Ausgabe 
9.7.1906 Zweites Blatt
 
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Rente eine Rückzahlung von nur 700 000 Lire

verlangten

Er sei glücklich, mitteilen zu können, dal; von den beiden

114 Punkte,

ans

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wichtigsten Märkten für italienische Rente, in Berlin, keine Rückzahlung verlangt worden sei.

Paris und (Beifall.)

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dem würde sich der Ausschuß bemühen, eine mit der Würde Frankreichs zu vereinbarende Vermin derung der Aus­gaben für Kriegszwecke zu erzielen.

Rom, 7. Juli. In der Kammer erklärte der Schatz- minister, er werde den Hauptbericht über das Ergebnis der RentenkonVersion bei Wiederaufnahme der Arbeiten in der Kammer vorlegcn. Er sei jedoch glücklich, mitteilen 311 können, nachdem heute die Frist für die Rückzahllingsforde- rungen abgelaufen ist, daß von 8 Milliarden und 100 Mil­lionen Kapital nur Rückzahlungen von ungefähr 1 700 000 Lire Kapital in Italien und von ungefähr 2 Millionen Lire Kapital im Auslande verlangt worden seien. (Lebhafter Bei­fall.) In der Summe der in Italien verlangten Rück­zahlungen sei indessen eine Million einbegriffen, die einem Fremden gehöre, so daß italienische Inhaber von italienischer

Postrat Dingeldey in Darmstadt. Versetzt sind: Post- sekretär Kerber von Berlin nach Gießen,

Saarbrücken). Bestanden hat die Postsekretärprüfung: Post­assistent August Schmidt in Friedberg. Angenommen sind als Telegraphengchilsinncn Ella Steinburg in Friedberg und Friederike Wolff in Bad Nauheim.

.Liedertafel "-Marburg

.Bauer'scher Gesangvcrem"-Gicßen

Heiterkeit"-Gießen

.Liederkranz"»Marbulg

.Eintrachtt-Hungen

.Gemütlichkeit "-Gießen

Eäcilia"-Lich

Männergesangvercirck-Wetzlar

,Harmonic"-Gießen

Liedcrkranz"°Dille>lburg

.Mannergesangverein"-Grimberg

Liederkranz"-Weilhurg

Frohsinn"-Londors

,Gesangverciii"°Kirchhain

Butzbach dorthin Tarnen, dann sei man in der Lage, die Einzel- nnd GemeinscliastShaft kennen zu lernen. Ober-Staatsanwalt

Aus S.aSt uns LunS.

Gießen, den 9. Juli.

** In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag 11. a. Oberlehrer und Rektor Angel berg er von Grünberg und Oberlehrer Dr. Weide von Lauterbach.

** Personalnachrichten von der Ob er-Post- direktion Darmstadt. Verliehen ist das Ritterkreuz 1. Klasie des Herzogl. Sachsen-Ernestinischen Hausordens dem

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Wanderungen nach dem Dünsberg, im prachtvollen Krof- dorfer Walde, durchs Blasbachtal 2c.

Gr 0 ßen - Linden, 8. Juli. Gestern ging im Wiesengrunde zwischen Leihgestern und Watzenborn ein wolkenbruchartiger Regen nieder, so daß das Tal des kleinen Lückenbaches jetzt einen großen See bildet. Bis nach Allendorf ist der Wiesengrund überschwemmt.

() Butzbach, 8. Juli. Die Ausstellung für ländliche Kunstbestrebungen und Volkstrachten wurde heute im Beisein des Komitees geschlossen. Der Besuch der Ausstellung war sehr stark, sodaß man mit dem finanziellen Ergebnis sehr zufrieden ilt. Der Oberhessische G e s ch i cht sv e r e i n unternahm heute einen Sommerausslug nach unserer Stadt und der Um­gebung. Man besichtigte die wiederhergestellten römischen Grenz­befestigungen, die mittelalterlichen Gebäude der Stadt und zuletzt auch die Ausstellmig hessischer Landestrachten.

X B i e b e r bei Rodheim, 8. Juli. Bergverwalter Götz wurde gestern abend gegen 6 Uhr auf $rubeEleonore" in der Kell- bach von einem Schlaganfall betroffen, an dessen Folgen er heute morgen verstorben ist. Der Verstorbene war von äugend auf im Bergfach tätig und blickte auf eine nahezu 40 jährige Tätigkeit hier int Dienste der Firma Stumm zurück. Er war ein pflichttreuer und gewissenhafter Beamter.

