Ausgabe 
7.12.1906 Erstes Blatt
 
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Landgrafen mit spöttischer Verachttmg nannte, zum Großherzog promoviert wurde, und es war ein schmutziger Fürstenmantel, den er sich um seine Schulter schlug. Damals ahnte er wohl nicht, Laß einst eine revolutionäre Partei io große Scheu haben würde vor Wandlungen, die einen seiner Nachkommen Jehr leicht per­sönlich verletzen* konnten. Und nun gar eine Gratulation von Reoublikanern, weil der Fink wieder Samen hat und die erlauchte hessische Dyuastie vor dem Aussterben gnädig gerettet worden ist!

Dieser Mehring kennt Anstandspflichten nur in Gänse­füßchen. Der gleichfalls soz.-dem.Korrespondent für Teullch-- Ianb§ Buchdrucker und Schriftgießer* charakterisiert dieLeipz. Volksztg.* alsprofessionelles Hetzblatt, in dem die Ehr­abschneiderei gewerbsmäßig betrieben wird.* Er drückt sich wahrhaftig noch ganz außerordentlich gelinde aus.

Komisch wirkt schließlich noch eine vonEmpörung* triefende blutrünstige Resolution der Friedberger Genossen gegen die Kammerfraktion. Selbst dieOberh. Volksztg.*, dieser täglich in Offenbach zurecht gemachte und mit Gießener Lokalnachrichten schlecht und recht und dünn versehene Gießener- Ableger derOffenb. Abendztg.*, sieht sich bemüßigt, mit ein wenig Svott die Friedberger Empörten zu bedenken.

Südrveftafnkanischcs.

W. T. B. meldet heute aus Berlin:

Die Budgetkommission des Reichstages setzt die Beratung deS Nachtragsetats fort.

Auf eine Anfrage ErzbergerS macht Oberstleutnant Quade fiber die Stärke und die Tislozierrmg der im Schutzgebiete befind­lichen Truppen Mitteilung. Tie Starke der Truppen betrug beim Eintreffen des Obersten Deimling 14 500 Mann; jetzt sind noch 10 062 Mann dort. Die Truppenstärke werde bis zum 1. April 1907 um weitere 2000 Köpfe vermindert werden. Eine weitere Verringerung der Truppenzahl sei vor Beendigung des Auf- standes nicht angängig. Redner erklärt schließlich, er könne versichern, daß die H o t t c n t o 11 c u jetzt in ihrer Verzweiflung den Schlußkampf kämpfen: man möge ihnen nicht durch Schwächung unserer Truppen neuen Mut und neue Kraft geben.

Gouverneur v. L i n d e q u i st betont die Notwendigkeit, im Norden des Schutzgebietes eine ausreichende Truppenmacht zu be­laßen. Tie mehrfach im Süden gemachten Versuche, die Einge­borenen buiTh friedliche Verhandlungen zur Unterwerfung zu be­wegen, seien erfolglos gewesen.

Erzberger äußert finanzielle Bedenken; setzt seien schon 190 Millionen zu zahlen, ohne ditz Garnison-Bauten usw. Seine Freunde würden für 1907 keinen Pfennig auf eine An­leihe bewilligen. Er äußerte, wa? die Finanzen znließen, seien im Süden 500 Mann zur Aufrechterhaltung der Verbindung.

Kolonialdirektor Ternburg erklärt, nach Fertigstellung der Bahn KeetmannShoop würden die Kosten der Truppen von gegen­wärtig 9776 Mk. pro Kopf auf 5848 Mk. heri'ntergehen. Bereits während des Baues der Bahn von der Lüderitzbucht nach Kubub seien nach Angabe der Bauleitung an Transportkosten 3*/« Mill, gespart worden. Es bestehe die Absicht, 971 Ansiedlern, die sich bereits gemeldet haben, und anderen waffenfähigen Leuten die Verpflichtung aufzuerlegen, sich zum Dienst zu stellen; so würden später Erspamiffe gemacht werden. Die Regierung beabsichtige ferner, die großen Gesellschaften finanziell heranzuziehen und die ungeheuren Kosten durch Schaffung von Verkehrswegen herabzu­drücken, ohne welche das Schutzgebiet auch die Entwickelung nicht nehmen könne, für die es Vorbedingungen biete.

