Ausgabe 
9.8.1906 Erstes Blatt
 
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telefonische Nachricht von dem Einbruch bin sogleich im Auto- mobil aus Frankfurt, wo er sich geschäftlich aufhielt, mit- brachte, durch ihre mystische Tätigkeit der grausige Schrecken der Diebe gewesen 311 sein. Die Nachforschungen werden nun eifrig fortgesetzt, man hofft bestimmt, binnen kurzem des Ein­brechers habhaft 51t werden und die restierenden 1100 Mk., sowie die entwendeten Papiere uucderzuerlangen. Es ist eine Belohnung von 100 Mk. hierauf ausgesetzt.

-]. Grünbcrg, 8. Aug. Der Gcmcinderat lehntö das Gesuch daS Hauptmeldeamts Gießen um Stellung eines Lokals bei ungünstiger Witterung zur Abhaltung der Kon troll versarnrnlun gen ab, da ihm ein geeigneter großer Raum nicht zur Verfügung steht. Der Anfrage, ob die Stadt Grünberg Aktien der Lich-Grünberger Bahn wünscht, beantragt Gcmeinderat Sehrt, dies zu ver­neinen. Er führt dazu auS, daß, wenn die Stadt Grünberg auch einige Aktien nehmen würde, sic und die anderen Ge­meinden doch keinen Einfluß in den späteren General- Vcrsainmlungen haben könnten, da die Firma Lewy u. Comp., welche doch die Mehrheit der Aktien in sich vereinigen würden, die anderen Aktienbesitzer einfach niederstimmen würde. Der Gemeindcrat stimmte dem Antrag Sehrt ein­stimmig zu.

sd. Darm st adt, 8. Aug. Bei der Maifeier 1904 in Neu-Isenburg sprach sich der Taglöhner Karl Friedr. Pfaff aus Sprendlingen beleidigend über den deutschen Kaiser und den Großherzog aus. Er wurde erst kürzlich angezcigt und heute verurteilte ihn die Strafkammer deshalb wegen Majestäts­beleidigung zu sechs Monaten Gefängnis.

h Mainz, 8. August. Gestern nacht wurde hier ein ganzes Schiff gestohlen. Das im alten Winterhafen liegende Proviantboot wurde von den Dieben abgekettet und nach Laubenheim gefahren, wo cs heute morgen gefunden wurde. Maschine und Maschinenteile sind stark beschädigt, Proviant und andere Sachen gestohlen. Der Schaden beläuft sich auf ca. 1500 Mark. Einer der Täter ist in Haft ge­nommen, während der andere, der ein von dem Besitzer des Bootes entlassener Matrose sein soll, noch gesucht wird.

H Frankfurt a. M., 8. August. Der Dreher Karl Nützel aus Donauwörth, der mit einem Freunde nachts 2 Uhr ein Bad im Main nahm, ist ertrunken. Die Leiche ist noch nicht gefunden.

fc Frankfurt a. M., 9. Aug. Der 22jährige Kaufniann Friedr. Wilh. Sage mann aus Hanau, der hier in Stellung war, ist nach Unterschlagung größerer Summen geflüchtet.

h. Frankfurt a. M., 9. Aug. In einer Versamm­lung der Kommission des Wirte- und Flaschenbierhändler- Vcreins wurde gestern mitgeteilt, daß zur Abwehr der Bier­verteuerung von zwei Bank-Instituten und einigen Wirten die Summe von 1 xj4 Million Mark zum Zweck der Gründung einer Genossenschafts-Brauerei zur Ver­fügung gestellt sei.

[] Marburg, 8. August. Wegen des Ankaufs des M u se u m sg c bäu des durch die Stadt beschloß heute abend die Stadtverordnetenversammlung, dem Plan zur Gründung einer Theater - und Konzertgesellschaft mit beschränkter Haftung näher zu treten, damit diese dann das Gebäude erwirbt.

[] Kirchhain, 8. August. Aus der Ohm wurde die Leiche eines jungen Mannes gelandet, der Papiere auf den Namen Christian Friedrich Meyer aus Frankcnbach in Württemberg bei sich trug.

d Löhnberg, 8. Aug. In der Nähe des Selters- bcunnen wurde das Kind des Maschinenmeisters Schmidt von einem Automobil überfahren und trug eine Gehirn­erschütterung davon.

vermischtes.

* Breslau, 8. Aug. In der Nähe von Breslau wurde gestern die Witwe Naschte beim Grasmähen über­fallen und ermordet. Tie Leiche wurde mit durchschnit­tenem Halse und mehreren Stichwunden im Kopfe in einein nahen Graben aufgeflinden. Der Mörder ist entkommen, doch wurde er in der Person eines hiesigen Arbeiters erkannt. Anscheinend liegt Lustmord vor.

