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Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener Familienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt"' erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt 156. Jahrgang Donnerstag 8. August 1666
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Liehen.
AödauKung des Zaren.
Umsonst rauscht nicht das Gebüsch. Von Tag zu Tag treten die Meldungen bestimmter auf, daß der Zar mit der Abdankung sich trage. In den Kronratssitzungen soll Nikolaus wiederholt mit diesem Schritt gedroht haben, wenn seine Auffassung Widerspruch erfuhr. Das Londoner Blatt „Daily Chronicle" erhält aus Petersburg ein Telegrainm, daß die Fortsetzung der Meutereien in der Armee den Zaren zum Abdanken bestimmen werde. Der Zar will auch nichts davon wissen, den Neoolutionären entgegenzutommen, sie durch Milde zu versöhnen. Also das merkwürdige Beispiel, das der russische Admiral Skrydlow gab, hat nicht den Beifall deS Zaren. Stundenlang verweilte der Admiral bei den gefangen genoinmenen Matrosen im Gefängnis, nannte sie „Brüder" und rührte sie schließlich, obwohl sie zuerst sehr univillig waren über die trauliche Anrede, zu Tränen. Ein schönes Bild, nur so unmilitärisch wie möglich. Im übrigen, Tränen hat der Russe stets zur Verfügung. Er weint aus Freude und aus Rührung und er weint, wenn er aus revolutionärer Ucberzeugung Menschen tötet.
Auch der Zar weint. Die Katastrophen des russisch- japanischen Krieges erschütterten ihn bis zu Weinkrämpfen, und ebenso stark äußerte sich die seelische Erregung nach den Attentaten auf hohe Würdenträger. Aber der Zar überrascht immer wieder seine Umgebung durch seine Elastizität. Einige Stunden später scheint auch der stärkste Eindruck verwischt, ja verschwunden; der Zar ist in doppelt guter Laune, er glaubt aufs neue an seinen Stern und „fühlt eine Armee in seiner Faust". Diese Zähigkeit ist eine erstaunliche Eigenschaft. Man muß einmal bedenken, wieviel Staatsmänner und Militärs in Rußland den Platz geräumt haben, weil sie vor der Riesenaufgabe, die Revolution zu bezwingen, verzagten. Der Zar ist anr meisten von den anarchistischen Anschlägen bedroht, das Gefühl absoluter Sicherheit wird er seit langem nicht mehr kennen, er kann nicht in die Herzen seiner Diener sehen, und dennoch harrt der Zar aus. Dazu gehört am Ende doch ein nicht ganz unbeträchtlicher Mut.
Aber die zäheste Natur wird durch dauernde Ungunst des Geschicks gebrochen. Nirgends in Rußland zeigt sich ein Anfang zur Besserung, das Heer ist durch und durch von revolutionären Ideen erfüllt, Soldaten und Matrosen diktieren, als Herren der Situation, förmlich ihre Bedingungen, die Gefängnisse können die Menge der Verhafteten kaum mehr fassen, die Gerichte sind trotz summarischer Rechtsprechung außer stände, rasche Sühne zu üben. Nun ist der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch zum Oberkommandierenden des gesamten Heeres ernannt. Wenn das nicht mindestens die Vorbereitung der Militärdiktatur ist, was ist es dann? Daß die Absicht der Diktatur bestritten wird, versteh sich von selbst. Das Ableugnen ist man von den russischen amtlichen Stellen gewohnt. Im Ernst ist nicht zu glauben, daß Großfürst Nikolai der Mann dazu wäre, etwa die Reform des Heerwesens an Haupt und Gliedern herbeizusühren. Der Großfürst gehört anerkanntermaßen nicht zu den „Riesen des Gedankens", von deren Erscheinen das Manifest bei Auflösung der Duma träumte, und noch weniger zu den Niesen der Tat. Die Ernennung scheint einen Uebergang zur Ausführung des verzweifelten Entschlusses zu bilden, mit umfassender militärischer Gewalt die Revolution zu ersticken. Ein Feldzug int Innern, zu dem ein Oberkommandierender erforderlich ist. Mißlingt auch das, so ist es wohl möglich, daß der Zar abdankt.