Es folgt eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in welcher Singer die Aussetzung der Verhandlungen verlangt bi? die Re­gierungen sich über die Hobe der Forderrmgen klar geworden seien. Der Antrag Singer wird schließlich abgelehnt.

Gouverneur von Lindeguist macht in Ergänzung seiner früheren Darlegung weitere Mitteilungen über die wirtschaftlichen Verbältniffe des Schutzgebietes und über die Eingeborenen. Wgs die Schutztnwve gnlgnge, habe er lediglich Interesse daran, daß die für die Sicherheit der Kolonie unbedingt notwendige Truppen- zahl im Schutzgebiete gehalten werde. Er würde sich freuen, wenn die Ausgaben für die Schutzgebiete vermindert nnb dafür mehr Mittel für wirtschaftliche Zwecke bewilligt werden könnten. Leider sei jedoch eine weitere Verminderung der Truppen unmöglich.

Enge len (Ztr.) unb Genoffen beantragen, eS solle dalu'u gewirkt werden, daß oont 1. April 1 907 nur noch 25000 Mannin den Kolonien belaffen werden sollen. Nachdem W i e m e r sich dafür ausgesprochen und zugleich erklärt hatte, die Darlegungen Lindeguists hätten einen günstigen Eindruck gemacht, wird die Be­ratung vertagt.

Dagegen meldet das Bureau Herold:

v In der Budgetkommission kam es zu einem interessanten Zwischenfall. Nachdem sämtliche militärischen Vertreter sowie die Vertreter der Kolonial-Verwaltung die unumgängliche Not- wendiokeit der Belaffunq einer Truvvenzghl von 8000 Mann in Cüdwestafrika betont hatten, erklärte der Vertreter des^Schatzamtes, Unterstaatssekretär Tw ele, daß die Regierung sich über die Höhe des Bedürfniffes und die Zahl der Gruppen noch nicht schlüssig sei. Sofort stellte der Abg. S i n g e r den Antrag, die Ver­handlungen abzubrechen, da eine weitere Beratung nun­mehr ja doch keinen Zweck mehr habe, weil die Regierung selbst über die zu ergreifenden Mgßnghmen n'cht einig sei. Hierauf er­klärte Unterstgatssekretär T w e ( c, er sei mißverstanden worden. Er habe nur sagen wollen, dgß dgs Reichsschatzamt bisher' nicht informiert worden sei, welche Mittel für die in Cüd- westgfrika belaffenden Truppen zur Verfügung gestellt werden müßten. Tgrguf wurde der von den Sozialdemokraten gestellte Vertagungsantrag abgelehnt.

Deutsche» Reich.

Potsdam, 6. Dez. Der Kaiser ist heute abend wieher hier eingetroffen.

Berlin, 6. Dez. Reichskanzler Fürst von Bülow empfing heute nachmittag den Inhaber der Rooseveltprofeffnr Burg, und den früheren Präsidenten der französischen Deputiertenkammer Do um er.

Die französisch - spanische Rote über Marokko ist durch die Botschafter der beiden Mächte dem Staatssekretär von Tschirschky überreicht worden. Der Staats­sekretär sprach seinen Dank aus itnb aus ferneren daran ge­knüpften kurzen Steigerungen dürften die beiden Botschafter entnommen haben, daß Deutschland, so lange die Maß­nahmen Frankreich? und Spaniens sich in den Grenzen der diesen Staaten übertragenen Rechte beziehungsweise Pflichten zur Einführung einer Polizei in Marokko halten, mit ihnen einverstanden ist. Zweifellos werden weitere Schritte, die bei den augenblicklich ungeordneten Verhältnissen in Marokko etwa in Erwägung gezogen werden sollten, eben­falls die Zustimmung der deutschen Negierung finden, wenn das dipl. KorpS in Tanger einschließlich deS deutschen Ge­sandten in Tanger ihre Notwendigkeit anerkennt.

Ter Landes-Eisenbahnrat hat in seiner heutigen Sitzung mit großer Mehrheit der Vorlage der Staatsregierung über Ermäßigung der Stückgut- und Wagenladungsfrachten für Fleisch und frisch ge­schlachtete? Vieh zu gestimmt.

Der Bundesrat hat sich entschloffen, die F lei sch - not-Interpellation am 12. Dezember im Reichs­tage beantworten zu lassen.

