Ausgabe 
9.7.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 158

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Erscheint tL-ttch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiehener Zamilirnblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter .hessische Landwirf erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Montag N. Juli 1906

Rotationsdruck und Verlag der Drühkffch« Universitätsdruckerei. R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Gchulskr.V.

Tel. Rr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße».

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Umpflasterungsarbeiten wird die Frankfurterstraße in Grünberg vom 10.31. Juli l. Js. für den Fuhroerkehr gesperrt.

Wir bringen dies mit dem Anfügen zur Kenntnis, das; die gesperrte Straßenstrecke unter Benutzung des Heeglvegs umfahren werden kann.

Gießen, den 7. Juli 1906.

Großherzogliches SirciSamt Gießen.

I . V.: Dr. W ü r n e r._______

Bon Kaiser Wilhelms Nordlandssahrt.

Bergen, 8. Juli. DieHamburg" mit dem Kaiser an Bord hat gestern Bergen verlassen. Bevor der Monarch abreiste, stattete er der französischen Pacht »Salvator" einen Besuch ab. Es verlautet, der Kaiser werde Bergen noch einmal auf der Rückreise besuchen. Der Minister des Auswärtigen Lövland und der KriegSminister Olssön sind nach Drontheim gereist, um anwesend zu sein, wenn der Kaiser dort eintrifft. Zur Abendtafel hatten noch der Eigentümer der französischen Dampfyacht Mr. Menier nebst Familie, sowie die Offiziere der Begleitschiffe derHam­burgs Einladungen erhalten.

Drontheim, 8. Juli. Der Kaiser ist heute Nach­mittag hier eingetroffen. Kurz nach der Ankunft des Kaisers begab sich König Haakon auf das Kaiserschiff. Kaiser Wilhelm in norwegffcher Admiralsllniform mit dem Löwen­orden und dem Großkreuz des Olafordens empfing den König, der Admiralsuniform mit dem Bande des Schwarzen Adler- ordenS trug, am Fellreep des Schiffes. Die Monarchen um­armten und küßten einander wiederholt. Kaiser Wilhelin und König Haakon begaben sich in die Kajüte derHam- burg*, wo sie längere Zeit verweilten und fuhren darauf an Land. Nach dem Abschrecken der hier aufgestellten Ehren­kompagnie fuhren die Majestäten nach dem Stiftshof, wo der Kaiser von der Königin begrüßt wurde. Um 5 Uhr kehrte Kaiser Wilhelm an Bord decHainburg" zurück.

Der deutsche Botschafter aus der Staats-Universität von Illinois.

Aus Urbana (Illinois) wird uns geschrieben: Der Besuch, den der deutsche Botschafter in Washington, Baron Hermann von Speck-Sternburg, vor kurzem der Staats-Universität von Illinois abgestattet hat, lieferte den Beweis, wie stark die Bande der Sympathie und Freundschaft sind, welche Deutschland und Amerika mit einander verbinden. Bei seinem Eintritt in die Universitäts­anlagen wurde Baron Speck von neunzehn Kanonen­schüssen begrüßt, und es wurde ihm eine Ovation dar­gebracht, wie sie selten einem Besucher zu teil wurde. Es ist zweifelhaft, ob außer dem Präsidenten Roosevelt selber irgend ein anderer Staatsmann im Lande eine ähnlich leb­hafte Begeisterung hcrvorgerufen haben würde. Die Universität erteilte ihm die höchste Auszeichnung, die sie zu vergeben hat, den Grad eines Doktors der Rechte honoris causa. Die Zuhörer, mehr als dreitausend an der Zahl, erhoben sich wie ein Mann und tausend deutsche Flaggen in den Händen der Studenten wehten bem Gast ihren Gruß zu, während ein donnerndes Hoch durch das Gebäude brauste. Auch die Student enscha ft ließ es sich nicht nehmen, dein Botschafter ihre Achtung 511 bezeugen, indem sie ihn zu ihrem Ehrenmitglied erwählte.