An den deutschen Börsen ist man ja in Bezug auf Rußland von der äußersten Vertrauensseligkeit. Infolgedessen wird man in Berlin immer wieder von den Ereignisien überrascht, mit denen die Pariser und die Londoner Börse, bester unterrichtet und skeptischer, gerechnet haben. So meldet eine Depesche der „Vost. Ztg." ans Paris: „Da man in maßgebenden Finanzkreisen ernstliche Folgen von den Gerüchten über eine Abdankung des Zaren befürchtete, wurden Jnterven- tionskäufe vorgenommen." E§ finden also in Paris maßgebende Finanzkreise die Abdankungsgerüchte beachtenswert genug, um daraufhin Verfügungen zu treffen. In Deutschland wird der Zar für unerschütterlich gehalten.
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politische Tagesfeharr.
Die Monarchenzusammenkuust in Friedrichshof.
Der Kaiser trifft nach den neuesten Bestimmungen bereits am 14. August, nachmittags, mittelst Sonderzugs in Cronberg em und begibt sich nach Schloß Friedrichshof. Am 15., morgens 9 Uhr 15 Mm., wird König Eduard erwartet, der von London über Vlissingen und Köln kommen wird. Der Kaiser wird seinen Gast am Bahnhof Cronberg empfangen und ihn nach Friedrichshof geleiten. Dort wird zunächst em Frühstück und dann eine Besprechung der beiden Monarchen stattfinden. Für nachmittags ist eine Autornobil- fahrt vorgesehen, die nach der Saalburg führen soll. Der Kaiser wird seinem königlichen Onkel die dortigen Arbeiten zeigen. Am 16. August um 9 Uhr 40 Min. reist König Eduard von Cronberg ab nach Macienbad. Der Kaiser begibt sich im Automobil nach Homburg, wo um 11 Uhr die Enthüllung des Landgrafendenkmals vorgesehen ist. Dec Kaiser verliest dabei eine Rede, in der u. A. die Verdienste der hessen-homburgischen Landgrafen gewürdigt werden. Sofort nach der Enthüllung reist der Kaiser mittelst Sonderzugs von Homburg nach WilhelmShöhe.
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Reine Hände.
Der preußische LaudlvlrtjcheftSminister Herr ti. Pod- bielst'i hat sich eines Berliner Blattes bedient, um seine 'geschäftlichen Beziehungen zu Tippelskirch u. Co. inS rechte .Licht fit .setzen. Wr zweifeln nicht im mindesten daran, idaß Herr v. Podbiclski, nachdem er wieder in den .Stacrts-
und Flotte.
Von besonderer Seite wird uns geschrieben: Die erhöhte Bedeutung der Artilleriewaffe, die sich erneut daran erkennen läßt, daß nach den abgeänderten Bestimmungen über die Ausbildung der Schiffsjungen letztere neben der infantcristi- chen in Zukunft auch artilleristische Weiterbildung erhalten sollen, liefe Bedeutung wird dem Vernehmen nach bei dem Kaisermanöver in Schlesien zum Ausdruck kommen. Einerseits in umfangreicherer Beteiligung der Fußarttllerie, die früher zu den großen Herbst- übungen überhaupt nicht herangezogen wurde, andererseits in ebenfalls umfangreicherer Erprobung der neuen Rohrrücklaufgeschütze, die beim vorjährigen Kaisermanöver versuchsweise zur Verwendung kamen. Es heißt ferner, daß die Artillerie in Schlesien zum ersten Mal nut Licht, ignalen zum besseren Erkennen des Zieles operieren wird, die bei der französischen Artillerie, an deren Vervollkommnung in hervorragendster Weise gearbeitet wird, bereits in Benutzung sind.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 9. Aug. 1906.
