Erstes Blatt
Dienstag 10. Juli 1906
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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156. Jahrgang
Bezugspreis: monat(ich75^f.,DferieU jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost 9)?t.2.— viertel- jährl. ausschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis DormittogS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. und atigern« Teil: P. Wittko- für ,Stadt und Land* und .Gerichtsjaal"; Ernst He st; für den Anzeigenteil: Han4 Beck.
Nr. 159
Erscheint täglich auster Sonntags.
Dem Giestener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehcner Kamillen« blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Uilivers.-Buch-u.Stein- b ruderet. 9L Lange. Rebaktion, Erpeditiou und Druckerei:
Schul st raste
Redaktion 112
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Anzeiger Gießen.
Ire heutige Yuwmer umfaßt 10 Seiten.
$er Kaiser in Arontyeim.
Bei dem am Sonntag im Stiftshose zu Drontheim zn Ehren Kaiser Wilhelms gegebenen Galadiner wurden zwischen beiden Monarchen sehr herzliche Trinksprüche gewechselt. König Haakon begrüßte seinen Gast mit folgender, in deutscher Sprache gehaltenen Ansprache:
„Es ist uns beiden als König und Königin von Norwegen eine große Freude, Euere Majestät hier willtomnren zu heigen in dem Lande, dem E. M., wie uns allen bekannt, eut so großes Interesse entgegenbringen, und dem E. M. so viele Beloeise von freundlicher Gesinnung und Sympathie gegeben haben. Es war uns allen deshalb sehr lieb, daß E. M. gerade hier im Lande die frohe Nachricht der Geburt des Sohnes des Kronprinzen empfingen, eines für Deutschland so segensreichen Ereignisses. Indem ich die Hoffnung ausspreche, daß das Verhältnis zwischen Deutschland und Norwegen immer ein gutes bleiben möge, und daß E. M. immer auf Ihren Reisen hier im Lande sich wohl befinden mögen, wo das Volk eine |o große Sympathie für E. M. hegt, erhebe ich mein Glas auf das Wohl S. M. des Kaisers, I. M. der Kaiserin und der kaiserlichen Familie".
Der Kaiser antwortete auf die Ansprache des Königs mit folgenden Worten:
„Gestatten mir Euere Majestät, meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für die gnädigen Worte, die E. M. soeben an mich gerichtet haben, den zu Herzen gehenden Empfang der Bevölkerung Drontheims und den heutigen schönen Tag. Wie E. M. richtig erivähnten, ist es mir stets eine große Freude, wenn ich einige Wochen an den Küsten Norwegens verleben kann als Erholung von schwerer Arbeit, und um neue Kräfte zu sammeln. Es ist mir eine besondere Genugtuung, E. M. hier als König besuchen zu dürfen in der schönen und ehrwürdigen Stadt Drontheim mit ihrer großen Vergangenheit. — E. M. treten ein nt eine Reihe von Monarchen, die bis hoch hinauf reichen in die Geschichte, und deren Taten in der Literatur fortleben. Als ich heute mit E. M. in dem erhabenen Bauwerk des Domes stand, habe ich heiße Gebete zum Himmel empor - gesandt, daß er E. M. schützen und es E. M. gelingen möge, das norwegische Volk zu herrlicher und schöner Zukunft zu führen. Mle meine Wünsche für das Wohlergehen E. M. und des mir so außerordentlich sympathischen norwegischen Volkes fasse ich zusammen in den Ruf: . I. M. der König und die Königin und das norwegische Volk'Hurra! Hurra! Hurra!"
Der Kaiser hat den König Haakon ä la suite der deutschen Marine gestellt. 'Er unternahm am Montag bet schönem Wetter mit dem Königspaarc einen Ausflug.