Die Einwohner der Zwillings-Städte (Urbana- Champaign) nahmen ebenfalls an der Feier Anteil, indem sie ihre Läden und Häuser ausschmückten und dem Botschafter ein öffentliches Diner gaben, auf dem in einer Reihe von kürzeren Ansprachen die Freundschaft der Amerikaner für ihre deutschen Vettern jenseits des Ozcans, sowie die Leistungen de§ deutschen Volkes auf dem Gebiet des Krieges, der Literatur und der Wissenschaft lebhaft betont wurden.

Der Rektor der Universität, Dr. Edmund I. James, der in Halle promoviert und sich auf dem Gebiet der Nationalökonomie und des Erziehungswesens einen bedeutenden Ruf erworben hat, hielt eine Rede über die Verdienste der Deutschen in Kunst und Wissenschaft und über die Förderung, die die amerikanischen Unterrichtsanstaltcn den Deutschen ver­danken. Rührend war auch der Ausdruck der Hochachtung, die bei dieser Gelegenheit der Gemahlin des Rektors (Anna Margarethe Lange) gespendet wurde, einer Deutschen von Geburt, Tochter eines lutherischen Predigers in Halle, und Enkelin Gerlachs, der fünfzig Jahre lang Professor der Philosophie an der Universität Halle war. Während ihres mehr als fünfundzwanzigjährigen Aufenthalts in den Ver­einigten Staaten hat sie durch ihren Geist und ihre Persön­lichkeit und durch treue Unterstützung ihres Mannes in seinen wichtigen Aemtern an vier großen Hochschulen (als Professor an den Universitäten von Pennsylvania und Chicago und später als Rektor dec Northwestern-Universität und der Staats- Universität von Illinois) dem Namen der deutschen Frau Liebe und Achtung verschafft.

In hübschem Einklang mit dein Charakter der Feier traf es sich, daß auch Fräulein Dr. Else Conrad zugegen war, die Tochter Johannes Conrads, des berühmten Professors der Nationalökonomie an der Universität Halle. Fräulein Conrad, die vor einiger Zeit auf der Universität promovierte, ist auf eines, Forschungsreise durch die Vereinigten Staaten begriffen, auf der sie an den Hochschulen Studien über amerikanische Frauenerziehung treibt; zugleich untersucht sie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände unter den amerikanischen Fabrikarbeiterinnen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Juli. Wie aus Norderney gemeldet wird, gilt es dort als wahrscheinlich, daß der Kaiser dem

Reichskanzler Fürsten v. Bülow nach Beendigung der Nordlandsreise einen zweiten Besuch in Norderney ab* stattet.

Weimar, 8. Juli. Die Verlobung des Groß­herzogs Wilhelm Ernst milder Prinzessin Her­mine von Neuß ä. L. soll nach Gerüchten in den nächsten Tagen offiziell bekanntgegeben werden.

Stuttgart, 8. Juli. Die Kammer der Abgeord­neten nahm das Landtags Wahlgesetz unter Zustimmung zu den Beschlüssen des anderen Hauses mit 45 gegen 1 Stimme an. Bei der Beratung der Gemeindeordnung hat das HauS mit 49 gegen 21 Stimmen bei einer Stimm­enthaltung die Bestimmung, daß die Abschaffung der Lebens län glicht eit für die nach dem 1. Januar 1905 gewählten Ortsvorsteher rückwirkend gelten soll, aufrecht­erhalten, im übrigen aber den Beschlüssen der ersten Kammer zugestimmt. Hierauf wurde die Gemeindeordnung einstimmig angenommen.