Die Reichstagskommission für das Auto­mobilhaftpflichtgesetz führte in ihrer heutigen Sitzung die Generaldebatte zu Ende. Besonders wurde die Frage der

Limitierung deS Schadens besprochen: Bei Personen auf 50 000 Mk. bezw. 30 000 Mk. Rente, bei Sachschäden auf 5000 Mk. Weiter wurde die-Frage einer Zwangsversicherung der Automobilbesitzer besprochen.

Im Wege des Disziplinarverfahrens war dem Rechtsanwalt WycynSki in Straßburg (Westpr.) da? Notariat abgenommen worden, weil er einen Kaufvertrag zum Schaden de? Deutschtum? abgeschlossen batte. Wie polnische Blätter jetzt melden, hat die Disziplinarkammer des Kammergerichts als Berufsinstanz dahin erkannt, daß Wyeynski da? Notariat zu belassen sei, zugleich wurde aber auf einen Verweis und eine hohe Geldstrafe erkannt.

Stuttgart, 6. Dez. Bei der Landtagswahl in Stuttgart wurden zum ersten Male, wo Abgeordnete auf dem Wege der Verhältniswahlen zu wählen waren, gewählt: 3 Sozialdemokraten, 1 Deutsch-Varteiler (natL), ein Vokksparteiler (Oberbürgermeister v. Gauß) unb ein Konservativer, der auf dem vereinigten Wahlzelle! der Kanfervativen unb Zentrum stand.

AuslanS.

London. 6. Der. (Unterhaus.) Gibson Bowles bellt die Anfrage, ob eine Konvention oder eine Ab­machung zwischen den Regierungen der Bereinigten Staaten und Deutschlands besiehe darüber, daß im Falle einer krieaerischen Verwicklung Deutsch­lands die deutsche Handelsmarine unter die Flagge der Vereinigten Staaten treten falle, und ob die Regierung irgendwelche Mitt"llunaeu üB»t diese Angelegenheit von dem britischen Botschafter in Washing­ton erhalten habe. Der Staatssekretär des Auswärtia-u Sir Edward Grey erklärt das Bestehen einer solchen Ab­machung für unwahrscheinlich. Tubezug auf den Wunsch, daß der Ausbau des Flotten ft ützvuuktes Rooshth mit Eifer betrieben werden ntoae. erklärte der Unterstaats­sekretär der Marine, Edmund Robertson, die Angelegenheit unterliege einer sorgfältigen Erwägung.