* Opfer der Berge. Beim Abstieg vom Tödi wurden am 8. August sechs Touristen an der sogen., durch steten Steinschlag berüchtigten gelben Wand von heftigem Stein- und Eishagel überrascht und in den Gletscher- schlund geschleudert. Ein Verunglückter, Goldschmied aus Schwyz, ist tot, ein anderer wurde schwer, die übrigen leicht verletzt. Das Skelett der vor drei Jahren in der Nähe des Dorfes Pcaz abgestürzten Deutschen Dora Küchle r wurde, einer Meldung aus Cha m ounix zufolge, ausgcfunden. Die Familie wurde davon verständigt.

* Zum Untergang des6irio". Aus den von den Behörden vorgenommenen amtlichen Untersuchungen er­gibt sich, daß die Besatzung und vor allem den Kapitän desSirio" schwere Schuld trifft. Der Dampfer wäre nicht völlig gesunken, wenn der Kapitän seine Autorität geltend geniacht hätte. Wären die nötigen Anordnungen ge­troffen worden, so wäre die Zahl der Opfer erheblich ver­ringert worden. Eine Panik bemächtigte sich aller Passagiere, als sie sich von der Besatzung im Stich gelassen sahen. Die Schiffsoffiziere retteten sich zuerst; der Kapitän verließ den Dampfer. Dem Ergebnisse dieser Untersuchung zufolge muß das Verhalten des Kapitäns aufs schärfste verurteilt werden.

* Eine Gattenmordtragödie in Wien. Großes Aufsehen hat, wie aus Wien geschrieben wird, die Ermordung des Hoteliers Ferdinand Pusch, des Besitzers des Hotelszur goldenen Birne" auf der Landstraße Hauptstraße hervorgerufen. Pusch ist der Eifersucht seiner um zehn Jahre älteren Gattin zum Opfer gefallen. Die Ehe war infolge der Eifersucht der Frau von allem Anfang an eine unglückliche, und in den letzten Jahren hatten die Zerwürfnisse zwischen den beiden Gatten zugenommen. In der allerletzten Zeit argwöhnte die Frau, daß ihr Mann mit einer Witwe intime Beziehungen unterhalte. Der Mordtat ging eine erregte Szene zwischen den beiden Gatten voraus. Pusch wollte seiner Frau aus dem Wege gehen. Daher begab er sich in sein Arbeits­zimmer. Dort setzte er sich an den Schreibtisch und vertiefte sich in die Einschreibbücher. Plötzlich trat seine Frau mit einem Revolver ein, setzte Pusch den Lauf an den Hinterkopf und drückte ab. Die Kugel drang ins Gehirn. Pusch sank

zu Boden und war in wenigen Minuten eine Leiche. Als Frau Pusch den meuchlerischen Schuß gegen ihren Gatten abgegeben, verließ sie daS Schreibzimmer und ging die Stiege hinab. Unterwegs traf sie einen Kellnerburschen, der hinauf­lief, da er die Detonation gehört hatte. Die Frau sagte fast tonlos und nach oben zeigend:Ich hab ihn erschossen!" Der Kellner glaubte, die Frau sei wahnsinnig geworden und eilte weiter. Sie ging die Stiege hinab und an der Portier­loge vorbei vors Hotel. Dort winkte sie vom nahen Stand­platz einen Fiaker her und gab ihm den Auftrag:Gehen S', fahren S'mich spazierenober ins Landesgericht!" Auch der Kutscher, der Frau Pusch kannte, hielt sie für geistes­gestört und schickte einen anderen Kutscher zum Hoteleingang. Diesem sagte sie:Fahren S' mich ins Landesgericht!"-Ganz außer sich vor ©tannen und Schrecken über das verstörte Ansschcn der Frau sowie das sonderbare Fahrziel, fragte er sie:Ja, gnä' Frau, was ist denn g'schchen?" Und sie er­widerte darauf ganz abgespannt und müde:Ach, mir ists alles eins", drehte sich um, ging ins Hotel zurück und sperrte sich ein Passagierzimmer auf. Dort setzte sie sich in einen Stuhl und blieb apathisch und ins Leere schauend, sitzen. Wie festgestellt ist, hat Pusch seit sechs Jahren ein Liebes­verhältnis mit einer auf der Landstraße wohnhaften Witwe unterhalten. Bei ihrer Vernehmung gestand Frau Pusch die Ausführung der Tat ein, stellte es jedoch in Abrede, die Absicht gehabt zu haben, den Gatten zu töten.