Der s r a n z ö s. Deputierte Gaston M e n i e r, Besitzer der Jacht „Ariadne", welcher mit seinem Sohne und Schwiegertochter vom Kaiser in Bergen zu Disch, geladen war, wurde von diesem in ein längeres Gespräch gezogen. Er beantwortete mehrere auf die Familie Waldeck- Rousseau Bezug nehmende Fragen und chatte auch Anlaß, über den Stand des französischen Privatjachtwesens Auskunft zn geben. Mcnier wünscht seit langem, daß in fraii- zösischen Gewässern internationale Jacht-Wettfahrten größeren Stiles veranstaltet werden. Diese Angelegenheit dürfte nach seiner Rückkehr eine eifrige Förderung erfahren.
Bei einem Fahrpreise
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ein erheblicher
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angenommen,
20
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kann man sonst als gerade bei Eisenbahnfahrten, besonders mit Familie, schon auf kleinen Strecken so mit Anstand sparen. Namentlich wäre daher eine ostentative Abwanderung von der 2. nach der 3. Klasse zu wünschen. Das würde erziehlich bei denen am grünen Tische wirken. Die Herren Reichstagsabgeordncten selber allerdings werden, wie
von
0,60— 2,00
2,00— 5,00
5,00—10,00
10,00—20,00
20,00—30,00
30,00—40,00
40,00—50,00
mehr als 50,00
Vielfach wird
Abfluß der Reisenden der oberen nach den unteren Klassen eintreten; ob das wirklich geschieht, muß abgewartet werden, aber zu wünschen ist das sehr. Nirgends
jAoUtrsche T<rges?charr.
Die Fahrkartensteuer.
Noch drei Wochen und sie ist da, die Fahrkartensteuer, die mit dem 1. August in Kraft tritt und nach der, abgesehen vom Fiskus und von den Herren Neichstagsabgeord- ncten, die sich selber kurz vorher die freie Eisen- bahnfahrt erster Klasse auf allen deutschen Bahnen beschert hatten (!!), wohl niemand im deutschen Vaterlande Sehnsucht verspürt haben dürfte. Aendern läßt sich jedoch heute nichts mehr daran, alles Klagen und Schimpfen ist jetzt umsonst, und man tut darum auch am besten, sich nach einem Tröste umzusehen: „Solamen miseris socios habuisse malorum“, sagt der Lateiner; auf deutsch: Ein Trost für die Unglücklichen ist, wenn sie Genossen im Unglück haben. Und dieser eine Trost ist uns Deutschen geblieben, denn in Frankreich und Oesterreich kennt man die Fahrkartensteuer auch.
Die 4. Klasse bleibt ganz, die 3. Klasse auf den süddeutschen Bahnen, sofern deren Preis den Satz von 2 Pfg. pro Kilometer nicht übersteigt, von der Steuer befreit. Dieselbe „Vergünstigung" genießen die Schüler- und die Arbeiterkarten, ferner alle diejenigen Fahrkarten, die nicht mehr als 60 Pfg. kosten. — Die neue Fahrkartensteuer ist ein Fixstempel mit folgenden gestaffelten Sätzen:
III. II.
Wagenklasse
gesagt, diese Verteuerung an ihrer eigenen Tasche nicht spüren und das ist doppelt bedauerlich, denn dadurch ist ihr eigenes Interesse an dieser schweren Volksbelaüung arg vermindert. Schlau war es übrigens, daß der Gesetzgeber vorschrieb, Steuer und Fahrpreis hätten auf der Fahrkarte in einer Summe zu erscheinen; hierdurch wird das Bewußtsein, bei dem Kauf einer Fahrkarte auch zugleich eine Steuer zu zahlen, abgeschwächt.