Daris, 6. Dez. In der heutigen Nackimittaassitzuna der Kammer gelangte die Interpellation Jaurds betreffend die Marokko-Frage wr Blutung. Jaurös tadelt die Regierung wegen für Neb erst str un g, wo­mit sie in die jetzigen Ereignisse in Marokko ein gegriffen habe. Man behauptet, erklärt Favres, daß alle Regier­ungen mit der Haftung Frankreichs und Spaniens ein­verstanden sich erklärt haben, nachdem ihnen die gemein­schaftliche Note dieser beiden Mächte überreicht worden sei. Redner fragt, wie die Lage sich jedoch gestaltet haben würde in^ dem Fall, wenn dieses Einverständnis zwilchen den Mächten nicht ein vollständiges gewesen wäre. Die schlech­teste Politik würde die fein, Deutschland nicht seinen Anteil an dem Vorgehen und der Verantwortlichkeit in dieser großen muselmanischen Frage zu lassen. Wie Franz I. sich auf die Türken stützte, so hat Deutschland in der Besorgnis, durch die europäische Diplomatie iso­liert zu werden, versucht, sich muselmanische Kräfte zu sichern. Bei den ersten Schwierigkeiten Werden die be­troffenen Mächte sich an Deutschland wenden. Die Musel­manen werben durch das Verhalten der Regierung daru gebracht, daß sie sagen, es gibt nur einen Feind, das ist Frankreich, es gibt nur einen Beschützer, Deutschland. Deutschland ist ein Rätsel. Es ist ehemals durch die Reformationsbewegung zerrissen worden. Nach den In­vasionen, die der Revolution folgten, hat Deutschland sich der Gewalt zugewenöet und das bunt tue Mißbehagen des Aufkommens des militärischen Deutschlands lastet auf Europa. Deutschlands Handel hat eine wunder­bare En twicklun g erfahren. Deutschland beobachtet reizbar und mutig alle Ereignisse. Es wäre Torbeit, Deutschland einen Vorwand zum Mißbehagen, zur üblen 8,aune zu geben. Niemand hat mehr als ich die fran­zösisch-englische Wiederversöhnung begrüßt. Redner bringt bann der liberalen Regierung Englands eine warme Hul­digung dar und fährt fort, wenn aber selbst die Jmveria- lisien, die den Transvaalkrieg veranlaßt hätten, auf ihre Regierung einen Druck ausübten, um die französisch-eng­lische Freundschaft zu entstellen, müßte die englische Re- giertmg, um sich deut zu widersetzen, sich auf "das fran­zösische Gewissen stützen. Wird man das aber können, wenn wir in die marokkanische Falle gegangen sind? Schon wird die unruhige Sage in Marokko von den natio­nalistischen Blättern übertrieben. Jaures verliest dann Ar­tikel Clsmeneeaus aus den Jahren 1889 und 1885, in welchen die Notwendigkeit betont wird, Frankreich zu ver­teidigen, die Idee aber, alle Kräfte zusammenzu­ziehen, um sie auf Deutschland z u st ü r $ en , kriti­siert wird. Elemeneeau habe die Notwendigkeit des Friedens für die Entwicklung der Demokratie hervor­gehoben. Wenn uns ein Krieg aufgedrängt werde, habe Elemeneeau gesagt, würden wir ihn cm'uuehmeu wissen. Eine Revanche höherer Art abe^-ist die Wiederaufrichtung der Revublik. Lassen wir uns jetzt, wenn wir den Frieden und die Revanche nur von der Entwicklung des Rechtes tm Frieden erwarten, von niemandem verleiten. Es würde eine Ungeheuerlichkeit sein, wenn wir uns auf obskuren Wegen dazu verleiten ließen, zur Gewalt zu greifen, nm für unser Recht einzutreten. (Beifall auf der äußersten Linken.)

grof. Uerrihard Stade

Am Donnerstag abend, um ^10 Uhr, ist der Geh. ZUrckenrat Professor D. Dr. Bernhard Stabe, Vertreter der Disziplin des Allen Testaments in der th»ologischen Fakultät unserer 9onbc?,nitierfitnt. seinen schweren Serben erfeaen. Im derbst 1875 h-erhcr berufen, hat er es verstanden, unter den schwie­rigsten Verhältnissen mit zäl"r Energie den Unterrichtsbetrieb an seiner Fakultät neu zu gestalten und sie zu der Höhe hinauf- zusühren, die ibr eine h-rvorragende Stelle unter den deutschen theologischen Fakultäten sicherte. Er hat aber seine Arbeitskraft von Anfang an auch dem G-samtoraanismus unserer Landes^ Universität zugewendet, die ihm Mehr zu verdanken hat, als '>gend einem von denen, die neben und mit ihm gewirkt haben. Vesonde'-e Fürstr*c hll er dem St'venbienwesen gewidmet, das unter ihm, der seit 1894 d^s Amt b"? Gn^^rrls belleidete, einen großen A"sschwung nahm. Zmeim^l (1882/83 und 1896/97) hat er das Rektorat bekleidet. Als Gelehrter hat er einen tiefen Einschnitt in die Geschichte ferner Wissenschaft bewirkt. Seine in Onckens Alsaemekner Geschickte in Ein'eld-rr^cllungen er­schieneneGeschichte des Volkes Israel" (2. Anfl. 1885; 2. Band in Gemeinschall irrt P§Tar Holtzmann. 1888) ist die erste Gesamt­darstellung d'escs heißumstr'ttenen Gebietes auf der Grundlaae neuerer Forschung. SeinLehrbuch der hebräischen Grammatik" <1879) und fein mit Karl Siegfried bearbeitetesHebräisches Wörterbuch zum Allen Testament" (1893) sind Marll'eine in der Geschichte der hebräischen Sprachforschung. Seine leider un­vollendet gebliebeneBiblische Tbeolog-e des Alten Testaments" (L Band 1905) zeigt den Meister in der Verarbeitung der Probleme der israelitischen Religionsgeschichte. Seit 1881 schuf er in derZeitschrift für die alltestamentl-iche Wissenschaft"