•• Der neue Gießener Gymnasialdirektor. S. K. H. der Groß Herzog haben den Direktor des Gyrn-
dienst getreten war, keinen Einfluß mehr auf hie geschäftlichen Transaktionen der Firma ausübte, wir halten es auch für selbstverständlich, daß ihm von den Darlehen an Major Fischer kein Sterbenswörtchen bekannt war, aber besser wäre es jedenfalls gewesen, wenn er seine diesbezüglichen Verbindungen vollständig abgebrochen hätte. In anderen Staaten, wie beispielswei,e England, Frankreich und Rußland pflegt man ja über die Beteiligung aktiver Minister und Offiziere an industriellen Unternehmungen liberaler zu denken, als bei uns, und dort macht man auch von Affären, wie die des Majors Fischer lange nicht soviel Aufheben?, aber Prenß-n-Teutschland ist nicht zuletzt durch die absolute Unbch-chlichkeit, die reinen Hände und eiserne Pflichttreue seines Staatsbeamtenkörpers und Offizier- korps groß geworden, und wir möchten diese Eigenschaften nicht in Verfall geraten sehen. Die Vorstellung, daß sich ein deutscher Staatsbeamter auf Staatskosten bereichern könnte, liegt uns vollständig ferne, und hier berührt sich unsere Anschauung mit den Ehrbegriffen der römischen Republik in der Zeit ihres Aufschwunges. Deshalb wirkt die Affäre Fischer-TippelSkirch so peinlich auf das gesunde Empfinden des deutschen Volkes ein, und in weiten Kreisen wird denn auch der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß cs nicht allein in der Kolonialverwaltung stinke. Diese Möglichkeit erscheint uns ausgeschlossen, aber umsomehr ist es Pflicht der maßgebenden Stellen, dafür zu sorgen, daß das Uebel nicht weiter frißt und durch eine Radikalkur wieder Beruhigung geschaffen wird. Vor allem heißt es, die Quelle solcher Vorkommnisse, den immer stärker hervortretenden Hang zum Luxus und Wohlleben zu verstopfen, denn dabei wird sogar am grünen Holze gesündigt. Es sei nur darauf hingewiesen, daß beispielsweise die Repräsentationspflichten unter dem alten Kaiser sich in dem Rahmen schlichter Einfachheit hielten, während unter dem neuen Regime sie nachgerade zu einer wahren Plage für den schmalen Geldbeutel der nicht oder nur mäßig begüterten Offiziere und Staatsbeamten geworden sind.
Ein Verteidiger Studts.
Der preußische Kultusminister hat bekanntlich den Seminaristen die Lektüre der Werke Ibsens, Hauptmanns und Sudermanns verboten. Er hat sich damit wieder einmal selbst eine geistige Niederlage beigebracht. Diese Auffassung hatte wenigstens die Presse einmütig. Die, die vielleicht anderer Meinung waren, hielten den Mund, denn sie fühlten, daß sie einen verlorenen Posten verteidigen würden.
Nun ist doch ein Kampe erstanden, der der Exz. v. Studt beifpringt und ihren Ukas verteidigt. Es ist Herr Max Lorenz, ehemals Sozialdemokrat und jetzt Herausgeber einer „Antisozialdemokoatischen Korrespondenz", ein Mann, der mit Renegaten-iUebereifer für jede Art von Reaktion ficht. Als Organ dient ihm der „Tag", ein Blatt, das ein zwar linksgerichteter Mitarbeiter geschickt als Folio benützt, von der sich seine konservativen und möchtegern- offiziösen Darbietungen desto glanzender abheben sollen.