An alle Gegner der Fahrpreisverteuerung ergeht jetzt und zwar auch an die Damenwelt der Aufruf, dem freien Bunde der Gegner oder Protestler gegen die Fahrpreiserhöhung, welcher seinen Sitz in Hannover hat, — durch Anlegung eines Protestabzeichens für alle Eisenbahnfahrten im Deutschen Reiche — beizutreten, um dadurch gegen diese unbeliebteste und unzweckmäßigste Steuerform zu prote- stteren. Die vereinten Gegner der Fahrpreiserhöhung wollen tatsächlich vom 1. August ab stets eine .Klasse niederer fahren als bisher gewöhnt. Nach außcnhin erscheint es vielen angebracht, häufig wohl erkennen zu geben, warum man eine Klasse tiefer oder in der 4. Wagenklasse reist. Zu diesem Zweck wird das Protestabzeichen angesteckt, welches von der Geschäftsstelle des Bundes, Adresse: Erich Stock, Waldhausen-Hannover, für 20 bis 50 Pfg. je nach der Ausführung in Metall und Celluloid oder Emaille und vergoldet, inklusiv Bundesschein, an jedermann gegen Einsendung des Betrages einschließlich Porti abgegeben wird.
*
Preissteigerung der ländlichen Gütern
Wir lesen in einem sächsischen Blatte:
'iTuf ein Steigen des Preises der ländlichen Grundstücke infolge des Zolltarifes war man ja wohl vorbereitet. Daß aber die Steigerung der. Güterpreise so erheblich werden würde, wie aus vielen Gegenden gemeldet wird, war doch nicht anzunehmen. In Gegenden, auf die sich die Wirksamkeit der Ansiedelungskömmission erstreckt, die ihrerseits wieder den Wettlauf der polnischen Landbanken hervorgerufen hat, sind ja auch noch in dieser Politik liegende Gründe die Ursache exorbitant hoher Preise. Aber auch anderwärts wiederholt sich das Schauspiel, das sich Ende der 70er Jahre bot, als die Getreidezölle sprungweise erhöht mürben, als Fürst Bismarck Getreidezölle von öMk. einsührte. Auch damals glaubten viele, daß man die Güter gar nicht hoch genug bezahlen könne, und die Domänenpachten erreichten eine früher nie gekannte Höhe. Als dann die Getreidezölle wieder etwas herabgesetzt wurden, fielen ja die Preise der Güter ein wenig und ebenso die Pacht- erkrägnisse der Domänen. Man rechnete, wie hoch die Pachterträgnisse in den 80er Jahren waren und wie niedrig jetzt. Man hätte sich auch dafür interessieren können, wie hoch die Pachterträge 18 Jahre vorher waren (Domänen werden bekanntlich in der Regel auf 18 Jahre verpachtet) und würde gefunden haben, daß die im letzten Jahrzehnt gezahlten Pachten viel höher waren als die in den 60er und 70er Jahren.
Während aber nach vielfacher Annahme die Güter auch in den für die Landwirtschaft weniger günstigen Zeiten der letzten Zollära noch immer höher bezahlt wurden, als es den Erträgnissen entsprach, steigen die Güter schon wieder fast überall, und Gutsbesitzer werden geradezu überlaufen von Leuten, die ihnen ihre Güter zu hohen Preisen abkaufen wollen. In einem schlesischen Kreise sucht« sich der Besitzer eines kleineren Rittergutes, der vor wenigen Jahren das Gut für 150 000 Mk. gekauft und es im wesentlichen in demselben Zustande erhalten hat, wie es war, einen Kauflustigen dadurch fernzuhalten, daß er aufs Geratewohl einen Preis von 200000 Mk. forderte. Diese Abschreckungsmethode erwies sich aber als verfehlt, der Kauflustige sucht nun mit allen möglichen Mitteln, den Gutsbesitzer auf diesem Angebote festzunagetn, während letzterer nicht daran denkt, das Gut zu verkaufen in der heute ganz richtigen Erwägung: Er sei Landwirt, und wenn er sich heute ein anderes Gut kaufe, so müsse er es ebenfalls unverhältnismäßig teuer bezahlen. Auch aus Ostpreußen hört man ähnliches. Ferner bemerkt die Handelskammer zu Braunschweig in ihrem letzten Jahresberichte, daß die höheren Zollsätze schon im Herbst zum großen Teile in Preissteigerungen zum Ausdruck kamen, die an sich kaum gerechtfertigt zu nennen waren. Erwähnenswert sei, daß namentlich der ländliche Grundbesitz insolge der hohen Getreidepreise wesentlich höher bewertet wurde, womit die Befürchtung sich erfüllen dürste, daß die neuen Besitzer von wesentlich teurer erworbenen ländlichen Grundstücken beim Zurückgehen der Konjunktur und etwa eintretenden Mißernten erst wirklich notleidend würden.