(Gießen, Töpelmanff) daN deutsche Zentralorgan für die wissens schaftlicke Kleinarbeit am allen Testament, zu der er selbst zahl­reiche Beiträge lieferte. Seiner wissenschaftlichen Bedeutung im Einzelnen gerecht zu werden, muß einer kundigeren Feder Vor­behalten blliben. Hier fall noch darauf lmmewie'en werden, daß St^de auch die Entwickelung der evangelischen Kirche. b"wnders Hessens, mit warmer, nie versiegender T-'lnahme verstww. Zeugnis davon legt seine Rektoratsr''de von 1883 ab:lieber die Lage her evangelischen Kirche Deutschlands (wieder abg-'druckL in bt-a .,Ansgcwähllen akade'utz'chen Redm i^-d Abbaudlunaen". 1899). 9(6er auch sejue letzte akad"mifcke Rede, in der er bei Gelegenheit der Gedächtnisfeier der Gründung des Gfhmnafium illustre einen Rückblick warf auf d-e (H'tstehungsg-'schickte unserer Universllät (Einst und jetzt. Rückblicke und A"sblicke". 1905) reugt von diesem Interesse.^ Für alle, die diele Rede im vorigen Iawe gehört haben, ist sie eine wehms'tiae Erinnerung daran, welcher Schatz nickt nur von Wissen, sondern auch von Liebe zu unserer Universität mit diesem Manne zu Gr^be aetragen wird. Die nahe Jubelfeier hat ihn beschäftigt, bis b;e letzte Krankheit ihn auf W Lager warf. Wenn der Llugust 1907 er­scheint. st wird in Gießen keiner schmerzlicher vermißt werden als Bernhard Stade, I

Stade war am 11. Mai 1848 in Arnstadt /Thüringen) ae^ baren, studierte 1867-^68 in Leipzig Theologie und llassische Philologie, 186970 in Berlln und Leipzig Theologie und orientalische Sprachen, bestand 1870 das Kand'dateneramen, pro- mntnerte 1871 in Leipzig znm Doktor der Philosophie, wurde Assistent, bann Kustos an der dortigen Universitätsbibl-othek, nrnmnöier+e 1873 zum Lizentiaten der Theologie und habilitierte sich im Sommerse'ne^-r N^ch zweijähriger W'rkstmk"'t wurde er von Leipzig nach Gießen berufen. Vom 16. Juni bis 15. Ok­tober 1885 ttrr er interimistischer Verwalter unserer Universitä^K- b'blstthek. Seit 17. Juli 1894 war er Stivendiaten-Ephor''s. Am 25. November 1895 errate sem^ Ernennung zum Geheimen .Kirchenrat. Am 23. Oktober 1900 feierte er daS 25 jährige Jubiläum als Ordinarius in Gießen, bei dieser Gelegenheit wurde ibm d^s Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmfft'gen verliehen.

Stade h'uterläßt eine trauernde Wllwe und v'er Kinder. Im Jahre 1876 hatte er sich mit Helene Buff, einer Tochter beSI bekannten Gießener Physikers, vermahlt.

In Locarno hatte er gehofft, von seinen schweren Leiden sich zu befreien, doch nach seiner Rückkehr verschlimmerte sich sein Zustand immer mehr. Vier Wochen nach seiner Heimkehr ist er gestorben.

Die Beerdigung findet am Sonntag statt.

2<us Sfafrt und Land-

Gießen, den 7. Dezember 1906.

Das ExplosionSnnglück in Annen bat in vielen Familien großes Elend berbeigefübrt Vielfach an un? ergangenen Anregungen folgend, haben wir uns ent- schloffen, eine Sammelstelle für die von dem Unglück Be­troffenen zu eröffnen, unb hoffen, daß recht viele unserer Leser von dieser Gelegenheit, etwas zur Linderung der herrschenden großen Not beitragen zu können, Gebrauch machen.

? Lich, 7. Dez. Auf die SamStag unb Sonntag in der diesigen Turnhalle ftattfinbenben KrieqSfe st spiele von 1870/71 beS KriegervereinS wirb unter Hinweis auf die er­schienenen Inserate aufmerksam gemacht.