Gestern wurde hier der 7. Kongreß des deutschen Vereins für Knaben Handarbeit eröffnet. Zur Be­grüßung des Kongreffes traf ein Schreiben aus dem Kabinett des Königs ein, in dem es heißt, daß der König dem Verein, dessen Bestrebungen in pädagogischer und sozialer Beziehung, wie in ihrer Bedeutung für Kunst und Kunstgewerbe und für das wirtschaftliche Leben er eine hohe Bedeutung zuerkenne, den besten Verlauf seiner Tagung wünsche. An den König, wie an den Kaiser und an den preußischen Kultusminister wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Hauptvorträge hielten Dr. Papst-Leipzig über die Entwicklung der päda­gogischen Idee im Handarbeitsunterricht, sowie der Direktor am Kunstgewerbemuseum zu Berlin Dr. Jessen über die Knabenhandarbeit im Dienste der künstlerischen Kultur. Kultusminister Fleischmann begrüßte den Kongreß im Auftrag des Königs. Prof. Pal lat stellte ein tätiges Ein­greifen der preußischen Unterrichtsoerwaltung in Aussicht, namentlich durch Lehrerausbildung. Geh. Obercegierungsrat Dr. Post überbrachte Grüße des preuß. Ministers für Handel. Ein Vortrag des Landrats Dr. Lenz-Beuthen über die Be­ziehungen der Knabenhandarbeit zum wirtschaftlichen Leben des Volkes fand lebhaften Beifall. Mit einem Ausblick auf die Zukunft und die Bestrebungen deZ Deutschen Vereins für Knabenhandarbeit schloß der Vorsitzende den Kongreß.______

politifdbc Lagestzchau.

Zur Iserlohner Wahl.

Wir lesen imVerl. Tagebl.":

Die Iserlohner Reichstagsersatzwahl wird von dem führenden Zentrumsorgan schon jetzt anticipando als ein h 0 cherireu - l i ch e r S i e g d e s Z e n t r u m s gefeiert, den der Klerikalisimis alsUnterschrift der Wähler unter feine Flotten-, Kolonial- und Steuerpolitik" beuten dürfe. DieGermania" knüpft aber an diesen Sieg noch weitergehende Betrachtungen und H 0 f f n u n g e n. Sie hält schon jetzt Umschau nach anderen Wahlkreisen, in denen mit bet Zeit in gleicher Weise ähnliche Erfolge erzielt werden könnten, so Danzig Stabt unb Land, Deutsch-Krone, Breslau-Land, Wiesbaden, Solmgen, Worms unb Bingen-Alzey.

Gegen die Wahl liegt übrigens ein Protest bem Reichs- tagsbureau vor. Es sollen verschiebentlich arge Verstöße vorgekommen sein. So sollen u. a. nicht Wahlfähige gewählt haben, in einem Wahllokal soll, als die amtlichen Kuverts ausgegangen waren, ohne solche weitergewählt worden sein und aus Altena wird berichtet, daß in einem Bezirk öfter mehrere .Wähler gleichzeitig die sogen. Wahlzelle betreten haben, statt, wie vorgeschrieben, einzeln.

Heer und Flotte.

Eine Affäre Pelissier gelangt in dieser Woche vor dem Kriegsgericht in Marseille zur Verhandlung. Die Anklage gegen den französischen Unteroffizier Pelissier, der seinerzeit nach Belgien desertierte, lautet auf Einbruchsdiebstahl, weil nur dieses Vergehens wegen die Auslieferung bewilligt werden konnte. Pelissier rühmte sich aber öffentlich und ist, wie es beißt, acneigt, in der Verhandlung zu wiederholen, daß er bei dem ihm zur Last gelegten Diebstahl den gesamten Mo b il is a t r 0 n S- plan der französischen Alp en armer entwendet und dem Agenten einer fremden Macht die Gewißheit gegeben habe, daß die Alpen-Armee, weil von Italien nichts zu befürchten fei, an der französiscl)en Ostgrenze verivendet werden könne.

Die Gärung in Rußland.

In einer am 7. d. M. abgehaltenen Sitzung sprach sich die Zentrumsfraktion des Reichsrats, zu der fast die Hälfte der sämtlichen RcichsratSmitgliedcr gehört, für die Abänderung der bestehenden Gesetze über die Kompetenz der Kriegsgerichte aus, beschloß jedoch, die Militär­gesetze nicht zu ändern. In diesem Sinne wird voraus­sichtlich der Reichsrat zu dem von der Duma ausgehenden Gesetzentwurf wegen Abschaffung der Todesstrafe Stellung nehmen. Ferner wurde in einer in Petersburg abgehal­tenen Versammlung, an der etwa 4000 Personen teilnahmen, das Agrarprojekt der Arbeitergruppe einer scharfen Kritik unterzogen. 'Alle Redner stimmten darin überein, daß seine Verwirklichung zu furchtbaren Fol­gen führen könne. Es wurde eine Resolution gefaßt, in welcher das Projekt als unausführbar bezeichnet und der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die Arbeitergruppe das Projekt fallen lassen und sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei anschließen werde.