Was bringt Herr Lorenz nun vor? Symptomatischen Wert haben seine Ausführungen allerdings, denn hier kommt ein typischer Vertreter kraß^autoritattver, anti- liberaler Ideen zum Wort. Er sagt: Der Volksschullehrer versteht von Ibsen und Hauptmann nichts und der Seminarist erst recht nichts. Und er ergänzt diesen Vorwurf, der intellektueller Art ist, durch den zugleich moralischen: Nächst den Arbeitern gibt es keine unzufriedenere Gruppe als die Lehrer. „In der jüngeren Generation des Volksschullehrerstandes ist eine unglaubliche Menge von Oppositionsstoff angehä'uft, mehr nur noch in der Arbeiterklasse. Schuld daran aber trägt keineswegs die materielle Notlage. Die besteht gap nicht mehr, ganz besonders auch nicht für den Landlehrer. Was liberale Zeitungen darüber schreiben, läßt jede Kenntnis der wirklichen Verhältnisse vermissen. Die Ursache dieser Oppositionsstimmung liegt vielmehr auf geisttgem Gebiet und zum guten Teil in jenem Bildungstrieb, der nämlich irre geleitet wird." Mithin muß das Lesen der Leute eingeschränkt werden.
Das sind die „Grunde", mit denen die Studtsche Verfügung verteidigt wird. Man kann den Gegensatz zwischen konservativer und liberaler Weltanschauung nicht schärfer ausdrücken, als eS hier geschieht. Und es ist denn auch ganz folgerichtig, wenn Lorenz gegen Gerhart Hauptmann mit erfrischender Naivität einwcndet: Der Mann ist ein Liberaler. „Ich (Max Lorenz) aber sehe in .ihm, unter voller Würvigung seiner psychologischen, literarischen und üsthe- ttschen Qualitäten, den Ausdruck einer zu Ende gehenden Epoche, der Epoche der liberalen Bourgeoisie im eigentlichen Sinne, die ihren Anfangs- und zugleich Höhepunkt in Schiller, ihren End- und Tiefpunkt in Hauptmann gefunden hat. Von Schiller zu Hauptmann, das ist der Entwicklungsgang liberalen und bourgeoisen Geister". Daß diese Charakteristik Gerhart Hauptmanns heller Unsinn ist, tut natürlich der Folgerichtigkeit des Kritikers keinen Abbruch. Herr v. Studt hat einen Verteidiger gefunden; aber was für einen!
nasiums zu Offenbach, Dr. Wich. Henseil, zum Direktor des Gymnasiums zu Gießen mit Wirkung vom 1. Septbr. an, den Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Alzey, Dr. Ludw. Buchhold, zum Direktor des Gymnasiums zu Offenbach, den Oberlehrer an dem Ludwig-Georgs-Gym- uasium zu Darmstadt, Professor Dr. Theodor Eger, zum Direktor der Realschule und des Progymnasiums zu Alzey ernannt
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Herrn. Lehr zu Güttersbach 'eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ramstadt. Bestätigt wurde der von den Freiherren Riedesel zu Eisenbach auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lardenbach präsentierte Lehrer Will). Schmidt zu HartmannShain.
** Manöver-Postsendungen. Aus Anlaß der bevorstehenden militärischen Herbstübungen machen wir auf die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Manöver-Postsendungen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (möglichst auch Vorname, unter Umständen Ordnungsnummer) Dienstgrad und Truppenteil (Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Abteilung, Batterie, Kolonne usw.) und der ständige Garnisonort, eintretendenfalls mit dem Zusatz „oder nachsenden". Die Angabe eines Marschquartiers als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht.
** Kreissammelwasen m ei st erei. Die ersten Arbeiten zur Errichtung der Kreissammelwasen.neisterei bei Garbenteich sind in Angriff genommen. Einzelne Gebäude sollen noch bis zum Herbst unter Dach gebracht werden. Die Maurerarbeiten sind einem hiesigen Vaugeschäft übertragen worden.
** Lehrer wählbar zum Gemeinderat. Der Sonder-AuSschuß der 2. Hess. Kammer für die Revision der Verwaltungsgesetze hat die Streichung der Bestimmung in der Landgemeindeordnung beschlossen, daß seminaristisch gebildete Lehrer an Volksschulen nicht in den Gemeinderat wählbar sind. Wenn die Regierung, die 1. Kammer und das Plenum der Kammer sich anschließen, werden die Volksschullehrer in Zukunft zum Gemeinderat wählbar fein.