* Kle incTageschronik. Von einem Neubau in Ettel- b r ü ck (Luxemburg) stürzte ein Steinblock ab. Von sechs Arbeitern, die von dem Stein getroffen wurden, waren zwei sofort tot, die vier andern mehr oder minder schwer verletzt. Die Ehefrau des Bergmanns Ko st mann inMörs wurde im Bett erdrosselt aufgefunden. Der Mann wurde unter dem Verdachte des Mordes verhaftet. Der Vanklehrling Paul Stibbe, der vorgestern einem Bankhause in der Friedrichstraße zu Berlin 3100 Mark unterschlagen hat, ist in Frankfurt a. M., wohin er geflüchtet war, verhaftet worden. In Berlin beging der Maurer Max Ulrich vor den Augen seiner Frau Selbstmord durch Erschießen, nachdem er kurz vorher mit derselben in Auseinandersetzungen geraten war, die einen sehr erregten Charakter angenommen hatten. Von einem Vor­ortszug ließen sich in der Nähe des Einfahrtsignals zwischen Rückersdorf und Beringsdorf bei Nürnberg ein Herr und eine Dame in selbstmörderischer Absicht überfahren. Die Dame wurde getötet, während der Herr nur anscheinend leichte Verletzungen am Kopse davontrug. Durch eine Feuersbrunst in einem Kinematographen-Theater zu Mailand wur­den mehrere Personen getötet und viele verletzt. Aus Privas (Nordfrankreich) wird berichtet, daß Infanterie nach Rampon entsandt wurde, wo große Waldbrände ausgebrochen sind. 60 Hekt. Hochwald sind bereits niedergebrannt. Der ungarische Großgrundbesitzer Graf Georg Esterhazy hat sich ent­schlossen, in ein Kloster einzutreten. Der Graf, welcher 58 Jahre alt ist, hat im vorigen Jahre seine Frau und vor einigen Wochen sein Kind durch den Tod verloren. Wie aus Wien berichtet wird, wurden gestern in Pola während eines Marsches 70 Soldaten vom Sonnenstich befallen. In Sirs- dorf erlitten 142 Soldaten Hitzschlüge, von denen mehrere tödlich verliefen. Im Strudel der D r e w e n z ertranken beim Baden an einer verbotenen Stelle zwei Rekruten aus Straßburg; tags zuvor war der Kaufmann Moses an derselben Stelle er­trunken.

ICiinft rind

Eine Buddhafigur hat der zur Zeit an der Heidel­berger Universität studierende Prinz von Siam bei Professor Habich in Darmstadt bestellt. Sie soll genau nach dem Muster der Vuddhafigur hergestellt werden, die der Künstler für den Großherzog nach Schloß Wolfsgarten lieferte.

Genf, 8. Aug. Der Kongreß der internationalen Zahn- ärztevereinigung wurde heute eröffnet.

Landwirtschaft.

§ Aus dem Ohmtal, 8. August. Die Anzahl der Korn» Haufen im Felde offenbart den Anssall der Kornernte wenigstens im Gebund. Hiernach ist derselbe vortrefflich. An Stroh ivird es im kommenden Winter ebensowenig mangeln als an Törr- sutter. Tie Aehren sind allerdings kürzer geblieben, aber die Quantität der Körner kommt durch die größere Gebundzcchl wieder heraus. Ta die Scheunen schon überreich mit Heu gefüllt sind, so vermögen sie nicht den Erntesegen alle zu fassen. Das Stroh muß wieder in großen Haufen ins Freie gesetzt werden, wie bei ganz besonders guten Ernten. Die Tampsdrescbmaschinen, die sonst hier erst nach Beendigung der Ernte den Ausdrusch begonnen, werden jetzt sofort nach der Roggeuernte beginnen, damit es Platz in den Scheuern für das übrige Getreide gibt, das gleichfalls trefflichen Stand auiweist.

Gerichtssaal.

h Frankfurt a. M., 9. August. Von dem Kriegsgericht der 21. Division wurde gestern der Gefreite Johann S t e ch c r von der 2. Kompagnie des 88. Infanterie-Regiments wegen versuchter Verleitung z u in Meineid zu zwei Jahren Zuchthaus nebst fünfjährigem Ehrverlust und Entfernung aus dem Heere verurteilt.

Handel nnd verkehr, Volkswirtschaft.