überwichtige Fragen Die Rede beschränkte sich auf eine Kritik der neuen Steuern und der Weltntachtpolitik des Reiches. Sie war iticht mehr als eine jener Dutzend- Agitationsrcden, die mit der Empfehlung der Sozialdemo­kratie als der allein seligmachenden Kirche schließen:Rur immer herein, meine Herrschaften". Die Genossen klatschten Beifall, während die übergroße Mehrzahl der Besucher (ein­heimische Bürger) den sozialistischen Lockiingen mit eisiger Kälte begegneten. Als eiitziger Diskussionsredner kritisierte sodann Rentier I. C. Th. Bücking die hiesige Führung des Freisinns. Schon vorher hatte der Versammlungsleiter, Orbig aus Gießen, wiederholt um Ruhe bitten muffen. Schließlich sprach Herr Bücking sein Einverständnis mit den Ausführungen Dr. Davids aus.

15.Licderkranz"-Gladeubach

GesangvereinOrpheus" - Butzbach schiedenen triftigen Gründen verhindert, sich

, in diesem Jahre on dem Einzelwcttsingen zu beteiligen. Das nächste Bundes­fest findet 1908 in Kirchhain statt.

* Der Verband der hessischen Verkehrs- vercine tagte am Sonntag in Mainz. Fast alle hessischen Verkehrsvereine hatten Vertreter entsandt. Der Vorsitzende, Fabrikant S ch m a h l -Mainz, erstattete den Geschäftsbericht, der beweist, daß der Verband eine rege und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet hat. Die Versammlung beschloß, die Bei­träge für die einzelnen Vereine je nach der Stärke auf 5 bis 20 Mk. zu bemessen. Der Vorsitzende gab weiterhin den Bericht über die letzte Gesamtversammlung der Rhein. Verkehrsvereine. Eine Reihe von Eisenbahnfragen'sollen in einer Denkschrift behandelt und diese den maßgebenden Be­hörden überreicht werden. Die Denkschrift fordert die Be­hörden zu baldiger Abhilfe in dem angeregten Sinne auf. Wegen de§ Anschlusses an die Rheindampfer in Mainz sollen die Tampfergesellschaften ersucht werden, sich bei ihrem Fahr­plan mehr nach den Zuganschlüssen zu richten. Weiter wird die bessere Ausgestaltung verschiedener Führer besprochen, die Führer von Mainz, Bad Nauheim, Oppenheim, vom Odenwald 2c. sollen illustriert werden. Weiter mürbe die Fremdenstatistik, die Schaffung eines hessischen Kaiscr- panoramas, in dem Bilder aus allen hessischen Städten ver­treten sein sollen, besprochen und mitgeteilt, daß 1908 ein hessischer Verkehrstag stattfinden soll. Der nächste Verbandstag wird Ende August in Bad Nauheim ab- gchalten. Hotelier Lehmann aus Mainz klagte über die hessischen Bestimmungen bezüglich der Feiertagskonzerte, in Preußen sei es in dieser Beziehung besser.

* Eine sehr brauchbare und hübsche Touristenkarte von Oberhessen hat soeben in 2. erweiterter Auflage die N. G. Elwert'schen Verlagsbuchhandlung in Marburg herauS- gegeben. Das wertvollste an ihr sind die farbigen Weg­zeichen und die Angabe der Höhenschichten, der klare und aubere, die Orientierung wesentlich erleichternde Druck. Für uns Gießener freilich hat die Karte nur beschränkten Wert, insofern als sie südlich nicht weiter als bis Wetzlar, Münch­holzhausen und Steinbach geht, Gießen selbst also fast an der äußersten südlichen Grenze liegt. Darum ist die Be­zeichnungTouristenkarte für Oberhessen" irreführend; die hess.^ Provinz Oberhessen ist nur mit der Gegend zwischen Gießen und Grünberg darauf verzeichnet. Dagegen ist sie ganz vortrefflich geeignet für die Bewandcrung der ganzen weiteren Umgebung von Marburg, das so ziemlich den Mittelpunkt der Karte bildet, die sich nördlich bis Berleburg und Frankenberg a. d. Eder, das neuerdings ja als Sommer- rische in Aufnahme kommt, östlich bis Kirchhain und Hom­berg a. d. Ohtn, westlich bis Leun und Dillenburg, erstreckt. Hauptsächlich also ist die Karte für Touren in das Hinterland benutzbar, mit LaaSphc und dem reizend gelegenen Bieden­kopf, wo das neue, stilvoll eingerichtete Hotel-Pensionat -lannhnufcr zum dauernden Verweilen lockt, sowie, wenn wir die nähere Umgebung Gießens in Betracht ziehen, für