? Kinzenbach, 6. Dez. Die Gemeinde Kinzenbach zählte laut der am vorigen SamStag vorgenommenen siebenten amtlichen Viehzählung bei 125 Gedösten in 100 Vieh besitzenden Haushaltungen: 26 Pferde, 479 Rinder, 132 Schafe unb 321 Schweine. Nach bec Zählung vom 1. Dezember 1902 haben wir somit eine Zunahme von 4 Pferden, 43 Rindern unb 16 Schweinen. Bei den Schafen aber ist ein Abgang von 13 Stück zu verzeichnen.

Dianaburg, 6. Dez. Hier hat sich eine Diana- burg-Gesellschast gebildet. Die Mitglieder kommen in bet auf unserer Walbesdöde befindlichen Gastwirtschaft zu­sammen, um in zwangloser Form über Fragen des geistigen Leben?, der Literatur, Kunst, Musik rc. sich auszufprechen rc. Von dieser Stätte au? soll auch aus bic; Bevölkerung etwa? von geistiger Anregung überströmen. De?halb wird die Tianaburg-Gesellschaft zu VolkSunter- haltungsabenden tt. bergl. Veranstaltungen anregen unb soweit im Kreise ihrer Mitglieber Bereitwilligkeit bazn vor-» hanben ist, selbst bei solchen millätig fein.

Dillenburg, 6. Dez. Am Abenb de? 4. Dezember begab sich gegen 8 Uhr ein Bewohner der Hohl in die Stabt. Bei seiner Rückkehr gegen Uhr bemerkte er, daß die beiden Laternen oberhalb der Brauerei Kahm, wie dies schon öfter? geschehen ist, au?gelöscht waren. Gleichzeitig fast er unter der 2. Laterne 2 robust au?sehende Gestalten^ Ahnungslo? wollte er an ihnen Vorbeigehen. Sie hatten ihm den Rücken zugcwandt. Plötzlich drehten die Beiden sich um, unb der eine faßte den Passanten am Halse, während der andere ihm einen Sack um den Kopf zu stecken suchte. Da ein Freund beS Ueberfallenen, ber benfelben bis an die Brauerei Kahm begleitet hatte, auf fein Rufen zu Hilfe kam, entflohen die Täter unb konnten trotz aller Be-^ muhungen der Hohlbewohner nicht erkannt ober abgefaßb werben. (A. f. b. Dillk.)

1. Geiß-Nidda, 6. Dez. Ganz enorme Preise wurden dieser Tage hier bei einer Güterverst'eigerung erzielt. Für ein Gut von etwa 8 hessischen Normalmorgen wurden 11 000 Mk. gezahlt. Die geringste Güte Ackerland oder Wiesen wurde mit 50 Pfg. pro O.m. bewertet. Beffere^ und beste Lagen erreichten einen Prei? von 75, ja 100 Pjg.^ für den Quadratmeter. Dieser Fall ist nicht etwa vereinzelt.! Auch Verpachtungen erreichten seither die entsprechende Preis» höhe. Daß für einen Normalmorgen 40 unb 50 Mk. Pacht gegeben werden, ist nicht? seltenes. Au?nahmen find aller- bing? eine Pachthöhe von 60 Mk. für 2500 Qm. Es mußten bie wirtschaftlichen Verhältnisse unsere? Bauernstandes ganz glänzende sein, wenn sich bei diesen Preisen noch ein Gewinn erzielen ließe. Gelinde Zweifel an ber Rentabilität sind hier allerdings am Platze.

fc. Mainz, 6. Dez. Heute morgen gegen 3 Uhr brach im Hotel Lanbsberg Feuer auS, das von ber Feuer­wehr alsbald gelöscht wurde. Immerhin ist der Schaden erheblich. Der Hotelier Heinrich Ries, der gestern nach voraufgegangener Klage da? Hotel hatte räumen müßen, wurde, al? er auf der Brandstätte erschien, unter dem 93 er- baebt ber Brandstiftung feftgen o in men. Als ber Mittäterschaft verbächtig würbe ber Koch Georg Gcbharb verhaftet. Das Bettzeug war zu einzeln aufgetürmt unb stanb, al? die Feuerwehr erschien, in hellen Flammen. RicS war früher, al? er imWeißen Roß* wirtschaftete, schon einmal in ben Verdacht der Brandstiftung geraten.

Wiesbaden, 6. Dez. Der frühere fozialbemo- kratische Abg. Groll, der vor Kurzem sein Mandat nicbcrq gelegt hat, ist zur nationallib. Partei übergetreten-