Von der Reichsbank. Tie Rückflüsse zur Reichsbank haben sich in den ersten Tagen des neuen Monats, wie man der Köln. Ztg." mitteilt, in sehr engen Grenzen gehalten. Daraus ergiebt sich die Richtigkeit der Annahme, daß die bedeutende In­anspruchnahme der Reichsbank am Schluß des vergangenen Monats weniger dem Bedarf der Börse als der Industrie anzurechnen ist. Tie Börse ist meist in der Lage, die am Monatsschluß benötigten Gelder in den ersten Tagen des neuen Monats wieder sreizumachcn. Rach demB. T." hat sich sogar der Bedarf in den ersten Tagen des August fortgesetzt, da auf Giro-Rechnung von der Saat bis zum 5. August 50 Mill. Mk. abgehoben mürbem

Zur Lage in San Franzisko, lieber die gegen­wärtige Lage, namentlich soweit es sich um die Universalsrage in San FranziskosVersicherung" hanvelt, wird folgendes mitgeteilt: Tie Bewohner von San Franzisko batten Versicherungen in Höhe von 208 Mill. Doll. Tie starken Versicherungsgesellschaften haben bereits mit den Auszahlungen begonnen. Die schwächeren suchen unter verschiedenen Vorwänden Zeit zu gewinnen. Unzweifelhaft wird es Prozesse geben. Tie Bewohner der Stadt werden min­destens 150 Mill. Toll, von den Versicherungsgesellschaften erhalten. Hiervon werden 100 Mill. Toll, wahrscheinlich innerhalb der nächsten 6 Monate ausgezahlt werden. Dieses Geld wird alles für den Wiederaufbau der Stadt erfordert werden. Ein großer Teil davon wird im Herbst seinen Weg nach Newyork finden, wo es tenworär für den Ankauf von leichtverkäuflichen Bonds ober in kurzfristigen Anlehen Verwendung finden wird. Seit dem 11. Mai sind 21734 000 Doll, durch das Unterschatzamt von San Franzisko nach Newyork übergeführt worden. Das ist zum größten Teil das Geld, das die San Franzisko-Banken durch ihre Newyorker Ver­bindung nach der Kalamität sich hatten überweisen taffen. Als das Feuer ausbrach, dachte man einstimmig an den Wiederaufbau der Stadt. Dieser Gedanke war so vorherrschend, daß das gesamte öffentliche Wirken von anfang an sich darum drehte. Die haupt­sächlichste Tatsache ist, daß San Franzisko seine Geschäfte wieder ausgenommen hat. Ein großer Teil des Handels des Pacific wird wieder durch San-Franzisko vermittelt.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 9. Aug. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r f t- vreise. Zum Verkaufe standen: 11 Ochsen, 0 ans Oesterreich 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 61 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder,

0 aus Oester., 647 Kalber, 3» Schafe und Hammel, 0 Ziegen» 0 Ziegenlämmer, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für

das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8285 Mk., 2. Qualität 7379 Mk., 3. Qualität 69-73 Mk.; Bullen 1. Qual. 7375, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 80-82 Mk., 2. Qual. 7779 Mk., 3. Qual. 6466 Alk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 9598 Pfg., Lebeichgewicht 5659 Pfg., 2. Qualität 80-86 Pfg., Lebendgewicht 48-52 Pfg., Schlachtgew. 6266 Psg.; Schafe: 1. Qual. 8082 Pfg., 2. Qual. 0000 Pfg. Geschäft: lebhaft kein Ueberstand.

Mrchliche Nachrichteie.

Israelitische Neligionsgesettschast.

chottesdienll.

Sabbat Hf ei er am II. A u g u st 1906 :

Freitag abend 7.30 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.45 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6. Uhr, abends 7.30 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 8. August 4- 22,16 C.

Niedrigste 8. August 4- 10,30 C.

August 1906

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur ber Luft

Absolute Feuchtigkeit

, Relative Feuchtigkeit

Wiubrichtung

Windstärke

Wetter

8.

2«s

748,4

22,2

11,4

57

NW

2

Sonnenschein

8.

9"

747,5

16,9

11,8

83

NE

2

Klarer Himmel

9.

7

745,7

12,4

9,6

90

N

2

Beiv. Himmel

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag den 10. August 1906: Meist trüb, leichte Negenfälle, Temperatur wenig verändert. Mäßige westliche Winde.

____________Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Origittal-Drahtmeldttttgen.

Leipzig, 9. August. Das hiesige Landgericht ver­urteilte den Nedakteur Seger von der sozialdemokratischen Leipziger Volksztg." wegen Vorwurfs der Parteilichkeit und der Rechtsbeugung gegen die Jnsterburger Strafkammer, die den Inspektor Neufang in Kutschkehmen von der Anklage der fahrlässigen Tötung des Arbeiters Molte freigesprochen hatte, zu drei Monaten Gefängnis.