Frankfurt a. M., 9. Juli. (Orig.-Tel. des

Postassistent Gieß. Anz.) Der Schauspieler Walter Schüttner wurde Friedrich Kohler von Bad Nauheim nach ^nedrichsthal (Kr. wegen mehrerer Diamant- und Goldwarendieb-

T he ob alb-Gießen wünschte, bau die Strafanstalten für Ju­risten täglich von 912 Uhr geöffnet sei. Geheimrat Neid­hart bat um Zulassung der beamteten Aerzte, zumal bei ihnen eine gewisse Kenntnis der Gefängniskunde verlangt wirb. Nach Annahme ber Thesen referierten die Professoren Dr. Mit- termaier und Dr. Sommer nnb Oberstaatsanwalt Theo- b alb-Gießen überD i e Tätigkeit des mebizini- s ch en , im Besonderen bes ü f l) rfj i 0 t r i f di c n <5 a rb b c r ft ä n - big en bar Gericht und bas Verhältnis znnschen dein Sach- verständigen und bent Richter". Eine Reihe überaus interessanter Gesichtspunkte von ber richterlichen nnb sachverstänbigen Tätig­keit und ihren Beziehungen zu einander würben von bett Referen­ten erörtert. Um bie Verhältnisse des Tatbestandes genau zu erfahren, zieht der Richter Sachverständige zu. Der Richter muß jedoch eine möglichst allgemeine Vorbildung haben. Prof. Dr. Mittermaier erklärte, der Sachverständige ist Lehrer des Richters und ein Richtergehilfe, er soll nicht zu spät zugezogett werden. Oberstaatsanwalt Theobald brachte einzelne wichtige Fälle aus bet Praxis und ber Tätigkeit der Sachverständigen zur Diskussion. Die Zuziehung von Sachverstäitdigen geschieht bei Entmündigung, Leichenöffnung, Giftmord, Münzverbrechen und Schristvergleich. Bei, Leichenfunden hält Redner es für dringend erforderlich, einen Sachverständigen zuzuzicheu, da der Richter nur selten mit Sicherheit feststellen kamt, ob ein gewaltsamer A Alsfeld, 8. Juli. Auf seiner Aqilationstour ist L LL D-. D°°!d auch bei UN- .in.

ständigen zu großen Unannebmliditeiten führen, ja es haben stokehrt. Ci sprach gestern Abend vor etwa 100 Zuhörern deshalb schon Ausgrabungen von Leichen stattsinden müssen. Es 1111 Saale desDeutschen Hauses liegt deshalb im öffentlichen Interesse, daß Selbstmord durch der R e i ch s p 0 l i ti k".

Erhängen mir durch Gerichtsärzte festgestellt wird. Um 51/0 Uhr waren die Verhandlungen zu Ende, und es fand ein gemein­sames Mittagessen statt.

** Lahntol - Sängerfest. Das gestern vormittag veranstaltete Einzel wettsing en der Bundesvereine ergab folgendes Resultat:

Itählc und Einbrüche verhaftet.

(fc.) Bingen, -8. Juli. Arn 30. Juni verschwand aus Wiesbaden, wo er zur Kur weilte, Herr Leopold Hirsch aus Worms. Jetzt wurde hier seine Leiche aus dem Rhein ge- ländet. Man fand bei der Leiche nur einen Betrag von 3.88 Mark. Da aber anzunehmen ist, daß Hirsch einen größeren Geldbetrag bei sich hatte und ein Grund zum Selbstmord nicht vorlag, so vermutet man, daß ein Raubmord Vvrliegt.

