematik ober Naturwissenschaften 1801 (1786), Pharmazie 1767 < 1481 \ Zahnheiltundc 755 (710), Forstwiffenschaft 144 (162), Tierheilkunde (in Gießen) 114 (117). Hinsichtlich der Besucherzahl fleht Berlin wieder an erster Stelle, mit 6569 Studierenden: bann folgen München mit 5734, Leipzig mit 4147, Bonn mit 3275, Freiburg mit 2350, Halle mit 2128, Göttingen mit 1925, Heidelberg mit 1922, Breslau mit 1920, Marburg mit 1717, Tübingen mit 171.0, Münster mit 1454, Straßburg mit 1418, Jena mit 1362, Würzburg mit 10H0, Erlangen mit 1067, Greifswald mit 890 und zuletzt Rostock mit 661. Gegen das letzte Semester hat sich wieder eine wesentliche Verschiebung^ der Stellung der Universitäten nach der Besucherzahl ergeben: Freiburg ist von ter~8. auf die 5. Stelle"vvrgerückt tind hat Breslau, Göttingen und Halle überholt, Heidelberg rückte von der 11. auf die 8., Marbura von der 13. auf die 10., je unter Ueberholung' von Munster.^Sttaßburg und Tübingen, Jena stieg von der 15. auf die 1 l. Stelle und verdrängte Würzburg, Kiel von ter 19. auf die 16. und überflügelte Königsberg, Erlangen und G i c ße n, Halle sank von der 5. auf die 6. Stelle, Breslau von der 6. auf die 9., Tübingen von der 9. auf die 11., Münster von der 11. auf die 12., Straßburg von der 10. auf die 13., Würzburg von der 14. auf die 15., Gießen vv n der 16 auf die 17., Erlangen von der 17. auf die 19.
(Sericbtefaal*
Leipzig, 9. Juli. DaS Reichsgericht verwarf die Revision des katholtjchen Pfarrers Wörner, der vom Landgericht Konstanz lueaen M i ß b r a u ch s der kirchlichen ?l m t s g e w a l t aus Grund de? badischen Gesetze? voin 9. Oktober 1860 zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Wörner hatte einem Reichstagswähler gedroht, er werde ihm die Sterbesakramente nicht erteilen, wenn er nicht s n r da? Zent r u in st i m in e. Da? Reichsgericht hat da? fragliche Gesetz als gültig erachtet. Nach der Reichsverfassung sei die Zuständigkeit de? Reiche? nicht aus die Berhältniffe der Kirche ausgedehnt, also seien die Einzelstaaten auf diesem Gebiete souverän geblieben.
Der Referendar als Anstifter zum M einet d. Ans einem Aufsehmi evreqendett Prozeß gegen die Mtistin Funke aus Zwenkau im Kgr. Sachsen, die von ihrem Geliebten, dem $eri d) t§re f e ren bar Lorenz aus Zwickau, zum Meineid verkettet wurde, geht hervor, daß die unglückliche Frau, die sich ttotz ihrer Verfehlung Sym- )atht'e zu erringen weiß, zu dem Verbrechen durch die rivole und laxe Anschauung des Geltebten über die Heiligkeit des Eides getrieben ist. Dieser hatte ihr erklärt: „Der Eid ist nur eine Formsache. Für gebildete Leute bedeutet er g a r n i ch t s . er ist n u r für Spießbürger und dazu da, die kleinen Leute zur Wasirheit zu bringen." Ihre Bedenken, den Eid zu keiften, be- zeichiretc er als höchst kindisch und nahm sie sogar vor der Eidesleistung in eine Strafkammersitzung mit, damit! t'e sehe, daß eine Eidesleistung nicht so schllmm sei und damit sie sich^ daran gewöhne. Und als sie nach Ableistung des falschen Schwures Gewissensbisse bekam, suchte Lorenz ie mit den Worten zu beruhigen: „Der Eid bedeutet für: höhere Geister gar nichts und ist nur für bic Dummew da." Das Gericht ahndete denn auch bic verbrecherische Verleitung zum Meineid mit einer Zuchthausstrafe ö oit 4 Ja.h r e n 3 Monaten, während das ungküMche Weib, das in tiefer Reue feine Schuld eingeftanben hätte,.' mit 1 Hs Jahren Zuchthaus davon kam.
— Ter T ii r m e r. Monatsschrift für Gemüt unb Geist. Herausgeber I. E. Freiherr v. G r o 11 h u ß. Vierteljährlich