Ausland.
London, 9. Juli. Nachrichten aus Tokio zufolge sollen große Umw älzun gen im koreanischen Kaiferpalaste vor sich gehen. Der Kaiser hat den Ministern Befehl erteilt, abwechselnd die Nächte im Palast zu verbringen. Der Prinz Wi-Wha, der soeben von Japan zurückgekehrt ist, weigerte sich, dem Befehl des Kaisers Folge zu leisten, der ihn zu sich berief. Es heißt, man wolle den Kaiser absetzen und den Prinzen Wi-Wha zum Kaiser von Korea machen.
Paris, 9. Juli. Dem „Figaro" wird aus Berlin gemeldet, daß die Zusainmenkunft König Eduards mit Kaiser Wilhelm in diesem Jahre auch ohne die Geburt eines deutschen Thronerben erfolgt wäre. Jedenfalls werbe die offizielle Bekanntmachung der bevorstehenden Monarchenbegegnung schon in einigen Tagen erfolgen.
__ Wie dem „Petit Parisien" aus London gemeldet wird, hat König Eduard aus Anlaß des abgeschlossenen
Abkommens über Abessynien an den Präsidenten Fa lliöres sowie an den König von Italien Glückwunschtelegramme abgesandt, worin er seiner Freude Ausdruck gibt, daß die englisch-französisch-italienische Freu n d- schaft ein so erfreuliches Resultat gezeitigt habe.
— General Mercier veröffentlicht heute im „Eclair" einen neuen Brief, in welchem er mit Dreyfus' Verteidiger Monard eine neue Polemik beginnt. Die Polemik betrifft das Datum der historischen Nacht, während welcher die Frage eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland erörtert wurde. Mercier verlangt vom Kassationshof drei Personen gegenübergestellt zu werden, die an den Beratungen der fraglichen Nacht teilnahmen und zwar dem ehemaligen Präsidenten Casimir Perrier, dem derzeitigen Kabinettschef Dupuy und Revoil, dem Vertreter des Ministers des Aeußcrn.
Bukarest, 9. Juli. Nachrichten aus Konstantinopel zufolge verübten griechische Banden in der vergangenen Woche sieben Alordtaten an Rumänen und Mazedoniern. Unter den Ermordeten befinden sich der Vater des Dragomans der rumänischen Gesandtschaft in Konstantinopel und der Schwiegervater des Direktors der rumänischen Schule in Magarewa.
Die Unruhen in Deutsch-Ostasrika.
Berlin, 9. Juli. Nach einem Telegramm des Gouvernements von Deutsch-Ostafrika ist Oberleutnant Abel, nachdem er den Manjara-See nördlich umgangen, am 18. Juni in das aufständische Jrakugebiet vorgestoßen. Er fand die bisherigen Meldungen bestätigt und wurde mehrfach angegriffen, wobei auf beiden Seiten Verluste zu verzeichnen waren. Am 24. Juni fand die Vereinigung mit dem Detachement Mpapua in Kilimatinde statt. Die 5. Kompagnie sollte am 30. Juni eintreffen. Neitzenstein meldet am 29. Juni die erfolgreiche Durchführung der Operation. Der diesseitige Verlust betrug 7 Tote und 16 verwundete Hilfskrieger. Das Gouvernement schreibt den verhältnismäßig raschen Erfolg und die Lokalisierung des Aufstandes in Jraku neben dem energischen Eingreifen Abels der sofortigen Konzentrierung ausreichender Truppen zu. Um den Erfolg zu sichern, verbleibt die 5. Kompagnie in Jraku, während alle anderen Streitkräfte zurückkchren. Die 15. Kompagnie Wunderlich muß zur Ergänzung der nordwestlich von Ufambara befindlichen Truppenteile dort stationiert werden.