sd. Gernsheim, 8. Juli. Der 20. hessische Feuer­wehrtag wurde heute hier abgehalten. Gestern vorinittag trafen bereits zahlreiche Teilnehmer aus allen Teilen Hessens in dem festlich geschmückten Gernsheim ein, und am Samstag nachmittag fand eine Sitzung der Abgeordneten statt, in der interne Fragen beraten wurden. Der heutige Sonntag brachte die eigentlichen Festlichkeiten. Zahlreiche auswättige Wehren trafen ein und um 10 Uhr führte bie Gernsheimer Wehr ihren Gästen eine Musterübung vor. Vier Mitglieder ber Gernsheimer Wehr wurden durch Kreisrat Wallau von Groß-Gerau mit dem Ehrenzeichen für Feuerwehrleute dekoriert. Mittags war Fest­essen und bann bewegte sich ein ausgedehnter Festzug durch bie Hauptstraßen nach dem Festplatz, wo Konzert und Tanz statt- fand.

W. Fulda, 8. Juli. Gestern abend 8 Uhr 15 Min. fahr im Bahnhof Elm ein ausfahrender Güterzug in­folge falscher Weichenstellung auf einen vor der Station haltenden Güterzug auf. Personen wurden nicht ver­letzt. Der Materialschaden ist gering. Die Strecke Elm- ^chlüchtcrn wurde infolgedessen bis heute früh eingleisig be­trieben. Die Personen- und Schnellzüge hatten während dieser Zeit Verspätungen.

Vermischte».

* Eisenach, 9. Jüli. In Anwesenheit des Groß­herzogs erfolgte in der Kürhalle die feierliche Er­öffnung des Kurbades. Oberbürgermeister Schmieder sprach über die Entstehung des Kürbades und schloß mit einem Hoch auf den Großhcrzog. Professor Kionka legte die wissenschaftliche Bedeutung der Katharinenquelle dar. Nachdem der Grvßherzog den Ehrentrunk aus der neuen Heilquelle genommen hatte, übernahm Kür­direktor v. Pander mit einer kurzen Ansprache die Leitung des Bades.

* Unwettermeldungen liegen heute wieder aus verschiedenen Gegenden vor. Im unteren L ahnt al und im Schwalmtal haben Gewitter arg gehaust. In Ost- h e i m im Kreise Hofgeismar wurden durch Blitzschlag drei Bauernhäuser eingeäschert. Bor der Station Liebenau olieb der Person enzng Kasf el-H agen in der das Gleis fußhoch überdeckenden Hagel schicht stecken, die weg­geschaufelt werden mußte, um die Weiterfahrt zu ermög­lichen. Infolge wolkenbruchartigen Regens wurden die Hauser in Hattingen fußhoch unter Wasser gefetzt. Die Feuerwehr arbeitete mit Pumpen und Spritzen, um das Wasser aus den Straßen zu beseitigen. Das Vieh mußte auf die Abhänge getrieben werden, um nicht zu ersaufen. Die Ruhr führte-gewaltige Mengen Heu mit sich, das von den Wiesen abgetrieben ist. Die Schäden, die in einem großen Teile des Kgr. Sachsen von Wolkenbruch artigem Regen angerichtet würden, sind sehr groß. Schwere Un­wetter haben auch in Görlitz und Umgegend, sowie in ganz Mederschlesien bedeutenden Schaden angerichtet. Blitze zündeten vielfach. Die Flüsse Sachsens und Schlesiens sind reißend schnell gestiegen und stellenweise aus den Ufern getreten. In Rauschwalde wurde der Gastwirt Walter vom Blitz erschlagen, ein 13jähriger Knabe betäubt. Bahn­dämme sind gerissen, der Eisenbahnverkehr vielfach unter­brochen. 'Auch in der ungar. Ortschaft Ce eb (Komitat Baes) richtete ein Wolkenbruch große Verwüstungen an. 35 Wohnhäuser wurdest vernichtet. Drei Personen wurden getötet. Eine Hilfsaktion würde dort eingeleitet.