Nach einer Meldung des englischen LügenblattesMor- ning Leader" beabsichtigten Revolntionäre, die Jacht des Zaren, auf der er in den finnischen Gewässern zu krenzen beabsichtigte, in die Luft zu sprengen. Im Finnischen Meerbusen wurde cm verdächtiges Fahrzeug ge­sichtet, dessen Besatzung aus finnischen und russischen Re­volutionären bestehend, längs der Küste Minen gelegt hatte. Taucher, die-den Befehl erhalten hatten, nach diesen Mmen zu suchen, fanden zahlreiche Minen besonders an jenen Stellen, wo die kaiserliche Jacht im Vorjahr zu ankern pflegte. Die Minen foim'ün vom Lande aus zur Explosion gebracht werden. , . , . .

Zu den Enthüllungen des Fürsten llrussow in der Duma behauptet ein Blatt, die von dem früheren Gehilfen des

Minister des Innern ans Licht gezogene Gehe im - druckerei des Polizeidepartements, in welcher hetzerische Proklamationen mir Aufforderung zu Po­groms angesertigt wurden, bestehe auch gegenwärtig noch [ort. An ihrer Spitze bcfinde sich der Stabsnttmeister Kommissarow. Ten politischen Teil besorgten die Beamten des Departements Roezowsky, Manuilow und Pipatritzly. Ms Setzer wurden ausschließlich Gen­darmen verwendet. Diese Behauptung habe sich jetzt als wahr herausgestellt und der Minister des Innern verfügte, wie vor ihm Graf Witte es schon einmal getan hatte, die sofortige Schließung der Geheinibrnckerei. Rittmeister Kvm- missarow wurde verabschiedet. Die übrigen Angestellten er­hielten eine Monatsgage als Gratifikation und wurden ebenfalls entlassen.

Der Gouverneur von Grodno, Küster, zu dessen Amts­bezirk Bjelostok gehört, ist abberusen worden.

In Warschau wurde auf dem Bahnhose der Weichsel­bahnen ein Zollaufseher, der einen Revolver-Schleichhandel entdeckte, erschossen. Wegen der zahlreichen Mordtaten an Polizisten soll der jetzige Kriegszustand in den ver­stärkten Belagerungszustand mit neuen Repressalien ver­wandelt werden. Bei Lodz überfielen sieben Bewaff­nete einen Spritladen und verletzten die Verkäuferin und ihre beiden Töchter schwer. Als die Räuber zu entkommen suchten, wurden vier von ihnen von einer Kvsaken-Pa- trouille erschossen.

Im Dorfe Kraßnopolsk, Gouvernement Podolien, kam es zwischen landlosen armen Bauern einerseits und reichen Bauern andererseits zu Zwistigkeiten^ da die letzteren an die Rcichsduma ein Telegramm gesandt hatten, in welchem sie sich gegen eine Landteilung aus­sprachen. Schließlich entstand eine Schlägerei. Nach offi­ziöser Meldung wurde ein reicher Bauer tödlich, vier andere schwer verletzt. Anderen Meldungen zufolge gab es zahreiche Tote innö Verwundete.

In K 0 wno wurde der Schriftführer des 3. Polizei­reviers verhaftet, bei dem eine B ombe gefunden worden war. Es wurde festgestellt, daß er der Autor von Droh­briefen ist, die im Flamen desBundes" an den Polizei- meister gerichtet wurden.