Stendal, 9. Aug. DerRechtSanwalts-Bureauvorsteher Schäfer in Jeichow ist nach Unterschlagung von 2 0 000 Mk. flüchtig geworden.

Wittenberg, 9. Aug. Im nahen Mayenburg hat der GutSpächter Frick auf der Jagd einen Hausler erschossen. Ob ein Unglücksfall ober ein Verbrechen vor­liegt, ist noch nicht aufgeklärt. Frick leugnete zunächst, ge­stand jedoch an der Leiche, den tätlichen Schuß abgegeben zu haben.

Hamburg, 9. Aug. Der Heizer der zweiten Ma­schine des O-Zug es 6 Hamburg-Berlin ist kurz vor Witten­berge während voller Fahrt von einem entgegenkommenden Zuge getroffen unb gegen den Tender geschleudert rootben.- Der Unglückliche war auf der Stelle tot.

Straßburg, 9. Aug. Zwei Gebrüder Gitt, von denen der eine Hauptmann in Nancy, der andere Student der Medizin in Lyon ist, wurden als Bauern verkleidet aus dem Forts Kronprinz bei Ars als Spione verhaftet und nach Ars ins Gefängnis gebracht.

London, 9. Aug. Anschließend an Gerüchte, der Zar wünsche abzu danken und die Regentschaft dem Groß­fürsten Wladimir zu übertragen, falls die reaktionären Mit­glieder des Kabinets Zugeständnisse an die Revolutionäre verweigern, druckt diePall Mall Gazette" Auszüge aus einem neulichen Briefe der Zarin an eine ihrer englischen Cousinen ab, in welchem sie die Befürchtung ausdrückt, das Unglück mochte hereinbrechen, bevor sie Rußland verlaßen könnten. Sollte das Zarentum fallen, so merbe bic russische Kaiserfamilie nach England übersiedeln. Seit bes Großfürsten Sergius Ermorbung lebe bie kaiserliche Familie in fort» währenber Angst. Außer ben englischen Dienstboten traue man niemanb im Palaste. Als bie Zarin jüngst in englischer Sprache mit einer Hofbame über Vorbereitungen zu einer Darmstäbtcr Reise sprach, fanb sie später auf ihrem Schreib­tische einen Zettel in russischer Sprache mit ben Worten: Ihr werbet Rußlanb nie verlaßen!"

Manchester, 9. Aug. Infolge der enormen Hitze mußte bie größte Spinnerei in Lancashire, wo mehrere tausenb Frauen beschäftigt sind, bie Arbeit ein stell en.

Petersburg, 9. August. Hier herrscht fortbau er n b Ruhe. 9(He Zeitungen finb erschienen. Die hier eintreffen» ben Rapporte ber Gouverneure aus bem ganzen Reiche kon­statieren, daß überall Beruhigung eingetrcten und bie revo­lutionäre Bewegung lahm gelegt zu sein scheint. Diese Rapporte haben sowohl in Peterhof als auch in Regierungs­kreisen ben günstigsten Einbruck gemacht.

Washington, 9. Aug. Der stellvertretende Staats­sekretär Bacon übermittelte bem amerikanischen Botschafter Wright in Tokio ben Inhalt ber Depesche, bie baS Departe­ment für Hanbel unb Gewerbe von bem Staatsanwalt Sims aus Sitka in Alaska erhalten hat. Was die Tötung b er japanischen Fischer anbelangt, so erklärt Bacon, baß bie Regierung bei ber Mitteilung bes Telegramms ben Zweck verfolge, alles, was sie von bem beklagenswerten Vorfälle wiße, mitzuteilen, bainit nicht Nachrichten in entstellter Form vorher nach Japan gelangten, baß sie aber nicht um Ent- schulbigung bitten ober ihr Bebauern in einer anberen Form zum Ausdruck bringen wolle, als es in der Depesche geschieht, ba das Staatsbepartement bie Japaner als Fi sch räuber ansehe, wenn sic, wie bie Depesche von Sims behauptet, innerhalb ber Drei-Meilen-Grenze gefischt haben. Der japan. Geschäftsträger stattete heute einen Besuch bei Bacon ab, der ihm mitteilte, was er an Wright gefabelt habe. Bacon stellte mit bem japanischen Geschäftsträger in biefer Unterredung fest, baß kein Grunb für eine internationale Verwickelung vorliege.

Programme frei.

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