** Der Bezirkstag des H assiabezirks Gießen hat beschlossen, daß das Bezirksfest 1907 in Dau bringen abgehalten wird. Der dortige Verein feiert gleichzeitig sein 30jähriges Bestehen.
— AuS der Schule. Ein Lehrer hatte in seiner Klasse den Liedervers: Schaffet, schaffet Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit! aufschlagen lassen. Als er nun die Frage stellte, was sollen wir schaffen? erhielt er prompt die Antwort: „Wir sollen Menschenkinder schaffen".
X Steinbach, 8. Aug. Die, wie wir kürzlich gemeldet haben, für unseren Ort vorgesehene Wasserleitung wurde vom hiesigen Gemeinderat abgelehnt, da sie einen zu hohen Kostenaufwand erfordern würde. Die Kanalisation ist dagegen in Aussicht genommen.
A Grünberg, 8. Aug. Die Anlegung eines neuen Straße npfla st ers in der Ne ustadt zeigt schon, obgleich sie noch nicht ganz beendigt ist, ein recht vorteilhaftes Aussehen. Es gibt der ganzen Straße ein ganz anderes Aussehen, das die anzulegenden Bürgersteige noch mehr heben. Die Verbindung unseres Bahnhofes mit der Stadt durch Neubauten geht immer mehr der Vollendung entgegen. Wiederum werden zwei Neubauten an der Bahnhofsstraße aufgeführt.
A Butzbach, 8. Aug. Der Inhaber der ersten eoang. Pfarrstelle, Oberpfarrer Valentin Schrimpf von hier wurde heute zum Dekan des Dekanats Friedberg gewählt. — Ein 16jähriges elegant gekleidetes Dämchen erschien gestern abend in später Stunde in einem Schuhgeschäft und verlangte auf Rechnung eines hiesigen Arztes, der angeblich ihr Onket sei, verschiedene Paar Stiefel, die sie nach einigen Minuten abzuholen gedachte. Inzwischen ließ sie sich in einem Modewarengeschäft unter den gleichen Angaben verschiedene Gegenstände vorlegen. Die inzwischen benachrichtigte Gendarmerie nahm sich hierauf der Person an, da der Schuhwarenhändler von dem Arzt durch das Telephon erfahren hatte, daß er es wohl mit einer Schwindlerin zu tun habe. Bei ihrer Vernehmung gab sie an, Elise Wirth zu heißen und aus Niederwöllstadt gebürtig zu sein.
•* Aus dem Usatal, 8. Aug. Das Projekt einer gemeinsamen Klaranlage für Bad-9!anheim und Friedberg ist von der Negierung ausgearbeitet worden, zur allgemeinen Freude der Anwohner. Z. Zt. führen die Fäkalien der Nauheimer Kläranlagen in die Ufa, wodurch das früher klare, muntere Bächlein in der Zeit der Hochsaison besonders zwischen Nauheim und Friedberg-Fauerbach an den Nil zur Zeit der egyptischen Plagen erinnert Eine trübe, stinkende Flüssigkeit wälzt sich träge vorwärts, Frösche sind anstelle de§ früheren Fischreichtums getreten, lieber die Verseuchung der Ufa schweben sogar längere Zeit Prozesse, mußten doch mehrere Anwohner ihre Badeanstalten schließen. Hoffentlich kommt das Projekt im Interesse beider Städte bald zur Ausführung.
+ Naunheim, 8. Aug. Mit Freude blickt unser junger Turnverein, das jüngste Glied des GaueS Hessen, auf feinen am letzten Sonntag zu Gießen errungenen Preis zurück. Der Verein wurde erst im Februar d. I. gegründet und zählt bereits 60 aktive Turner. Auch der vor Jahresfrist im benachbarten Waldgirmes gegründete Turnverein ging bei dem Feste als Sieger hervor.
x Heldenbergen, 8. Aug. Bei der heutigen Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitischen Neligionsgemeinde wurde Max Speyer mit Einstimmigkeit zum ersten Vorsteher wiedergewählt — Gestern