Aus dem parlamentarischen Rußland.
Petersburgs. Juli. Reichsduma. Im Verkaufe der heutigen Sitzung wurde wieder über die Bjelostoker Ereignisse verhandelt. Der Deputierte für Wilna, der katholische Bischof Baron Ropp führt aus, ein General habe ihm gesagt, die Soldaten würden niemals auf Christen schießen, sondern nur auf Juden. Redner sei überzeugt daß es in der Hand des Verwaltungschefs liege, Pogrome zu verhüten, wenn sie wollten. Der Generalgouverneur von Wilna habe einmal die antisemitischen Agitatoren zu sich berufen und sie ersucht, keine Pogrome zu veranstalten. Darauf wurde ihm von den Agitatoren erwidert: „Wenn Sie es nicht wünschen, werden wir nichts unternehmen." Redner erklärt, es bestehe eine gewisse Mißstimmung gegen die Juden unter den Soldaten und der Polizei, die ihren Grund in der Organisation der Juden habe, die den Neid der Christen errege. Redner schließt mit der Aufforderung, für die weftlichen Provinzen die Se lb st r e g ierun g einzuführen, da anderenfalls die Gefahr der Pogrome fortbestehen werde. Die Zentral-Re- gierung sei andauernd mit der Russisizierung der Westprovinzen beschäftigt und verbiete sogar die Bildung einep gemäßigten liberalen Partei in Wilna unter dem Vorsitz des dortigen Bischofs.
Wiluawer weist in einer langen, vom Beifall des Zentrums und der Linken angenommenen Rede die Teilnahme der Zentralregierung an dem unter den Juden an- gerichteten Blutbade nach.
Darauf bespricht Roditschew in scharfer Rede die Politik der Regierung und erklärt, diese sei voll von Lügengeweben und bringe das Land in große Ge- f a h r. Redner schließt: „Wir haben uns an die Minister gewandt und sie gebeten, zurückzutreten, aber sie sind taub und wollen die Stimme der Nation nicht hören, das Gewitter nicht, das naht. Wenn die Regierung sich aus Furcht vor einer Explosion zum Rücktritt entschließen wird, wird es zu spät sein. Roditschew, der sehr erregt gesprochen hat, verläßt die Tribüne unter dcu Beifallsrufen des ganzen Hauses.
Nach einer Rede des Deputierten Lewin wird die Weiterverhandlung über die Bjelostoker Ereignisse auf. morgen vertagt.
Einem Londoner Blatte wird aus Petersburg gemeldet, daß die Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren im August stattfinden werbe. Sie dürste wiederum auf der Höhe von Björkö erfolgen. Inzwischen werben allerlei Vermutungen an diese Entrevue geknüpft und eine andere englische Zeitung weiß sogar zu berichten, daß zwischen dem Zaren und dem Kaiser geheime Vereinbarungen getroffen worden seien, nach tvelcher Kaiser Wilhelm deutsche Truppen zur Unterdrückung der Revolution nach Rußland schicken werde.
In Petersburg sand am Abend des 8. b. M. ein blutiger Zusammenstoß zwischen einer großen Volksmenge einerseits und Polizei und Kosaken anbererseits Itatt. Den Anlaß hierzu bot bie Verhaftung eines Reserveoffiziers, welcher eine revolutionäre Rebe an bie Versammelten hielt. Die Polizei