Volkserziehung und Volksbeglückung in Rußland planen jetzt aus einem neuen Wege die ame­rikanischen M is s i 0 n s g e s e l l s ch aft e n. DerUni­ted Board of American Foreign Missions" bat in der Person des Professors Steiner aus Iowa einen Emissär nach Ruß­land geschickt, um dort zunächst die Möglichkeit nach er­sprießlicher Missionsarbeit studieren zu lassen. Profesfor Steiner hat sich über seinen Auftrag etwa dahin ausge­sprochen:Sobald die amerikanische Zentralstelle sich auf Grund meiner Berichte davon überzeugt haben wird, ob wirklich religiöse Freiheit in Rußland herrscht, werden von uns, zunächst in den ländlichen Distrikten, Mission s-i schulen errichtet werden, deren einzige Aufgabe es sein soll, die russischen Bauern auf eine höhere Kultur- unb1 Bildungsstufe zu bringen. Tie amerikanische Mission beab­sichtigt aber nicht, Proselyten zu machen. Erziehung, nicht Bekehrung, wird unser Wahlspruch sein. Auf dem Wege der Evolution, nicht der Revolution, will die amerik. Missionsbewegung es versuchen, Rußland gegenüber ihre menschlich-christliche Pflicht zu tun."

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In Kr0nstadt fand vor dem Marinekriegs­gericht die Verhandlung wegen der Ueb ergäbe d e s M i n c n b 0 0 t e sB j e d 0 wy 1" an die Japaner statt. Generalmajor Wogak bezeichnete in einer dreistündigen An­klagerede die Uebcrgabc des Minenbootes als eine nie dagewesene Schmach in der Geschichte der russischen Flotte und nannte die Angeklagten Verräter. Von der Anklage des Admirals Roschdjcstwenski und anderer Offi­ziere absehend, verlangte der Vertreter der Anklage für die übrigen Angeklagten die Todesstrafe, stellte jedoch mit Rücksicht aus die mildernden Umstände die Verhängung einer anderen Strafe anheim. Der Anwalt Adamow, der Verteidiger des Kapitäns Kolong, erklärte, die wahren Schuldigen ständen nicht vor Gericht, sondern sie befänden sich in Freiheit und erhielten Beförderungen. Vor Gericht ständen nur die büßenden Opfer des Unglücks des ftriegeö. Wenn diese schuldig seien, könne die höchste Strafe für sie die si-esttnigsstrafe, nicht aber die Todesstrafe sein. Bei der Reorganisation der Flotte und des Marinewesens dürfe man nicht über Leichen schreiten. Ter Verteidiger plädierte für die völlige Freisprechung Kolongs. Auch die Verteidiger der übrigen Angeklagten traten für Freisprechung der an­genagten Offiziere ein. *

300 Mitglieder des engl. Unterhauses haben eine Sympathieadresse an die Tuma unterzeichnet.

Ausland.

London, 8. Juli. Die Mitglieder des Kabinets, Sir Churchill und George haben m längeren Reden in den Provinzen die 9101 m e n b 1 g t c i t einer Abänderung besOberhauses verkündet. Unterstaatssekretär Churchill sagte, daß sich gu Etatsherabsetzungen die Regierung burchaus verpflichtet fühle. Das Oberhaus bezeichnete er als eine nngesiinbe Versammlung ohne Verantwortlichkeitsgefühl, die aufgehört habe, eine normale Tätigkeit im Staat auö* zuüben, und die das Parteiinstrument einer Sonderpattei ge­worden sei. Der Präsident des Handelsamts, Lloyd George, hat von der ausgeleierten Parlamentsmaschine gesprochen unb gesagt, daß das Oberhaus zum alten Eisen geworfen werden müßte.

Paris, 8. Juli. Nach einer Meldung aus Algier hat der Sohn des Königs vonDahomey, Behanzin, einen S e l b st m 0 rd v e rs u ch gemacht, indem er eine starke Dosis Phosphor verschluckte. Es gelang, ihn vom Tode zu erretten. Er erklärte, er habe seinem Leben ein Ende machen wollen, Der frühere Kriegsminister Berteaux erklärte bei Uebernahme der Präsidentschaft im Budgetausschuß: Der Marokko-Zwischenfall habe große Ausgaben verursacht, trotz-