* Kleine Tageschronik. In Schottland wurde am Samstag ein ziemlich heftiger Erdstoß verspürt, desgleichen längs ber Achil-Hügelkettc. In der Nacht vom Samstag ist gegen den Bcrgwerksauffeher Neard in Charler 0 i ein Dynamit- Attentat verübt worden. Eine Dynamitpatrone wurde von zwei Unbekannten an das Fenster seiner Wohnung geschleuderk. Tnrch die Explosion wurde erheblicher Schaden angerichtet. Per­sonen wurden nicht verletzt, die Täter entflohen.' Tas Attentat wird auf einen Racheakt znrückgefülirt. Ein Ungenannter stellte 100 000 Mark bereit zur Anlage eines Stadtwaldes in Bremen auf einem 265 Morgen großen Weidelande. Beim Motorschritt- machcrrennen ans der Rennbahn Milbertshofen (Bayern) wurde der Schrittmacher Tännemark l e b e n s g e s ä h r l i eh ver­letzt. Er fuhr im schärfsten Tempo ans die in der Rennbahn liegende Maschine eines abgeslürztcn Schrittmachers auf, wurde im Bogen durch die Lust geschleudert und fiel direkt auf den Kopf.

Genf, 7. Juli. Sämtliche Vertreter der Genfer Kon­ferenz, mit Ausnahme des englischen, japanischen und koreanischen, haben einen Antrag angenommen, worin der Wunsch ausgedrückt wird, daß alle Meinungs­verschiedenheiten von den Mächten dem permanenten Schiedsgerichtshof im Haag unterbreitet werden möchten, die durch die Auslegung der neuen Genfer Konvention ent­stehen sollten.

Zürich, 8. Juli. Wie jetzt bekannt wird, stimmt Großbritannien dem Verbot der industriellen Nacht­arbeit der Frauen nur unter der Bedingung zu, daß sich alle Länder, deren Konkurrenz als eine ernstliche zu be­trachten ist, beteiligen und für strenge Durchführung der im Uebereinfommen enthaltenen Einschränkungen gesorgt luerbc.

Wien, 8. Juli. Im Verkehre zwischen Bosnien- Herzogewina und dem Deutschen Reich sott demnächst die Telegrammgebühr von 24 Cent, auf 18 Cent, für das Textwort herabgesetzt werden. Die Ausführung dieser Verkehrserleichterung hängt von der entgiltigen Entscheidung der deutschen Reichspostverwaltung ab.

Die Vereinigung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie im Großherzogtum Hessen.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

K. B n tz b a ch, 8. Juli.

Die Vereinigung hielt am Samstag hier im Hessischen Hof ihre 4. Hauptversammlung ab. AuS allen Teilen Hessens waren Teilnehmer erschienen: um 10 Uhr und llVo Uhr vorm. fanb vom Bahnhof aus eine Besichtigung ber Zellen­strafanstalt statt, geleitet von Direktor Clcmcnt-Bntzbach. Eine Anzahl Herren fuhren auch per Wagen nach bem Landes Zuchthaus Marienschloß. Gegen 1 Uhr kehrten bie Herren nach Butzbach zurück nnb ht-m i/22 Uhr begannen im Hessischen Hof bie interessanten Verhandlungen. Generalstaatsanwalt P r e t 0 r i u s- Darmstadt führte den Vorsitz. Auf seinen Antrag wurde fest­gesetzt, daß in Zukunft die Hauptversammlungen an dem ersten Samstag der Monate Diai und ^November jeden Jahres statl- finben. Die nächste Versammlung tagt also am 3. November unb zwar in Mainz; auf bie Tagesordnung wirb gesetzt:

Holismus unb seine Beziehungen zum Verbrechen." Dre Zahl der Mitglieder der Vereinigung beträgt z. Z. 199. Der Vorsitzende gab Mitteilung von einer Zuschrift ber Süb- westdeutschen Konferenz für innere Mission, bie um eine statistische Ausnahme aller schwachsinnigen Kinber bittet. Als erster Referent sprach Prof. Dr. Mittermaier über das Thema: Die Einrichtung von Ge f än g n i s l e hr kn r s e n". Aus den interessanten Ausführi'.ugen entnehmen wir: Die Gefängnis­lehre rlt kaum ein Menschenalter alt, bie Kriminalstatislik ist wr edier Anfang, unb bnrch Mafsenbeobachtungen ber Menge, durch Vergleiche wird man allmählich bessere Resultate erzielen. Ein Verbrecher muß nach seiner Individualität, seinen sozialen Verhältnissen, seiner Herkunft, feinen Wolmungs- nnb Lebens- verhältnissen behandelt werben. Dazu gehört eine lange Er- fabrung. Zur Erlangung biefer Erfahrung gehört Zeit und Verständnis des Lebens. Auf ber Universität fehlt es an beiden, ben Proseporen an Zeit, der Jugend am gereiften Verständnis des gebens. Es Tannjyicr, nur das allerwichtigste von Pstzcholo- S.w, Pspchiattie und Statistik gelehrt werden. Dies ist bcbaiter- 1 - praktische Anschauungsunterrichk sollte eine besonders grotze Rolle spielen.^ Ter Strafjurist soll wissen, was die Strafe bedeutet und wie sie wirkt. Um dies zu lernen, sind die Ge- tanguislehrrurse erforderlich. Dabei muß bie Sttafvottzugslehr?, dw Faktoren des Verbrechens, die Wissenschaft von b:r Herkunft des Verbrechens, der Alkoholismus, die Arbeitsverhältnisse usw. behandelt werden Alles dies ist nur an der Strafanstalt selbst möglich. Man hat bereits in einzelnen deutschen Bundesstaaten Kurse eingerichtet, so z. B. in Baden in den 80 er Jahren, in Preußen 96, jetzt auch m Hamburg und Bayern. Hessen ist gut geeignet zu solchen Kursen, da zwei Strafanstalten, Butzbach und .Nockenberg, nahe beisammen sind. Daneben könnten auch m Darmstadt, Mainz und (ließen Vortragskurse stattfinden. Ter Gesangiiislehrkursus soll sich befassen mit den Fragen: 1. Was xft der Verbrecher? 2. Woher kommt das Verbrechen'^ 3 Was bebeutet b^e Straw? 4 Wie wirkt sie? Zugleich hat der Jurist

Ä Einrichtungen ber Anstalten, Beschäftigung ber ^'Ottesdienst, Unterricht usw. kennen zu lernen. Prof.

-br. ..iütermaier stellt zum Schluffe seiner hochinterefsanteii Aus­führungen folgende Thesen auf, die im Laufe der Diskussion mit geringer Aenderung angenommen werden:

1. Die Einführung von Gefängnis'lehrkursen in Hessen ist dringend erwunicht, um die Juristen und zum Staatsdienst bestimmten Aerzte mit der Bedeutung der Strafe, dem Ver- 2TC^r^n^t&mf vertraut zu machen.

, ohne. große Schwierigkeiten ein-

SäSS? <&barrr ?ber der Unterstützung unb ^lttt^1^^ung deS Großh. Ministeriums ber Justiz 3. Er-

Vorbildung in der Ge- ^nÄp 5nn hrn oUmbrüche 1014 -tage währende praktische c /'en großen Strafanstalten in Butzbach unb Marien- fdjtofi für höchsten^ 20 Teilnehmer aus den Kreisen ber Richter Sf1, * * * * * * * * * * * * *°rsn' ^oatsanwalte, Gerichtsassessoren, Rechtsanwälte' ^r°m7n °Ll°g7hLe DbCr bie das Staate tun.^n ®

»uriiS ^aaanislehrkursus im Lause des Jahres 1907 cin^ x ®CT^5te Direktor Clement-Brchbach ftimrntc bm «uäTübrunocn beä erften Reimers zu. @r forbrrt rine grmrbl.che theoretuihe Borbjlbuua in ber Stra fbollzuas- le brc, bie zu einem Keaenstaub ber S a f u 11 ä t s t>r iif n n q juf ber Unwernlat werben sollte. Ter wichtiaste Ersola war- dak der Richter bie -eele des Verbrechers kennen leme un^: Ä. lebhaftes Jnterem fiir die Gefanaenenfürsorgo c?- halten werde, um bie Entiosienen vor Rückfällen zu bewahren ' «eneralstaatsanwalt Pretorius erklärte fein lebhaftes Inte?- 1 eile für bie Kurie, eine bloße Besichtigung ber Ätten M( leinen Erfolg; es sollen durch die Kurse Ersatzleute ür be? tattc ober, erfronfte Beamte ausgebildet werden, oamit bie Sertrehmg in Zukunft nicht mehr durch subalterne Beamten .« ; gegeben braucht, fcr bedauert die Interesselosigkeit der jung n I Zünften flegenuier der Ke,angni«ehre und den bereits bestelnn df" MeimonaNichen Kursen. Mit den neuen Kursen wog man' 1 m l90tLtt,6rlCn'-bo. 1,11 »/Wahr 1907 ber neue Zellenbau zu : Marienschlotz eroimet unb dann sämtliche Zuchthäusler von 1